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Open Password - Freitag, den 4. Februar 2022

# 1026
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Bücher, die uns bewegten – Roland Jerzewski – Open Password – Simon Verlag für Bibliothekswissen – Helga Schwarz – Alexander von Humboldt - Kolonialismus

Virtuelle Bildungsmesse – Didacta – Bibliotheksbezogene Weiterbildung – Frank Seeliger – Vivien Petras – Frauke Schade - Friedrich Nietzsche – Betriebliche Fort- und Weiterbildung – KIBA – TH Wildau – Elevator Pitches – Break out Sessions – bibliotheksportal.deBücher, die uns bewegten – Roland Jerzewski – Open Password – Simon Verlag für Bibliothekswissen – Helga Schwarz – Alexander von Humboldt - Kolonialismus

16th International Symposium for Information Science – Aylin Imeri – Social Media – Wahrgenommene Wissenschaftlichkeit von Tweets – Information Behavior – T.D. Wilson – Infomationskompetenz – A. Mazarakis – I. Peters – J. Schmitz – Hashtags – Verlinkungen – Publicity – Methodik – Verständnis – Guru-Effekte

Wissenschaftliches Publizieren – Wissenschaftsrat – Transformation Open Access – Innovative Publikationsorte – Kleine Verlage – Offene Publikationssoftware – Open Journal Systems – ZB MED - Publisso

I.
Briefe:
Der Lektüre Moment, „der wie ein Pfeil im Herzen des Tages zittert“, von Helga Schwarz


II.
Virtuelle Bildungsmesse
Eine “Didacta” en miniature und ein Plädoyer für fachliche Fortbildung - Von Frank Seeliger, Vivien Petras und Frauke Schade

III. ISI2021
Wahrgenommene Wissenschaftlichkeit von Tweets - #wenigerHashtagswirkenwissenschaftlicher- Von Aylin Imeri (Ilhan), Universität Düsseldorf

IV.
Wissenschaftsrat
Offene Publikationssoftware, zum Beispiel Publisso


Bücher, die uns bewegten

Der Lektüre Moment, „der wie ein Pfeil
im Herzen des Tages zittert“

Neu aufgenommen: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur, von Andrea Wulf

Zu: Eine Hommage an das Buch (I) - Eine Initiative von Open Password und dem Simon Verlag für Bibliothekswissen - Mit Herzblut, Leidenschaft und tiefen Kenntnissen über Bücher geschrieben, „die uns bewegten“, in: Open Password, 2. Februar
Helga Schwarz
Helga Schwarz

Lieber Herr Bredemeier!

Habe das "Password" vom 2. Februar mit großer Freude gelesen und bin ganz gerührt, dass Sie auch meinen Beitrag erwähnt haben. Ich schreibe Ihnen, weil ich erst vor wenigen Tagen den Lektüre-Moment hatte, "der wie ein Pfeil im Herzen des Tages zittert."

Ich lese z.Z ein sehr empfehlenswertes Buch von Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. Ganz abgesehen davon, dass man über die Entstehung von Humboldts Naturbegriff und seinem bahnbrechenden neuen Naturverständnis viel erfährt und auch eine Menge über das Südamerika um 1800. Ganz neu für mich waren die Details des Unabhängigkeitskampfs von Alexanders Freund Simon Bolivar und das Entstehen von Venezuela, Kolumbien und Ecuador.

Aber der Pfeil war ein anderes Faktum. Alexanders Planungen für seine Reise gestalteten sich schwierig, Südamerika war letztlich nur seine dritte Wahl, eigentlich wollte er nach Ägypten oder ersatzweise auch nach Lappland. Aber das war beides nicht möglich, denn in Europa herrschte Krieg. Ein Europäer konnte auch nicht einfach irgendwo hinreisen außerhalb Europas. Es gab 1798 nur wenige wirklich souveräne und unabhängige Staaten: die europäischen Großmächte: Österreich-Ungarn, Preußen, England, Frankreich, die Niederlande, Spanien und Portugal, dazu Schweden und Dänemark - in der "neuen Welt" seit kurzem die USA, Kanada gab es noch nicht und im Osten: Russland, das Osmanische Reich, China und Japan.

