Open Password -  Montag, den
1. Oktober 2018

 

#446

Steilvorlagen Update – Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Branchenanalysen – Länderanalysen – Fake News – Rainer Michaeli – Institute for Competitive Intelligence – DIE DENKFABRIK – Competitive Intelligence – Social Media – Textmining – Automatisierung – Strategic Foresight – Intelligence-Experte – Gatekeeper – Intelligence Manager – Hard Skills – Soft Skills – IT – Ausbildung – Weiterbildung – Deutsches Competitive Intelligence Forum – CI in Großunternehmen – CI in KMUs – Effizienzsteigerungen - Marktforschung - Compliance - Denske Bank - Siemens - FCPA - M&A - Michael Wiedmann - Norton Rose Fulbright - Willi Bredemeier - Open Password  - Salavatore Saporito - Professionelle Datenbanken - ape 2019 - Scholarly Communication

 

Steilvorlagen Update

Mehr Branchen- und Länderanalysen,
wie umgehen mit „Fake News“
und „Alternative Facts“,

die menschliche Bewertungskompetenz
bleibt (vorläufig) gefragt

Bild Rainer Michaeli

Open Password fragt in einer kleinen Serie Keynote-Speaker und Success-Story-Referenten, was sich seit ihrem Auftritt auf der Buchmesse-Veranstaltung „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg“ aus ihrer Sicht als Information Professional verändert hat. Rainer Michaeli ist Direktor des Instituts für Competitive Intelligence und Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens DIE DENKFABRIK.

Haben sich seit Ihrem Vortrag auf der "Steilvorlagen"-Veranstaltung im Oktober 2016 die wirtschaftlichen, politischen und unternehmensstrategischen Rahmenbedingungen für Competitive Intelligence (CI) verändert?

Die internationalen Wettbewerbsbedingungen haben sich aus Sicht deutscher Unternehmen verschärft, und die Unsicherheit ist im Angesicht anstehender weiterer Veränderungen gestiegen. Ursachen hierfür sind Brexit, die US-Handelspolitik und eine zunehmende Dynamik „lokaler“ Konflikte und deren weltweiten Folgen (Syrien, Saudi-Arabien, Afrika, usw.). Die Bedeutung der Competitive Intelligence ist dadurch für die Unternehmen gestiegen und die Aufgabenbereiche sind vielseitiger geworden. Zusätzlich zum Betrachten einzelner Wettbewerber werden verstärkt Branchen- und Länderanalysen gefordert.  

Sie haben gerade die CI-Experten auf einer internationalen Konferenz zusammengeholt. Wenn Sie die Ergebnisse dieser Konferenz in wenigen Thesen zusammenfassen müssten, wie würden diese lauten?

Das ICI versucht mit seinen Jahreskonferenzen am „Puls“ der Zeit zu sein und neue Trends und Anforderungen zu erfassen und zu bewerten. Eine eigene akademische Konferenz scheint mir für den Blick in die Zukunft gut geeignet. 2018 standen die „Social Media“ häufig im Mittelpunkt. Konsumenten und wetteifernde Anbieter hinterlassen mehr und mehr digitale Signale, die die „Social Media“ zu einem eigenständigen Informationskanal werden lassen. Gleichzeitig werden verbesserte Ansätze zum Textmining (semantische Textanalyse) vorangetrieben. Hier wird der Analyst künftig durch Software von der Aufgabe entlastet, große Mengen an Texten zu lesen. Damit kann er zum Gourmet mutieren, der sich nur noch mit vorselektierten Funden befassen muss. 

„Strategic Foresight“ ist immer noch und immer wieder ein Buzzword auf Konferenzen. Getrieben von der steigenden Unsicherheit im Umfeld suchen Unternehmen verstärkt den Blick in die Kristallkugel. Um diesen zu ermöglichen, werden allerdings altbewährte Ansätze wie Szenarienplanung und Eco-Systemanalyse zur Prognose von Markt- und Wettbewerbsentwicklungen genannt.

Sie unterschieden seinerzeit an CI-Experten den "Intelligence-Experten", den "Gatekeeper" und den "Intelligence Manager". Schlechte Zeiten für den "Intelligence-Experten", der Datenbestände nach relevanten Informationen filtert, wenn diese und andere Aufgaben von Algorithmen übernommen werden.

