Open Password - Donnerstag, den 11 April 2019

# 545



EU-Urheberrechtsreform - FAZ - Bild - Desinformation - Youtube - Markus Beckedahl - meedia - Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Künstliche Intelligenz – Information Professionals – Tim Brouwer – Ralf Lanwehr – FH Südwestfalen - Yannick Loonus – Semalytix - Gerold Frers – Siemens - Jens Köhler – Kantar Added Value – Willi Bredemeier – Fußball – Fußballberichterstattung – Julian Nagelsmann – TSG Hoffenheim – Klaus Schlappner – Waldhof Mannheim – KI-Affinität – Finanzwirtschaft – Pharmazeutische Industrie – Traditionalisten – Automatisierung  - KI-Skepsis – Zweikampfquoten – Fehlerkultur - Creditreform Boniversum - CUBE - Risk Management Solution - Smart Data - Adaptive Systems - Adrian Brosterhues-Niedziolka - MANZ - Rechtsdatenbank - SWR – ARTE – Translation, Übertragung, Transmission – Universität Tübingen – Maschinelles Lernen - ConTech Pharma - 7. European Conference on Information Literacy

EU-Urheberrechtsreform

So viel Desinformation
und falsche Behauptungen waren selten

„Ich habe viele netzpolitische Debatten in den vergangenen 20 Jahren erlebt. Keine davon war so verlogen wie diese. In Zeiten von gesellschaftlichen Debatten um Desinformation und sinkender Glaubwürdigkeit der Medien haben viele von diesen das Vertrauen vor allem der jungen Generation verspielt, indem sie zugunsten ihrer eigenen wirtschaftlichen Interessen die Wahrheit gedehnt und häufig selbst Desinformation betrieben haben. Allen voran: FAZ und Bild.

Wenn man sagt, dass Youtube hier im Hintergrund massiv Einfluss genommen hat, dann muss man genauso die Rolle der FAZ berücksichtigen, die dubiosen Lobbyisten massiv Platz zur Verfügung gestellt hat, um unhaltbare Thesen in den Raum zu stellen, etwa dass hinter der Kampagne im Netz vor allem Bots aus den USA stehen würden – ohne sich anschließend ausreichend zu korrigieren, als die These wie ein Kartenhaus zusammenfiel. Soviel Desinformation und falsche Behauptungen haben wir selten in einer netzpolitischen Debatte erlebt.

In: Markus Beckedahl, https://meedia.de/2019/04/05/triumph-der-reformunfaehigen-und-der-alten-medienwelt-warum-das-eu-urheberrecht-in-der-vergangenheit-stecken-bleibt/


Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg

„Wer bei KI nicht mitmacht,

hat schon verloren“

Takeoff in pharmazeutischer Industrie
und Finanzwirtschaft bereits gelungen

Von der Verfügbarmachung von Informationen zur Beratung der Kunden

Die Podiumsdiskussion auf der „Steilvorlagen“-Veranstaltung kann als Video-Mitschnitt unter https://youtu.be/PwcJxIUytVI auf www.infobroker.de gehört und gesehen werden. Bei dieser Veröffentlichung in Open Password handelt es sich zusätzlich zur Berichterstattung um eine publizistische Auseinandersetzung mit den Inhalten. Dazu gehören Gewichtungen und Interpretationen.

Die Podiumsdiskussion auf der “Steilvorlagen”-Veranstaltung stand unter dem Titel „Are we data rich but insights poor? Welches sind die kritischen Erfolgsfaktoren für das Geschäft der Informationsvermittler – heute und in Zukunft?“ Unter der Moderation von Tim Brouwer diskutierten der Keynote-Sprecher (Prof. Ralf Lanwehr, FH Südwestfalen) und die Referenten (Yannick Loonus, Semalytix – Gerold Frers, Siemens – Jens Köhler, Kantar Added Valuer) unter Einbeziehung des Plenums.

