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Open Password - Montag, den 19. Juli 2021

# 949
ISI 2021 – B. Jörs – Information Behavior – Informationswissenschaft – Bibliothekswissenschaft - Informationsethik – Informationskompetenz – Information Assessment – W. Rauch – Universitäre Informationswissenschaft – J.E.Panskus – W. Umstätter – Informationswirtschaft – Informationspraxis – Akzeptanzverlust – Google Alphabet – Suchmaschinentechnologie – Information Retrieval – R. Hammwöhner – W. Bredemeier – M. Klems – Open Password – Wirecard – Greensill-Bank – EY – Wirtschaftsprüfung – J. Schwind – Arbeitsmarkt- und Praxisnähe – TU München – Max-Planck Institut für Intelligente Systeme – Amazon – Facebook – Data Science – Künstliche Intelligenz – TH Köln – FH Potsdam – Hochschule der Medien – Data und Information Science – Informations- und Datenmanagement – Digitales Datenmanagement – Data Driven – HU Berlin – Digital Library – Gen Y – Gen Z – Entfremdung – DGI – C. Stoll – Falsche Propheten – W. Stock – Gerhard-Lustig-Preis – R. Kuhlen – W. Semar – D. Strauch -
Deloitte – Media Consumer Survey - Videomarkt – Zahlungsbereitschaft – Abonnements – Bezahlangebote – Werbefinanzierung – Video-on-Demand – Superaggregator – Lineares Fernsehen – Klaus Böhm – Heavy User – Non-lineare Inhalte – Live-Übertragungen – Bundesliga – Pay-TV – Altersgruppen – Mediatheken – Pandemie – Monetarisierung durch Werbung – TVNOW – Joyn – Vernetzte Bildschirme – Individualisierung – Intelligente Aggregation - DINI - Nachhaltigkeit von Informationsinfrastrukturen





I.
Titelgeschichte
ISI 2021: Ein kleines Fach zwischen „Daten“ und „Wissen“ (2) - Von Bernd Jörs


II.
Deloitte Consumer Survey: Drei Viertel der deutschen Haushalte zahlen für
Video-Streaming -
Jeder Dritte an einem Super-Aggregator interessiert

III.
DINI: Nachhaltigkeit von Informationsinfrastrukturen

ISI 2021

Ein kleines Fach
zwischen „Daten“ und „Wissen“ II

Anmerkungen zum (virtuellen) „16th International Symposium of Information Science“ (ISI 2021“, Regensburg)

Von Prof. Dr. Bernd Jörs, Hochschule Darmstadt
Bernd Jörs
Bernd Jörs

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Nur noch Informationsethik, Informationskompetenz und Information Assessment?
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Doch gerade die Abschottung von anderen Disziplinen verstärkt die Isolation des „kleinen Faches“ Informationswissenschaft in der Scientific Community. So bleiben ihr als letzte „eigenständige“ Forschungsrandgebiete nur die, die Wolf Rauch als Keynote Speaker bereits in seinem einführenden, historisch-genetischen Vortrag zur Lage der Informationswissenschaft auf der ISI 2021 benannt hat:

Wenn die universitäre Informationswissenschaft (zumindest in Europa) wohl kaum eine Chance hat, im Bereich der Entwicklung von Systemen und Anwendungen wieder an die Spitze der Entwicklung vorzustoßen, bleiben ihr doch Gebiete, in denen ihr Beitrag in der kommenden Entwicklungsphase dringend erforderlich sein wird: Informationsethik, Informationskompetenz, Information Assessment“ (Wolf Rauch: Was aus der Informationswissenschaft geworden ist; in: Thomas Schmidt; Christian Wolff (Eds): Information between Data and Knowledge. Schriften zur Informationswissenschaft 74, Regensburg, 2021, Seiten 20-22 – siehe auch die Rezeption des Beitrages von Rauch durch Johannes Elia Panskus, Was aus der Informationswissenschaft geworden ist. Sie ist in der Realität angekommen, in: Open Password, 17. März 2021).