Alle anderen Landgebiete dieser Erde waren Kolonien oder so stark von einem der oben genannten Mächte abhängig, dass sie nicht wirklich unabhängig waren. Ein Reisender, der sich in den abhängigen Gebieten bewegen wollte, brauchte die Genehmigung der Kolonialmacht. Trotz Alexanders Bemühungen, über französisches Gebiet in Nordafrika nach Ägypten zu gelangen, klappte das nicht. Letztlich erteilte nur der spanische König Alexander die Genehmigung zur Bereisung aller spanischen Gebiete der "Neuen Welt". An der fehlenden Genehmigung scheiterte später auch Alexanders großer Wunsch, den Himalaya zu bereisen; er bekam trotz zehnjähriger Bemühungen keine britische Erlaubnis.

Auf dem Hintergrund, dass zurzeit stark über Kolonialismus und auch über deutsche Kolonien diskutiert wird, hat mich diese Erkenntnis doch ziemlich umgehauen. Ich hatte mir vorher nie klargemacht, dass die großen Mächte schon lange vor 1885 über die ganze Welt wie ein Krake hergefallen waren; 1885 auf der Berliner Konferenz erfolgte dann nur noch die offizielle und einvernehmliche Codifizierung der Einflussbereiche.

Beim Lesen des "Pfeil-Zitats" von Walter Benjamin im Password dachte ich plötzlich: ja das war mein Pfeil ins Bewusstsein.

Sehe weiteren Ausgaben mit Vergnügen entgegen.
Herzliche Grüße Helga Schwarz

Virtuelle Bildungsmesse

Eine “Didacta” en miniature und

ein Plädoyer für fachliche Fortbildung

Von Frank Seeliger, Vivien Petras und Frauke Schade

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Frank Seeliger

Üblicherweise nutzen wir als Bibliothekar*innen Zitate wie von Heinrich Heine: “Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt”, um von der öffentlichen Hand eine auskömmliche Grundfinanzierung oder neue Spielräume zu erhoffen.

Bildung im Rahmen des lebenslangen Lernens, der Weiterqualifizierung, zur Karriereplanung, im Kontext der sich stark verändernde Anforderungen im Berufsalltag erscheint als hausgemachte und spartenübergreifende Herausforderung alles andere als abwegig. Um aktuelle und künftige Anforderungen zu meistern, ist es nicht allein als Training-on-the-job, als Ad-hoc-Heranführen und als informelles Aneignen neuer Fertigkeiten getan. Dazu gehört gleichfalls die formale und systematisch aufbauende Fort- und Weiterbildung. Mit Blick auf die letzten zwei Jahre und alle damit verbundenen besonderen Hürden möchte man mit Nietzsche innehalten, der im 19. Jahrhundert (!) bedenkend in den Raum warf: Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird.

Die fachliche Weiterentwicklung hängt nicht nur vom persönlichen Engagement des einzelnen und seinen Ressourcen ab, vielmehr ist es auch Aufgabe der Arbeitgeber, ein exzellentes Umfeld für betriebliche Fort- und Weiterbildung zu schaffen. Dies ist in Anbetracht des Fachkräftemangels alternativlos und dazu bei teils rückläufigen Nachwuchszahlen und im Kontext von - nicht nur, aber auch - Quereinsteiger*innen, um die auch ein attraktives Wettbewerbsumfeld wirbt, ziemlich dringend.
Vivien Petras
Vivien Petras

Zur Einordnung sei die Anmerkung gestattet, dass es für die Bibliothekspraxis kein Novum darstellt, das erforderliche Know how aus Einrichtungen zu beziehen, welche nicht speziell für Informationseinrichtungen Themen setzen, wie z.B. zu Wissensmanagement und Wissenschaftskommunikation, pädagogische und technische Curricula miteingeschlossen. Wir fingen klein an, eben “en miniature”!

