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Open Password - Donnerstag,
den 4. Juni
2020

# 765


„Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken“ – ZB MED – Open Password – Dietrich Nelle – Bibliothekarische Funktionen – Willi Bredemeier – Miriam Albers – BMBF – Bibliotheken 2025 – „Zukunft der Informationswissenschaft“ – Simon Verlag für Bibliothekswissen – Corona – Virtualisierung – Buchdruck – Renaissance – Aufklärung – Wissensbasierte Industriegesellschaft – Open Access – DEAL – Wiley – Springer Nature – Elsevier – Langzeitarchivierung – DFG – Wissensproduktion – Wissenskonsum – Soziale Medien – Visualisierung – Audios – Videos – Echtzeit – Fake News – Predatory Journals – Nichttextuelle Medien – Forschungsdatenmanagement – Bibliothek als 3. Ort – Datenschutz – Open Educational Resources – Ray Oldenburg – Gesellschaftliche Teilhabe – YouTube – Bibliothek als physischer Ort – Fortentwicklung der Methodik – Rechenzentren – Kooperationen – Nationale Forschungsdateninitiative – European Science Cloud – Research Data Initiative – Leibniz Gemeinschaft – Google – Metadaten – Ontologien – UB Universität Bielefeld – Annotierung von Daten - Mary Ellen Bates – Joerg Weizendörter – Rights Direct – AI – ZBW – Lizenzierungs- und Geschäftsmodelle – DLA Paper – Virtuelle Gerichtsverfahren



„Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!“
- Eine Veranstaltung der ZB MED und von Open Password


Dietrich Nelle

Bibliotheken als Treiber der Aufklärung
und Gestalter der Zukunft

Die bibliothekarische Funktion wird bleiben,
aber in welcher institutionellen Lösung
ist ungewiss

Von Willi Bredemeier
Dietrich Nelle auf ZB MED
Dietrich Nelle auf der Fachtagung "Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!"

Als sich Miriam Albers auf die Moderation der Fachtagung „Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!“ in Trägerschaft von ZB MED und Open Password vorbereitete, bat sie den Keynote-Speaker Dietrich Nelle per Telefon um Angaben zu seiner Person. Nelle entgegnete: „Mich kennen sie (die Teilnehmer) sicher.“ Das war in der Tat kaum eine Untertreibung, da der ehemalige Interimsdirektor der ZB MED und die heutige Führungskraft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Mitautor der Schrift „Bibliotheken 2025“ und Autor von Open Password, um nur diese Tätigkeiten zu nennen, an vielen Fronten unterwegs ist. Nelle war mit dem Beitrag „Überlegungen zur Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken in Deutschland“ auch Mitautor des Readers „Zukunft der Informationswissenschaft – Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft“ (herausgegeben von Willi Bredemeier, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019), der zu dieser Veranstaltung führte. Sein Beitrag zur jetzigen Renaissance der ZB MED ist kaum zu unterschätzen.

Heute gibt es nur selten ein Gespräch, in der nicht auf die aktuelle Krise Bezug genommen wird, und so begann auch Nelle seine Ausführungen mit einem Hinweis auf Corona. Es gäbe aber weitere grundlegende Herausforderungen. Ihnen allen sei gemeinsam, dass sie eine Chance böten, besondere Kreativität zu entwickeln. Dabei dürfe unser Ehrgeiz nicht dahingehen, die Welt nach der Krise so wiederherzustellen, wie sie vorher gewesen sei. Vielmehr sollten wir daran arbeiten, später stärker als vorher dazustehen. Insoweit sei das Format dieser virtuell gewordenen Veranstaltung, an der nunmehr Teilnehmer aus ganz Deutschland direkt partizipierten, ein gutes Signal.

