Open Password - Freitag, den 21. Juni 2019

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Wissenschaftliche Bibliotheken – Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken – Dietrich Nelle – Informationsdienste – Forschungsdatenmanagement – FAIR – Nutzerzentrierung – Forschungsdateninfrastruktur – Rat für Informationsinfrastrukturen – Langzeitarchivierung – HRK – Angewandte Forschung – ZB MED – Leibniz-Gemeinschaft - WhatsUp - Newsletter - peDOCS - die hochschule - Gesprächsstoff Ressourcen - Ressourceneffizienzprogramm - Bürgerdialog - IBM - American College of Cardiology - Veradigm - Disease Network - Refinitiv - Crypto Currencies - BitMEX - Innodata - Trainingsdata - Artificial Intelligence

Wissenschaftliche Bibliotheken

Überlegungen zur Zukunft
wissenschaftlicher Bibliotheken
in Deutschland


Eine nationale Infrastruktur für Forschungsdaten!


Langzeitarchivierung und eigene angewandte Forschung

Von Dietrich Nelle

Dritter Teil
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3.   Neue wissenschaftliche Bedürfnisse mit neuen Informationsdiensten decken – Unterstützung von Forschungsdatenmanagement

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Mit dem exponentiell wachsenden Umfang an Informationen und Wissensbeständen wird es immer wichtiger, diese Ressource effektiv in Wertschöpfung zu übersetzen. In der wissenschaftlichen Wertschöpfung gewinnt die Entwicklung intelligenter Mehrwertdienste für Forschende besonders an Bedeutung[15]. Zu den zu leistenden Mehrwertdiensten gehört es, die vielfältig vorliegenden Informationsbestände in effizient und nachhaltig nutzbare Strukturen zu überführen, die z.B. die Aufbereitung, Integration, Vernetzung und dauerhafte Nutzbarhaltung heterogener Daten nach den FAIR-Grundsätzen[16] gewährleisten. Ferner gilt es, die darauf aufbauende Entwicklung von Werkzeugen zur verbesserten Nutzung dieser Informationsbestände sicherzustellen, indem z.B. umfangreiche Suchergebnisse visualisiert werden, Werkzeuge des „Machine Learning“ bzw. der Künstlichen Intelligenz zur Mustererkennung sowie insbesondere zum raschen Auffinden inhaltlicher Verbindungen über die Grenzen von Formaten und Disziplinen hinweg eingesetzt werden. Es bedarf deshalb keiner prophetischen Gabe um vorauszusagen, dass das Forschungsdatenmanagement binnen kurzem zu den Kernaufgaben fast jeder wissenschaftlichen Bibliothek gehören wird[17].

Nutzerzentrierte Ansätze für das Forschungsdatenmanagement. Ein wirksames Angebot für das Forschungsdatenmanagement wird sich nur dann als stabil erweisen, wenn es mindestens auf den vier Säulen Beraten, Publizieren, Vernetzen und angewandtes Forschen aufbauen kann. Zur Beratung gehören zusätzlich zur persönlichen Beratung die Beteiligung an Workshops mit unterschiedlichen Zielgruppen, dezentralen Vorträgen und Webinaren sowie die Erstellung von Tutorials und anderen Informationsmaterialien, um den Forschenden kontinuierlichen Zugang zu den sich ständig fortentwickelnden Methoden zu ermöglichen. Der Unterstützung der Publikation wissenschaftlicher Daten dient ein Netzwerk komplementär zusammenwirkender Repositorien. Angewandte Forschung ist unentbehrlich, um die eigene Methodik und die Beratungsleistungen für andere immer auf dem jeweils aktuellen Stand zu halten.

Nationale Forschungsdateninfrastruktur als zentrale Infrastruktur für ein vernetztes Datenmanagement. Das deutsche Wissenschaftssystem ist durch eine ungewöhnlich reiche Vielfalt hervorragender Angebote und Lösungen für die Nutzung wissenschaftlicher Daten gekennzeichnet. Aus der Analyse des Rates für Informationsinfrastrukturen „Leistung aus Vielfalt“[18] lässt sich allerdings entnehmen, dass dieser Struktur zwei wesentliche Schwächen innewohnen. Einerseits sind viele dieser Angebote projektförmig aufgebaut, ohne dass Vorsorge für eine dauerhafte Verstetigung getroffen wäre. Die zweite Schwäche liegt zum Teil aus dem ersten Punkt resultierend darin, dass viele der für sich genommen hervorragenden Ansätze zu wenig mit anderen guten Lösungen verknüpft sind und so nur eine Teilmenge der eigentlich angesprochenen Nutzerschaft erreicht wird. Die von Bund und Länder geplante Nationale Forschungsdateninfrastruktur setzt an beiden Punkten an, indem sie für verbindende Elemente im System langfristig angelegte Perspektiven eröffnet. Die Mitwirkung bei der Gestaltung entsprechender Konsortien, aber auch das Gewährleisten effektiver Verbindungen zwischen den Konsortien und der effektiven Forschung vor Ort in den Hochschulen oder außeruniversitären Einrichtungen gehört damit künftig zu den prioritären Aufgaben einer jeden wissenschaftlichen Bibliothek.

