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Open Password - Donnerstag,
den 12. März 2020

# 720


vfm-Frühjahrstagung – Corona – Mario Müller – ELAG 2020 – Till Kinstler – Litcologne - Deutschlandfunk - Wissenschaft und Praxis – Willi Bredemeier – Password – Verlagsgruppe Handelsblatt – Publizistik und Praxis – Wolfgang G. Stock – FH Köln – Privatwirtschaft – Mechtild Stock – Information Professional – Europäische Kommission – Elektronische Informationsdienste – ISI – Universität Düsseldorf – Suchmaschinen – Linked Open Data – Wisdom of the Crowd – Predatory Journals – Isabella Peters – Dirk Lewandowski – Universität Kiel – HAW Hamburg – Jasmin Schmitz – Katrin Weller - ZB MED – GESIS – Violeta Trkulja – Password – Open Password – Zukunft der Informationswissenschaft – ISI-Proceedings – Smart Cities – Fake News - Aylin Ilhan – Franziska Zimmer – Social Media – Praxisrelevanz – Informationswissenschaft Düsseldorf – ZB MED – Entschwinden der Branche – Branchenveranstaltungen – Branchen-PR – Alleinstellungsmerkmal – Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse - Wissenschaftsgemeinschaft
vfm-Frühjahrstagung

Abgesagt

Liebe Kolleg*innen,

viele Veranstaltungen und Tagungen wurden wegen drohender Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus bereits abgesagt. Auch der vfm als Veranstalter der Frühjahrstagung muss in dieser Situation verantwortlich handeln. Deshalb haben wir einen Krisenstab gebildet. Wir wollten Ihnen alle ausrichten lassen, dass unter den aktuellen Umständen die Tagung noch stattfinden kann. Die Dynamik der Ereignisse hat uns aber innerhalb von Stunden eingeholt. Einige Rundfunkanstalten und Medienunternehmen haben die Reisetätigkeit ihrer Mitarbeiter*innen deutlich einschränkt. In der Schweiz definiert das Bundesamt für Gesundheit schon keine betroffenen Gebiete mehr, weil man sich überall auf der Welt anstecken kann. In Österreich hat das zuständige Bundesministerium indoor-Veranstaltungen von über 100 Personen bis Anfang April untersagt. Heute hat uns unser Veranstaltungspartner NDR gebeten, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abzusagen. Dafür haben wir natürlich großes Verständnis.

Die vfm Frühjahrstagung vom 20.-22. April in Hamburg ist hiermit abgesagt.

Das ist sehr schade, aber in Anbetracht der Lage und der allgemeinen Verunsicherung sicherlich das Vernünftigste. Alle bereits überwiesenen Tagungsbeiträge werden wir zeitnah zurücküberweisen. Bitte denken Sie daran, eventuelle Reservierungen (Hotel / Restaurant...) baldmöglichst zu stornieren. Wir hoffen sehr, dass wir uns dann auf der Tagung im kommenden Jahr sehen können. Wir werden alles dafür tun, sie wieder zu organisieren. Nun gilt es für uns, alle Führungen abzusagen und die Vortragenden zu informieren. Wir danken allen, die an den Vorbereitungen beteiligt waren und so viele Stunden investiert haben, diese Tagung zu organisieren.

Bei den vfm-Mitglieder werden wir uns in Kürze melden, um darüber zu informieren, wann, wo und wie die geplante Mitgliederversammlung stattfinden kann.

Wir hoffen, Sie haben Verständnis für diese Entscheidung. Bleiben Sie alle gesund! Auf ein Wiedersehen spätestens in 2021.

Herzliche Grüße Mario Müller, Vorsitzender vfm

ELAG 2020

Abgesagt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Veranstalter und das Programmkomitee der ELAG 2020 haben nun beschlossen, die Konferenz im Jahr 2020 ausfallen zu lassen. Sie sollte vom 9. bis 12. Juni in Riga stattfinden. Angesichts der Entwicklung rund um COVID-19 / SARS-CoV-2 / "Corona" erscheint uns die Absage das einzig Sinnvolle: https://elag.org/2020/03/10/elag-2020-is-cancelled/

Wir werden nun beginnen, zusammen mit der Nationalbibliothek von Lettland eine ELAG 2021 (oder 2020/1?) zu planen. Vielen Dank an alle, die Vorschläge für das Konferenzprogramm eingereicht haben! Wir freuen uns schon, Sie alle dann spätestens 2021 in Riga zu treffen!

