Open Password - Dienstag, den 23. Juli 2019

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Mondlandung – Apollo 11 – USA - Neil Armstrong – Sowjetunion – Indien – China – Buzz Aldrin – Michael Collins – John F. Kennedy – NASA – Wernher von Braun – Integrierte Schaltkreise – Vision – Vietnam-Krieg – Krieg gegen den Terror – Bankenrettung – Lars Jäger - LexisNexis - Context for Courts - Research Square - AJE Author Services - IET - Inspec Analytics - APhA - Well-being Index - Pharmacists - Kepner-Tregoe - KTeX - Future of Work - CAS - SciFinder - Hachette - Outsell


Mondlandung 2019

Was möglich ist, wenn Wissenschaft und Politik eine gemeinsame Vision haben

Eine Kosten-Nutzen-Analyse im Vergleich zum Vietnam-Krieg, zur Bekämpfung
des Terrors und zur Bankenrettung

Von Lars Jaeger

Die Landung der ersten Menschen auf dem Mond am 20. Juli 1969 war einer der bewegendsten Augenblicke des 20. Jahrhunderts und die Fernseh-Übertragung der „Apollo 11“-Mission dessen erstes und größtes globale Medienereignis. Bis zu 600 Millionen Menschen verfolgten in der Nacht von 20. auf 21. Juli 1969 weltweit vor den Bildschirmen, wie Neil Armstrong die ersten Schritte auf dem Erdtrabanten machte. Bei einer damaligen Weltbevölkerung von 3,5 Miliarden war das circa jeder sechste Erdenbürger und ungefähr jeder vierte Erwachsene. Zugleich gilt die Mondlandung der Amerikaner bis heute als eine kaum fassbare technische Meisterleistung, erst recht, wenn man die technischen Mittel der damaligen Zeit berücksichtigt. So sind nach Beendigung des Apollo-Programms im Jahr 1972 bis heute keine weiteren Menschen auf dem Erdtrabanten gelandet. Die Sowjetunion stellte ihr bemanntes Mondflugprogramm nach mehreren technischen Rückschlägen schon 1969 ein. Wie schwer es noch heute ist, auf den Mond zu fliegen, mussten unlängst die indischen Raumfahrer erkennen, die den Start ihre Mondrakete „wegen technischer Probleme“ abbrechen mussten. Und noch 2013 und 2019 feierten die chinesischen Staatsmedien enthusiastisch, dass es einem (unbemannten!) chinesischen Raumschiff gelungen ist, auf dem Mond zu landen (ihr Programm soll erst in den 2030er-Jahren eine bemannte Mondlandung ermöglichen).

Am 16. Juli 1969 startete die Trägerrakete Saturn V auf Cape Canaveral. Drei Tage später erreichte sie die Mondumlaufbahn, und am 20. Juli setzte die Landefähre „Eagle“ auf der Mondoberfläche auf. Am 21. Juli um 3.56 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit - in den USA war es noch der Abend des 20. Juli - setzte „Apollo 11“-Kommandant Neil Armstrong seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes und sagte dabei seinen berühmten Satz: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen - aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“ Kurz darauf folgte ihm Buzz Aldrin und betrat den Mondboden. Michael Collins, das dritte Besatzungsmitglied, umrundete währenddessen im Kommandomodul den Mond. Nach zweieinhalb Stunden verließen die Menschen den Mond wieder und kehrten am 24. Juli auf die Erde zurück.

John F. Kennedy, Präsident, als die USA noch einen „gewaltigen Sprung für die Menschheit“ wagte.

