Open Password - Donnerstag, den 31. Januar 2019

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ZBW – Forschungsbibliothek der Wirtschaftswissenschaften – Informationsinfrastruktur – Clemens Fuest – Theresia Theurl – Institut für Weltwirtschaft – Leibniz-Gemeinschaft – Königliches Institut für Seeverkehr  und Weltwirtschaft – Universität Kiel – Bernhard Harms – Eugen Böhler – Wilhelm Gülich – Qualifizierung – Nationalsozialismus – Zweiter Weltkrieg – Auslagerung – Svenska Dagbladet – Schweizerische Handelszeitung – Gertrud Savelsberg – Erwin Heidemann . Bisnode - D&B - Know Your Customer

 

100 Jahre ZBW

 

Von der „Dienerin der Forschung“
zu DER „Forschungsbibliothek der Wirtschaftswissenschaften“


Überleben im Krieg und
Rückkehr nach Kiel

 

„100 Jahre ZBW ist ein bemerkenswertes Ereignis, zu dem ich sehr gerne gratuliere!
Mir ist keine Institution bekannt, der eine so bemerkenswerte Transformation
von einer Bibliothek zu einer modernenInformationsinfrastruktureinrichtung
gelungen ist wie der ZBW.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest, Präsident des ifo Institut München

 

„100 Jahre ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft sind die Erfolgsgeschichte einer Institution, die es immer wieder geschafft hat, ihr Leistungsprofil und ihre Arbeitsschwerpunkte an sich ändernde Anforderungen aus Wirtschaft und Gesellschaft sowie der Wissenschaftspolitik behutsam anzupassen und dabei Standards zu setzen.“

Prof. Dr. Theresia Theurl, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Am 1.Februar 2019 feiert die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft ihren 100. Geburtstag und blickt damit auf einhundert Jahre Bibliothekshistorie zurück. 1919 gestartet als kleine Institutsbibliothek mit acht Angestellten und als Abteilung des Instituts für Weltwirtschaft gestartet, ist die ZBW heute eine selbstständige Stiftung des öffentlichen Rechts und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft mit rund 300 Beschäftigten, einer Forschungsabteilung und Kooperationspartnern aus aller Welt.

Der Beginn. Die Geschichte der ZBW war zunächst königlich. Die Bibliothek war wesentlicher Bestandteil des 1914 gegründeten Königlichen Instituts für Seeverkehr und Weltwirtschaft an der Universität Kiel. Stellte in den Anfangsjahren noch jeder Forscher – es waren nur Männer – seine Bücher und Berichte in sein eigenes Büro oder in den Flur, war dies dem Institutsgründer Bernhard Harms schnell zu unprofessionell. 1919 wurde deshalb die Bibliothek als eine eigenständige Abteilung des Kieler Weltwirtschaftsinstituts gegründet. Der Ökonom Eugen Böhler nahm als erster Bibliotheksleiter am 1. Februar 1919 die Arbeit auf. Das war die Geburtsstunde der ZBW.

1920 zog das Wirtschaftsforschungsinstitut vom Schlossgarten ins Gebäude der sogenannten Seebadeanstalt, einem ehemaligen Hotel, ans Ufer der Kieler Förde. Dort fand die Bibliothek nach umfänglichen Umbauarbeiten genügend Platz. Es gab erstmals ein Magazin zur Lagerung der mittlerweile 35.000 Bände sowie einen großen Arbeitssaal, einen kleineren Lesesaal, eine Bücherausgabe, einen Zeitschriftenraum sowie ein ausgefeiltes Telefon- und Rohrpostsystem.

Lesesaal in der Seebadeanstalt an der Kieler Förde (um 1920).


20er Jahre: die Bibliothek als „Dienerin der Forschung“
. 1924 trat Dr. Wilhelm Gülich an die Spitze – ein Ökonom, der die Bibliothek maßgeblich voranbrachte. Mit Gülich führte ein Mann die Bibliothek, für den die Bibliotheksleitung nicht eine Station auf dem beruflichen Weg, sondern sein Lebenswerk war. Der bei Bernhard Harms promovierte Ökonom erforschte die Bedürfnisse der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschung und dachte die Bibliothek als „Dienerin“ der Forschung. Er war bereit, die Bibliotheksstruktur den Bedürfnissen der Forschenden anzupassen.

Um wirtschaftswissenschaftliche Expertise ins Haus zu holen, ermutigte Gülich seine Mitarbeiterinnen, von denen in den 1920er Jahren noch keine eine Hochschulausbildung hatte, sich im Berufsalltag zu qualifizieren und holte sich zudem wissenschaftlich geschultes Personal ins Haus. Mit dieser Bereitschaft, sich ganz auf die Besonderheiten einer wirtschaftswissenschaftlichen Spezialbibliothek einzulassen, betrat Wilhelm Gülich bibliothekarisches Neuland.

Überleben in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg: Auslagerung der Bestände in den Ratzeburger Dom.


