Open Password - Dienstag, den 9. Juli 2019

# 589

Herbert Burda Media – BurdaForward – Journalismus – Simona Richter – Titania Communications – Club 55 – Focus Online – Chip – Financial Times Deutschland – F unke-Mediengruppe – DuMont – Fake News – Paid Content – Oliver Eckert – Plattformstrategie – Interaktivität – Native Advertising – Customized Content – E-Commerce - Alterline – ExLibris – Hochschulforscher – Bibliotheken – Förderanträge – Relevanznachweise – Forschungsdaten – Open Access – LinkedIn – Google Scholar – Springer Nature – Open Access - Tracking Apps - Splendid Research

 

Herbert Burda Media

Mit Journalismus im Netz Geld verdienen:

Über 150 Verlage auf der Plattform
von BurdaForward


4,6 Millionen Nutzer am Tag,
32 Millionen im Monat

Redaktionelle Vorbemerkung: Open Password wird von Geschichten der PR-Agenturen überflutet. Wir überfliegen sie alle und bringen sie nie. Fast nie. Denn Beitrag von Dr. Simona Richter von Titania Kommunikation, die den Preisverleiher Club 55 vertritt, fanden wir jedoch so instruktiv, dass wir eine Ausnahme machen. Das gilt umso mehr, als uns und die Branche eine Frage seit vielen Jahren bewegt: „Wie lassen sich durch Journalismus im Netz ausreichende Einnahmen erwirtschaften?“ Eine Success Story kann da durchaus hilfreich sein, auch wenn sie in der Sprache werblich durchwirkt ist.

Von Dr. Simona Richter, Titania Kommunikation

Oliver Eckert, CEO von BurdaForward

Wie ist es, in einer Branche komplett gegen den Strom zu schwimmen? Warum kann die Bezahlschranke keine Lösung sein? Und was hat es mit Journalisten auf sich, die unternehmerisch denken? Oliver Eckert, CEO von BurdaForward, gibt Einblicke in innovative Strategien des Online-Verlagswesens.

Einfach gute Nachrichten machen – das ist der Anspruch von Oliver Eckert, CEO bei BurdaForward (unter anderem FOCUS Online, CHIP). Er leitet Deutschlands führenden, profitablen Online-Publisher und gilt als Innovationstreiber in Bezug auf digitale Produkte und Marken. Nun erhielt er den Special Award des legendären Club 55 verliehen – für sein vorbildliches Management, seinen unternehmerischen Mut und die Fähigkeit, Journalisten zu unternehmerischem Denken zu motivieren.

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Financial Times, Funke-Mediengruppe, DuMont: Die großen Zeitungsverlage wanken und wackeln.

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Agfa, Grundig, Kodak, Nokia und Motorola – diese große Marken existieren nur noch auf dem Markenfriedhof. Mit der Financial Times Deutschland traf es dann auch die erste große Zeitungsmarke und ließ die Folgen erahnen. In diesem Jahr wird die Funke-Mediengruppe zehn Prozent Personal streichen. Und DuMont will sich endgültig vom Geschäft mit den Tageszeitungen trennen – nach Jahren der Einsparungen und Konsolidierungen. Die großen Zeitungsverlage wanken und wackeln – und könnten schon morgen ebenfalls auf dem Markenfriedhof landen.

Das Printgeschäft ist stark rückläufig und wird irgendwann verschwinden. Eine gesamte Branche bricht mehr und mehr zusammen, Journalismus wird überall eingeschränkt, Fake News wächst auf diversen Plattformen. Wem kann man heute noch vertrauen? Und wie klassische Printprodukte in die schöne neue Online-Welt überführen? Viele Verlagshäuser zogen die Online-Bezahlschranke hoch – und konnten damit zwar Erfahrungen sammeln, nicht aber Geld verdienen. „Viele haben auf Paid Content gesetzt, aber die meisten Nutzer zahlen derzeit nicht für Inhalte. Also kommen die Verlage nicht an Geld heran“, sagt Oliver Eckert. Selbst die namhaften digitalen Publisher haben bislang kein belastbares Erlösmodel gefunden. „Die meisten bekommen ihren Journalismus nicht finanziert. Sie denken zu häufig aus der Print-Perspektive, um ein völlig anderen Businesskonzept zu beurteilen. Das hat die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle schnell abgewürgt. Leider hat es unsere Branche verschlafen, eigenständige, neue digitale Modelle aufzubauen.“

