Open Password - Montag, den 1. Juli 2019

# 584

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Sabine Graumann – Information Professionals – Open Password – Frankfurter Buchmesse – Data Scientists – Michael Klems – Tim Brouwer – Gerold Frers – Arbeitskreis Informationsvermittlung – Künstliche Intelligenz – Machine Learning – Algorithmen – Natural Language Processing – Automatische Übersetzungen – Deep Learning – Automatische Bilderkennung – Verknüpfung menschlicher und künstlicher Intelligenz – Use Cases – Bibliothekartag – Stadtteilbibliotheken – Kundenpflege – Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Qualifizierung – Yannick Loonus – Semalytix – Positionierungen – Datenprüfung – Datenbeschaffung – Datengenerierung – Datenanalyse – KI-Dienstleister – Bibliotheken – Marketing - Facebook - Libra - Calibra - Nick Statt - The Verge

 
Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg,
17. Oktober, 9 - 14 Uhr:

Anmeldungen unter www.buchmesse.de/steilvorlagen

Gespräch mit Dr. Sabine Graumann,
Information Professional des Jahres 2018

KI wird unser berufliches Leben umkrempeln

Die Alleinstellungsmerkmale der InfoPros
für Künstliche Intelligenz

Schulterschluss mit Data Scientists vonnöten

Zweiter Teil

 

Dr. Sabine Graumann war Open Passwords Information Professional des Jahres 2018 und ist Mitglied des Arbeitskreises Informationsversammlung, der die Veranstaltung „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg“ in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse organisiert. Die „Steilvorlagen“ finden seit sieben Jahren jährlich auf der Buchmesse statt und haben sich als Leitveranstaltung für Information Professionals und Data Scientists etabliert.

Die Mitglieder des Arbeitskreises Informationsvermittlung sind:

• Dr. Sabine Graumann, Inhaberin, Graumann Consulting Dienste (langjährig bei Kantar TNS, ehemals Infratest) – sabine.graumann-consulting-dienste.de – Gesamtverantwortung, Sponsoring;

• Michael Klems, Inhaber, infobroker.de – PR, Marketing - Social Media, Videos, V erfilmung, Pflege, Netzwerke;

• Tim Brouwer, Managing Director, ARIX Business Intelligence – tim.brouwer@arix-bi.com – PR, Marketing, Leitung Podiumsdiskussion, und

• Gerold Frers, ehemals Siemens AG – g-frers@t-online.de – Patente, Pflege, Netzwerke

Bereits 2018 standen die „Steilvorlagen“ zum großen Teil im Zeichen Künstlicher Intelligenz. 2019 hat die Bedeutung von KI sowohl in der öffentlichen Debatte als auch bei den „Steilvorlagen“ abermals zugenommen. Dabei ist keineswegs geklärt, was wir unter „Künstliche Intelligenz“ verstehen wollen, was die wichtigsten KI-Verfahren sind und ob KI wirklich so wichtig ist, wie das ihre Protagonisten behaupten.

Unter Künstliche Intelligenz verstehe ich den Versuch, eine menschenähnliche Intelligenz nachzubilden, das heißt, einen Computer so zu programmieren, dass er eigenständig Probleme bearbeiten kann. KI arbeitet derzeit überwiegend mit drei Technologien. Das sind:

• Machine Learning, um auf der Basis von Algorithmen aus schlecht strukturierten großen Datenmengen Muster und Regeln zu erkennen (und diese Regeln zum Beispiel für die Fortschreibung von Zeitreihen oder Prognosen zu nutzen);

• Natural Language Processing, um eine direkte Kommunikation zwischen Menschen und Computer auf der Basis der natürlichen Sprache herzustellen (Beispiel: automatische Übersetzung) sowie

• Deep Learning, um analog zu Funktionsweisen des Gehirns Algorithmen zu erstellen, die ohne menschliches Eingreifen kontinuierlich weiter lernen (zum Beispiel: automatische Bilderkennung).

Künstliche Intelligenz wird auf uns als Bürger und als Information Professional einen größeren Einfluss ausüben als Computer und Internet, und diese haben bereits unser gesamtes Leben umgekrempelt. Ich plädiere dafür, nicht in Schockstarre zu verharren und die unausweichlich auf uns zukommenden Entwicklungen nicht über uns ergehen zu lassen, sondern die Verknüpfung von menschlicher und künstlicher Intelligenz als Chance zu sehen und tatsächlich zu nutzen.

