Open Password -  Freitag,

den 31. August 2018


#430

 

Information Professional des Jahres – Sabine Graumann – Fachinformationspolitik – Anna Knoll – Kantar TNS – Information Professional – EU-Kommission - Member States´ Studies – Elektronische Informationsdienste – European Economic Area – Projektmanagement – Willi Bredemeier - Fachinformationspolitik – Monitoring Wirtschaft Digital – Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – Sekundärforschung – Expertenbefragung – Informationswirtschaft - Wettbewerbsfähigkeit – Öffentlichkeitsarbeit – IKT-Gipfel – ZEW – Digitale Agenda - Farmers Business Network - F2F Genetic Network - Gallup - Urbanova - Smart Cities - TransUnion - Mobile Offers Now - Equifax - Advanced Mobile Engine - Springer Nature - ORCID - Outsell


Information Professional des Jahres:

Sabine Graumann (II)

Den Möglichkeitsraum eines InfoPros
voll ausgeschritten

Von den Member States´ Studies
zum „Monitoring Wirtschaft Digital“

„Neue Marke der Standortanalyse und wirtschaftspolitischen Beratung etabliert“ 

 
Von Willi Bredemeier

 

Sabine Graumann ist Information Professional des Jahres. In der Jury von Open Password stimmte man gerne zu, nachdem Anna Knoll ihren Namen ins Spiel gebracht hatte. Open Password führte mit ihr ein Gespräch zu ihrer aktuellen Situation und zu ihrer Lebensleistung.

Dazu eine Vorbemerkung: Sabine Graumann arbeitete zwar ihr berufliches Leben lang in nur einem Marktforschungsinstitut. Dieses wurde aber, sobald es in den Händen eines anderen Eigentümers übergegangen war, mehrere Male umbenannt. Im Folgenden soll meistens nur der Begriff Kantar TNS, also der heutige Name, gelegentlich auch der historische Name Infratest herangezogen werden.

Und eine Bewertung: Das Interview zeigt den Möglichkeitsraum eines Information Professionals zumindest im Bereich der Marktforschung auf und wie er über eine Reihe von Jahrzehnten weitgehend von Sabine Graumann ausgefüllt wurde. Dazu gehörte Kompetenz, Fortune, Resolutheit und die Fähigkeit, Herausforderungen kreativ zu meistern. Um an dieser Stelle einen Vertrauten von Frau Graumann zu zitieren: „Am besten ist Sabine immer dann, wenn es schwierig wird.“ Dies geschieht im Gespräch in einer Klarheit und Konkretheit, die in Beschreibungen der Arbeit und der Erfolge von Information Professionals eher ungewohnt sind, beispielsweise anhand von Empfehlungen für den InfoPro-Stand und in einer Zeitreise entlang der von ihr durchgeführten Groß- und kleineren Projekte, in der die Geschichte der Fachinformation neu ersteht. Sabine Graumanns unerschütterlicher Optimismus kommt auch darin zum Ausdruck, dass sie dem Nachwuchs empfiehlt, Information Professional zu werden. Wie wir sehen, hat sie dafür gute Gründe.

Hier kommt der zweite Teil des Gespräches:

Wir befinden uns in den 90er Jahren und Deine internationalen Arbeiten erreichen ihren Höhepunkt.

Member States´ Studies. Von 1994 bis 1999 arbeitete ich gemeinsam mit Willi (gemeint ist Willi Bredemeier, derzeit Redakteur von Open Password), meinem langjährige eingespielten Partner, für die Europäische Union. Super Willi! Unsere Zusammenarbeit klappte auch deshalb so gut, weil der eine besonders das mochte, woran der andere nicht so gern arbeitete, und vice versa. Wir erarbeiteten zunächst eine Methodologie („Kochbuch“) für die Erhebung der Umsätze Elektronischer Informationsdienste, weil es zwar mehrere Erhebungen darüber gab, aber jeder mit seinen handgestrickten Definitionen arbeitete und die Zahlen überhaupt nicht vergleichbar waren.

In den folgenden zwei Umsatzerhebungen, den „Member States´ Studies“, zuletzt in den 15 Ländern der European Economic Area, hatten wir mehr als zwanzig Forschungsinstitute zu koordinieren, die Erhebung selbst für Deutschland durchzuführen und die Ergebnisse der Länderstudien in einem Gesamtbericht zusammenzufassen. Das war zu einem guten Teil Projektmanagement pur, die englischsprachigen Präsentationen der Ergebnisse vor den zuständigen Mitgliedern der Europäischen Kommission inklusive.