Das ist alles? Ernüchternd.

Die Schließung weiterer informationswissenschaftlicher Studiengänge und Lehrstühle scheint damit vorprogrammiert zu sein. Denn Rauch setzt noch einen drauf:

Die folgende Generation von 1980/1990 bis heute (das „Silberne Zeitalter“) brachte ein geradezu explosionsartiges Wachstum der Informationswissenschaft und hat dieses Fach zu einer der größten Wissenschaftsdisziplinen weltweit werden lassen – allerdings außerhalb der Universitäten“ (W. Rauch; a.a.O.; S. 20).

Zum einen weist Rauch auf die von ihm und anderen Vertretern der Informationswissenschaft selbstherrlich vertretene Ansicht hin, dass die „Informationswissenschaft zu einer der größten Wissenschaftsdisziplinen weltweit“ zählt. Diese Aussage fußt schon auf Größenwahn und erinnert frappierend an die Äußerung von Amanda Schwarm (alias Prof. Dr. em. Umstätter, HU Berlin, 3/2016):

„Sollten wir die Weisheit und Weitsicht des Fakultätsrates der Philosophischen Fakultät in Düsseldorf nicht bewundern und loben?... Diese hätte gezeigt, dass es im Informationszeitalter kaum eine wichtigere Wissenschaft als die Informationswissenschaft geben kann.

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Den Niedergang einer praxis- und arbeitsmarktorientierten Informationswirtschaft zugelassen.
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Der letzte Hinweis aus Rauchs Aussage trifft jedoch den wunden Punkt der wissenschaftlichen Randstellung: Informationswissenschaft und Informationspraxis finden „allerdings außerhalb der Universität“ statt. Damit weist Rauch auf den Akzeptanzverlust der Informationswissenschaft in der Wissenschaftsgemeinschaft hin, auf das mit dem Aufkommen von Google/Alphabet 1998 konstante Verschlafen der deutschen Informationswissenschaft ihrer Chancen, indem sie sich an die Produktion konkurrenzfähiger und kommerzialisierbarer Lösungen zur Suchmaschinentechnologie nicht beteiligte (obgleich dies angesichts ihres Forschungsbereiches „Information Retrieval“ nahegelegen hätte), die Theorielosigkeit der Informationswissenschaft (R. Hammwöhner, W. Bredemeier) sowie der Niedergang der praxisnahen Informationswirtschaft, deren Niedergang man jahrelang seelenruhig durch professionelles Nichtstun und Wegsehen tatenlos zusah (DGI: „Wir sind doch nicht der ADAC der Informationswissenschaft“, M. Klems, in: Open Password, 3. Februar 2016).

Jahrzehntelang waren die Wirtschafts- und Finanzinformationen der tragende Baustein einer erfolgreichen informationswissenschaftlichen Hochschulausbildung. Wenn man diese Bereiche nun aus dem Curriculum entfernt, wie dies bei der Neuakkreditierung des Studienganges „Information Science“ an der Hochschule Darmstadt geschehen ist, so darf man sich nicht darüber wundern, dass es anschließend einen Tsunami-artigen Einbruch bei der studentischen Nachfrage gab. Damit verbunden haben sich Informationswissenschaften und Arbeitsmarkt weiter voneinander entfernt und sind die beruflichen Chancen der Studierenden, die dennoch den Darmstädter Studiengang wählen, zurückgegangen. In diesem Fall hat die Informationswissenschaft die eigene Kannibalisierung aktiv betrieben.