Der Markt der fachlichen und bibliotheksbezogenen Weiterbildung hat durch viel Engagement ein breites Spektrum an Optionen, Spezialisierungen und Richtungen entstehen lassen. Diese thematische Bandbreite ist erstmals über eine von der Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge (KIBA, Sektion 7 im dbv und Ausbildungskommission der DGI) und der TH Wildau gemeinsam organisierte Weiterbildungsmesse im deutschsprachigen Raum als virtuelle Konferenz durchgeführt worden. Sie fand mit über vierhundert Einschreibungen ein enormes Echo. Von niedrigschwelligen Weiterbildungs- und Zertifikatskursen bis hin zu berufsbegleitenden und dualen Angeboten mit BA- und MA-Abschlüssen oder entsprechenden Credit Points (ECTS), alles ward aufgeboten, für alle Sparten!
Frauke Schade und Willi Bredemeier
Frauke Schade (mit dem Herausgeber von Open Password)

So wohnten weit über 300 Interessent*innen den Elevator Pitches bei, die in nur jeweils drei Minuten in schwindelerregender Zügigkeit präsentierten, wie man sich fort- und weiterbilden kann. Es war hochaktuell, nüchtern flott vorgetragen und damit die beste Basis, Fragen und Anliegen in den sich anschließenden Teilgruppensitzungen bzw. Break out Sessions zu vertiefen. Im Anschluss an die breitgefächerten Angebotsprints hatten alle Interessent*innen die Möglichkeit, sich in zwei Runden eines der 13 Angebote auszusuchen und dort im Dialog en detail zu informieren. Eine Neuauflage wurde bereits von den Veranstaltenden auf die Agenda gesetzt.

Für die Nachlese sind die verschiedenen Foliensätze zu empfehlen, die ebenso auf der Veranstaltungsseite zur Verfügung stehen wie die entsprechende Verlinkung zum konkreten Weiterbildungsangebot. Wenn wir Sie neugierig gemacht haben, schauen Sie auf www.wit-wildau.de/zentrale-weiterbildungsmesse.

Die Auflistung dort ergänzt die Informationen anderer Portale (siehe bibliotheksportal.de/informationen/beruf/fortbildung/).


Nachtrag zum 16th International Symposium for Information Science (ISI2021)


Wahrgenommene Wissenschaftlichkeit von Tweets
#wenigerHashtagswirkenwissenschaftlicher

Von Aylin Imeri (Ilhan), Universität Düsseldorf
Aylin Ilhan
Es ist kein Geheimnis, dass Social Media nicht nur im privaten Umfeld eine wichtige Rolle spielen, um zum Beispiel mit Freunden und Verwandten im Kontakt zu bleiben, Informationen zu erhalten oder zu teilen, sondern auch im beruflichen, insbesondere im wissenschaftlichen Umfeld. Wie verhalten sich Forschende und Lehrende in Social Media? Wie wird in Social Media über die und innerhalb der Wissenschaft kommuniziert? Und wie wird die Wissenschaftlichkeit solcher Beiträge von Nutzer*innen wahrgenommen? Insbesondere während Konferenzen werden mit Hilfe eines Konferenzhashtags wie auf der #ISI2021 Inhalte und Ergebnisse verfasst und mit der wissenschaftlichen Community geteilt.

