Open Password - Montag, den 29. April 2019

# 552

 

Zukunft der Informationswissenschaft – Datenwissenschaft - Bernd Jörs – Forschungsdatenmanagement – Semantic Web – Computerlinguistik – Informatik – Reginald Ferber – Information Retrieval – Gerard Salton – Data-Mining – Online Marketing Engineering – Larry Page – Sergey Brin – RankBrain – Scientific Based Search Engine – FFT – Suchmaschinen – RDF – RDFS – Schema.org – Knowledge Graph – Alphabet – Werner Heisenberg – H.C. Hobohm – Mario Fischer – Hochschule Würzburg – Natural Language Parsing – Information Search Behavior – Neurinformatik – Qwandt – DeuSeu – C. Schlögl – Bindestrich-Informationswissenschaften – Digital Humanities – Medien- und Kommunikationswissenschaft – W. Gödert – Universität Zürich – R. Seidler-de Alwis - TH Köln - Experian UK - Invisible Population - Charles Butterworth - ETH Zürich - Vera Münch - Jahresberichte - Trailer - Blockchain

 

Errata

Leider wurde der Beitrag von Lars Jaeger über die Schattenseiten von Silicon Valley am 17. April unter einer falschen Überschrit veröffentlicht. Der Beitrag von Bernd Jörs, der zu dieser Überschrift passte, erschien dann am 24.  April, allerdings nicht als dritter Teil, wie dies richtig gewesen wäre, sondern als vierter Teil. Es folgt heute der abschließende Beitrag von Prof. Jörs mit der nun einmal eingechlagenen Nummerierung. 

Allen aufmerksamen Lesern, die mich auf diesen Fehler aufmerksam gemacht haben, gilt mein herzlicher Dank. Ich konnte allerdings erst für diese Ausgabe reagieren, da ich zwischenzeitlich im Osterurlaub mit meinen Enkelkindern im Hochschwarzwald weilte und alle Elektronik abgeschaltet war.

Bleiben Sie mir gewogen.

Herzliche Grüße Willi Bredemeier

 

ETH Zürich

Ein Trailer zum Jahresbericht,

das gute Laune macht

ETH Zürich: Ein Benchmark für wissenschaftliche Bibliotheken im deutschsprachigen Raum? - Von Willi Bredemeier, in: Open Password, 4.März, #522

Mit der Besprechung des Jahresberichtes der Bibliothek der ETH Zürich öffnete ich vielleicht ein neues Genre für Rezensionen, weil ich glaubte, dass diese Textprodukte solches verdient haben, zumal sich dort einiges verbessern lässt. Nun hat mich Vera Münch, Information Professional des Jahres 2017, auf den anderthalbminütigen Trailer des ETH-Bib-Marketing-Teams dazu aufmerksam gemacht. Auch dieser ist empfehlenswert: macht gute Laune und ist hochinformativ (soweit das in 90 Sekunden möglich ist).

https://www.youtube.com/watch?v=yTAapXM_Xv8&feature=youtu.be

 

Blockchain

„Wer Blockchain ohne Intermediäre

nutzen will, muss an das Gute

im Menschen glauben“

„Nach zwei Tagen Blockchain­ Konferenz, davon an­derthalb Tage verwirrt vom Nebel der Fachsprache, war für unbedarft angereiste Teilnehmende nur eines klar: Der Weg zum globalen dezentralen demokrati­schen Blockchain basierten Wissenschaftskommuni­kationsnetz ist noch ein sehr weiter – sollte das Ziel jemals erreicht werden. …

Blockchain ist zweifelsohne eine „Disruptive Innovation“. Bei dem ganzen Hurra um Blockchain allerdings wird die Sicherheit der Technologie mit der Vertrauens­würdigkeit der Inhalte verwechselt. Kontrolliert wird nämlich nur die korrekte Einhaltung der vereinbarten Geschäftsabwicklung bei hoch sicherer Datenhal­tung. In die Dokumente hineinschreiben kann jeder, was er möchte. Wer Blockchain ohne Intermediäre nutzen will, muss an das Gute im Menschen glauben.“

Vera Münch zur 1st international Conference on Blockchain for Science, Research and Knowledge Creation“, Berlin, in: b-i-t online

 

Zukunft der Informationswissenschaft

Die Informationswissenschaft ist tot,

es lebe die Datenwissenschaft

 

Löst die traditionelle Informations-wissenschaft weitgehend auf!