Viele Grüße, Till Kinstler

Litcologne

Abgesagt

Das Kölner Literaturfestival Litcologne ist kurz vor dem Beginn trotz gegenteiliger Bemühungen der Veranstalter abgesagt worden, um eine Weiterverbreitung des Coronavirus zu vermeiden.

Dies geschehe auf Empfehlung der Kölner Oberbürgermeisterin Reker, teilte die Litcologne mit. Mit mehr als 200 Veranstaltungen und über 100.000 Besuchern an zwölf Tagen ist die Litcologne nach eigenen Angaben das größte Literaturfestival Europas.

Quelle: Deutschlandfunk
Erfahrungen aus einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit:

Was Wissenschaft und (publizistische) Praxis
voneinander lernen können


Warum sich ein Bündnis zwischen Wissenschaft
und publizistischer Praxis für beide Seiten lohnt

Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse
eine von drei Kernaufgaben
der Wissenschaftsgemeinschaft

Von Willi Bredemeier
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Willi Bredemeier
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I. Chronologie einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis
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Einige Jahre, bevor ich die Eigentumsrechte an der von mir seit 1986 redaktionell betreuten Fachzeitschrift „Password“ von der Verlagsgruppe Handelsblatt erwarb, erhöhte die Verlagsgruppe den Umfang von Password von 24 auf 32 Seiten und beauftragte für diesen zusätzlichen Praxisteil einen weiteren Redakteur. Als ich den Kauf von Password 1998 vollzogen hatte, wollte ich den achtseitigen „Praxisteil“ aufrechterhalten und sah mich nach einem Partner um, der aus meiner Sicht „wissenschaftsnäher“ in dem Sinne war, als ich ein Interesse an allgemeinen Zusammenhängen und eine Fähigkeit zu ihrer systematischen Erarbeitung voraussetzen durfte.

Mein Auge fiel auf Prof. Dr. Wolfgang G. Stock (damals FH Köln), den ich als Referenten auf Branchenveranstaltungen und als Leser mehrerer seiner Beiträge kennengelernt hatte. Dessen Sprache war so klar und unprätentiös, dass man die von ihm aufgezeigten Zusammenhänge fälschlicherweise fast für trivial nehmen konnte. Hier schien mir die Lesefreundlichkeit seiner Texte und wenig Arbeit für mich von vornherein gegeben zu sein, da Stocks Texte, das sah ich richtig voraus, nicht redigiert werden mussten, nach meinen Erfahrungen ein absoluter Ausnahmefall. Überdies hatte Stock anders als ein Teil unserer damals stark öffentlich-rechtlich durchwirkten Branche keine Berührungsängste vor der Privatwirtschaft.

Es folgten sieben Jahre enge Zusammenarbeit, das sind in Internet-Jahren weit mehr als ein Jahrzehnt. In diese Kooperation war Stocks Frau Mechtild als häufige Mitautorin und Alleinautorin stark einbezogen. Frau Stock war ein hochkompetenter Information Professional, die sich enthusiastisch für Branchenzusammenhänge engagieren konnte, aus dem aktuellen Wissenschaftsbetrieb aber ausgeschieden war. Heute erinnert sie mich weiter daran, dass es der Branche guttun würde, Veröffentlichungs- und Präsentationschancen weniger nach der aktuellen Position eines Autors, vielmehr nach der voraussichtlichen Qualität seines Beitrages und seiner Unabhängigkeit von institutionellen Interessen zu vergeben.

Als freiberuflich arbeitender Autor stand ich wegen anderer Aufträge häufig unter zeitlichem Druck, so dass ich das Ehepaar Stock auch bei anderen Projekten, die Password nicht betrafen, zu Hilfe rief. So hatte ich gemeinsam mit Partnern von der Europäischen Kommission mehrere Male die Aufgabe übernommen, die Umsatzzahlen für Elektronische Informationsdienste europaweit zu erheben und dafür mehr als zwanzig Forschungsinstitute in den einzelnen Ländern so zu koordinieren, dass die ermittelten Zahlen vergleichbar waren. Den europaweiten Vergleich von Umsatzahlen nach Ländern führten das Ehepaar Stock und ich gemeinsam durch und die Ergebnisse wurden von Wolfgang G. Stock und mir auf eine der ISI-Tagungen vorgestellt.