Erfolgversprechende Gegenstrategien wären möglich gewesen und liegen nahe. Wie wäre es, wenn Information Professionals und Researchabteilungen medial stark diskutierte Ereignisse und Entwicklungen aufgriffen und im Falle von Skandalen öffentlichkeitswirksam zur Schadensverhinderung und -begrenzung beitrügen? Da wäre zum Beispiel der Wirecard-Skandal mit all seinen Fake News-Betrügereien, Bilanzfälschungen und Versagen der Wirtschaftsprüfung (EY), der die Aktionäre und Steuerzahler zwischen 1,9 und 3,2 Millliarden Euro gekostet hat. Da ist aktuell der Fall der Greensill-Bank, der den Kommunen einen Verlust von 500 Millionen Euro beschert. Hätte die Informationswissenschaft mit all ihrer Informations- und Medienkompetenz dazu nicht etwas zu sagen gehabt? An diesen Beispielen hätte sich darstellen lassen, wie sich „Information Behavior“-Kenntnisse, in einen informationswissenschaftlichen Kontext gebracht, zur Klärung der Zusammenhänge hätten beitragen können.

Wie man hier konkret hätte vorgehen sollen, hat J. Schwind in seiner Studie „Informationsverarbeitung von Wirtschaftsprüfern bei der Prüfung geschätzter Werte – eine verhaltenswissenschaftliche und empirische Analyse“ (Wiesbaden 2011) vorgemacht. Allerdings gehört Schwind einer anderen Disziplin an. Und Fragen zur Informationswirtschaft werden seit längerem nicht mehr auf den ISI-Tagungen behandelt, obgleich es gerade die informationswirtschaften Fragestellungen wären, die der Disziplin Relevanz sowie Arbeitsmarkt- und Praxisnähe einbringen würden.

Kein Wunder, dass Rauch in seiner Eingangskeynote feststellen musste, dass die wissenschaftliche Weiterentwicklung außerhalb der Universitäten in den GAFA-Unternehmen vorangetrieben wird. Wiederum hat sich die Informationswissenschaft ihre fehlende Teilhabe selbst zuzuschreiben. Wenn die Hochschule Darmstadt Hochschulqualifikationen zur Wirtschafts- und Finanzinformation, zu den Online- und Social Media sowie zum E-Commerce aus den curricularen informationswissenschaftlichen Qualifikationsangeboten „schießt“ und sich anschließend zum besten und zur führenden deutschen KIBA-Studiengang ernennt (KIBA = Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildung und Studiengänge), dann gehen hier Realitätsverlust und wissenschaftlicher Niedergang Hand in Hand. Statt dieses Übermaß an Selbstvertrauen zu zeigen, hätten die Macher des neues Darmstädter Studiengangs besser daran getan, bei Peter Morville (Information Architecture), einem Evangelisten der amerikanischen LIS-Szene, nachzulesen, was sie alles willentlich und unwissentlich aufgegeben haben.

Erinnern wir uns an die Jahre, als die Informationswissenschaft erfolgreich ihren Weg ging und damit die Informationswissenschaft insgesamt voranbrachte? Alles schien seitens der traditionellen Informationswirtschaft von Erfolg gekrönt. Nationale Auszeichnungen wurden erzielt. Neue junge Zielgruppen wurden in starkem Maße angezogen. Aber irgendwann wollte man in dem kleinen Fach der wissenschaftlich isolierten und nach Hammwöhner theorielosen Informationswissenschaft einfach nicht mehr.

Kontakte mit Unternehmen sind seitdem verpönt. Es werden, wenn man sie doch vorschlägt, Gefahren für die Wissenschaftsfreiheit heraufbeschworen. Exzellenz-Universitäten wie die TU München und das Tübinger Max-Plank-Institut teilen diese Befürchtungen nicht. So finanziert Facebook die TU München mit 7,5 Millionen Euro und Amazon ermöglicht dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (Tübingen) mit 1,25 Millionen Euro ein neues Forschungszentrum). Wer auf solche Möglichkeiten von vornherein verzichtet, kann irgendwann aus Ressourcen- und Qualitätsgründen nicht mit der wissenschaftlichen Entwicklung mithalten. Man wird nicht mehr ernstgenommen und zu den wirklich wichtigen Wissenschaftskonferenzen nicht eingeladen.
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Von Data Science und Künstlicher Intelligenz kaum zur Kenntnis genommen.
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Diese Erwägungen gelten auch und gerade für die KI- und Data-Science-Forschung. Wegsehen und Ignorieren treiben hier wie woanders in die Isolation. Da helfen auch nicht die von W. Rauch angesprochenen zehn Millionen Euro für die jährliche Finanzierung der informations- und bibliothekarischen Studiengänge pro Jahr im DACH-Raum. Die GAFAs dieser Welt investieren je Unternehmen dreistellige Milliardenbeträge pro Jahr!

