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Oktober 2019

# 650

 

Open Access – Open-Access-Tage – Jasmin Schmitz – Leibniz-Universität Hannover - Elena Šimukovič – Budapester Erklärung – Nachhaltigkeit – DEAL – Großverlage – APC-Modell - Mikael Laakso – OA-Daten – Plan S – DOAJ – Unpaywall – Reverse Flipping – Preisstrukturen – ESAC Agreement Registry – Open APC - Anne Hobert - Niels Taubert – Neutrales Klassifikationssystem – Metadaten – Delayed Open Access – Gold OA – Directory of Open Access Journals – PubMed Central – Advocacy - Reingis Hauck - Anneke Meyer – Angela Holzer – Open Access Publizieren – DFG – SpringerNature – PLOS ONE – ZENODO - Facebook - News Corp. - Thomson Reuters - CEOs - IHS Markit - Dividend Forecasting - OCLC - Europeana - WorldCat - D&B - LinkedIn - Lattice Campaign - Guardian - Open Law - Contract Express

Open-Access-Tage 2019

Unzureichende Daten,
Nachhaltigkeit
von OA-Initiativen
und weitere kritische Punkte

Von Jasmin Schmitz, schmitz-jasmin@web.de

Open-Access-Tage 2019 an der Leibniz Universität in Hannover mit Vorträgen, Workshops, Posterpräsentationen und einem Toolmarkplatz für mehr als 435 Teilnehmende.

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Open Access und Nachhaltigkeit.

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Insbesondere in den Keynotes am zweiten und dritten Konferenztag wurden kritische Töne angeschlagen. Elena Šimukovič gab zu bedenken, dass nach der Budapester Erklärung aus dem Jahr 2003 grundsätzlich zwei Maßnahmen greifen sollen:

• Transformation von Subskriptionszeitschriften zu Open-Access-Zeitschriften und

• Aufwertung bereits bestehender Open-Access-Zeitschriften.

In aktuellen Diskussionen spiele die zweite Forderung nur mehr eine untergeordnete Rolle.

Grundsätzlich lässt sich an der Nachhaltigkeit aktueller Initiativen wie DEAL zweifeln, denn

• es werden große Verlage bevorzugt, kleinere Publikationshäuser bleiben (zunächst) eher außen vor;

• publikationsstarke Forschungseinrichtungen werden benachteiligt, weil auf sie hohe Kosten zukommen;

• die Kostenersparnis, die ursprünglich mit der Bewegung hin zu Open Access erzielt werden sollte, fällt deutlich geringer als ursprünglich gedacht aus – Bibliotheksetats werden somit kaum entlastet.

Auch die Fokussierung auf das APC-Modell (= Finanzierung der Publikationskosten über Publikationsgebühren) ist problematisch, weil es Einrichtungen dazu verleitet, eigennützig zu handeln und es zu einem internen Konkurrenzkampf um die Verteilung knapper APC-Mittel kommt. Zudem birgt die Fokussierung die Gefahr, Ungleichheiten weiter zu verschärfen, weil sich viele Einrichtungen und sogar ganze Länder die Publikationsgebühren nicht leisten können. Dies kann dazu führen, dass sich die Autorenreihung in Artikeln zugunsten derjenigen Autoren ändert, die diese Gebühren finanzieren können und dementsprechend als „Corresponding Authors“ genannt werden.

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Unvollständige Datengrundlage erschwert Bewertung.
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Die Abschluss-Keynote am letzten Tag der Veranstaltung von Mikael Laakso mit dem Titel „Infrastructure for data on open access: openness, sustainability, reproducibility“ [1] ging auf die problematische Datenlage zu Publikationsaufkommen und -Impact, insbesondere auf die unzureichende Datenlage zu Open Access ein. Diese erschwert beispielweise die Quantifizierung des Anteils, der tatsächlich in Open Access publiziert wird. Darüber hinaus sind die Daten einfach nicht gut genug, um die Wissenschaftspolitik umfassend darüber zu informieren, wie sich die Publikationslandschaft verändert und wie sich Maßnahmen und Initiativen wie z.B. Plan S auswirken. Zudem sind Vergleiche über die Zeit schwierig, so dass die zahlreichen Veränderungen innerhalb eines längeren Zeitraums womöglich nicht erfasst werden.

Open-Access-Anteile und bibliometrische Kennzahlen werden in vielen Untersuchungen nicht selten über proprietäre Datenbanken bestimmt, die aber für sich genommen bei der Auswahl von Zeitschriften eine Black Box sind. Zudem weisen sie diverse Biases auf (z.B. Konzentration auf englischsprachige Literatur und auf die Natur- und Lebenswissenschaften). Auch stellen diese Datenbanken vorwiegend den Status Quo dar, eignen sich also kaum für Vergleiche über die Zeit. Erschwert wird die Situation zusätzlich dadurch, dass mit Blick auf Open Access und die unterschiedlichen Wege dahin eine Zeitschriften- und eine Artikelperspektive zu beachten sind. Dies wird in den proprietären Datenbanken nur unzureichend abgebildet.

