Open Password - Dienstag,
den 22. Oktober 2019

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eGovernment Monitor 2019 – Digitale Verwaltung – Deutschland – Österreich – Schweiz – fortiss – D21 – Kantar – Nutzung – Nutzung und Bildung – Hannes Schwaderer – Onlinezugangsgesetz – Klaus Vitt – Innenministerium – „Once-Only-Prinzip“ – Zufriedenheit – Digitale Identitäten – Personalausweis – eID – NFC-Schnittstelle – Helmut Krcmar – SuisseID – Steuererklärung – Informationsbeschaffung – Elster - Linked In – Events Feature – Elsevier – ClinicalPath – Via Oncology – Web of Science – Master Journal List – NPD Group – Tracking Services – China – Toy Industry – Tax Professionls – Wolters Kluwer – Tax Compliance – HealthVerity – Live Ramp - F.A.Z.-Archiv – Forschungsbibliotheken - Center for Research Libraries

Studie eGovernment MONITOR 2019

Fast jeder zweite Bürger nutzt digitale Verwaltungsdienste

Aber Nachholbedarf bei digitaler Identifikation und digitaler Steuererklärung

Zentrale Ergebnisse aus dem Lagebild zur Nutzung und Akzeptanz digitaler Verwaltungsangebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

• Nutzung digitaler Verwaltungsangebote steigt: Fast jeder zweite deutsche Onliner nutzt die digitale Verwaltung

• Faktor Bildung spielt zentrale Rolle bei der Nutzung

• Digitale Identifikationsmöglichkeiten für Behördendienste in Deutschland nicht im Alltag der Bevölkerung angekommen

• Digitale Steuererklärung: Behördliche Angebote in Deutschland weniger genutzt als in Österreich und der Schweiz.

Die Initiative D21 und fortiss haben die neue Auflage ihrer jährlichen Studie „eGovernment MONITOR 2019“ veröffentlicht. Die von Kantar durchgeführte Studie gibt ein Lagebild zur Nutzung und Akzeptanz digitaler Verwaltungsangebote in Deutschland und vergleicht diese mit den Partnerländern Österreich und Schweiz. Sie ist repräsentativ für die Online-Bevölkerung ab 18 Jahren.

Deutschland weiterhin mit Aufholbedarf im D-A-CH- und Europa-Vergleich. Informationen und Dienste von Behörden, die über das Internet genutzt werden können, sind E-Government- bzw. digitale Verwaltungsdienste. In Deutschland nutzt sie fast jeder Zweite (48 Prozent, das ist ein Anstieg um 8 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Insbesondere die mittlere Altersgruppe zwischen 35 und 54 Jahren entdeckt digitale Behördendienste zunehmend für sich, hier gibt es den größten Anstieg seit Beginn der Untersuchung 2012. Damit liegt die Nutzungsquote weiterhin deutlich unter denen der Vergleichsländer Österreich (70 Prozent, -4 Prozentpunkte) und Schweiz (58 Prozent, +2 Prozentpunkte). Im Langzeittrend konnten die Bürger bisher kaum zu einer verstärkten Nutzung motiviert werden (2012: 45 Prozent zu 2019: 48 Prozent). Im EU-Vergleich liegt Deutschland an 24. Stelle und damit weit unter dem EU-Durchschnitt.

Bildung zentraler Faktor bei der Nutzung. E-Government nutzen in allen Vergleichsländern Jüngere und Ältere sowie Männer und Frauen etwa gleich viel. Ganz entgegen dem Trend bei anderen digitalen Aktivitäten, die meist Jüngere sowie Männer stärker wahrnehmen.[2] Bei digitalen Behördendiensten zeigt sich eine digitale Spaltung am stärksten nach dem Niveau der Bildung: 67 Prozent der Menschen mit hoher Bildung nutzen E-Government-Angebote, im mittleren Bildungsbereich sind es 59 Prozent, bei Onliner mit niedriger Bildung sind es nur noch 41 Prozent. „Es ist bedauerlich, dass wir hier keine Fortschritte oder übergreifenden Maßnahmen sehen. Gerade weniger Gebildete könnten von einem einfacheren Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen profitieren“, so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21. „Wenn wir digitale staatliche Dienstleistungen allen Menschen zugänglich machen möchten, brauchen wir einfache Sprache, intuitive Bedienung und nachvollziehbaren Mehrwert, etwa durch proaktive Hinweise auf Fristen oder beantragbare Leistungen.“

