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den 5. November 2019

# 656

Thomson Reuters - Financial Times - David Thomson - Axel Springer - UB Göttingen - De Gruyter - Open Access - Experian Commercial Acumen - SMEs - New Frontier Data - Equio Data Marketplace - Cannabis Consumers - OTC Markets Group - Call Report - Ancestry - Genetic Testing - Twitter - Political Ads - Jack Dorsey - Zukunft der Informationswissenschaft – Forschungsfronten – User Experience – Ulrike Spree – Usability –  Ludwig Wittgenstein – Familienähnlichkeiten – Informationsverhalten – LIS – Boxes and Arrows – Christina Wodtke – IAI – Informatik – Communities – World Usability Day – Information Behaviour – Information Experience – Information Architecture – Informationssysteme – Standardisierung – GLAM – Vocabulary Carnival – GNDcom – Peter Morville

Internationale Nachrichten

Reuters-Nachrichtenagentur wird nicht
an Axel Springer verkauft

Thomson Reuters is rejecting takeover interest in its news wire, the Financial Times reports. There are no active talks about such a takeover, and Chairman David Thomson intends to keep the service, according to the report. But the company has fielded interest from buyers including Axel Springer and a group that includes former Reuters Editor in Chief Mark Wood. 

UB Göttingen und De Gruyter in Open-Access-Projekt. De Gruyter and a consortium led by the Göttingen State and University Library have launched a project to transform Humanities titles into open access books by providing consortial financing for selected De Gruyter frontlist titles. Instead of acquiring print copies or licensing access to eBooks, the libraries participating in the project finance open access monographs and book series.

Kreditbeschaffung für KMUs mit wenigen Klicks. Lenders can now make it faster and simpler for small businesses to apply for finance by using a new Open Data solution from Experian. Experian Commercial Acumen allows small businesses to skip much of the paperwork required to apply for a loan, and instead share bank transaction and management account information with a lender within minutes. 

New Frontier Data für Cannabis-Konsumenten. New Frontier Data officially launched the Equio Data Markeplace. The marketplace provides Equio subscribers with the ability to view and download its reports’ underlying data sets. The platform’s available data addresses hundreds of variables pertinent to cannabis consumers, wholesale and retail sales, private and public investments, as well as market trends, dynamics, growth and key driving forces.

Performance und Risiko von 550 US-Banken. OTC Markets Group Inc. introduced Call Report data to its website. This new data set provides rich disclosure, financial and operating information for more than 550 U.S. community banks trading on the OTCQX, OTCQB, and Pink markets. Call Report data is required to be published by FDIC insured financial institutions each quarter to monitor performance and risk as part of the Federal Financial Institutions Examination Council requirements.  

Gentests für bessere Diagnose, Therapie und Vorbeugung. Ancestry announced it has made a $1 million educational grant to UpToDate, an evidence-based clinical resource, to independently develop information for healthcare providers to help them interpret and act on the results of genetic testing. The addition of genetic testing resources will provide evidence-based information to assist providers in diagnosing, treating and preventing illness.

Twitter ab 22. November ohne politische Werbung.  Twitter is banning all political ads globally, starting November 22nd, according to tweets by the company’s CEO Jack Dorsey. The changes will affect both candidate ads and issue ads, although ads encouraging voter registration will still be allowed, along with other exceptions. Dorsey said a full policy will be made available to the public on November 15th.

Quelle: Outsell

Zukunft der Informationswissenschaft:
Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft?

An den Forschungsfronten der Informationswissenschaft:

User Experience und Informationswissenschaft in Deutschland

Anwendungsfall, Teilgebiet, Nachbardisziplin?

Dritter Teil

Von Ulrike Spree
Dritter Teil

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5. Fazit: Familienähnlichkeiten
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Ludwig Wittgenstein entwickelte am Beispiel des Begriffs „Spiele“ die Idee, dass sich  Wirklichkeitsbereiche häufig einer eindeutigen logischen Kategorisierung widersetzen, da die zugehörigen Objekte zwar mit einigen anderen gewisse gemeinsame Merkmale teilen, mit anderen aber überhaupt nicht. Für diese sich übergreifenden und kreuzenden Ähnlichkeiten hat er den Begriff der „Familienähnlichkeit“ gewählt.[19]

In der informationswissenschaftlichen Community wird regelmäßig die Beziehung zu anderen wissenschaftlichen und professionellen Disziplinen wie z. B. Bibliothekswissenschaft oder Informatik diskutiert (Robinson 2009, Reiterer; Geyer 2013). Die Positionen schwanken zwischen „identisch“, „völlig unterschiedlich“, „verschieden, aber voneinander abhängig“, „verschieden, aber natürlich ineinandergreifend“ sowie „Teil einer zusammengesetzten Disziplin“ (Robinson, S. 2).

Auf der Grundlage meiner Exploration möchte ich abschließend argumentieren, dass sich die Beziehung zwischen Informationswissenschaft und UX gut mit der Metapher der „Familienähnlichkeiten“ beschreiben lässt.

5.1 Gemeinsamkeiten / Schnittmengen. Der kursorische Abriss zeigt vielfältige Berührungspunkte und Familienähnlichkeiten zwischen Usability und User Experience auf der einen Seite und der informationswissenschaftlichen Praxis und Forschung andererseits.