 

Angefangen hatte alles mit der Rede des US- Präsident John F. Kennedy vor dem amerikanischen Kongress am 25. Mai 1961, nur eineinhalb Monate nach dem Start des sowjetischen Astronauten Juri Gagarin ins Weltall. Darin gab er das Ziel vor, noch im selben Jahrzehnt einen Menschen zum Mond fahren und wieder zurückbringen zu lassen: 

„Ich glaube, dass dieses Land sich dem Ziel widmen sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen. Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein.“

Sogar einige NASA-Funktionäre zweifelten an der Durchführbarkeit dieses Projekts, und noch 1963 war Kennedy selbst dazu geneigt, einer gemeinsamen US-sowjetischen Mondmission zuzustimmen. Die Landung von Menschen auf dem Mond bis Ende 1969 erforderte eine gewaltige technologische Anstrengung und Kreativität und mit insgesamt 25,4 Milliarden Dollar (153 Milliarden Dollar zu Preisen im Jahr 2018) nicht weniger exorbitante finanzielle Mittel. Es war die größte Summe, die jemals von einer Nation in Friedenszeiten für ein technologisches Projekt aufgewendet wurde. Das Apollo-Unternehmen zeigte in beeindruckender Weise, wie eine politische und technische wissenschaftliche Zusammenarbeit in einer Mammutorganisation wie der NASA ein Problem von dieser Größenordnung mit so vielen Unbekannten innerhalb eines definierten Zeitraums zu lösen vermag. In der Spitze beschäftigte das Apollo-Programm 400.000 Menschen und benötigte die Unterstützung von über 20.000 Industrieunternehmen und Universitäten – sowie das Wissen der deutschen Luftwaffe: die gewaltige Trägerrakete „Saturn V“, mit einer Höhe von über 110 Metern bis heute die größte Rakete der Welt, entstand unter Leitung des ehemaligen NSDAP-Mitgliedes und SS-Sturmbannführers Wernher von Braun.

Wie viele offenen Fragen es zu Beginn des Projektes gab und wie unsicher der Erfolg war, zeigt sich schon daran, dass es zahlreiche verschiedene Möglichkeiten gab, zum Mond zu fliegen: 

-          Flug in den Mondorbit und dann Abkopplung einer Landeeinrichtung von dort (so wie es die NASA zuletzt durchführte);

-          direkter Flug von der Erde auf den Mond;

-          Flug von Einzelteilen in die Erdumlaufbahn, die dann dort zu einer Mondraumschiff zusammengebaut werden und

-          Flug von zwei Raumschiffen direkt auf den Mond, eine mit dem Material für den Rückflug, die andere mit den Astronauten. 

Die Ingenieure und Wissenschaftler mussten mit einer Unzahl von unbekannten Größen umzugehen lernen. Auch das macht das Apollo-Programm bzw. die Mondlandungen zu einem der bedeutendsten technologischen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Aus ihm ergaben sich zudem neue, bis heute wichtige Technologiefelder und Unternehmen, die diese kommerzialisierten. So waren beispielsweise die für Apollo konstruierten Computer eine treibende Kraft hinter der frühen Erforschung von integrierten Schaltkreisen, ohne die heute kein Computer mehr laufen würde.  

Das Apollo-Programm hatte ein klares ideologisches Ziel: die Sowjetunion im Weltraumrennen zu überflügeln, um die Überlegenheit des Systems der freien Marktwirtschaft zu demonstrieren. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass, um dieses Ziel zu erreichen, die Organisation enormer öffentlicher Ressourcen innerhalb einer riesigen, zentralisierten Regierungsbürokratie vonnöten war, die alles andere als nach den Regeln eines dezentralen Marktes funktionierte. Kein privater Unternehmer hätte sich je einer solchen Aufgabe angenommen. 

So ist die Mondlandung ein wunderbares Beispiel dafür, was möglich ist, wenn die Gesellschaft, Regierung und Wissenschaft unter einer Vision zusammenarbeiten. Welch starke Macht doch der wissenschaftliche und technologische Fortschritt hat, wenn er erst mit einem visionären Ziel verbunden ist! Hat jemals irgendjemand die immensen Summen angeprangert, die notwendig waren, um einen Menschen auf den Mond zu bringen?