Historische Rückblicke mögen geeignet sein, die Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft zu lernen. Hier griff Nelle, selbst gelernter Historiker, „die größte gesellschaftliche Innovation des Jahrtausends“, nämlich die Erfindung des Buchdrucks um 1440, auf. Dabei handelte es sich nicht nur um einen gigantischen technischen Durchbruch, vielmehr wurde der Buchdruck zum Treiber der wichtigsten sozialen Innovation des vergangenen Jahrtausends: Auf einmal mussten die Bücher nicht mehr mühsam abgeschrieben werden und damit wenigen vorbehalten bleiben. Vielmehr verbreiteten sich die Bücher und das in ihnen enthaltene Wissen an die Vielen. Aber die technischen Potenziale zu einer intellektuellen Revolution mussten erst einmal gehoben werden, und die, die das taten, waren die Bibliothekare. Die Bibliotheken ermöglichten den Vielen einen effektiven Zugang, indem sie die Bücher systematisch sammelten, sie gut auffindbar erschlossen, gute Umgebungen für ihre Nutzung schafften und sicher aufbewahrten. So wurden die Bibliothekare zu zentralen Treibern zunächst der Renaissance, später darauf aufbauend der Aufklärung und heute der wissensbasierten Industriegesellschaft.

Mit diesen Großtaten ist auch eine Messlatte für die Ansprüche gegeben, die an die Bibliotheken der Zukunft zu richten sind.

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Die großen Herausforderungen „Open Access“ und „Digitalisierung“.
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Eine der grundlegenden aktuellen Herausforderungen für die Bibliotheken und die Wissenschaftsgemeinschaft ist Open Access. Nelle ist ein großer Anhänger von Open Access, weil diese Publikationsform die bestmögliche Versorgungsqualität, die bestmögliche Sichtbarkeit des vorhandenen Wissens und die bestmögliche Basis für die Schaffung neuen Wissens sicherstellt. Umso mehr freute sich der Referent, dass es hier 2019/2020 zu einem Durchbuch gekommen ist. 2019 wurde der erste DEAL-Vertrag mit einem der Großverlage, nämlich Wiley, geschlossen. DEAL ist ein Projekt mit dem Ziel, bundesweite Lizenzverträge für das gesamte Angebot elektronischer Zeitschriften großer Wissenschaftsverlage für Bibliotheken, Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland zu schließen. Nach den Zahlen der letzten Woche ist die Wissensnutzung bei den Publikationen von Wiley um fast 50 Prozent gestiegen. Am 30. Juni könnte es zu einer Einigung der Bibliotheken mit Springer Nature kommen. Sicher ist das nicht, da das dafür notwendige Engagement bisheriger Subskribenten, insbesondere zweier wichtiger Hochschulbibliotheken, aussteht. Nelle beurteilte die Chancen, letztlich auch Elsevier ins Boot zu holen, optimistisch. Ebenso würden bald Verträge mit mittleren und kleinen Verlagen geschlossen werden.

Das BMBF unterstützt Open Access mit zahlreichen Maßnahmen. So wird der Ideenwettbewerb zu Open Access neu aufgelegt. 2019 wurde eine Kompetenz- und Vernetzungsstelle zur Unterstützung von Open Access eingerichtet. Es wird angestrebt, dass 2025 70 Prozent aller wissenschaftlichen Zeitschriften open access publiziert werden. Wohl ist richtig, dass sich mit Open Access der Sammlungsauftrag der Bibliotheken verändert. Denn wenn alles open access erschiene, wäre keine Erwerbung mehr nötig. Aber öffentliche Förderung ist nach wie vor nötig, weil es im Open-Access-Bereich der Publikationsfonds, der Publikationsinfrastrukturen und Publikationsformate und nicht zuletzt der digitalen Langzeitarchivierung bedarf. Zudem sind sich BMBF, die DFG und die europäische Ebene einig, Publikationsgebühren als förderfähig anzusehen.

Die Herausforderung der Digitalisierung besteht nicht zuletzt darin, dass sich fast überall vieles zugleich verändert. Das gilt für die Wissensproduktion: Daten werden als Rohstoff immer unentbehrlicher und machen neue Formen von Forschung erst möglich. Beispiele sind die Erdsystemforschung, wo Daten auf, über und unterhalb der Erde aus ganz unterschiedlichen Quellen zusammengeschaut und auf ihre Wechselwirkung untersucht werden, eine landwirtschaftliche Forschung, die danach fragt, wie eine ökonomische und ökologische Tragfähigkeit sichergestellt werden kann und die Personalisierte Medizin, mit der ein Patient nicht mehr nach dem Modell eines Durchschnittspatienten, sondern nach seiner individuellen Befindlichkeit therapiert wird. Auch für die zuletzt genannten Forschungsbereiche braucht man „unendlich“ viele Daten.