Ja und Nein. Der Intelligence-Experte hat weiterhin seine Berechtigung und seine Bedeutung, auch wenn die Recherche zunehmend automatisiert wird. Allerdings gibt es immer wieder neue Quellentypen und Rechercheansätze und, wie wir alle schmerzhaft lernen mussten, bedeutet „Mehr Information“ nicht gleichzeitig mehr Qualität. „Fake News“ und „Alternative Facts“ bleiben Realitäten, mit denen die CI klarkommen muss. Und genau hier wird der Intelligence-Experte verstärkt gefordert, Informationen zu validieren und zu plausibilisieren.

Wie sollten die "Gatekeeper" und "Intelligence Manager" die Algorithmen in ihren Dienst nehmen?

Gatekeeper sind und bleiben vornehmlich „Sinnmacher“ – es gilt, (vorhandene) Informationen im Kontext von Expertenwissen zu bewerten. Algorithmen helfen da wenig. Es handelt sich um einen Gutachter, der als Sachverständiger einem Laien einen komplexen Sachverhalt im jeweiligen Fachgebiet darlegen soll. Ich verwende gern das Beispiel eines Schimmel-Sachverständigen, der in einem Rechtstreit zwischen Mieter und Vermieter einem Richter darlegen muss, wie in einem spezifischen Fall „Schimmel“ entstanden ist. Und wie damit die „Schuldfrage“ zu klären ist…

Intelligence Manager sind wie die Gatekeeper zumindest im Idealfall nicht mit der Recherche von Informationen befasst. Auch hier entfällt die Notwendigkeit, selbst Hand anzulegen. Aber natürlich muss ein Intelligence Manager die Rechercheverfahren und letztlich Quellen kennen, um eine Bewertung von Analyseergebnissen vornehmen zu können.    

Sie hatten seinerzeit zahlreiche kritische Funktionen genannt, die die Wettbewerbsbeobachtung für ihre Kunden ausüben sollte, beispielsweise "Unternehmensgedächtnis", "Augen und Ohren", "Gehirn", "Geheimdienst", "Knowledge Management", "Abwehr", "Koordination", "Business Development", "War Games" und "Frühwarnung". Was ändert sich derzeit an dieser Liste und an ihrem Ranking?

Ich kann hier keine fehlenden Funktionen entdecken, sieht man von „Krisenmanager“ und „Allrounder“ ab, die beide ja schon implizit in der Liste aufgeführt sind!

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CI in Großbetrieben etabliert, im Mittelstand nach wie vor exotisch.
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Sie haben sich an der Erstellung umfangreicher Hard Skills und Soft Skills für Information Professionals beteiligt. Was sind im Lichte neuester Entwicklungen die entscheidenden Qualifikationen für InfoPros?

Die Kompetenzen der CI sind recht stabil – das ist auch gut so, da sich somit das CI-Berufsbild verfestigen kann. Als „Entscheidungsvorbereiter“ sind ja schließlich auch die Aufgaben klar definiert. Trotzdem verschieben sich natürlich die hierfür benötigten Schwerpunkte von Methodenkompetenz und typischen Herausforderungen. Derzeit verstärkt sich beispielsweise der Einsatz von Software bei Daten- und Textmining.

Aber auch Soft Skills wie das verstärkte Arbeiten mit virtuellen Teams sind zum Normalfall geworden. Wie kann die Qualität von Intelligence-Berichten hoch gehalten werden, wenn sich persönlich nicht bekannte Kollegen gegenseitig kritisieren müssen? Da sind Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsvermögen gefragt!

Viele  CI-Manager sind so quasi „nebenberuflich“ zum IT-Administrator eines unter MS-Sharepoint eingerichteten CI-Portals geworden. „Klein, schlagkräftig, flexibel“ - so sind in vielen Unternehmen die Vorgaben für ihre CI-Bereiche – da muss sich das Kompetenzprofil entsprechend anpassen.

Wie beurteilen Sie den Stand der Ausbildung und Fortbildung im deutschsprachigen Raum und was sollte sich hier ändern?

