Open Password - Montag, den 1. April 2019

# 538

 

Akademische Verlagsgesellschaft - Arnoud de Kamp - IOS Press Holding - APE - Einar Frederiksson - Springer - digiprimo - Zukunft der Informationswissenschaft – Informationswissenschaft – Datenwissenschaft – Data Science - Bernd Jörs – Künstliche Intelligenz – Algorithmen – M. Klems – DGI – R. Karger – Information Professionals – Wissenstreppe North – Daten – Informationen – Content – Wissen – Wissensmanagement – M. Rieck – Informationstheorie – C. Shannon – National Science Board - J. Schamberger – T. Koltay – Forschungsdatenmanagement – Vorwissen – Neurobiologie – R. Kuhlen – Wissen in Aktion – W. Wittmann – Kritik der Informationswissenschaft – W. Bredemeier – Systemtheorie – Daten-Modellierung – Text Mining – Content Management – Bilderkennung

 

Akademische Verlagsgesellschaft

Arnoud de Kemp geht

Arnoud de Kemp (74), Verleger und Mitgeschäftsführer der Akademischen Verlagsgesellschaft AKA GmbH in Berlin, ist zum 31. März 2019 ausgeschieden und hat seine Geschäftsanteile an die IOS Press Holding B.V. in Amsterdam übergeben.

Der gebürtige Niederländer wird sich auf die Organisation der 15. APE Konferenz am 13.-15. Januar 2020 konzentrieren und die Gründung einer Stiftung zur Förderung der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Verlagen vorbereiten. Die Thematik ‚Open Access’, ‚Open Science’ und ‚Open Data’ sowie berufliche Weiterbildung für junge Verlagsleuten und ‚Early Academic Researchers’ mit Interesse für das Publizieren werden deutliche Schwerpunkte sein.

Der AKA-Verlag wird seine Verlagsaktivitäten, vor allem im Bereich der Informatik, in Deutschland fortsetzen. Ab dem 1. April 2019 ist Dr. Einar Fredriksson, Direktor, IOS Press Holding B.V., alleiniger Geschäftsführer des AKA-Verlags.

Arnoud de Kemp war bis 2004 Mitglied der internationalen Geschäftsleitung des Springer-Verlags Berlin Heidelberg New York und hat dort maßgeblich den Bereich elektronisches Publizieren (SpringerLink) aufgebaut. In 2004 hat er die digiprimo GmbH in Heidelberg, später Berlin, gegründet. digiprimo hat 2006 46% der Geschäftsanteile an dem AKA-Verlag erworben.

2006 organisierte Arnoud de Kemp die erste APE (Academic Publishing in Europe) Konferenz in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt in Berlin. Während der 14. APE Konferenz im Januar 2019 wurden Plan S und der DEAL mit Wiley präsentiert.

 

Ein Projekt von Open Password – In der Pipeline:

Zukunft der Informationswissenschaft
Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft?

Informationswissenschaftliche Besinnungen

Eine Nestbeschmutzung mit Vorschlägen
zur Neuausrichtung

Die Informationswissenschaft ist tot,
es lebe die Datenwissenschaft


Herausgegeben von Willi Bredemeier – Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019 – Weitere Veröffentlichungen in Open Password sowie Open-Access-Publikation auf der Webseite einer branchenrelevanten Einrichtung

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Der zweite Teil des Buches:
Grundsätzliche Kritiken an der Informationswissenschaft
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Informationswissenschaftliche Besinnungen – Eine Nestbeschmutzung mit Vorschlägen zur Neuausrichtung – Von Winfried Gödert, in: Open Password, (keine Nummerierung), 27. April 2016

Digitale Euthanasie? – Von Winfried Gödert, in: Open Password, #372, 29. Mai 2018

Digitaler Humanismus oder Humanistischer Digitalismus? – Von Winfried Gödert, in: Open Password, #535, 26. März 2019

Die Informationswissenschaft ist tot, es lebe die Datenwissenschaft – Von Bernd Jörs – #538, 1. April 2019