Von Willi Bredemeier

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 Die Zeit der Traditionalisten läuft ab.
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Noch einmal Fußball, aber mit Blick auf den möglichen Transfer von Erkenntnissen auf die Lage der InfoPros: Wie weit reichen die Plattitüden in den Sportkommentaren im deutschen Fernsehen („Wir wollten besser spielen und unsere Potenziale besser abrufen, aber heute lief es nicht so gut“), und wo beginnt die Analyse? Ähnlich wie Ralf Lanwehr in seiner Keynote brach Tim Brouwer eine Lanze für die britischen Sportreporter, die ihn auf Einzelheiten aufmerksam machten, die ihm während der Fernsehübertragung eines Spiels auch wegen der Kameraeinstellung entgangen waren.

Lanwehr nahm eine Polarisierung unter den Fußballtrainern hierzulande zwischen Technologie-Affinen und Traditionalisten an. Letztere seien in ihrer Opposition gegen den Einzug von Technik in der Fußballanalyse sehr fundamental. Während ein Trainer wie Julian Nagelsmann von der TSG Hoffenheim den neuen Technologien sehr offen gegenüber stehe, sich mit den Datenanalysten zusammensetze und aktiv Ergebnisse aus KI-Anwendungen anfordere, seien andere vielleicht altgediente Trainer, die gerade ihren Verein vor dem drohenden Abstieg zu retten suchten. Diese seien der Meinung, dass die Datenanalysten in einem Fußballverein nur stören würden und man diese „Datenmurkel“ besser nach Hause schicke. Prototyp dieser Art von Trainern ist womöglich Klaus Schlappner, der Waldhof Mannheim und die chinesische Nationalmannschaft trainierte und mit kessen Sprüchen gegen jede Art von Fußballtaktik auffiel („Viererkette, Halskette, Fahrradkette“). Allerdings, so relativierte Lanwehr, sei Affinität zu neuen Technologien wohl nicht eine Frage des Alters, vielmehr eine solche der Einstellung.

Und die Kunden? Ja, bestätigte Yannick Loonus, diese Trennung zwischen KI-Interessierten und KI-Distanzierten gäbe es bei den Kundenunternehmen auch. Dabei sei die dominierende Haltung der KI gegenüber zum guten Teil branchenabhängig. So seien im Finanzwesen oder in der pharmazeutischen Großindustrie bereits umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in KI-Anwendungen geleistet worden, werde bereits ein beachtlicher Umsatzanteil mit KI-basierten Produkten erwirtschaftet und könne der Wert von KI dort kaum mehr in Frage gestellt werden. Hingegen rege sich in mittelständischen Unternehmen häufiger Widerstand, sich mit den neuen Möglichkeiten zu befassen.

Und die Information Professionals? Ja, stimmte Gerold Frers zu, diese Polarisierung gäbe es bei den InfoPros gleichfalls. Er warnte jedoch davor, den „Traditionalisten“ von vornherein schlechtere Recherche- und Analyseergebnisse zu unterstellen. Vielmehr könne man mit verschiedenen Methoden zu wertvollen Ergebnissen kommen. Yannick Loonus bestätigte dies: Als er seinerzeit in eine Unternehmensberatung eintrat, waren die Schreibtische der Mitarbeiter von vielleicht 10.000 Büchern eingekeilt und lernte er Kollegen kennen, die auf der Basis von 25, 30 Jahren Erfahrung zu Ergebnissen kamen, über die Loonus nur staunen konnte. Er vermisse sie zum guten Teil weiterhin.

Aber haben die Traditionalisten auch zukünftig Chancen? Frers: Die steigende Datenflut zwinge dazu, sich mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen. „Wer nicht mitmacht, hat verloren, weil er bald den Anschluss verliert.“ Und ferner: „Nehmen wir diesen Steilpass auf. Packen wir´s an“ und kommen wir so zu besseren Ergebnissen.