Interdisziplinarität: Als Forschungs- und Praxisfelder zeichnen sich sowohl UX als auch Informationswissenschaft dadurch aus, dass die Interdisziplinariät ein konstituierendes Merkmal des Feldes ist (Reiterer; Geyer 2013, S. 433). Marcia Bates (1999) spricht in diesem Zusammenhang von dem „Meta-field“[20] der Informationswissenschaft mit zahlreichen Schnittstellen zu und methodischen Anleihen bei unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen wie Psychologie, Wirtschaftswissenschaft, Informatik, Design-Forschung. Beide Bereiche definieren sich vor allem über die Schnittstelle zwischen Menschen und Maschine/Technologie (Reiterer; Geyer 2013, S. 433).

Nutzerzentrierung: Eine zweite Gemeinsamkeit ist die Mission[21] beider Felder, die Nutzer von Informationssystemen, Produkten oder Services in den Mittelpunkt zu stellen. Mit anderen Worten, es geht darum, die Technologie den Bedürfnissen der Menschen anzupassen und nicht umgekehrt die Menschen an die Maschinen anzupassen.

Zugang zu Information gestalten: Besonders stark überschneiden sich die beiden Bereiche immer dann, wenn es darum geht, den Zugang zu Informationen und die Erfahrung von Information zu gestalten. Dies ist vor allem bei der Gestaltung der Informationsarchitektur und der Evaluierung und Optimierung von (Informations-)Suchprozessen der Fall.

Dynamisches Profil: In beiden Feldern gibt es eine lang anhaltende Profildiskussion (Knoll 2018; Lallemand, Gronier, Koenig 2015) und das Bemühen, das eigene Profil neuen technischen, innerwissenschaftlichen und sozialen Gegebenheiten anzupassen – dies vielleicht auch  eine Konsequenz der expliziten Positionierung über die gelebte Interdisziplinarität. Die prognostizierte Nähe oder Ferne zu anderen Fächern folgt hierbei durchaus auch unterschiedlichen „wissenschaftlichen Moden“. In den letzten Jahren kann man in beiden Feldern eine verstärkte Hinwendung zur Psychologie und Neurowissenschaft (Kognitionswissenschaft) sowie zur Design-Forschung (Sand 2017; White 2017; Lallemand 2015) beobachten. Auch mit Blick auf die besetzten Berufsfelder ist die strategische Positionierung in beiden Bereichen insofern ähnlich, als bestimmte Kompetenzfelder und die damit verbundenen unterschiedlichen Rollen adressiert werden (German UPA 2010; Knoll 2018; San José State University 2018).

Angewandte Wissenschaft: Diese charakteristischen Profildiskussionen sind – wie wohl in den meisten angewandten Wissenschaften – immer auch gekennzeichnet durch das Ringen um das angemessene Verhältnis zwischen Theorie(bildung), wissenschaftlicher Validität anwendungsrelevanter Forschungs- und/oder Evaluationsergebnisse und Praxis. Überspitzt formuliert geht es um die Frage: Handelt es sich bei dem jeweiligen Feld um ein „Handwerk“ oder um eine Wissenschaft? Ein virulentes Beispiel dieser anhaltenden internen Debatte ist die Diskussion um die richtigen Methoden, beispielsweise das Verhältnis von quantitativen zu qualitativen Methoden (Lassemand, Gronier, Koening 2015)[22] oder die Debatte um die Validität der eingesetzten Methoden (Molich u. a. 2004; Law 2014, Behnert 2017). Law u. a (2014) zeigten in einer Untersuchung innerhalb der UX-Community über Einstellungen zu Metriken zur Messung der Nutzererfahrung, dass die Orientierung an den in der ISO 9241 kodifizierten Metriken „Effektivität“, „Effizienz“ und „Zufriedenheit“ allgemein anerkannt ist, es jedoch große Unterschiede gibt, wie diese Aspekte im Entwicklungsprozess umgesetzt und gemessen werden (sollen).[23]

Bildung einer eigenen Community: Gemeinsam ist beiden Bereichen auch die Ausbildung einer eigenen Fachcommunity mit entsprechenden Fachgesellschaften[24], Fachzeitschriften und speziellen Tagungen und Konferenzen.

Das Verhältnis zwischen Informationswissenschaft und UX lässt sich gut mit der Wittgensteinschen Metapher der „Familienähnlichkeiten“ beschreiben: Es handelt sich weder um eine Teildisziplin oder gar um eine „Hilfswissenschaft“ noch um einen reinen Anwendungsfall, sondern um zwei Meta-Felder mit vielfältigen Berührungspunkten. Das gilt vor allem für das Methodenspektrum, die Vernetzung zu anderen Wissenschaften und die bearbeiteten Fragestellungen.

5.2 Austauschpotentiale, die wir (noch mehr) nutzen sollten. Spielen wir noch ein wenig mit der Wittgensteinschen Metapher. Die Beziehungen zwischen den „Familienmitgliedern“ der Information Professional und der UX-Familie sind eher zufällig und sehr unterschiedlich. Familienfeiern mit allen Familienmitgliedern oder Cousinentreffen bilden die Ausnahme. Vielmehr sind die Beziehungen durch die jeweiligen individuellen Interessen, Vorlieben und Netzwerke einzelner Forschender und Praktiker geprägt. Der Austausch zwischen Informationswissenschaft und UX über den Weg des gemeinsamen Besuchs von Fachtagungen hängt ebenfalls an Einzelpersonen und wird nicht von den Verbänden gefördert (Gros 2018, S. 140). Die UX-Community nimmt die Informationswissenschaften nicht explizit als Forschungsdisziplin wahr und rezipiert informationswissenschaftliche Ansätze vor allem indirekt über die Zwischenstufe der Informationsarchitektur. Andererseits wird die UX-Konferenz mit der wohl weltweit größten Sichtbarkeit, der World Usability Day (WUD), häufig von bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Einrichtungen ausgerichtet (z. B. Hamburg, Köln, Leipzig). Der WUD wurde explizit mit dem Ziel initiiert, den Austausch der Praktiker untereinander, aber auch zwischen Praxis und Forschung, zu fördern. Seit dem zweiten WUD (2006) greifen die Organisatoren des WUD bewusst gesellschaftlich relevante Fragen wie Gesundheit, Nachhaltigkeit und Engagement als Oberthemen auf.[25]