Ein Jahrzehnt Zusammenarbeit in Internet-Jahren mit Mechtild Stock und Wolfgang G. Stock (mittlerweile an der Universität Düsseldorf) war nicht das Ende. In dem folgenden Jahrzehnt räumte ich Mitarbeitern von Prof. Stock feste Rubriken ein und stellte so sicher, dass meine Leser über neueste Entwicklungen bei den Suchmaschinen informiert blieben und zu einem frühen Zeitpunkt über neue Trends wie „Linked Open Data“, „Wisdom of the Crowd“ und „Predatory Journals“ in Kenntnis gesetzt wurden. Diese Prägung von Password durch die Düsseldorfer Informationswissenschaft neigte sich dem Ende zu, als meine Kooperationspartner Karriere machten. Heute lehren und forschen Isabella Peters und Dirk Lewandowski an der Universität Kiel und der HAW Hamburg, Jasmin Schmitz und Katrin Weller sind in die wissenschaftsnahe Praxis an der ZB MED und zur GESIS gegangen und Violeta Trkulja arbeitete an der Berliner Humboldt-Universität im Forschungsmanagement und hat sich soeben im Bereich „Informationskompetenz“ selbstständig gemacht. Aber bevor sie auseinandergingen, bereiteten sie mir fast zeitgleich mit dem Ende von Password als Printmedium und dem Start von Open Password im Online-only- und Open-Access-Format einen wunderbaren publizistischen Abschied.

Gute Kooperationen gehen nie ganz zu Ende. Dirk Lewandowski und Jasmin Schmitz veröffentlichen gelegentlich weiter bei mir. Wolfgang G. Stock kehrte zu meinen Autoren zurück, als ich den soeben erschienenen Reader „Zukunft der Informationswissenschaft – Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft?“ vorbereitete, eine Leistungsschau der deutschen Informationswissenschaft. Dabei fiel es mir mit Hilfe meiner Autoren leicht nachzuweisen, dass die deutschsprachige Informationswissenschaft weit besser ist als dies manche von mir rezensierten ISI-Proceedings vermuten lassen. Stock beteiligt sich in diesem Buch an der Debatte um die Möglichkeit eines gemeinsamen informationswissenschaftlichen Bezugsrahmens und begibt sich mit einem Beitrag über Qatar an die „Forschungsfronten der Informationswissenschaft“. Im Rahmen der Forschungsbereiche „Smart Cities und Smart Countries“ und „Fake News“ publizieren in diesem Buch auch Mitglieder einer neuen Generation Düsseldorfer Informationswissenschaftlerinnen, nämlich Aylin Ilhan und Franziska Zimmer.

Eine der ersten Kampagnen, die Open Password führte, sollte die Beteiligung am Widerstand gegen den Abwicklungsschluss zur Düsseldorfer Informationswissenschaft werden. Dieser war zustande gekommen, ohne dass aus meiner Sicht Sachargumente eine Rolle gespielt haben konnten. Der auf die Düsseldorfer Kampagne zeitlich folgende Abwicklungsschluss in Sachen ZB MED löste einen derartigen branchenweiten Protest aus, dass die Politik dieser wissenschaftlichen Bibliothek eine weitere Chance gab. Umgekehrt gab mir Stock auf dem Düsseldorfer Kongress zu Social Media Gelegenheit, meine Kritik an der Informationswissenschaft, wie sie sich aus meinen Rezensionen der Proceedings der ISI-Tagungen ergeben hatte, vorzutragen.

Alles in allem sind das mehr als zwanzig Jahre Zusammenarbeit, nunmehr in Kalenderjahren gemessen, von denen ich mir wünsche, dass sie sich fortsetzen mögen. Diese Zeitspanne ist außerordentlich lang für jemanden, der sich auf dem freien Markt bewähren musste, wo die Kooperationspartner in den meisten Fällen kommen und gehen.