Offeriert attraktive Studiengänge,
schickt die
Bindestrich-Infowissenschaften in ihre Ursprünge zurück!

Fünfter Teil

Von Bernd Jörs

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5. Problemlösungskompetenz anderer Disziplinen: Semantic Web und Computerlinguistik.

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Ein Großteil der informationswissenschaftlichen Verfahren ist aus anderen Disziplinen übernommen worden. Die mathematisch-statistischen bzw. heuristischen Wurzeln etwas des Information Retrieval befinden sich in der Mathematik und Informatik, die sich aus der Mathematik heraus entwickelt hat. Ein Lehrbuch zum klassischen Information Retrieval ist durch mathematische Formen geprägt und meistens von einem Autor mit mathematischem Background geschrieben wie z.B. das Standardwerk von Reginald Ferber („Information Retrieval) aus dem Jahre 2003. Information Retrieval wurde von dem Mathematiker und späteren Informatiker Gerard Salton begründet. Auch die Methoden des Data-, Text- und Web-Mining haben ihre algorithmischen Ursprünge in Mathematik und Informatik. In den letzten Jahren sind die mathematischen und verhaltenswissenschaftlichen Anforderungen an Methoden und Verfahren des Information Retrievals stark gestiegen.

Mit der Ausnahme des Online Marketing Engineering (Suchmaschinenoptimierung, Web Analytics, E-Commerce-Management usw.) hat die Informationswissenschaft eigenständig weder neue Verfahren noch Produktrelevantes entwickelt.

Die Gründer der Google-Mutter „Alphabet Inc.“, Larry Page und Sergey Brin, haben als Studierende der Informatik die Methodik des Information Retrievals und die Algorithmisierung vorangetrieben, ökonomisch verwertbar gemacht und Suchmaschinenalgorithmen mit KI-Fundierung (RankBrain) auf höchstem mathematischem Niveau entwickelt. Die wissenschaftliche und wirtschaftliche Leistung, die zu einer „Scientific Based Search Engine“ führte, wird so bewertet: „Stümperhaft wird über Google diskutiert. Gönnen Sie sich 35 Stunden und studieren Sie die Videovorlesungen auf You Tube zur Linearen Algebra von Professor Gilbert Strang am MIT. Google kennt sich so gut aus speziell mit FFT (Fast Fourrierer Transformationen), dass die entwickelten Suchmaschinen alles andere in den Schatten stellen. Sie können schlicht nichts dagegen tun. Falls Sie eine bessere Suchmaschine programmieren können, dann sagen Sie mir bitte, mit welcher Mathematik Sie das tun wollen. Seit 1927 ist die Diskrete Mathematik auf dem Vormarsch, dank Werner Heisenberg. Die heutigen Schlamassel Deutschlands sind Auswirkungen vom letzten Weltkrieg. Deutschland muss diesen Schlamassel verdauen.“

Auch die späteren Forschungsaktivitäten von Alphabet und Google waren sehr erfolgreich. Dies ist zurückzuführen auf ein extrem hohes Forschungsbudget, auf die exzellenten Forschungsleistungen der Mitarbeiter in den Bereichen Semantic Web und Linked Data und die eindeutige Ausrichtung der Forschungsarbeiten auf die Produktentwicklung.