In den Recherchen zu diesem Beitrag bin ich auf zahlreiche Einzelaussagen gestoßen, die für ausgewählte Themen- und Aufgabenbereiche durchaus eine thematische Nähe zwischen den beiden Meta-Feldern enthalten. Bezeichnend dafür, dass die Communities getrennte Wege gehen, ist andererseits, dass sich die Terminologie teilweise deutlich unterscheidet. Hierzu einige Beispiele:

Nutzerforschung bzw. Erforschung des Informationsverhaltens. Bereits die Unterschiede in der Terminologie sind ein Indiz dafür, dass hier noch viele Austauschmöglichkeiten und Synergien ungenutzt sind. Im deutschsprachigen Raum ist noch häufig etwas „altbacken“ von Nutzerforschung die Rede (Gros 2018, S. 140)[26], im Englischen wird der Sammelbegriff „Information Behaviour“ verwendet (Case 2012). Die UX-Szene spricht hingegen sehr allgemein von „Research“, worunter sowohl Kontext- und Anforderungsanalyse vor allem mit Methoden der Marktforschung als auch die Erforschung des Nutzerverhaltens verstanden werden (Goodwin 2009). Auf der Basis meiner kursorischen Sichtung der Literatur – hier wären weitere bibliometrische Analysen aufschlussreich – gewann ich den Eindruck, dass informationswissenschaftliche Publikationen zum Informationsverhalten von der UX-Community kaum wahrgenommen werden und die Information-Behaviour-Forschung andererseits erst allmählich beginnt, das Thema „User Experience“ wahrzunehmen, wie sich an der zunehmenden Zahl von Publikationen zum Thema „Information Experience“ zeigt (Bruce u. a. 2014). Auch in Bibliotheken wird das Thema der ganzheitlichen User Experience wichtiger (NMC Horizon Report 2017).

Konzeption, Entwicklung und Evaluierung der Informationsarchitektur. Der Anstoß zur Übertragung von Konzepten der Datenstrukturierung (Metadaten) und der Wissensorganisation (Indexierung, Klassifikation) auf die Strukturierung von Webseiten ging von Bibliotheks- und Informationswissenschaftlern aus.  Die durch Morvilles und Rosenfelds Buch „Information Architecture for the World Wide Web“ inspirierte „Informationsarchitektur-Bewegung“ wird international sowohl von der Informationswissenschaft (Bawden 2012, S. 142) als auch von der User Experience Community (German UPA 2018b) rezipiert. Während sich die Informationswissenschaft in den USA ansatzweise mit dem Thema und dem Begriff „Information Architecture“ auseinandergesetzt hat (Dillon 2002)[27], wurde der Begriff in der deutschen Informationswissenschaft kaum rezipiert[28]. Ein Indiz hierfür ist auch, dass deutsche Hochschulen in der Liste von Hochschulen fehlen, die Information Architecture lehren (Website des IAI). Auf der ebenfalls dort veröffentlichten Liste von IA-Ressourcen werden hingegen die wissensorganisatorischen Standardwerke zur Taxonomie- und Klassifikationsentwicklung, zu Dokumentationssprachen und Metadaten aufgeführt (The Information Architecture Institute c). Nach meiner persönlichen Erfahrung werden die aktuellen Erkenntnisse und Tools der Wissensorganisation, z. B. Nachnutzung von Klassifikationen, kontrollierte Vokabulare, Schemadefinitionen und vor allem der gesamte Bereich der Normen zur Indexierungs- und Klassifizierungspraxis von der UX-Community kaum genutzt und sind dort nur wenig bekannt.

Planung, Entwicklung und Evaluation von Informationssystemen, speziell der Interaktion mit Suchsystemen. In diesem Kernbereich der Informationswissenschaft gibt es bereits jetzt einen intensiven Austausch mit der UX-Community, wie auch die Sichtung der Curricula und der Publikationen in der IWP gezeigt hat. Die User Experience mit Suchsystemen und die Usability von Suchsystemen sind Teil der informationwissenschaftlichen Forschung und Entwicklung (White 2016).

Die Erprobung und Validierung sowie die Standardisierung von Evaluationsmethoden und -metriken sind konstituierender Bestandteil des fachlichen Diskurses in beiden Meta-Feldern. Nicht nur die Diskussion der Angemessenheit quantitativer und qualitativer Methoden, auch Fragen der richtigen Anwendung und Bedeutung statistischer Methoden werden in beiden Bereichen häufig diskutiert.

Aus den genannten Bereichen möchte ich vier Anregungen für die weitere Vernetzung zwischen den Communities ableiten:

• Systematische Reflexion dieser Themenbereiche auf den jeweiligen einschlägigen Fachkonferenzen durch Vertreter der beiden Communities. Als Austauschmöglichkeit ließe sich ja das Instrument der „Invited Sessions“ nutzen.

