Open Password - Donnerstag,
den 19. November 2019

# 664


 

Zukunft der Informationswissenschaft – Dirk Lewandowski – HAW Hamburg – UB der TU Berlin – Zukunftsfähigkeit – Frauke Schade – Wissenschaftsrat – Rat für Informationsinfrastrukturen – Walther Umstätter – Shannon/Weaver – Winfried Gödert – Bernd Jörs – Willi Bredemeier – Bawden & Robinson – Field of Study – Human Recorded Information – Carmen Krause – Rainer Kuhlen – Medienwissenschaft – Kommunikationswissenschaft – Psychologie – Domänenfreiheit – Praxisrelevanz – ISI-Tagungen – Hochschulverband Informationswissenschaft – Forschungsevidenz – Suchmaschinenforschung – Internationalisierung – Hans-Christoph Hobohm – Öffentlichkeitsarbeit – DGI – Zielgruppen der Informationswissenschaft – Kleine Fächer – Wachstumsstrategie – Vivien Petras – Elisabeth Simon – Bibliothekswissenschaft – Universität Hildesheim – Universität Regensburg – Universität Konstanz – Michaela Jobb – Stephan Büttner – Neue Geschäftsbereiche – Information Professionals - Google  - Project Nightingale – Gesundheitsdaten – Nasdaq – Energy Futures – Deutsche Börse – Health Stream – RepDirect – Certification – OCLC – Taylor and Francis – Subscription Management – American Chemical Society – EISZ – MRI Simmons – EthniFacts – Cultural Suite – Gale Engage – Deziner Software - Outsell - Bibliotheksleitertag – Gabriele Wolberg - OCLC

Zukunft der Informationswissenschaft
Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft?

Dirk Lewandowski

Die Informationswissenschaft hat ein strukturelles, kein inhaltliches Problem

Ein Sechs-Punkte-Programm,
um aus dem Status
eines kleinen Faches herauszukommen

Von Willi Bredemeier

 

 Dirk Lewandowski

Dirk Lewandowski (HAW Hamburg) hatte mit dem Titel seines Referates auf der Veranstaltung zur „Zukunft der Informationswissenschaft – Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft?“ an der UB der TU Berlin Brisanz angekündigt. Sein Titel lautete: „Warum die Frage nach der Zukunft der Informationswissenschaft falsch gestellt ist“. Dabei war die Veranstaltung auf der Basis des Buches „Zukunft der Informationswissenschaft – Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft?“ entwickelt worden. Wie sich zeigte, war Lewandowski der erste, der sich öffentlich mit den in dem Buch erhobenen Kritiken zum Stand der Informationswissenschaft umfassend auseinandergesetzt hatte und damit die dort geführte informationswissenschaftliche Debatte fortführte. Damit kam er den impliziten Wünschen der Autoren entgegen, die sich in dem Buch kritisch zum Stand der Informationswissenschaft geäußert hatten.

Der Referent erklärte, er habe sich nach der Lektüre des Buches gefragt (oder nach den ersten 150 Seiten des Buches, auf denen Grundfragen der Informationswissenschaft erörtert werden – anschließend geht es mehr um eine Leistungsschau der Disziplin in Forschung und Lehre): „Von welcher Informationswissenschaft ist hier eigentlich die Rede?“ und sich darauf die Antwort gegeben: „Das ist nicht die Informationswissenschaft, wie ich sie kenne.“ Die Grundhaltung der Autoren im Buch seien Zweifel an der Zukunft der Informationswissenschaft wenn nicht an der Zukunftsfähigkeit des Faches gewesen.

Lewandowski widersprach diesen Kritikern mit den Worten, dass er keine Zweifel an der Zukunft der Informationswissenschaft habe. Wohl habe die Informationswissenschaft ein strukturelles, jedoch kein inhaltliches Problem. So habe Frauke Schade überzeugend nachgewiesen, dass sich die Informationswissenschaft mit allen Fragen der Digitalisierung, die die Politik in ihren Positionspapieren vom Wissenschaftsrat bis zum Rat für Informationsinfrastrukturen stelle, befasse. Hier Lösungen zu erarbeiten, „das können wir nach meiner Überzeugung gut“.

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Grundlegende Kritiken an der Informationswissenschaft.