Jens Köhler bestätigte: Die hereinkommenden Datenmengen seien mit händischen Methoden nicht mehr zu managen, so dass man bei Kantar Added Value beispielsweise bei Primärerhebungen oder beim Werbe-Tracking in die Automatisierung einsteigen bzw. diese ausbauen müsse. Allerdings habe der Analyst auch in Zukunft kraft eigener Kompetenz die Frage zu beantworten: Jetzt habe ich die Ergebnisse, aber was mache ich daraus? Hier, in der Bewertung der Ergebnisse und ihre Einordnung in einen Kontext spielt die Musik für den Analysten. Deshalb habe sich Kantar Added Value vom Verfügbarmacher von Informationen zu einem Beratungsunternehmen gewandelt. ________________________________________________________________________

Auch erkennen, was die KI nicht kann – Warum der „beste“ Innenverteidiger in der Bundesliga absteigen musste.
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Aber Künstliche Intelligenz ist nicht nur der unwiderstehliche Trend in nur eine Richtung. Lanwehr teilte die Akzeptanz von KI in drei Phasen ein: Der Phase der unbegrenzten Euphorie oder eines „wahnsinnigen Hypes“ bei KI folge die Phase der Enttäuschung, die ihrerseits durch die Phase der realistischen Einschätzung abgelöst werde. Der Referent empfahl den Kunden die gleiche Haltung gegenüber KI-Anwendungen wie gegenüber Regressionsgleichungen, nämlich eine gesunde Skepsis. „Ich habe den Eindruck, dass sich das bei den Information Professionals gerade zurechtruckelt.“

Zu einer realistischen Einschätzung gehöre auch ein Verständnis darüber, was eine KI-Anwendung alles nicht könne. Lanwehr gab dazu ein Beispiel wiederum aus dem Fußball: Es wurden Daten zu 178 Variablen gesammelt. Anschließend glaubten die Datensammler, sie hätten das Spiel damit erklärt. Als ob sich ein Fußballspiel, KI-basiert oder nicht, überhaupt erklären ließe.

Eine konkrete Anwendung war, dass man glaubte, die Qualität von Innenverteidigern beurteilen zu können. Als Indikator wurde die Quote gewonnener Zweikämpfe gewählt. Was man dabei nicht sah, war die Tatsache, dass Innenverteidiger mindestens über zwei Optionen verfügen, um den gegnerischen Angriff zu stoppen, nämlich Zweikämpfe zu gewinnen und Pässe abzufangen. Innenverteidiger, die viele Pässe abfingen, hatten eine schlechte Zweikampfquote, waren aber gleichwohl gute Innenverteidiger. Tatsächlich wurde der Innenverteidiger mit der besten Zweikampfquote in der Bundesliga bald in eine untere Spielklasse verbannt.

Lanwehr diagnostizierte allerdings einen Nachholbedarf für realistische Einschätzungen. Die Kunden hätten zwar gelernt, mit Regressionsgleichungen umzugehen und deren Ergebnisse gegebenenfalls infrage zu stellen. Aber bei KI-Anwendungen sei der Weg zum Ergebnis für sie eine „Black Box“ und man traue sich eine Kritik daran häufig nicht zu. Zu einer angemessenen Einschätzung von KI-Anwendungen gehöre auch, dass man sich nicht scheue, Fehler zu machen. Prof. Lanwehr empfahl wie schon in seiner Keynote, nicht eine Null-Fehler-Kultur anzustreben, sondern zu Experimenten zu ermutigen. Es müssten Mittel und Wege ersonnen werden, „intelligente Fehler“ zu belohnen statt sie zu bestrafen.