• Eine (überkreuzte) stärkere theoretische Fundierung der Informations- und UX-Praxis durch entsprechende Publikationen, z. B. in den einschlägigen Fachjournalen. Auf dem Feld der Informationswissenschaften erkenne ich – ergänzend zur Fokussierung auf anwendungsorientierte Studien zur UX mit Informationsprodukten – einen Bedarf nach einer stärkeren Rezeption und Einbindung der theoretischen Grundlagen der UX in den Publikationen. Andererseits wäre eine stärkere theoretische Fundierung der Zertifizierung zur Usability und User Experience (CPUX) mit Inhalten zu den Grundlagen der Wissensorganisation und des Informationsverhaltens erstrebenswert.

• Ein systematischer Austausch der Communities über den Transfer einzelner Methoden (z. B. Persona-Methode oder Interviews mit Fokusgruppen) in den jeweils anderen Bereich sollte ebenso organisiert werden wie die gezielte Förderung und Erforschung der unterschiedlichen Methoden in gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten.

• Spezialisten im Bereich „Metadaten und kontrollierte Vokabulare“ sollten die Sichtbarkeit ihrer Arbeit und ihrer Produkte erhöhen und die Kooperation und den Austausch auch jenseits des klassischen IuD-Bereichs, heute auch häufig als GLAM (Galleries, Libraries, Archives, Museums) abgekürzt, suchen. Ansatzweise geschieht dies zurzeit durch Konferenzen in neuen Formaten wie den Vocabulary Carnival auf der Semantics 2018[29] in Wien oder die GNDcon2018[30], auf denen Möglichkeiten der Öffnung der Gemeinsamen Normdatei für die Nutzung außerhalb des Bibliotheksbereichs diskutiert werden sollen.   

Wir können und sollten die unzureichende Diskussion über Disziplinengrenzen bzw. zwischen Fachcommunities analysieren, kritisieren und versuchen zu überwinden, bietet doch gerade das Überschreiten von Grenzen neue Inspirationen und Erfahrungen. Dabei dürfen wir gewiss nicht vergessen, dass Grenzziehungen und Communitybuilding ein notwendiger Aspekt der Profilierung einer wissenschaftlichen Disziplin und Voraussetzung einer gelingenden Professionalisierung eines Aufgabenfeldes sind. Während der Recherchen nach den Querverbindungen zwischen Informationswissenschaft und -praxis und Usability/ UX ist mir deutlich geworden, dass man das Feld eigentlich nicht zutreffend beschreibt, wenn man von den beiden Communities Informationswissenschaft und UX spricht. Tatsächlich bin ich auf eine Vielzahl weiterer Communities oder Invisible Colleges gestoßen, die teilweise nebeneinander bestehen, wie z. B. HCI versus UX, Informationswissenschaft versus Bibliotheks- und Informationswissenschaft, und/oder miteinander verschränkt sind.

Abschließend wage ich eine Antwort auf meine in der Einleitung formulierten Ausgangsfragen. Die Frage, ob auch die Evaluierung einer Maschinensteuerung in den Aufgabenbereich von Informationswissenschaftlern fällt, möchte ich mit einem klaren „Jein“ beantworten. Ja, wenn es sich im Kern um ein System handelt, in dem Informationen, Prozesse und Aufgaben analysiert, gesammelt, strukturiert, organisiert, gespeichert und (wieder) nutzbar gemacht werden sollen. Für diesen Fall verfügen Informationswissenschaftler mit UX-Expertise oder UX-Spezialisten mit Informationsexpertise über die Kompetenz zu evaluieren, ob die Dialoggestaltung des Systems die in der einschlägigen Norm formulierten Kriterien der Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Erwartungskonformität, Lernförderlichkeit, Steuerbarkeit, Individualisierbarkeit und Fehlertoleranz  erfüllt und die Grundsätze zur Informationsdarstellung wie Entdeckbarkeit, Ablenkungsfreiheit, Unterscheidbarkeit, eindeutige Interpretierbarkeit, Kompaktheit und  Konsistenz berücksichtigt werden (DIN EN ISO 9241-11/112. 2017). Wie stets bei Evaluationsprojekten gilt es im Einzelfall zu ermitteln, was Aufgabenangemessenheit oder Selbstbeschreibungsfähigkeit für ein typisches Informationsprodukt wie eine digitale Bibliothek oder ein Discoverysystem oder eine (Spezial)Suchmaschine konkret bedeutet. Dabei werden immer eine intensive Kontextanalyse und Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Systems notwendig sein. Dies geschieht in der Regel durch den Austausch mit den Auftraggebern. Im Unterschied zur Evaluation von Werkzeugmaschinen bringen Informationsspezialisten bereits von Haus aus gute Domainkenntnisse zu Informationssystemen mit[31], so dass für diesen Spezialfall die Kommunikation zu den Auftraggebern erleichtert wird.

Vor dem Hintergrund der in diesem Beitrag vorgestellten Ergebnisse kann ich als Informationswissenschaftlerin mit UX-Expertise meine anfänglich formulierte Irritation in einem anderen Licht sehen. „Weil es der nächste Meilenstein im Projektplan ist“ – das ist mit Sicherheit kein ausreichender Grund für eine Usability-Evaluation. Aber die Unkenntnis bzw. das Unvermögen potenzieller Auftraggeber, aus Systemanforderungen Usability- und User-Experience-Anforderungen abzuleiten und diese dann auch noch in (überprüfbare) Kriterien zu übersetzen, ist nachvollziehbar. Projekte genau bei dieser Aufgabenstellung zu unterstützen und umzusetzen, ist die gemeinsame Aufgabe von Information Professionals und UX-Professsionals, ist doch die Analyse von Informationsverhalten und Informationsbedarfen zentraler Bestandteil unseres „Geschäftes“.

