Open Password - Dienstag, den 4. Juni 2019

# 570

Wissenschaftliche Bibliotheken – Zukunft der Informationswissenschaft – Willi Bredemeier – Simon Verlag für Bibliothekswissen – Open Password – Dietrich Nelle – Historisches Vermächtnis – Aktuelle Herausforderungen – Veränderungen des Publikationswesens – Anforderungen an moderne Bibliotheken – Transformation – Informationsdienstleistungen - Forschungsdatenmanagement - Lokalzeitungen - Regionalzeitungen - Express - Council of Europe - Macolin Convention - KASI CCI - Knowledge Unlatched - Open Access Library - Symphony AI Group - Azima Global - BARC - Mediametric - Numeris - Video Research - Refinitiv - Outages - MEEDIA - Outsell


Wissenschaftliche Bibliotheken

Zukunft der Informationswissenschaft

Hat die Informationswissenschaft
eine Zukunft?

Herausgegeben von Willi Bredemeier – Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019 – Weitere Veröffentlichungen in Open Password (laufend) sowie Open-Access-Publikation auf der Webseite einer branchenrelevanten Einrichtung (in Kürze)

 

I. Teil: Die Ausgangspunkte einer informationswissenschaftlichen Debatte in Open Password: Briefe von Walther Umstätter und Winfried Gödert

II. Teil: Grundsätzliche Kritiken an der Informationswissenschaft

III. Teil: Die Suche nach einem Bezugsrahmen

IV. Teil: Wissenschaftliche Bibliotheken

V.  Teil: Aus der informationswissenschaftlichen Lehre

VI. Teil: An den Forschungsfronten der Informationswissenschaft

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III. Wissenschaftliche Bibliotheken
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Überlegungen zur Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken in Deutschland
Von Dietrich Nelle, #566, 27. Mai

Von dokumentenbasierten zu wissensbasierten Informationsflüssen - Die Rolle wissenschaftlicher Bibliotheken im Transformationsprozess
Von Sören Auer, Anna Kasprzik und Irina Sens – erscheint in Kürze


Wissenschaftliche Bibliotheken

Überlegungen zur Zukunft
wissenschaftlicher Bibliotheken

in Deutschland


Die Reputation wissenschaftlicher Bibliotheken als unentbehrlichen Ort
für die Produktion neuen Wissens verteidigen!

Von Dietrich Nelle

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1. Herausforderungen in der aktuellen Transformation
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Historisches Vermächtnis. Wissenschaftliche Bibliotheken sind spätestens seit der Erfindung des Buchdrucks der Ort, an dem einmal erzeugtes Wissen so aufbewahrt wird, dass es für einen breiten Kreis von Nutzenden gut nutzbar wird. Ein zentrales Element für die Erfüllung dieser Aufgabe ist die Schaffung eines Ordnungssystems, das einen strukturierten Überblick über das vorhandene Wissen und ein einfaches Auffinden der vorhandenen Information ermöglicht. Indem Bibliotheken Forschenden so den Zugang zum gesamten verfügbaren Wissen erschließen, etablieren sie sich als physischer Ort wie als Institution im Bewusstsein der Forschenden als eine unentbehrliche Werkstätte für die Produktion neuen Wissens[2]. Da sich die Bibliotheken überdies um die Pflege und Bewahrung ihres Bestandes kümmern, sind sie in der Lage, diesem Anspruch für den einmal gewonnen „Kunden“ in der Folge beständig einzulösen und den geschilderten Effekt kontinuierlich in jeder nachwachsenden Generation von Forschenden zu wiederholen.