Bekannte Hürden bleiben bestehen, Zufriedenheit bleibt stabil. Ein großes Hindernis für die Nutzung von E-Government-Angeboten bleibt, dass die gewünschten Dienste nicht oder nicht vollständig online angeboten werden. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sieht vor, dass bis 2022 alle Verwaltungen ihre dazu fähigen Verwaltungsleistungen online anbieten und im übergreifenden Portalverbund nutzbar machen. Dazu Klaus Vitt, Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik und Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: „Die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes läuft auf Hochtouren. Die nutzerfreundliche Gestaltung von E-Government-Diensten steht im Mittelpunkt. Bis 2022 werden wir alle Verwaltungsleistungen auch online anbieten und den Bürgerinnen und Bürgern durch die Einführung des ‚Once-Only-Prinzips‘ einen echten Mehrwert bieten können.“

Die Zufriedenheit mit den digitalen Verwaltungsdiensten steigt in allen drei Ländern im Vorjahresvergleich leicht an. In Deutschland sind 60 Prozent mit den Angeboten zufrieden, in Österreich 74 Prozent und in der Schweiz 73 Prozent (jeweils +2 Prozentpunkte). Im Langzeittrend seit 2012 ist die Zufriedenheit vergleichsweise stabil.   

Mehrere Digitale Identitäten sind aus Sicht der Onliner mühsam, aber sinnvoll. Die eigene Identität weisen die Onliner am häufigsten per Benutzername/Passwort, gefolgt von PIN-/TAN-Verfahren nach. Das Ergebnis sind verschiedene digitale Identitäten und Passwörter, die sie verwalten müssen. Nur ein Viertel der Inhaber von mehr als drei Identitäten verwaltet diese über einen Passwort-Manager oder ein vergleichbares Instrument. Trotz der Komplexität ist die Bereitschaft für die Verwendung mehrerer digitaler Identitäten in allen drei Ländern hoch. Fast zwei Drittel der Nutzer empfinden den Umgang mit verschiedenen Identitäten als mühsam, aber sinnvoll. Für viele spielt dabei der Sicherheitsaspekt eine zentrale Rolle. Knapp ein Drittel fühlt sich mit der Handhabung verschiedener digitaler Identitäten jedoch überfordert.

Der Personalausweis als digitale Identität kann sich in Deutschland bislang nicht durchsetzen – in Österreich nutzt bereits fast jeder Zweite die staatliche Lösung. Digitale Identitäten stellt der Staat aus, um eine sichere Online-Identifikation und Authentifizierung insbesondere in der Behördenkommunikation zu ermöglichen. Deutschland führte hierzu 2010 den Personalausweis im Scheckkartenformat mit der sogenannte Online-Ausweisfunktion (eID) ein. Laut „eGovernment MONITOR 2019“ besitzen rund drei Viertel der deutschen Onliner den Personalausweis im Scheckkartenformat und damit die Möglichkeiten für eine digitale Identifikation. Die eID-Funktion hat jedoch nur ein Viertel freigeschaltet. Die tatsächliche Nutzung der eID-Funktion bleibt gering, nur sechs Prozent haben sie bereits genutzt, der Großteil davon über ein entsprechendes Kartenlesegerät.

Seit 2017 besteht die Möglichkeit, die NFC-Schnittstelle von Android-Smartphones zur Verwendung der eID-Funktion ohne ein zusätzliches Kartenlesegerät zu nutzen. Fast zwei Drittel der potenziellen NutzerInnen ist diese Möglichkeit allerdings unbekannt. Für Apple-Smartphones besteht die Möglichkeit erst seit September 2019, und damit nach Durchführung der Befragung.