Mit Blick auf die sich ständig ändernden digitalen Informationsarchitekturen sieht Peter Morville neue Bedarfe für die UX-Beratung und plädiert ergänzend zum traditionellen Webseiten-Redesign für eine Verbindung von Strategie und Struktur. Er wirbt dafür, dass das Verständnis des „Was“ und „Warum“ vor der Umsetzung des „Wie“ stehen muss. In Morvilles Worten: „It’s vital to understand and articulate what and why before diving into how” (Morville 2018). Genau an dieser Stelle, bei der Erforschung des „Wie“ und „Warum“ sehe ich eine auch weiterhin ausbaufähige Schnittmenge zwischen Informationswissenschaft und User Experience.

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Zins, C., (2007), Conceptions of information science, Journal of the American Society for Information Science and

Anhang 1: Übersicht der Artikel zur Suche Usability, User Experience, Human Computer Interaction in der IWP in Scopus

1. Evaluation eines Informationsproduktes/Services

Raab, F.

Interaction design of user-centered refactoring tools [Interaktionsdesign menschzentrierter Refactoring-Tools]

(2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (5), pp. 329–334.

https://www.scopus.com/inward/record.uri?eid=2-s2.0-848790

05935&doi=10.1515%2fiwp-2012-0062&partnerID=40&md5=35d9ad 4ae25d600b0c0fe08670f54fae

DOI: 10.1515/iwp-2012-0062

AFFILIATIONS: Medieninformatik, Universität Regensburg, Universitätsstraße 31, 93053 Regensburg, Germany

ABSTRACT: Refactoring describes the practice of restructuring software without changing its external behaviour. One major goal is to keep the functionality of software while improving its code structure and style. Usually, refactoring by hand is very error-prone, so adequate software tools are needed. This article describes the state of the art of refactoring tools. Furthermore, it shows how the interaction design of such tools can be improved using usercentered evaluation and design methods.

AUTHOR KEYWORDS: Development;  HCI;  Programming;  Refac-

toring; Software; Usability

DOCUMENT TYPE: Article

Bank, C.

The usability of online-dictionaries and electronic language portals [Die Usability von Online-Wörterbüchern und elektronischen Sprachportalen]

(2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (6), pp. 345–360. Cited 3 times.

Langanke, D.

The German abstract journal “Chemisches Zentralblatt” throughout the times – the development from the printed to the electronic edition [Das Chemische Zentralblatt im Wandel der Zeiten – Der Weg von der gedruckten zur elektronischen Ausgabe]

(2009) Information-Wissenschaft und Praxis, 60 (3), pp. 143–150.

https://www.scopus.com/inward/record.uri?eid=2-s2.0-676499 84958&partnerID=40&md5=3cd7cd2b1c0436192329c4bdff1dd1e3

AFFILIATIONS: Informationswissenschaften mit der Fachrichtung Dokumentation an der Fachhochschule, Potsdam. Begonnen und im September. DINSoftware GmbH im DIN Deutsches Institut fur Normung e.V., Berlin, Germany

ABSTRACT: The article contains the most important parts of the thesis – the historical development of the “Chemisches Zentralblatt” with its characteristics as well as its digitalisation. The diploma thesis deals with the oldest abstract journal for chemistry – the “Chemisches Zentralblatt” – throughout the changing times. In the first main section, the “Chemisches Zentralblatt” is being examined as a classic printed information medium, in particular with regard to the history of its development, to the changing composition, the diverse constitutive components and the options of searching for information. Numerous figures illustrate the considerations. Furthermore, a quality analysis of the abstracts and the indexing is being made. Additionally, other printed information media like “Chemical Abstracts”, Beilstein‘s “Handbook of Organic Chemistry” and Gmelin‘s “Handbook of Inorganic Chemistry” are discussed. The second main section deals with the project of the Fachinformationszentrum Chemie Berlin GmbH which has digitised the “Chemisches Zentralblatt” and has built up an appropriate information system. Within an analysis of its usability, the graphical user interface and the different search options, demonstrated by diverse search examples, are explained.

DOCUMENT TYPE: Article 

 2. Evaluation Suche

Hastik, C., Schuster, A., Knauerhase, A.

Scientific search engines: Usability and search behavior of portential users [Wissenschaftliche Suchmaschinen: Usability Evaluation und Betrachtung des Suchverhaltens potentieller Nutzer]

(2009) Information-Wissenschaft und Praxis, 60 (2), pp. 61-74.

Aschoff, F., Von Traubenberg, E.R.

Usability of search engines and portals – An investigation [Usability von Webportalen und Web-Suchmaschinen im Vergleich]

(2007) Information-Wissenschaft und Praxis, 58 (3), pp. 141-148.

Siebenlist, T.

MEMOSE. A specialized search engine for emotional-laden documents [MEMOSE. Spezialsuchmaschine für emotional geladene Dokumente] (2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (4), pp. 252–260. https://www.scopus.com/inward/record.uri?eid=2-s2.0-848790

24881&doi=10.1515%2fiwp-2012-0050&partnerID=40&md5=faa1d4f

4327bbf750a8d88a5b50cfbb4

DOI: 10.1515/iwp-2012-0050

ABSTRACT: Some content in multimedia documents (images, mu-

sic, and videos) can depict or evoke certain emotions in users. The aim of Emotional Information Retrieval (EmIR) and of our research is to identify knowledge about emotional-laden documents and to use these findings in a new kind of web-based information service. For this purpose the specialized search engine MEMOSE (Media Emotion Search) is being developed and introduced in this article. MEMOSE focuses on emotional indexing and emotional retrieval of multimedia documents. The components of the search engine will be described as well as the results of an evaluation and an outlook into the further development will be given.