Überleben im Krieg.
Mit der Machtübernahme des NS-Regimes 1933 waren die goldenen Jahre der Freiheit vorbei. Das Institut für Weltwirtschaft übernahm Forschungsarbeiten im Auftrag der Wehrmacht und erstellte während des Zweiten Weltkrieges rund 2.000 geheime Gutachten und Ländermappen. Die Bibliothek erhielt umfangreiche Sonderrechte. Bücherverbrennungen und Plünderungen blieben an der Kiellinie aus. Der Zugang zur Literatur wurde jedoch streng kontrolliert und unerwünschte Bücher waren nur noch für Forschende mit Erlaubniskarte einsehbar. Verbotene Bücher bekamen rote Aufkleber, geheime Schriften grüne.

Das zerstörte Institut für Weltwirtschaft einschließlich seiner Bibliothek.


Während des zweiten Weltkrieges war Kiel als Marinehafen und Werftstandort ein bevorzugtes Ziel für Luftangriffe. Wilhelm Gülich wollte die Bibliothek in Sicherheit bringen. Die Vorbereitungen mussten in aller Stille und nur mit den engsten Mitarbeiterinnen erfolgen, denn eine offizielle Genehmigung für eine Auslagerung gab es nicht. 1942 fand Gülich einen geeigneten Ort im Ratzeburger Dom. Mit mehreren LKW-Fahrten wurden Bücher, Kataloge und Technik nach Ratzeburg gebracht. Die Verlegung aller Bestände erforderte 45 Waggons, sechs große Möbelwagen und 24 Lastwagen. Bevor das Institut für Weltwirtschaft zerbombt wurde, waren sämtliche Bücher gerettet.

Die Bibliothek in den Nachkriegsjahren. Nach Kriegsende sollte die Bibliothek umgehend zurück nach Kiel. Dem stellte sich Wilhelm Gülich entgegen, denn es gab keine geeigneten Räume. 4.000 Quadratmeter wurden benötigt, die Größe eines Fußballfeldes. Doch das war 1945 in einem völlig zerstörten Kiel unrealistisch. Und so blieb die Bibliothek bis 1949 in ihrem Exil in Ratzeburg. Ein Fahrdienst transportierte wöchentlich Bücher für die Forschenden nach Kiel und wieder zurück.

Dr. Wilhelm Gülich, Direktor der Bibliothek 1924 bis 1960: Die Bibliothek als Dienerin der Forschung gedacht. Das Bild wurde 1953 aufgenommen.

Im Sommer 1949 zog die Bibliothek wieder zurück nach Kiel, in eine Kaserne im Stadtteil Kiel-Wik. Die Presse in ganz Deutschland und auch die internationalen Medien (z.B. Svenska Dagbladet, Schweizerische Handelszeitung) berichteten über den Umzug und die Bedeutung dieser wirtschaftswissenschaftlichen Spezialbibliothek.

Die Nachkriegsjahre waren geprägt durch intensives Netzwerken. Die Bibliothek nahm ihre internationalen Tauschbeziehungen wieder auf, pflegte Kontakte zur Politik und zu nationalen und internationalen Bibliotheken. Mitte der 1950er Jahre arbeiteten 80 Beschäftigte für die Bibliothek.

1960 starb Gülich. Prof. Dr. Gertrud Savelsberg übernahm für eine Übergangszeit die Leitung. 1961 wurde Dr. Erwin Heidemann, der schon seit 1944 für die Bibliothek tätig war, Bibliotheksdirektor und leitete die Bibliothek dreißig Jahre lang.

Die Bibliothek und ihre Kataloge: Rückkehr nach Kiel, in eine Kaserne in Wik.

Die Forschungsbibliothek für die Wirtschaftswissenschaften. Die Sammlung der Bibliothek war in den 1960er Jahren nicht nur die größte der Bundesrepublik. Sie war aufgrund ihrer aktuellen und schnell bereitgestellten Werke DIE Forschungsbibliothek für die Wirtschaftswissenschaften. Nach ausführlicher Evaluierung verlieh die Deutsche Forschungsgemeinschaft der Bibliothek an der Förde 1966 den Status der Zentralbibliothek der Wirtschaftswissenschaften in der Bundesrepublik – ZBW. Dies qualifizierte sie gleichzeitig für eine Gemeinschaftsförderung von Bund und Ländern. Ihr offizieller Sammlungsschwerpunkt war nun die Volks- und Weltwirtschaft. Zwei Jahre später wurde der einmillionste bibliografische Band katalogisiert.

1971 erhielt die Bibliothek einen Neubau. Zum ersten Mal seit der Auslagerung 1942 befanden sich Forschung und Bibliothek wieder an einem Ort, an der Kiellinie. Das neue Gebäude – der „Kubus“ – wurde mit neuester Technik ausgestattet und bot Platz für 30 Regalkilometer.

Doch schon wenige Jahre nach dem Einzug in den Kubus reichte der Platz für den wachsenden Bestand nicht mehr aus. 1981 waren die 30 Regalkilometer komplett ausgelastet. Doch nicht nur der Platzmangel war ein Problem, auch Bauschäden machten die Arbeit zunehmend schwieriger. Ein größerer Neubau musste her.

Lesen Sie in der abschließenden Folge: Die ersten Schritte in Richtung Digitalisierung und Vernetzung – Eine Bibliothek für alle Wirtschaftswissenschaften in Deutschland – ZBW als forschungsbasierte Informationsinfrastruktur

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Quelle: BIIA

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