Open Password - Montag, den 29. Juli 2019

# 600

Düsseldorfer Informationswissenschaft – Wolfgang G. Stock - Isabelle Dorsch - Kaja J. Fietkiewcz - Aylin Ilhan - Christine Meschede - Tobias Siebenlist – Password – Aylin Ilhan – Mechtild Stock – Isabella Peters – Jasmin Schmitz – Bibliometrische Analyse – Karin Weller – Stefanie Haustein – Violeta Trkulja – Dirk Lewandowski – Suchmaschinen – Maria Henkel – Songdo – Smart Cities – Willi Bredemeier – Praxistests – Wirtschaftshosts – Vertrauen - ZB MED - Strukturwandel


„Letztes Abendmahl“:
Bildergalerie und Facetten

Die Düsseldorfer Informationswissenschaft lebt weiter

Ansätze zur Beurteilung der Lebensleistung von Wolfgang G. Stock

Von Willi Bredemeier

Wolfgang G. Stock zieht sich ins Privatleben zurück. Die Düsseldorfer Informationswissenschaft wird abgewickelt. Und dennoch lebt die Düsseldorfer Informationswissenschaft weiter – wenn auch an anderen Standorten und in anderen Institutionen. Dass es vielversprechend, nicht so sehr institutionell, aber nach Inhalten und Erkenntnisgewinnen weitergeht, dafür war die Festschrift zu Ehren von Prof. Stock, die von ehemaligen Mitarbeitern und Kooperationspartnern verfasst und ihm anlässlich eines „letzten Abendmahls“ im Kerpener Restaurant „Alexander“ mit (früheren) Mitarbeitern und Kooperationspartnern übergeben wurde, ein gutes Indiz: „Facetten von Wolf Stock und ihre Bedeutung für die Informationswissenschaft – Festschrift zu Ehren von Wolfgang G. Stock“, herausgegeben von Isabelle Dorsch, Kaja J. Fietkiewcz, Aylin Ilhan, Christine Meschede und Tobias Siebenlist.

Wenn sich Open Password mit weiteren Facetten und einer Bildergalerie dieser Ehrung anschließt, so hat dies einen guten Grund: Das Fest der Düsseldorfer Informationswissenschaftler als Erinnerungsevent und zuversichtlichen Ausblick ließ sich zugleich als Feier der Zusammenarbeit zwischen den Düsseldorfer Forschern und Password/Open Password deuten, da sich insgesamt mehr als 50 Jahre der Zusammenarbeit im „Alexander“ versammelt hatten und diese Kooperation mittlerweile über mindestens drei informationswissenschaftliche Generationen währt. Diese Partnerschaft dauert an. Siehe auch Open Password vom 22. Juli: Wolfgang G. Stock geht – Fest der Düsseldorfer Informationswissenschaft und der Password-Autoren, # 596.

 

Übergabe der Festschrift „Facets of Wolf Stock“ an Wolfgang G. Stock im Kerpener Restaurant „Alexander“. Zweite von links Password-Kooperationspartnerin Aylin Ilhan (Uni Düsseldorf).


Die folgenden „Facetten“ sind Zitate, die von Wolfgang G. und Mechtild Stock sowie von seinen (früheren) Mitarbeitern und Kooperationspartnern stammen. Sie wurden der Festschrift, Password und dem Reader „Zukunft der Informationswissenschaft“ (2019) entnommen. Mit ihnen werden Ansätze zur Beurteilung der wissenschaftlichen Lebensleistung von Prof. Stock sowie Einblicke in einzelne seiner weitgefassten Forschungsinteressen sowie ein Beispiel für die Verschmelzung Düsseldorfer und weiterer informationswissenschaftlicher Ansätze wiedergegeben.

Jasmin Schmitz (l.) von der ZB MED und Isabella Peters von der ZBW.

________________________________________________________________________

327 wissenschaftliche Beiträge in fast 41 Jahren.

________________________________________________________________________

„Wir haben eine umfangreiche bibliometrische Analyse von Wolfgang G. Stocks Oeuvre durchgeführt und dabei vor allem die Abdeckung seiner Veröffentlichungen in den bekannten bibliographischen Datenbanken Web of Science und Scopus, das Publikationsaufkommen, die Inhalte und die Entstehungsumgebung der Veröffentlichungen sowie ihre Wirkung und Rezeption, z.B. den Zitationskontext, betrachtet. …