Ganz ähnlich wird auch der Wissenskonsum von einem grundlegenden und rapiden Wandel erfasst. Mochte früher der Tag für den Nutzer durch Tageszeitung und Tagesschau strukturiert werden, so wird heute immer weniger in vorgegebenen Formaten Wissen angeeignet und bewegen sich die Nutzer in Abhängigkeit von ihren Bedürfnissen auf ganz unterschiedlichen Plattformen und in ganz unterschiedlichen Formaten (zum Beispiel in Sozialen Medien). Damit gehen sie allerdings auch das Risiko ein, von qualitativ kritisch zu sehenden Medien beeinflusst zu werden. Reine Texte verlieren an Bedeutung, während Visualisierung, Audios und Videos wichtiger werden. Zudem wird der Nutzer immer ungeduldiger und möchte möglichst alles, was er braucht, sofort beziehungsweise in Echtzeit haben. So setzt sich in der Wissenschaftskommunikation immer mehr durch, dass demnächst in einer Abschlussfassung erscheinende Beiträge vorab auf einen Preprint-Server bereitgestellt werden. Gleichzeitig steigt der Druck, frühzeitig einen Zugriff auf die eigenen Daten zu gewähren. Von der laufenden Diskussion über „Fake News“ und „Alternative Fakten“ sind auch die Bibliotheken und die Wissensgemeinschaft betroffen, da die Bereitschaft zu einer qualitätsgesicherten Wissensfundierung sinkt und Predatory Journals um sich greifen. Hier sollten sich auch die Bibliotheken engagieren, indem sie der Verfälschung von Informationen entgegenwirken.

Mit diesen Entwicklungen ändert sich für die Bibliotheken der Bezugsgegenstand für das Erschließen, Zugänglichmachen und Aufbewahren. Nicht mehr nur das gedruckte Buch, nicht mehr nur das klassische Literaturprodukt stehen im Fokus, sondern ebenso die Daten, die nichttextuellen Medien und die Artefakte. Auch die Interaktionen mit dem Nutzer ändern sich grundlegend. Früher war es für jemanden, der sich wissenschaftlich qualifizierte, selbstverständlich, einen großen Teil seiner Zeit in der Bibliothek zu verbringen. Heute kommt der Nutzer nicht mehr unbedingt in die Bibliothek. Vielmehr muss die Bibliothek zu ihm kommen.
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Neues mit neuen Mitteln vollbringen: Forschungsdatenmanagement – Innovative Angebote für die Lehre – Bibliotheken als 3. Ort
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Mit der Herausbildung neuer Aufgabenbereiche kann es für die Bibliotheken nicht um eine inkrementelle Fortentwicklung des Bestehenden gehen, also nicht darum, in etwa dasselbe wie bisher künftig nur mit digitalen Mitteln zu tun oder digitale Medien mit klassischen Mitteln zu bearbeiten. Vielmehr muss es darum gehen, Neues mit neuen Mitteln zu vollbringen und dabei auf den vorhandenen Fundamenten aufzubauen. Dazu im Folgenden drei Beispiele, in denen die Herausforderungen und Problempunkte stichwortartig konkretisiert werden:

Forschungsdatenmanagement: Geordnetes Sammeln, die hier zu elektronischen Laborbüchern führen – Erschließen auch bei Forschungsdaten über Metadaten, Thesauri und Ontologien – Effektives Nutzen über Schnittstellen zu Fachinformationssystemen, über intelligente Suchfunktionen, über eine Begleitung der Forschenden im Forschungsprozess sowie über die Vermittlung von Informationskompetenz – Aufbewahren: Wie soll ein Netzwerk aus möglichst einfach gehaltenen Repositorien beschaffen sein? Auch Werkzeuge und Software für die digitale Langzeitarchivierung sammeln! Muss Jedermann erst Jura studiert haben, um den rechtlichen Vorgaben folgen zu können? Oder finden wir eine geeignete Balance zwischen Datenschutz, Datensicherheit und Forschung? Wir werden auch weiterhin nicht ohne einen qualitätsgesicherten Prozess der Aussonderung von Materialien herumkommen.

