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den 11. Mai
2020

# 751


Fake News – Corona – Manuela Branz – SUMA-EV – MetaGer – Qualitätsjournalismus – DIE ZEIT – USA – Wissenschaftsskepsis – Virologen – Deutschland – Lobbyismus – Parlamentarismus – Fundamentalkritik – Verschwörungstheorien – Irrationalismus – Ohnmacht – WHO – Sucharit Bhakdi – Hate Speech – Der Wächter – Biowaffen – Rüdiger Dahlke – Widerstand2020 – Faktenchecks – Medienkompetenz - Schweden -
Informationskompetenz und Demokratie – Joachim Griesbaum – Corona – Sequenzierungen – DeCOI – ZB MED – Experian – Equifax – TransUnion – Protecting Credit Score

Fake News

Verschwörungen in Zeiten von Corona

Von Manuela Branz, SUMA-EV & MetaGer
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Informationsflut – was ist wahr und was falsch?
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Fake-News sollten erkannt und in ihrer weiteren Verbreitung gehemmt werden. Es gibt gute Artikel, die zusammengetragen haben, wie man neue Informationen einordnet und auf Seriosität abklopft. Diese Kriterien für a) guten Journalismus, und b) seriöse Informationen gibt es.[1] Menschen, die Anti-Mainstream-Medien bevorzugen, argumentieren häufig, die Journalisten „normaler“ Medien seien interessengeleitet und ihre Informationen daher nicht objektiv. Um diesem Vorwurf argumentativ zu begegnen, müssen wir wissen, was Qualitätsjournalismus ausmacht. Guter Journalismus muss sich immer wieder hinterfragen und Bewertungsmaßstäbe offenlegen. Dabei muss klar sein, dass unser Wissenssystem lediglich ein Ringen um Wahrheit erlaubt und wir uns unserem Ideal lediglich annähern können.

Darüber hinaus sollten wir über die tieferen Ursachen der Entstehung von Fake-News nachdenken. Fake-News wachsen besonders gut in einem Klima der Verunsicherung. Die Corona-Krise bildet eine günstige Voraussetzung für die Verbreitung von Zweifel in der Gesellschaft. In einem ZEIT-Artikel[2] wurden mit Blick auf die USA zwei gesellschaftliche Tendenzen herausgearbeitet, die eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Fake-News spielen. Da ist zum einen eine tiefe Wissenschaftsskepsis, welche die Wissenschaft als Instanz absoluter Wahrheit missversteht und ihr den unsteten Zuwachs an Erkenntnissen zum Vorwurf macht. So gelten derzeit unterschiedliche Erkenntnisse von Virologen und Epidemiologen vielen Menschen als Beispiel für die Orientierungslosigkeit von Wissenschaft insgesamt. Zum anderen gibt es ein großes Misstrauen gegenüber politischen Entscheidungsträgern („böse Elite“) sowie parlamentarischen Strukturen.
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„Die da oben machen, was sie wollen.“
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Auch in Deutschland trifft man auf diese pauschale Ablehnung faktenbasierter institutionalisierter Politik. Demokratische Entscheidungsprozesse, die eine gewisse Macht der politischen Organe mit sich bringen, erwecken in vielen Menschen tiefes Misstrauen. Die Verflechtungen von Interessen führen in der Tat dazu, dass Lobbyismus zum Problem ist, dem durch Lobbyregulierung, Transparenzgesetze und Regulierungen für Parteispenden Schranken gesetzt werden muss. Doch die berechtigte Kritik am Filz, der politischen Institutionen anhaften kann, gerät vielen zur Fundamentalkritik am Parlamentarismus. Auch nicht-politische Institutionen fallen unter die Generalkritik. Mit Blick auf Corona bedeutet dies eine Ablehnung von Institutionen wie der WHO, der UN, der EU, aber auch der Pharmaindustrie.