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„Die kleinen Fische im Verlagswesen tun sich zusammen, um gegen die großen Haie bestehen zu können.“

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BurdaForward hat das anders gehandhabt, sich von Anfang an vom Printgeschäft getrennt. „Unsere Strategie lautet: Die vielen kleinen Fische im Verlagswesen tun sich zusammen, um dann gegen die großen Haie wie Google, Facebook und Amazon im Informationsgewässer bestehen zu können“, erklärt Eckert seine Plattformstrategie. Das Unternehmen schafft technische Infrastrukturen für Verlage, Autoren und Unternehmen, bietet Tools für Kreation und Interaktion und wandelt sich immer weiter vom klassischen digitalen Verlag hin zu einem Plattform-Unternehmen. Inzwischen haben sich mehr als 150 Verlage zusammengeschlossen, sie referenzieren extern, sind also auf Nutzer und Kunden ausgerichtet und haben Synergien, Macht und Kraft der Gemeinschaft erkannt, um stark aufzutreten. Die Idee geht auf: „Wir sind innovativ unterwegs, waren kostenmäßig immer adäquat aufgestellt und sind heute sehr angenehm profitabel“, sagt Eckert.

Gegen den Strom schwimmen. Flache Hierarchien leben. Sich immer wieder neu erfinden. Und vor allem schnell sein. Das führte Eckert als Wegweiser bei BurdaForward ein. Im Fokus der Arbeit stehen verlässliche und gesellschaftlich konstruktive Nachrichten. Derzeit arbeiten 700 Menschen aus 32 Nationen in dem Medienbetrieb. Das Durchschnittsalter liegt bei 33 Jahren, der Frauenanteil bei 51 Prozent. Jeweils ein Drittel sind Tech-Mitarbeiter, im Bereich Sales & Commercial tätig und für Content zuständig. Mit dem Ziel, gesellschaftliche Lösungen für dringende Probleme anzubieten, Menschen zu Wort kommen zu lassen und konstruktiven Journalismus zu betreiben.

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Ein Journalismus, der interaktiver, positiver, personalisierter und lösungsorientiert sein soll.

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„Schon als Absolvent der Axel-Springer Journalistenschule beschlich mich vor 20 Jahren das komische Gefühl, dass der Journalismus, wie wir ihn betreiben, so nicht richtig ist“, erinnert sich Eckert. „Als ob bei einem Telefonat einer ständig auf einen einredet, während man selbst nichts sagen darf.“ Journalisten, die sich als Moralisten aufspielen, als Lehrer des Volkes verstehen und in einer Endlosschleife negative Nachrichten produzieren, erschien ihm als völlig falsche Vorgehensweise. „Ich sagte mir: die Realität abzubilden, das muss doch interaktiver und positiver gehen – und vor allem persönlich und lösungsorientiert.“ Inzwischen kann BurdaForward 4,6 Millionen Nutzer am Tag und 32 Millionen pro Monat vorweisen. Eckert: „Wir erreichen jeden zweiten Internetnutzer in Deutschland. Der Sinn, den wir uns gegeben haben, wirkt jeden Tag.“

BurdaForward startete ganz klassisch mit Advertising, ging dann zu Native Advertising über, also zu Inhalten, die sich besser in den Lesefluss einbinden lassen, Customized Content folgte. Im Anschluss setzte Eckert auf das E-Commerce-Geschäft: Eine transaktional starke Plattform und zahlreiche Kooperationen für Inhalte sind dabei der Erfolgsmotor. „Obwohl das hervorragend funktioniert, gelten wir in der Branche immer noch als Sonderlinge. Wir werden belächelt – weil wir immer wieder gegen den Strom schwimmen und nicht im Mainstream sind“, sagt Eckert.