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Wie lassen sich die Kritiken im Buch „Zukunft der Informationswissenschaft“ zusammenfassen? Lewandowski kam auf drei Punkte mit jeweils zwei oder drei Unterpunkten:

„1. Fehlende oder falsche Fundierung

• Von einer fehlenden Fundierung sei nach Umstätter zu sprechen, weil die Informationswissenschaftler nicht der überlegenen Informationstheorie von Shannon/Weaver folgten.

• Die Informationswissenschaftler hätten ein Problem mit der Definition ihres Grundbegriffes „Information“ bzw. sich nicht auf eine einheitliche Definition ihres Grundbegriffes geeinigt.

• Die Informationswissenschaft verfüge über keinen eigenen inhaltlichen Kern bzw. ihr Gegenstandsbereich sei gegenüber anderen Fächern nicht eindeutig abgegrenzt.

2. Fehlende Relevanz vor allem der informationswissenschaftlichen Forschung

• So ordnete Gödert der Informationswissenschaft einen „Verlust von Problemlösungskompetenz für Zukunftsfragen“ zu.

• Jörs sehe die „Domänenfreiheit“ der Informationswissenschaft“, also das Fehlen konkreter Anwendungsbereiche, als grundlegendes Defizit.

3. Ungenügender Paxisbezug

• Bredemeier behaupte, die informationswissenschaftliche Forschung sei nicht nützlich, also praxisuntauglich.

• Nach Gödert sei sowohl die Informationswissenschaft als auch die Informationspraxis für die gegenwärtige „Bedeutungslosigkeit der Informationswissenschaft“ verantwortlich.

Die von Lewandowski genannten Autoren seien nur Beispiele, die im Falle umfassenderer Darlegungen um weitere Namen zu ergänzen seien.

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Wie treffend ist die Kritik?

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„Wie treffend ist diese Kritik?“ fragte Lewandowski. Er antwortete:

Zur fehlenden Fundierung der Informationswissenschaft. Lewandowski bestritt nicht, dass es viele Definitionen von Informationen gibt. Persönlich bevorzuge er die von Bawden & Robinson (2012): „A multidisciplinary field of study, involving several forms of knowledge, given coherence by a focus on the central concept of human recorded information“. Wenn es auch andere Definitionen für Information innerhalb der Informationswissenschaft gebe, so bringe das verschiedene Perspektiven in die Erörterungen ein, was man grundsätzlich förderlich für die weitere Entwicklung der Disziplin finden könne. Wenn nun die Informationswissenschaft beanspruche, alle Zusammenhänge der „human recorded information“ zu betrachten, während die anderen Disziplinen nur einzelne Segmente für ihre Erörterungen heranzögen, so verfüge die Informationswissenschaft sehr wohl über ein Alleinstellungsmerkmal.  

Zu Walther Umstätters Vorwurf einer falschen Fundierung der Informationswissenschaft fügte Lewandowski im Anschluss an Rainer Kuhlens Kritik an Umstätter hinzu: Wenn die Informationstheorie von Shannon/Weaver gegenüber allen ihren Alternativen die überlegene sei, warum habe Umstätter, obgleich er genügend Zeit und „alle Ressourcen der Welt“ zur Verfügung gehabt habe, diese Theorie nicht entwickelt statt die Informationswissenschaft gegen Ende seiner beruflichen Laufbahn einer Fundamentalkritik zu unterziehen?

Zur Überlappung des Gegenstandsbereiches der Informationswissenschaft mit anderen Disziplinen wies Lewandowski darauf hin, dass solche Überschneidungen für wissenschaftliche Fachbereiche fast der Normalfall seien. So ließen sich die großen gemeinsamen Teilmengen der Medien- und Kommunikationswissenschaft nur damit erklären, dass die beiden Disziplinen eine unterschiedliche Herkunft aus anderen Disziplinen (Sozial- bzw. Geisteswissenschaften) hätten. Wenn sich die Psychologie als die Wissenschaft vom „Erleben und Verhalten“ der Menschen ansehe – „breiter geht es nicht“ -, so könne sie damit kein Alleinstellungsmerkmal, allenfalls den Anspruch herleiten, dass sie bei Fragen darüber mit am Tisch sitzen sollte.

