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Open Password - Dienstag, den 31. März 2020

# 731


COVID-19 Barometer – Kantar – Mediennutzung – WhatsApp – Facebook – WeChat – Weibo – Instagram – Vertrauen – Erwartungen der Verbraucher - Rote Bibliotheken – SED-Diktatur – DDR-Nostalgie – Willi Bredemeier – Hans-Peter Müller – Simon-Verlag für Bibliothekswissen – KPdSU – Denkkontrolle – Sowjetisches Bibliothekswesen – Sowjetische Militäradministration – Volksbibliothekar – Parteilichkeit – Entprofessionalisierung – Zentrale Stelle zur Beschaffung von Literatur – Abschottung – Sozialistisches Bibliothekswesen – Kampagnen – Rote Armee – Systemtreue – Sozialistisches Bibliothekssystem ohne sozialistische Bibliothekare – Bundesrepublik – Knappe Ressourcen – Sowjetliteratur – Reputationssucht – Deutsche Bibliothek – Kontrollsystem – Ineffizienzen – 17. Juni – XX. Parteitag – 1956 – Massenarbeit – Verschärfung des Klassenkampfes – Erziehungsdiktatur – Nationale Literatur – Intellektuelle – Produktivkraft Wissenschaft – Technisch-naturwissenschaftliche Forschung – Marxismus-Leninismus – Wissenschaftliche Bibliotheken - Inkompetenzen


COVID-19 Barometer

Verbraucher erwarten in der Krise
positive gesellschaftliche Beiträge
der Unternehmen

Kantar hat 25.000 Verbraucher in dreißig Ländern während der COVID-19-Pandemie befragt. Die wichtigsten Ergebnisse:

Mediennutzung
  • Mit der zunehmenden Ausbreitung der Pandemie steigt der Medienkonsum über alle Kanäle hinweg. In späteren Phasen der Pandemie steigt das Web-Browsing um 70 Prozent, gefolgt von einem Anstieg der (traditionellen) Fernsehzuschauer um 63 Prozent und einem Anstieg des Engagements in sozialen Medien um 61 Prozent gegenüber dem normalen Nutzungslevel.
  • Über alle Phasen der Pandemie hinweg versuchen die Menschen miteinander in Verbindung zu bleiben. Davon profitiert WhatsApp unter allen Social-Media-Anwendungen am stärksten.
  • Insgesamt ist die Nutzung von WhatsApp um 40 Prozent gestiegen; in der frühen Phase der Pandemie steigt die Nutzung um 27 Prozent, in der mittleren Phase um 41 Prozent und in den Ländern in der späten Phase der Pandemie um 51 Prozent. Spanien verzeichnete einen 76 prozentigen Anstieg in der für WhatsApp aufgewendeten Zeit. Die Gesamtnutzung von Facebook ist um 37 Prozent gestiegen. China verzeichnete einen 58-prozentigen Anstieg bei der Nutzung lokaler Social-Media-Anwendungen, darunter WeChat und Weibo.
  • In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen stieg die Nutzung über alle Social-Media-Plattformen hinweg am stärksten. Bei WhatsApp, Facebook und Instagram steigt die Nutzung um mehr als 40 Prozent bei den unter 35-Jährigen.
  • Traditionellen landesweiten Nachrichtenkanälen (Rundfunk und Zeitung) wird das größte Vertrauen entgegengebracht. 52 Prozent der Menschen nennen sie als "vertrauenswürdige" Informationsquelle. Websites von Regierungsbehörden werden von 48 Prozent der Menschen als vertrauenswürdig angesehen. Hintergrund könnte sein, dass die Maßnahmen der Regierung den Bürgern auf der ganzen Welt keine Garantien und Sicherheiten bieten. Nur elf Prozent der Menschen vertrauen Social-Media-Plattformen als Informationsquelle, was auch den Vertrauensverlust bei den Jüngeren widerspiegelt.
    Erwartungen an Marken
  • Die Verbraucher erwarten von Unternehmen, dass sie sich in erster Linie um ihre Mitarbeiter kümmern. 78 Prozent sagen, dass sie dazu beitragen sollen die Gesundheit der Mitarbeiter sicherzustellen und 62 Prozent wünschen sich die Umsetzung von flexiblen Arbeitszeiten für Mitarbeiter.
  • 41 Prozent erwarten von Unternehmen die Unterstützung von Krankenhäusern und 35 Prozent eine Unterstützung für die Regierung.
  • Kaum jemand erwartet, dass Marken ihre Werbemaßnahmen einstellen. Hier sehen nur acht Prozent der Befragten eine Priorität für Marken. Viele Marken ziehen es in Betracht zur Kosteneinsparung keine Werbung mehr zu schalten ("going dark"). In diesem Fall schätzt Kantar, dass eine sechsmonatige Werbepause im Fernsehen zu einer 39-prozentigen Verringerung des gesamten Bekanntheitsgrades der Markenkommunikation führen wird. Dadurch wird möglicherweise auch der wirtschaftliche Aufschwung nach der Pandemie verzögert.
  • Für Marken, die weiterhin Werbung betreiben, erwartet eine klare Mehrheit der Verbraucher, dass diese einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leistet. "Sprechen Sie darüber, wie die Marke im neuen Alltag hilfreich ist": 77 Prozent. "Informieren Sie über ihr Engagement in der aktuellen Situation": 75 Prozent. "Kommunizieren Sie in einem beruhigenden Ton": 70 Prozent
  • Bei der Gestaltung von Werbung während der Pandemie gibt es klare Fallstricke, die es zu vermeiden gilt: "Marken sollten die Coronavirus-Situation nicht ausnutzen": 75 Prozent. "Marken sollten humorvolle Töne vermeiden": 40 Prozent
Rote Bibliotheken

