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Open Password - Montag, den 4. April 2022

# 1050

Infinity Maps – Recherchearbeit – Johannes W. Grenzemann – Start-up – Heiko Haller – iMapping-Methode – Michael Feindt – CERN – Blue Yonder – Google Map

Open Science Conference 2022 – Forschungssoftware – Einbeziehung der Öffentlichkeit – Diamond Open Access – Datentracking – Regulierung von „Text und Data Mining“ – Open Science und Ungleichheit - Jasmin Schmitz – Deutsche Kommission der UNESCO – UNESCO Recommendation on Open Science – David Patrician – Klaus Tochtermann – Horizon Europe – Reform der Forschungsevaluierung – Teilen von Forschungssoftware – National Science Foundation – FAIR4RS – Computational Biology – Code Sharing Policy – PubMed Central – Citizen Science – Leitfragen – Road2Openness – Best-Practice-Beispiele – Open Science und Open Access – Betrieb von Open-Access-Zeitschriften – Science Europe – cOAlition S – OPERAS – Action Plan for Diamond Open Access – NAL-live – DOIs – Wissenschaftsfreiheit – Informationelle Selbstbestimmung – Quasi-Monopolstellung von Verlagen – Personenprofile – Eigene Publikationsinfrastrukturen – „Fair Use“-Doktrin – Ausnahmeregelung zum Urheberrecht – Nachwuchswissenschaftler – Publikationsdruck – Kulturwandel in akademischen Einrichtungen – Teamarbeit – Erforschung komplexer Zusammenhänge – Lehre – Kommunikation mit der Öffentlichkeit – ON-MERRIT – Gleichheit der Geschlechter – Gleichheit der Regionen – Offenheit gegenüber der Gesellschaft – Multiplikatoren

I.
Interview mit Johannes W. Grenzemann
Recherchearbeit um den Faktor 2 bis 10 übersichtlicher, strukturierter
und effizienter machen
- Davor viele Gespräche mit den InfoPros

II.
Open Science Conference 2022
Forschungssoftware, Einbeziehung der Öffentlichkeit, „Diamond Open Access“, Datentracking, Regulierung von „Text und Data Mining“, Open Science und Ungleichheit
sowie weitere zentrale Themen - Von Jasmin Schmitz

Infinity Maps

Recherchearbeit um den Faktor 2 bis 10
übersichtlicher, strukturierter
und effizienter machen

Davor viele Gespräche mit den InfoPros

Johannes W. Grenzemann, CEO von Infinity Maps (Karlsruhe), will das bestmögliche Recherche-Tool auf den Markt bringen und sucht für die nächsten Entwicklungsschritte das Gespräch mit Information Professionals, „um zu lernen, was die wichtigsten Herausforderungen in diesem Bereich sind, und vor allem, welche Lösungsideen für die InfoPros am nützlichsten sind.“ Einfach bei ihm melden: Phone: +49(0)176 4266 5779 - Web: infinitymaps.io – email: johannes@infinitymaps.io
Grenzemann und Mitgründer
Das Gründerteam von Infinity Maps (von rechts nach links):
Johannes Grenzemann, Robin Lutz und Heiko Haller.


Herr Grenzemann, wie kamen Sie auf die Idee, ein Start-up zu gründen und wie kamen Sie auf Ihre Produktidee? Ich war schon immer eine Gründernatur. Seit ich aus der Uni raus bin, habe ich durchgehend wenngleich nebenbei an eigenen Startup-Ideen gearbeitet. 2017 habe ich meinen späteren Mitgründer Heiko Haller getroffen. Heiko, der von Haus aus Psychologe ist, wollte gehirngerechte Lernmedien entwickeln. Auf dem Weg dorthin hat er in Informatik promoviert und dabei die iMapping-Methode entwickelt, die den Kern von Infinity Maps bildet.

Wie weit ist Ihre Unternehmensgründung gediehen? Wir haben 2020 unser Unternehmen gegründet, haben eine erste Version unseres Produkts gelauncht und Prof. Dr. Michael Feindt, einen Karlsruher Forscher und erfolgreichen Gründer, als Investor gewinnen können. Feindt, früher Quantenforscher bei CERN, hat sein eigenes KI-Startup “Blue Yonder” sehr erfolgreich an die Otto-Gruppe und später Panasonic verkauft. Wir haben unser Büro in Karlsruhe und mittlerweile fünf Mitarbeiter.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal Ihres Visualisierungstools? Der USP von Infinity Maps besteht darin, dass man damit große Mengen an Informationen visuell organisieren und strukturieren kann. Es ist im Grunde eine Mischung aus Whiteboard, Notiz-App und visuellem Dateisystem. Aber während man bei einem Dateisystem jeden Ordner einzeln öffnen muss, sind bei Infinity Maps die Inhalte aus tiefer liegenden Schichten jederzeit einsehbar - und ganz leicht via „reinzoomen“ erreichbar. Das ist wie bei einer Google Map.