Dies schien eine Steilvorlage für Tim Brouwer zu sein, fragte er doch alsbald Gerold Frers und Jens Köhler, ob ihnen bereits „intelligente Fehler“ unterlaufen seien. Diese erinnerten sich in der Tat zum Teil nach etlichem Nachdenken an Fehler, die sie gemacht hatten. Die von ihnen vorgebrachten Beispiele schienen mir allerdings Fehler zu sein, die ohne das schmückende Attribut „intelligent“ ausgekommen wären. Auch schien mir ihre positive Wirkung vor allem darin zu bestehen, dass die Referenten gelernt hatten, sie nicht zu wiederholen. Beispielsweise solle man das Briefing mit dem Kunden nicht zu kurzfassen und beim Verdacht eines Missverständnisses nicht auf Nachfragen verzichten. Diese Empfehlungen sind für Information Professionals natürlich reine „Old School“.

Lesen Sie in der abschließenden Folge: InfoPros reich an Einsichten, außer bei neuen Strategien und Verfahren und ohne methodologische Transparenz - Wie kann Existenznöten von Informationszentren entgegengewirkt werden? 

Call for Papers 

ConTech Pharma 

19. September, ConTech Pharma, Millennium Gloucester Hotel London Kensington, SW7. Millennium Gloucester Hotel London Kensington, SW7. https://contechlive.com/contech-pharma-speaker-submission/ -

ConTech Pharmais a new event that focuses on the transformation of scientific content through data science, AI, machine learning and other emerging technologies, with a specific emphasis on what the implications are for the pharma and digital healthcare industry. – Main Topics:

• Content Focus – Exploring the data governance perspective such as FAIR data and the wider data lifecycle.

• Insight Focus – From the scientific perspective, such as whether we are talking:Target Discovery, Lead Discovery, Pre-Clinical, Clinical or Surveillance. The role of Predictive Analytics.

• Techniques Focus – From the AI, Data Science and Machine Learning perspective –techniques that have worked and are emerging.

• Decision Focus – from the business perspective – ethics, bias, transparency and socialising results.

 

Call for Papers

7. European Conference
on Information Literacy 

21.-24. September 2020, 7. European Conference on Information Literacy, in Bamberg. http://ecil2020.ilconf.org/. The European Conference on Information Literacy (ECIL) is organized by the Department of Information Management of Hacettepe University, Department of Information and Communication Sciences of Zagreb University and the Information Literacy Association. Main Topics:    

*   Fake news, alternative facts
*   Post-truth politics
*   Post-truth society
*   Algorithmic cultures
*   IL, disinformation and misinformation
*   Credibility and source evaluation
*   Critical thinking 
*   Information literacy and democracy, citizenship, active participation 
*   Information literacy, libraries, the public sphere 
*   Information literacy and ethical/social issues 
*   Information literacy in everyday life  
*  Information literacy and digital empowerment 
*   Information literacy and trans/inter/multiculturalism 
*   Information literacy and community engagement 
*   Information literacy and social change 
*   Information literacy as emancipatory pedagogy 
*   Information literacy and inclusive education 
*   Information literacy and lifelong learning 
*   Information literacy in theoretical context (models, standards, indicators) 
*   Information literacy and related concepts (transversal competencies, media literacy, news literacy, data literacy, civic literacy, transliteracy, metaliteracy, e-literacy, digital literacy, computer literacy, scientific literacy, visual literacy) 
*   Information literacy research (research strategies, methodology and methods) 
*   Information seeking and information behavior 
*   Information literacy good practices 
*   Information literacy networks and networking 
*   Information literacy policies and policy development 
*   Information literacy and libraries (college and university libraries, school libraries, public libraries, special libraries) 
*   Information literacy and LIS education 
*   Information literacy and knowledge management 
*   Information literacy across disciplines 
*   Information literacy in different cultures and countries  
*   Information literacy in different contexts (law, health, etc.) 
*   Information literacy and education 
*   Information literacy education in different sectors (K-12, higher education, vocational education) 
*   Information literacy instruction (curriculum development, instructional design, teaching techniques and methods, Web-based training, e-learning, measurement and evaluation, promotion and marketing, training the trainers, partnership, collaboration across professions, teacher education, integrating into curricula) 
*   Information literacy for different groups (adults, children, young people, disadvantaged groups) 
*   Information literacy in the workplace 
*   Information literacy and employability   

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