Open Password - Freitag, den 16. November 2018


#469

 

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Charisma – KI – Versicherungsmarkt – Fehlerkultur – Katrin Scheibe – Universität Düsseldorf – Ralf Lanwehr – Führung – Yannick Loonus – Big Data – Unstrukturierte Daen – Social Media – Knowledge Agent – Firmen Wissen – wti – Gerold Frers – Patentrecherche  - Jens Köhler – Versicherungsmarkt - Navigator

 

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg 2018

KI als Mittel zur Effizienzsteigerung

Von Daten zu Einsichten
im Versicherungsmarkt

Die Bedeutung intelligenter Fehler

Von Katrin Scheibe, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg 2018 begann mit einem entspannten Networking bei einer reichen Auswahl an Getränken. Bei einem Blick durch die Runde erkannte man die ersten bekannten Gesichter. Sobald man sich eingeschenkt und an einem der Stehtische Platz genommen hatte, wurde man direkt in das erste Gespräch einbezogen. Man fand schnell gemeinsame Gesprächsthemen und diese nicht nur aus dem Bereich „Information und Daten“.

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Was Fußball mit Daten zu tun hat und die notwendigen Qualitäten der Führungskräfte
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Key-Note-Sprecher Prof. Dr. Ralf Lanwehr, Professor für Internationales Management an der Fachhochschule Südwestfalen, begann seinen Vortrag über „Sinnvolle digitale Führung“ mit Fußball und was dieser mit Daten zu tun hat. Dazu präsentierte er ein Beispiel: Der so genannte „Footbonaut“, eine KI(Künstliche Intelligenz)-gesteuerte Maschine, spielt einem Profifußballer Bälle zu, der in der Mitte eines quadratischen Feldes steht. Dieser muss den Ball in ein angegebenes Zielquadrat auf dem Feld zurückspielen. Die KI spielt die Bälle daraufhin so zu, dass die Lernkurve des Fußballers optimiert wird. Auch kann mit Hilfe von Maschinen ein Bewegungsprofil eines Spielers erkannt werden. So lassen sich diejenigen Spieler ermitteln, welche für den Profifußball geeignet wären und welche nicht.  

Lanwehr sprach die zunehmende Digitalisierung und Virtualität an, die Verunsicherungen ins Unternehmen trügen. Führungskräfte sollten gerade in Zeiten der Unsicherheit mehr Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern zeigen. Lanwehr dazu: „Menschen unterschätzen die positiven Gefühle, die Lob auslösen.“ Wohingegen Peinlichkeit und Unangemessenheit völlig überschätzt würden. Wie kann man als Führungskraft ein Gefühl von Wertschätzung herstellen? Hierfür nannte der Referent vier zentrale Punkte: 1. Lob und Anerkennung explizit machen, 2. Zeit miteinander (mit seinen Mitarbeitern) verbringen, 3. Aufmerksamkeit zeigen, und 4. hilfsbereit sein, also: sich kümmern.