Zur fehlenden Relevanz. Sollte die Kritik einer fehlenden Relevanz berechtigt gewesen sein, so könne sie nur auf bestimmte Gruppen der deutschen Informationswissenschaft in der Vergangenheit bezogen sein, sagte Lewandowski. Eine „Domänenfreiheit“ wie von Jörs kritisiert gebe es auch in anderen Disziplinen, so dass die klar institutionenbezogene Bibliothekswissenschaft eher eine Ausnahme bilde. Bei der Düsseldorfer Informationswissenschaft habe der „Trick“ zur Sicherstellung einer viel versprechenden Laufbahn der Studierenden gerade darin bestanden, „Informationswissenschaft“ als Nebenfach auszuweisen, so dass die Absolventen über Domänenwissen (aus dem Hauptfach) und zusätzliches wertvolles Wissen (aus der Informationswissenschaft) verfügten. Zudem sei die Bedeutung des Erwerbs von Domänenwissen in Praktika und in der Praxis kaum zu überschätzen.

Ungenügender Praxisbezug. Bredemeier hatte seine Kritik eines mangelnden Praxisbezuges der Informationswissenschaft mit mehreren Rezensionen der ISI-Tagungen des Hochschulverbandes Informationswissenschaft belegt. Diese Praxis ließe sich gegenwärtig nicht fortsetzen, weil der Hochschulverband die zunächst für Tallin geplante ISI-Veranstaltung stornierte und auch kein neues Symposion in der Pipeline hat. Eben dieses kritisierte auf der Tagung auch Rainer Kuhlen.

Lewandowski wies den Vorwurf eines mangelnden Praxisbezuges mit Blick auf die vielen Praxiskooperationen der Informationswissenschaft zurück. Die Praxis hätte sich längst aus ihrer Zusammenarbeit mit der Informationswissenschaft zurückgezogen, wenn sie keinen Nutzen aus ihr ziehen würde. Allerdings berge der Vorwurf des fehlenden Praxisbezuges eine weitere Frage, nämlich die nach der Qualität der Forschung. Hier sah der Referent sehr wohl die Notwendigkeit, die Beziehungen zwischen Informationswissenschaft und Praxis weiter zu erörtern.

Haben die geäußerten Kritiken außer ihrer skeptischen Grundhaltung weitere Punkte gemeinsam? Das sah Lewandowski so:

• Die Kritiker, die zum guten Teil einer älteren Generation der noch aktiven Informationswissenschaftler angehören, fokussierten sich auf die Vergangenheit. Sie beziehen sich damit auf eine Zeit, die es so nicht oder nicht mehr gibt.

• Die Kritiker fokussieren sich auf Deutschland bzw. auf den deutschsprachigen Raum, während die heutige Informationswissenschaft viel stärker international verwoben ist.

• Die Probleme der Informationswissenschaft werden nicht von den generellen Problemen kleiner Fächer unterschieden. Dies sah Lewandowski als den gravierendsten Punkt seiner Kritik.

Gleichwohl sah der Referent mehrere der im Buch erhobenen Kritikpunkte als gerechtfertigt an. Diese sprach er eher indirekt an, indem er die Frage stellte, „worum wir uns kümmern sollten“. Das seien insbesondere:

• Steigerung des Evidenzwertes der Forschung, eine Frage, die bedeutende Überlappungen zu den Fragen nach der Qualitätskontrolle der Forschung und Strategien zur Qualitätssteigerung hat. Hier hat beispielsweise die Psychologie, wo die Evidenz ihrer Ergebnisse stark in Zweifel gezogen werden, Maßnahmen eingeleitet, um die gegen sie gerichteten Vorwürfe zu entkräften.

• Auswahl relevanter Fragestellungen in der Forschung, eine Forderung, die nicht im Widerspruch zu dem nicht aufgebbaren Wert der Wissenschaftsfreiheit steht. Lewandowski und sein Team haben sich in ihrem Forschungsbereich der „Suchmaschinen“ vor allem den Fragen zugewandt, die die Suchmaschinenbetreiber, die ja über weit größere Forschungskapazitäten als die Hochschulforschung verfügen, nicht beantworten können und noch wichtiger, nicht beantworten wollen. Auf keinen Fall dürfe die Suchmaschinenforschung zum Erfüllungsgehilfen der Suchmaschinenanbieter werden.

• Stärkung der informationswissenschaftlichen Community. Auf diesen Punkt kam der Referent unter „Strategien“ wieder zurück.