So sahen sich die Veranstalter der ISI-Tagung die „Information Science“, so im Titel ihrer Tagung, nur als kleiner Nachbar von „Data Science“ und „Digital Humanities“. Fachvertreter der Digital Humanities hatte man noch eingeladen, Wissenschaftsvertreter der (mathematisch-informatikbezogenen) Data Science fehlten auf der Tagung. Es besteht wohl kein Interesse der Informatik bzw. Mathematik bzw. der Data Science, an Tagungen eines solchen „kleinen Faches“ teilzunehmen.

Mehrere informationswissenschaftliche Studiengänge an der TH Köln, an der FH Potsdam und an der Hochschule der Medien Stuttgart haben angesichts des rapiden Aufstiegs der Data Science schnell neue Bachelor- oder Masterstudiengänge auf den Weg gebracht, die beides verbinden wollen: „Data und Information Science“, „Informations- und Datenmanagement“ und „Digitales Datenmanagement“ (HU Berlin & FH Potsdam). VertreterInnen dieser „Data Driven“-Richtungen in der Informationswissenschaft kamen im Vortragsprogramm der ISI 2021 leider nicht zu Wort, obwohl im Untertitel der ISI 2021 von „Information Science and its Neighbors from Data Science to Digital Humanities“ gesprochen wurde.
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Ist die Informationswissenschaft am Ende? Bleiben wird wohl die Bibliothekswissenschaft.
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Ist die Informationswissenschaft also am Ende? Bleiben wird wohl nur die Bibliothekswissenschaft und auch das nur, wenn sie nicht von der Informatik in Form einer „Digital Library“ vereinnahmt wird. Wird dies auch zur Schließung von bibliothekarischen Studiengängen führen, wie dies im Abschlusspanel der ISI 2021 als mögliches Szenario angedacht wurde? Wird das im MINT-feindlichen Schulland Deutschland noch mehr die Nachfrage nach bibliothekarischen Nachwuchskräften verringern?

Die Bibliothekswissenschaft leidet schon heute unter fehlendem Nachwuchs, wie auf dem Abschlusspanel am dritten Tag der ISI 2021 festgestellt wurde. Zu sehr hat man sich über die Jahre von den jungen Nachwuchskräften entfremdet. Jetzt sollen noch „Influencer“ helfen oder „systematische Personalplanungen“. Welch eine Hoffnungslosigkeit spricht aus diesen Ansichten. Das Scheitern des „Informationsmarketing“ der Informations- bzw. Bibliothekswissenschaft wird nicht eingestanden. Blind wird den jeweiligen FachvertreterInnen vertraut. Die Schuld wird eher den öffentlichen Trägern zugeordnet, die zu unattraktive Gehälter zahlten, zu wenige E13-Stellen auswiesen und Fachkräfte mit bibliothekarischem Background nicht unbedingt in höher dotierte Führungskraftpositionen hineinließen.

Diese Klagen sind nicht falsch, sie verdecken aber auch die wahren Gründe der Krise. Die jungen Nachwuchskräfte der Gen Y und Z machen einen großen Bogen um die Bibliothekswissenschaft und zunehmend auch um die „Information Science“. Deren Ausbildungs- und Arbeitsmarktwelten passten seit längerem nicht mehr zu ihren Vorstellungen. Die Entfremdung zur Generation Y und Z scheint man nicht mehr stoppen können. Der seit Jahren bemängelte Attraktivitätsverlust wurde nicht korrigiert, da die FachvertreterInnen den Anschluss an ihre jungen Zielgruppen verloren haben. Sie erreichen diese nicht mehr. Stattdessen freut man sich im Masterstudiengang Information Science der Hochschule Darmstadt, fertig promovierte, aber arbeitslose GeisteswissenschaftlerInnen auszubilden, wie im Abschlusspanel der ISI 2021 froh mitgeteilt wurde. Ja, im wissenschaftlichen Elfenbeinturm lässt sich gut sitzen, wenn man selbst nahezu unkündbar ist. Konsequenzen für das eigene Tun sind allenfalls bei Schließungen von KIBA-Studiengängen und damit verbundenen etwaigen Standortveränderungen zu befürchten.

