Open Password - Mittwoch, den 17. Juli 2019

# 593

Künstliche Intelligenz – Wissensgraphen – Demenzbekämpfung – Deep Learning – Stadtverwaltung – Automatisierung – Digital Humanities – SEMANTiCS – FIZ Karlsruhe . Susanne Ardisson - Valentina Presutti – Nationaler Forschungsrat – Roboter – Big Data – Gesundheitswesen – Volker Tresp – Siemens Healthineers – Bildanalyse – Strukturierte Daten – Unstrukturierte Daten – Jeanne Holm – University of California – Los Angeles – Data Science Federation – Semantische Technologien – Linked Data – Kulturelles Erbe – Rijksmuseum – DNB – Getty-Institut – DIVE - Victor de Boer

 

Vier internationale Experten
zu Anwendungsbereichen der Künstlichen Intelligenz

Der unaufhaltsame Aufstieg der Wissensgraphen

Demenzbekämpfung, Graphen und
Deep Learning, Automatisierung von Stadtverwaltungen
und KI-Einsatz
in den Digital Humanities

Im Folgenden nehmen vier internationale Experten aus Rom, München, Los Angeles und Amsterdam zu aktuellen Einsatzbereichen für die Künstliche Intelligenz Stellung. Eine Kooperation mit Susanne Ardisson im Vorfeld der SEMANTiCS (9. – 12. September in Köln – Träger ist unter anderem FIZ Karlsruhe).

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Wissensgraphen für an Demenz erkrankte ältere Menschen.

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Valentina Presutti, Semantic Technology Laboratory des Nationalen Forschungsrates (CNR) in Rom:

„Einer meiner bewegendsten Anwendungsfälle ist die Behandlung von älteren Menschen mit Demenz. Wir wollen ihnen helfen, die Degeneration kognitiver Fähigkeiten, beispielsweise ihres Erinnerungsvermögens, zu verlangsamen. Die Situationen der Erkrankten haben mich sehr berührt – sie wünschen sich so sehr, ihre Erinnerungen zu behalten, um die gemeinsame Zeit mit ihren Lieben nicht zu vergessen. In Zusammenarbeit mit Psychologen und Ärzten haben wir personalisierte Wissensgraphen entwickelt. Diese sind mit Multimedia-Inhalten wie Fotos und Liedern verbunden, die der Roboter verwendet, um mit den Patienten zu interagieren und ihnen zu helfen, sich an Orte, Menschen, Ereignisse usw. zu erinnern.

Auch wenn es noch ein langer Weg ist, bis diese Anwendungen reibungslos funktionieren, stieß der von uns entwickelte Prototyp auf sehr gute Resonanz. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich merke, dass meine Arbeit wirklich Leben verändern und Menschen, die schon die Hoffnung aufgegeben hatten, glücklich machen kann.“  

 

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Wisensgraphen und Deep Learning miteinander verbinden.
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Volker Tresp, Distinguished Research Scientist bei Siemens:

„KI-Anwendungen werden in der Bildanalyse seit mehr als fünf Jahren eingesetzt. Siemens Healthineers hat hier Pionierarbeit geleistet und arbeitet an vielen künftigen Anwendungsfällen.  Die Datenlage ist im medizinischen Bereich genauso gut oder schlecht wie in jedem anderen Sektor. Die Qualität missionskritischer Daten ist hoch, der Rest weniger gut gepflegt. Anders sieht es in klinischen Studien aus, in denen Personal bezahlt wird, um eine hohe Qualität der studienrelevanten Daten zu gewährleisten. Dieser Prozess kann zwar teilweise automatisiert werden, beinhaltet aber immer auch ein hohes Maß an manueller Tätigkeit. 