Eines der Kernthemen der Informationswissenschaft ist das Informationsverhalten (Information Behavior). Hierbei bezieht sich das Informationsverhalten nicht nur auf das Suchen und Finden von Informationen im Web, also in Google oder in Fachdatenbanken wie Scopus, Web of Science oder auch Dimensions. Wie Wilson (2000, p. 49) erklärt:

„Information Behavior is the totality of human behavior in relation to sources and channels of information, including both active and passive information seeking, and information use.“

Das Posten eines Tweets (Textbeitrag von 280 Zeichen beispielsweise in Twitter) ist ein Resultat des Informationsverhaltens. Wie wird jedoch diese Information wahrgenommen? Welche Intention verfolgen Verfasser*innen solcher Tweets? Gibt es Aspekte, die die Glaubwürdigkeit bzw. Wissenschaftlichkeit der Information oder des Tweets einschränken oder fördern? Insbesondere Wissenschaftler*innen möchten ihre Forschungsergebnisse teilen bzw. kommunizieren (McKendrick, Cumming, & Lee, 2012). Dabei ist auch die Informationskompetenz von Forscher*innen ein spannender Aspekt, denn die Auseinandersetzung mit gefundenen Informationen (hier Tweets) mit Blick auf die Qualität, Vertrauenswürdigkeit und Wissenschaftlichkeit spiegeln wider, wie informationskompetent Nutzer*innen sind.

Die kritische Frage, die sich hier stellt, lautet: Kann die Wissenschaftlichkeit eines Tweets adäquat gemessen werden? Insbesondere, wenn Social Media auch die Gefahr birgt, Falschinformationen zu verbreiten. Und können wir als Nutzer*innen und Produzent*innen solcher Tweets die Wissenschaftlichkeit erkennen und unterstützen?

Auf dem 16th International Symposium for Information Science (ISI 2021) haben Mazarakis, Peters und Schmitz (2021) näher untersucht, ob es einen Zusammenhang unter anderem zwischen der Anzahl an Hashtags innerhalb eines Tweets und der wahrgenommenen Wissenschaftlichkeit gibt.[1] Dabei ist die Diskussion um die Frage Wie kann die Wissenschaftlichkeit ausgedrückt werden? kein neues Forschungsthema. So erwähnen Mazarakis et al. (2021), dass die Verlinkung zum Artikel (DOI), Konferenzhashtags oder auch die Namen von wissenschaftlichen Autor*innen in Tweets bereits diskutiert wurden (Weller, Dröge, & Puschmann, 2011).

Twitter bietet die Möglichkeit, innerhalb eines Kurzbeitrags zu verdeutlichen, worum es in der Forschung geht. Allerdings, so Mazarakis et al. (2021), gibt es noch keine wirkliche Vorlage oder eine Handlungsempfehlung, wie ein Tweet aussehen sollte, damit er als wissenschaftlich zu kennzeichnen ist (im Unterschied zu Formatvorlagen von Verlagen zum Beispiel). Um hier weiterzukommen, untersuchten unsere Autor*innen die Wissenschaftlichkeit von Tweets aus dem Themenfeld der Medizin. Zur Zielgruppe der Kurzbeiträge gehörten sowohl Laien als auch Fachexpert*innen.

Zu den verwendeten bzw. ausgesuchten Hashtags zählten zum Beispiel #geburtshilfe, #urologie, #epidemiologie, #augenheilkunde und die dazugehörigen englischen Begriffe. Die Autor*innen haben jedoch nicht nur die 162 Tweets analysiert, sondern diese Tweets auch in eine Umfrage integriert, um so die Wissenschaftlichkeit nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ zu untersuchen. Eine erste Beschreibung der Tweets zeigte, dass circa 90% der Tweets nicht als Frage formuliert wurden und 75% ein Bild enthalten. Insbesondere mit Blick auf den Informationsaustausch und die Weiterleitung zu weiteren Quellen ist es wichtig, dass 70% der Tweets einen Link enthalten.