AUTHOR KEYWORDS: Customer Value Discovery; Emotion; Emotional retrieval; Evaluation; IT-ServQual; Search engine; ServQual; Usability

DOCUMENT TYPE: Article 


3. Design von Informationsprodukten

Schneidermeier, T.,

Design reuse. Usability as a key issue for sustainable product design [Design Reuse – Usability als Schlüsselfaktor für nachhaltiges Produktdesign]

(2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (5), pp. 305–307.

Burghardt, M.

Annotation ergonomics – Design guidelines for linguistic annotation tools

(2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (5), pp. 300–304. Cited 1 time.

https://www.scopus.com/inward/record.uri?eid=2-s2.0-848790 14272&doi=10.1515%2fiwp-2012-0067&partnerID=40&md5=ad2981 c594ac7f95f4f75edfcd5b82a7

DOI: 10.1515/iwp-2012-0067

AFFILIATIONS: Medieninformatik, Universität Regensburg, Universitätsstraße 31, 93053 Regensburg, Germany

ABSTRACT: The paper discusses the chasm between the actual usability qualities of linguistic annotation tools and the requirements of current usability engineering standards and practices. A usability study of three selected annotation tools illustrates typical usability problems. A collection of 28 design guidelines for annotation tools is derived from these data.

4. Entwicklung von Usability/User Experience Methoden

Meier, F.

Using crowdsourcing services for recruting test persons for asynchronous remote usability tests [Crowdsourcing als Rekrutierungsstrategie im asynchronen Remote-Usability-Test]

(2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (5), pp. 308–313.

Schneidermeier, T.

Design reuse. Usability as a key issue for sustainable product design [Design Reuse – Usability als Schlüsselfaktor für nachhaltiges Produktdesign]

(2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (5), pp. 305–307.

Siehe auch „Design von Informationsprodukten“.

Weinhold, T., Öttl, S., Bekavac, B.

BibEval – A web-based criteria catalogue for the evaluation of the usability of library websites [BibEval – Ein webbasierter Kriterienkatalog zur Usability-Evaluation von Bibliothekswebsites]

(2011) Information-Wissenschaft und Praxis, 62 (1), pp. 11–18.

Bock, R., Yetim, F.

Development and evaluation of a web-based tool for the management of usability guidelines [Entwicklung und Evaluation eines web-basierten Tools zum Management von Usability Guidelines]

(2008) Information-Wissenschaft und Praxis, 59 (3), pp. 175–180. Cited 1 time.

Petrucela, N.

Choice and application of usability test for the redesign of a media portal [«Find out What Works» Auswahl und Anwendung von UsabilityTests für das Redesign eines Medienportals]

(2007) Information-Wissenschaft und Praxis, 58 (1), pp. 29–34.7 Burghardt, M.

Annotation ergonomics – Design guidelines for linguistic annotation tools

(2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (5), pp. 300–304. Cited 1 time.

Siehe die weitere Beschreibung unter „Design von Informationsprodukten“.

Raab, F.

Interaction design of user-centered refactoring tools [Interaktionsdesign menschzentrierter Refactoring-Tools]

(2012) Information-Wissenschaft und Praxis, 63 (5), pp. 329–334.

Siehe die weitere Beschreibung unter „Evaluation eines Informationsproduktes/Services“

Mayer, Anne-Kathrin; Leichner, Nikolas; Peter, Johannes; Krampen, Günter

Mit „BLInk“ zu fachlicher Informationskompetenz – Ein Blended Learning-Kurs für die wissenschaftliche Psychologie und verwandte Fächer.  (2015) Information. Wissenschaft & Praxis; 66, 4; 237–241.

Literatur

1. Eine Anfrage bei Google nach dem Suchbegriff „Usability“ liefert 592.000.000 Treffer, die Recherche nach „User Experience“ 117.000.000 Treffer, weit vor dem ebenfalls sehr populären Begriff Design Thinking (14.800.000 Treffer) (Stand: 31.07.2018).

2  Die Definition der ISO 9241-210 erfreut sich allgemein großer Akzeptanz, ist aber nicht unumstritten. Auf der Website des internationalen Berufsverbandes der UX Professionals (uxpa) werden mehrere Definitionen aufgelistet (vgl. Uxpa 2014).  https://uxpa.org/resources/ definitions-user-experience-and-usability).

3. Diese Interpretation ist in Einklang mit der Beobachtung, dass mit der wachsenden Berufserfahrung der befragten UX-Experten (Anzahl der Jahre, die Experten im Bereich UX tätig sind) die quantitative Betrachtung der UX gegenüber der qualitativen zunimmt.

4. Das breite Spektrum der Fragestelllungen, mit denen sich HCI beschäftigt, wird auch an den zahlreichen Fachgruppen der GI deutlich: Adaptivität und Benutzermodellierung in interaktiven Softwaresystemen (ABIS), Begreifbare Interaktion (BGI), CSCW & Social Computing (CSCW),  E-Learning (ELE), Entertainment Computing (ENC), Interaktive Systeme (ISY), Medieninformatik (MI), MenschMaschine-Interaktion in sicherheitskritischen Systemen (MMI-SKS) und Software-Ergonomie (SW-ERGO).