Verknüpfung von menschlicher und künstlicher Intelligenz, das ist mir sehr wichtig. Denn ohne den Menschen geht nach wie vor nichts. Die Gefahren, die von der Künstlichen Intelligenz ausgehen, können also auch überschätzt werden.

 

Nun ist es ja nicht so, dass es überhaupt keine für unsere Branche relevanten Anwendungsbeispiele, Projektvorhaben oder zumindest Projektvorstellungen aus der Künstlichen Intelligenz gibt.

Nein, das nicht. So habe ich Ende März selbst auf dem Bibliothekarkongress in Leipzig zwei Use Cases aus Bibliotheken vorgestellt.

Im ersten Fallbeispiel stellten wir uns die 12.000 über Deutschland verstreuten Stadtteilbibliotheken vor. Ziel soll sein, Erkenntnisse aus vielen Daten für die einzelne Stadtteilbibliothek zu verarbeiten, um die Betreuung der Besucher vor Ort zu optimieren.

Wir sehen uns hierzu die Demographie an: Wo liegt die Bibliothek? Wie gut ist sie im Öffentlichen Nahverkehr erreichbar? Wie umfangreich sind die Bestände? Welche besonderen Sammelgebiete gibt es? Zudem liegen in vielen Stadtteilbibliotheken Zeitreihen aus Benutzerumfragen über einen längeren Zeitraum sowie Besucherstatistiken nach Tagen vor. Es lassen sich also die Fragen beantworten: Wie viele Benutzer waren vor Ort? Wurden sie betreut? Was wurde verlangt?

Und die zentrale Frage, um die es geht: „Wie wirken sich alle diese Merkmale auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Bibliothek aus?“ kann angesichts der großen anfallenden Datenmengen nur durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz in vielfacher Hinsicht beantwortet werden. Dabei wird ein Algorithmus nur einmal entwickelt und sodann in einem zweiten Schritt für alle Bibliotheken eingesetzt und mit den jeweils vor Ort vorhandenen Daten „gefüttert“. Wir bauen damit einen „What-if-“, also einen „Was wäre-wenn-Simulator“ auf, mit dessen Hilfe wir Antworten zu wichtigen Fragen finden: Wo soll ich was in meiner Stadtteilbibliothek tun? Wo sollte ich investieren? Wo sollte ich neue Services anbieten? Wo kann ich Services einsparen? Was sollte ich konkret tun, damit meine Bibliothek ihre Attraktivität weiter steigert und neue Zielgruppen gewinnt?

Im zweiten Fallbeispiel ging es darum, die Besucher einer Bibliothek nicht als Kunden zu verlieren. Schließlich ist es zehn Mal teurer, einen neuen Kunden zu gewinnen als einen alten zu halten. Auch hier nutzen wir alle verfügbaren Datenquellen, Bibliotheks- und Besucherstatistiken, Befragungsdaten, Informationen aus qualitativen Interviews mit Power Usern usw. Mittels Verfahren der künstlichen Intelligenz ist es sodann über den Einsatz von Verfahren des Machine Learning möglich, ein Vorhersagemodell zu generieren, das uns sagt, welcher Nutzer demnächst abspringen wird, es sei denn, dass wir vorher intervenieren.  

Wir können uns KI-Vorhaben vorstellen. Das heißt aber nicht, dass wir mit KI angemessen umgehen, es sei denn, dass wir uns weiter qualifizieren. Sollen demnach aus uns alle Daten Scientists werden?

Information Professionals müssen KI-Technologien, Data Analytics und Big-Data-Analysen nicht unbedingt selbst beherrschen noch die entsprechenden Untersuchungen durchführen. Sie sollten aber wissen, was KI bedeutet und sich vielversprechende Produkte und Dienstleistungen auf der Basis Künstlicher Intelligenz vorstellen können, die sich in ihren Aufgabenbereichen realisieren lassen, beispielsweise die Anwendungen, die auf den „Steilvorlagen 2019“ beschrieben werden. Auch sollten die InfoPros wissen, wie und wo sie bei einem entsprechenden Bedarf KI-Kompetenzen zukaufen können. Es besteht eine Holschuld.

Information Professionals sollten den engen Schulterschluss mit den Data Scientists finden. Sie müssen sich mit ihnen vernetzen. Eine personelle Aufstockung eines Informationszentrums um ein, zwei Data Scientists bedeutet ein Upgrading des insgesamt verfügbaren Qualifikationsangebotes.