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„Mein Bild der Informationswissenschaft“
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Der Hamburger Hochschulforscher stellte dem Bild der Kritiker sein eigenes Bild der Informationswissenschaft entgegen. Als „Merkmale der aktuellen Informationswissenschaft“ führte er an:

• „Es gibt keine „deutsche“ Informationswissenschaft, sondern deutsche Informationswissenschaftler, die in internationale Kontexte eingebunden sind.“

• Die Leistungen der aktuellen Generation der Informationswissenschaftler sind anzuerkennen. Das gilt sowohl für die Kommunikation innerhalb des Faches als auch für den Transfer erarbeiteter Erkenntnisse in andere Fächer als auch für ihre interdisziplinäre Arbeit als auch für den Transfer ihrer Handlungsempfehlungen in die Praxis. So ließe sich eine „große Wirkung“ der Informationswissenschaft durch entsprechende Zitationen belegen.

• Alle erfolgreichen deutschen Informationswissenschaftler arbeiten international. Hier folgte eine Einschränkung: Sie „werden dafür vielleicht in Deutschland (!) zu wenig wahrgenommen“.

Ist das internationale Engagement der deutschen Informationswissenschaft demnach auf Kosten ihrer Präsenz im eigenen Land gegangen? Hier müsse man sich gegebenenfalls an die eigene Nase fassen und mehr tun, sagte Lewandowski und erzählte aus einem kürzlichen Gespräch mit einem schwedischen Kollegen: Dieser habe sich vor allem bemüht, in englischer Sprache zu publizieren - mit der Konsequenz, dass er im eigenen Land kaum noch wahrgenommen werde.

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Was tun?
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Wenn die Informationswissenschaft sich mit allen relevanten Fragen der Digitalisierung befasst, warum ist sie so klein geblieben? Da die Informationswissenschaft auch unter den kleinen Disziplinen ein kleiner Fachbereich ist, mag es ihr besonders schwerfallen, auf sich aufmerksam zu machen. Aber wenn sie nicht sichtbarer wird, mag sich die Reihe der Schließungen und Abstriche an den Budgets fortsetzen. Die Frage lautet also: „Was können wir tun, um dem strukturellen Problem der Informationswissenschaft zu begegnen?“

Lewandowski antwortete mit einem Sechs-Punkte-Programm:

• „Bei dem großen transdisziplinären Projekt mitwirken, das andere Wissenschaften betreiben“, wie Hans-Christoph Hobohm dies in seinem Beitrag für das Buch „Zukunft der Informationswissenschaft“ formuliert hatte. Hier stellt sich die Frage der mangelnden Sichtbarkeit der Informationswissenschaft als kleines Fach erneut, wie sie sich also erfolgversprechend in die Gremien der Forschungsförderer und in die Projektpläne beispielsweise der Informatiker einbringen kann.

• Community neu bilden bzw. stärken. Zu diesem Punkt waren Lewandowski, das weitere Podium und das sich artikulierende Plenum einer Meinung, dass man selbst mit gutem Beispiel vorangehen müsse und die Aufgabe der Community-Stärke nicht (allein) den Verbänden überlassen dürfe. Hier wurden von mehreren Seiten Beispiele genannt, wie man bereits aktiv geworden sei und es entstand sogar eine Aufbruchstimmung bei Überlegungen, was man demnächst zu unternehmen gedenke.

• Leistungen der Informationswissenschaft stärker herausstellen. Lewandowski knüpfte bei diesem Punkt an die Forderung Kuhlens an, eine „offensive Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit“, zu betreiben. Dabei dürfte hier unabhängig von Lewandowski im Begriff „Offensiv“ der Aufruf nach mehr Professionalität stecken und im Begriff der „Aufklärung“ der Appell an einen qualitativ hochwertigen Informationstransfer in die Öffentlichkeit, der weit über die Reputationspropaganda einzelner Forscher und Institute mit dem Versand von Pressemitteilungen nach dem Vorbild von PR-Agenturen und Projektankündigungen hinausgeht.

• Verbände müssen wachsen und relevante Themen angehen. Hier benannte Lewandowski die DGI und den Hochschulverband Informationswissenschaft als Einrichtungen, die eine „sehr traditionelle Informationswissenschaft“ betreiben, die also ihren Aufgaben in der Gegenwart besser nachkommen sollten. Sie müssten sich so ändern, dass sie wieder wachsen könnten, womit Lewandowski wohl auf die sinkenden Mitgliederbestände anspielte.

• Anbindung an eine andere Praxis, nämlich an Politik, Regulierung und Gesellschaft. Häufig würden unter „Praxis“ die Wirtschaft und die Unternehmen verstanden. Das sei   falsch, da die Wirtschaft – siehe die Suchmaschinenanbieter – für ihre Forschung und Entwicklung über genügend Kapazitäten verfüge. Aber in Politik, Regulierung und Gesellschaft bestehe ungedeckter Beratungsbedarf und man laufe hier, wenn man vorspreche, offene Türen ein. Das Problem sei nur, dass man dort die Informationswissenschaft nicht kenne.

