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den 29. Juni 2018


# 391

 

Donald Trump - Urheberrechtsverletzungen - Amazon - Börsenverein - EU - Urheberrechtsreform - Elisabeth Simon - LexisNexis - Internationale Zertifizierung - Risikoerkennung - Maschinelles Lernen - Lieferanten - Personenrecherche - Arnsberger Zukunftskonferenz – Kommunale Wirtschaftsförderung – Aylin Ilhan – Uni Düsseldorf – Digitalisierung – Stadtwerke Arnsberg – Karlheinz Weißer – Dirk Wiese – BMWi – Nathanel Liminski – Staatskanzlei NRW – E-Government – Mart Laanemäe – Estland – i-voting – id card – mobile-id – e-residency – Unternehmensgründungen – Katharina Reiche – Verband kommunaler Unternehmen – Gigabit Masterplan – Mariya Gabriel – Digital Skills – Bürgerportale – Stadtwerke Arnsberg – Autonomes Fahren – Intelligente Mülleimer – Intelligente Straßenlaternen – Darmstadt – Ludwigsburg – Barcelona – Songdo City – Masdar City

 

Briefe

Wie die kleinen Verlage
von Amazon gebeutelt werden

Lieber Willi,

ich bin gerade Opfer einer wirklich frechen Urheberrechtsverletzung geworden. Siehe http://kostenlosebucherherunterladen.com/autor/233251/dietlind-rohm Zwar habe ich einen Rechtsanwalt eingeschaltet, aber die Plattform, die meine Rechte verletzt hat, ist in Arizona beheimatet. Da der amerikanische Präsident Trump aus allen internationalen Bindungen herauswill, dürfte es eher noch schwieriger werden, Anbieter wie diese zu belangen.

Bei der kürzlichen Konferenz über kleine und mittlere Verlage im Bundestag ging es um einen anderen amerikanischen Anbieter, nämlich Amazon. Auch dort wurde moniert, dass Amazon zwar große Gewinne in Deutschland einfährt, aber bei uns keine Steuern zahlt. Aber ich habe dem anwesenden Vorsitzenden des Börsenvereins auch entgegengehalten, dass Amazon für Bücher, die es für die Verlage vertreibt, 50% des Buchpreises als Vermittlungsgebühr nimmt. Diesen Anteil hat es soeben auf 60% erhöht. Solches ist zwar rechtswidrig, aber wer ist schon stark genug, um sich mit Amazon anzulegen.

Leider spielt auch die EU mit ihrer Urheberrechtsreform vor allem den großen Anbietern in die Hände.

Viele Grüße, Elisabeth Simon, Simon-Verlag für Bibliothekswissen

 

LexisNexis

Zertifizierung, Risikoerkennung,
Reputation der Lieferanten und Personenrecherche

Neue branchenrelevante Beiträge von LexisNexis:

Internationale Zertifizierung ISO 37001

https://www.lexisnexis.de/blog/compliance/internationale-zertifizierung-iso-37001?utm_source=open-password&utm_content=iso-37001&utm_campaign=blog 

Über den Zusammenhang zwischen maschinellem Lernen und Risikoerkennung
https://www.lexisnexis.de/blog/compliance/maschinelles-lernen-und-risikoerkennung?utm_source=open-password&utm_content=maschinelles-lernen&utm_campaign=blog 

Sag mir, wer deine Lieferanten sind und ich sage dir, ob ich mit dir zusammenarbeiten kann.
https://www.lexisnexis.de/blog/compliance/lieferanten-due-diligence?utm_source=open-password&utm_content=lieferanten-due-diligence&utm_campaign=blog

Wie können Unternehmen Bestechungs- und Korruptionsrisiken besser handhaben?
https://www.lexisnexis.de/blog/compliance/bestechungs-und-korruptionsrisiken-besser-handhaben?utm_source=open-password&utm_content=kathryn-higgs&utm_campaign=blog

So finden Sie die richtigen Informationen bei einer Personenrecherche
https://www.lexisnexis.de/blog/compliance/richtige-informationen-bei-einer-personenrecherche?utm_source=open-password&utm_content=personenrecherche&utm_campaign=blog

 

1.      Arnsberger Zukunftskonferenz

Digitalisierung für kommunale
Wirtschaftsförderung entscheidend


Aber Steckenbleiben im Stadium der Ideenfindung,
zu sehr auf Imitationen aus

Eine Tagung im Herzen des Sauerlandes und ein Resümee aus informationswissenschaftlicher Sicht

Von Aylin Ilhan, Abteilung für Informationswissenschaft, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (aylin.ilhan@hhu.de)

Keynote: Mariya Gabriel, EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft auf der 1. Arnsberger Zukunftskonferenz (Foto: Aylin Ilhan)

„Zukunft ist, was wir daraus machen“. Unter diesem Motto trafen sich über 200 hochinteressierte Teilnehmer, um mit zwanzig Referenten, sie alle politische oder wirtschaftliche Entscheidungsträger, über die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in Deutschland zu sprechen. Die „1. Zukunftskonferenz“ wurde von den Arnsberger Stadtwerken ausgerichtet.