Ich bin fest davon überzeugt, dass Wissensgraphen immer wichtiger werden. Wie im Medizinbereich bestehen die meisten Domänen aus unstrukturierten Daten (Sensordaten, Bilder) sowie strukturierten Daten (Diagnose, Verfahren, Laborergebnisse, Blutwerte). Grob gesagt fallen strukturierte Daten in das Gebiet von Wissensgraphen und unstrukturierte Daten in den Bereich von Deep Learning. Eine Herausforderung ist es, beide miteinander in Verbindung zu bringen. Daran arbeiten wir.“

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Künstliche Intelligenz in Städten.
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Jeanne Holm, stellvertretende CIO der Stadt Los Angeles:

„Ich bin seit 20 Jahren Professorin an der University of California, Los Angeles (UCLA), und habe 35 Jahre lang bei der Regierung gearbeitet. Die Data Science Federation (DSF) stellt einen innovativen Weg dar, positive soziale Veränderung zu ermöglichen, indem sie Wissenschaftler, also Studenten und Professoren, mit Stadtverwaltungen zusammenbringt. Ziel ist, der Politik mithilfe von Daten bessere Informationen zur Verfügung zu stellen. Die DSF unterstützt Menschen aus vielen Gruppen:

● Studierende erhalten die Möglichkeit, Dinge zu bewegen und die Veränderungen und Auswirkungen zu sehen, die ihre Arbeit für die Regierung haben kann. Sie gewinnen Erfahrungen in außergewöhnlichen Projekten, die ihren Lebenslauf aufwerten.

● Professoren haben Zugang zu Echtdaten und spannenden Herausforderungen und wir ermutigen sie, ihre Ergebnisse in Publikationen und Konferenzen zu veröffentlichen. Aufgrund dieser Arbeiten haben wir erreichen können, dass der Stadt und den Universitäten 1,5 Millionen Dollar an Zuschüssen zur Verfügung stehen.

● Den Mitarbeitern der Stadt werden innovative Ideen und Technologien präsentiert, die Lernprozesse initiieren und fördern. Außerdem können sie ihre Datenkompetenzen verbessern.

● Alle Beteiligten, besonders die Einwohner von Los Angeles, profitieren von kreativen, jugendorientierten und sofort einsatzbereiten Ideen.

● Wir haben das Programm kürzlich auf 88 weitere Städte ausgedehnt, um diesen Schatz an guten Ideen mit anderen zu teilen.

Es gibt drei Prozesse, die Städte unbedingt automatisieren sollten:

1. Beschaffung (Einkauf, Einkäufe, Zahlungen)

2. Personalwesen (Zeiterfassung, Gehaltsabrechnung, Karriereentwicklung, Management)

3. Transport, wo möglich (Bus- und Bahnplanung sowie Fahrpläne, automatisierte Ampeln, Planung von Straßenreparaturen, Verkehrsflussanalyse etc.).“

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Semantische Technologien für Digital Humanities.
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Victor de Boer, Assistenzprofessor in der User-Centric Data Science Group am Fachbereich Informatik der Vrije Universiteit Amsterdam (VU):

„Mit fortschreitender Digitalisierung werden viele Datensätze zum kulturellen Erbe im Internet veröffentlicht. Vor kurzem haben verschiedene Organisationen damit begonnen, ihre Sammlungen als Linked Data herauszugeben. Beispiele dafür sind das Rijksmuseum Amsterdam, die Deutsche Nationalbibliothek und die vielen Wörterverzeichnisse und Datensätze des Getty-Instituts. Da immer mehr dieser sehr heterogenen (Meta-)Daten online veröffentlicht werden, stellen sich Fragen nach ihrer Interoperabilität. Als Anwender möchten wir zum Beispiel die Zusammenhänge zwischen einem Dokumentarfilm über Pablo Picasso, seinen Gemälden in Pariser Museen und Archivdokumentationen über sein Leben erkunden. Wissensgraphen können eine wichtige Rolle spielen, wo explizite Semantiken zur Darstellung der Bedeutung von Objektmetadaten verwendet werden. Geteilte Wörterverzeichnisse, wie sie von Getty veröffentlicht werden, können als Sprungbrett verwendet werden, um Objekte aus verschiedenen Sammlungen und Datenmodellen zu verknüpfen. Datenmodelle, wie das Europeana Data Model, Dublin Core sowie CIDOC-CRM lassen sich verwenden, um Metadaten zu strukturieren und gemeinsame Semantiken zu definieren.