Wohl sorgen Plattformen wie DOAJ (https://doaj.org/) und Unpaywall (https://unpaywall.org/) für eine Verbesserung der Datenlage, einige Probleme bleiben jedoch. So werden Umbenennungen von Zeitschriften und Wechsel der verlegerischen Trägerschaft nicht systematisch nachvollzogen. Das gilt auch für das „Reverse Flipping“ – also die Erfassung von Zeitschriften, die ursprünglich im Open Access erschienen sind, dann aber zu Subskriptionszeitschriften umgewandelt wurden. Noch sind die Kosten- und Preisstrukturen transparent. Es zeichnet sich ab, dass kommerzielle Anbieters erwartungsgemäß keine Verringerung der von ihnen verlangten Gebühren anstreben, da sie auf die Erzielung von Gewinnen ausgerichtet sind. Initiativen wie ESAC Agreement Registry (https://esac-initiative.org/about/transformative-agreements/agreement-registry/) und Open APC (https://www.intact-project.org/openapc/) tragen zur Transparenz bei, reichen aber nicht aus, um Entwicklungen in Gänze zu betrachten.

Um die Lage der Publikationslandschaft und die Erfolge von Initiativen bewerten zu können, sollte eine Infrastruktur für die Datenerhebung geschaffen und ihre langfristige Finanzierung sichergestellt werden.
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Bestimmung von Open-Access-Typen.
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Anne Hobert und Niels Taubert erörterten am zweiten Konferenztag die Problematik der Zuweisung des Open-Access-Typs zu einer Publikation und stellten ein eigenes Klassifikationssystem vor. Derzeit ist der Begriff „Open Access“ normativ so aufgeladen, dass dieser Publikationsweg als grundsätzlich gut für Wissenschaft und Gesellschaft gilt sowie als geeignet für die Beseitigung von Ungleichheit angesehen wird. Für systematische Analysen wird aber ein neutrales Klassifikationssystem benötigt. Das vorgeschlagene Schema sieht an Dimensionen vor:

• Dimension 1: Ort der Verfügbarkeit: original oder abweichend

• Dimension 2: Zeitpunkt des Open Access: sofort oder später; Preprint oder Postprint

• Dimension 3 Gold: Full Open Access oder hybrides Open Access

• Dimension 3 Grün: Preprint oder Postprint; realisiert durch ein institutionelles oder disziplinäres Repositorium.

Allerdings fehlen für eine zuverlässige automatisierte Zuweisung nach diesem Schema häufig die Metadaten. Insbesondere der Aspekt „Delayed Open Access“ – also die Open-Access-Stellung nach einer Embargofrist – lässt sich aus den Metadaten nicht herauslesen.

Insgesamt müssen somit weitere Datenquellen eingebunden werden. Um Informationen zu bekommen, ob eine Zeitschrift Gold Open Access ist, kann die Liste Gold OA (https://pub.uni-bielefeld.de/record/2906347) oder das Directory of Open Access Journals (https://doaj.org/) konsultiert werden. Teilweise müssen auch Informationen von Verlagswebseiten oder von Zeitschriftenlisten in großen Datenbanken wie PubMed Central beschafft werden, um einen vollständigen Überblick über die Open-Access-Publikationslandschaft zu bekommen.

 

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Neue Wege bei der Beratung zu Open Access.

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Ein Schwerpunkt in diesem Jahr war auch das Thema „Advocacy“ – also Beratung zu Open Access und Open Science. Reingis Hauck und Anneke Meyer berichteten unter „Advocacy of Open Access in Research Services“  über die Integration der Open-Access-/Open-Science-Beratung in die Services des Forschungsmanagement an der Universität Hannover.

Da in Förderanträgen auch die Publikationsstrategie für Projektergebnisse sowie die Förderfähigkeit über bereits veröffentlichte Publikationen dargelegt werden muss, ergeben sich gute Anknüpfungspunkte, auch diese Thematik anzusprechen.

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Evaluierung des DFG-Programms „Open Access Publizieren“.
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Angela Holzer stellte unter anderem die Ergebnisse der Evaluierung des DFG-Programms zur Einrichtung von Open-Access-Publikationsfonds an Hochschulen vor. Im Programm „Open Access Publizieren“ wurden insgesamt 45 Hochschulen und über 11.800 Publikationen gefördert. Eine Befragung der Einrichtungen, die am Programm teilgenommen haben, ergab unter anderem, dass

• die Zustimmung für den Ausschluss von Hybrid-Zeitschriften bei der Förderung hoch ist;

• die Kappung der Publikationsgebühren (APCs) bei 2.000 Euro nur bedingt auf Zustimmung stößt, obwohl diese eine große regulatorische Wirkung hat und hilft, die APC-Preise im Rahmen zu halten;

• Bücher und andere Publikationstypen nach Ansicht der Befragten ebenfalls finanziert werden sollten;

• sich der Großteil der Einrichtungen wünscht, dass die Förderung von APCs seitens der DFG fortgesetzt wird.

