Open Password -  Donnerstag,

12. Juli 2018


# 400


Richard David Lankes – Fake News – Digital Literacy – Willi Bredemeier – Stefan Hauff-Hartig – Simon-Verlag für Bibliothekswissen – Wahrheit – Rationalität – Donald Trump – Horst Seehofer – Wissenschaftliche Revolutionen – Thomas S. Kuhn – Anti-Heimat-Roman – Soziale Medien – Stephan Büttner – FH Potsdam – Bibliotheken – Vertrauensverluste – Faktencheck – Informationsspezialisten - Minesofr - Jamaes Gay - Tony Trippe - Patinformatic - Cybersecurity -Patents -  US - China

Inspired by Lankes

Im Kampf gegen Fake News
wird Digital Literacy zur Kernaufgabe
von Bibliotheken und Informationsspezialisten


Die frühen Warnungen vor Fake News

außer acht gelassen

Von Willi Bredemeier

Neu erschienen: Stefan Hauff-Hartig, Fehl-, Falsch- und Desinformation aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften – Lassen sich Manipulationen im Internet durch informationswissenschaftliche Methoden identifizieren?, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2018.

Die Relevanz der Fragestellung lässt sich kaum überschätzen, werden doch die Begriffe der „Wahrheit“ und „Rationalität“ mit den unbekümmerten Aneinanderreihungen von Fake News an verantwortlichen Stellen in Demokratien von Donald Trump bis Horst Seehofer (1) grundsätzlich delegitimiert. Damit werden die Grundlagen der Wissenschaft und der Gesellschaftsvertrag aufs Spiel gesetzt, den die Bürger seit der Aufklärung mit ihren Institutionen eingehen. Hauff-Hartigs Versuche der begrifflichen Klärung und Abgrenzung zeigen allerdings, in welche komplizierte Gemengelage wir uns begeben, wenn wir „wahre“ von „falscher“ Information zu unterscheiden suchen und dabei auf den Prozess der Kommunikation zwischen Sender und Empfänger und deren Kontexte eingehen müssen und dabei begriffliche Grundlagenarbeit zu leisten haben.

Ich erinnere mich, wie ich Anfang der 70er Jahre die 1962 erstmalig erschienene „Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ von Thomas S. Kuhn entdeckte und mich seine Relativierung sogar naturwissenschaftlicher Wahrheiten und deren Abhängigkeit von den gewählten Bezugsrahmen erschütterte. In den Folgejahren erlebe ich, wie die Thesen Kuhns in welchen Verballhornungen und Missdeutungen auch immer in die außerwissenschaftlichen Systeme einsickerten. Andererseits hätten sich die Wissenschaftler intensiver mit den Implikationen von Kuhn befassen sollen. In meinem „Anti-Heimat-Roman“ (Berlin 2014), mit dem ich den Protagonisten durch sieben Jahrzehnte Bildungsrevolution in der Republik im Rahmen einer Familiensaga begleitete, schaute ich ihm auch bei der Lektüre der „Scientific Revolutions“ über die Schulter. Satirisch überspitzend schrieb ich:

„Kuhn wird ein weiterer Säulenheiliger für mich. Der Verfasser legt dar, dass es einen wissenschaftlichen Fortschritt auf Dauer nicht geben kann. Dieser ist lediglich innerhalb eng definierter Sichtweisen und Fragestellungen möglich. Diese werden durch einen Bezugsrahmen oder ein Paradigma definiert. Wenn die Wissenschaftler die Wiesen innerhalb der Zäune eines Paradigmas abgegrast haben, wenden sie sich einem neuen Bezugsrahmen zu. Das nennt Kuhn eine wissenschaftliche Revolution.

Kuhns Erkenntnisse sind im Grundsatz selbstverständlich, wenn man irgendwo in den Geisteswissenschaften angesiedelt ist. Sie beschreiben lediglich die übliche Praxis. Allenfalls mag man sich wundern, dass die Geisteswissenschaftler nicht zuzugeben bereit sind, was sie ihr berufliches Leben lang tun. Vergessen sie, dass sie gelegentlich ihre Wiesen wechseln müssen, während sie innerhalb eines Paradigmas weiden? Allerdings stellt Kuhn die von ihm beschriebene Praxis am Beispiel der Naturwissenschaften dar.

Kuhn wird von den Wissenschaftstheoretikern vereinnahmt. Dort gibt es kaum eine größere Veröffentlichung, in der ihm nicht eine Fußnote gilt, Allerdings wird nicht auf ihm aufgebaut, um zu weiteren Erkenntnissen zu gelangen. In den anderen Disziplinen wird Kuhn nicht zur Kenntnis genommen, so dass er letztlich niemanden stört“ (Seiten 373f.)

Hätten wir rechtzeitig nach den Notwendigkeiten zur Relativierung auch „wissenschaftlicher Wahrheiten“, aber auch nach den Grenzen unserer Relativierungen gefragt, wären wir dann auf die beispielslose Expansion von Fake News in den Sozialen Medien und darüber hinaus besser vorbereitet gewesen? Hätten wir „Digital Literacy“ schon vor Jahren zu einem Schwerpunkt unserer Aktivitäten gemacht?

