Open Password -  Donnerstag,

den 6. September 2018


# 433

 

Steilvorlagen für die Informationsvermittlung - Digitale Führung - Ralf Lanwehr - PATINFO – IP-Recherchen – TU Ilmenau – Informationsanbieter – Jan Schulze – Stephen Wolke - thyssenkrupp Intellectual Property  - Freedom-to-Operate-Recherchen – IP-Recherche – IP-Intelligence – Insourcing – IP-Strategie – Patentanwälte – Sheila Ritscher – KAHLA – Designpolitik – 3D-Druck – Arndt Mecke – Siemens – Alertdienste – Informationsflut – Rechtsstandänderungen – Klassifikationen – Rolf Huebner – Ezster Lukacz – Standards and More – IEEE – Nicht-Patentliteratur – Google Scholar – Discovery-Lösungen – Scopus – Web of Science


Steilvorlagen für die Informationsvermittlung

Keynote Lanwehr: To binary or not to be
Sinnvolle digitale Führung

Donnerstag, den 11. Oktober 2018, 9.00 Uhr - 14 Uhr, Steilvorlagen für die Informationsvermittlung - Turning Information Complexity into Simplicity - Neue Chancen und Geschäftsmodelle für Information Professionals, auf der Frankfurter Buchmesse, Halle 4.2, Raum Dimension

https://www.infobroker.de/blog/steilvorlagen2018

Keynote: To binary or not to be – Sinnvolle digitale Führung. Mit der steigenden Virtualisierung, Automatisierung und Digitalisierung von Geschäftsprozessen gehen vier Herausforderungen für Führungskräfte einher. Erstens nimmt die Bedeutung von Führung auf Distanz zu. Zweitens muss Führung unter der Randbedingung immer kürzerer Innovations- und Veränderungszyklen funktionieren. Drittens ist ein kompetenter Umgang mit einer verunsicherten Belegschaft gefragt. Und viertens erfordert eine zunehmende Komplexität und Vernetzung den Blick über den Tellerrand und die Überwindung von Abteilungs- und Silodenken.

Ralf Lanwehr wird auf höchst informative und zugleich unterhaltsame Art und Weise die Herausforderungen digitaler Führung aufzeigen und sehr konkrete, greifbare Lösungen vorstellen.

Prof. Dr. Ralf Lanwehr, Professor für Internationales Management, Fachhochschule Südwestfalen. Ralf Lanwehr interessiert sich für die Auswirkungen von Digitalisierung und Informatisierung auf die Unternehmensführung und konzentriert sich dabei auf die Themen Führung, Kultur und Strategie. Zu seinen Partnern zählen BMW, SAP und John Deere. Eine seiner Spezialisierungen ist der Profifußball, wo er intensiv mit mehreren Vereinen der ersten Bundesliga sowie mit dem DFB kooperiert.

Lanwehr studierte Psychologie und Mathematik an der Universität Münster und schloss seine Promotion in Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Berlin ab. Die große Karriere als Profifußballer blieb trotz seiner Zeit als Stürmer von Balane Inhambane in der dritten mosambikanischen Liga völlig verdientermaßen aus.

 

PATINFO

Insourcing der Recherche und
Beratung der Geschäftsleitung

durch IP-Intelligence

Die steigende Bedeutung

der Nicht-Patentliteratur

Von Willi Bredemeier

PATINFO 2018 – IP Recherche – Impulsgeber im Wettbewerb – Kolloquium der TU Ilmenau über Patentinformation. Eine Auswertung der Proceedings

Zweiter Teil

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 ThyssenKrupp: Verknüpfung von Recherche und Intelligenz.
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Jan Schulze und Stephen Wolke von der thyssenkrupp Intellectual Property GmbH (Essen) stellten den „Aufbau einer IP-Recherche-Abteilung zur effizienten Sicherstellung effektiven Patentschutzes bei thyssenkrupp“ dar. Bevor es diese gab, „wurden IP-Recherchen mangels interner Kapazitäten ausschließlich extern vergeben. Neuheitsrecherchen wurden in einem Zug mit Neuanmeldungen, Einspruchsrecherchen mit thyssenkrupp Einsprüchen und FTO-Recherchen mit FTO-Gutachten bei externen Anwälten beantragt.“ Dabei wurden IP-Recherchen nicht nur als Erkenntnisquelle verwendet, sondern auch, um Technologie- oder Wettbewerbsinformationen zu erlangen (IP-intelligence). Vorteile des dann vorgenommenen Insourcings von IP-Recherchen liegen