Innovative Angebote für die Lehre: Bei den Open Educational Resources, also den Open-Access-Materialien für den Unterricht, gilt für das Sammeln, Erschließen, Nutzen und Aufbewahren weitgehend, was zum „Forschungsdatenmanagement“ gesagt worden ist. Beispielsweise ist eine qualitätsorientierte Auswahl von Materialien sehr wichtig, da man im Netz eine sehr große Menge an Materialien findet, die qualitativ sehr unterschiedlich sind. Entscheidend wird für die Bibliotheken sein, die Studierenden wirklich zu erreichen und so eine Bindung zu den künftigen Nutzergenerationen herzustellen. Spannend könnten hier neue Nutzungsangebote werden, beispielsweise eine Sammlung von Links, die zu Podcasts passend zum Vorlesungsverzeichnis führen, oder Webinare für sich selbst organisierende Lerngruppen (einschließlich einer Präsenzphase in der Bibliothek).

Bibliothek als 3. Ort. Der amerikanische Stadtsoziologe Ray Oldenburg hat Konzept und Begriff des „dritten Ortes“ geprägt, dass also Bibliotheken für ihre Aktivitäten nicht ausschließlich auf ihre eigenen Räumlichkeiten angewiesen sind, sondern dank der Möglichkeiten der Digitalisierung in die Gesellschaft hineingehen und den Bürger über seine privaten und beruflichen Bereich hinaus gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen – durch eine Hinführung zu Wissen und wissensbasiertem Handeln, durch Ermöglichung kritischer Dialoge und Reflexionen und durch Anreize zu einem mündigen und verantwortlichen Handeln. In diesem Zusammenhang werden digitale Kanäle wie die heutige virtuelle Veranstaltung und Open Password, das über die Bibliothekscommunity hinaus weitere Zielgruppen erreichen kann, sehr wichtig, aber auch andere Kanäle wie YouTube und die Einrichtung von Webinaren. Soweit gekommen, sollte es auch möglich sein, die Bibliothek als physischen Ort attraktiv zu machen, beispielsweise durch Ausstellungen und spannende Veranstaltungen, wie sie die ZB MED bereits erprobt hat.
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Wie die Bibliotheken überleben, hängt von ihrem eigenen Handeln ab.
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Die obigen Beispiele machen drei Zusammenhänge deutlich:
  • Die Aufgaben sind zwar neu und müssen auch anders als bisher wahrgenommen werden.
  • Sie erfordern aber auch in Zukunft im Kern bibliothekarische Kompetenzen.
  • Angesichts des kontinuierlichen und sich immer weiter beschleunigenden Wandels braucht es zudem eine kontinuierliche Fortentwicklung der Methodik. Es bedarf deshalb auch Bibliotheken, die die Forschung nicht nur unterstützen, sondern auch selbst gute Forschung betreiben. Es reicht nicht, an einem wissenschaftlichen Standort angesiedelt zu sein. Vielmehr muss die Methodik wissenschaftsbasiert weiterentwickelt werden.
Die Bibliotheken sind in dieser Situation keineswegs passiv Getriebene oder sie sollten es zumindest nicht sein. Vielmehr sind sie aufgefordert, eine aktive gestaltende Rolle zu spielen. In dem DBV-Papier „Bibliotheken 2025“ heißt es, dass bibliothekarische Kompetenzen künftig in noch stärkerem Umfang als heute erforderlich sind.

Dabei bleibt allerdings offen, was solches für die Bibliotheken als Institutionen bedeutet. Um eine Analogie aus der Automobilindustrie heranzuziehen: Es wird mit Sicherheit auch in Zukunft Automobilproduzenten geben. Nur wer macht das Rennen, die klassischen Automobilanbieter, die zusätzlich auch die Digitalherrschaft gewonnen haben, oder die Internet-Konzerne, die zusätzlich gelernt haben, Autos zu bauen? Was bezogen auf die Bibliotheken bedeutet: Ja, die bibliothekarischen Funktionen bleiben erhalten, aber wer sie wahrnehmen wird, die heutigen Bibliotheken, die Rechenzentren oder ganz neue Anbieter, muss vorläufig offenbleiben. Das entscheidet sich nicht zuletzt daran, wie aktiv und intensiv die Bibliotheken ihre Möglichkeiten nutzen.

