Open Password -  Montag,

den 4. Juni 2018


# 375

 

DSGVO – Datenschutzbehörden – Michael Klems – Abmahnungen – Zivilgesellschaft – Information Professionals – Insolvenzlisten – Scoringdienste – Schufa – FirmenWissen – GBI-Genios – Personenbezogene Daten – Creditreform – Datenqualität – Datenvollständigkeit -  Business-to-Consumer – Matthias Hechler – Kopfschmerzen – Barfußgehen – Chips – Frankfurter Allgemeine – Ingo Dachwitz – netzpolitik.org

 

DSGVO und kein Ende

Datenschutzbehörden nehmen
die Informationsbranche ins Visier

Ein Brief an die Branche von Michael Klems

DSGVO und kein Ende. Vor allem die absurden Wirkungen der DSGVO scheinen gerade begonnen zu haben. Ein Fleischer meldete bei Facebook, dass er seine Kunden nicht mehr mit ihrem Namen anreden darf. Eine Arzthelfern ergänzte mit einer Meldung aus ihrer Praxis: Wir dürfen unsere Parienten nicht mehr bei ihrem Namen nennen. Ein Bekannter gab immer einen Künstlernamen an, wenn er einen Restauranttisch bestellte. Mit solchen Späßen ist es jetzt vorbei.

Kaum war die DSGVO in Kraft getreten, da ging es auch mit den Abmahnungen los. Sie verwenden Cookies? Oder Sie haben Ihre Datenschutzerklärung nicht nach allen möglichen und unmöglichen Seiten abgesichert? Da macht ein aufmerksamer Anwalt gleich ein Geschäftsmodell für sich draus.

Wir Menschen gaben uns einmal Namen, um unverwechselbar zu sein und einander wiederzuerkennen. Jetzt glauben einige, dass uns das verboten ist. Oder es ist sogar verboten. Das geschieht angeblich zu unserem Schutz. Open Password meldete mit dem Beginn der Umsetzung der DSGVO einen „massiven Angriff gegen die Zivilgesellschaft“ und meinte damit vor allem die Entmutigung ehrenamtlichen Engagements, wenn Helferinnen, statt Käsekuchen zu backen, Einverständniserklärungen einholen sollen und dann lieber auf das Kinderfest verzichten. Tatsächlich ist es noch schlimmer gekommen, weil wir des lockeren Umgangs im Miteinander beraubt werden und die Beziehungen unter Mitmenschen anonymisiert und bürokratisiert werden, wenn wir hinter jeder Hecke, wo es kein Datenschutzproblem gibt, doch ein Datenschutzproblem wittern.

Was auf uns Information Professionals skurril wirkt, schlägt in den kommenden Wochen mit voller Wucht auf Informationsdienste und Information Professionals durch. Die DSGVO bahnt sich ihren Weg durch die Business- und Datenwelt. 

Derzeit wird die Informationsbranche mit der DGSVO von zwei Seiten in die Zange genommen. Bis zum 25. Mai hatten die Datenschutzbehörden Schlüsselbranchen und dazu gehörenden datenverarbeitende Dienste der EU zu melden und eine verstärkte Kontrolle auszuüben. Diese Meldepflicht wird mit der DSGVO weiter ausgebaut. So werden Datingdienste, Insolvenzlisten und Scoring-Dienste mit Bonitätseinschätzungen nach Brüssel gemeldet. Die Schufa und andere Bonitätsinformationsanbieter haben detailliert über ihre Datenverarbeitung zu berichten. Wo nehmen sie ihre Informationen her, an wen geben sie ihre Informationen weiter? Welcher Kunde hat eine besondere Datenverarbeitung in Auftrag gegeben? Der gläserne Bonitätsinformationsanbieter mit seinen vor- und nachgelagerten Lieferketten wird Wirklichkeit – zunächst für die Behörden. Nur für die Behörden? Oder gebären die zusätzlichen gewaltigen Datenströme zusätzliche Lecks? Hier lauert zumindest eine große Gefahr.

Die meisten Information Professionals und Informationsdienste haben auf den ersten Blick wenig mit Personendaten zu tun. Innerhalb von „Firmenwissen“ oder innerhalb von „GBI-Genios“ kann vor allem nach Unternehmensdaten und Firmenauskünften recherchiert werden. Allerdings sind auch in diesen Auskünften personenbezogene Daten enthalten. Auf den Prüfstand der Behörden und betroffener Personenkreise werden auch einfachste Firmenprofile kommen, die Namen der Geschäftsführer und Gesellschafter als Personen mit Adresse und Geburtsdatum listen. Hier sehe ich die Ausübung von Druck zwar nicht von Seiten der Behörden, wohl aber seitens der Betroffenen voraus, beispielsweise indem ein Gesellschafter bei Creditreform die Löschung seines Namens verlangt. Solche Auskünfte dürfte es auch früher gegeben haben, mit der DSGVO sind sie aber ohne weiteres durchsetzbar geworden. Dabei besteht bei Unternehmen, die eine öffentliche Aufgabe erfüllen und gesellschaftliche Wirkungen entfalten, ein öffentliches Interesse daran, dass diese Namen genannt werden. Die DSGVO, die auch für eine größere Transparenz in der Wirtschaft stehen will, verursacht so, da sie gut gemeint, aber schlecht gemacht ist, sogar mehr Intransparenz.