Zukunft der Informationswissenschaft

Die Informationswissenschaft ist tot,
es lebe die Datenwissenschaft

Von Bernd Jörs

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1.      Problemstellung

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Keine Publikation oder kein Konferenzvortrag ohne den Hinweis: „Daten sind das neue Öl“ und dem damit angeblich verbundenen neuen „Datenkapitalismus“[i]. Daten werden als „Assets“ zum wettbewerbsentscheidenden neuen strategischen Faktor[ii]. Alles ist und wird durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Algorithmen „data driven“, „datengestützt“, „datenbasiert“ und dazu noch vernetzt.

Haben die „Daten“ bzw. die „Datenwissenschaft“ (Data Science) die „Information“ bzw. die Informationswissenschaft obsolet gemacht? Hat die „Data Science“ mit ihren KI-gestützten Instrumenten die ökonomische und technische Herrschaft über die „Daten“ und damit auch über die „Informationen“ und das „Wissen“ übernommen? Die meist in der Informatik/Mathematik beheimatete „Data Science“ hat die wissenschaftliche Führungsrolle übernommen, „Daten“ in „Informationen“ und „Wissen“ zu transferieren. M. Klems konstatierte schon 2016: „Die Informationsbranche ist auf dem besten Wege, die Hoheit über den Begriff „Information“ zu verlieren und diesen an andere Branchen abzugeben. Diese Anderen sind die Digitals mit den Schwerpunkten Content, Internet der Dinge und Industrie 4.0. Information ist ohnehin da und kommt aus der Suchmaschine. Qualitätsinformation und Tiefgang müssen spektakulär verpackt werden. Die Marktteilnehmer, die es schaffen, dies zu besetzen und auch zu verkaufen, werden als Profiteure hervorgehen“[iii].

Sogar der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen (DGI), R. Karger, sieht für das Feld der „Infobroking-“ bzw. der „Informations-SUCH-Kompetenz“ keinen exklusiven Anspruch der Informationswissenschaft mehr: „Die meisten, die die Arbeit der Information Professionals für ihre Entscheidungen gebraucht haben, suchen nun selber und finden meist die Information, die sie brauchen. Sie führen diese selber zusammen, erstellen eine Zusammenfassung. Und bei Bedarf dokumentieren sie ihre Suche und archivieren die Ergebnisse mit einem Klick“[iv].

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2.      „Information“ – eine terminologische Dauerbaustelle.

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Folgt man der Klassifikation des Wissensmanagements von North als Wertschöpfungskette einer wissensbasierten Ökonomie und der von ihm vorgestellten semiotischen Wissenstreppe, die mit der syntaktischen Dimension der „Zeichen/Symbole“ startet, folgt auf der zweiten Stufe die Kategorie der „Daten“. Erst danach werden „Daten“ durch personengebundene, semantische „Bedeutung“ auf der dritten Stufe zu „Informationen“ geformt, gestaltet und transferiert, genau wie es die etymologische Herleitung des Begriffs der „Information“ verlangt (Information = lat. Informatio = Formgebung, Gestaltung, Erläuterung). So lassen sich im Rückkehrschluss „Daten“ als eine Art „technische Repräsentationen von Informationen“ definieren. Man kann an dieser Stelle auch von „Daten“ als „noch nicht interpretierte Zeichen und Zeichenfolgen“ sprechen, „die erst durch die Herstellung eines Interpretationsbezugs zu Informationen werden“ [v].

Die stets kontextabhängigen ziel- und zweckgerichteten „Informationen“ (= kontextualisierte Daten) „dienen als Input für Entscheidungen und Handlungen“ [vi]. „Daten“ kontextbezogen zu interpretieren, ausgeformte mit einem Kontext aus Bedeutungen versehene „Informationen“ Sachverhalte (besser) zu „verstehen“ und die Kenntnisse hierfür zu vertiefen. Eine Einschränkung des Begriffs sei erlaubt: „Wird dagegen der Inhalt von Informationen nur als sinnhaltige Datenobjekte behandelt, spricht man von Content“[vii], der relativ „medienneutral“ aufbereitet werden soll (z.B. in Content Management Systemen).