Eines war bereits zu Beginn des Tages kein Geheimnis mehr: Die Smartness einer Region ist ein Wettbewerbsfaktor für die Gemeinden und ausschlaggebend für den Erfolg kommunaler Wirtschaftsförderung, so Karlheinz Weißer, Geschäftsführer der Stadtwerke Arnsberg. Um Erfolge in der Digitalisierung zu erzielen, ist eine kritische Reflexion der eigenen Position notwendig. Dirk Wiese, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, betonte, dass Deutschland sich vorn positionieren muss und mit einem Platz im Mittelfeld nicht zufrieden sein kann. Für eine Veränderung müssen allerdings Innovationen im Bereich der Digitalisierung gefördert werden, und Wiese betonte: „Es bleibt noch viel zu tun.“

Dies gilt besonders für Verwaltungsprozesse. Nathanael Liminski, Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, nannte als Beispiel, dass die Beantragung von Pässen zu viele Anlaufstellen benötige. Auch das Gründen von Unternehmen sei alles andere als ein bürokratisches Kinderspiel, wenngleich sich die Politik seit einiger Zeit bemühe, die Verwaltungsabläufe in diesem Punkt zu beschleunigen.

Der außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Republik Estland, Mart Laanemäe, demonstrierte, was Deutschland und Estland in Sachen Digitalisierung unterscheidet. Seit 2005 verfügen die Bürger in Estland landesweit über die Möglichkeit, online zu wählen (i-voting [1]) Die Bürger benutzen hierfür entweder ihre id card [2] oder ihre mobile-id. Mit beiden Id’s erhalten sie Zugang zu allen elektronischen Dienstleistungen und können digital Dokumente unterzeichnen und Transaktionen bestätigen. Ausgenommen sind einzig Vermählungen, Scheidungen und Immobilienkäufe.

Fachvortrag: William Mart Laanemäe, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Estland (Foto: Aylin Ilhan)

2014 führte Estland die e-Residency ein [3]. Es handelt sich hierbei um einen elektronischen (digitalen) oder besser gesagt virtuellen Wohnsitz in Estland. Das ermöglicht vielen Menschen innerhalb nur eines Tages, ein Unternehmen in Estland online zu gründen. Wohl muss in einem Vergleich berücksichtigt werden, dass Deutschland bis zu 80mal mehr Einwohner besitzt und flächendeckend fast achtmal so groß ist. Dennoch zeigt Estland vielen Ländern, welche Vorteile die Digitalisierung ermöglicht.

Sind die neuerdings überall kursierenden Buzzwords wie „Industrie 4.0“ ohne konkreten Kern? Es gilt, Begriffe wie diese mit Inhalt und Leben zu erfüllen. Bürger sollten eine Vorstellung davon bekommen, welche Risiken und Chancen mit den dahinterstehenden Konzepten verbunden sind. Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), betonte, dass es nicht ausreiche, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Die Menschen müssen abgeholt und eingebunden werden, damit sie die neuen Angebote annähmen und mit ihnen umgehen könnten.

Auch an diesem Tag wurde deutlich, dass die Digitalisierung in Deutschland stärker vorangetrieben werden muss. Dabei müssen die Menschen mehr in den Mittelpunkt politischer Maßnahmen gerückt werden und der Fokus darf sich nicht auf innovative Produkte und Dienstleistungen beschränken. Wohl wurden verschiedenste Pläne vorgestellt. Hierzu gehört der Wille, den flächendeckenden Breitbandausbau in Deutschland im Jahre 2025 vollendet zu haben („Gigabit Masterplan“). Mariya Gabriel betonte die besondere Bedeutung von „Digital Skills“: „We have to invest in people“ und „We need to invest in our active and vulnerable people.“

Während ich dies schreibe, berichtet ein Radiosender, dass Schüler ihre Smartphones zum aktiven Recherchieren im Unterricht benutzen dürfen. Klingt nach einer guten Idee. Für mich bedeutet „We have to invest in people“ aber auch, dass das Lehrpersonal die Kompetenzen entwickelt, um Lehrinhalte wie „Information Literacy“ und „Media Literacy“ angemessen zu unterrichten und zu fördern.