Die Grenzen der Diktatur:
Das Unvermögen der Handlungsträger

Im Falle der SED-gesteuerten Bibliotheken
ist eine „DDR-Nostalgie“ unangebracht

Von Willi Bredemeier

Hans-Peter Müller, Umerziehung durch rote Bibliotheken – SED-Bibliothekspolitik 1945/46 bis zum Ende der 1960er Jahre, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2020

Dritter Teil
Willi Bredemeier
Willi Bredemeier

Während sich die bibliothekspolitischen Handlungsträger der KPdSU und der SED bei der von ihnen angestrebten „Denkkontrolle der Bevölkerung“ keine Grenzen setzten, ergaben sich solche aus ihrem Unvermögen, ihre Intentionen durchzusetzen.
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Die Orientierung des Bibliothekswesens am sowjetischen Vorbild
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So war beispielsweise „allen politischen Beteuerungen zum Trotz … das sowjetische Bibliothekswesen heillos zersplittert, von einem „Netz“ konnte keine Rede sein“ (100). Während kontinuierlich dazu aufgefordert wurde, dem angeblich überlegenen Beispiel der Sowjetunion zu folgen, war die Sowjetische Militäradministration 1945 und später weitgehend damit zufrieden, „Trophäen“ aus den Bibliotheken als Bestandteil von Reparationszahlungen abzuschleppen und die Bibliotheken von unliebsamer Literatur und belastetem oder aus anderen Gründen unerwünschtem Personal zu säubern. Zunächst blieben „die von den SED-Bibliothekspolitikern in Angriff genommenen großen Strukturreformen … im Interessengeflecht allzu vieler gleichzeitiger Akteure im selben Feld stecken. … Hier war die Politik der SMAD eher begleitend, ermöglichend, aber nicht fordernd“ (201).

Gleichwohl wurde bereits „in vielen Variationen … der politisch neutrale, unvoreingenommen beratende und am Leserwunsch orientierte Volksbibliothekar traditionellen Typs als rückständig geschmäht und stattdessen ein politisiertes Multitalent beschworen, das Volksbüchereiarbeit als politischen Auftrag der Gesellschaft verstand, notfalls auch ohne großes literarisches Wissen“ (174). Das damit bestehende Vorziehen der Ideologietreue vor der Fachkompetenz („Parteilichkeit!“) sollte sich in den folgenden Jahren fortsetzen und zu weiteren Prozessen der Entqualifizierung in den Bibliotheken führen.