Die Koordination der Institute erwies sich aber auch als ein erstaunlich politischer Job, weil sich weder die Briten noch die Franzosen von den Deutschen auf ein gemeinsames Berichts- und Tabellenwesen einschwören lassen wollten und meinten, sie könnten das tun, wozu sie gerade Lust hatten. Dazu kam, dass die Italiener Texte erarbeiteten, die entfernt an die englische Sprache erinnerten, und die Österreicher schlapp machten, also keine Studie abliefern konnten. Die österreichische Studie wurde dann zusätzlich von Willi übernommen. Die Skandinavier waren hingegen so pingelig, dass sie immer noch methodologische Probleme entdeckten, wo uns längst alles klar schien, und sie hatten mit ihren Hinweisen häufig auch recht. Dazu gab es weitere große Lichtblicke unter den Instituten, beispielsweise die in Belgien, den Niederlanden und Spanien. Am Ende konnten wir Zahlen vorlegen, die qualitativ abgesichert und für die europäischen Länder vergleichbar waren. Dies geschah freilich teilweise erst nach langen Korrespondenzen und erschöpfenden Konferenzen.

Was waren die zentralen Ergebnisse?

In den 90er Jahren wollte Deutschland zwar ein politischer Zwerg sein, aber wirtschaftlich strotzte das Land vor Selbstbewusstsein. Das war doch klar, dass wir in neuen Technologiebereichen die ersten in Europa waren! Siehe unsere Automobile, siehe unser Maschinenbau. So versuchten wir denn auch als einziges Land neben Frankreich mit seinem Minitel-Experiment einen nationalen Sonderweg, den der Fachinformationspolitik, zu gehen. Tatsächlich zeigte sich aber, dass Deutschland bei den Elektronischen Informationsdiensten (EIS) bestenfalls Mittelmaß war. Der eindeutig größte EIS-Markt war Großbritannien vor Frankreich und bei den Umsätzen relativ zum Bruttoinlandsprodukt lagen das Vereinigte Königreich, die skandinavischen Länder und die Niederlande vorn. Hier hätte eine Kritik an das damals noch voll laufende deutsche Fachinformationsprogramm ansetzen können.

Wir hatten aber auch wunderbare Feiern auf der Place d´Armes in Luxemburg und die damals geschlossenen Freundschaften hielten weit hinein ins neue Jahrhundert.

Sabine Graumann auf dem „Digitalgipfel 2017“

Monitoring Wirtschaft Digital. Die Member States` Studies nahmen ein Ende, weil sich mittlerweile das World Wide Web durchgesetzt hatte und sich für die Kommission damit völlig neue Fragen stellten. Aber ohne die Member States´ Studies hätten wir im Jahre 2000 kaum die Ausschreibung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für „Monitoring Informationswirtschaft“ gegen die Crème der deutschsprachigen IKT-Forschung gewonnen. Das Projekt läuft bis heute weiter, derzeit unter dem Titel „Monitoring Wirtschaft Digital“, und wurde bis zum Jahre 2006 gemeinsam mit Willi durchgeführt. Ausgangspunkt des Projektes war der Tatbestand, dass es schier unendlich viele Studien zur Informationswirtschaft (= Telekommunikation, Informations- und Kommunikationstechnik, E-Commerce und Elektronische Informationsdienste) zu geben schien, die Ergebnisse aber wenig vergleichbar waren und die Qualität der Studien sehr unterschiedlich war. Angesichts dieser weitgehenden Intransparenz waren wir zu einer Qualitätskontrolle mit Hilfe der Sekundärforschung aufgerufen. Unsere jährlichen Basisreports mit Fokus auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Informationswirtschaft wurden durch jährliche Trendreports ergänzt, für die wir zwischen hundert und dreihundert Führungskräfte zu ausgewählten Schwerpunktthemen befragten. Als wir vom Lehrstuhl Reichwald/Picot im Auftrage des Bundeswirtschaftsministeriums evaluiert wurden, sprach dieser von einer „idealen Kombination von Sekundärforschung und Expertenbefragung“.

Wiederum waren die Ergebnisse, diesmal für die deutsche Informationswirtschaft, nicht berauschend.

Nicht nur die deutsche, sondern die gesamte europäische Informationswirtschaft stand im Jahre 2000 unter Druck, gegenüber den USA und Japan aufzuholen. In den folgenden Jahren geriet sogar die USA gegenüber den „Tigerstaaten“, beispielsweise Südkorea, bei mehreren unserer Performance-Indikatoren in Rückstand. Wir haben aber immer wieder mit Hilfe unserer Experten Wege aufzuzeigen versucht, wie die deutsche Informationswirtschaft zur Spitze aufschließen könnte. Hinzu kam eine aktive Öffentlichkeitsarbeit, die wir gemeinsam mit unserem Kunden betrieben und die dazu führte, dass „Monitoring“ zu einer etablierten Marke geworden ist, deren Ergebnisse flächendeckend von den deutschen Medien beachtet werden. Für mich war es eine große Freude zu sehen, dass aus unseren Ergebnissen immer mal wieder etwas Umsetzbares herauskam oder wir zumindest mit großer Plausibilität vermuten durften, dass wir mit unseren Experten eine in Gang gekommene politische Entwicklung mit beeinflusst hatten.

 

 

Die Monitoring-Projekte waren jeweils auf drei Jahre angelegt. Danach gab es eine neue Ausschreibung.