Seit Jahren erleben die berufsständischen Vereinigungen im bibliothekarischen und dokumentarischen Bereich einen massiven Mitgliederrückgang. Insbesondere junge Nachwuchskräfte werden nicht mehr erreicht. Elisabeth Simon, eine Grande Dame der Informations- und Bibliothekswissenschaft, hat schon vor Jahren auf diesen Missstand mit Nachdruck hingewiesen:

Ich bin immer wieder entsetzt, dass Deutschland manchmal scheel und manchmal bitter auf die neuen Entwicklungen im Bereich Digitalisierung in den USA starrt und nicht sieht, dass eine Weiterentwicklung auf diesem Gebiet nur durch eine breitere Ausbildung und die Einbeziehung der jungen Generation in diese Entwicklung gelingen kann, Deutschland hatte große Defizite sowohl bei der Entwicklung seines Bibliothekswesens; diese haben sich bei der Entwicklung und Ausbildung der Information Professionals weiter fortgesetzt.“

Aber Ansichten einer erfahrenen Verlegerin kann man ignorieren. Man ist lieber unter sich. Ein Eindruck, der einen auch bei der ISI 2021 beschlich, da die Referenten fast alle aus dem eigenen Hause kamen. In einem Positionspapier der damaligen Deutschen Gesellschaft für Information (DGI) aus dem Jahr 2010 wurde um Hilfe gerufen:

„Die DGI muss für den Nachwuchs in Informationswissenschaft und Informationspraxis wieder sichtbar und attraktiv gemacht werden“...“Auch ist es hier entscheidend, die Nachwuchsmitglieder inhaltlich und organisatorisch in die Verbandsarbeit einzubinden“ (C. Stoll: Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI), 2010).

Das Ergebnis: Der Nachwuchs interessiert sich nach wie vor nicht für eine bibliotheks- und informationswissenschaftliche Qualifizierung. Die existenzielle Bedrohung besteht weiterhin. Ein Teil der Verantwortlichen ist dabei den falschen Propheten gefolgt (Karger, Siegel, Weisel). Der Zug ist abgefahren. Die Nachwuchsprobleme sind schon lange bekannt, wie ein Rückblick auf die ISI 2011 belegt. Auch wurden Hinweise wie die von W. Stock auf der DGI Konferenz 2012 gegeben:

„Es geht um unsere gemeinsame Zukunft, auch um Ihre.“

Diese Mahnungen wurden schweigend hingenommen. Auch reagierten große Teile der Informationswissenschaft auf die Schließung des Lehrstuhls von W. Stock an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit Passivität.

Verdienstvoll für die ISI 2021 war es schon, jüngeren NachwuchswissenschaftlerInnen eine Plattform zu bieten (samt Gerhard-Lustig-Preis). Das macht aber nicht die unter den Teppich gekehrten massiven Attraktivitätsverluste bei der Gewinnung talentierter wissenschaftlicher Nachwuchskräfte für die Praxis wett.