Was sind bislang Ihre Zielgruppen und gibt es für Ihr Tools besondere Anwendungs- und Unternehmensbereiche? Die ersten paar tausend Nutzer:innen sind ganz unterschiedliche Leute und nutzen Infinity Maps für sehr verschiedene Aufgaben. Das reicht von Berater:innen und Managern über Forscher und Studierende bis zu Schüler:innen, die damit ihre Projekte dokumentieren und Lerninhalte visuell aufbereiten.

Allerdings haben unsere Analysen gezeigt, dass der größte Nutzen bei Menschen liegt, die irgendeine Form von Recherche-Tätigkeit ausüben. Darum möchten wir nun mehr von ihnen erfahren, um zu lernen, welche Funktionalitäten für sie besonders wichtig sind.

Abgesehen von der Recherche eignet sich Infinity Maps auch für das persönliche Wissensmanagement sowie im Unternehmenskontext beispielsweise für die Organisationsentwicklung sowie als Übersichtswerkzeug bei komplexen und langlaufenden Projekten.

Jetzt möchten Sie mit Multiplikatoren, für die die Recherche ein wichtiger Aufgabenbereich ist, ins Gespräch kommen. Richtig.

Was genau möchten Sie Ihnen sagen? Wir arbeiten gerade an einem sehr innovativen neuen Ansatz, der das Potential hat, Recherchearbeit um den Faktor 2 bis 10 übersichtlicher, strukturierter und effizienter zu machen. Und um zu lernen, was die wichtigsten Herausforderungen in diesem Bereich sind und vor allem, welche Lösungsideen für diese Menschen am nützlichsten sind, würden wir gern mit möglichst vielen InfoPros darüber reden.

Was genau bieten Sie Ihnen? Daran mitwirken, damit das Tool und seine Funktionalität für die eigenen Bedürfnisse und die anderer Rechercheure möglichst maßgeschneidert werden. Einen Informationsvorsprung, noch bevor das Tool auf den Markt gebracht wird.

Was genau erhoffen Sie sich von Ihren Gesprächspartnern? Wir erhoffen uns möglichst viel von den InfoPros zu lernen und viel ehrliches Feedback, um das bestmögliche Recherche-Tool auf den Markt zu bringen.

Open Science Conference 2022

Forschungssoftware, Einbeziehung der Öffentlichkeit, „Diamond Open Access“, Datentracking, Regulierung von „Text und Data Mining“, Open Science und Ungleichheit

sowie weitere zentrale Themen

Von Jasmin Schmitz, schmitz[minus]jasmin[at]web[punkt]de

DEU, Köln, 28.1.20: ZB MED
Die 9. Open Science Conference 2022 fand in Kooperation mit der deutschen Kommission der UNESCO statt. Es wurde eine Paneldiskussion zu der „UNESCO Recommendation on Open Science“ angeboten sowie ein Workshop zum Thema „Fostering Open Science in Africa - Practices, Opportunities, Solutions“. Es handelte sich abermals um eine virtuelle Veranstaltung. Teilnehmende konnten über eine App Fragen stellen, für den direkten Austausch gab es separate Meet-the-Speakers-Sessions. Darüber hinaus wurden auch in diesem Jahr virtuelle Poster-Sitzungen angeboten.

Über 280 Teilnehmende aus 49 Ländern waren zu der Online-Konferenz angemeldet. Diese kamen aus mehr Ländern als je zuvor. Die Konferenz wurde auch in diesem Jahr souverän von dem Journalisten David Patrician moderiert.
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Klaus Tochtermann: The Opening