• 6. Strategie entwickeln, wie die Informationswissenschaft wachsen kann, wie die Disziplin also aus ihrem Status als kleines Fach herauskommt. Hier seien alle gefordert, die Verbände, die Informationswissenschaft und die Informationspraxis.

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Bibliotheks- und Informationswissenschaft zusammenführen – Sich an der Pflege der Community beteiligen – mit guter Forschung etwas bewirken.
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In der anschließenden Debatte wurde vor allem die von Vivien Petras verfochtene Forderung nach einer Integration der Bibliotheks- und Informationswissenschaft gutgeheißen. Die These, dass die bisherige Trennung nicht inhaltlich begründbar, vielmehr durch „Machtspiele“ (Verlegerin Elisabeth Simon) verhindert worden sei, hätte auf dem Podium und im Plenum wohl eine Mehrheit gefunden. Auf breiten Konsens stieß auch Lewandowskis These, dass man die Pflege und das Wachstum der eigenen Community nicht allein den Verbänden überlassen dürfe, sondern selbst aktiv werden müsse. Hier kam die bereits angesprochene Aufbruchstimmung ins Spiel.

Der ehemals Konstanzer Hochschulforscher Rainer Kuhlen gab Lewandowski recht, indem er sagte, dass in der Informationswissenschaft an deutschen Hochschulen gute Forschung betrieben werde. Er nannte in diesem Zusammenhang die Hochschulen Hildesheim, Regensburg und Konstanz. Gleichwohl sei die „Decke wissenschaftlicher Produktionen sehr dünn“, da die Informationswissenschaft vor allem an Fachhochschulen betrieben werde und es zu wenige Promotionen gebe.

Kuhlen hatte seinerzeit den Hochschulverband Informationswissenschaft gegründet. Nun teilte er die Kritik von Lewandowski und Krause, forderte dazu auf, Verantwortliche, die nichts täten, von ihren Positionen zu entbinden und sprach sogar von der Möglichkeit, einen neuen Verband zu gründen. Er weitete seine Kritik auch insoweit aus, als er die Notwendigkeit sah, der Tendenz zu wehren, dass „jeder sein eigenes Gärtlein bestellt“, ohne sich um neue Ansätze, Trends und veränderte Rahmenbedingungen zu kümmern.

Aber man könne nicht nur gute Forschung betreiben, vielmehr mit Forschung in der Praxis etwas bewirken, sagte Kuhlen und wies auf seine eigenen Bemühungen um Fragen des Urheberrechts hin, wo er den Interessen der Bibliotheken eine gewichtige Stimme verleiht. Das von Frauke Schade beschworene „Bohren dicker Bretter“ wurde von der Moderatorin Michaela Jobb an einem Beispiel konkretisiert, wie sie nämlich zwölf Jahre darum kämpfen musste, mit der Hochschulbibliothek der richtigen Seite, nämlich der Forschung und nicht der Verwaltung, zugeordnet zu werden. Am Ende war sie erfolgreich.

Stephan Büttner (FH Potsdam) erinnerte daran, wie er gemeinsam mit Willi Bredemeier auf der Infobase 1991 zu einem völlig neuen Thema, „Neue Geschäftsbereiche für Information Professionals“, eingeladen hatte. Teilnahme und weiterer Response sprengten damals alle Erwartungen. Allerdings wurde das Thema von den Einrichtungen mit einem „traditionellen informationswissenschaftlichen Verständnis“ abgelehnt. Hier war ein Momentum entstanden, das sich leider nicht auf Dauer stellen ließ.

Fazit des Berichterstatters: Das sind nun Ausführungen zur „Zukunft der Informationswissenschaft“, die ihrerseits eine Antwort verdienen.

Internationale Nachrichten

Google sammelt Gesundheitsdaten
von Millionen Amerikanern

Google is engaged with one of the country’s largest health-care systems to collect and crunch the detailed personal health information of millions of Americans across 21 states. The initiative, code-named “Project Nightingale,” appears to be the biggest in a series of efforts by Silicon Valley giants to gain access to personal health data and establish a toehold in the massive health-care industry.  