North leitet als vierte Stufe die Entstehung von „Wissen“ aus der „bewussten oder unbewussten Verarbeitung von Informationen“ ab, das durch motivationale Affekte, „von Haltungen, Gefühlen, Werten“ gelenkt und in konkreten Anwendungen zu „Handeln“ oder „Nicht-Handeln“ führen sollte. In der Begriffshierarchie lässt sich „Wissen“ als kognitiv verarbeitete und verstandene „Informationen“ einordnen, die helfen, Probleme zu lösen sowie bestehende Vorstellungen, Zusammenhänge (Kausalitäten) und Muster zu erkennen, zu überprüfen, zu ergänzen oder zu eliminieren. Diese Differenzierungen und Abgrenzungen wurden vor allem im Wissensmanagement vorgenommen.

Halten wir fest:   

a)      Für North erfordert die Generierung von „Wissen“…. die „Fähigkeiten zur Auswahl, Interpretation und Sinnstiftung“[viii]. Diese werden durch die Fähigkeiten ermöglicht, kontextuelle Bezüge herzustellen, Erfahrungen und Erwartungen einzubringen sowie (nicht-)logische und (nicht-)kausale Zuordnungen vorzunehmen.

b)      Für Rieck kommt eine Differenzierung zur Verbindung von „Daten“ zum „Wissen“ hinzu: „Beim Wissen handelt es sich jedoch nicht um Information, sondern um Daten, deren Inhalt verifiziert bzw. falsifiziert worden ist“[ix]. Auch dies erfordert bestimmte kognitive und fachliche Befähigungen. Zudem, so betont Rieck, „sind Semiotik, Semantik etc. in Bezug auf Daten (und nicht auf Information) … von Interesse“ [x].

c)      Folgerichtig weist Rieck auf die Kontext- und vor allem Personenabhängigkeit der Kategorien „Wissen“ und „Information“ hin. Danach werden weniger „Wissen“ oder „Informationen“ übertragen und im Gehirn gespeichert, vielmehr „Daten“[xi]. Als Beispiel führt er an: „Die Daten XYZ, die ein bestimmtes Wissen von Person B umfassen, können auf Person C übertragen werden. Für Person C stellt das u. U. eine Information dar, die schließlich in Form von Daten gespeichert wird. Zu Wissen von C werden diese Daten aber erst, wenn C sie selbst verifiziert bzw. falsifiziert hat“ [xii].

d)      Rieck nimmt Bezug auf die von der Mathematik und Elektrotechnik/Nachrichtentechnik entwickelte und später in der Informatik beheimatete „Informationstheorie“ von Claude Shannon. Dieser wollte „nicht Informationen an sich“ betrachten, denn „bei genauerer Betrachtung misst auch seine Einheit Bit nicht die Quantität der Information, sondern von Daten[xiii].

e)      „Daten“, nicht primär „Informationen“, haben ihre Funktion in den letzten Jahren verändert und ausgeweitet. Sie haben mehr und mehr die „Medien“ als wichtigste Intermediäre abgelöst. Gemäß dem US-amerikanischen National Science Board können „Daten“ als „jede Art von Information, die in digitaler Form gespeichert werden kann, inklusive Texten, Zahlen, Bildern, Videos oder Filmen, Audio, Software, Algorithmen, Gleichungen, Animationen, Modelle, Simulationen etc."[xiv] verstanden werden. Wie man an diesem Beispiel sieht, wird die Rolle der „Information“ zunehmend von den „Daten“ übernommen. Man gibt somit den „Daten“ die eigentliche wissensgenerierende Funktion. Vielleicht hat auch der inflationäre  Gebrauch des Begriffs der „Information“ diesen für weitere Definitionen und Abgrenzungen unbrauchbar gemacht bzw. hat sich dieser Terminus im Zeitalter der „Daten“ abgenutzt, denn „nahezu alles ist Information, nicht nur Nachrichten oder sonstige Mitteilungen…, sondern genauso die kulturellen oder wissenschaftlichen Inhalte von Büchern, Zeitschriften und sonstigen Medien“.