Klaus Tochtermann betonte in seiner Einführungsrede [1], dass sich Open Science ständig weiterentwickelt. So sind bei der Beantragung von Mitteln im Rahmen des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizon Europe Angaben verpflichtend, welcher Beitrag zu Open Science geleistet wird. Kürzlich wurde von der Europäischen Kommission eine Initiative zur Reformierung der Forschungsevaluation gestartet, die sich insbesondere auf transparente Forschungsprozesse fokussiert. Dies ist gleichfalls ein zentrales Anliegen der Open-Science-Community.
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Teilen von Forschungssoftware und Code – und die Einstellung von Forschenden dazu.
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Die Entwicklung von Forschungssoftware hat mittlerweile in vielen Disziplinen eine große Bedeutung gewonnen. So wird Forschungssoftware in 50% der von der National Science Foundation (NSF) geförderten Projekte entwickelt. Um diese Software nachnutzbar zu machen, werden die aus dem Bereich „Forschungsdatenmanagement“ bekannten FAIR-Prinzipien im Rahmen des Projekts FAIR4RS auf Forschungssoftware übertragen [2].
Inwieweit sind Forschende bereit, Forschungscode oder -software zu teilen? Dazu wurden die Ergebnisse einer Befragung vorgestellt. Zeitschriften aus dem Bereich „Computational Biology“ erwägen auf Druck der Herausgebenden die Einführung einer Code Sharing Policy. In den Zeitschriften dieses Themenfeldes wird Code derzeit in mehr als 40% der Beiträge geteilt. Zum Vergleich: Nur 3,7% der Artikel im PubMed Central machen Angaben darüber, ob und wo der zugrundeliegende Code einsehbar ist. Weitere Ergebnisse der Befragung lauten: Eine Policy würde zwar die Bereitschaft zum Teilen von Code um gut 25% erhöhen. Allerdings gibt es unter den Forschenden eine Reihe von Vorbehalten: 40% halten den zeitlichen Mehraufwand für hinderlich. 25% sehen technische Abhängigkeiten, die das Teilen erschweren. 20% der befragten Forschenden stellen die eigenen Fähigkeiten in Frage, den Code so aufzubereiten, dass eine Nachnutzung möglich ist. Nachwuchsforschende zeigen eine größere Bereitschaft, Code zu teilen [3].
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Laura Cadwallader: The Overlap
Between FAIR for Research Software and Open Science