Aktuelle Herausforderungen. Nicht zuletzt im Zuge der Digitalisierung verändert sich der Wertschöpfungsprozess in der Wissenschaft gegenwärtig allerdings fundamental: Bereits auf der Ausgangsstufe sind neue Klassen von „Rohstoffen“ vorhanden. Forschungsdaten sind in bisher nicht gekannter Menge und Qualität zum selbstverständlichen Teil von Forschungsarbeiten geworden. Auch der „Produktionsprozess“ von Wissen an sich ändert sich durch neue „Werkzeuge“, insbesondere durch den Einsatz von IT-Hard- und Software. Der hier erreichte Entwicklungsfortschritt wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass heutzutage ein einfaches Smartphone eine ähnliche Rechenleistung erbringt wie noch vor gut dreißig Jahren der damals bahnbrechende weltgrößte Supercomputer Cray-2. Solche Umbrüche machen es überhaupt erst möglich, die riesigen, inzwischen verfügbar gewordenen Informationsmengen effizient zu verarbeiten und zu nutzen. So können z.B. reale Experimente durch lebensnahe Simulationen ersetzt oder zumindest besser fokussiert werden, vor allem aber wird es möglich, heterogene Informationen so zu verknüpfen, dass systemische Zusammenhänge und Wechselwirkungen erkennbar und verstanden werden. Dies gilt besonders für die Bewältigung der sogenannten „großen gesellschaftlichen Herausforderungen“. Nur mit diesen neuen Möglichkeiten lassen sich die komplexen Zusammenhänge bei Klima- und Umweltentwicklung als System betrachten und erforschen. Entsprechendes gilt für die personalisierte, auf die konkret zu behandelnde Person zugeschnittene Medizin. Beim hochkomplexen, von zahllosen Wirkungsfaktoren beeinflussten System Mensch wird es erst durch eine systematische Verknüpfung der unterschiedlichen Datenquellen möglich, die individuellen Merkmale der zu Behandelnden, deren soziale Kontexte und weitere verfügbare Informationen aussagekräftig mit dem ärztlichen Erfahrungswissen zu verknüpfen[3]. Auch eine ressourcenschonende, ökologisch und zugleich ökonomisch tragfähige Landwirtschaft wird erst durch eine intelligente Verknüpfung von Daten möglich. Zugleich stellen sich nicht nur den Juristen, Sozialwissenschaftlern und Philosophen völlig neue Fragen, wie Rahmenbedingungen und Verantwortungssysteme so gestaltet werden können, dass solche Chancen genutzt werden und gleichzeitig möglichen Fehlentwicklungen wirksam vorgebeugt wird.

Veränderungen im Publikationswesen. Die Veränderungen betreffen schließlich auch die „Produkte“ aus diesen wissenschaftlichen Prozessen sowie deren „Vermarktung“. Digitale Publikationsformate erlauben nicht nur eine kontinuierliche Aktualisierung von Inhalten, sondern auch deren Verknüpfung mit nichttextuellen Medien unterschiedlichster Formate. Entsprechend wächst die Nachfrage nach solchen Zusatzleistungen.

Ähnlich wie im Internet der Hunger nach immer kurzfristigerer Information immer größer wird, nimmt auch in der Wissenschaft die Geduld ab, die Ergebnisse langwieriger Prozesse der Publikationsaufbereitung abzuwarten[4] und wird der Bedarf größer, neue Erkenntnisse bereits vor Erscheinen zu erfahren und zugrundeliegende Daten zu nutzen, um darauf weitere Arbeiten aufzubauen oder Daten zu veredeln oder mit weiteren Informationen zu verknüpfen. Pre-print-Server werden so in immer mehr Disziplinen zum Standard.

Ein weiteres Charakteristikum des gegenwärtigen Umbruchs ist es, dass es sich nicht etwa um einen einmaligen Umstieg von gedruckter auf digitale Literatur handelt, sondern um einen hochdynamischen Prozess, bei welchem nicht nur ein Ende nicht absehbar ist, sondern welcher sich immer weiter beschleunigt, in welchem immer kürzere Innovationszyklen zu bewältigen sind, in welchem immer neue und kaum prognostizierbare Möglichkeiten genutzt werden und in welchem allein schon die Bewahrung des bereits erzeugten Wissens zu einer immer schwieriger zu bewältigenden Herausforderung wird.