Diese Erfolge haben das traditionelle Semantic-Web- und Linked-Data-Denken im deutschsprachigen Raum schwer erschüttert. Zu lange hielt man am Grundgerüst Resource Description Framework (RDF) und der dazu passenden Grammatik des RDF-Schemas (RDFS) fest. Beide hatte man aus der Informatik übernommen, ohne sie weiterzuentwickeln. Dass Google, Yahoo und Microsoft nun schlankere effizientere Microdata-Formate und kontrollierte Vokabularlösungen dieser Semantic-Web-/Linked-Data-RDF-Philosophie entgegensetzten und fast obsolet machten, wurde nicht akzeptiert. Zwar ist Schema.org heute das Standardverfahren, im informationswissenschaftlichen Standardwerk „Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation“ liest man jedoch weiterhin, dass man am altbewährten RDF festhalten muss und auf keinen Fall den „übertriebenen KI-orientierten, logikdominierten“ Ansätzen“ [i] folgen möge: „…muss man allerdings feststellen, dass die Position von Schema.org sich zumindest aufzuweichen beginnt: Inzwischen wird dort RDF mindestens auf der Ebene mit Microdata gesehen.“ Zwar wird akzeptiert: „Knowledge Graph hat in der Tat die meisten Merkmale einer schlagkräftigen Semantic-Web-Anwendung.“ Aber natürlich ist dieser Erfolg infragezustellen: „Inwieweit dahinter tatsächlich „semantische“ Technologien stehen, ist angesichts der Google-üblichen Intransparenz in solchen Dingen allerdings nicht zu beurteilen“[ii]. Noch Jahre später soll die Niederlage nicht eingestanden werden: „(Der Knowledge Graph) kann als Versuch gewertet werden, Semantic Web und Linked Data auf dem eigenen Feld (und womöglich mit eigenen Mitteln) zu schlagen – genauso möglich ist allerdings die Interpretation, dass es sich hierbei um das implizite Eingeständnis des Suchmaschinengiganten handelt, dass die eigene, rein statistisch basierte Methodik nicht mehr ausreicht und die RDF-basierten Ansätze des Semantic Web schlicht ein größeres Potenzial haben“ [iii].

Intelligente Lösungen und konkrete Anwendungen zu kritisieren, weil sie unter Umständen mit „übertriebenen KI-orientierten“[iv] Methoden erzielt wurden, kommt einem Offenbarungseid gleich. Wenn dann noch auf das „einzigartige“ informationswissenschaftliche Forschungsfeld der Untersuchung des „ökonomischen Mehrwert(es) der semantischen Kontextualisierung“[v] hingewiesen und diese Semantic-Web-/Linked Data-Problematik für sich beansprucht wird, kann man nur noch den Kopf schütteln. Nur wenige Informationswissenschaftler wie der Potsdamer H.C. Hobohm übten Selbstkritik. So stellte Hobohm 2012 auf einer DGI-Tagung zu den eigenen Arbeiten am Semantic Web fest, „... dass der Informationspraxis noch viel Theorie fehlt.“ Hobohm ferner: „Wir können nicht einfach ein Semantic Web aufbauen und erst später merken, dass es nicht geht [vi].

Auch die Zukunft der retrievalgetriebenen Informationswissenschaft liegt in der Mathematik und Informatik. Das gilt genauso für weitere Themenbereiche der Informationswissenschaft wie die geisteswissenschaftlich verankerte Computerlinguistik, deren Verfahren einfach übernommen wurden. Die heutige Situation in der Computerlinguistik wird vom Wirtschaftsinformatiker Mario Fischer (Hochschule Würzburg) unter Hinweis auf die Deep-Learning-Techniken der neuronalen Netze in der KI am Beispiel der Traditionsmethodik des Natural Language Parsing beschrieben: „Wie gut diese Methode mittlerweile funktioniert, lässt sich auch an Standards „Natural Language Parser“ deutlich machen. Dieser wurde 25 Jahre lang von den besten Linguisten entwickelt, ständig verbessert und erweitert. In der neuen Version wurde der alte Code vollständig durch ein neuronales Netzwerk ersetzt. Ein selbstlernendes Netzwerk muss nichts über Grammatik oder Sprache wissen und funktioniert somit auch in jeder beliebigen Sprache. ... Es reicht aus, eine große Textmenge in das Netzwerk zu geben und es daraus lernen zu lassen. Menschliche Sprache folgt bestimmten Regeln und bildet daher bestimmte Strukturen aus. Diese müssen sich dann von ganz allein in den verschiedenen Ebenen des neuronalen Netzes abbilden.“[vii]

Die angeblich interdisziplinär breit aufgestellten Ansätze zum Information Search Behavior/Information Seeking Behavior kommen ohne Einbindung von Theorien und Befunden aus der Neurobiologie und Psychologie aus. Hingegen ging die Informatik früh auf Fragen der Neuroinformatik ein, so an der TU Ilmenau, Ruhr-Universität Bochum, TU Wien, Uni Bielefeld, Uni Kiel, Uni Ulm, Uni Leipzig usw.