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II. Merkmale dieser Zusammenarbeit, die von einem allgemeineren Interesse sind
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Im Folgenden beziehe ich mich auf die Jahre 1998 – 2004, in denen Wolfgang G. Stock über eine eigene Rubrik verfügte und im Impressum von Password dafür verantwortlich war. Das bedeutete, dass er weitgehend frei über die Auswahl der Themen und ihre redaktionelle Umsetzung entschied. Natürlich tauschten wir uns regelmäßig aus und ich hatte für ihn auch die eine und andere Anregung, aber wie er damit umging, oblag seiner Einschätzung. Unsere Zusammenarbeit wurde auch dadurch erleichtert, dass wir in den meisten Fällen einer Meinung waren oder rasch zu einem Konsens fanden.
Was sind die Punkte in unserer Zusammenarbeit, die von einem allgemeineren Interesse sind und womöglich noch heute einen Transfer in die Informationswissenschaft und -praxis verdienen? Ich habe sie nach vier Vorteilen geordnet:



II.1 Ein Bündnis der Wissenschaft mit der publizistischen und weiteren Praxis lohnt
sich für beide Seiten


Bereits 1998 waren Informationswissenschaftler nicht durchweg eng mit der Praxis verbunden, und es gab immer schon Forscher, die „Praxisrelevanz“ als Bewertungsmöglichkeit für ihre Arbeiten ablehnten und rasch mit dem Vorwurf der „Unwissenschaftlichkeit“ bei der Hand waren. Als es um die Jahrtausendwende zu den Prozessen kam, die ich als das „Entschwinden der Branche“ bezeichnet habe, nahm die Entfremdung zwischen Wissenschaft und Praxis zu und gibt es heute kaum noch einen Wissenschaftler, der sich in seinen Veröffentlichungen mit Problemen der Informationsbranche befasst.

Im Gegenzug hat auch das Öffentlichkeitsbewusstsein der Praxis, soweit es um konzeptionsbezogene oder anspruchsvollere Darlegungen gibt, abgenommen. Dies ist auch eine Folge von zu wenigen Veranstaltungen mit Branchenrelevanz (nachdem eine ganze Reihe von Forerunner-Treffen eingegangen sind). Solches trug dazu bei, dass sich viele Information Professionals im privaten Sektor so sehr auf das eigene Unternehmen zurückzogen, dass mir vor einigen Jahren die Frage gestellt wurde, ob es diese Spezies überhaupt noch gäbe. Manche Anbieter sehen sich heute nicht mehr durch die Ansinnen von Wissenschaftlern und weiteren Publizisten inhaltlich gefordert und beschränken ihre publizistische Kommunikation mit der Außenwelt auf propagandistisch durchwirkte Stellungnahmen und auf Tweets in den Sozialen Medien.

Ich habe nie verstanden, warum sich die deutschsprachige Informationswissenschaft des womöglich einzigen unbestrittenen Alleinstellungsmerkmals begibt und auf eine Behandlung von Problemen der Informationspraxis verzichtet und sich stattdessen in Bereichen tummelt, die ihnen von Informatikern, Medienwissenschaftlern und anderen Disziplinen, alle mit weit stärkeren Bataillonen ausgestattet, streitig gemacht werden.

Das Ehepaar Stock hat nachgewiesen, dass sich eine kontinuierliche Befassung mit den Problemen der Informationsbranche im Bündnis mit einem publizistisches Organ wie Password, dass zuvörderst an Problemen der Praxis orientiert war, lohnen kann – dies sowohl für die Wissenschaft im Sinne von höherer Praxisrelevanz, größerer Themenvielfalt und Zugang zu Daten als auch für die publizistische und allgemeine Praxis, die sich so mit Überlegungen konfrontiert sah, die über den Tellerrand einer empirizistischen kleinteiligen Newsflut und einer womöglich hektischen Tagespolitik hinausreichten.
Nehmen wir für einen Moment die Perspektive des Gemeinwohls ein, so obliegen der Wissensgemeinschaft in der Forschung aus meiner Sicht vor allem drei Aufgaben: die Gewinnung neuer Erkenntnisse – die Pflege des Wissensbestandes, beispielsweise über Zitationen und das Verfassen von Lehrbüchern – der Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse an außerwissenschaftliche Gruppen. Dabei ist die dritte Aufgabe innerhalb der Scientific Community, wie sie das Ehepaar Stock und ich über Password zu bringen versuchten, nicht ausreichend anerkannt.

Lesen Sie in der nächsten Folge: Aus Wissenschaft und Medien das Beste für den Transfer von Erkenntnissen in die Öffentlichkeit nehmen

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