„Eine zunehmende Orientierung des DDR-Bibliothekswesens am sowjetischen Vorbild“ ergab sich daher erst einige Jahre nach Gründung der DDR und der damit verbundenen Auflösung der Sowjetischen Militäradministration, so dass sich die Umstellung der Sowjetunion von der Kontrolle im Detail auf eine allgemeine Überwachung eher förderlich auf den ideologischen Furor der SED-Entscheidungsträger ausgewirkt zu haben scheint. So wurde die „Zentrale Stelle zur Beschaffung von Literatur“ (gemeint sind hier die wissenschaftlichen Veröffentlichungen) in einer Durchführungsverordnung vom November 1950 angewiesen, „die wissenschaftliche Literaturrezeption der DDR-Wissenschaftler von Westliteratur auf „gleichwertige“ aus der Sowjetunion und anderer Ostblockstaaten umzusteuern und die Volksbüchereien faktisch von jedem Zustrom westlicher Literatur abzuschneiden“ (214).

Ende der 50-er Jahre schien man mit einer ganzen Kette struktureller Veränderungen „einem „sozialistischen Bibliothekswesen deutlich nähergekommen (zu sein): ein neuer Typus von „allgemeiner öffentlicher Bibliothek“ nach sowjetischem Modell hatte die alte Volksbücherei ersetzt, das kommunale Selbstverwaltungsrecht im Büchereiwesen war ausgehebelt, die neue Art von Bibliothek in entscheidenden Parametern zentralstaatlich vorgegeben. Neben der immer weiteren Einengung ihrer fachlichen Handlungsspielräume waren die Bibliothekare einem ideologischen Dauerdruck unterworfen, ihre Arbeit an immer neuen Kampagnenzielen der Partei auszurichten“ (284-285).
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Die restringierenden Gründe, die ein „sozialistisches Bibliothekssystem“ weitgehend vereitelten
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Mit diesen Siegen auf dem Papier kam die „sozialistische Wirklichkeit“ allerdings bei weitem nicht mit, was sowohl externe als auch interne Gründe hatte, wobei nicht alle von Müller genannt bzw. behandelt werden:

1. die Wahrnehmung der SED-Repräsentanten als Erfüllungsbüttel der Sowjetunion und die weite Verbreitung antisowjetischer Ressentiments, nachdem sich die Rote Armee in den besetzten Gebieten nur wenig schlechter als die deutsche Wehrmacht in Russland aufgeführt hatte. Als die DDR vor dem Zusammenbruch stand, erwies sich, nimmt man die Wahlergebnisse, nur etwa ein Drittel der Bevölkerung trotz jahrzehntelanger propagandistischer Dauerberieselung als einigermaßen systemtreu. Es gibt keine Gründe zu sehen, warum die ostdeutschen Bibliothekare weniger reserviert als die Gesamtbevölkerung sein sollte.

Müller geht an einer Stelle so weit zu sagen: „Die Parteiführung war in ihrem eigenen Circulus vitiosus gefangen, ein „sozialistisches“ Bibliothekssystem“ ohne sozialistische Bibliothekare gestalten zu wollen“ (309);

2. die Konkurrenz der DDR mit der wirtschaftlich überlegenen Bundesrepublik, die spätestens mit dem Aufstieg des Fernsehens alternative Informationsmöglichkeiten und bis zum Bau der Berliner Mauer und weiterer Grenzbefestigungen Fluchtmöglichkeiten bot, die auch im Bibliothekswesen zu einem fortlaufenden Brain Drain führten;

3. die immer knappen Ressourcen der DDR und die nicht als prioritär angesehene Positionierung der DDR-Bibliotheken, so dass zwar nach der geltenden „Tonnen-Bibliotheken“ sehr viele Bibliotheken gegründet wurden, diese aber nie mit den personellen, finanziellen und Bestandsressourcen ausgestattet wurden, um auch nur ansatzweise ein vollständiges System der Gedankenkontrolle zu ermöglichen.

