Open Password - Montag, den 10. Dezember 2018


#483


Michael Klems – Change Management – Berufliche Krisen – Napoleon – Qualifikationsprofile – Finanz- und Versicherungsbranche – Information Broker – Informationszentren - Informationsanbieter- Thomson Reuters - Reuters - DEAL - Springer Nature - Sci-Hub - Alexandra Elbalyan . MATH - Dow Jones - Dow Jones Risk - Compliance - Internationaler Handel - AOL - Yahoo - Datenschutz - Kinder - China - Plan S - Open Access


Mitten im Umbruch

Das digitale Waterloo als Chance
für Information Professionals

Vor der Wahl zwischen Kündigung
und strategischer Neuausrichtung

Ein Brief an die Branche von Michael Klems

In vielen Fällen sind wir nur dann zu einer Veränderung bereit, wenn wir dazu gezwungen werden. Zu sehr ist man Alltagsdingen, Automatismen und vor allem anderen in einer Komfortzone gefangen. Die Sicherheit, die uns dies gibt, ist jedoch trügerisch und kann jäh und schnell beendet sein. Auch in mehreren vorangegangenen Beiträgen habe ich auf die Gefahr einer beruflichen Kernschmelze hingewiesen und nach Möglichkeiten einer angemessenen Antwort gefragt ("EXIT STrategien für den Ausstieg siehe Link zum Artikel >> ).

Beginnen wir mit einer kurzen Geschichte aus einem Film. In einem Unternehmen wird einem Mitarbeiter gekündigt. Aus heiterem Himmel erklärt der Chef dem Angestellten, dass er Großartiges leiste. Dennoch müsse er ihm kündigen. Einige Jahre sind vergangen, da sieht man den Mitarbeiter vor einem Hotel aus seinem Sportflitzer steigen und dort seinem früheren Chef am Hoteleingang begegnen. Dieser mustert erstaunt seinen ehemaligen Angestellten, der offensichtlich wohlhabend geworden ist. Sein “Hallo, wie gehts?” entgegnet dieser mit einem: “Vielen Dank für alles. Das Sie mich damals gekündigt haben, war das Beste, was mir passieren konnte. Ich habe erkannt, dass ich zu mehr befähigt bin als in Ihrem Unternehmen ausführend tätig zu sein. Ich habe so viel in den letzten Jahren erreicht - nochmals Danke!”.

Der ehemalige Mitarbeiter hat also aus der Krise etwas geschaffen. Die Niederlage wurde als Chance gesehen und zum Aufbruch in etwas “Neuem” verstanden und erfolgreich genutzt. Nur ein Film?  Ein Film kann der Realität durchaus nahekommen, auch wenn die Traumfabriken dafür sorgen, dass die „Happy Ends“ häufiger sind.

 

Finden sie bitte ihren eigenen Weg - der Vlog berichtet über meine Ziele als InfoPro für das kommende Jahr - https://youtu.be/-VSW9UUxgpg

Krisen sollten als Chance zur Veränderung verstanden werden. Nichts läuft geradlinig. Dies zeigt bereits die Geschichte. Sieht man sich den Werdegang von Napoleon Bonaparte an, so entdeckt man jede Menge Richtungswechsel in der Karriere eines Adeligen, Feldherrn und Kaisers, der Europa über viele Jahre in Atem hielt, bis er nach Waterloo alle Optionen verspielt hatte. In der heutigen Zeit sind die Arbeitsjahre in einem Unternehmen ohnehin begrenzt. Die Zeiten, in denen der Arbeitnehmer von der Ausbildung bis zur Rente in einem Unternehmen blieb, sind mehr oder minder vorbei. Mittlerweile werden für Führungspositionen Kenntnisse aus anderen Unternehmen und womöglich berufliche Engagements im Ausland verlangt. Durch die rasante Entwicklung der Technik befinden sich die verlangten Qualifikationsprofile kontinuierlich im Fluss und existieren Serviceleistungen, die eben noch stark nachgefragt wurden, auf einmal nicht mehr.

Mit diesen Entwicklungen müssen sich die Information Professionals in den Unternehmen und auf dem freien Markt auseinandersetzen. Die Domäne “Gatekeeper” für Datenbank-Zugriffe ist vorbei. Dies haben die Datenbankhosts seit einigen Jahren erkannt und ihre Angebote auf die breite Masse der Mitarbeiter über Intranets und offene Webplattformen verteilt. Dieser Prozess verläuft in den verschiedenen Funktionsbereichen des Unternehmens schleichend, wird aber durch die Digitalisierung und den Einsatz von Lösungen auf der Basis Künstlicher Intelligenz stark beschleunigt. Die Finanz- und Versicherungsbranche erlebt diese Umbrüche aktuell in voller Härte.