Stock ist ein profilierter Autor, der im Schnitt fast acht Arbeiten pro Jahr veröffentlicht (327 Artikel auf fast 41 Jahre Publikationstätigkeit). Die Publikationen entstehen häufig aus der Zusammenarbeit mit Mitarbeiter*innen und Doktorand*innen, aber es sind auch internationale Kooperationen (z.B. mit der Karl-Franzens-Universität Graz) zu finden. Die Zeitreihenanalyse zeigte deutlich, wann neue thematische Schwerpunkte für Publikationen vorbereitet und wann die „Früchte dieser Vorarbeiten geerntet“ werden. Es ließen sich fünf große Themenschwerpunkte (i.e. Bibliometrie, Information Retrieval, Wissensrepräsentation, Informationswirtschaft, Informationelle Städte) finden, die teilweise eng miteinander in Beziehung stehen (z.B. Wissenrepräsentation und Information Retrieval. Vier der Themenbereiche sind auch die Schwerpunkte, die zu Stocks Forschungsprogramm für die Düsseldorfer Informationswissenschaft wurden. …

Die von zwei studentischen Gruppen aus Düsseldorf und Graz durchgeführte bibliometrische Analyse der Informationswissenschaft an deutschsprachigen Universitäten hat ebenfalls gezeigt, dass Stock einer der Autoren mit dem höchsten h-Index ist … und er je nach Datenbasis zweimal das Ranking anführt … Die meist-zitierten Artikel von Stock behandeln die Themen bibliometrische Zeitschriftenanalyse, Emotionen in Wissensrepräsentation und Information Retrieval, semantische Relationen und informationelle Städte. Insbesondere im letzteren Themenbereich haben Stock und Co-Autor*innen wissenschaftliches Neuland betreten und sind mit ihren Arbeiten grundlegend für die Forschung in diesem Bereich geworden“.

Isabella Peters, Jasmin Schmitz, Katrin Weller, Stefanie Haustein, Violeta Trkulja: Wolfgang G. Stock – Ein bibliometrischer Rückblick auf eine Karriere in der Informationswissenschaft

 

Katrin Weller (GESIS) und Dirk Lewandowski (HAW Hamburg).


________________________________________________________________________

Eine große Vermittlungsleistung, die eine Fortsetzung verdient.
________________________________________________________________________

„Wolf Stock hat sich vor allem Anfang der 2000er Jahre in einer mehrteiligen Serie in der Zeitschrift Password mit der Funktionsweise und der Qualität von Internet-Suchwerkzeugen auseinandergesetzt. … Vier dieser Artikel sind gemeinsam mit Mechtild Stock entstanden … Die in diesem Aufsatz beschriebenen Artikel zeigen für den Bereich der Suchmaschinen, was damals war und was hätte sein können – oder sogar, was heute noch oder heute wieder gute Ideen wären. Ich möchte hier nur zwei Beispiele nennen:

• Die Verbindung von Web-Inhalten mit kostenpflichtigen Inhalten. Diese wird zugegebenermaßen durch die immer größeren Datenmengen immer schwieriger, auch wenn es mit dem Aufbau eines Offenen Web … m.E. eine naheliegende Basis für Lösungen gäbe.

• Die klassifikatorische Erschließung von Web-Inhalten, wofür heute ungleich bessere (automatisierte) Mittel zur Verfügung stehen als um die Jahrtausendwende.

Die Password-Artikel zeigen neben allen inhaltlichen Aspekten aber noch eine weitere große Stärke: Sie bieten fundierte Analysen zu den damals aktuellen Themen und stellen damit eine große Vermittlungsleistung in die Praxis dar. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn sich auch heute Autoren finden ließen, die in dieser Tiefe aktuelle Trends aufgreifen und für die Zielgruppe der Informationspraktiker aufbereiten würden.“

Dirk Lewandowski, Suchmaschinenforschung in Anknüpfung an Wolf Stock: Ein Rückblick auf sieben Artikel aus Password 1999 – 2003, in: Facets of Wolf Stock

Aylin Ilhan (l.) und Maria Henkel (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)


________________________________________________________________________

Planung schafft keine liebens- und lebenswerten Städte.
________________________________________________________________________

„Songdo ist bis ins kleinste Detail geplant. … Überall auf der Welt entstehen sogenannte „smarte“, „informationelle“ oder „ubiquitäre“ Städte. Ein wesentlicher Bestandteil von ubiquitären Städten ist die Bereitstellung von wireless high-speed Netzwerken und fortgeschrittenen IKT durch ubiquitäre, also jederzeit und überall vorhandene Netzwerke, die miteinander und untereinander agieren können. Die IKT betrifft sowohl städtische Bereiche (Smarte Verwaltung, Smarter Verkehr usw.) als auch die Häuser und Wohnungen in der Stadt (Smart Home). …

Eine Stadt zu planen und zu bauen, angepasst an Bedürfnisse wie grüne Flächen und neueste Technologien, ist der eine Aspekt. Aber die Stadt mit Leben zu füllen und zu ermöglichen, dass Menschen in dieser Stadt ein Gefühl von „Echtheit“ erhalten, eine andere. Wie im Spiel „Die Sims“: Menschen wollen sich wohlfühlen, möchten eine Beschäftigung haben, wollen den sozialen Kontakt. Einer Herausforderung, die sich eine Stadt wie Songdo, die auch eine Geisterstadt genannt wird, stellen muss.“

Aylin Ilhan, New Songdo City: Zukunftsstadt von morgen?, in: Willi Bredemeier (Hrsg.), Zukunft der Informationswissenschaft – Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft?, Berlin 2019

Mechtild und Wolf Stock, jahrzehntelang auch unzertrennlich in der informationswissenschaftlichen Forschung.