f)       Diese Überlegungen führen zu einer klaren Orientierung an „Daten“ mit der Folge, dass die „Informationen“ als Stufe der Wissenstreppe von North Gefahr laufen, vom „Daten-Verständnis“ vereinnahmt zu werden. Das aufstrebende Forschungsdatenmanagement belegt diese Tendenz, wie J. Schamberger unter Bezug auf T. Koltay herausstellt[xv]: „Die Forscher sind aber nicht in erster Linie an der Archivierung von großen Mengen an Rohdaten interessiert. Sie sind vielmehr an der Nutzung und Wiederverwendung von Daten sowie den darin enthaltenen Kontext interessiert, was dafür verantwortlich ist, dass die Unterschiede zwischen Daten und Information abgebaut werden“.

Bild

Zu diesem Verständnis von „Information“ gehören die folgenden grundlegenden Zusammenhänge:

1.“Verstehen“ und „Vorwissen“ ist nötig, das heißt, es braucht „… Menschen mit dem Wissen, auf der Grundlage dieser Informationen handeln zu können“[i]. Das bedeutet auch, dass Menschen und Organisationen mit ihren Fähigkeiten zusammenpassen müssen.“[ii]

2.„Daten“, nicht „Informationen“, werden im Gehirn gespeichert.

3.„Daten“ und „Wissen“ stehen in einem kausalen Zusammenhang, nicht Information[iii]. Folglich sollte die Wissenstreppe um eine Vorstufe, das Vorwissen, ergänzt werden. Dies wird auch durch die Ergebnisse der Neurobiologie nahegelegt.

Die Informationswissenschaft fühlt sich zwar für die „Information“ zuständig. Auch hat sich R. Kuhlen um ihre Einordnung bemüht. So spricht er bei „Information“ von einem „Wissen in Aktion“. Damit stellt er sich dem allgemeinsprachlichen Verständnis entgegen und stuft „Wissen“ in der Begriffshierarchie niedriger als die „Information“ ein, die er als „handlungsgebundenes (aktives) und gebrauchtes Wissen“ interpretiert. Auch die Wirtschaftswissenschaften haben in Anlehnung an W. Wittmann ähnlich gedacht und die Gleichung „Information ist zweckorientiertes Wissen“ aufgestellt. In beiden Fällen wäre es besser gewesen, von subjektivem „Vorwissen“ zu sprechen, das schrittweise über Falsifizierungsversuche dem nie erreichbaren objektiven Wissen angenähert werden soll.

Ansonsten aber quält sich die Informationswissenschaft seit Jahrzehnten mit der Schwammigkeit, Beliebigkeit, Unverbindlichkeit und fehlenden wissenschaftlichen Verankerung ihres Begriffes von „Information.“ „Die vielen Definitionen von Informationswissenschaft, die aus dem Fach selber unternommen wurden, sind weiter nützlich, wenn auch so gut wie keine erschöpfend verbindlich“[iv]. Die „Beliebigkeit“ des Umgangs mit der „Information“ gipfelt dann etwa in den Aussagen: „Informationswissenschaft ist letztlich immer das, welche Theorie von Information ihr zugrunde gelegt wird.“ [v] Und: „(Es gibt) keine allgemein anerkannte Definition von Informationswissenschaft und damit auch nicht von Information“[vi].