Anforderungen an moderne Bibliotheken. All dies bedeutet eine wachsende Aufgabe gerade für wissenschaftliche Bibliotheken, Informationen in ihrer Vielfalt nicht nur überhaupt verfügbar zu machen, sondern – ganz in Weiterführung ihrer grundlegenden historischen Rolle – effektive Unterstützung bei der Ermittlung der für den jeweilig Nutzenden relevanten Informationen – einschließlich der zur Bewertung und Einordnung erforderlichen „Metadaten“ – zu bieten sowie vielfältig nutzbare Verknüpfungsmöglichkeiten zu schaffen, um solche Informationen mit Informationen aus ganz anderen Wissensbeständen zu neuen Gedankensystemen zusammenzufügen.

Wie ihrer Nutzerschaft steht damit den wissenschaftlichen Bibliotheken eine langanhaltende Zeit kontinuierlicher Transformationen bevor. Agilität und frühzeitiges Erkennen und Aufgreifen neuer Herausforderungen werden so zu Schlüsselkompetenzen. Dafür, sich gemeinsam mit ihren „Kunden“ zu transformieren, genügt aber keineswegs, die klassischen Bibliotheksleistungen um das Angebot digitaler Formate zu erweitern. Vielmehr muss sich die Wertschöpfungskette in den Bibliotheken in ähnlicher Weise wie in der Wissenschaft selbst transformieren[5]. Deshalb ist es erforderlich, Bibliotheksleistungen, wie sie traditionell vorrangig über konzentrationsförderliche Leseräume, einen reichen Printbestand in gut zugänglichen Freihandbereichen und geschützten Magazinen, erschlossen durch alphabetische und systematische Kataloge sowie eine kompetente Fachauskunft zu leisten waren und durch effektive Systeme der Fernleihe und schneller Aufsatzlieferungen ergänzt wurden, in die Bedürfnisse und Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zu übersetzen. Dies erfordert die Vermittlung eines möglichst vollständigen digitalen Zugangs auf einem zunehmend virtuellen Bestand[6] auch zu anderenorts gespeicherten Beständen nicht nur an Literatur, sondern auch an Forschungsdaten, nichttextuellen Medien und Artefakten. Notwendig sind neue Informationsdienstleistungen[7] wie z.B. Discovery-Systeme und die Förderung von Open Access. Das klassische Sammeln und Archivieren ist auf eine neue Ebene der Anforderungen einer digitalen Langzeitarchivierung zu heben, wobei nicht nur die technischen Herausforderungen einer persistenten Speicherung einschließlich der zu Bearbeitung des Gespeicherten erforderlichen Software und digitalen Werkzeuge zu lösen sind, sondern nebenbei auch die ebenso klassische wie künftig notwendige Gestaltung fachlich rationaler Aussonderungsprozesse. Ein wachsendes Feld ist auch die Gestaltung der kontinuierlich zu leistenden Anpassungen der Rahmenbedingungen im Bereich der Rechtssetzung, z.B. dem Urheberrecht, der Normung wie auch der Etablierung eines den „FAIR-“ bzw. künftig „Fair-Q“-Prinzipien[8] folgenden Forschungsdatenmanagements.

 

Nicht zuletzt erfordern die sich immer weiter beschleunigenden Veränderungen eine intensive Fortentwicklung der Methodik und Informationskompetenz auf diesen neuen Feldern. Ihre Reputation als zentrale Orte der Wissensproduktion werden Bibliotheken nur verteidigen können, wenn sie ihre Rolle als unentbehrliche Unterstützer ihrer Nutzer bei der Bewältigung dieser Dynamik aktiv annehmen und diese sowohl bei der Bewältigung der damit verbundenen Herausforderungen als auch bei der Nutzung der darin liegenden Chancen kompetent unterstützen. Dies ist der einzige Weg, um die Reputation wissenschaftlicher Bibliotheken als unentbehrlichen Ort für die Produktion neuen Wissens zu verteidigen. Die Bibliotheken können heute immer weniger damit rechnen, dass ihre wissenschaftlichen Nutzer die Räumlichkeiten der Bibliothek physisch aufsuchen und auf diese Weise eine Bindung zur Institution Bibliothek bewahren und entwickeln. Bei der digitalen weitgehend entpersonalisierten Vermittlung von Diensten droht dieser Kontakt abzureißen. Damit ginge auch die lebendige Rückkoppelung, an die sich wandelnden Bedürfnissen der Nutzer verloren. Erforderlich ist deshalb, dass Bibliotheken neue Formen der „Kundenbindung“ entwickeln und vermehrt unmittelbar dort präsent werden, wo ihre „Kundschaft“ arbeitet, wo Forschung konkret stattfindet.