Wie kann es da anders sein, als dass die deutsche Informationswissenschaft ein Mauerblümchendasein in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft frönt, wie es R. Kuhlen, W. Semar und D. Strauch schon 2013 feststellten:

In einer...durchgeführten szientometrischen Analyse (Grazia Colonia)...wurden 50 informationswissenschaftliche (zu einem Teil exklusiv bibliotheksbezogene) Publikationsorgane untersucht. In dieser Studie wurde für diese Fachzeitschriften in Informationswissenschaft / information and liberary science kein sehr wirkungsträchtiges Ergebnis ermittelt: Weltweit hatten informationswissenschaftliche Zeitschriften im Durchschnitt nur einen Impact factor von 0,4. Die in Deutschland bevorzugten Publikationsorgane für die engere Informationswissenschaft, Information – Wissenschaft und Praxis (IWP) und die Proceedings der ISI-Tagungen, spielen mit Blick auf Impact (mit Werten von 0,2 bzw. 0,01) derzeit so gut wie keine Rolle“ (R. Kuhlen, W. Semar, D. Strauch (Hrsg.): Grundlagen der Praktischen Information und Dokumentation, 6.Ausgabe, 2013, Seite 10).

Daran wird sich leider auch nach den Ergebnissen der ISI 2021 in nächster Zeit wenig ändern.

Deloitte Consumer Survey

Drei Viertel der deutschen Haushalte
zahlen für Video-Streaming

Jeder Dritte an einem Super-Aggregator interessiert

· Hohe Zahlungsbereitschaft: In deutschen Haushalten gibt es im Durchschnitt 1,5 Abonnements für TV-/Video-Bezahlangebote – Tendenz steigend.
· Die Hälfte der Nutzer ist werbefinanzierten Video-on-Demand-Diensten gegenüber aufgeschlossen.
· Angesichts der Vielfalt an Anbietern wünscht sich mehr als ein Drittel der Befragten einen „One-Stop-Shop“ für den Videokonsum.


(Deloitte) Um 20.15 Uhr vor dem Fernsehgerät sitzen, weil dann der Blockbuster startet, über den morgen alle reden? Was für Generationen von TV-Zuschauern gängige Praxis war, verschwindet immer mehr aus dem Alltag der deutschen Konsumenten. Zahlreiche Video-on-Demand-Anbieter buhlen um die Bildschirmzeit der Nutzer. Trotz deren kontinuierlich wachsender Beliebtheit ist es noch zu früh für einen Abgesang auf das lineare Fernsehen. Um die Dynamik auf dem Bewegtbildmarkt abzubilden und zu analysieren, hat Deloitte für die mittlerweile 15. Ausgabe des Media Consumer Survey 2000 Konsumenten zu ihrer Video-Nutzung befragt.
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Das Digitale sorgt für Bewegung im Videomarkt
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Klaus Böhm, Leiter des Bereichs Media & Entertainment bei Deloitte, fasst zusammen. „Die nicht-lineare Video-Nutzung nimmt in Deutschland seit 2015 kontinuierlich zu. Nur noch 27 Prozent der Befragten gaben an, so gut wie gar keine non-linearen Angebote zu nutzen. Dem gegenüber steht ein Anteil von 17 Prozent sogenannter Heavy User, die mehr als die Hälfte ihrer relevanten Bildschirmzeit mit non-linearen Inhalten verbringen. Die Mehrzahl der Konsumenten setzt derzeit allerdings auf eine Mischung aus linear und non-linear.“

Im Vergleich zur Befragung 2019 ist der Anteil an Nutzern, die sowohl lineare als auch non-lineare Formate schauen, um 9 Prozent auf insgesamt 41 Prozent gewachsen. Punkten kann das lineare Fernsehen noch immer mit Live-Übertragungen. Vor allem während der pandemiebedingten Einschränkungen im Sport waren die TV-Live-Übertragungen von Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga bei den Fans gefragt. Davon profitierte neben den Streaming-basierten Sportdiensten, die mittlerweile von 15 Prozent der Befragten genutzt werden, vor allem das lineare Pay-TV.
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Lineares Fernsehen kann auch in der Pandemie nicht punkten
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Einzig das lineare Fernsehen konnte von Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen nicht profitieren. Es überwiegt sogar der Anteil jener, die im letzten Jahr weniger klassisch ferngesehen haben. Damit findet der Entwicklungstrend der vergangenen Jahre seine Fortsetzung: Die Rückgänge beim linearen TV sind keineswegs sehr groß, aber sie sind kontinuierlich. Gleichzeitig nehmen Mediennutzer die digitale Konkurrenz immer stärker an.