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Leitfragen für das Einbeziehen der Öffentlichkeit bei Forschungsprojekten.
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Soll die Öffentlichkeit bei Forschungsprojekten (z.B. bei Citizen Science) einbezogen werden, muss bei der Organisation darauf geachtet werden, dass sich die Beteiligung für alle Seiten lohnt. Das ist am ehesten der Fall, wenn sich Öffentlichkeit und Forschung in den Projekten auf Augenhöhe begegnen und die Projekte allgemein zugänglich sind. Relevante Interessengruppen sollten beteiligt werden und ihre Rolle mitbestimmen dürfen. Der Vortrag [4] präsentierte eine Reihe von Leitfragen, die den (Projekt)Verantwortlichen helfen sollen, Vorhaben angemessen zu gestalten und zu konkretisieren. Beispiele für Leitfragen lauten: Warum soll die Öffentlichkeit einbezogen werden? Wer genau soll teilnehmen und in welcher Form?
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Hilfe bei der Umsetzung von Open Science für Institutionen: Road2Openness.
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Viele Forschungseinrichtungen sind an der Einführung von Open-Science-Praktiken interessiert. Häufig fehlt es aber an Kenntnissen, wie Open Science umgesetzt werden kann. Das Tool Road2Openness, das gemeinsam mit drei deutschen Hochschulen entwickelt wird, soll hier helfen. Zusätzlich zu Funktionen zur Selbsteinschätzung wird das Tool Informationen darüber enthalten, warum bestimmte Öffnungsschritte zu gehen sind. Dazu ergänzend werden Best-Practice-Beispiele vorgestellt. Nach den bisherigen Projekterfahrungen fassen viele Einrichtungen das Thema Open Science sehr eng und beschränken es auf Open Access und Forschungsdaten. Auch sollte der Austausch innerhalb einer Institution zwischen denen, die sich bereits mit bestimmten Aspekten von Open Science auskennen, intensiviert werden [5].
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Unterstützungsangebote für Open-Access-Zeitschriften ohne Publikationsgebühren.
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In der Startphase von Open Access wurde vorwiegend über die Zugänglichkeit wissenschaftlicher Literatur gesprochen. Gegenwärtig rückt der Betrieb von Open-Access-Zeitschriften stärker in den Fokus. Untersuchungen zeigen, dass 36% von über 16.000 wissenschaftlichen Zeitschriften Open Access sind. 77% davon werden von Einrichtungen publiziert, die lediglich eine Zeitschrift anbieten. Viele dieser Zeitschriften lassen sich den Sozial- und Geisteswissenschaften zuordnen, sind communitygetrieben und kommen ohne eine Finanzierung durch Publikationsgebühren aus (Diamond Open Access). Der gemeinsam von Science Europe, cOAlition S, OPERAS und der französischen Forschungsförderung entwickelte „Action Plan for Diamond Open Access“ soll das Community-Building fördern, die Sichtbarkeit sicherstellen sowie den dauerhaften Betrieb der Zeitschriften ermöglichen. Bislang haben sich 40 Einrichtungen, die entsprechende Zeitschriften herausgeben, der Initiative angeschlossen [6].
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Die Zeitschrift NAL-live mit “lebenden Artikeln”.
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Die Digitalisierung im Bereich der Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse macht es möglich, sich stärker von dem Konzept einer gedruckten Zeitschrift mit abgeschlossenen Artikeln zu lösen. Abgeschlossene Artikel sind im Grunde ein künstliches Konstrukt und stellen bestenfalls einen Zwischenstand dar, an dem weiterzuarbeiten ist. Die Zeitschrift NAL-live folgt dem Konzept, dass Artikelversionen zwar eine Begutachtung durchlaufen, nach der Veröffentlichung aber fortwährend kommentiert und aktualisiert werden können. Als die hauptsächlichen Herausforderungen dieses Ansatzes wurden genannt, Autor:innen von der zu leistenden Mehrarbeit zu überzeugen und ausreichend viele Kommentator:innen zu finden. Letzteres soll gefördert werden, indem für Kommentare DOIs vergeben werden. Begutachtung und Kommentierung werden somit zitierfähig gemacht und die Kommentator:innen mit „Reputationspunkten“ belohnt [7].
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Joschka Seliger, Data Tracking in Research: Academic Freedom at Risk?
Zeichnungen: Karen Schliehe
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Datentracking in der Wissenschaft.
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„Datentracking in der Wissenschaft“ wird seit einiger Zeit diskutiert. Der Vortrag gab einen Überblick, inwieweit die Wissenschaftsfreiheit und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung durch Datentracking gefährdet werden. Mehr und mehr verbreiten Wissenschaftsverlage nicht nur Wissenschaftsinformationen. Vielmehr wandeln sie sich stärker zu Datensammlern und -analytikern und entwickeln auf dieser Basis verkaufsfähige Produkte. Dabei wird unter anderem getrackt und analysiert, inwieweit Forschende auf wissenschaftliche Literatur zugreifen.

Dies ist aus mehreren Gründen problematisch: Zum einen werden Forschende im Unklaren gelassen, was genau mit ihren Daten passiert. Zum anderen können die Wissenschaftler:innen in vielen Fällen angesichts der Quasi-Monopolstellung mancher Verlage nicht zu einem anderen Verlag wechseln, wenn ein bestimmter Artikel für die Forschung benötigt wird. Zudem schränkt das Sammeln von Daten die Wissenschaftsfreiheit ein, wenn Forschende nicht mehr komplett frei an Forschungsthemen herangehen können.