Ein anderes Beispiel. Derzeit lassen sich Verbraucherinsolvenzen über Plattformen wie Insolvenzbekanntmachungen einfach recherchieren. Die Datensätze enthalten Informationen zu den betroffenen Personen mit tiefgestaffelten Angaben wie Adresse und Geburtsdatum. Auch hier dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis eine dieser Personen auf Basis der DSGVO gegen die Veröffentlichung seines Namens bei einem deutschen Insolvenzgericht klagt.

Weitere Ausdünnungen von Datensätzen werden kommen, darunter solche, die uns noch gar nicht eingefallen sind. Damit sinken die Qualität der Daten und die Informationsmöglichkeiten der Wirtschaft weiter. Die Risiken neueingegangener Partnerschaften und Kooperationen steigen und die Möglichkeiten rationalen Handelns im Wirtschaftsleben gehen zurück, wenn es keine validen Datensätze mehr für Business-to-Consumer-Geschäften geben sollte. Diese Wirkungen entfalten sich schleichend und sind zunächst kaum sichtbar, so dass sich lauter Widerstand dagegen zunächst nicht erheben wird. Um so größer ist der sich langfristig ungehindert akkumulierende Schaden.

Wankt das Geschäftsmodell für Information Professionals, die wir unser Geld direkt oder indirekt mit Personeninformationen verdienen? Spätestens jetzt ist es an der Zeit, seine Meinung zu äußern und Stellung zu beziehen. Open Password ist dafür eine geeignete Plattform.

Mit den besten Grüßen Ihr Michael Klems

DSGVO-Nachlese

Datenschutzbehörden nehmen ausgewählte Branchen ins Visier. Die Datenschutz-Aufsichtsbehörden haben festgelegt, auf welche Datenverarbeitungen sie besonderen Augenmerk legen wollen. Hierzu gehören Soziale Netzwerke, Scoring und Fahrzeugdaten. Allerdings scheint es einen bedeutenden Abstimmungsbedarf zu geben, da Bund und Länder unterschiedliche Listen vorlegten.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/DSGVO-Worauf-sich-die-Datenschutz-Aufsichtsbehoerden-konzentrieren-4060400.html

Erste Abmahnungen zur DGSVO werden bekannt. Die erste Woche nach dem Inkrafttreten der DGSVO ist noch nicht herum, da liegen die ersten Abmahnungen vor. Es wurden in allen bekanntgewordenen Fällen wettbewerbliche Gründe angegeben. Dabei werden etwa ein fehlender Datenschutzhinweis und ein Google-Tracking moniert. In einem Fall wurde mit 7.500 Euro der Streitwert bekannt.  

https://www.heise.de/newsticker/meldung/DSGVO-Die-Abmahn-Maschinerie-ist-angelaufen-4061044.html
Argumentationshilfe und Abwehr einer Abmahnung. Die Landing Page des Rechtsanwaltes Matthias Hechler erscheint auf den ersten Blick wie eine reine Werbeseite. Dennoch sind hier einige interessante Argumente zu finden, um Abmahnungen auf Basis der DSGVO abzuwehren.

http://www.abmahnungs-abwehr.de/abmahnungen/erste-abmahnungen-wegen-dsgvo/

Thema: Gesundheit

Woher kommt der Kopfschmerz? ImNorden leiden mehr Menschen unter dauerhaften Kopfschmerzen. Forscher haben jetzt die Ursache dafür entdeckt. Das liegt an unseren afrikanischen Vorfahren, die vor Urzeit eingewandert sind. Da muss man ja auch Kopfschmerzen bekommen, wenn man an die kalten Tage bei uns denkt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/migraene-die-krankheit-kam-mit-der-kaelte-a-1206003.html

Gehen Sie barfuß! Die Urlaubszeit macht es möglich. Gehen Sie öfters barfuß und beugen Sie damit einer Plattfußbildung vor. Und das Barfußlaufen bringt noch viel mehr.

https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit/vergleichsstudie-regelmaessiges-barfusslaufen-beugt-plattfuessen-vor-30051516

Einmal angefangen – nicht mehr aufgehört. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es so schwer nach dem ersten Griff in eine Chipstüte ist aufzuhören? Die Frankfurter Allgemeine erklärt, warum hinter dieser Zeitung immer weitere Chips geknackt werden.

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/fett-und-kohlenhydrate-wenn-man-nicht-aufhoert-zu-essen-15554317.html

Post der Woche

Geschäftsmodell "Abmahnung beenden".

Mit Abmahnungen können Rechtsanwälte teilweise weitgehend automatisiert schnelles Geld verdienen. Ingo Dachwitz fordert auf netzolitik.org ein Ende dieses in Europa einzigartigen Geschäftsmodells. Stoppt diese Anwälte durch Rechtsetzung!

https://netzpolitik.org/2018/abmahnungen-und-der-datenschutz-den-deutschen-sonderweg-beenden/


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