„Smartphones tragen die Menschen heutzutage fast immer bei sich – daher liegt im neuen Angebot, den Personalausweis über die NFC-Schnittstelle zu nutzen, durchaus eine gute Chance, Akzeptanz und Nutzung zu steigern“, kommentiert Prof. Dr. Helmut Krcmar von fortiss: „Aber: jetzt müssen auch Anwendungen folgen, bei denen die Bürger eine spürbare Zeitersparnis haben, wenn sie eine Leistung online nutzen und sich dabei mit dem Personalausweis sicher gegenüber den Behörden ausweisen können. Von Erfolg können wir erst sprechen, wenn die Menschen diese Möglichkeit auch wahrnehmen.“

Weitere Entwicklungen und Anwendungsformen für den Personalausweis und die staatliche digitale Identität sind für die Bürger denkbar: Fast die Hälfte der deutschen Onliner kann sich vorstellen, die Informationen ihres Personalausweises auf einer sicheren Plattform im Internet zu speichern und diese dann zur Identifizierung bei verschiedenen Diensten zu nutzen. Eine Speicherung dieser Daten auf dem Smartphone lehnen jedoch 57 Prozent ab.

In der Schweiz besitzen mittlerweile 28 Prozent eine SuisseID – davon haben 84 Prozent sie bereits eingesetzt, häufig zum Einsatz kommt sie jedoch nur bei einer Minderheit. Das 2017 neu eingeführte SwissID-Verfahren erleichtert die Abwicklung und wird zunehmend genutzt: BesitzerInnen der SuisseID verwenden das neue Verfahren bereits deutlich häufiger als die SuisseID selbst. Die neue SwissID erlaubt nicht nur eine Identifikation für behördliche, sondern auch für private Dienste und benötigt keine zusätzliche Hardware.

In Österreich nutzen knapp 50 Prozent eine aktivierte Bürgerkarte oder Handy-Signatur – mit deutlich steigender Tendenz, zudem plant fast ein Drittel der Nichtnutzer die Anschaffung. Im Vergleich zu Deutschland sind in Österreich gegenwärtig deutlich mehr behördliche Dienstleistungen über die elektronische Behörden-ID zugänglich. 

Digitale Steuererklärung: Behördliche Angebote in Deutschland weniger genutzt als in Österreich und der Schweiz. In einer „Citizen Journey“ untersucht der „eGovernment MONITOR 2019“ die Kontaktkanäle der Bürger mit den Behörden im Zuge der Erstellung ihrer Steuererklärung. Insgesamt ist die elektronische Steuererklärung in Deutschland deutlich weniger verbreitet als in Österreich und der Schweiz.

Bei der Steuererklärung durchlaufen Bürger im Wesentlichen vier Schritte: Informationsbeschaffung, Beratung, Erstellung der Steuererklärung und Abgabe. Die Behörden sind bei der Informationsbeschaffung und Beratung in Deutschland nur dritt- bzw. viertwichtigste Anlaufstelle. Öfter helfen Steuerberatungen, Lohnsteuervereine oder das private Umfeld. Ein Viertel der Befragten gab an, nicht einmal auf die Idee gekommen zu sein, die Informationen online bei den Behörden einzuholen. Österreicher und Schweizer informieren sich deutlich häufiger auf offiziellem Wege. Große Unterschiede zeigen sich bei der Erstellung der Steuererklärung: In Österreich nutzen über 80 Prozent und in der Schweiz rund 60 Prozent die behördeneigene Software. Das deutsche „ELSTER“ hingegen nutzt nur rund ein Drittel, ein weiteres Viertel verwendet eine andere Software – insgesamt erstellen damit 56 Prozent ihre Steuererklärung in Deutschland digital. Die Abgabe erfolgt in Deutschland fast zur Hälfte elektronisch (32 Prozent ELSTER, 13 Prozent andere Software), in der Schweiz zu 41 Prozent digital (hier spielt der Brief nach wie vor die größte Rolle). In Österreich geben über 80 Prozent ihre Steuererklärung online ab.

Über die Studie „eGovernment MONITOR“. Herausgeber des eGovernment MONITOR sind die Initiative D21 und fortiss gemeinnützige GmbH. Durchgeführt wird sie vom Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Kantar. Die Studie beleuchtet seit 2011 jährlich die aktuelle E-Government-Situation in Deutschland. Zentrale Untersuchungsgegenstände sind: Bekanntheit, (mobile) Nutzung, Nutzungsbarrieren, Zufriedenheit sowie die Identifikation im Zusammenhang mit digitalen Behördengängen. Die aktuelle Untersuchung legt ihren Schwerpunkt auf die Themen digitale Identitäten (insbesondere bei der behördlichen Nutzung) und das Once-Only-Prinzip. Zudem zeichnet sie den Prozess der Steuererklärung nach und untersucht die Gründe, wieso Behördenkontakte in diesem Zusammenhang nicht immer online ablaufen. Seit 2012 werden Österreich und die Schweiz als Vergleichsländer herangezogen.