Ja, ich wiederhole mich hier in meinen Ausführungen aus vorangegangenen Beiträgen, aber hier sind Wiederholungen nötig, um die Härte der laufenden Umbrüche deutlich zu machen. Manchmal jedoch führen diese Härten zu einer Neuausrichtung und so sollte es sein. Waterloo und die Folgen muss nicht zu einem nicht mehr aufzuhaltenden Schicksal werden, auch wenn der Niedergang so mancher Informationsdienstleistung mit ICE-Geschwindigkeit auf die Information Professionals zurast. Die hohe Kunst besteht vielmehr darin, die strategische Neuausrichtung und den sich daraus ergebenden aktiven Wandel früh zu initiieren. Dabei ist mir bewusst, dass die Hektik des Tagesgeschäfts und die Skepsis der Geschäftsleitung den Aufbau einer neuen Serviceleistung erschweren. Für die freien Information Professionals mag die Neuerfindung des eigenen Geschäftes einfacher sein, zumal man als Selbständiger sowieso flexibel agieren muss. Aber auch hier mag der fehlende Blick über den Tellerrand und die vermeintliche Marktkenntnis Innovationen verhindern, da sich das eigene Ego, das bislang doch erfolgreich war, nur schwer überzeugen lässt. Läuft das eigene Unternehmen auch noch auf Hochtouren, sind Ressourcen für ein Projekt des aktiven Wandels kaum frei zu bekommen.

Mir sind Kollegen bekannt, die nun gern als nächstes die Masterlösung und die Rezeptur für eine neue erfolgreiche Dienstleistung lesen möchten. Leider muss ich sie enttäuschen. Es gibt keine Erfolgsschablone für innovative Produkte und Serviceleistungen. Bekannt sind Vorgehensweisen, um sich diese zu erarbeiten. Aber auch hier liegen Wagnisse und Gefahren eines Scheiterns vor.

Dennoch sollten sich Information Professionals den bestehenden Chancen öffnen und in einer Zeit radikalen Wandels nicht das „Weiter so“ wählen. Die unsanfte Methode, nämlich zum Change gezwungen zu werden, wäre wie in der eingangs erzählte Geschichte Ihre Kündigung. Sie haben die Wahl.

Herzliche Grüße Michael Klems

Provider´s Corner

 

Thomson Reuters entlässt 3.200 InfoPros,
das ist jeder achte

Thomson Reuters is eliminating 12% of its global workforce. The news and information company is drastically shrinking its staff, cutting 3,200 jobs and closing 55 offices by 2020. Reuters says it will employ roughly 23,800 people -- down from its current workforce of 27,000. 

DEAL macht Fortschritte mit Springer Nature.  Springer Nature and Project DEAL of the Alliance of Science Organisations in Germany have made considerable progress in their negotiations on a groundbreaking model for publishing and reading scientific literature. The joint objective of Springer Nature and Project DEAL is to bring negotiations to a successful conclusion by mid-2019 at the latest. 

Moskauer Gericht blckiert wahrscheinlcih russisches Sci-Hub . The Moscow City Court ruled that Sci-Hub should be blocked in the country following complaints from the academic publishers Elsevier and Springer Nature, who alleged intellectual property infringement. As a result, Russia’s state media regulator Roskomnadzor has blocked Sci-Hub and related mirror sites. It is believed that Alexandra Elbakyan, who founded Sci-Hub in 2011, operates the site out of Russia. 

MATH mit neuen Funktionen für Autore. The 2nd 2018 #zbMATH interface release provides now much more seach options especially for authors https://zbmath.org/authors/  and serials https://zbmath.org/serials/  - e.g., search may include subjects, OA and indexing status, name parts, awards, timeframe, or many external IDs.

Dow Jones mit Compliance-Lösung im internationalen Handel. Dow Jones Risk mit Compliance has launched ExImCheck (‘Export-Import Check’), a new solution that enables efficient, auditable checks for trade compliance risk. ExImCheck is a web-based tool that allows financial services firms and international trading companies to search for dual-use goods, counterparties, locations or vessels through a simple user interface.

New Yorker Gericht verurteilt AOL für Verletzung des Datenschutzes für Kinder.. Oath, the owner of AOL and Yahoo, has agreed to pay about $5 million to settle charges from the New York attorney general that the media company’s online advertising business was violating a federal children’s privacy law. AOL, through its ad exchange, helped place targeted display ads on hundreds of websites that it knew were directed to children under 13. The attorney general’s office said that the ads were placed by using personal data, like cookies and geolocation information, in violation of the Children’s Online Privacy Protection Act of 1998, which is known as Coppa.

China stellt sich hinter Plan S. In a huge boost to the open-access movement, librarians and funders in China have said that they intend to make results of publicly funded research free to read immediately on publication. The move includes a pledge of support for Plan S, a bold initiative launched in September by a group of European funders to ensure that, by 2020, their scientists make papers immediately open.

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