Bei Open-Access-Publikationen ist das Sammeln von Daten insofern problematisch, weil gerade diese Publikationen voraussetzungsfrei zur Verfügung gestellt werden sollten. Erschwerend kommt hinzu, dass man nicht weiß, wie groß das Problem eigentlich ist. So ist unbekannt, inwieweit Wissenschaftsverlage die Möglichkeit nutzen, umfassende Personenprofile anzulegen und womöglich sogar auf private Aktivitäten von Forschenden im Netz zuzugreifen. In jedem Fall sollten sich die Forschungseinrichtungen um dieses Problem kümmern, da diese eine Verpflichtung haben, ihre Forschenden zu schützen und die Wissenschaftsfreiheit zu gewährleisten. Diese Entwicklungen stellen ein starkes Argument dafür da, dass Forschungseinrichtungen eigene Publikationsinfrastrukturen aufbauen sollten, um Abhängigkeiten von privaten Verlagen zu verringern [8].
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Rechtliche Regelungen zu „Text und Data Mining“.
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Auf europäischer Ebene ist es seit einiger Zeit Forschungseinrichtungen erlaubt, „Text und Data Mining“ zu betreiben. Während in den USA „Text und Data Mining“ durch die „Fair Use“-Doktrin abgedeckt ist, hat es in Europa den Status einer Ausnahmeregelung zum Urheberrecht. Beispielsweise ist „Text und Data Mining“ im deutschen Urheberrechtsgesetz in den „Schrankenregelungen für die gesetzlich erlaubte Nutzung für Unterricht, Wissenschaft und Institutionen“ (§ 60d) geregelt. Allerdings ist der Rahmen, in dem die Ausnahmegenehmigung in Anspruch genommen werden darf, sehr eng gefasst. Das erst einmal liberal klingende Moto für die europäische Urheberrechtsreform: „the right to read is the right to mine“ bedeutet nämlich auch, dass Institutionen nur dann „Text und Data Mining“ betreiben dürfen, wenn sie die Texte subskribiert haben oder diese Open Access publiziert wurden. Desweiteren ist eine Speicherung der Texte zwecks Analyse zwar möglich, die Weitergabe der Corpora, die analysiert wurden, allerdings nicht. Dies läuft insbesondere dem Open-Science-Grundsatz entgegen, dass Forschungsdaten offenzulegen sind [9].
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Mehr feste Stellen für wissenschaftliches Personal zur Steigerung der Qualität.
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Sorgfältiges und transparentes Arbeiten in der Forschung nach den Grundsätzen von Open Science und den Standards der guten wissenschaftlichen Praxis erfordert zusätzlichen zeitlichen Aufwand. Aktuell gibt es zu wenige feste Stellen für Forschende im akademischen Bereich, denen dafür ausreichend Zeit eingeräumt wird. Begründet wird die Knappheit mit dem Bedarf nach ständiger Innovation, der mit einer „Bestenauslese“ und dem regelmäßigen Austausch des wissenschaftlichen Personals erfüllt werden soll. Die wenigen unbefristeten Stellen werden also bewusst an solche Nachwuchsforschenden vergeben, die sich nach bestimmten Kriterien (z.B. Publikationen in bestimmten Zeitschriften) besonders verdient gemacht haben. Dies führt zu einem hohen Publikationsdruck und damit verbunden zu Stress, worunter die Qualität ihrer Forschung leiden kann. Zudem sorgt der fortlaufende Austausch wissenschaftlicher Mitarbeitenden für mangelnde Kontinuität.

Der Vortrag [10] machte deutlich, dass es eines Kulturwandels in akademischen Einrichtungen bedarf. Dieser müsste nicht nur zu einer Ausweitung fester Anstellungen führen, sondern auch zu einer Erfüllung weiterer Forderungen:
  • stärkerer Fokus auf Teamarbeit. Dabei sollten die Mitglieder der Teams über unterschiedliche – einander ergänzende – Expertisen verfügen und zum Beispiel Theoretiker:innen, Statistiker:innen und Expert:innen zur Aufbereitung von Daten sein;
  • Erforschung komplexer Zusammenhänge im Rahmen eines Forschungsprogramms anstelle vieler kleiner miteinander kaum verbundener Projekte;
  • Förderung der guten wissenschaftlichen Praxis und Openness durch Schulungen und weitere Maßnahmen;
  • Sicherstellung, dass die Lehre den gleichen Reputationswert wie die Forschung erhält;
  • stärkere Beachtung weiterer Leistungen, beispielsweise die Kommunikation mit der Öffentlichkeit.
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Verstärkt Open Science Ungleichheiten? - Ergebnisse aus dem ON-MERRIT-Projekt.
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Grundsätzlich birgt Open Science die Gefahr, dass es bestehende Ungleichheiten weiter verstärkt und Zielsetzungen mit Blick auf mehr Inklusion und Teilhabe sowie Abbau von Barrieren nicht erfüllt werden. Ein Vortrag [11] stellte Befunde aus dem EU-Projekt ON-MERRIT vor. Dieses erforschte, wie Disziplin, Region, Geschlecht, Zugang zu Ressourcen und weitere Faktoren Einfluss darauf nehmen, wie Open Science praktiziert wird. Zentrale Ergebnisse lauten:
  • Publikationsgebühren zur Finanzierung von Open Access benachteiligen den globalen Süden.
  • Prestigeträchtige Institutionen publizieren stärker in Zeitschriften mit hohen Publikationsgebühren.
  • Open-Science-Praktiken werden nicht ausreichend belohnt. Die Werte der Forschenden und die ihrer Einrichtung klaffen zunehmend auseinander.
Einzelne Ergebnisse aus den Teilprojekten der Studie sind bereits publiziert oder stehen kurz vor der Veröffentlichung. Der Projektbericht, der auch zusammenfassende Handlungsempfehlungen enthält, wird in Kürze verfügbar sein.
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Panel-Diskussion zu der Open Science Recommendation der UNESCO.
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Die Diskussion wurde durch zwei Vorträge eingeleitet, die Einblicke in den Entstehungsprozess der Empfehlungen gaben [12]. Die anschließende Panel-Diskussion ging insbesondere der Frage nach, wie diese für alle Interessengruppen sinnvoll umgesetzt werden können. Zentrale Ergebnisse der Diskussion lauten:
  • Immer wieder kehrten die Diskutierenden auf die Forderungen nach mehr Gleichheit zurück. Zum Beispiel die Gleichheit der Geschlechter: In mehreren Kulturkreisen ist es alles andere als selbstverständlich, dass Frauen zu Wissenschaftlerinnen ausgebildet werden. Oder die Gleichheit der Regionen: Nach wie vor sind Forschende aus dem Globalen Norden deutlich privilegierter als solche aus dem Globalen Süden.
  • Wissenschaft hat eine Verantwortung zur Offenheit gegenüber der Gesellschaft, weil sie es ist, die die Wissenschaft finanziert.
  • Die Bewertung von Forschung muss reformiert werden. Gegenwärtig werden Open-Science-Arbeitsweisen kaum belohnt, obwohl diese für eine bessere Qualität der Ergebnisse sorgen. Zudem fließen nicht alle Arbeitsaufgaben und -ergebnisse in die Bewertung der Qualität von Forschung ein.
  • Letztlich hängt es von den Multiplikator:innen ab, wie Open Science umgesetzt wird und die Empfehlungen in den einzelnen Mitgliedsländern der UNESCO gelebt werden.
Abstracts sind auf der Konferenzseite abrufbar: https://www.open-science-conference.eu/ .
Die Vorträge wurden aufgezeichnet. Die komplette YouTube-Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list=PL3VQAlJen7ozVyZjhi4qkeKS1ahSW0XUV .