Wenig überraschend haben die Lebenswissenschaften am meisten von dem Programm profitiert. Am häufigsten gefördert wurden Publikationen vom Verlag SpringerNature, bei den Zeitschriften waren es Artikel in PLOS ONE. Wie in anderen Analysen wurde ein Anstieg der Publikationsgebühren über die Jahre dokumentiert. Im Median wurden jeweils gut 50% der Publikationen an den teilnehmenden Einrichtungen gefördert. Vergleichende Analysen zeigen, dass aber auch bei den nicht-geförderten Einrichtungen der Anteil von Open Access gestiegen ist.

Das Fazit aus Sicht der DFG: Insgesamt hat das Programm zur Strukturbildung bei den geförderten Einrichtungen beigetragen. Ziel der DFG kann nicht sein, die „Prestigeökonomie“ der Verlage zu finanzieren. Mithin müssen auch künftig die Maßnahmen zur Begrenzung von Gebührenerhöhungen beibehalten werden.

Die Abstracts zu den Vorträgen etc. sind auf der Konferenzwebsite abrufbar: https://open-access.net/community/open-access-tage/open-access-tage-2019. Die Folien zu den Postern und Vorträgen werden auf ZENODO veröffentlicht: https://zenodo.org/communities/oat2019/. Ein Teil der Vorträge wurde zudem aufgezeichnet; die Videos werden ebenfalls zugänglich gemacht.

Die Open-Access-Tage 2020 finden im September in Bielefeld statt.

 [1] http://mikaellaakso.com/wp-content/uploads/2019/10/Laakso_OAT.pdf

Erste Partner für Facebook News

News Corp has reached a deal to let Facebook Inc. feature headlines from The Wall Street Journal and other Dow Jones media properties, as well as the New York Post, in the social-media giant’s coming news section, the companies said. Other publications that have agreed to participate include the Washington Post, BuzzFeed News and Business Insider, people familiar with the matter said.

Thomson Reuters: Immer auf der Suche nach neuen CEOs. Thomson Reuters issued the following statement in response to media reports that an executive search firm has been retained to conduct a search for a new chief executive officer: “The Board of Directors considers succession planning and benchmarking for all key executives a matter of good governance. Hence, the Board and management continuously assess internal candidates and work with search firms to scan the external market.” David Thomson, Chairman of the Thomson Reuters Board of Directors added: “The Board is fully supportive of Jim Smith and his management team.”

Dividendenprognosen in 90 Märkten.IHS Markit announced that it is using advanced analytics to more than double the number of companies covered by its Dividend Forecasting service. The expanded global service covers 28,000 stocks in more than 90 markets, providing up to five years of dividend forecast data for each stock covered.

Ausbau von WorldCat durch Europeana-Daten.  OCLC and Europeana, the digital platform for European cultural heritage, are working together to add records of millions of digitized items to WorldCat, making this open content easily discoverable and freely accessible to readers, researchers and students through libraries. The addition of Europeana Collections will add dramatically to the open content resources that are accessible through WorldCat, the database of information about library collections.

D&B: Künstliche Intelligence für LinkedIn-Werbung. Dun & Bradstreet has announced that it has launched the Lattice Campaigns App for LinkedIn. The new app enables customers of D&B Lattice to improve campaign performance by creating and activating always-on AI-based audiences for LinkedIn Ads. This announcement comes only 90 days after the commercial data and analytics provider acquired Lattice Engines, the B2B Customer Data Platform (CDP). 

Guardian-App exklusiv für digitale Abonnenten.The Guardian has released a new daily app exclusively for digital subscribers, marking the first substantial offering for those who pay for its content despite it being free to read online. It is designed to complement the Guardian’s pre-existing live app, which will continue to offer free access to all Guardian content to users but with a focus on breaking news, and the revamped Guardian Weekly, although the latter mainly targets an audience outside the UK.

Rechtssichere Dokumente durch Automatisierung. Thomson Reuters and OpenLaw are exploring the future of legal documents with a proof of concept that combines smart documents powered by blockchain technology with document automation. Contract Express from Thomson Reuters is a solution for efficiently producing the most up-to-date, consistent and accurate legal documents. OpenLaw developed the first decentralized peer-to-peer protocol for creating legal agreements. 

 

 

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