Was die Qualität der inhaltlichen Angebote angeht, so entschieden sich die Verantwortlichen in der ersten Nachkriegszeit dafür, „die durch die Säuberungsaktionen drastisch ausgedünnten Bestände der Volksbibliotheken mit schnell produzierter Sowjetliteratur in einem Umfang zuzuschütten, dass auf den Durchschnitt der SBZ bezogen die Bestände der Volksbibliotheken zu mehr als zwei Dritteln aus tiefgestaffelten, in Deutsche übersetzten Titeln des SWA-Verlags der sowjetischen Militärverwaltung bestanden“ (19);

4. die in den Ostblockstaaten trotz aller Abgrenzungsversuche bestehende Reputationssucht, vom Westen anerkannt zu werden. Wenn die Bibliotheken nicht nur ein „Instrument zur Gedankenlenkung“, sondern auch ein „technisch-wissenschaftliches und schöngeistiges Bildungsinstitut“ (15) sein sollte, so musste das nach beiden Zielen zu Ineffizienzen führenden widersprüchlichen Entscheidungen und beispielsweise im Falle der Deutschen Bibliothek zu inkompatiblen Strukturen führte: „Ihre gesamtdeutsche und internationale Reputationsfassade sollte nach außen als Archivbibliothek und Herausgeber der rein registrierenden Nationalbibliographie als vollkommen unangetastet erscheinen. Zusätzlich und gleichsam dahinter verborgen war ihr eine systemkompatible Innenfunktion als Zentralinstitution in einem gesinnungsbasierten sozialistischen Bibliothekswesen zugedacht, die im vollständigen Gegensatz zu ihrer Außenfunktion stand“ (347);

5. die faktische Unterordnung aller politischen Maßnahmen unter das Gebot der Machterhaltung, war bibliothekspolitisch die Aufrechterhaltung und den Ausbau eines rigiden Kontrollsystems bedeutete, dies notfalls auf Kosten jedweder Effizienz. „Die SED-Führung stand unter dem Eindruck, dass nach dem Volksaufstand des 17. Juni in der DDR, sodann nach den ideologischen Erschütterungen des XX. Parteitags der KPdSU, dem Beginn von Tauwetter und Entstalinisierung, schließlich nach den Volksaufständen von 1956 in Polen und Ungarn die innenpolitische Stabilisierung der DDR mit allen Mitteln geboten war“ (256).

Dabei reagierte die Monopolpartei SED als Kampagnenpartei auf Krisen jeder Art mit dem immer Gleichen, auf der Maßnahmenebene im kulturellen und bibliothekspolitischen Bereich „mit einer ideologischen Immunisierungsstrategie in Form einer neuerlichen „kulturpolitischen“ Offensive der ideologischen „Massenarbeit“. Es wurden große kulturpolitische Konferenzen inszeniert, das ZK fasste kulturpolitische Beschlüsse, kulturpolitische Kampagnen wurden in das staatliche Propaganda- und Anleitungssystem eingespeist“ (256). Inhaltlich wurde die „Verschärfung des Klassenkampfes“ für „unvermeidlich erklärt“. Dies war ein „Synonym für die offizielle Kampfansage an alle Andersdenkenden und für die Ausrufung der Erziehungsdiktatur“ (239). Eine tendenziell ununterbrochene Folge von Kampagnen mit immer neuen Zielen konnte aber dem Aufbau auch eines „sozialistischen Bibliothekssystems“ auf die Dauer kaum förderlich sein;
6. die nur in Grenzen erfolgreichen Versuche der DDR-Oberen, eine qualitativ hochwertige nationale Literatur, Berichterstattung und Kultur aufzubauen, die auch noch die Bevölkerung in die Bibliotheken und andere Kulturpaläste hätte locken sollen. Die Berichterstattung in den Zeitungen und Zeitschriften war derart zensiert, dass sie geradezu unlesbar wurde. Das angestrebte Bündnis mit Literaten, Intellektuellen und Künstlern bei weitgehender Aufrechterhaltung des Anspruches auf „Anleitung und Kontrolle“ führte immer wieder dazu, dass sich die SED in einer Art Kriegszustand mit einem Teil der Intellektuellen befand;

7. der Widerspruch zwischen einerseits der politischen Prioritätssetzung, die „Produktivkraft Wissenschaft“ zu entfesseln und dem damit verbundenen Zwang, die technisch-naturwissenschaftliche Forschung voranzutreiben, und andererseits dem Zwang, den „Marxismus-Leninismus“ als unwiderlegbare Krone der Wissenschaft sehen zu müssen (95), was im harmlosesten Fall zu einer Belästigung ingenieurwissenschaftlicher Tätigkeit, im schlimmeren Fall zu einer Behinderung führte. Dazu kam das mit der Androhung von Repressionen verbundene Verbot, diesen Widerspruch thematisieren zu dürfen. Verwiesen Wissenschaftler darauf, dass ihr Ausschluss von westlicher Literatur ihre Arbeit behindere, so wurde auch das mindestens sehr ungern gesehen.

