Open Password -  Montag,

13. Juli 2018


# 402

 

Hosts – Michael Klems – Informationsbranche – Boom – E-Commerce – User-Meetings – Infobase – GBI-Genios – DGI – Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Datenbankfrühstück – Semiprofessionals – Strategische Unternehmensplanung – Forschung und Entwicklung – Öffentlichkeitsarbeit - Marketing – Einkauf – Vertrieb – Communities – Community-Building – Foren – Best Practice – Veranstaltungsformate – re:publica – Digitalisierung – Arbeitsplatzvernichtung – Beeinflussung von Vorgesetzten – Tagesrhythmus

 

Unsere ungehobenen Kooperationspotenziale

Die großen Chancen der Hosts
zum Community Building

Ein Brief an die Branche von Michael Klems

Erinnern Sie sich an den nicht enden wollenden Boom in unserer Branche? Er währte in den 80 Jahren und den 90er Jahren, bis die Blase des E-Commerce am 11. September 2001 mit den „Twin Towers“, die einem terroristischen Anschlag zum Opfer fielen, zusammenbrach. Die Infobase war ab 1985 lange Jahre die Leitveranstaltung der Informationsbranche. Die Informationsanbieter scharten sich um sie und luden auf der Frankfurter Messer oder im Frankfurter Umfeld zu User-Meetings ein. Zu den Nutzertreffern kamen mindestens hundert Teilnehmer, wenn nicht mehr. Die Infobase war für alle ein Pflichttermin zwecks gemeinsamem Austausch, Kennenlernen der neuesten Innovationen und Sammlung weiterer Nachrichten vor allem seitens der Datenbankhosts. Sie war auch eine große Kooperationsbörse. Damals waren unsere besten Jahre, nur wussten wir es nicht. Dann ging die Infobase unter, und die Nachfolgeveranstaltungen reüssierten nicht oder setzten sich von vornherein kleiner. Seitdem hat das digitale Zeitalter weiter Fahrt aufgenommen, während wir auf eine Nische zurückgedrängt wurden und zum Teil in Schockstarre verharrten.

Blickt man auf die heutigen Veranstaltungen unserer Branche, so findet dort alles in einem überschaubaren Rahmen statt. Selbst die mittlerweile etablierte Steilvorlagen-Veranstaltung schafft bei den Teilnehmerzahlen gerade mal die 100er Hürde, obgleich sie sich im starken Marken-Schlepptau der Frankfurter Buchmesse bewegt. Die anderen nennenswerten Events der Branche liegen darunter. Im Mittel kommen das Datenbankfrühstück von GBI-Genios und die DGI-Veranstaltungen auf geschätzte 50 bis 70 Teilnehmer.  Das geht nun schon seit einer Reihe von Jahren so. Eine Leitveranstaltung, die uns mitreißt und alle wieder zusammenführt, wäre sicherlich wünschenswert –

• wegen der Inhalte, über die wir uns im reißenden Strom der Entwicklungen und Ereignisse verständigen müssen,

• wegen der nach wie vor bestehenden immensen Kooperationspotenziale, die am besten über ein persönliches Kennenlernen zu erschließen sind, und

• wegen der positiven Außenwirkungen, die wir auf die Nachbarbranchen, auf die Förderpolitik und auf die Öffentlichkeit erzielen könnten.

 Aber wäre eine solche Leitveranstaltung unter den heutigen Bedingungen realisierbar?

Die schlummernden Informationsschätze der Hosts: Die Datenbankhosts sitzen auf großen Informationsschätzen und damit meine ich nicht ihre Online-Datenbanken, die sie zur Nutzung anbieten. Vielmehr denke ich an die Informationen, die sie von ihren Kunden haben oder von ihnen erhalten. Die Erfolge der Steilvorlagen-Veranstaltung sind zu einem guten Teil darauf zurückzuführen, dass wir den Empfehlungen der Datenbankanbieter beim Herstellen eines ersten Kontaktes mit möglichen Keynote-Speakern und Referenten vertrauen und ihren Einschätzungen folgen. Nicht zu vergessen, dass die Informationsanbieter selbstverständlich nach wie vor ihre Kooperationspartner und Wettbewerber kennen. So verfügen die Hosts wie keine andere Einrichtung über ein differenziertes Wissen zu unserer Branche, das allerdings nirgendwo außer in mageren Strukturdaten wie der Kundendatei niedergelegt ist, auf viele Köpfe verteilt bleibt und fast nur für vertriebliche Zwecke genutzt wird. Das ist schade, denn man könnte viel mehr daraus machen – im Interesse des einzelnen Hosts und zugleich im Interesse der Informationsbranche. 