Wie kommen Menschen dazu, diese demokratischen Institutionen, die ja aus dem Geist der Aufklärung entstanden sind, prinzipiell abzulehnen? Die Frage ist wichtig, denn auf dem Boden dieser Ablehnung gedeihen Irrationalismus und Verschwörungstheorien. Ein Grund ist die Mittelbarkeit des Systems. Mit der Komplexität einer Gesellschaft werden Entscheidungen undurchdringbar. Sie werden scheinbar nicht mehr auf der Grundlage von Verhandlungen, sondern in einem in sich geschlossenen System verfügt. Die Maschinerie erscheint kafkaesk grausam und unerbittlich, wenn ihre Anforderungen einer Person persönliche Nachteile erbringen, gegen die anzurennen sinnlos scheint. Es liegt nahe, nach Schuldigen zu suchen, und scheint leicht, diese zu finden.

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Ohnmacht und Freiheit
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Die Unkenntnis darüber, wie das politische System samt seinen Exekutivorganen funktioniert, welche Kontrollmechanismen verhindern, dass der zu Recht kritisierte Lobbyismus sich zum schwerwiegenden Systemfehler auswachsen kann, befeuern diese Ohnmacht. Was die Differenzierung erschwert: Diese Ohnmacht ist ein Stück weit Realität. Schließlich gibt es Lobbyismus und interessengeleitete Politik, und wer einmal Hartz IV beantragt hat, weiß, wie sich Behördenwillkür anfühlen kann. Der Skandal, in dem die WHO zum Beispiel im Rahmen der Schweinegrippe[3] geriet, ist ein gutes Beispiel, dass Behörden und Verwaltungen um Transparenz und Kontrolle ringen müssen und dass dieses Ringen nie endet.

Der Verschwörungstheoretiker jedoch will das System nicht verbessern, sondern abschaffen. Ausgeprägtes Denken in Feindbildern, Hang zur Mystik und eine gewisse Neigung zum Größenwahn bereiten den Weg in in die Irrationalität. „Da steckt mehr dahinter“, steht in einem Kommentar unter einem YouTube-Video des Lockdown-Kritikers Professor Sucharit Bhakdi.[4] Dieses „Mehr“ impliziert die Existenz einer dämonischen Macht, die mit Leichtigkeit mehrere Feindbilder in sich vereinen kann und nicht selten in der Annahme einer jüdischen Weltmacht gipfelt. In dieser „Übertheorie“, einer „übergeordneten Erzählung“, lassen sich alle Annahmen von Ungerechtigkeit und alle gefühlten Zumutungen integrieren. Sie ist das Auffangbecken des Hasses, der die täglich gefühlte Demütigung durch das „System“ erträglich machen soll.

[1] https://www.password-online.de/?mailpoet_router&endpoint=view_in_browser&action=view&data=WzY1LCIxMjM1M2EwNzEyYzYiLDAsMCw1OCwxXQ

[2] https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-04/corona-usa-donald-trump-krise-strategie-wahrheit



[3] https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/schweinegrippe-pandemie-wie-die-who-das-vertrauen-der-verbraucher-verseucht-a-699427.html

[4] https://www.youtube.com/watch?v=CuK5zfcnNoY

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Den Mainstream bekämpfen
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Fake-News spielen eine wichtige Rolle für die „übergeordnete Erzählung“, sie haben die Aufgabe der Umdeutung. Wir alle sind in unserem Alltag mit Aussagen konfrontiert, die uns beeinflussen und unser Weltbild verändern. Wenn wir hören, dass in Italien 20.000 Menschen an Corona gestorben sind, wirkt sich diese Information auf das Gesamtgefüge unserer Einstellung aus und verursacht Ängste. In Krisenzeiten, in denen auf der Grundlage von Ereignissen situative Politik betrieben wird, die sich auf das Individuum auswirkt, kollidieren die Fakten mit der eigenen Ohnmacht. Fake-News geben diesen Nachrichten jedoch einen anderen Kontext.