Die informationswissenschaftliche Forschung leidet an mangelnden Erfolgsnachweisen in der Praxis und an fehlenden Produkt- und Dienstleistungslösungen. Sie ist gekennzeichnet durch Nachahmungen der Arbeiten in anderen Disziplinen und der Bearbeitung von meist belanglosen kleinen Fragestellungen. Ging sie doch einmal praxisorientiert vor, so ist sie meistens brutal gescheitert. Siehe zum Beispiel das aus Frankreich übernommene Suchmaschinenprojekt Qwandt und das von Spenden finanzierte Suchmaschinen-Tool DeuSu.  

Der Grazer Informationswissenschaftler Christian Schlögl bringt es auf den Punkt: „Die kontinentaleuropäische Informationswissenschaft ist ... nicht so stark ausgeprägt wie sie sein sollte, da aktuelle Themen von den Nachbardisziplinen und nicht von der Informationswissenschaft selbst behandelt werden.“ Daraus ergibt sich nach Schlögel, man habe zu akzeptieren, „dass die Informationswissenschaft als Randfach gilt“. Die „informationswissenschaftliche Musik“ werde insbesondere seit 2002 woanders gespielt, in den USA und im kräftig aufholenden China.

[i] S. Gradmann: Sematic Web und Linked Open Data, in: R. Kuhlen, W. Semar, D. Strauch, 6.Aufl., Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation, 6.Aufl., Berlin, Boston, 2013, S. 219-228, S. 227.

[ii] S. Gradmann; a.a.O.; S.227.

[iii] S. Gradmann; a.a.O.; S.227.

[iv] S. Gradmann; a.a.O.; S.227.

[v] S. Gradmann; a.a.O.; S.228.

[vi] DGI-Konferenz 2012, H.C. Hobohm.

[vii] M. Fischer, „Website Boosting“, Nr. 36,2017, S. 36.

Bild Jörs in Action

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6. Auflösungserscheinungen der Informationswissenschaft

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Hat die Informationswissenschaft angesichts der erörterten Kritikpunkte (Theorielosigkeit, keine Entwicklungen von Produkten und Lösungen, Sterben überholter informationswissenschaftlicher Verfahren, fehlende Akzeptanz in benachbarten Disziplinen) noch eine Existenzberechtigung?  

Die Informationswissenschaft hat vieles, was in den Nachbarwissenschaften gut aufgehoben ist, mitvereinnahmt. Häufig wird den gängigen Disziplinen einfach der Zusatztitel „Information“ oder „Wissen“ drangehängt und schon ist die Vereinnahmung vollzogen (z.B. Informations-Linguistik, Informations-Ökonomie, Informations-Management).

Das Standardwerk „Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation“[i] sucht alle diese Teildomänen abzudecken: Internet- und Urheberrecht, Wissens- und Informationsmanagement, Wissensökologie, Hypertext, Informationsverhalten, Methoden der empirischen Sozialforschung für die Informationspraxis, Ethnografische Verfahren der Datenerhebung, Web-Technologie, Wissensorganisation, Text Mining, Data Mining, Informationsvisualisierung, Semantic Web, Linked (Open) Data, Erschließungsverfahren, Informationslinguistik, (Automatische) Indexierung, Abstracting, Maschinelle Übersetzung, Spracherkennung, Maschinelles Lernen und Mustererkennung in der Bildverarbeitung, Online Marketing, Modelle der computervermittelten Kommunikation, Mensch-Maschine-Interaktion, Web Science, Lizenzierungsformen, Sicherheit von Informationssystemen, Szientometrische und bibliometrische Verfahren, Suchmaschinen, Elektronisches Publizieren, Langzeitarchivierung, Normung und Standardisierung, Social Web, Wörterbücher und Enzyklopädien, Forschungsdaten, Lernen mit Medien, Archive, Museen, Bibliothek im Wandel, Medienwirtschaft, Buchhandel/Verlag/Druck, Patentinformationen und Patentinformationssysteme. 