Hauff-Hartig wird seine Ergebnisse, wie „Fake News“ und ihre „begrifflichen Nachbarn“ auf den Punkt zu bringen und aufeinander zu beziehen sind, in Kürze in Open Password vorstellen. Hier wird nach den pragmatischen Erträgen seiner Arbeit und des Umfeldes, in dem sie entstanden ist, gefragt. Stephan Büttner, unter dessen Förderung die Masterarbeit von Hauff-Hartig entstanden ist, verweist in seiner Einführung darauf, dass sich die FH Potsdam Ende 2017 entschlossen hat, „Digital Literacy als Forschungsschwerpunkt aufzunehmen und in die Lehre zu integrieren“. Er begründet:

„Es kommt darauf an, nicht nur passiven Infomationssachverstand zu vermitteln, sondern die aktiven Informationskompetenzen einschließlich der Schärfung des Verantwortungsbewusstseins aufzubauen. … Bibliotheken sollen sich insofern der Herausforderung stellen und den Ausbau der digital literacy auf allen Ebenen fördern. Sie ist eine Kernkompetenz des 21. Jahrhunderts, deren Relevanz für die Demokratie nicht oft genug betont werden kann: „(…) Bibliotheken teilen sich die Aufgabe, die Bürger zu einer demokratischen Teilhabe zu befähigen. Es handelt sich um (…) ein Sicherheitskonzept, wie wir uns selbst regieren“ (LANKES, S. 47-48) und ist ein zentraler Punkt von Richard David Lankes „Erwarten Sie mehr!“

Für Bibliotheken bedeutet dies, Digital Literacy als Kernaufgabe für die Führung von Bibliotheken zu verstehen und die Bibliothekarinnen und Bibliothekare dafür zu motivieren und weiterzubilden“ (S. 9 f.).

Hauff-Hartig zieht als sein pragmatisches Fazit:

„Nicht nur die alten und neuen Eliten als Akteure in den Nachrichten- und Informationskreisläufen (müssen) sich ihrer Rolle stärker bewusst werden. … Dort ist man mittlerweile für den Themenkomplex „Fake News und medialer Vertrauensverlust“ sensibilisiert. Faktenchecks haben besonders in der Wahlkampfzeit vor den Bundestagswahlen 2017 stark an Bedeutung gewonnen. …

Auch die Bürger sind skeptischer gegenüber den Medien und den Aussagen der Politiker geworden. Dieses Misstrauen kann man … als Momentum für einen Schub beim Vermitteln von Informationskompetenz und digital literacy auf allen Ebenen nutzen. Informationsspezialisten können künftig beispielsweise den Multiplikatoren im Bildungsbereich zur Seite stehen, um dort Informations- und Medienkompetenz vom Kleinkindalter bis zum Gebiet der Erwachsenenbildung deutlich stärker als bislang auf- und auszubauen. Darüber hinaus ist es denkbar, diese Aufgabe auch außerhalb der etablierten Institutionen zu leisten. Auf jeden Fall würde damit die klassische Rolle von Informationsspezialisten auf ein neues Qualitäts- und Bedeutungsniveau gehoben. …

Im Web 2.0 kann sich jeder Einzelne ungleich stärker als zuvor in den Informationsfluss einbauen, ohne dass die sich daraus ergebende Verantwortung von allem wahrgenommen wird. Darum wird es der zukünftige Auftrag in den Informationswissenschaften sein, die aktiven Informationskompetenzen des Einzelnen einschließlich der Schärfung des Verantwortungsbewusstseins aufzubauen“ (S. 64f.).

1) "Wir müssen nicht nach Russland schauen. De meisten Fake News werden in Deutschland produziert, von Medien wie von Politikern" (nach FAZ, 30. Juni, Seite 8).


Provider´s Corner

Minesoft

„Cybersecurity – A Patent

Landscape Report“

 

China has overtaken the US
in the Cybersecurity technology field

James Gray von Minesoft und Tony Trippe von Patinformatic haben den Report „Cybersecurity – A Patent Landscape Report“ verfasst. Dieser kann kostenfrei heruntergeladen werden. https://minesoft.com/cybersecurity-patenting-trends/?_cldee=dy5icmVkZW1laWVyQGdteC5kZQ%3d%3d&recipientid=contact-01bcdb688ca6e411a5486c3be5beef3c-b83d88900d84422bbb19f564f369a3b2&esid=0fdfa15d-cc7e-e811-8151-70106fa6d831&urlid=0.

The report, which covers cybersecurity patenting trends from the US, China, Europe, Japan, South Korea and WIPO, uncovered some startling trends.

China has been filing patents on cybersecurity at an unprecedented level, far surpassing the rest of the world in seeking patent protection in this area, having recently edged out the United States for total number of cybersecurity inventions over the past 10 years.

Chinese companies Tencent, Huawei, Alibaba, Lenovo, ZTE, and Xiaomi have filed a significant number of their inventions in the US as well as China. Seeking protection in jurisdictions other than China is a clear signal of the importance these companies place on these innovations and their likely quality.

Considering the 18-month lag between when patents are applied for and when they are published, the number of priority filings from China in 2017 (almost 7,000!) shows that China has clearly made this field a national priority as they are patenting at an accelerated rate compared to other jurisdictions.

Innovation in the field of cybersecurity continues to grow at an astonishing rate and this is clearly seen in the patent trends associated with this space.

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