So wurde auf der 250 000-fach gelikte Facebookseite "Der Wächter“ verbreitet, Corona sei in einem Labor als Biowaffe entwickelt worden. Mit der Behauptung, Corona sei ein patentiertes Virus, geht der österreichische Heilpraktiker Dr. Rüdiger Dahlke in eine ähnliche Richtung. Gemeinsam ist diesen Fake-News die Behauptung, das Virus sei menschengemacht und von gewissen Eliten gewollt. Jede Kontaktbeschränkung von Seiten der Politik wirkt in dem Kontext dieser Erzählung als unnötig und falsch, eben, weil es „Profiteure der Angst“ gibt. So sind Fake-News nicht nur in der Lage, das Beunruhigende eines tödlichen Krankheitsgeschehens aufzufangen, sondern auch die eigene Wut und Ohnmacht auf staatliche und behördliche Zumutungen zu richten.
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Die Vielfalt der Meinungen
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Krieg, Klimawandel und insbesondere schwere Krankheiten sind existenzbedrohende Ereignisse, deren Verlauf unkalkulierbar ist. Viele Menschen sind angesichts einer unsichtbaren Gefahr lieber Opfer der Intrige einer menschlichen Elite als Opfer eines Virus. Denn man ist ja nicht nur dem Virus hilflos ausgeliefert, was schlimm genug wäre, sondern auch der Informationspolitik und dem die Freiheitsrechte einschränkenden Maßnahmenkatalog der Behörden. Ist das Virus jedoch Ergebnis der Machenschaften einer Elite, kann man diese Machenschaften nicht nur aufdecken und durch die Aufdeckung gleichsam entdämonisieren. Dann kann man auch guten Gewissens die im Kontext der Verschwörung falschen Maßnahmen boykottieren. Es liegt eine gewisse Heilserwartung in der Luft, sobald man in den Kampf „Gut“ gegen „Böse“ zieht. So gibt es eine Querfront-Bewegung „Widerstand2020“, die sich als Rebellenbewegung stilisiert. In einem Klima der Anti-Aufklärung können diese Theorien der Bewältigung zum Mainstream werden, dessen Glaubenssystem durch den kontinuierlichen Zufluss von Fake-News immer wieder stabilisiert werden muss.

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Wo Fake-News nicht gut wachsen können
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Daher ist es wichtig, Fake-News durch Faktenchecks und Medienkompetenz immer wieder zu entkräften, aber auch ihnen den Nährboden zu entziehen. Zu Beginn der Krise war Kritik an den Maßnahmen und Verweise auf schädliche Auswirkungen unterrepräsentiert, zurecht, da das Handeln der Regierung angesichts der Gefahr einer exponentiellen Steigung der Infektionsrate alternativlos war. Erst zaghaft wurde der Fokus auch auf die Schattenseiten der Maßnahmen gelenkt, vielleicht zu spät und zu zaghaft.

Dies hat viele Menschen in dem Glauben bekräftigt, da werde eine „Meinungsdiktatur“ betrieben. Wer ohnehin schon dazu neigte, überall Zeichen von Bevormundung zu sehen, war einmal mehr der Ansicht, hier werde etwas vertuscht.

Inzwischen gibt es wieder einen Meinungspluralismus, in dessen Rahmen zum Beispiel das „schwedische Modell“ als erfolgreicher Sonderweg präferiert werden darf. Dass in einer Demokratie sehr wohl einzelne Ergebnisse in Frage gestellt werden dürfen, und zwar auf der Basis von Wissenschaft, Rationalismus und Parlamentarismus, sollte immer wieder herausgestellt werden. Dies ist unter anderem auch Aufgabe von Qualitätsjournalismus.
"Informationskompetenz und Demokratie" II

Erfahrungen aus USA, Indien, Türkei, Schweden
und anderen Ländern

aufgrund der aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ist es nicht möglich die zweite Tagung im Rahmen des Projekts "Informationskompetenz und Demokratie (IDE): Bürger, Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung" am 19. und 20. Juni 2020 wie geplant durchzuführen. Aus diesem Grund hat das Projektteam entschieden einen neuen Weg zugehen und die Tagung online durchzuführen.

Auch in diesem Jahr sollen wieder verschiedene Aspekte der Informationskompetenz beleuchtet sowie Herausforderungen und Chancen diskutiert werden. Eine Besonderheit stellt diesmal die internationale Perspektive auf den Bereich der Informationskompetenz dar. Das Programm setzt sich aus Vorträgen von SprecherInnen aus den USA, Schweden, Bosnien und Herzegowina, der Türkei und Indien zusammen. In verschiedenen Online-Sessions, zu denen Vorträge, live Fragerunden und Online-Diskussionen gehören, möchten wir weiterhin für das Thema sensibilisieren und den Diskurs voranbringen. Die Online-Durchführung ermöglicht es sich mit Experten und Interessierten auf der ganzen Welt auszutauschen und zu vernetzten. Vortragsthemen werden sein:

  • »Artificial intelligence and its application in information and media literacy education«
William Cope & Mary Kalantzis; University of Illinois, USA
  • »Views on and the shape of information literacy«
Johanna Rivano Eckerdal; Lund University, Schweden
  • »Information literacy for a functioning democracy in the post-truth era«
Serap Kurbanoǧlu; Hacettepe University Ankara, Turkey
  • »Learning intercultural aspects of information literacy: an experiential experiment involving german and indian students«
Tessy Thadathil & Joachim Griesbaum; Symbiosis College Of Arts & Commerce Pune, India & University of Hildesheim
  • Vortrag von Mario Hibert & Emir Vajzović; University of Sarajevo, Bosnia and Herzegovina
Das finale Programm befindet sich derzeit in der Erstellung. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Für aktuelle Informationen zur Online-Tagung schreiben Sie sich gern in den Newsletter ein. Senden Sie dazu eine E-Mail an infodem (at) uni-hildesheim.de mit dem Betreff "Informationen zur Online-Tagung" oder besuchen die Projekt-Webseite unter: https://informationskompetenz.blog.uni-hildesheim.de/

Prof. Dr. Joachim Griesbaum



Deutsche COVID-19-Initiative

22 Institute bündeln Expertise
unter Beteiligung der ZB MED

Wie verändert das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) seine Erbinformation? Welche weiteren Infektionen bei Erkrankten treten auf? Gibt es genetische Risikofaktoren, die eine Infektion begünstigen? Zahlreiche Genomforscher sind damit befasst, ihre Expertise und Sequenzier-Infrastruktur zu bündeln, um einen wissenschaftlichen Beitrag zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie zu leisten. Diese Aktivitäten werden nun offiziell in der Deutschen COVID-19 OMICS Initiative – DeCOI zusammengeführt, um die Forschung zu beschleunigen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an mehr als 22 Institutionen sind bereits aktiv an DeCOI beteiligt – darunter auch Konrad Förstner von ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften als Mitglied des NFDI4Microbiota-Konsortiums.

An vielen Stellen in der Welt wird inzwischen das Genom von SARS-CoV-2 sequenziert, um damit Veränderungen der Erbinformation des Virus zu charakterisieren. Je mehr solcher Virusgenome sequenziert werden, desto besser kann die Wissenschaft die Variationen des Virus verstehen. Mit der Analyse der Verwandtschaftsstruktur einzelner Viren lassen sich Rückschlüsse auf deren Herkunft und auf unterschiedliche Formen des Virus in der Bevölkerung ziehen.

Neben der Sequenzierung der Virusgenome werden auch sogenannte Metagenome bestimmt, die etwas darüber aussagen, welche weiteren Infektionen bei Patienten mit COVID-19 möglicherweise auftreten. Um dieser Frage nachzugehen, wollen Forschende der DeCOI bis zu 2.000 Metagenome bei COVID-19-Patientinnen und-Patienten in Deutschland sequenzieren.

Eine DeCOI-Gruppe vermutet, dass es auch genetische Risikofaktoren gibt, die die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren oder die Schwere der Erkrankung beeinflussen können. Um genetische Risikofaktoren zu erkennen, müssen von vielen tausend Erkrankten Genome sequenziert werden.



Experian, Equifax, TransUnion

Credit scores will be protected
during COVID-19 pandemic

The three major credit reference agencies (CRAs)in the UK, Experian, Equifax and TransUnion confirmed on 31stMarch that consumer credit scores will be protected when people have agreed ‘payment holidays’ in place as a result of the COVID-19 pandemic. Payment holidays refer to a pause agreed between an individual and their lender on regular loan payments.

Earlier this month the government announced that homeowners impacted by the crisis can ask their mortgage lender for a payment holiday of up to three months (for both residential and buy-to-let mortgage customers).To help people applying for payment holidays, CRAs are implementing a special measure called an “emergency payment freeze”. This ensures that an individual’s current credit score is protected for the duration of an agreed payment holiday.

In addition to the Government guidance on mortgage, lenders may be able to make special arrangements across other forms of credit, which may include a payment holiday, reduced payments, paused payments or increased credit limits. These are all covered by the CRA emergency payment freeze agreement, minimising the impact on an individual’s credit score.

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