 

Rauskommen und mit Kollegen einen Austausch pflegen. Meinem Büro-Partner versuche ich zu erklären, wie motivierend dies sein kann: https://youtu.be/pBqM1KBYH8M

Der unbekannte Teilzeit-InfoPro: In praktisch allen Unternehmen befinden sich Mitarbeiter, die in ihrer Arbeit auf Unterstützung durch Datenbanken setzen. Da ist die Assistenz der Geschäftsleitung oder der Referent für Vorstände, die immer einmal wieder Dokumente recherchieren und über ein entsprechendes Budget verfügen. Die Online-Recherche ist dabei unabdingbar, um die eigene Arbeit abzuschließen, aber sie ist immer nur ein Teil der gesamten Tätigkeit. Dieses Beispiel ließen sich ergänzen und man könnte sich beispielsweise auf die Bereiche Forschung und Entwicklung, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sowie auf Einkauf und Vertrieb beziehen. Diese Nutzer sind keine Information Professionals im eigentlichen Sinne, aber auch sie könnten aus unseren Veranstaltungen wertvolle Anregungen beziehen. Man kann sie auch „Teilzeit-InfoPros“ nennen, die uns weitgehend unbekannt geblieben sind. Sie in ein Branchenevent mit einzubeziehen, wäre kein leichtes Unterfangen und kaum über klassische Acquise-Maßnahmen realisierbar. Hier wäre vermutlich ein mehrjähriger Aufbauprozess nötig. Immerhin, die Hosts kennen die Semiprofessiomals teilweise und könnten weitere von ihnen recherchieren und – etwa über gemeinsame Informationsveranstaltungen mit den Informationszentren vor Ort – auch mobilisieren. Also, Potenzial ist da, auch wenn es nicht so leicht wie das Potenzial in Pionierjahren der Branche zu heben sein wird.

Mehrstufiges Community-Building:  Einst waren wir alle eine allumfassende Community, fast eine Familie. Heute könnten die Datenbankanbieter aus ihrer Kundschaft zumindest Teilcommunities bilden (die sich, wenn es sie gäbe, einmal im Jahr zu einem Gesamt-Branchentreffen zusammenführen ließen). Allerdings haben die Datenbankhosts den Aufbau einer Community irgendwo zwischen halbherzig und gar nicht betrieben. Dabei bieten sich bereits auf technischer Ebene Online-Foren an, in denen die Anwender Fragen stellen und aus der Community Support erfahren. Regelmäßige Nutzertreffen würden ein Zugehörigkeitsgefühl unter den Anwendern schaffen und die Bindung an den Service der Hosts intensivieren. Formate wie das Datenbankfrühstück von GBI-Genios, die einzige Veranstaltung, die von den seinerzeitigen großen Nutzertreffen überlebt hat, stellen einen praktikablen und ausbaufähigen Ansatz dar: Ein Keynote-Speaker besetzt ein Fachthema zum Beispiel zu einem kommenden Branchentrend und der Host bekommt anschließend eine gute Gelegenheit, seine neuen Produkte und Serviceleistungen vorzustellen. Je kontinuierlicher diese Veranstaltungen stattfinden, desto eher werden sie für den Anwender zu einem Pflichttermin und desto mehr kann man auch auf ein Engagement bei Multiplikatoren unter den Anwendern zurückgreifen.