Außerdem ist Charisma für eine Führungskraft wichtig, von Lanwehr beschrieben als „symbolischer Einfluss basierend auf Werten“ und als jener Einfluss, der Mitarbeiter bewegt, das zu tun, was man gerne hätte. Auch hier sollten vier Eigenschaften vorhanden sein, um charismatisch zu wirken: 1. eine Vision vermitteln, 2. Risiken eingehen, 3. erkennen, was den Menschen wichtig ist, 4. ungewöhnliches bzw. unerwartetes Verhalten zeigen (z.B. Gandhi, der für sein Volk ins Gefängnis ging). Lanwehr wurde für seinen Vortrag selbst Charisma zugesprochen und erwies sich als guter Unterhalter. (Video: https://youtu.be/nF143_KkaZ0
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Wettbewerbsvorteile durch Strukturierung von „Dark Data“.
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Yannick Loonus, Chief Sales Officer von Semalytix, ordnete Dark Data als Teil von Big Data ein. Durch strukturierte Daten gelange man in der Recherche 300-mal so schnell zu dem gewünschten Ergebnis als mit unstrukturierten Daten. Dennoch müsse man „den Ozean aus Dark Data zähmen“ um mittels strukturierter Daten die erwünschte Schnelligkeit zu erreichen. Dafür sei der Einsatz mehrerer Systeme und Künstlicher Intelligenz unentbehrlich. Zum Beispiel ist es möglich, Social-Media-Daten und Daten von Webseiten zu untersuchen, diese lägen jedoch meistens unstrukturiert vor. Loonus fragte: „Wie funktioniert das Verstehen eines Textes für den Computer?“ und antwortete mit Hilfe eines Beispielsatzes. Zunächst werden die Entitäten innerhalb eines Satzes erkannt, dann die vorherrschenden Beziehungen zwischen ihnen identifiziert[KS1]  und eine Sentiment-Analyse durchgeführt. Was dem Publikum in drei Minuten an einem Beispielsatz gezeigt wurde, kann durch Künstliche Intelligenz in kürzester Zeit für Millionen Sätze durchgeführt werden. Man ahnt die Möglichkeit einer gigantischen Effizienz-Steigerung. Loonus gab ein Beispiel für den Einsatz von KI an, mit dem ein Wettbewerbsvorteil erzielt wurde. Aus Stellenanzeigen für den pharmazeutischen Arbeitsmarkt wurde ermittelt, dass man die Forschung in einem bestimmten Krankheitsbereich ausbauen sollte und dann rasch vielversprechende Ergebnisse zu erwarten seien. (Video: https://youtu.be/QR2S3DrX8tc

Lebhaft: Prof. Dr. Ralf Lanwehr in der Podiumsdiskussion (l.n.r. Tim Brouwer, Yannick Loonus), Foto: Stephan Holländer

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Knowledge Agent, Firmen Wissen, wti.
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In einem „Elevator Pitch“ stellten Repräsentanten von drei Sponsoren ihr Unternehmen in jeweils drei Minuten vor. „KnowledgeAgent“ ist im Bereich Business Research tätig. Bei 80% der Aufträge handele es sich um „Ad-Hoc Research“, welches innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen wird. Des Weiteren werden strategische Wettbewerbsanalysen für die Bereiche Digitale Transformation, Market Intelligence und Data Analytics durchgeführt, was zu Aufschlüssen und Handlungsempfehlungen beispielsweise zu internen Daten, Datenmanagement, Datenvisualisierung, Datenbeschaffung, Datenstrukturierung und Informationsgewinnung führt. (Video: https://youtu.be/1WRr5spJSk8)

„Firmen Wissen“ von Creditreform hat aktuell Zugriff auf 4,1 Millionen tagesaktuelle Unternehmensdaten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Eine Suche kann anhand von 35 Parametern erfolgen. Es wurden die drei Nutzungsmöglichkeiten (Basis, Premium und eine Option für Unternehmen mit großem Rechercheaufkommen) vorgestellt, wobei die Basis-Version kostenfrei ist. (Video: https://youtu.be/qQCpui74MbM)

wti (früher: FIZ Technik) baut auf vierzig Jahren Erfahrung auf und stellte seine Aktivitäten in den Bereichen Datenbanken, Datenstrukturierung und Thesaurus (derzeit mit über 180.000 Begriffen) vor.  Das neue Produkt TecGame bietet „Blended Learning“ mit didaktisch aufbereiteten Inhalten sowie Event Gaming an. Die Datenbank Polymer Library wurde von Smithers übernommen und INFODATA von der Fachhochschule Potsdam wird ab 2019 von der wti weitergeführt. (Video: https://youtu.be/gAL-e4sdMNs)

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Patentinformationen im 21. Jahrhundert.
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Gerold Frers, Leiter der „Search and Information“-Abteilung bei Siemens, ging auf Schwierigkeiten bei den Patentanmeldungen aus Asien ein. Diese nehmen besonders seit fünf Jahren zu. Mittlerweile beträgt die Zahl chinesischer Patentveröffentlichungen im Jahr zwei Millionen Dokumente. Es kostet einen enormen Aufwand, diese Dokumente in einer anderen Sprache und einer anderen Schrift für westliche Nutzer verständlich zu machen. Zudem wird für ein vertretbares Ergebnis meistens fachliches Hintergrundwissen benötigt. Bei Recall und Precision stellen gefundene nicht relevante Ergebnisse (Ballast) und im System vorhandene jedoch nicht gefundene Ergebnisse (Verlust) weitere Herausforderungen dar, ebenso die Massen an Daten und komplexe Klassifikationssysteme. Ein Rechercheur muss die Ergebnisse bewerten können.  