5. E ine Liste von Berufsverbänden findet sich auf der Website Usability Body of Knowledge https://www.usabilitybok.org/professionalorganizations.

6. Nach eigenen Angaben des Webauftritts (German upa 2018).

7. Überschrift in Anlehnung an Bates 1999.

8. “Apparently, there is not a uniform conception of information science. The field seems to follow different approaches and traditions: for example, objective approaches versus cognitive approaches, and the library tradition versus the documentation tradition versus the computation tradition. The concept has different meanings, which imply different knowledge domains. Different knowledge domains imply different fields. Nevertheless, all of them are represented by the same name, information science.” (Zins 2007). “It has variously been claimed as a social science, a meta-science, an inter-science, a post-modern science, an interface science, a superior science, a rhetorical science, a nomad science, a liberal art, a knowledge science, and a multidisciplinary field of study” (Robinson 2009). Kuhlen 2013 liefert eine gute Zusammenfassung der Debatte, in der es z. B. um die Nähe zur Bibliothekswissenschaft, die Rolle der Informatik und um grundsätzlichere Fragestellungen, ob es sich zum Beispiel bei den Informationswissenschaften eher um eine Geisteswissenschaft als um eine Naturwissenschaft handelt.

9. “ Information science is that discipline that investigates the properties and behaviour of information, the forces governing the flow of information and the means of processing information for optimal accessibility and usability. […] It is concerned with that body of knowledge relating to the origination, collection, organization, storage, retrieval, interpretation, transmission, transformation, and utilization of information.”

10. Da sich die Begriffe Dokument und „Record“ leicht unterscheiden, vielleicht zu übersetzen als „dokumentierte menschliche Information“.

11. “Information science can best be understood as a field of study, with human recorded information as its concern, focusing on the components of the communication chain, studied through the perspective of domain analysis.”

12. Berücksichtigt wurden folgende Ausbildungseinrichtungen: Hannover, Fachhochschule: Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen; Regensburg, Universität: Informationswissenschaft; Wildau – Master of Science in Bibliotheksinformatik; FH für Archivwissenschaften Marburg: Institut für Archivwissenschaft; Bern, Universität Bern: Master of Advanced Studies in Archival and Information; Genf, Fachhochschule Genf: Haute école de gestion de Genève (HEG); Eisenstadt, FH-Studiengang Informationsberufe: Information & Knowledge Management; Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität: Informationswissenschaft; Hochschule für den öffentlichen Dienst München; Konstanz, Universität: Informationswissenschaft, Information; Leipzig, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur: Fachbereich Buch und Museum; Hamburg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften: Department Information; Hildesheim, Universität: Angewandte Informationswissenschaft; Darmstadt, Hochschule: Fachbereich Informations- und Wissensmanagement; Potsdam, Fachhochschule: Fachbereich Informationswissenschaften

13. Die am Arbeitsbereich „Usability Engineering“ Lehrenden wie z. B. Hans-Werner Schweibenz haben ihre Interessengebiete thematisch erweitert. Schweibenz beschäftigt sich jetzt schwerpunktmäßig mit Museumsdokumentation und virtuellen Museen, integriert dort aber Ansätze aus der UX-Forschung und -Praxis, zum Beispiel die Übertragung des Persona-Konzeptes auf Publikumsrepräsentanten (datenbasierte Benutzertypen) im Museumsbereich (Schweibenz 2014).

14. Die anderen acht Labore sind in unterschiedlichen Bereichen verortet: Informatik/HCI (Köln, Konstanz, Zürich, Stuttgart), Journalismus/Medienwissenschaft/Mediencampus (Hannover, Darmstadt), Design (Potsdam) und Institut für Marketing (Graz).

15. “An Information Professional (“IP”) strategically uses information in his/her job to advance the mission of the organization. This is accomplished through the development, deployment, and management of information resources and services. The IP harnesses technology as a critical tool to accomplish goals. IPs include, but are not limited to, librarians, knowledge managers, chief information officers, web developers, information brokers, and consultants.”

16. „Analyse – Erhebung von Nutzungskontexten, Herleitung von Nutzungsanforderungen; Gestaltung – Konzeption der Interaktion zwischen Mensch und System, Strukturierung und Darstellung handlungsleitender Informationen; Prüfung & Bewertung – Inspektion von interaktiven Systemen und Usability-Tests mit Nutzern, Prozessgestaltung und Methodeneinsatz – Festlegen, Einführen und Betreiben eines benutzerorientierten Entwicklungsprozesses. Die Grundlage der Tätigkeiten eines Usability Professionals sind die internationalen Normen zur Gebrauchstauglichkeit interaktiver Systeme und deren Gestaltungsprozess (ISO 9241) sowie aktuelles, publiziertes Fachwissen.“

17. Louis Rosenfeld gründete den Verlag Rosenfeld Media und verlegt Bücher zum Thema Information Architecture und User Experience (Rosenfeld Media (2018). https://rosenfeldmedia.com/about/#ourteam. Abruf: 2018-08-20. Peter Morville führt die Agentur Semantic Studios, die im Bereich UX und Information Architecture berät und die Publikationen von Peter Morville vermarktet. Jim Kalbach publiziert regelmäßig in seinem Blog „Experiencing Information“ (https:// experiencinginformation.com/).