Man muss den Aufbau und Ausbau dieser Communities allerdings wollen. Dazu gehört die Bereitschaft, sich längerfristig zu engagieren und von einzelnen Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Hier ist einzuräumen, dass die Nachfolgeveranstaltungen der Infobase teilweise mit Missmanagement verbunden waren, was die Bereitschaft zu einem Engagement, die über die einzelwirtschaftliche Sicht ein wenig hinausging, in der ganzen Branche nachhaltig dämpfte. Auch mag man meinen, dass es schwieriger geworden sei, Themen, über die jeder Bescheid wissen muss, zu finden, weil die online-verfügbaren Inhalte ziemlich vollständig sind und der Strom der Innovationen dünner geworden ist und mehr und mehr aus kleineren Verbesserungen besteht. Dabei liegen die Themen, die auf den Nägeln brennen , nach wie vor auf der Hand. Es sind nur andere als früher. Wir müssen uns die Perspektive der Anwender zu eigen machen und fragen: Was stellen die Kunden eigentlich mit den recherchierten Daten an? Wie werden diese verarbeitet, optimiert und visualisiert? Welche besonderen Möglichkeiten und Probleme gibt es für die relevanten Funktionsbereiche im Unternehmen? Was lässt sich von den Erfahrungen, die die Kunden der Hosts gemacht haben, als „Best Practice“ darstellen? In der Steilvorlagen-Veranstaltung haben wir mit dem Best-Practice-Ansatz gearbeitet und damit gute Erfahrungen gemacht.

Erfolgsfaktoren für die Zukunft: Wer vielversprechende Veranstaltungsformate fördern möchte, kommt in unserer Branche nicht an den Informationsanbietern vorbei. Diese haben beispielweise mit der Förderung der Steilvorlagen-Veranstaltung gezeigt, dass sie bereit sind, über ein reines Produkt- und Service-Placement hinauszublicken und fähig, über den Tellerrand eng definierter einzelwirtschaftlicher Interessen zu blicken. Eine Community wird aus einer jährlich stattfindenden Veranstaltung aber noch nicht.  Es muss ja nicht gleich eine re:publica werden, die uns gezeigt hat, wie man aus einem Bloggertreffen einen internationalen Meeting Point für die Digitalköpfe macht. Aber mehr sollte schon kommen, nicht nur von den Informationsanbietern, sondern auch von Multiplikatoren und weiteren Einrichtungen, die interessante Konzepte entwickeln und die Anbieter ansprechen sollten. 

 

Sprechen wir über die Chancen, die wir haben und gemeinsam nutzen sollten. Ich hoffe, von Ihnen zu hören.

Sommerliche Grüße sendet Michael Klems

P.S. Ab dem 13. August bin ich wieder mit einem Beitrag für Sie da! Open Password startet zwischenzeitlich mit einem „Sommerprogramm“. Ich wünsche Ihnen schöne Sommerferien

 

Themenschwerpunkt: Job und Karriere

Die Zeit nach der Digitalisierung. Wenn durch Automatisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Arbeitsplätze reihenweise vernichtet werden, was wird aus unserer Gesellschaft? Steuern wir auf eine Revolution der Entrechteten oder die große Freiheit der Individuen zu?

https://www.zeit.de/2018/18/zukunft-arbeit-kuenstliche-intelligenz-herausforderungen

Der manipulierte Chef. Klar, dass der Chef seine eigenen Vorstellungen hat und man in Versuchung geraten könnte, ihn beeinflussen zu wollen. Wie kann man den Vorgesetzten manipulieren, ohne dass solches von ihm oder den Kollegen bemerkt wird? Die Methoden dazu sind ebenso simpel wie effizient.

http://www.sueddeutsche.de/karriere/fuehren-von-unten-so-leicht-lassen-sich-chefs-manipulieren-1.4015583

Eule oder Lerche? Welcher Typ sind Sie? Was liegt ihnen mehr? Früh aufstehen und schon was geschafft haben, bevor die anderen ihren ersten Kaffee kochen? Oder ausschlafen und in aller Ruhe in den Tag starten und am späten Abend immer noch fit sein? Welcher Typ Sie auch sind, Eule oder Lerche, Sie werden es wissen. Doch hängt Ihr Aufstehverhalten von Ihrer Veranlagung ab?

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-05/schlaf-eule-lerche-schlaftypen-fruehaufsteher-nachtmensch-schlafforschung-chronobiologie

 

Post der Woche

Der Weltmeister

Es geht auch ohne viele Worte. Der französische Fußballverband lässt ein Bild sprechen. Eine Weltmeisterschaft mit vielen Überraschungen geht zu Ende.

 Link zur Mannschaft: https://www.fff.fr/

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