Mancher sieht gerade darin eine viel versprechende „Breite“ des informationswissenschaftlichen Interessens-, Qualifizierungs- und Forschungsspektrums. Andere sprechen von einem heimatlosen Wirrwarr der Kompetenzen.

Die Informationswissenschaft hat Teile der Computerlinguistik einfach für sich mit beansprucht. Für Studierende der Informationswissenschaft bedeutet dies, dass sie mit Dozenten konfrontiert werden, die ihre Hochschulausbildung in der Computerlinguistik absolviert und vielleicht in der Informatik promoviert haben und Ansprüche stellen könnten, wie sie sie aus ihrer ursprünglichen Domäne gewöhnt sind.

Die „Digital Humanities“, mit großer Verzögerung aus der angloamerikanischen Wissenschaft in den deutschsprachigen Geisteswissenschaften angekommen, wurden gleichfalls curricular integriert. Sozialwissenschaftliches Terrain wie die Medien- und Kommunikationswissenschaften wurde ebenso vorbehaltlos in die Informationswissenschaft übernommen. In allen Fällen werden junge Studierende der Informationswissenschaft mit Teilfragen aus anderen Einzelwissenschaften konfrontiert, ohne dass sie über die Grundlagenkenntnisse dazu verfügten. Dem Dilettantismus werden damit Tür und Tor geöffnet. Die Vertreter der informationswissenschaftlichen Bindestrich-Wissenschaft sind Physiker, Biologen, Historiker, Linguisten, Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker, Chemiker, Pädagogen, Literaturwissenschaftler, Germanisten usw. und haben selbst keine inhaltlichen Probleme. Aber ihre Studierenden sind überfordert, wenn sie selbst nicht über ein einschlägiges Vorwissen etwas aus einem Vorab-Studium verfügen. Früher hatte man wenigstens noch zwischen Studierenden der „Chemieinformation“, „Medieninformation“ sowie „Wirtschafts- und Finanzinformation“ unterschieden und die Schwerpunkte der Lehrveranstaltungen danach festgelegt.

Gödert hat diese Rückschlüsse gezogen: „Es muss festgehalten werden, dass es keine organische Weiterentwicklung dieses (informationswissenschaftlichen, der Verf.) Verständnisses gegeben hat, dass sich der Methodenkern aufgelöst hat und eine Rückkehr in die Partikularisierung der verschiedenen Teilbereiche eingetreten ist“ [ii]. An Gründen dafür führt er an: „Dabei lässt sich ein Trend stabil beobachten: Immer mehr Angehörige der Informationswissenschaft und -praxis mit unterschiedlichen Herkunftsdisziplinen können zwar noch ihre Verbindung zu ihrer Herkunftsdisziplin, nicht aber ihre Verbindung zur Informationswissenschaft angeben. Weg vom Universaldilettanten. Wollen sich diese Personen als Informationswissenschaftler verstehen oder ihre wissenschaftsfachliche Identifikation in ihrer Ursprungsdisziplin sehen?“[iii] An Konsequenzen ergeben sich, dass „für den Einzelnen in der Regel mit einer Tätigkeit in der institutionalisierten Informationswissenschaft der Verlust des Kontaktes zur vorherigen fachlichen Infrastruktur verbunden ist, der nicht durch Kontakte innerhalb einer gleichwertigen Infrastruktur ersetzt wird. Folgen sind: Fachliche Isolation und vermutlich über längere Sicht ein Rückgang der fachlichen Leistungsfähigkeit sowie mangelnde Synergieeffekte innerhalb des neuen multidisziplinären Umfeldes“[iv]

 

[i] R. Kuhlen, W. Semar, D. Strauch, 6.Aufl., Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation, 6.Aufl., Berlin, Boston, 2013.

[ii] W. Gödert ; a.a.O.

[iii] W. Gödert ; a.a.O.

[iv] W. Gödert ; a.a.O.