Kritiken an dieser Einstellung zu dem hauptsächlichen informationswissenschaftlichen Untersuchungsobjekt begegnete man eher gereizt und abweisend, wie die damalige Diskussion (ab 2010) zur „Kritik der Informationswissenschaft I+II“ belegte. Bredemeier hatte damals festgestellt: „Der Untersuchungsgegenstand „Information“ ist derart allgemein, dass sich zwingend weder wissenschaftliche Ansätze noch Fragen noch Verfahren ableiten lassen. Wie lässt sich eine Selbstkritik beginnen und fortsetzen, wenn solches die Ausgangspunkte sind?“ Und weiter: „Information“ und „Macht“ sind derart allgemeine Begriffe, dass sich von ihnen ausgehend keine empirisch gehaltvollen Theorien ableiten und schon gar nicht Prognosen gewinnen lassen. Dieses Schicksal teilen sie mit dem Begriff des „Systems“, das lediglich aussagt, dass irgendetwas „geordnet“ oder „invariant“ sei. Nicht, dass die real existierende Wissenschaft mit diesen Begriffen nichts anzufangen gewusst hätte. So trieben die kybernetische Informationstheorie und Systemtheorie großen Aufwand damit, unsere Welt in neue Begrifflichkeiten zu kleiden“ [vii].

Die Reaktion auf diese Kritik war für die Informationswissenschaft ziemlich typisch: R. Kuhlen, Mitherausgeber des informationswissenschaftlichen Standardwerkes „Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation“, bat noch in der sechsten Auflage 2013, es solle doch bitte, „..nicht unmäßig Energie auf eine Definition der Basisbegriffe oder der Disziplinbenennung ver(sch)wendet“, vielmehr dargestellt werden, „welche Ziele in dem jeweiligen Fach verfolgt, welche Probleme behandelt werden und welche Methoden dabei zum Einsatz kommen“ [viii].

Ein Teil der Theorielosigkeit, der wissenschaftlichen Heimatlosigkeit und der Randstellung der Informationswissenschaft ist damit zu erklären, dass sie sich über ihr hauptsächliches Untersuchungsobjekt, der Information, nicht im Klaren geworden ist. Da helfen auch die Ausreden nicht: „Die Informationswissenschaft ist eine Fachrichtung, die sich – vor allem aufgrund ihrer Interdisziplinarität – nicht mit wenigen Worten erklären lässt.“ Und weiter: „Wenn man Studierende fragt, was sie eigentlich studieren, bekommt man selten eine umfassende, klare und einheitliche Antwort“[ix]. Oder platt formuliert: „Die Informationswissenschaft arbeitet – wie auch der Name schon sagt – im Kern mit Information“[x].

Der Wandel von analoger zu digitaler Informationsverarbeitung hat die Informationswissenschaft im Grunde obsolet gemacht. Heute steht die Befassung mit der Kategorie „Daten“ und deren kausaler Zusammenhang mit der „Wissens“-Generierung (Erkennung von Mustern und Zusammenhängen, Prognosefähigkeit usw.) und neuronalen Verarbeitung und Speicherung im Zentrum der Forschung. „Mit Daten“ aber, so der Bibliothekar M. Rieck schon 2014, „befassen sich Informatiker und Nachrichtentechniker“ [xi].

Wäre die Wissenstreppe nach North auch für die Informationswissenschaft gültig, würde sie erkennen, dass die Befassung mit „Daten“ und die durch Vorwissen ermöglichte Interpretation von „Daten“ erst die Voraussetzungen schaffen, „Informationen“ als „kontextualisierte Daten“ zu verstehen, um „Informationen“ strukturieren, darstellen, erzeugen und suchen zu können.

Die Abhängigkeit der „Information“ von der Vorstufe der „Daten“ ist durch aktuelle Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz (KI) noch größer geworden. Das gilt mehr und mehr auch für die Fähigkeit der Daten-Modellierung in der Informatik. Auf dem Weg zur Echtzeit-Welt mit ihren Realtime-Daten wird die kontextbezogene domänenspezifische Fähigkeit der Dateninterpretation zum entscheidenden Skill. „Daten“ und „Information“ werden unzertrennbar. Hinzu kommt, dass „Daten“ als das neue „Öl“ bezeichnet werden, was die besondere Bedeutung der „Daten“ auf der Wissenstreppe unterstreicht: „Mit den klassischen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital kann man heute kaum mehr Wachstum generieren. Google und Amazon haben uns vorgemacht, dass Daten zu einem neuen Produktionsfaktor werden.“ Jede Industrie, die das nicht versteht, wird vom Markt verschwinden[xii].