In den folgenden Betrachtungen werden einige relevante Aspekte der angesprochenen Veränderungen weiter vertieft.

Lesen Sie in der nächsten Folge: Open Access, Open Science und Organisierung eines vollständigen Zugangs zur wissenschaftlichen Information

 

Googles neue "Jobs Box" verdrängt über Nacht alle Konkurrenten

81 von 82 Regionalzeitungen

haben Leser verloren

Von 0 auf 92,5 Prozent: So häufig ist die neue "Jobs Box" von Google auf Platz 1 in den Suchergebnislisten zu finden seit dem Start von Google Jobs in Deutschland vergangene Woche. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Sistrix. Quasi über Nacht hat der Suchmaschinenriese damit die etablierten Job-Portale von der Spitze verdrängt.

Die deutsche Lokal- und Regionalzeitungsbranche verlor auch im ersten Quartal 2019 viele Käufer und Abonnenten. Unter den 82 größten Titel aus allen Bundesländern findet sich nur ein Gewinner: der Tagesspiegel aus Berlin. Er legte aber ausschließlich durch E-Paper-Abos zu, die Papier-Ausgabe verlor Käufer. Die größten Einbußen verzeichnen wieder einmal die Boulevardblätter, allen voran der Express Köln/Bonn mit unglaublichen 22,6% Käufern weniger als noch vor einem Jahr.

Erstes internationales Abkommen zur Bekämpfung von Manipulationen im Sport. The Council of Europe Convention on the Manipulation of Sports Competitions, also known as the Macolin Convention, will enter into force on 1 September. Launched in 2014, the Macolin Convention is the only legally-binding international treaty promoting global co-operation to tackle the manipulation of sports competitions. The convention covers a wide range of issues including match-fixing, illegal betting, poor governance, insider information, conflicts of interest and the use of sports clubs as shell companies.

Stimmungsbild afrikanischer Konsumenten.  KASI CCI is Africa’s first monthly consumer confidence index and provides a focused view on the consumer sentiment in key African cities where the most spending on the continent is concentrated. The survey provides a simple measure of consumers’ optimism about their economic prospects in the near term and attitude towards making major purchasing decisions. Refinitiv users will access monthly data, via Eikon, Datastream or Feeds. 

Vereinigt Euch, alle OA-Bücher! Free access to scientific content is often limited due to the fragile technical infrastructure around it: content is stored in a variety of versions at various locations and without any uniform search functionalities. The Open Access initiative Knowledge Unlatched has addressed this growing problem and is now launching the Open Research Library together with several international partners. Its goal is to unite all Open Access (OA) book content over the coming months. 

Branchenlösungen mit Künstlicher Intelligenz. SymphonyAI Group announced its recent acquisition of Azima Global, a provider of machine condition monitoring and asset reliability solutions across several industrial verticals. SymphonyAI is building a group of companies that use artificial intelligence to transform business enterprises across several markets, including the industrial, retail, consumer, healthcare, financial services, and media sectors. 

Internationale Messung der Mediennutzung. BARC (India), Médiamétrie (France), Numeris (Canada) and Video Research (Japan) will collaborate on future audience measurement initiatives including the development of common technical standards and operational processes, in order to benefit the existing currency services each member operates, in their respective market, through their current organization and measurement partners.

Ausfälle im Angebot für Finanzinformationen. Refinitiv’s data and foreign exchange businesses have been hit by outages that have left some customers unable to log in. The problems are likely to inconvenience many market participants, since Refinitiv’s Eikon data terminals and foreign-exchange trading platform – which were hit by the outage – are among the most widely used in financial markets.

Quelle: MEEDIA, Europarat, Outsell.

 

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