Eine spezifische Verwendung für solche semantisch vernetzten Daten aus unserem kulturellen Erbe findet sich in den Digital Humanities. Die Digital Humanities sind ein junges, aufstrebendes Feld, in dem Forscher und Praktiker aus den Bereichen Informatik, kulturelles Erbe, Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften zusammenkommen. Durch die Zusammenführung von bisher nicht miteinander verbundenen Datensätzen werden neuartige Analysen und Forschungsfragen möglich. Beispiele für Projekte der Digital Humanities, die semantische Technologien verwenden, sind die der Aalto-Universität in Finnland, das Linked Jazz-Projekt und die Forschungsinitiative "Audio-Visual Rhetorics of Affect", die sich mit der semantischen Annotation audiovisueller Daten befasst. Das DIVE-Projekt, an dem ich mitgearbeitet habe, führt heterogene Datensätze aus unserem kulturellen Erbe zusammen und macht diesen Wissensgraphen über eine explorative Schnittstelle erfassbar, die den Anforderungen und der Forschungspraxis von Geisteswissenschaftlern entspricht.“   

 

ASpB

Innovation in Spezialbibliotheken
auf bewährtem Fundament

4.- 6. September, „Hoch hinaus“ – Innovation in Spezialbibliotheken auf bewährtem Fundament - 37. Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft der Spezialibibliotheken (ASpB), in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg der Johann-Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt in Frankfurt am Main. Das Programm:

Mittwoch, 4. September 

11 Uhr Bibliotheksführungen

11:00 Bibliothek der Bundesbank

11:00 Bibliothek der Hessischen Stiftung für Friedens- und konfliktforschung

12:00 Bibliothek für Sozialwissenschaften und Psychologie der Goethe-Universität

12:00 Bibliothek  Rechtswissenschaften der Goethe-Universität

13:00 Frankfurter Spezialbibliotheken stellen sich vor

14:00 Sektion „Business Class“ – Neue Profile für Firmenbibliotheken
Moderation: Dr. Jürgen Plieninger (Universität Tübingen)

14:30 Fachbibliothek zwischen Alltag und Globalisierung – Erfahrungen aus dreißig Jahren Informationsvermittlung in einem Großunternehmen
Karsten Wendt
(thyssenkrupp Steel Europe, Technology, Innovation; Duisburg)


15:30 Sektion „Goethe goes Cloud“ – Digitalisierungsprojekte: Möglichkeiten für kleine Einrichtungen

Moderation: Monika Sommerer (Vorstand der ASpB)

15:30 Bewahren – Erschließen – Vermitteln – Präsentieren: Der Aufbau digitaler Sammlungen in der HeBIS Verbundzentrale
Andrea Hartmann
, Paul  Warner (HeBIS Verbundzentrale Frankfurt a. M.)

16:00 Lizenzierungsservice Vergriffene Werke (VW-LIS): Quellen des 20. Jahrhunderts digital zugänglich machen
Herrmann Simon
(Deutsche Nationalbibliothek)

16:30 Boutique-Digitalisierung vs. Massengeschäft – Ein Erfahrungsbericht aus der Bibliothek des Deutschen Museums
Eva Bunge
(Deutsches Museum, München)

17:00  „Die publizierende One-Person Library“ – Die Bibliothek als Akteurin in Sachen Publikation für ihre Klientel
Dr. Jürgen Plieninger
(Universität Tübingen)

17:45  Smart Services in Bibliotheken
Dr. Frank Seeliger (TH Wildau)