Einige Zeit hegte die Informationswissenschaft die Hoffnung, dass ihr auf dem Terrain der „Information“ die „Reflexion der Bedeutung von Inhalten“ erhalten bleibe [xiii]. Dies wurde spätestens durch die Entwicklungen in der informatiklastigen KI zum Text-Mining und Content Management widerlegt. Damit bleiben für die Informationswissenschaft allenfalls hermeneutisch-informationssoziologische und -ethische Erörterungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften bzw. die Behandlung organisatorisch-technischer Fragen des Informations- und Wissensmanagements, sofern diese losgelöst vom Datenmanagement erfolgen können. Diese Herausforderung wird wie folgt formuliert: „Die „Aufgabe einer zeitgemäßen Informationswissenschaft entspricht der Analyse, Reflexion und Innovation aller Prozesse im Umgang mit Wissen und Information. Dies schließt die Bewertung der Folgen dieser Prozesse und ggfs. die Modellierung von Alternativen ein“ [xiv].

Beispiel KI-basierte Bilderkennung: Die algorithmisch-trainierten KI-Softwarelösungen erkennen schon heute Bildmuster und damit Gesichter mit höherer Erfolgswahrscheinlichkeit als das menschliche Gehirn. Das ist natürlich nicht alles (beispielsweise die Interpretation von Mimik und Gestik müssten hinzukommen). Aber es zeigt an, wie es weitergehen wird. “Inhalte“ können mit KI-Lösungen schneller datenanalytisch ausgewertet werden. Alles eine Frage des maschinellen Lernens, des Data- und Text-Mining und der Rechnerleistungen.

 

[i] K. North, R. Maier; a.a.O.; S. 5.

[ii] K. North, R. Maier; a.a.O.; S. 5.

[iii] Weitere gute und aussagekräftige Abgrenzungen zum „Informationsbegriff“ finden sich u.a. bei M. Rieck: Einige Gedanken zur deutschen Informationswissenschaft, 2014.

[iv] R. Kuhlen: Information – Informationswissenschaft, in: Hrsg.: R. Kuhlen, W. Semar, D. Strauch: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation, 6.Aufl., Berlin, Boston, 2013, S. 1-24, S.5.

[v] R. Kuhlen, a.a.O., S.5. (2013).

[vi] R. Kuhlen; a.a.O., S.7. (2013).

[vii] W. Bredemeier, Kritik der Informationswissenschaft I+II, in: http://eprints.rclis.org/14886/1/Kritik_der_Informationswissenschaft.pdf (Abruf 21.6.2018).

[viii] R. Kuhlen; a.a.O., S.7-8 (2013).

[ix] M. Siegel; Information - Wissenschaft & Praxis 2015; 66(4): 195–200.

[x] M. Siegel; Information - Wissenschaft & Praxis 2015; 66(4): 195–200.

[xi] M. Rieck: Einige Gedanken zur deutschen Informationswissenschaft, 2014; S.18

[xii] T. Weimer, in: DIE WELT, 2.9.2016, S.13.

[xiii] M. Rieck; a.a.O.; S.4.

[xiv] W. Gödert: Informationswissenschaftliche Besinnungen: Eine Nestbeschmutzung mit Vorschlägen zur Neuausrichtung; in: Hochschulverband.org 17.4.2016.

Lesen Sie in der nächsten Folge: Informationswissenschaft: In(formations)kompetenz versus Datenkompetenz

Open Science Conference

Empfehlungen gibt es genug –
jetzt geht es um die Umsetzung

Open Science Conference in Berlin in Trägerschaft des ZBW und des Leibniz-Forschungsverbundes Open Science mit 220 Teilnehmern aus Europa, USA, Afrika sowie Nord- und Südamerika. Das ZBW sieht die Ergebnisse der Veranstaltung so:  

• Open Science wird von diversen Akteuren umgesetzt und erprobt. Open Science gilt als anerkannt. Die Beiträge auf der Tagung zeigten, dass die Umsetzung durch verschiedene Akteure und wissenschaftliche Disziplinen in der Breite vorangetrieben wird. Ob Infrastrukturen, Werkzeuge, Trainings: die gezeigte Bandbreite ist groß. Dabei werden wichtige Erfahrungen gesammelt, wie Open Science funktionieren kann.