 

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4.   Digitale Langzeitarchivierung

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Digitale Langzeitarchivierung ist eine natürliche Fortführung der historischen Archivfunktion wissenschaftlicher Bibliotheken. In diesem Sinne sieht die Hochschulrektorenkonferenz in ihrer Empfehlung von 2015 die wissenschaftlichen Bibliotheken bei der digitalen Langzeitarchivierung stark gefordert[19]: „Besonders mit Blick auf ... die Langzeitarchivierung können sich Hochschulen gegenüber anderen Anbietern als die geeigneten ‚Orte für Forschungsdaten‘ positionieren. Im Vergleich zu projektförmigen Netzwerken ... oder kommerziellen Anbietern ... bieten die Repositorien der Hochschulen ein weitaus höheres Maß an Verlässlichkeit mit Blick auf den langfristig gesicherten Zugriff auf Datensätze. Speziell mit Blick auf die Dokumentation von Daten können die Bibliotheken der Hochschulen eine besondere seit langem bewährte Expertise der Informationsauszeichnung und -bewahrung in das Forschungsdatenmanagement einbringen.“

Dennoch handelt es sich um ein bis heute nur in Ansätzen gelöstes Problem[20]. Zwar wachsen die Möglichkeiten digitaler Speicherung stark an. Noch schneller wächst aber nicht nur das Volumen der zu speichernden Informationen, sondern auch die Vielfalt der verwendeten Formate und der zur Bearbeitung erforderlichen Software und Werkzeuge. Zur klassischen Bibliotheksaufgabe der Aussonderung entbehrlich gewordener Literatur tritt die Notwendigkeit fachgeleiteter Entscheidungen über die Erhaltenswürdigkeit wissenschaftlicher Daten in ihrem Rohzustand sowie in unterschiedlichen Verarbeitungs- und Veredelungsstadien. Mit dieser Vielfalt sind zwar alle wissenschaftlichen Bibliotheken ähnlich konfrontiert, bundesweit wirksame Strukturen für eine effektive Kooperation und Arbeitsteilung sind jedoch allen Anstrengungen zum Trotz bislang nicht entstanden. Der Konflikt zwischen der Bewahrung einmal mit erheblichen Aufwand erzeugten Kulturguts und den dafür zur Verfügung stehenden begrenzten Mitteln wird sich realistisch gesehen nicht durch Umschichtung von Mitteln aus anderen Bereichen der Wissenschaft lösen lassen. Wenn es nicht bei einem Zustand weitgehend ungeregelter Löschaktionen bleiben soll, ist eine Gemeinschaftsaktion des wissenschaftlichen Bibliothekswesens unumgänglich.

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5.   Angewandte Forschung

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Im Gefolge der negativen Evaluierung der zentralen Informationsinfrastruktur für die Lebenswissenschaften ZB MED wurde wiederholt die große Bedeutung beklagt, welche wissenschaftliche Aspekte in diesem Verfahren zugemessen wurde. Teilweise lag dem das Missverständnis zugrunde, dass die Leibniz-Gemeinschaft die spezifischen Infrastruktur- und Dienstleistungsaufgaben einer wissenschaftlichen Bibliothek übersehen habe. Teilweise wurde in der Kritik am Verfahren aber auch die entscheidende Bedeutung übersehen, welche Forschung für die Erfüllung eben dieser Aufgaben spielt. Keine Infrastruktureinrichtung mit mindestens bundesweiter Bedeutung kann sich in Zeiten eines sich immer mehr beschleunigenden Wandels darauf verlassen, dass ihr das für ihre Aufgaben erforderliche Wissen von außen zufließt. Vielmehr ist sie darauf angewiesen, selbst zum Träger notwendiger Fortentwicklungen zu werden und ihre günstigen infrastrukturellen Voraussetzungen für wissensbasierte Fortentwicklungen der eigenen Methodik zu nutzen. Neben der kritischen Reflexion auf hohem wissenschaftlichem Niveau ist Eigenforschung erforderlich, um Fortentwicklungen der Methodik nicht nur theoretisch zu betreiben, sondern selbst Erfahrungen bei der Anwendung fortentwickelter Instrumente zu sammeln.