Donnerstag, 5. September

09:00  Mitgliederversammlung


10:00  Sektion „(Inter)nationales Drehkreuz“ – FID, NFDI & Co.: Spezialbibliotheken in übergreifenden Infrastrukturen

Moderation: Dr. Simon Rettelbach (DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation)

10:00 Sammlung, Erschließung und Vermittlung von Massendaten: Datenbank Pressemitteilungen von Parteien und Gewerkschaften
Irmgard Bartel
(Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn)

10:30 Das Münchner Geschichtsduett – Die Kooperation der Bayerischen Staatsbibliothek und des Deutschen Museums
Christian Winkler
(Deutsches Museum, München)


11:30  Vom FID zur NFDI: Handlungsfelder für (Spezial-)Bibliotheken
Dr. Anke Hertling
(Georg-Eckert-Institut, Braunschweig)


12:00 Podiumsdiskussion
Moderation: Kerstin Schoof (Max-Planck-Institut für Empirische Ästhetik, Frankfurt a.M.)


Spezialbibliotheken als FID-Partner

Mit Ariane Rau (FID Germanistik Univ. Frankfurt a. M.), Jürgen Diet (FID Musik, Bayerische Staatsbibliothek), Dr. Annette van Dyck-Hemming (Abt. Musik, MPI für empirische Ästhetik), Dr. Daniel Schlögl (Institut für Zeitgeschichte München – Berlin), Dr. Jan Simane (Kunsthistorisches Institut Florenz)


14:00 Postersession und Firmenvorträge

14:00 „My Collection“  – Bedarfsgerechte E-Book Erwerbung für Ihre Einrichtung
Natascha Brecht (Springer Nature)

14:20 Semiautomatische Periodikaerschließung in FIDs und Spezialbibliotheken
Astrid Großgarten (ImageWare)

14:40 Einfach und maßgeschneidert – die neuen Tools im Le2B Medienportal für die Erwerbung und Nutzung in Bibliotheken
Thomas Flentge (Lehmanns Media)


16:00 Sektion „Oberfrank und Unterfurt“ – Rund um die Erschließung: Fachthesauri und maßgeschneiderte Klassifikationen
Moderation: Melanie Neteler  (Bundesbank Frankfurt a.M.)

16:00 Beschäftigungstherapie für Bibliothekarinnen? Der Fachthesaurus der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
Annette Euskirchen
und Regine Schoch (Friedrich-Eberst-Stiftung, Bonn)

Mit Normdaten zur Wissenschaft – und wieder zurück: Bibliotheken als Brückenbauer
Hans Bauer
(Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung IOS Regensburg)

Freitag, 6. September

09:00 Sektion „Sieben Kräuter, aber welche?“ – Nicht-textliche Sammlungen, Mediendatenbanken, Spezialbestände und ihre Sichtbarkeit

09:00 Der multimediale Bestand „Pädagogischer Lesungen“ der DDR – von der historischen zur digitalen Sammlung

09:30 Auf die Zutaten kommt es an: Das Zusammenwirken von Restaurierung und Digitalisierung. Projekt DELFT Digitalisierung Ethnologischer Filmbestand

10:00 Das Projekt „Autorenlesungen“ am Deutschen Literaturarchiv Marbach

10:30 Spezialmaterialien im Fokus der internationalen Regelwerksentwicklung

 

11:30 Sektion „Grüne Soße, Grüner Weg?“ – Fragen und Anwendungen von Open Access

11:30 Beratung zu Open Access: Themen und Tools

12:00 Smash the Paywalls! Der Open-Access-Zweitveröffentlichungsservice am WZB

12:30 DeepGreen – Der Grüne-Soßen-Lieferdienst

13:00 Verabschiedung und Prämierung der Gewinnerin/des Gewinners der Postersession

14:00 Bibliotheksführungen

14:00 Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte

14:00 Zentralbibliothek der IG Metall

14:00 DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

14:00 Führung zur Geschichte des IG-Farben-Hauses (Fritz-Bauer-Institut) 

 

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