• Open Science wird sowohl top-down als auch bottom-up umgesetzt. Die beispielsweise durch die European Open Science Cloud und die Open Science Policy Platform geschaffenen Rahmenbedingungen zeigen Wirkung und der Fokus liegt nun auf der Umsetzung. Die Open-Science-Idee wird aber auch durch zahlreiche Bottom-Up-Bewegungen aus der Wissenschaft heraus gelebt, aus denen verschiedene Initiativen und auch Start-Ups hervorgehen.

• Ein offener Austausch muss etabliert werden. Open Science wird dann besonders nachhaltig umgesetzt, wenn alle Stakeholder stetig eingebunden werden und ein intensiver Austausch stattfindet. Dazu gehören neben den Wissenschaftseinrichtungen, Fachgesellschaften und Bibliotheken vor allem auch Geldgeber und Verlage. Die Entwicklung einer gemeinsamen Open-Science-Idee ist zentral und dieser Austausch muss auch global stattfinden.

• Wissenschaftsförderer sind die stärksten Enabler von Open Science. Wissenschaftsförderer sind zentrale Gestalter des Wissenschaftssystems. Wenn Open Science tägliche wissenschaftliche Praxis werden soll, sind zukünftig die Rahmenbedingungen zu verbessern und entsprechende Anreize zu schaffen.

Open Password kommt in Kürze auf die Open Science Conference zurück.

GBI-Genios

Vor dem Start einer neuen Suchmaschine

Interkulturelle Kompetenz
mit Videokursen von Lecturio

GBI-Genios kündigt „nach Monaten der Planung, Implementierung, Anpassung und Tests“ eine neue Suchmaschine an und will mit dem Roll-out in den nächsten Wochen beginnen.

Neu hinzugekommen sind viele Fachzeitschriften vom Nomos Verlag - bedirect Firmenkurzprofile Österreich - 71 neue ebooks (davon 21 Neuauflagen) vom Bundesanzeiger Verlag, Haufe, Schlütersche, Hampp, WBV media und UTB - ada der Handelsblatt Media Group - Tagesspiegel Checkpoint – sowie die Fachzeitschriften "stores+shops technology" (EHI Retail Institute) und "VISION mobility" (HUSS-VERLAG).Siehe auch www.genios.de/info/news_events_datenbanken


Ferner wurden diese Videokurse von Lecturio freigeschaltet: Fremdsteuerung und Unterbrechungen - Selbstmanagement und Eigenorganisation - Informationsflut im Griff - Meetings: wirksam und zielgerichtet - Optimale Gesprächsvorbereitung - Überzeugung: 12 hochwirksame Strategien - Preise selbstbewusst verkaufen: Teure Fehler vermeiden - hochwirksame Abschluss-Strategien - interkulturelle Grundlagen - interkulturelle Kompetenz: Arabische Länder - Interkulturelle Kompetenz: China - Interkulturelle Kompetenz: USA - Internationale Messeplanung - Internationaler Vertrieb - Virtuelle Teams – Mitarbeiterführung - wirkungsvolle Kommunikation als Erfolgsfaktor für Führungskräfte - Der überzeugende Medienauftritt für Führungskräfte - Schwierige Mitarbeitergespräche führen - Sichere Kommunikation - Am Telefon überzeugend auftreten - Grundlagen der Internen und Externen Unternehmenskommunikation - Adobe Premiere Pro – Grundlagenkurs - After Effects: Die Basics - After Effects und seine Effekte - Compositing- und Animationstechniken - Risk Management (RM) - Preparing Offers - Risk Management (RM) - Project Stage - Risk Management - After Project Completion - Lean Botschafter.

 

Open Password

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