18, Die Geschichte des IAI ist noch nicht aufbereitet. Seit 2012 wird weltweit an verschiedenen Orten der „World IA Day“ organisiert (World IA Day httpps://www.worldiaday.org/years). Im Vergleich zur German UPA scheint die Community kleiner und weniger gut organisiert. So gibt es in Deutschland nur drei Standorte für den „World IA Day“. Das 2009 gegründete Journal of Information Architecture wurde bereits 2013 wiedereingestellt (Journal of Information Architecture. http://journalofia.org/).

19, „Ich kann diese Ähnlichkeiten nicht besser charakterisieren als durch das Wort ‚Familienähnlichkeiten‘; denn so übergreifen und kreuzen sich die verschiedenen Ähnlichkeiten, die zwischen den Gliedern einer Familie bestehen: Wuchs, Gesichtszüge, Augenfarbe, Gang, Temperament, etc. etc. – Und ich werde sagen: die ‚Spiele‘ bilden eine Familie.“ (Wittgenstein 1983, S. 57)

20. “It is first of all important to recognize that information science, like education and journalism, among others, is a field that cuts across, or is orthogonal to, the conventional academic disciplines. […] The meta-disciplines are distinguished by the fact that they are interested in the subject matter of all the conventional disciplines, they do something with that subject matter that is of value for society (see next paragraph), and that something is unique to each meta-discipline. (Though they are research disciplines, the three examples of information science, education, and communication/journalism also have distinct professional cores, which are vital to their natures.)“ (Bates 1999).

21. Für mich immer noch am besten auf den Punkt gebracht mit Alan Coopers Buchtitel „The inmates are running the asylum“ (Cooper 1999).

22. “A better integration of theories and practice should thus be a primary goal, undoubtedly leading to a win-win situation for both Academia and Industry. On the one hand, UX research should be better taught to students around the world as they represent the next generation of UX practitioners. On the other hand, UX research should thrive on practice to better answer the needs and expectations of the UX industry and also provide practitioners with solid and valid tools needed when assessing or designing for UX” (Lallemand; Gronier; Koenig 2015, S. 47).

23. “However, this concern is also applicable to the three well-established usability metrics – effectiveness, efficiency and satisfaction (ISO 9241; ISO 25010). While they have been widely adopted in usability research and practice, their impact on the system development process is not generally recognised. How these measures are actually defined, taken and used can vary largely with contexts and the relationships among them remain unclear, rendering a usability summary measure disputable” (Sauro and Lewis, 2009). (Law 2014, S. 527).

24. Fachgesellschaften Informationswissenschaft: Deutsche Gesellschaft für Information und Wissen (DGI). Web: https://dgi-info.de/. Hochschulverband Informationswissenschaft (HI). Web: http://www.informationswissenschaft.org/ Association for Information Science and Technology (asis&t). Web: https://www.asist.org/ mit einem European Chapter. Web: https://www.asist.org/groups/europe/. Fachgesellschaften UX/MCI: Die UX Professionals sind in der German UPA organisiert (Web: https://www.germanupa.de/) oder im Fachbereich Mensch-Computer-Interaktion innerhalb der Gesellschaft für Informatik. Das ambivalente Verhältnis zwischen der UX-Community und der MCI-Community wird auch daran deutlich, dass die Fachtagung „Mensch und Computer“ explizit einen wissenschaftlichen Track (MCI) sowie einen Praktiker-Track (UP) hat (Startseite Konferenzankündigung „Mensch und Computer 2018“. http://muc2018.mensch-und-computer.de/konferenz/).

25. Themen des WUD seit 2005:

  2018 – Design for Good or Evil? Good UX Causes Delight and Bad UX Causes Problems

     2 017 – Inklusion durch User Experience

      2 016 – Nachhaltigkeit – Sustainable Green UX

     2 015 – Innovation

     2 014 – Engagement

      2 013 – Healthcare – Collaborating for Better Systems

      2 012 – Digitales Bezahlen & Service-Design – Einfach (macht sich) bezahlt

      2 011 – Education – Designing for Social Change

       2010 – Designs, products and services that improve and facilitate communication

     2 009 – Nachhaltigkeit / Designing for a sustainable world

      2 008 – kein Thema (Schwerpunkte Web 2.0 / Interaktion)

     2 007 – Healthcare (http://uxhh.de/wud/2007.html)

      2 006 – einfach nutzbar / Accessibility and “Making life easy”

      2 005 – kein Thema

Die Dokumentation des WUD ist nicht vollständig. Eine Chronologie findet sich auf dem Webauftritt „User Experience Hamburg“ unter http://uxhh.de/wud/.

26. „Da sich HCI-Forschung vornehmlich mit den Interaktionen zwischen Informationssystemen und ihren Nutzern befasst, ist die thematische Nähe sowohl zur informationswissenschaftlichen Nutzerforschung als auch zur Social-Media-Forschung weitgehend gegeben.“

27. Exemplarische Recherchen im Journal of Documentation, Online Information Review und JASIST über Scopus zeigen allerdings auch hier eine geringe explizite Auseinandersetzung mit dem Begriff.

28, In der IWP wird der Begriff „Informationsarchitektur“ bzw. „information architecture“ überhaupt nur in fünf Beiträgen erwähnt, und zwar im Zusammenhang mit Usability Testing.

29. Semantics 2018. https://2018.semantics.cc/vocabulary-carnival

30. GNDcon2018. https://wiki.dnb.de/display/GNDCON2018/GNDCon+2018

31. Die Probleme für die Gestaltung von Informationsprodukten, die durch die „déformation professionelle“ von Informationsspezialisten hervorgerufen werden, habe ich in meinem Beitrag „Usability und User Experience von Informationsdienstleistungen“ dargestellt (Spree 2019).

 

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