Das Interesse an universitären Vorlesungen zur Competitive Intelligence hat meines Erachtens abgenommen, verglichen mit dem Hype der Jahre 2004-2007. Das ist schade, da so leider viele Studenten in ihrer Erstausbildung kaum etwas von diesem Thema mitbekommen. Fast könnte man das schon als „weltfremd“ bezeichnen. Für einen Anbieter von Weiterbildungsveranstaltungen wie uns wirkt sich das fast schon wieder positiv aus, da wir wiederum verstärkt gefordert werden, diese Versäumnisse nachzubessern. Im deutschsprachigen Raum sind wir sicherlich einzigartig, was Qualität, Breite und Tiefe unseres Fortbildungsangebots betrifft.

Sie streben mit Ihren Kundenunternehmen eine sehr anspruchsvolle Partnerschaft an. Was machen Sie, wenn Ihre Kunden nicht mitziehen?

Natürlich können wir unsere Kunden nicht zu ihrem Glück zwingen. Manchmal ist ein „Weiterbildungsbudget“ schon anderweitig verplant oder ein Unternehmen versucht, Kosten zu sparen. Da können wir nur in Kontakt mit den Fachverantwortlichen bleiben und warten, bis sich diese Randbedingungen wieder zu unseren Gunsten ändern. Als Anbieter muss man auch einmal einen langen Atem haben. Meist wechseln die für unsere Angebote Verantwortlichen in größeren Unternehmen nach drei bis fünf Jahren in neue Funktionen, und spätestens dann sind wieder Neueinsteiger einzuarbeiten und fortzubilden.  

Wie beurteilen Sie den Stand der Competitive Intelligence im deutschsprachigen Raum und wie sollte dieser verbessert werden?

Eine schwierige Frage! Erst 2017 hat das Deutsche Competitive Intelligence Forum e.V., „der“ Verband für die Markt- und Wettbewerbsforschung, eine Umfrage bei seinen Mitgliedern und „Interessierten“ durchgeführt. Obwohl die Zahl der Teilnehmer an der Umfrage im Verhältnis zur (vermuteten) Zahl der Gesamtakteure ziemlich klein war, kann man schließen, dass das Thema CI fest in großen deutschen Unternehmen (mehr als 10.000 Angestellte) verankert ist. Hier finden wir recht viele Vollzeitakteure, die entsprechend qualifiziert sind und auch geschätzt und gewürdigt werden. Im deutschen Mittelstand hingegen gilt CI noch immer als exotisch. Hier wirken meist Teilzeit-CI’ler, was ohne Zweifel sehr pragmatisch ist und zu effizienten Lösungen führen kann – CI wird halt als „notwendiges Übel“ gesehen und es wird gerade so viel wie nötig gemacht. Da steigt natürlich das Risiko, durch Markt- und Wettbewerbsentwicklungen überrascht zu werden…

Welche neuen Perspektiven, Trends und Herausforderungen zeichnen sich für CI in den kommenden Jahren ab?

Für den einzelnen Akteur steht eine Effizienzsteigerung an – mit weniger Ressourcen immer mehr Werte generieren. Diesem Mantra folgt nicht nur unsere Profession.

Die Qualität von Information sinkt weiter – dazu gehören aus meiner Sicht immer mehr auch die klassische Marktforschung. Dieser Bereich wird gleichfalls kaputtgespart. Umfragen werden geschönt und intransparent weitergeleitet. Als Nutzer dieser Inputs muss jeder CI-Professional eine eigene Informationskompetenz aufbauen. Das kostet Zeit und bringt teilweise nichts, da es sich um eine „Mission impossible“ handelt.

CI wird weiter an Bedeutung in Unternehmen gewinnen – als Entscheidungssupporter, als Querdenker, als Wettbewerberversteher  und als Corporate Memory für Wettbewerbsdynamiken.

Automatisierte Datenerhebung – gerade in Konsumentenmärkten wird die „digitale“ Kommunikation verstärkt Marken und Märkte beeinflussen. So werden ganze Datenbanken mit Konsumenten- und Wettbewerberverhalten (Schemata) aufgebaut. Eine riesige Chance, aber eben auch potenziell ein wachsendes Risiko, Bewertungskompetenz abzubauen.

Es bleibt spannend! 

LexisNexis

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Mittlerweile hat LexisNexis auch das Interview von Willi Bredemeier (Open Password) mit Salvatore Saporito, Teamleiter Europa Risk & Compliance, publiziert („Den Wert professioneller Datenbanken nicht verkennen“).

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