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7. Empfehlungen

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 Die „Datenwissenschaft“ hat die Informationswissenschaft also weitgehend überflüssig gemacht. An Empfehlungen ergeben sich:

• Löst die traditionelle Informationswissenschaft als Einzelwissenschaft soweit auf, dass nur noch die „Bibliothekswissenschaft“ als Mikrodisziplin bleibt, bis auch hier die „Digital Library“ die letzten Rechtfertigungsgründe wegfegt. Die Uni Zürich hat im Sommer 2018 den Beschluss gefasst, 70 Fachbibliotheken zu schließen[i]. Konstanz, Saarbrücken und Düsseldorf werden nicht die letzten geschlossenen informationswissenschaftlichen Lehrstühle sein. „Würde das Fach aus dem universitären Spektrum verschwinden, gäbe es ein paar arbeitslose Akademiker mehr. Sonst würde man nicht viel merken, und vermissen würde man wahrscheinlich auch nichts.“[ii].

• Oder offeriert attraktive Studiengänge wie in Köln (TH Köln), Hamburg (HAW) und Hildesheim (Uni) mit zukunftsträchtigen Berufsfeldern wie Datenmanagement und Online Marketing, unter anderem mit aus den Naturwissenschaften entlehnten Methoden und Instrumenten. Dazu Ragna Seidler-de Alwis, TH Köln (Informationswissenschaft): „Viele meiner Studenten arbeiten nach dem Studium zum Beispiel als Web-Analyst, SEO-Manager, Datenbank-Manager, KM-Spezialist oder auch als Social Media Manager. Der Beruf des Information Professionals erhält also neue und weitere Ausprägungen“[iii].

• Schickt die verbleibenden DozentInnen der Informationswissenschaft in ihre Heimat- und Herkunftsdomänen zurück, wenn sie dort noch gewünscht sind.

 

[i] https://www.nzz.ch/zuerich/universitaet-zuerich-zieht-drei-viertel-ihrer-fachbibliotheken-zusammen-ld.1379852 (Abruf 30.6.2018).

[ii] W.Bredemeier, password, 26.2.2016.

[iii]  R. Seidler-de Alwis, TH Köln, Institut für Informationswissenschaft; in:

LexisNexis-Studie: „Past, Present+Future of Information Management”

.

Experian UK

5,8 Millionen „unsichtbare Leute“
in den Bereich der Kreditwürdigkeit geholt

New Data Sources Could Boost Financial Inclusion by 1.5 Million Rental payments, combined with utilities and Open Banking data has the potential to inform better decisions and enable greater access to mainstream financial services. Experian has targeted radically reducing the UK’s ‘Invisible’ population by harnessing the potential of new data sources, which can help organizations make more informed decisions.

Research from Experian identified 5.8 million people in the UK who are virtually invisible to the credit economy because there is little or no information available on their financial track record. In the absence of sufficient information to make a decision, these Invisibles can either be excluded from mainstream financial services, or be forced to pay a premium on products such as loans, credit cards and mortgages.

Experian’s new report,“Making the invisible visible: Exploring thepower of new data sources”, details the progress which has already been made to reduce the Invisible population. Adding data from social housing tenants through the Rental Exchange, along with data from utilities companies and high cost credit providers has brought the number down by 765,000. Analysis shows that by adding private rental, council tax and data from the remaining utilities companies to the bureau, the Invisible population could be reduced by a further 960,000. Using Open Banking data on top of this, compared to where we are today, could bring the total down by 1.52 million people overall.

Charles Butterworth, Managing Director UKI & EMEA at Experian, said: “Great strides have been made in the last decade to make it quicker and easier to apply for everyday financial products such as credit cards, loans and even mortgages. Yet our research shows that for the Invisible population of nearly six million, the reality is these services can remain so far out of reach.“ We believe adding new and more appropriate data sources can, in time, reduce the UK’s Invisible population significantly. Our objective is to work with industry to unlock these sources, allowing mainstream lenders to better understand a new group of potential customers who, up until now, they have struggled to serve.”

The UK’s Invisible population is primarily composed of:

•Young peoplewho have not yet established a credit history

•Older people who may not have used credit for a long time

•The ‘unbanked’ who have no relationship with financial services

•Recent immigrants or returning expatswho have no credit history in the UK.

•People struggling to make ends meetwho rely mostly on cash-based transactions.

Quelle: BIIA

 

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