• „im verringerten Abstimmungsbedarf zwischen Patentanwälten und Fachabteilung,

• in einer agileren Reaktion auf kurzfristige Anfragen aus dem Management,

• in einer zuverlässigeren Qualitätskontrolle der Rechercheergebnisse,

• im größeren technologischen und wettbewerbsbezogenen Überblick, um die Geschäftsbereiche durch branchenübergreifende Erkenntnisse besser beraten zu können,

• in einer engen Abstimmung mit der IP-Strategie sowie

• in einem intensiven Kontakt mit konzerninternen Nachbarabteilungen wie den Zentralfunktionen für Unternehmensstrategien, Mergers & Acquisitions, Human Ressourcen etc.“

„IP-Recherche“ ist Teil der „IP-Strategie-Abteilung“, die gemeinsam mit den jeweilig betreuenden Patentanwählten die verschiedenen Geschäftsbereiche von thyssenkrupp berät. Es werden sowohl klassische Patentrecherchen als auch IP-Intelligence-Analysen durchgeführt. Im Einzelnen gingen die Autoren auf die folgenden Rechercheformen ein:

• „Freedom-to-Operate-Recherchen bewerten Risiken der Produkteinführung. …

• Technology-Overview-Recherchen helfen, Technologietrends zu analysieren und zu verifizieren. …

• Competitor Profiling analysiert Wettbewerber auf Innovationstätigkeiten. …

• Identifizierung von technologischen Experten für Recruitingzwecke …

• Unterstützung der Einkaufsfunktion mit IP-Analysen, …

• für zugelieferte Schlüsselprodukte, um eine funktionierende Lieferkette aus IP-Sicht sicherzustellen.“

In den drei Jahren seit Beginn des Aufbaus der internen Rechercheabteilung, so Schulze und Wolke in ihrem Fazit, habe man das Portefeuille zusätzlich zu den klassischen Patentrecherchen auf beratungsnahe Dienstleistungen wie Technologieübersichtsrecherchen und Wettbewerberanalysen ausgedehnt. „Durch die Korrelation von externen Ereignissen mit internen Geschäftszielen entsteht eine holistische Sicht auf die aktuelle Geschäftssituation. Dies führt auch dazu, dass dadurch die Bedeutung von IP im Konzern stärker kommunizierbar ist als im Fall einer isoliert agierenden IP-Recherche-Abteilung. Durch die Zusammenführung von IP-Strategie mit IP-Recherche entsteht eine weit vernetzte, an den Geschäftszielen orientierte und auf Technologie fokussierte Abteilung, die über die Grenzen der klassischen IT-Abteilung hinaus Mehrwert für den Konzern generiert.“

 

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Designinnovationen als Erfolgsrezept.
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Hochinformativ gestalteten sich die Erläuterungen von Sheila Rietscher von der KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH (Kahla) zu „Designinnovation als Erfolgsrezept“. Als größte Herausforderungen im Bereich „Schutz und Piraterie“ führte sie an:

• „Unangreifbares Konzept/Ideenklau durch deutsche/europäische Marktteilnehmer

• Unangreifbare Konzeptkopien durch Hersteller verschiedener Materialien, zeitnahe Optimierung und Erweiterung von KAHLA-Konzepten, preisgünstige Produktion & niedriges Pricing, aufwendige Vermarktung durch direkte Wettbewerber lässt im Markt den Eindruck entstehen, KAHLA sei der Kopist, Klarstellung bei Handel & Konsumenten schwierig und teuer

• Kostspieliger internationaler Schutz kaum durchsetzbar, schwer zu prüfen, Entschädigungen fallen aus bzw. entsprechen nicht dem Schaden“.