Zum Vergleich: Der nahezu parallel zum Apollo-Programm geführte Vietnam-Krieg hat die amerikanischen Steuerzahler das heutige Äquivalent von 660 Milliarden Dollar gekostet, und damit vier Mal so viel wie das gesamte Apollo-Programm. Die Kosten für den „Krieg gegen den Terror“ ab dem Jahr 2001 belaufen sich noch einmal auf ein Vielfaches davon. Und auch die globalen Kosten für die Rettung der Banken im Jahr 2008 übersteigen das Apollo-Programm um einiges: Allein in Deutschland liegen sie bei knapp 70 Milliarden Euro. Ist es nicht viel sinnvoller, einer technologischen Vision für eine bessere Welt zu folgen als unfähige Banker oder kriegsgierige Generale zu bezahlen? Projekte dafür gibt es auch heute noch viele. 

Open-Password-Autor Lars Jaeger hat Physik, Mathematik, Philosophie und Geschichte studiert und mehrere Jahre in der Quantenphysik sowie Chaostheorie geforscht. Er lebt in der Nähe von Zürich, wo er – als umtriebiger Querdenker – zwei eigene Unternehmen aufgebaut hat, die institutionelle Finanzanleger beraten, und zugleich regelmäßige Blogs zum Thema Wissenschaft und Zeitgeschehen unterhält. Überdies unterrichtet er unter anderem an der European Business School im Rheingau. Im September erscheint sein neues Buch „Mehr Zukunft wagen!“ beim Gütersloher Verlagshaus.

LexisNexis mit „Context for Courts“.

LexisNexis Legal & Professional announced the launch of Context for Courts, the first expansion of the contextual case-law analytics solution available through Lexis Advance. Context for Courts delivers deep insights into the rulings and language most cited by more than 5,000 U.S. state and federal courts so litigators can determine how best to argue their case and where to file it for the greatest potential for success.

Wissenschafltiche Texte verbessern. Researchers who post a preprint to Research Square can now access AJE author services and Research Square videos to improve their manuscript and better communicate their findings. Authors can choose from AJE English language editing, and manuscript, figure and table formatting services to improve their manuscript’s readability while they wait for community feedback. Research Square videos let authors promote their research to a wider audience by providing a synopsis in a 1-minute overview ‘video byte’ or a 2-3 minute animation known as a video abstract.

Weltweite Trends in Naturwissenschaften. The Institution of Engineering and Technology (IET) has announced the full release of Inspec Analytics, a research intelligence tool to help research professionals explore global trends in physics, engineering and technology research.Inspec Analytics has been developed to support researchers, strategic managers and libraries in assessing the value and impact of research and make strategic decisions about the direction of their projects, departments and collaborations.

Well-Being-Index für Apotheker. The American Pharmacists Association (APhA) has announced it is launching the Well-Being Index, a validated screening tool invented by the Mayo Clinic to evaluate fatigue, depression, burnout, anxiety/stress, and mental/physical quality of life. The Well-Being Index represents one of the many efforts APhA has undertaken in its commitment to address pharmacist burnout and pave the way for real opportunities to improve the well-being and resiliency of pharmacists and pharmacy personnel.

Problemlösungsfähigkeiten für die „Zukunft der Arbeit“. Kepner-Tregoe, is launching a new experiential learning effort to build problem-solving skills for “The Future of Work”. KTeX focuses on learning through experiences via realistic simulations, gamification and new learning platforms & technologies that enable learners to apply problem-solving skills effectively, with speed and confidence. 

Neue Wege zu chemischen Verbindungen. CAS, a division of the American Chemical Society specializing in scientific information solutions, has launched a new retrosynthetic analysis solution that systematically identifies new pathways to chemical compounds. It is available to all SciFinder users, empowering chemistry researchers to rapidly identify, compare and prioritize alternative synthetic pathways.

Hachette wandelt sich zur Leibibliothek. Hachette Book Group, one of the “Big Five” publishers (HBG, HarperCollins, Macmillan Publishers, Penguin Random House, and Simon & Schuster), has replaced its perpetual ownership model for libraries with a two-year access model for ebooks and digital audio books This means that at the end of a two year period, libraries will have to re-purchase ebooks that they have already paid for when renewing their access agreements. 

 Quelle: Outsell, der internationale Partner von Open Password

 

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