 

Internationale Nachrichten

LinkedIn springt in die reale Welt.

LinkedIn is getting into networking in the physical world for the first time, expanding on its bread-and-butter of connecting professionals digitally. The Microsoft-owned business social network unveiled a new Events feature that lets people plan, announce and invite people to real-life meetups. LinkedIn aims to become the go-to place for organizing professional gatherings.

Rebranding Via Oncology. Elsevier, a global information analytics business specializing in science and health, introduced ClinicalPath as the new brand name for Via Oncology, the cancer care management and clinical decision support tool. The rebrand of Via Oncology to ClinicalPath reflects Elsevier’s commitment to providing oncology care teams with a clearer path to clinical decision making, by combining advanced technology with evidence-based content.

Master of Journal List mit verbesserten Funktionen. The Web of Science Group launched the enhanced Master Journal List, with new, improved functionality and a better user experience for the researchers, librarians and editors who visit the freely-available online list each month. The list is the go-to place for researchers to explore which journals are included in the Web of Science, and to help them identify suitable publishing destinations for their research.

Tracking Service für Spielzeugindustrie weltweit. The NPD Group, Inc. announced the launch of the company’s Toys E-commerce Tracking Service in China, covering online sales of toy products. The addition of China marks the fourteenth country that NPD tracks for the toy industry. The monthly service currently delivers coverage of product purchasing down to the item/model level in 11 super-categories and over 90 toy subclasses.

Besseres Rechnen für Tax Professionals. Wolters Kluwer announced the launch of its newly redesigned CCH SureTax sales and use tax compliance platform, a multi-vertical, cloud-based tax calculation solution that helps companies efficiently manage their indirect tax regulatory requirements in North America. This platform includes a Calculation Engine, an Exemption Certificate Management module, a Returns module, and Business Intelligence Analytics tools to addresses the entire sales tax lifecycle, from rates to returns.

Linkage zwischen Gesundheitsdaten und Gesundheitsverhalten. HealthVerity and LiveRamp announced a partnership that will enable the connection of digital behavior with healthcare data in a privacy-centric, HIPAA-compliant manner. Through this partnership and the creation of a privacy-protecting linkage between the patient's offline and online media activity and their healthcare data, marketers in healthcare organizations can now better understand the impact that digital outreach has on a patient's most important healthcare decisions.



F.A.Z.- Archiv

Expansion in US-Forschungsbibliotheken

Durch einen neuen Rahmenvertrag mit dem Center for Research Libraries erhalten Forscher in Nordamerika Zugang zum digitalen Archiv der Zeitung.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) hat einen Rahmenvertrag mit dem in Chicago, Illinois, ansässigen Center for Research Libraries (CRL) geschlossen. Die Kooperation ermöglicht Forschungsbibliotheken in Nordamerika den Zugang zum digitalen Archiv der F.A.Z.

Die F.A.Z. ist eine der wenigen deutschen Tageszeitungen, die über ihren gesamten Erscheinungszeitraum - seit der Gründung 1949 - digital erschlossen ist. Diesen Datenschatz stellt das F.A.Z.-Archiv über sein Bibliotheksportal (www.faz-biblionet.de) schon seit vielen Jahren wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Recherche- und Forschungszwecke zur Verfügung. Durch den neuen Rahmenvertrag können wissenschaftliche Bibliotheken in Nordamerika über das Center for Research Libraries nun in einem vereinfachten Verfahren Lizenzen für das F.A.Z.-Bibliotheksportal erwerben.

Das Center for Research Libraries ist ein internationales Konsortium aus über 200 Forschungsbibliotheken in den USA und Kanada, die an Universitäten und Colleges angegliedert sind oder unabhängig geführt werden. Der Zusammenschluss umfasst bedeutende Universitäten wie Harvard, Princeton und Stanford sowie Undergraduate Colleges und geisteswissenschaftliche Institutionen wie Amherst und Oberlin. Der Vertrag des CRL mit der F.A.Z. erstreckt sich auch auf Konsortialpartner wie das NERL (vormals Northeast Research Libraries Consortium) sowie auf Organisationen, die unter dem Dach der CRL tätig sind, wie das German-North American Resources Partnership.

 

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