Der Trend zum Digitalen zieht sich durch alle Altersgruppen. Im mittleren Alterssegment sind die gängigen Video-on-Demand-Dienste besonders populär. Spitzenreiter sind hier die 24- bis 35-Jährigen mit einem Nutzeranteil von 74 Prozent (altersübergreifender Durchschnitt: 56 Prozent). Bei Konsumenten über 55 sinkt der Nutzeranteil allerdings deutlich. Auch die digitalen Angebote der Privatsender sowie streamingbasierte Sportdienste werden schwerpunktmäßig von Mediennutzern zwischen 20 und 45 genutzt. Völlig anders ist das Bild bei Mediatheken, die besonders von Älteren angenommen werden und ihre größte Anhängerschaft mit einem Nutzeranteil von 63 Prozent in der Generation 65+ haben (altersübergreifender Durchschnitt: 48 Prozent).

Die großen Gewinner der vergangenen zwölf Monate bleiben die Video-on-Demand-Abonnements. 52 Prozent der Befragten gaben an, Dienste wie Netflix, Amazon Prime & Co. im letzten Jahr stärker genutzt zu haben. Drei Viertel der deutschen Haushalte haben mittlerweile mindestens ein kostenpflichtiges Abonnement für einen Streaming-Dienst abgeschlossen. In 10 Prozent der Haushalte gibt es bereits sogar vier oder mehr Abos. Die große Popularität der Video-on-Demand-Abonnements zeigt, dass Paid Content von immer mehr Konsumenten akzeptiert wird. Die Pandemie hat den Prozess zusätzlich vorangetrieben: Bereits im vergangenen Jahr gaben 25 Prozent der Befragten an, offener gegenüber Bezahlangeboten zu sein als vor der Pandemie.
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Nutzer sind offen für neue Werbeformen – auch im VoD-Bereich
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Während sich Video-on-Demand in Deutschland überwiegend in Form von Bezahlangeboten auf der Basis von Abonnements etabliert hat, erfolgt die Monetisierung im asiatisch-pazifischen Raum und teilweise in den USA auch über Werbung. Hierzulande gibt es bereits entsprechenden Versuche mit Plattformen wie TVNOW oder Joyn. Die Reaktionen von Studienteilnehmern auf solche Modelle sind vielversprechend: Altersübergreifend würden 50 Prozent der Teilnehmer werbefinanziertes Video-on-Demand nutzen. In der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren sind sogar zwei von drei Befragten interessiert. Selbst in der Altersgruppe 65+ steht ein Drittel der Mediennutzer solchen Diensten offen gegenüber.

Auch für das lineare Fernsehen wäre personalisierte Werbung spannend. Über vernetzte Screens können individuell zugeschnittene Werbespots und Werbebotschaften auch im linearen Fernsehprogramm gespielt werden. Für die hochindividualisierte Spots müssen Konsumenten im Gegenzug ihre Nutzerdaten zur Verfügung stellen. Altersübergreifend würden zwei von zehn Befragten speziell auf ihre Interessen zugeschnittene Spots der traditionellen Werbung vorziehen. Eine klare Mehrheit der Mediennutzer in Deutschland bleibt aber vorerst zurückhaltend
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Zu viel Vielfalt? Konsumenten wünschen sich zunehmend einen Super-Aggregator.
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Auf Konsumentenseite zeigt sich zunehmend ein „Luxusproblem“: Die Vielfalt der Angebote bringt immer mehr Nutzer dazu, Verträge mit verschiedenen Content-Providern einzugehen. Die Folge ist eine unübersichtlich werdende Konstellation aus verfügbaren Inhalten und Kündigungsfristen. Abhilfe schaffen könnte hier ein Super-Aggregator, der zentralen Zugang zu allen relevanten Video-Diensten mit nur einem Abonnement verspricht.