Als „Strategie und USP“ gab Frau Kahla an:

• „Stellung als nachhaltiger Innovator wird weiterverfolgt: Investition in Forschung und Entwicklung von Oberflächen und Materialien, strategische Allianzen mit Instituten und Materialexperten

• Ausbau von digitalen Produkten…

• Investition in Markenkommunikation und Vertrieb (vor allem neue Zielgruppen.), Internationalisierung und Wachstum in neuen Zielgruppen dank neuer Technologien und Patente

• Ausbau der Effizienz und Varianten bei Individualisierung und Losgröße 1, Beobachtung und Forschung von keramischem 3D-Druck

• Beibehaltung der Design-Philosophie: Mehrwert für den Nutzer (unterschiedlich in den verschiedenen Geschäftsbereichen, enger Dialog mit Kunden), Multifunktion, Nachhaltigkeit, Mut zum Experiment und zur Andersartigkeit

• Weiterführung der Made-in-Germany-Strategie und Ausschöpfung des umfangreichen Potenzials aller modernen Anlagen im Werk in Thüringen.“

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Wie man bei Alerts der Informationsfluten Herr wird.

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Ein gleichfalls hochinformativer Beitrag mit dem Titel „Kann man Wasser im Sieb tragen? – Alert Services im Jahr 2018“ kam von Arndt Mecke von der Siemens AG (München). Er begann mit einem Damals-Ist-Vergleich: „War man vor 15 Jahren in Alert Services noch gefordert, möglichst viele, relativ relevante Informationen für die Kollegen in Forschung und Entwicklung bereitzustellen, ist man heute in den meisten Fällen nur noch bemüht, die Treffermengen in bearbeitbaren Größenordnungen zu halten. Die Herausforderung liegt dabei nicht nur in der Menge der Daten, sondern auch in der Wahrnehmung des Problems durch die beteiligten Parteien.“

Zunächst mag es so aussehen, dass Alerts einfach zu erstellen sind, da Sprachbarrieren in den letzten Jahren niedergerissen wurden, die Qualität der Informationen von staatlichen oder staatlich kontrollierten Einrichtungen stammt, viele wichtige Daten gut strukturiert sind, diese nach ihren rechtlichen Vorgaben vollständig sein müssen und das zu schützende Konzept in Form eines Textes vorliegen muss. Auch steht längst genügend Rechenleistung zur Verfügung, um selbst komplexe Anfragen binnen kürzester Zeit abarbeiten zu können. Warum gibt es aber dann unzufriedene Kunden?

Die Antwort lautete: Weil man regelmäßig zu so vielen Treffern kommt, dass die Metapher „Kann man Wasser im Sieb tragen?“ Realitätsgehalt gewinnt. Mecke fügte hinzu: „Aber es gibt Gestaltungsmöglichkeiten, z. B. die Maschengröße des Siebs (zu verringern) oder auch den Aggregatzustand des Wassers (beispielsweise zu Eiswürfeln zu verändern, die) einen erstaunlichen Einfluss auf die Lösbarkeit des Problems (haben).“

Allerdings sind die Aufgaben, vor denen man gestellt wird, unterschiedlich schwierig: „Einem Kunden, dessen Hauptwettbewerber in Deutschland sitzt und dessen Markt Deutschland ist, kann ich mit überschaubarem Aufwand einen Alert Service anbieten, der überschaubare Treffermengen und eine hohe Trennschärfe besitzt. Liegt der Markt (auch) in Italien oder hat der Wettbewerb dort seinen Sitz, ändert sich die Lage schon vollkommen. Ich könnte der beste Rechercheur der Welt sein und trotzdem könnte ich dem Kunden keinen sinnvollen Alert Service anbieten, da die Verfügbarkeit der Daten es nicht zulässt. Wenn die Märkte und Wettbewerber internationaler sind oder werden, gibt es noch mehr Diskussionsbedarf, da die Datenmengen stark steigen können und damit … entweder der Aufwand für die Durchsicht oder das Risiko, relevante Schutzrechte bzw. Schutzrechtsanmeldungen nicht in der Treffermenge zu haben, steigt.“

Bei den Alert Services, die sich auf Rechtsstandsänderungen beziehen, ist die Lage noch problematischer: „So ist es schon für das Heimat-Rechtssystem nicht trivial, aus den gemeldeten Rechtsstandsereignissen (rechtliche) Schlussfolgerungen für das weitere Vorgehen zu ziehen. Noch viel schwieriger ist es dagegen, den Rechtsstand in fremden Ländern zu beurteilen, in denen sich Rechtsnormen und Verordnungen deutlich von den jeweils „eigenen“ unterscheiden.“

Mecke schloss: „Stichworte und Klassifikationssysteme sind selbstverständlich das richtige Werkzeug, um einen Alert Service aufzusetzen, aber ohne den Kunden als Empfänger mit einzubeziehen, seine Erwartungen zu kennen und ggf. mit ihm die Einschränkungen des gewählten Ansatzes zu diskutieren, wird das Ergebnis in den seltensten Fällen für den Kunden erfreulich sein.“

 

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Bei Nicht-Patentliteratur vor allem auf IEEE setzen.