Immer wieder wurden in Arnsberg Start-ups als treibende Kraft definiert. Was müssen wir tun, um nicht mehr als gründerunfreundliches Land zu gelten? Sollte die Lösung eine e-Residency a la Estland sein? Aber ja! Nicht zu vergessen die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen zum Nutzen der Bürger und ihre Darbietung in Bürgerportalen, so auch Liminiski.

Die Stadtwerke Arnsberg und die Stadt Arnsberg bemühen sich sowohl konzeptionell als auch in der Umsetzung, mit gutem Beispiel in Sachen Digitalisierung voranzugehen. Zum Beispiel das autonome Fahren. Sowohl die Stadtwerke Arnsberg als auch Menden haben ein Konzept für eine neue Teststrecke eingereicht [4]. Bereits möglich ist die bargeldlose, digitale Bezahlung von Parkscheinen. Und die anderen Gemeinden in Deutschland? Hier wurden die intelligenten Mülleimer am Darmstädter Hauptbahnhof [5], die für eine effizientere Müllabfuhr sorgen, und der nachhaltige Stromverbrauch in Ludwigsburg mit Hilfe von intelligenten Straßenlaternen [6] als Beispiele genannt.

Zum Staunen haben mich diese Projekte freilich nicht gebracht. Nachbarländer wie Spanien haben seit längerem Mülleimer mit Sensoren ausgestattet, und digitales Bezahlen und digitales Verlängern von Parkscheinen gibt es in Barcelona. Und 8.500 Kilometer östlich von Deutschland befindet sich die „Kunststadt“ Songdo City, wo der Müll über ein unterirdisches System zu einer zentralen Verwaltungsanlage geleitet wird. Hier wurde die traditionelle Müllabfuhr erst gar nicht in Betracht bezogen. Fairerweise ist hinzuzufügen, dass sich ein unterirdisches Abfallsystem in einer rundum geplanten Stadt leichter umsetzen lässt als in einer über die Jahrhunderte zusammengewachsenen Stadt. 

Damit komme ich zu den Schwachpunkten der Digitalisierung in Deutschland, wie sie sich auf dem Arnsberger Zukunftskongress zeigten:

• Viel zu häufig beschränkt man sich auf gute Vorsätze und das Finden von Ideen. Aber wenn es praktisch werden soll, ist die Luft schon heraus. Es darf aber nicht nur um Ideenfindung gehen, vielmehr muss es auch Kooperationspartner und Finanzierungsmittel geben.

• Was nützen die schönsten Konzepte, wenn sie in endlosen Diskussionen über ihre Risiken zerredet werden? Oder sie verschwinden in Schubladen, um dort zu verstauben. Es ist eine immer wiederkehrende Klage in Deutschland, dass Pläne in Deutschland nur aufgeschrieben, aber nicht umgesetzt werden. Unser Land bietet zwar Freiraum für intellektuelle Innovationen, auch noch für Testmöglichkeiten, aber inflexible hierarchische Strukturen verhindern eine zeitnahe Umsetzung.

• Wir beschränken uns zu sehr auf eine Imitatorenrolle, versuchen also lediglich das nachzuahmen, womit andere Länder längst vorgeprescht sind. Dabei wäre es erfolgsversprechender zu fragen: Was kann Deutschland im Zeitalter der Digitalisierung bieten, was Vorzeigeländer wie Estland noch nicht haben? Leider ist die Antwort auf diese Frage besonders frustrierend.

Vor uns steht in Sachen Digitalisierung ein sehr langer und mühseliger Weg. Wird Deutschland sich von seiner Bürokratie und den festen Strukturen lösen können? Wird sich überhaupt etwas verändern? Und was passiert derweil in anderen Ländern? Vielleicht haben wir 2025, wenn der „Gigabit Masterplan“ erfolgreich in Deutschland umgesetzt wurde, in anderen Orten auf der Welt neben New Songdo City (Südkorea) und Masdar City (Arabische Emirate) weitere erfolgreiche „Smarte Städte“. Es bleibt spannend.

 

Links:
[1] https://e-estonia.com/solutions/e-governance/i-voting/ Abgerufen am 25.03.2018
[2] https://e-estonia.com/solutions/e-identity/id-card/ Abgerufen am 25.03.2018
[3] https://e-estonia.com/solutions/e-identity/e-residency Abgerufen am 25.03.2018
[4] https://www.stadtwerke-arnsberg.de/aktuelles/detail/teststrecke-fuer-autonomes-fahren-in-suedwestfalen.html Abgerufen am 25.03.2018
[5] https://www.industr.com/de/E-und-E-Magazin/informations-kommunikationselektronik-107638/schlaues-staedtchen-2294326 Abgerufen am 25.03.2018
[6] https://www.ludwigsburg.de/,Lde/start/stadt_buerger/intelligente+strassenbeleuchtung.html Abgerufen am 25.03.2017

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