________________________________________________________________________

Eine Stiftung Warentest für Content Provider.

________________________________________________________________________

„Im Rahmen unserer Praxis-Tests haben wir uns diesmal ein größeres Projekt vorgenommen. Wir setzen uns zum Ziel, die Online-Hosts in Deutschland zu untersuchen. Erfahren möchten wir dabei, wie sich diese Datenbankanbieter auf dem doch derzeit recht schwierigen Markt durchsetzen können und wo ihre Zukunftsperspektiven liegen. Dies ist ein (vielleicht zu) hoch gestecktes Ziel, denn die Wege dorthin stecken voller Barrieren. Die Kooperationsbereitschaft der Hosts ist unerlässlich. Kooperationsbereitschaft bedeutet aber auch, Informationen bereitzustellen, die die Struktur des Unternehmens durchleuchten. Kein leichtes Unterfangen, weder für die Hosts noch für uns als Analysten. Für die Online-Hosts kommen bei einigen unserer Fragestellungen sicherlich die Bedenken auf, manche Informationen nicht preiszugeben und diese lieber als Betriebsgeheimnis zu bewahren.“

Willi Bredemeier, Mechtild Stock und Wolfgang G. Stock, „Gegenwart und Zukunft der Online-Hosts in Deutschland: Ein Projektplan“, in: Password, Januar 2003

„Alle von uns betrachteten Wirtschaftshosts am deutschen Informationsmarkt haben spezifische Stärken und Alleinstellungsmerkmale, so dass alle ihre Nische gefunden haben und keiner irgendwie „überflüssig“ wäre. Die zentrale Qualitätsdimension ist dabei der Informationsinhalt und weniger das Retrievalsystem oder die Website.“

Mechtild Stock/Wolfgang G. Stock, Dialog Profound/News Edge, Dialogs Spezialmärkte für Marktforschung und News, in: Password, Mai 2003

Dankesrede von Wolfgang G. Stock: Was er alles von seinen Leuten gelernt hat.

________________________________________________________________________

Dankesrede von Wolf Stock nach Übergabe des Buches, die er als Laudatio auf seine Mitarbeiter und Partner - und was er alles von ihnen gelernt hat - gestaltete.

________________________________________________________________________

Information Professionals in einem Web des Vertrauens.
________________________________________________________________________

„Auf keinen Fall darf „blindes“ Vertrauen beim Nutzer aufgebaut werden. Kuhlens Ziel ist das Ausweisen „kritischer Verfahren der Aufklärung und Möglichkeiten informationeller Selbstbestimmung“. Eine tragende Rolle hierbei spielen die Information Professionals. „Was benötigt wird, ist ein reich verzweigtes, in der Öffentlichkeit operierendes referentielles System von Vertrauensversicherungen und Vertrauensargumenten. Wir werden dies als Vertrauensnetzwerk, Web of Trust…, ansprechen. In diesem Kontext des Vertrauensnetzwerkes kommt den personalen Assistenten, den klassischen Bibliothekaren, Dokumentaren oder Informationsvermittlern, eine neue Aufgabe zu, nämlich die der Vertrauensbildung in elektronische Informationsdienstleistungen und die der Bildung von Transparenz des informationellen Geschehens für das Publikum“ (Kuhlen). Der Information Professional wird so zum Vertrauensmanager im Sinne eines Mittlers von Vertrauen zwischen den Anbietern der Informationswirtschaft auf der einen und den Kunden bzw. Nutzern auf der anderen Seite“.

Wolfgang G. Stock, Technische und ökonomische Informationsasymmetrien: Vertrauensmanagement auf Informationsmärkten, in: Password, Dezember 1999 (Rezension von Rainer Kuhlen, Die Konsequenzen von Informationsassistenten)

Wolfgang G. Stock: Hoffentlich kein Abschied für immer.

Bilder: Mechtild Stock, Gerda Bredemeier

 

ZB MED

Wie kommen die Forscher
und Repräsentanten des Kerngeschäfts
miteinander aus?