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Eine ähnliche Balance zwischen großem Aufwand und dem zu schulternden Risiko sind auch bei Freedom-to-Operate-Recherchen zu wahren. Stefan Rolf Huebner von der SR Huebner-Patentanwaltspartnerschaft in München („Patentrechte für Entscheider“) schilderte einen wahren Fall. In diesem gelang es X, seinen Recherchen- und Analyseaufwand zu beschränken, indem es sich auf die wahrscheinlichste wichtigsten und am einfachsten zu analysierenden Risiken beschränkt“ und damit einen großen Erfolg erzielt hat.

Ezster Lukacs von Standards and More (Berlin) hob die steigende Bedeutung von „Nicht-Patentliteratur bei IP-Recherchen“ hervor. Dabei war sie immer schon wichtig, da sie wesentliche Informationen für die Patentstrategie, die Patentanmeldung und die Verteidigung der Schutzrechte enthält. Als Indiz für die steigende Bedeutung führte die Referentin an, dass die Nicht-Patentreferenzen pro Patent in den 40 US-Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen von 4,7 im Jahre 2010 auf 7,7 im Jahre 2016 gestiegen waren.

Von den 1,4 Millionen zitierten Artikeln, die in den letzten zwanzig Jahren zitiert wurden, bezogen sich 430.000 auf Veröffentlichungen des IIEE. IEEE sponsert jährlich mehr als 1.700 Konferenzen, die in der Industrie und den Hochschulen einen sehr guten Ruf haben. Die Konferenzen werden oft dazu genutzt, Erfindungen erstmals öffentlich zu erörtern. Auch hat IEEE geholfen, mehr als 1.200 Industrienormen zu entwickeln. Auch diese sind eine gern genutzte Quelle.

Patent- und Nicht-Patentliteratur wurden bislang meistens auf verschiedenen Oberflächen getrennt voneinander recherchiert, beispielsweise bei IEEE Xplore, ScienceDirect und SpringerLink. Dazu gibt es themenspezifische bibliografische Datenbanken wie INSPEC und PubMED. „Google Scholar indexiert sehr viele Arten von Publikationen, aber niemand weiß, was genau erfasst wird. Die Resultatliste besteht aus einem schlecht sortierten Gemisch von Artikeln, Buchkapiteln und reinen Titelangaben.“ In den Discovery-Lösungen der Hochschulen und Unternehmen, mit denen alle Online-Publikationen auf einer Oberfläche recherchiert werden, sind leider nicht alle Daten indexiert. Auch hier „muss man sich auf die zeitnahe und möglichst vollständige Übermittlung der Volltexte und Metadaten von den Verlagen oder Drittanbietern verlassen können, um eine relevante und möglichst vollständige Trefferliste zu erhalten.“ Zwar indexierten Scopus und Web Science fast alles, allerdings mit unterschiedlicher Tiefe und man könne hier   nur in den Metadaten suchen.

Weitere echte Fortschritte seien nur dann möglich, sagte Lucacs, „wenn die Systeme die Entwicklung der Technologien und der Sprache nachvollziehen. Neuester Stand sind selbstlernende Recherchetools, die allein in der Lage sind, neue Begriffe und Zusammenhänge zu erkennen. … InnovationQ Plus … ermöglicht eine semantische Suche in Patenten und der Nicht-Patentliteratur auf einer einzigen Oberfläche. Basis sind Volltexte aus IEEE-Publikationen und IET-Dokumenten sowie von Nicht-Patentliteratur von IP.com zusammen mit Patentschriften. Die Suchmaschine berücksichtigt durch ihre Algorithmen Änderungen der technischen Begriffe sowie einen möglichen Bedeutungswandel.“ 

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