Altersübergreifend sind 35 Prozent der Befragten interessiert, ihre Verträge bei einem Super-Aggregator zu bündeln. Vor zwei Jahren lag der Anteil bei 20 Prozent. Dieser enorme Zuwachs wird vor allem von der großen Popularität der Angebote für Konsumenten zwischen 19 und 44 Jahren getragen. In diesen Alterssegmenten ist fast jeder Zweite gegenüber einem Super-Aggregator aufgeschlossen. Das gilt vor allem für die Heavy User.

„Video wird immer digitaler, vielfältiger und fragmentierter angeboten – und die Mediennutzer in Deutschland nehmen die neue Video-Vielfalt auch an“, zieht Klaus Böhm Bilanz. „Selbst die Altersgruppe 65+ ist mittlerweile für Abrufinhalte aufgeschlossen. Handlungsbedarf besteht vor allem im Bereich der intelligenten Aggregation. Mit smartem Bundling und intelligenten Such- und Empfehlungsfunktionen könnte ein Super-Aggregator nicht nur für seine Nutzer Mehrwert schaffen, sondern gleichzeitig neue Vermarktungsmöglichkeiten für sich und seine Partner erschließen.“
Deutsche Initiative für Netzwerkinformation

Nachhaltigkeit von Informationsinfrastrukturen

Vom 5. bis 6. Oktober 2021 findet die 22. Jahrestagung der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) statt. Die Tagung widmet sich der Nachhaltigkeit von digitalen Informationsinfrastrukturen. (DINI) Vom 5. bis 6. Oktober 2021 findet die 22. Jahrestagung der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) statt. Im Mittelpunkt der diesjährigen Jahrestagung stehen die Herausforderungen rund um den nachhaltigen Betrieb von Informationsinfrastrukturen für Forschung, Lehre und Wissenstransfer. Auch in diesem Jahr wird die Tagung im digitalen Format organisiert.

Die Tagung bietet Experten aus Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen die Möglichkeiten einer breiten Befassung mit den Herausforderungen der Nachhaltigkeit bei Konzeption, Aufbau und Betrieben von Informationsinfrastrukturen für Forschung, Lehre und Transfer im Kontext der Digitalisierung. Das digitale Forschungsdatenmanagement, die Publikation und Archivierung von Forschungssoftware, der Aufbau von Forschungsinformationssystemen und die Gestaltung der Open-Access-Transformation sind vier der vielfältigen Aspekte, die die Referentinnen und Referenten unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit beleuchten werden. Zudem hat Corona das Arbeiten in den Hochschulen verändert. Insbesondere die digitale Zusammenarbeit in den Unterstützungsprozessen, in der Lehre und in der Forschung erlebt einen starken Wandel. Was wird davon bleiben?

Unter anderem. sprechen:

· Dr. Jens-Peter Gaul (Hochschulrektorenkonferenz) über den Stand des Projektes DEAL der
Wissenschaftsorganisationen zur Förderung von Open Access;
· Prof. Dr. Konrad Förstner (ZB MED) über digitale Dienste für die Wissenschaft;
· Dr. Fabian Trinkel (Forschungszentrum Jülich) über das Nachhaltigkeitsmanagement der
Helmholtz-Gemeinschaft;
- Prof. Dr. Ramin Yahyapour (GWDG) über die Herausforderungen des nachhaltigen
Forschungsdatenmanagements in Rechenzentren;
· Kai Dornseiff (Human Digital) zur Selbstorganisation und der Anpassungsfähigkeit der
Hochschulstrukturen.

Gegliedert ist die Tagung in die Aspekte (1) Nachhaltigkeit durch Organisation - Innovative Prozess- und Organisationsmodelle umsetzen, (2) Nachhaltigkeit durch Offenheit - Offene Wissenskultur entwickeln und gestalten sowie (3) Nachhaltigkeit durch Struktur - Daten verwalten, teilen, vernetzen.

Das vorläufige Programm finden Sie unter:

Die Jahrestagung wird durch eine Posterausstellung begleitet. Der Call for Posters endet am 1. September 2021. Weitere Informationen: Call for Posters - Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e.V. (dini.de)

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