Weiterhin auffällig ist, dass die Tweets im Durchschnitt bis zu fünf Hashtags aufweisen. Zusätzlich zu der Analyse von Merkmalen, die für die Microblogging-Plattform Twitter spezifisch sind (@-mention, Hashtags usw.), wurden sieben weitere Kategorien gebildet, denen die Tweets zugeordnet wurden. Hierbei handelte es sich um die Begriffe: Artikel, Job, Meinung, Methodik, Publicity, Spaß und Verständnis. Wie die Inhaltsanalyse ergab, gehörten die meisten Tweets der Kategorie „Publicity“ an; am seltensten kam die Kategorie „Spaß“ vor. Die meisten Tweets waren der Kategorie „Publicity“ zuzuordnen. Sie enthielten zum Beispiel Buchvorstellungen, Suche nach Personal, Werbung für einen Kongress und Berichte über Kongresse. Nur etwa ein Viertel der Tweets wurde als „wissenschaftlich“ (N = 40) eingestuft, also circa dreiviertel galten als „nicht-wissenschaftlich“ (N = 122).

Gelungen an der Studie ist der Einsatz mehrerer Methoden. So wurden die Tweets nicht nur kategorisiert (Inhaltsanalyse), sondern auch in eine Online-Umfrage integriert und von 109 Teilnehmer*innen auf ihre Wissenschaftlichkeit hin bewertet. Hierbei haben die Autor*innen mit acht Sets gearbeitet, die jeweils zwanzig Tweets enthielten.

Die Autor*innen halten fest, dass Tweets mit vielen Hashtags als weniger „wissenschaftlich“ charakterisiert werden. Das finde ich spannend, denn insbesondere Twitter ermöglicht mit den Hashtags die Verlinkung zu weiteren Themen und erlaubt somit, die Aufmerksamkeit auf weitere Themen zu lenken. Aber hier wird auch deutlich: „Mehr ist nicht gleich besser.“
Wie ist es um die Wissenschaftlichkeit von Tweets bestellt, die einer bestimmten Kategorie angehören? Bei der Kategorie Publicity fällt die Wahl zwischen „Wird als wissenschaftlich wahrgenommen“ und „Ist nicht-wissenschaftlich“ nicht ganz eindeutig aus, auch wenn die Mehrheit dieser Tweets unter „nicht-wissenschaftlich“ kategorisiert wurde. Hier stellt sich auch die Frage, was bedeutet eigentlich „Wissenschaftlichkeit“ für jeden und kann diese Auffassung objektiviert werden?

Innerhalb der Kategorie „Publicity“ befinden sich beispielsweise auch Beiträge mit Hashtags, die auf Konferenzen aufmerksam machen. Natürlich handelt es sich hier um ein Setting, das die Forschung vorantreibt und neue Themen entstehen lässt. Dennoch stellen sie einen großen Unterschied zu einem Tweet dar, in dem ein Ergebnis aus einer Studie wiedergeben wird. In den Worten von Mazarakis u.a.: Tweets in der Kategorie „Publicity“ sind dann wissenschaftlicher Natur, wenn sie auf „eine wissenschaftliche Publikation, einen wissenschaftlichen Bericht oder medizinische und lebenswissenschaftliche Kongresse hingewiesen oder verlinkt [haben]“ (Mazarakis et al., 2021, Seite 55). Ebenso eindeutig fällt die Festlegung „Nicht-wissenschaftlich“ aus, wenn lediglich darauf aufmerksam gemacht wird, dass die Konferenz gestartet ist oder gerade Herr oder Frau X vortragen.

Eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, als „wissenschaftlich“ gekennzeichnet zu werden, haben Tweets, die den Kategorien „Methodik“ und „Verständnis“ zugeordnet wurden. Zudem gibt es eine beachtliche Grauzone an Tweets, die nicht eindeutig zugeordnet werden können bzw. wo die kategorisierenden Wissenschaftler Diskussionsbedarf aufzeigen.

Sind wir mit der Konstruktion wissenschaftlicher Tweets bzw. der Formulierung von Handlungsempfehlungen dazu weitergekommen? Sicherlich reicht es nicht, festzustellen, dass Aylin Imeri an der Abteilung für Informationswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland tätig ist, da eine Verbindung zu ihrer Forschung oder zu ihren anderen wissenschaftlichen Tätigkeiten nicht hergestellt worden ist. Hingegen wäre dieser Tweet als „wissenschaftlich“ zu kategorisieren: Isabella Peters stellt auf der #ISI2021 die Ergebnisse zum Thema „Wissenschaftlichkeit von Tweets“ vor. Hier erfahren wir nämlich Wer, Wo, Was vorträgt.