Das Beratungsgespräch mit dem Auftraggeber ist das A und O der Patentrecherche. Dabei geht es nicht nur um das Suchen und Finden, sondern auch um das darauf aufbauende Analysieren und die Präsentation der Ergebnisse. Trotz hoher Qualitätsansprüche darf das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht aus den Augen gelassen werden und lassen sich mit Sicherheit nicht immer alle Dokumente durchsuchen. Auch ein Null-Ergebnis stellt ein Ergebnis dar, das ein Rechercheur vertreten können muss. Datenzuwachs und steigende Ansprüche an die Qualität der Ergebnisse machen den Einsatz Künstlicher Intelligenz unabdingbar. Als Beispiel für frei verfügbare Daten wurde Google Patents genannt. Hier hätte man sich noch mehr Zusammenhänge gewünscht, die den Zuhörern weniger vertraut waren. (Video: https://youtu.be/Epwmd-DX5sA )
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Strukturierte Daten im Versicherungsmarkt.
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Jens Köhler, Director bei KantarAddedValue (Versicherungsmarkt), stellte den Market Navigator für die Zielgruppe Versicherungsunternehmen vor. Navigator will „aus Informationen Insights zu machen“. Auf dem Informationsmarkt kämen ständig neue Informationen, neue Gesetze und neue Produkt hinzu und es sei schwierig, die Wettbewerbsbreite zu überschauen. Hierfür werde Content Screening eingesetzt. Dabei sei es wichtig, die Relevanz der Daten zu erkennen und die unterschiedlichen Interessen der Branche abzudecken. [KS1] So gäbe es einen monatlich und einen vierteljährlich erscheinenden Smart Report. Neue Entwicklungen sowie Chancen und Potentiale würden visualisiert dargestellt. Gleichzeitig gehe es darum, neue Themen und Änderungen auf dem Markt zu identifizieren und in der Berichterstattung zu bringen und dabei auch einen Blick auf voraussichtliche künftige Entwicklungen zu wagen. Dem Auftraggeber präsentiere man eine Sammlung komprimierter Daten sowie eine Verknüpfung von Themen und Informationen. Über die schriftliche Berichterstattung hinausgehend sei der direkte Austausch mit den Kunden sehr wichtig. (Video: https://youtu.be/2sKsoIdatLc)

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Genügend Einsichten, aber Mangel an informierten Entscheidungen.
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Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion bestand aus den vorherigen Referenten.  Im gegenwärtigen „Hype“ um Künstliche Intelligenz müssten die Unternehmen Resourcen bereitstellen und Experimente ermöglichen. Dabei sei es auch nötig, „intelligente Fehler“ zuzulassen. Mehrere Referenten geben ihre Fehler aus der Anfangszeit zu und sagen, dass sie daraus gelernt hätten. „Are we data rich and insights poor?“ – so der Untertitel der Podiumsdiskussion. Es herrsche das Gegenteil von „Insights Poor“ vor, sagte das Podium, aber es bestehe ein Mangel an informierten Entscheidungen. Bei Recherchen müsse nicht nur das Ergebnis, sondern auch, wie man zu dem Ergebnis gekommen sei, dokumentiert werden, um auch darüber in späteren Jahren Transparenz zu ermöglichen.
(Video: https://youtu.be/PwcJxIUytVI)

Nach der Diskussion und einem Imbiss gingen die Gruppen der Teilnehmer leider zu schnell auseinander. Man kommt nächstes Jahr jedoch gerne wieder.

Open Password wird sich in kommenden Ausgaben publizistisch mit den einzelnen Teilvorlagen von „Steilvorlagen 2018“ auseinandersetzen.

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