Die Präsentationen und Poster werden auf Zenodo veröffentlicht: https://zenodo.org/communities/osc2022.

Links zu den Vorträgen

[1] Klaus Tochtermann: Opening: https://www.youtube.com/watch?v=zyFTt8HA0eI
[2] Daniel S. Katz: The Overlap Between FAIR for Research Software and Open Science: https://www.youtube.com/watch?v=67Uc1EEVDv8
[3] Lauren Cadwallader: Researchers’ attitudes toward sharing code: Findings from a survey and policy implementation: https://www.youtube.com/watch?v=cyY7C2Ya50Q
[4] Anne-Floor Scholvinck: Aligning Form to Purpose: Meaningful Public Engagement From the Open Science Perspective: https://www.youtube.com/watch?v=3WcF9WHNMpE
[5] Verena Heise: Road2Openness - a Web-based Open Science Self-assessment Tool for Research Performing Organisations: https://www.youtube.com/watch?v=rGSWov_U4Vs
[6] Suzanne Dumouchel: Scholarly Communication in the Open Science framework: The Diamond Open Access model: https://youtu.be/du-N7CmL5YM
[7] Diethard Tautz: NAL-live: The New Online Journal for Open Scientific Exchange: https://www.youtube.com/watch?v=D1b-wCZLJ8E
[8] Joschka Selinger: Data Tracking in Research: Academic Freedom at Risk?: https://www.youtube.com/watch?v=-viejVEd3bQ
[9] Paweł Kamocki: New Copyright Exception for Text and Data Mining for Scientific Research Purposes – a Pyrrhic Victory for Open Science?: https://www.youtube.com/watch?v=lS-d7oBdHWk
[10] Rima-Maria Raha: On the Importance of Permanent Employment Contracts for Research Quality and Robustness: https://www.youtube.com/watch?v=v2RhqepHTRk
[11] Tony Ross-Hellauer: Mitigating risks of cumulative advantage in the transition to Open Science: The ON-MERRIT project: https://www.youtube.com/watch?v=mnCAq7SGQDo
[12] Vera Lacoeuilhe: Which new potentials does the UNESCO Recommendation open up, especially for countries of the Global South?
Peggy Oti-Boateng & Ghaith Fariz: Implications and initiatives: How the UNESCO Open Science Recommendation is being put into practice: https://www.youtube.com/watch?v=XvVc56i-W_4

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