[1] https://epub.uni-regensburg.de/44936/1/isi_mazarakis_et_al.pdf
Mazarakis u.a. zeigen, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Links und der „wahrgenommene Wissenschaftlichkeit“ gibt. Für mich sollte ein Link einen Zugriff auf meine Forschung/Publikationen oder auch auf eine Präsentation dazu ermöglichen. Aus meiner Sicht geht es also primär um eine Informationsvermittlung und um die Awareness, die ich bewirken möchte.

Die Autor*innen haben auch die Möglichkeit von „Guru-Effekten“ (Sperber, 2010) erwähnt. Diese besagen, dass Tweets, die von bekannten WissenschaftlerInnnen stammen, weniger hinterfragt werden als von jemanden, der in der Wissenschaftsgemeinschaft noch unbekannt ist. Und was ist mit den Features von Twitter, also Links, Bilder, Videos, Hashtags und @-mention? Diese sind nicht zwangsläufig als „wissenschaftlich“ zu charakterisieren, können jedoch zur Transparenz der Forschung beitragen.

Und wie haben sich die Twitter-Nutzer*innen während der ISI 2021 verhalten? Für diese Frage habe ich eine kleine Auszählung[1] zum Hashtag #ISI2021 auf Twitter durchgeführt. Es wurden nicht mehr als fünf Hashtags verwendet und manchmal sogar keine Hashtags genutzt. So haben Tweets, die den Hashtag #ISI2021 oder das Wort/das Profil als solches enthalten (@isi2021) am ersten Tag einen durchschnittlichen Hashtags-Einsatz von circa einem Hashtag. Insgesamt wurden am ersten Tag 27 Tweets gesendet, wovon elf Tweets null Hashtags besitzen, zehn Tweets einen Hashtag, zwei Tweets zwei Hashtags, zwei Tweets drei Hashtags und zwei Tweets fünf Hashtags. Insbesondere die zehn Tweets haben den Hashtag #ISI2021 enthalten. Von 27 Tweets für den ersten Tag waren fünf Tweets mit einem Link versehen, also lediglich rund 18%. Der Tweet mit den meisten Retweets und Likes enthielt ebenfalls einen Link und zwar zu den Proceedings. Am zweiten Tag wurden 33 Tweets gesendet[2]. Auch hier wurde durchschnittlich ein Hashtag verwendet. Am zweiten Tag enthielten lediglich circa 15% der Tweets (N = 5) einen Link. Am dritten Tag wurden die wenigsten Tweets gesendet (N = 20). Sie enthielten durchschnittlich zwei Hashtags. Innerhalb der Tweets vom dritten Tag gab es lediglich einen Tweet, der keinen Hashtags hatte, und zwei Tweets mit vier und einen Tweet mit fünf Hashtags. Insgesamt hatten nur vier von zwanzig Tweets einen Link. Im Vergleich zur Untersuchung von Mazarakis et al. (2021) wurden Hashtags auf der ISI sparsamer verwendet.

Ich bin gespannt auf die folgenden Studien der Autor*innen aus Kiel und Köln, insbesondere mit Blick auf Handlungsempfehlungen. Ich danke Athanasios Mazarakis, Isabella Peters und Jasmin Schmitz für diese interessante Studie.

Referenzen:
Mazarakis, A., Peters, I., & Schmitz, J. (2021). #wenigerHashtagswirkenwissenschaftlicher. Der Zusammenhang von Tweet-Eigenschafen und wahrgenommener Wissenschaftlichkeit. In T. Schmidt & C. Wolff (Eds.), Information between Data and Knowledge. Information Science and its Neigbors from Data Science to Digital Humanities. Proceedings of the 16th International Symposium of Information Science (ISI 2021), Regensburg, Germany, 8th—10th March 2021 (pp. 44-63). Verlag Wener Hülsbusch. DOI: doi.org/10.5283/epub.44936.