Gestaltung des strukturellen Wandels
„mit Fakten, Empathie und Humor“

Der Wandel der Leibniz-Bibliotheken zu Semi-Forschungseinrichtungen verlangen nach einem neuen Miteinander zwischen Forschern und Repräsentanten des früheren Kerngeschäfts in der ZB MED:

„Eine Sonderrolle spielen die Impulse der Forschenden. Naturgemäß arbeiten sie in einem anderen Mikroklima als die Belegschaft in einer Bibliothek. Beide Bereiche wachsen nun zusammen. Die einen prägt der Fokus auf teils sehr spezifische Forschungsthemen, die häufig durch Drittmittelprojekte zeitlich begrenzt sind. Die anderen übernehmen ein breites Spektrum an Aufgaben.

Ohne diese häufig nicht auf den ersten Blick sichtbaren Tätigkeiten im „Hintergrund“ könnte ZB MED jedoch nicht existieren. Das betrifft zum einen die Querschnittsbereiche. Zum anderen bringen die ZB MED-Produkte PUBLISSO und LIVIVO den Forschenden als Kundinnen und Kunden erheblichen Nutzen. Und nicht zuletzt der „alte“ Kernbereich Bibliothek, der bewährte Services bereitstellt und neue entwickelt. Das alles ermöglichen die hoch motivierten Kolleginnen und Kollegen – viele mit bibliothekarischer und immer mehr mit Forschungsexpertise.

Wir gestalten den konstanten Wandel mit Fakten, Empathie und Humor. Menschen streben nach Sinn, Wertschätzung und Zusammenhalt. Humor ist hilfreich, um Veränderungen zu akzeptieren und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. So war es eine der wichtigsten Aufgaben, der Belegschaft zu vermitteln, dass ihre Tätigkeiten wichtig für den Prozess der Weiterentwicklung sind. Diese Botschaft pauschal zu vermitteln, reicht jedoch nicht aus.

Daher hat ZB MED alte mit neuen Formaten der Kommunikation kombiniert: In regelmäßig stattfindenden Foyer Meetings berichtet die Leitung über strategische und aktuelle Themen. In sogenannten Cookie Lectures stellen einzelne Bereiche ihre speziellen Themen vor, wie zum Beispiel die digitale Langzeitarchivierung. Eine ganz besondere Form der Personalentwicklung findet bei den Library Carpentries statt. Hier profitieren die Bibliothekarinnen und Bibliothekare unmittelbar von der Welt der „Forschungs-Nerds“: Instruktorinnen und Instruktoren geben neues Handwerkszeug aus der digitalen Welt ohne Umwege weiter. In wöchentlich stattfindenden Hacky Hours geht es um den Praxiseinsatz der Tools, Erfahrungsaustausch sowie Tipps und Tricks im Umgang mit Hard- und Software, Programmen und Plattformen. Zudem berichten die neuen Forschungskolleginnen und kollegen in Kurzvorträgen über ihre Arbeit und erklären, was sie eigentlich tun. Respekt und Wertschätzung lassen sich nicht verordnen. Der beste Weg führt über den direkten Kontakt sowie abteilungsübergreifende Zusammenarbeit.

Daher haben wir bei der notwendigen Neuverteilung der Büros darauf geachtet, bisheriges und neues Personal zu mischen. Der Vorschlag eines „Forschungsbunkers“ an einem externen Standort galt als Option. Wir haben uns aber dazu entschieden, lieber enger zusammen zu rücken und planen nun einen internen Umbau. So fördern wir aktiv den Austausch von Personen verschiedenster Nationalitäten aus den unterschiedlichen Aufgabenbereichen durch tägliche Begegnungen und Alltagsgespräche in der Küche oder auf dem Flur. Von besonderer Bedeutung war die Veranstaltung „Nikolaus hoch drei“ am 6. Dezember. Einerseits stellte das Leitungsgremium Strategie und Zukunfts aufgaben vor. Andererseits präsentierten Projektmitarbeitende ihre aktuellen Vorhaben. Im Anschluss wurde in einem gemütlichen Teil die Kultur gefördert.“

In: ZB MED – Jahresbericht 2018 – Besser forschen

 

Open Password

Forum und Nachrichten
für die Informationsbranche
im deutschsprachigen Raum

Neue Ausgaben von Open Password erscheinen viermal in der Woche.

Wer den E-Mai-Service kostenfrei abonnieren möchte - bitte unter www.password-online.de eintragen.

Die aktuelle Ausgabe von Open Password ist unmittelbar nach ihrem Erscheinen im Web abzurufen. www.password-online.de/push-dienst-archiv/. Das gilt auch für alle früher erschienenen Ausgaben.

International Co-operation Partner:
Outsell (London)
Business Industry Information Association/BIIA (Hongkong)

---