Es gab sogar Bestrebungen in der SED, „in der Auskunfts- und Beratungstätigkeit auch in wissenschaftlichen Bibliotheken künftig die traditionellen Sperren zwischen Wissenschaft und Propaganda einzureißen und Parteilichkeit uneingeschränkt an die oberste Stelle zu setzen“ (336), ja, überhaupt alle Grenzen zwischen öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken aufzuheben. An diesem Punkt setzte sich allerdings letzten Endes der professionelle Widerstand durch. „Für mehr als ein Jahrzehnt ließ man daraufhin das wissenschaftliche Bibliothekswesen inhaltlich-methodisch in Ruhe, soweit nicht Machtfragen der Partei tangiert waren“ (204);

8. die schlichte Inkompetenz bibliothekspolitischer Verantwortlicher, die sie immer wieder dazu zwang, auf die Professionalität aus dem bibliothekarischen Berufsstand zurückzugreifen. Die Verantwortlichen glaubten, ihre Ziele ließe sich „nur realisieren, wenn man den traditionell uneinheitlichen, auch zersplitterten, nun als „bürgerlich“ geschmähten Bildungs- und Aufklärungsauftrag der Volksbücherei beiseiteschob und durch triviale Nützlichkeitserwägungen zu ersetzen suchte: Die Bibliotheken sollten gegen die NATO und den westdeutschen Militarismus, für das Kohle- und Energieprogaramm der Regierung, für eine atomwaffenfreie Zone, für Maisanbau und die Zuckerproduktion agitieren … „Das sind nur einige von zahlreichen Problemen, die unsere Bevölkerung interessieren und beschäftigen, denen sich daher auch die Bibliotheken widmen müssen“ (286-287) – so der Hauptabteilungsleiter Kulturelle Massenarbeit im Ministerium für Kultur im März 1957 auf einer bibliothekspolitischen Anleitungskonferenz vor Bibliotheksfunktionären. Aus diesen Worten spricht eine Unwissenheit über die Instrumentalisierungsmöglichkeiten der Bibliotheken für die tagespolitischen häufig wechselnden Kampagnenziele der Partei, die man grotesk finden kann.

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Ein Fazit.
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Wie wir seit dem Fall der DDR wissen, konnte man sich auch in der DDR arrangieren und gelegentlich professionelle Vorschläge anbringen, sofern diese nicht den politischen Machtanspruch der SED gefährdeten. Bildung als Mittel der beruflichen Aus- und Weiterbildung waren ein nicht umstrittenes Ziel und wurden umfassend gefördert. „Rote Bibliotheken“ sind besser als keine Bibliotheken, zumal sich selbst in vielen ideologiekonformen Büchern Stellen finden lassen, die man ideologiekritisch interpretieren kann. So tief greift keine Zensur, dass sich für den Autor wie den Leser nicht immer doch wieder Auswege, sagen wir „freie Atemzüge“, fänden. Zudem wollte das DDR-Bibliothekswesen seiner Reputation gegenüber den westlichen Ländern nicht verloren gehen, so dass immer wieder auch „bürgerliche Literatur“ geduldet wurde.

Vor allem aber lehren uns die „Roten Bibliotheken“, dass Systeme, die sich der Gedankenlenkung und -kontrolle ihrer Leser verschrieben haben, am Ende gemeinsam mit den sie tragenden Systemen untergehen können. Auch wenn sich das Unvermögen mancher bibliothekspolitischer Handlungsträger als Segen erwies, im Falle der „Roten Bibliotheken“ ist eine DDR-Nostalgie unangebracht und sind diese ein weiterer schwerwiegender Grund, uns von den Traditionen der früheren deutschen Bibliothekspolitik zu distanzieren.

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