„Bestandteil unseres Erfolgsrezeptes ist, dass wir uns nicht ständig anschauen, was die anderen machen, sondern einen sehr agilen eigenen Weg gehen. Manchmal rutschen wir auch aus, tasten uns Stück für Stück vor – genau das ist Transformation und Innovation pur.“

BurdaForward will Ideen für komplexe Probleme suchen, die der Gesellschaft zunehmend begegnen. Der Digital-Verlag öffnet sich, um die Menschen mit ihren Sorgen ernst zu nehmen. Dass das weder mit den Prozessen und Hierarchien noch mit der Unternehmenskultur und den mechanistischen Weltbildern aus dem vergangenen Jahrhundert funktioniert, liegt nahe. Stattdessen setzt das Unternehmen auf organische Strukturen: Funktionale Trennung existieren nicht mehr und die Organisation denkt sich immer wieder in kleinen Teams neu. Sogar Irrtümer sind willkommen.

Mit BurdaForward will Eckert aus dem Umbruch etwas machen, das Leser begeistert. Und den Medienwandel selbst treiben, anstatt getrieben zu werden. „Was im Medienmarkt gerade passiert, ist eine echte Chance, nicht nur eine Gefahr“, sagt Oliver Eckert. Dass es dafür viel Pioniergeist inmitten des Transformationsprozesses der Branche gibt, hat er schnell erkannt. Dieses Potenzial will er abschöpfen. „Doch Innovation kann einen manchmal ganz schön schocken und aufwühlen, das ist auch bei uns der Fall. Trotzdem genügt es nicht, sich nur auf der Verbesserungskurve zu bewegen. Wir müssen immer wieder den Sprung wagen und Neues schaffen.“ Unerwartete Lösungen für bestehende und aufkommende Probleme finden. Über sich hinauswachsen und manche Dinge auch mal bewusst naiv angehen. Das sind Mittel und Wege. Dass das auch eine Transformation im Kopf der Journalisten braucht, dessen ist sich Eckert durchaus bewusst. „Journalisten, die unternehmerisch denken? Wir werden täglich besser darin. Doch das ist ein aufwendiger Weg, und wir sind noch lange nicht angekommen.“

 

Neue Studien

Alterline - ExLibris

80% der Hochschulforscher mit Bibliotheken zufrieden, aber stärkere Beteiligung in vielen Fällen möglich

Stressfaktoren Förderanträge, Relevanznachweise und Veröffentlichung von Forschungsdaten

Welche Herausforderungen stehen sich Hochschulforscher gegenüber und inwieweit werden sie bei der Bewältigung durch Bibliotheken und „Hochschulbüros“ unterstützt? Das hat Alterline im Auftrage von ExLibris (Jerusalem) in einer Umfrage unter 300 Forschenden und von Interviews mit neun hochrangigen Mitgliedern von Forschungsbüros in den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und Australien untersucht. Die vollständige Studie findet sich unter https://www.exlibrisgroup.com/supporting-academic-research/. Zentrale Ergebnisse lauten:  

• Die Forschenden sind mit der Unterstützung durch ihr Forschungsbüro und ihre Bibliothek (81 % bzw. 80 %) zufrieden oder sehr zufrieden. Sie fühlen sich jedoch unter Zeitdruck und gestresst.

• Viele Forschende führen selbst Aufgaben in Bereichen durch, in denen Bibliotheken und Forschungsbüros wertvolles Fachwissen und administrative Unterstützung bieten können. Die Ergebnisse zeigen, dass es Gelegenheiten für eine stärkere Beteiligung vonBibliotheken und Forschungsbüros in Bereichen wie der Verwaltung von Artikelverarbeitungsentgelten (47 % der Forscher gaben an, dies selbst zu tun), der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten (52 % tun dies selbst), der Erstellung von Datenverwaltungsplänen (54 %), der Sicherstellung der Open-Access-Compliance (55 %) und der Überwachung der Forschungsrelevanz (61 %) gibt.

• Forschende betrachten die Mittelbeschaffung und die Vorbereitung von Förderanträgen als den schwierigsten Teil ihrer Arbeit. Nur 35 % der Forschenden finden es leicht, relevante Fördermöglichkeiten zu finden, und nur 32 % finden es leicht, sich um Fördermittel zu bewerben.

• Der Nachweis der Relevanz der Forschung wird immer wichtiger, doch es ist noch unklar, welche die beste Methode zur Messung ist. Trotzdem müssen 35 % der Forschenden die Relevanz ihrer Arbeit in jedem Fall nachweisen, und 51 % müssen dies gelegentlich tun.