Zu den gegenwärtig zentralen Forschungsaufgaben gehört es, Forschungsdaten besser auffindbar und vor allem besser untereinander sowie mit Literatur, Faktendaten, Multimedia-Artefakten und Proben verknüpfbar zu machen – hier liegt aktuell das größte wissenschaftliche Entwicklungspotenzial in den meisten Fachdisziplinen überhaupt. Ein weiteres wichtiges Forschungsthema ist die automatisierte Annotierung von Forschungsdaten. Solche Leistungsansprüche erfordern gerade an der Spitze wissenschaftlicher Infrastrukturen zusätzlich zur unabdingbaren Management- eine wissenschaftliche Kompetenz. Zahlreiche Evaluierungen durch Wissenschaftsrat und Leibniz-Gemeinschaft bestätigen den direkten Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Kompetenz in der Leitung und der Qualität der Infrastrukturleistungen der Einrichtung. Die bereits erwähnte ZB MED ist zwischenzeitlich für eine solche Entwicklung ein gutes Beispiel. Dort sind jetzt bereits drei in strategischen Feldern aktive Professuren tätig, eine vierte soll das Portfolio in Kürze vervollständigen.

 

Lesen Sie in der abschließenden Folge: Ausblick - Zur Selbstorganisation im System wissenschaftlicher Bibliotheken

WhatsUp will Versendung von Newslettern nicht mehr dulden

Viele Medien, darunter auch deutsche Publisher, bieten ergänzend zum Newsletter-Versand auch sogenannte "WhatsApp-Newsletter" an. Bislang bewegte man sich damit rechtlich in einer Grauzone. Demnächst greift die Facebook-Tochter hart durch. Konkret geht WhatsApp künftig noch stärker gegen den massenhaften Versand von Nachrichten vor. Darunter fallen auch von Publishern versandte WhatsApp-Newsletter.

peDOCS mit Fachzeitschrift für Hochschulforschung. Das Portal „peDOCS“ stellt alle bis 2017 erschienenen 16 Jahrgänge der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „die hochschule“ frei zugänglich zur Verfügung – derzeit 382 Beiträge. Auch neue Ausgaben der Zeitschrift werden ein Jahr nach Erscheinen der Print-Version auf dem Open-Access-Server für die Bildungsforschung, die Erziehungswissenschaft und die Didaktik zweitveröffentlicht.  http://bit.ly/peDOCS_die_hochschule.

Bürgerratschläge zur Ressourceneffizienz gefragt. Im Online-Dialog „Gesprächstoff Ressourcen“ können Bürger ab sofort Vorschläge zur Ressourcenschutzpolitik der Bundesregierung einbringen. Die Vorschläge werden in Form eines Bürgerratschlags in die Fortschreibung des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms einbezogen. Deadline ist der 16. Juli. www.bmu.de/WS1742

IBM restrukturiert und entlässt 1.400 Mitarbeiter. International Business Machines IBM has come up with a restructuring plan which includes massive layoff. The company reportedly announced plans to terminate around 1,700 employees from several of its units in different locations. IBM said that the restructuring was necessary in order to focus more on high-value segments of the IT market. It further added that it will employ more staff in newer and key areas to offer higher value service to clients

Die größte Ambulanz für chronische Krankheiten. The American College of Cardiology and Veradigm are partnering to improve care and power the next generation of real-world research on behalf of cardiovascular disease and diabetes patients around the world. By combining the power of Veradigm with ACC’s NCDR PINNACLE Registry and Diabetes Collaborative Registry the strategic partnership will create the largest ambulatory chronic disease network in the United States. 

Refinitiv mit Echtzeitdaten über Kryptowährungen. Crypto derivatives platform BitMEX and provider of crypto data CryptoCompare will jointly build a real-time crypto futures dataset. The BitMEX cryptocurrency futures dataset is designed for institutional investors, and will be delivered to financial markets data provider Refinitiv through the CryptoCompare contributions conduit. The tool will eventually be integrated into the Refinitiv Eikon. 

Verfügbarmachung von Trainigsdaten für Künstliche Intelligenz. Innodata Inc. announced the launch of its data annotation and labeling services to accelerate the creation of training data for customers in key industries such as financial services, legal, healthcare, and pharma. Data preparation and labeling is essential for training AI and machine learning models; it’s what makes them truly intelligent. 

 

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