Glücklicherweise bilden bereits mehrere Hochschulen die Information Professionals mit zu Data Scientists aus. Damit sind sie zu Frontrunnern der Entwicklung geworden.

 

Wie werden sich Bedeutung und Positionierung der Information Professionals in den Unternehmen im Zuge der Ausbreitung von KI-Anwendungen verändern?

Die Bedeutung der Information Professionals würde abnehmen, sollten sie nicht in die Verfahren der Künstlichen Intelligenz einsteigen. Sollten sie sich hingegen in die Lage versetzen, Künstliche Intelligenz und Data Analytics zu nutzen und die eigenen riesigen Datenbestände mit diesen Verfahren zu analysieren, so wird sich ihre Position grundlegend verbessern. Nicht mehr die Beantwortung von Sachfragen oder Zulieferungen steht im Vordergrund, sondern die Generierung von Mehrwerten für ihre Kunden. Solches würde den Fortbestand der InfoPros sichern und weit über ihre traditionellen Aufgabenbereiche hinausgehen. Dies funktioniert allerdings nur, wenn der Information Professional über das notwendige Branchenwissen verfügt. Ansonsten kann er die Generierung von Mehrwerten nicht leisten.   

Ich stelle mir vor, dass sich für die Informationszentren, die KI nutzen, anstelle einer einheitlichen Lösung eine große Vielfalt ergeben wird. Werden die Information Professionals zwischen Management, Fachabteilung und externen KI-Dienstleistern koordinieren, vermitteln und moderieren, wie dies Yannick Loonus von Semalytix vorgeschlagen hat? Oder werden sie Mitarbeiter in bereichsübergreifende Projektteams entsenden, die dann für ganz bestimmte Aufgaben verantwortlich sind?  Die zuletzt genannte Regelung überzeugt mich weniger, weil der Information Professional dann in Gefahr gerät, zwischen vielen „Rädern im Getriebe“ zerrieben zu werden und kaum ein eigenes Profil entwickeln kann.

Werden die Informationszentren beispielsweise über die Einstellung von Data Scientists genügend KI-Kompetenz aufbauen, um eigene Dienstleistungen auf der Basis Künstlicher Intelligenz zu entwickeln? Dann sehen die Erfolgschancen auf die Existenzfrage: „Werden InfoPros noch gebraucht?“ wesentlich besser aus.

Um sich im Wettbewerb KI-kompetenter Gruppen im Unternehmen zumindest teilweise durchzusetzen, benötigen die Informationszentren im Vergleich zu den anderen Gruppen über Startvorteile.

Information Professionals bleiben nach wie vor die Herren über Informationen und Daten. Der beste Algorithmus taugt nichts, wenn die Daten, die er verarbeitet, von zweifelhaftem Wert oder unvollständig sind. InfoPros können dafür sorgen, dass die bestmöglichen Quellen für ein KI-Projekt ausgewählt werden, und zusätzlich die dazu gehörenden Daten beschaffen – beispielsweise durch Recherchen, womöglich auch durch die Generierung bislang nicht vorhandener Daten, etwa in Experteninterviews (Fachwissen immer vorausgesetzt).

Information Professionals verfügen zudem über eine jahrzehntelang praktizierte Kompetenz in Datenanalyse und Dateninterpretation. Sie sollten diese jetzt auf den aus großen Datenmengen gezogenen Ergebnissen und aufgezeigten Korrelationen anwenden. Damit können Information Professionals nicht nur die Quellen, sondern auch die Qualität externer KI-Dienstleister kritisch bewerten.

Um es plakativer zu sagen: Information Professionals liefern im Zuge von Künstlicher Intelligenz mehr denn je keine Fakten mehr, sondern Antworten auf Fragen, Einsichten und konkrete Handlungsempfehlungen. Daher sollten die Informationszentren möglichst nicht nur die Nähe der für KI infrage kommenden Fachabteilungen (zum Beispiel Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb, Öffentlichkeitsarbeit), sondern auch zum Top Management (Strategische Planung, Market und Intelligence Units) suchen.

Und was die wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken angehören, die ja mehr oder minder auch zu uns gehören, so kann ich mir vielversprechende Anwendungen dort etwa bei der Generierung von Auskunftsdiensten, aber auch in den Bereichen Katalogisierung und automatischer Indexierung oder beim Einsatz humanoider Roboter bei der Betreuung von Nutzern vorstellen. Hier sind zunächst auch das Brainstorming und die Fantasie gefragt. 

Was ändert sich im Zeichen Künstlicher Intelligenz am Internen und Externen Marketing?