Vielleicht kommt es aber auch nicht zu diesen eindeutigen Lösungen im Sinne eines Entweder-Oder, vielmehr wird es notwendigerweise viel Kooperation geben. Die Bibliotheken können Kooperation, wie sie zum Beispiel weltweit mit einem bemerkenswerten System der Fernleihe gezeigt haben. Aber die Bibliotheken müssen sich nicht nur intern vernetzen, sondern sollten immer gemeinsam mit den Rechenzentren und den Fachgemeinschaften voranschreiten. Hier lassen die Projektanträge und weiteren Aktivitäten der Bibliotheken im Zusammenhang mit der Nationalen Forschungsdateninitiative, der European Science Cloud und der globalen Research Data Initiative vermuten, dass die Bibliotheken auf einem guten Wege sind.

Dietrich Nelle: „Der Erfolg dieser Anstrengungen wird nicht nur über die Zukunft der Bibliotheken entscheiden. Vielmehr hat er ähnliche Bedeutung für die Zukunft unserer Gesellschaft“, wie dies in der Vergangenheit nach der Erfindung des Buchdrucks der Fall war.

Am Ende seines Referates wünschte Nelle „den wissenschaftlichen Bibliotheken im Allgemeinen eine starke Rolle bei der Gestaltung der Zukunft und speziell der ZB MED viel Erfolg auf dem Weg zurück in die Leibniz Gemeinschaft.“

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Was können wir, was Google nicht kann? – Bessere Metadaten im Forschungsdatenmanagement – Die wichtigste Forschungsfrage für wissenschaftliche Bibliotheken
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Danach beantwortete der ehemalige Interimsdirektor der ZB MED mehrere Fragen: Welche bibliothekarischen Funktionen gibt es eigentlich, die Google & Co. nicht anbieten? Den Antworten von Google auf eine Frage lässt sich nicht entnehmen, wie qualitätsgesichert, wie valide und wie vollständig sie sind und in welchem Maße sie von der Allgemeinheit akzeptiert werden. Die Bibliotheken sind dem Gemeinwohl verpflichtet und ihre Tätigkeiten sind transparent. Hingegen handeln die Internet-Konzerne gewinnorientiert und ihre Algorithmen bleiben ein Geschäftsgeheimnis, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

An den Bibliotheken gibt es zu wenige Metadaten und Ontologien insbesondere im Forschungsdatenmanagement – die Bibliotheken sollten nicht nur forschungsunterstützend, sondern auch forschungsnah sein? Beiden Thesen ist, so formuliert, zuzustimmen. Allerdings ist die Situation nach Disziplinen und Subdisziplinen sehr verschieden. So finden in der Medizin und in der Molekularbiologie aufregende Dinge statt. Verbesserungen sind von der Nationalen Forschungsdateninitiative zu erwarten, in deren Rahmen sich Konsortien bilden, wobei jedes Konsortium seine besonderen Stärken haben wird. Das besonders Spannende daran wird sein, nicht einmal wie die einzelnen Initiativen voranschreiten, sondern ob und wie sie wechselseitig voneinander lernen.

Haben Sie ein gutes Beispiel für eine gelungene Kooperation zwischen Bibliotheken und Rechenzentren? Es gibt eine ganze Reihe solcher Beispiele. Eines davon ist die Zusammenarbeit zwischen der UB und dem Rechenzentrum der Universität Bielefeld bei der Einwerbung von Forschungsgeldern, beispielsweise eines Sonderforschungsbereiches. So wird sichergestellt, dass das Forschungsdatenmanagement gut geregelt und das Informationsangebot aus einem Guss ist. Wenn sich darüber hinaus Bibliothek und Rechenzentrum zu einem One Stop Shop zusammenfänden, so wäre das für den Nutzer eine große Erleichterung.

Welcher Forschungsaspekt ist derzeit der wichtigste für wissenschaftliche Bibliotheken? Es gibt eine ganze Reihe wichtiger Aspekte. Der größte Mehrwert von Daten ergibt sich, wenn Daten für andere Zwecke genutzt werden als die, für die sie erhoben werden. Hier müssen Methoden gefunden werden, wie Verknüpfungen zwischen Daten und neuen Anwendungsbereichen generiert wurden. Ein methodischer Teilbereich ist die automatische Annotierung von Daten.
Briefe

Mary Ellen Bates: Strategic Roles to Play
in AI and Data Analysis Projects

Lieber Herr Bredemeier,

ggf. ein interessantes Webinar für Ihre Leserschaft. Mary Ellen Bates referiert über: How can information managers find strategic roles to play in their organization's AI and data analysis projects?