Nasdaq verkauft „Energy Futures“ an Deutsche Börse. Nasdaq said it has agreed to sell its energy-futures business, NFX, to a unit of German exchange group Deutsche Börse, giving up on its four-year effort to break into commodities. NFX’s core assets — including its oil, gas, electricity, metals and freight futures markets — will be transferred to Deutsche Börse’s energy arm, EEX Group, by 2020 as part of the transaction. The terms of the deal weren’t disclosed. 

Zertifizierung für Gesundheitsvertreter. HealthStream announced the launch of RepDirect, a new online certification program for healthcare industry representatives to demonstrate their knowledge and competency of safe, ethical, and compliant practices within care environments. RepDirect is comprised of the AdvaMed’s Code of Ethics on Interactions with Health Care Professionals; AORN's OR Protocol; and HealthStream’s safety courseware library.

Automatisierung des Abonnementmanagements. OCLC is pleased to partner with Taylor and Francis to automate subscription management workflows, eliminating the need for manual intervention by library staff. This means that (with your permission) Taylor and Francis will provide updates weekly to OCLC with your library-specific holdings data (including new and deleted titles) so that OCLC can automatically.

Transformativer Open-Access-Pilot für Ungarn. The American Chemical Society (ACS), Publications Division, and the Hungarian Electronic Information Service National Programme (EISZ) announced a transformative open access pilot agreement that enables corresponding authors affiliated at the seven consortium member institutions to publish journal articles under an open access license in any of ACS’ more than 60 journals. 

Ethnische Kulturen im Marketing transzendieren. MRI-Simmons, the provider of insights on the American consumer, and EthniFacts, providing cultural profiling, announced the launch of Cultural Suite, a tool that allows marketers to reveal expanded target groups for culture-based marketing to all consumers. Cultural Suite consists of two segmentations that transcend assumptions about ethnicity and culture: Ambicultural Fluidity (AFS) and Intercultural Affinity (ICA).

Besserer Umgang mit Stakeholdern und Communities. Gale is helping public libraries engage more effectively with their patrons and communities. Gale Engage, a new cloud-based solution, helps libraries become smarter, more impactful and efficient with patron outreach and engagement.  Developed in partnership with Deziner Software, LLC, Gale Engage provides a 360-degree view of library activity across branches, enabling staff to analyze data, personalize marketing outreach and increase engagement with their communities. 

Quelle: Outsell

Briefe

Bibliotheksleitertag: Libraries
for the Future 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,  

noch wenige Tage bis zum 15. Deutsche Bibliotheksleitertag (www.bibliotheksleitertag.de) am 3.Dezember in Mannheim. Es gibt wieder gemeinsame und getrennte parallele Sessions für Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken. Hier eine kurze Zusammenfassung der Themen und Referenten für die Wissenschaftlichen Bibliotheken:

Nicola Fritze (Keynote), Einfach. Machen! Wie Sie Ihre Ideen und Konzepte in die Praxis umsetzen 

Dr. Angela Vorndran, Vernetzungen schaffen im Datenmeer - Werkbündelung zur Datenanreicherung bibliothekarischer Metadaten 

Reiner Diedrichs / Dr. Ralf Goebel, Aus zwei mach eins - K10plus, die neue gemeinsame Verbunddatenbank von GBV und BSZ.  Was Kooperation bewirken kann

Nicole Clasen, Susanne Stummeyer, Daniela Dobeleit Wie geht OER? Open Educational Resources als Zukunftsaufgabe für Bibliotheken

Ines Mauder, Innovative Ideen für digitale Bibliotheken - Ergebnisse des ZBW-Innovationsworkshops 2019 

Julika Mimkes-Augen, Ohren und Türen auf! Wir gründen eine Open Science Community

Andrea Kaufmann, Libraries for Future. Bibliotheken als Vorreiter für sozial-ökologische Nachhaltigkeit: Chancen und Wege

Das gesamte Programm finden Sie unter https://www.bibliotheksleitertag.de/programm, Solange die Tickets aus dem Freikontingent reichen, ist die Teilnahme kostenlos. Anmeldung und weitere Infos unter http://www.bibliotheksleitertag.de  Bei Fragen wenden Sie sich bitte an mich oder die Kollegen Steffen Drayß Tel. +49 (0) 6324-9612-4210, steffen.drayss@oclc.org oder Martin Fischer Tel. +49 (0) 89 61308-319, martin.fischer@oclc.org

Mit freundlichem Gruß Gabriele Wolberg, OCLC GmbH, Oberhaching, T 089 61308-326  

 

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