Nichts – Marketing ist und bleibt für Information Professionals auch weiterhin unverzichtbar. Egal ob mit oder ohne KI: Marketing ist und bleibt kriegsentscheidend. Das betrifft das Marketing für die eigene Abteilung ebenso wie das Selbst-Marketing.  Hierzu wird auf den „Steilvorlagen 2019“ in einer Art „Self-Marketing-Charta“ erläutert werden, wie man Kunden oder Chefs nachhaltig von der eigenen Person überzeugt.   

Erinnerungen an Westlaw Deutschland

Welcome back, Klaus Pfeifer!

„A Comprehensive Approach to Risk Management“

Klaus Pfeifer, der frühere Geschäftsführer von Westlaw Deutschland, ist nach Jahren in Hongkong und Moskau im Dienst von Thomson Reuters nach Deutschland zurückgekehrt und nunmehr für das Deutschland-Geschäft von Pinkerton verantwortlich. Welcome back!

Password blickt auf Jahre einer ausgezeichneten Zusammenarbeit mit Klaus Pfeifer und den weiteren Mitarbeitern von Westlaw Deutschland zurück. Seinerzeit machten sich nicht nur Westlaw, sondern auch LexisNexis große Hoffnungen auf den deutschen Rechtsinformationsmarkt und investierten entsprechend. Dabei setzte Westlaw vor allem auf die privaten Groß- und weiteren Kanzleien (allen voran die amerikanischen Töchter), nachdem sich die deutschen Rechtsinformationsanbieter bis dahin vor allem um den öffentlichen Bereich gekümmert hatten. Damit brachte Westlaw eine neue Spezies in das öffentliche Scheinwerferlicht der Informationsbranche, die Anwälte mit ihrer gewandten Rhetorik und ihrer präzisen gelegentlich aggressiven am Bestehen von Konflikten entwickelten Sprache. Wie sich zeigen sollte, war die Nachfrage nach internationalen Rechtsinformationen angesichts der Dominanz des nationalen Rechtssystems auch in Deutschland weniger groß oder die zu überstehende Durststrecke vor der Profitabilität dauerte länger als erwartet, so dass sich Westlaw aus Deutschland zurückzog und LexisNexis sein Rechtsinformationsgeschäft an Wolters Kluwer weitergab.

Pfeifer hat in Password über seine China-Erfahrungen berichtet. Seine Rückkehr nach Deutschland wird seiner Tochter das Abitur an einer deutschen Schule ermöglichen.  Pinkerton hat die Zentrale in Ann Arbor (Michigan) und hat sich in einer Vielzahl von Ländern mit eigenen Büros engagiert. Das Unternehmen sieht sich als „the world´s leading provider of coporate management risk solutions“, das einen „Comprehensive Approach to Risk Management" anbietet. 

„…from strategic planning to "boots on the ground" tactical implementation worldwide, Pinkerton uses a comprehensive approach unrivaled in our industry. Clients engage with us for temporary, incident-based assignments all the way to more permanent, embedded Pinkerton Dedicated Professionals. Our global network of people, technology and knowledge provides clients with a Total Risk Perspective from which they can make risk mitigation decisions that affect their long-term planning.“

Klaus Pfeifer, Director Germany, Pinkerton Deutschland, Nassauer Str. 60, 61440 Oberursel, www.pinkerton.com, T: 06171 2 77 95 60, M: +0151 17 25 37 91

Facebook

Ein neues Zahlungssystem
für Milliarden von Nutzern?

"Facebook’s announcement of a new cryptocurrency, Libra, and the nonprofit association that will oversee it raises questions about the future of global banking and Facebook’s role in it. But behind Facebook’s ambitions to create a quasi-nation state ruled by mostly corporate interests is a secret weapon, one the company hopes it can use to create another platform used by billions of people — and generate enormous new revenue streams along the way.

It’s called Calibra, and it’s a new subsidiary of Facebook the company is launching to build financial services and software on top of the Libra blockchain. At first blush, Calibra resembles a fairly standard payments company — but its tight integration with Facebook’s enormous user base could give it a significant advantage over any rivals. Thanks to its proximity to the technical development of Libra, and its ability to leverage WhatsApp, Messenger, and Instagram, Calibra could very well become Facebook’s next big thing".

In: Nick Statt, https://www.theverge.com/2019/6/18/18682838/facebook-digital-wallet-calibra-libra-cryptocurrency-kevin-weil-david-marcus-interview

 

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