Anmeldung zum kostenlosen Webinar hier: https://go.copyright.com/Strategic-Role-Information-Managers-Play-Webinar

Mit freundlichen Grüßen Joerg Weizendoerfer, Leiter Lizenzvergabe, RightsDirect



ZBW

Lizenzierungs- und Geschäftsmodelle
für wirtschaftswissenschaftliche Inhalte

Die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft erhält Drittmittel für ein neues Modellprojekt für digitale Literaturversorgung und Open Access in den Wirtschaftswissenschaften. Forschungsbasiert werden einheitliche Standards und Beteiligungsmodelle für die Open Access-Transformation entwickelt.

Dieses Modellprojekt (2020-2023) setzt auf die drei Säulen Forschung, Pilotentwicklung und Ausbau der IT-Infrastruktur:
  • Forschung: Die Forschung wird die Entwicklungen im wissenschaftlichen Kommunikations- und Publikationsverhalten der Fachcommunity einerseits und die Transformationsprozesse des Publikationsmarktes andererseits analysieren.
  • Pilotentwicklung: Auf der Basis der gewonnenen Ergebnisse wird die ZBW Lizenzierungs- und Geschäftsmodelle für wirtschaftswissenschaftliche Verlagsinhalte entwickeln, evaluieren und pilotieren. Ziel ist es, einheitliche Standards und Beteiligungsmodelle zu entwickeln.
  • Ausbau der IT-Infrastruktur: In der dritten Säule wird die digitale Infrastruktur für die rechts- und ausfallsichere Verfügbarkeit der Informationen weiter ausgebaut.
DLA Piper

Virtuelle Gerichtsverfahren bewähren sich
im Zuge von COVID-19

DLA Piper hat eine empirische Studie zu virtuellen Gerichtsverhandlungen durchgeführt und 150 Partner befragt: Die im Zuge der Eindämmungsmaßnahmen gegen COVID-19 immer häufiger wahrgenommene prozessuale Option, Gerichtsverhandlungen auch im Wege der Videokonferenz abzuhalten, stößt auf breite Zustimmung. Allerdings sind noch – insbesondere technisch bedingte – Kinderkrankheiten zu überstehen, auch bedarf es einer speziellen Vorbereitung auf diese ungewohnte Prozesssituation.

Die restriktiven Maßnahmen im Zuge der Coronakrise stellen auch die Justiz vor Herausforderungen. Verhandlungen wurden zunächst verschoben, nun werden sie vermehrt vom Gerichtssaal in den virtuellen Raum verlagert.

Alle Umfrageteilnehmer sahen die Autorität des jeweiligen Gerichts gewährleistet. 86 Prozent der Befragten befanden die eingesetzten Software-Lösungen für zufriedenstellend. Zoom ist derzeit die meistverwendete Plattform, auch wenn einige Gerichte diese aufgrund von Sicherheitsbedenken gesperrt haben. Dahinter folgen Bluejeans und Microsoft Teams. Die Anwendung Skype wurde mehrmals als zu wenig funktional und zu anfällig für "Freezing" eingestuft. In einigen Jurisdiktionen wie in China ist die Auswahl der Anwendungen eingeschränkt.

71 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Verfahrensgerechtigkeit gewahrt wurde. Ein höherer Wert wurde durch die Beschränkung der Teilnehmerzahl aufgrund von niedrigen Internet-Bandweiten in manchen Jurisdiktionen oder die Kollision grob unterschiedlicher Zeitzonen verhindert. Virtuelle Verhandlungen sind zudem für manche Gerichte noch Neuland, wie Fälle mangelhafter technischer Vorbereitung beweisen. Ferner müssen Eigenheiten virtueller Hearings wie etwa ein größerer Zeitpuffer aufgrund länger andauernder Befragungen und zusätzlicher Pausen stärker berücksichtigt werden.

Vorreiter in der globalen Entwicklung sind internationale Schiedsgerichte, die aufgrund der Autonomie der Streitparteien, der Flexibilität der Abläufe und nicht zuletzt auch aus Zeit- und Kostenersparnis schon seit einigen Jahren verstärkt auf virtuelle Verhandlungen zurückgreifen. Die Erfahrungen der befragten Anwälte zeigen, dass die Schiedsgerichte die Technologie besonders gut beherrschen und auch die Teilnahme von mehreren Dutzend Personen oder die Einbindung von Übersetzern keine Probleme darstellen.

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