Diese waren für uns aber alles andere als ein Selbstläufer. Jede Ausschreibung bedingte, sich etwas Neues einfallen zu lassen, was die Konkurrenten ausstach. Ich fand es herausfordernd, gemeinsam mit dem Kunden das Projekt kreativ und innovativ voranzutreiben. Dadurch blieb es immer sehr spannend, bis glücklicherweise der nächste Zuwendungsbescheid kam.

… der wiederum kräftig gefeiert wurde.

Versteht sich.

Eine der großen Veränderungen im Verlauf der Monitoring-Projekte war die Ersetzung des Trendreports durch Workshops mit Top Managern der deutschen Informationswirtschaft. Seit 2007 findet jährlich der IKT-Gipfel statt, an dem die Bundeskanzlerin teilnahm und Ergebnisse unserer Studie zitierte. Dies hat die Belange der deutschen Informationswirtschaft in der Öffentlichkeit stark befördert und unsere Arbeit sehr erleichtert. 2011 wurde mit dem ZEW, Mannheim; ein neuer Partner für die Projektdurchführung hinzugenommen. 2014 führten wir die repräsentative Befragung von Unternehmen ein.

Diese Praxis, von Jahr zu Jahr weitere Innovationen einzuführen, waren aber nur möglich, weil wir es im Bundeswirtschaftsministerium mit besonders kreativen und innovativen Ministerialräten zu tun hatten. Von dort erreichte mich 2015 das folgende Kundenfeedback:

„Der Report zeigt uns, wo Deutschland gut aufgestellt ist und an welchen Stellen noch Handlungsbedarf besteht. Das Monitoring dient auch dazu, die Auswirkungen der digitalen Technologien auf unsere gesamte Wirtschafts- und Arbeitswelt besser abschätzen zu können. Der jährliche Monitoring-Report ist damit zu einem wesentlichen - auch von der Leitung geschätzten - Analyse- und Planungsinstrument des BMWi im Rahmen seiner federführenden Verantwortung für die Digitale Agenda und den Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung geworden.

Besonders geschätzt haben wir dabei die begleitenden hochrangigen Expertenworkshops zu den Monitorings. Der vorletzte Workshop mit über 70 Teilnehmern aus den Kernbranchen — nicht nur der IKT-, sondern auch der deutschen Wirtschaft — auf High-Level ClO-Ebene hat viele zusätzliche Impulse für die Neuausrichtung des IT-Gipfels und die weitere Umsetzung der Digitalen Agenda geliefert.“

Die Erfahrungen mit den „Monitoring“-Projekten gaben mir Rückenwind, als ich in Fachbeiträgen und Vorträgen auf die Vorteile der Sekundärforschung hinwies. Häufig ist Sekundärforschung kostengünstiger als Primärforschung, ohne dass man qualitative Abstriche machen müsste. Seit einigen Jahren befindet sich denn auch Sekundärforschung in der Marktforschung im Aufwind.

Lesen Sie in der nächsten Folge: Auch der Krise der Fachinformation konstruktiv begegnet

Provider´s Corner


Farmers Business Network
für radikale Innovationen

Farmers Business Network announces the creation of the F2F Genetics Network to bring farmers radical innovation, transparency and economics through an entirely new model for seed development and purchasing. F2F creates an interactive farmer-breeder network, so farmer feedback will drive the development of new seed products. Farmers will actively drive the future of genetics, the performance of the seeds they plant, and the yield potential of their farms. 

Gallup and Urbanova: Plattform für Smart Cities und Nachbarschaften. Gallup and Urbanova have partnered to develop a people-centered smart cities platforms to give municipalities and their stakeholders the data and insights they need to improve the social, economic and environmental equity and resiliency of their neighborhoods. This is a unique partnership that pairs the global analytics insights from Gallup with the industry players from Urbanova.

TransUnion mit Kreditangeboten in Realtime. To meet the evolving needs of consumers, TransUnion announced the launch of Mobile Offers Now. This solution helps financial institutions respond to increasing consumer expectations to be served when and where they choose. Mobile Offers Now leverages TransUnion’s existing Find My Offer platform to provide consumers with instant access to prequalified credit offers through a simplified, SMS-initiated, mobile experience. 

Equifax mit neuro-basierten Entscheidungshilfen. Equifax is revolutionizing the way data scientists build and deploy predictive models with its new AI-enabled Advanced Model Engine. The tool is a modular model development and deployment library which uses big data and distributed computing to quickly and efficiently create models that can be seamlessly deployed with applications across industries and use cases. Advanced Model Engine includes Equifax NeuroDecision Technology.

Springer Nature führt ORCID flächendeckend ein.  Following a successful trial in 2017 across 46 Springer Nature journals, which saw the use of ORCID identifiers mandated for corresponding authors of primary research manuscripts, Springer Nature continues to avidly support the take up of ORCID, the unique digital identifier for scholarly authors. From 28 August 2018 not only will all 27 Nature Research journals and all 18 Nature Reviews journals apply this mandate, but it will be extended immediately to some content type beyond primary research. Nature and Nature Communications are to follow in due course.

Quelle: Outsell

 

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