• Die Online-Profile der Forschenden sind über viele Kanäle verteilt, angeführt von LinkedIn (65%), gefolgt von der Universitätsseite des Forschenden (54 %) und Google Scholar (42 %). Aufgrund der Arbeitsbelastung der Forschenden sollte es Aufgabe der Institution sein, die Profile der Forschenden zu präsentieren und aktuell zu halten, eine Verantwortung, die von den Administratoren als Herausforderung empfunden wird.

• Fast 60 % der Wissenschaftler müssen nebenihren Publikationen auch Forschungsdatensätze veröffentlichen, was für viele jedoch nicht einfach ist.

 

Springer Nature

Buchautoren haben eine sehr positive Einstellung zu Open Access

Wissenschaftliche Buchautoren stehen einer Zukunft mit Open-Access-Büchern sehr positiv gegenüber. Das ergab eine Studie unter 2.542 Buchautoren im Auftrage von Springer Nature. Zentrale Ergebnisse lauten:  

• Wissenschaftler in Europa und Asien sowie Buchautoren, die bereits Open Access publiziert haben, haben eine positivere Grundeinstellung zu Open Access

• Ethische Gründe (freier Zugang zu Forschungsergebnissen) und die Aussicht, eine größere Leserschaft zu erreichen, werden als Hauptmotive ausgemacht, wenn sich Autoren im Rahmen ihres Buchprojekts für Open Access entscheiden.

• Die Mehrheit der Autoren wünscht sich mehr finanzielle Unterstützung für die Veröffentlichung von Open-Access-Büchern durch Geldgeber.

• Für Buchpublikationen ist ‚Gold Open Access‘ das bevorzugte Modell.

• Open-Access-Autoren erachten die Reputation von Verlagen zwar für weniger bedeutend als Autoren, die nicht Open Access publizieren; dennoch ist für sie die Wahl des passenden Verlags ein entscheidendes Kriterium.

 Tracking Apps

Jeder dritte Bundesbürger nutzt sie

Typische Nutzer sind weiblich,
sportlich, jung

Ein Drittel der Bevölkerung nutzt mindestens eine Tracking-App zur Aufzeichnung persönlicher Daten. Ein knappes Viertel der Bundesbürger verwendet für die Erfassung eine Smartwatch oder einen Fitnesstracker. Knapp ein Viertel der Deutschen zeigt sich an einer zukünftigen Nutzung von App und Wearable interessiert. Das hat eine repräsentative Studie von Splendid Research (Hamburg) ergeben. www.splendid-research.com/studie-optimized-self

Den deutlich größten Anteil haben Fitness- und Sport-Apps (21 Prozent). Es folgen die Bereiche Gesundheit (14 Prozent), Ernährung (13 Prozent) sowie Entspannung (sieben Prozent). Der typische Nutzer von Tracking-Apps ist weiblich, sportlich und jung (ein Drittel der aktuellen Nutzer ist jünger als 30 Jahre). Bildung und Einkommen sind in den meisten Fällen überdurchschnittlich und der eigenen Ernährung und Gesundheit wird eine größere Beachtung geschenkt.

42 Prozent lehnen eine Nutzung deutlich ab. Ablehner gehören häufig zu der älteren Generation, haben ein geringes Einkommen und weniger hohe Bildungsabschlüsse. Ernährung und Gesundheit spielen eine eher untergeordnete Rolle und auch kostenpflichtige Freizeitangebote werden nur sehr selten genutzt. Aktuell sind 60 Prozent der Ablehner älter als 50 Jahre.

Nutzer versprechen sich durch den Einsatz der Apps ein ganzheitlich gesünderes Leben. Tracker und Smartwatch kommen eher zum Einsatz, wenn die eigene Sportlichkeit gezielt verbessert bzw. die Motivation dafür aufrechterhalten werden soll. Im Gegensatz dazu können 43 Prozent der Ablehner keine Notwendigkeit erkennen, überhaupt eigene Daten aufzuzeichnen.  

Die bekanntesten Tracking-Apps sind Samsung Health (37 Prozent), Runtastic (34 Prozent), Fitbit (31 Prozent) sowie WW (Weight Watchers) (31 Prozent). Gut 15 Prozent der aktuellen App-Anwender nutzen Runtastic. Die Health-Apps von Samsung und Apple kommen bei 13 bzw. elf Prozent der Anwender zum Einsatz.

 

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