McKendrick, D. R. A.; Cumming, G. P.; Lee, A. J. (2012). Increased use of Twitter at a medical conference: A report and a review of the educational opportunities. Journal of Medical Internet Research, 14(6), e176. https://doi.org/10.2196/ jmir.2144

Sperber, D. (2010): The Guru Effect. Review of Philosophy and Psychology, 1(4), 583–592. https://doi.org/10.1007/s13164-010-0025-0

Weller, K.; Dröge, E.; Puschmann, C. (2011). Citation analysis in Twitter: Approaches for defining and measuring information flows within tweets during scientific conferences. In M. Rowe, M. Stankovic, A.-S. Dadzie, M. Hardey (Hrsg.), Making Sense of Microposts (#MSM2011), Workshop at Extended Semantic Web Conference (ESWC 2011), Crete, Greece. Heidelberg: Springer. http://ceur-ws.org/Vol-718/paper_04.pdf

Wilson, T. D. (2000). Human information behavior. Informing Science, 3(2), 49-56

[1] Juli 2021
[2] ISI2021 until:2021-03-11 since:2021-03-08

Wissenschaftsrat

Offene Publikationssoftware,
zum Beispiel Publisso


„Das wissenschaftliche Publikationssystem umfasst sowohl Großverlage, kleine und mittlere Verlage als auch verlagsähnliche gemeinnützige Organisationen und Akteure aus der Wissenschaft, die Publikationsplattformen betreiben. Die Transformation zu Open Access muss als Chance genutzt werden, die Bedingungen für Publikationsdienstleistungen neu auszuhandeln. Um Verbesserungen in der Nutzbarkeit und Nutzung wissenschaftlicher Publikationen voranzutreiben, gilt es nicht zuletzt, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auch neue, innovative Publikationsorte entstehen können. Wenn diese einen Konkurrenzdruck auf etablierte, kommerzielle Anbieter auszuüben vermögen, profitieren alle Nutzerinnen und Nutzer von den Effekten.

Kleinere kommerzielle Anbieter von Publikationsdienstleistungen insbesondere im Monografiebereich werden höhere Leistungsstufen jedoch nur erreichen und damit konkurrenzfähig sein können, wenn sie in Hinblick auf die zu etablierenden Workflows auf neue(re) Technologien setzen können. Deren Anschaffung finanziell zu bewältigen, dürfte für viele von ihnen eine Herausforderung darstellen. Eine Lösung kann hier offene Publikationssoftware darstellen, wie sie für Zeitschriften und andere Textformate bereits von Anbietern wie Open Journal System (OJS) oder auch ZB MED/PUBLISSO existiert. Über die Kosten für Diamond-Journale, die häufig über Open Source Software wie OJS und unter Verwendung öffentlicher oder anderer finanzieller Mittel, z. T. auch über ehrenamtliche Arbeit, betrieben werden, muss seitens der Autorinnen und Autoren keine Transparenz hergestellt werden. Dennoch sollte die von ihnen erbrachte Dienstleistung in dem skizzierten Stufenmodell von Mindeststandards und Leistungsstufen abgebildet werden können, damit sie als Publikationsorte auf dieser Ebene vergleichbar sind.
Mit der von ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften entwickelten Publikationsplattform nebst webbasierter Software PUBLISSO können für alle Fachdisziplinen Zeitschriften und andere Textformate veröffentlicht werden. Sie wird sowohl als Open Source Software sowie als Serviceangebot inklusive Hosting-
und Wartungsleistungen angeboten (vgl. https://www.publisso.de/open-access-publizieren/publisso-system).“

In: Wissenschaftsrat, Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftliche Publizierens zu Open Access, Januar 2022

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