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Open Password - Dienstag, den 25. Februar 2020

# 711


Wolfgang G. Stock – Informationswissenschaft – Festschrift - Isabelle Dorsch - Kaja Fietkiewicz - Aylin Ilhan - Christine Meschede - Tobias Siebenlist - Willi Bredemeier – Wolf Rauch – Christian Schlögl – Mechtild Stock – Zukunft der Informationswissenschaft – Rüstungswirtschaft – Geheimdienste – Alphabet – Apple – Microsoft – Amazon – Hochschulforschung – Information Assessment – Informationskompetenz – Bibliothekswissenschaft – Museologie – Sprachwissenschaft – Marginalisierung – Lehre – Fake News – Multimediakultur – Korrelation & Kausalität – Entwissenschaftlichung – Künstliche Intelligenz - SEO – Mike Würmeling – Sichtbarkeit von Webseiten – SSL-Verschlüsselung – Unique Content – Keywords - Ladezeiten - Informationskompetenz und Demokratie - Informationskompetenz und Bildung - Twitter - Fake News - Golem



Festschrift für Stock &
Zukunft der Informationswissenschaft


Gegen die gigantischen FuE-Budgets
der Internet-Konzerne
Information Assessment und Informationskompetenz!

Vor einer wissenschaftlichen Entwicklung,
die kein Forscher betreibt und
von keinem Menschen verstanden wird

Von Willi Bredemeier

Zweiter Teil

Open Password berichtete über die Verabschiedung von Wolfgang G. Stock aus aktiven Diensten im Rahmen eines „letzten Abendmahls“, darunter die Übergabe einer Festschrift zu Ehren des Düsseldorfer Informationswissenschaftlers („Die Verbreitung der Düsseldorfer Informationswissenschaft“, 22. Juli, #596 – „Die Düsseldorfer Informationswissenschaft lebt weiter“, 29. Juli, #600). Was noch aussteht, ist eine Rezension darüber, was die Festschrift der Informationswissenschaft und der Praxis gebracht hat. Wenn diese erfolgt, so geschieht dies im Wissen, dass in Festschriften auch andere legitime Ziele verfolgt werden können und die „protestantische Ethik“, nach der die Sache, nicht die Person im Vordergrund stehen sollte, hier weniger greift. Es gibt aber, das sei an dieser Stelle vorausgeschickt, durchaus mehrere wissenschaftliche Highlights mit praktischer Relevanz.

Isabelle Dorsch, Kaja Fietkiewicz, Aylin Ilhan, Christine Meschede, Tobias Siebenlist (Hrsg.), Facets of Wolf Stock – Festschrift zu Ehren von Wolfgang G. Stock, M.S., 2019.

Wolf Rauch und Christian Schlögl, Wolf Stock und die Grazer Informationswissenschaft – der Wandel einer Wissenschaftsdisziplin in den Jahren der Zusammenarbeit

Christian Schlögl
Wolf Rauch II
ChristianSchlögl (oben) und Wolf Rauch

Die Autoren treten mit dem anspruchsvollen Ziel an, den Wandel der Informationswissenschaft im Zusammenhang mit den Arbeiten Stocks für ein halbes Jahrhundert nachzuvollziehen. Sie führen damit eine Diskussion über die Zukunft der Informationswissenschaft und ihre Alleinstellungsmerkmale fort, die im Rahmen von Open Password und dem Reader „Zukunft der Informationswissenschaft“ (2019) zu fördern versucht wurde. Dabei stellen Rauch und Schlögl die Frage nach den verbliebenen Chancen in aller Schärfe. Denn lässt sich überhaupt etwas Sinnvolles tun, wenn das Forschungsbudget der Informationswissenschaft an den Hochschulen am Gesamtbudget der Internet-Konzerne und der Rüstungswirtschaft weniger als ein halbes Prozent beträgt? Die Autoren kommen zu einem „Ja“, weil die Hochschulen in der Lehre fast ein Alleinanbieter geblieben sind und sich die Internet- und Rüstungsgiganten an wichtigen Fragen der Informationsgesellschaft desinteressiert gezeigt wenn nicht gegen ihre Interessen gerichtet gesehen haben. Die von Rauch/Schlögl empfohlenen Themenschwerpunkte für die Hochschulforschung – „Information Assessment“ und „Informationskompetenz“ – ließen sich leicht zu einem Forschungsprogramm konkretisieren. Zu einer weiteren Frage, die nach den Konsequenzen Künstlicher Intelligenz, wissen allerdings auch sie keine Antwort: Was machen wir mit einer wissenschaftlichen Entwicklung, die von Maschinen statt Wissenschaftlern betrieben wird und von Menschen weder nachzuvollziehen ist noch verstanden werden kann?

Wie kommen Rauch und Schlögl zu ihren Ergebnissen? Informationswissenschaft ist ein kleinteiliges Projekt, wenn man sie auf deutschsprachige Hochschulen bezieht, mit einem halben Dutzend Professoren an wenigen Standorten und einem Forschungsbudget wohl unter zehn Millionen Euro im Jahr. Informationswissenschaft wird hingegen zu einem gigantischen Vorhaben, wenn man sich die Forschungsbudgets von Alphabet, Microsoft, Amazon und Apple ansieht, sie alle wohl in einer Größe um die 20 Milliarden Euro (Forschungsbudget von Alphabet 2018). Nimmt man die Entwicklungen in den Geheimdiensten und der Rüstungsindustrie hinzu, so dürfte man nicht übertreiben, „wenn man davon ausgeht, dass sich die Informationswissenschaft in den rund 60 Jahren ihres Bestehens zu einer der größten wissenschaftlichen Teildisziplinen weltweit entwickelt“ und dabei eine „beispiellose Erfolgsgeschichte“ hingelegt hat. Der Anteil der deutschsprachigen Informationswissenschaft an Hochschulen am Gesamtbudget dürfte weniger als ein halbes Promille betragen (Seite 65).

Somit musste die Informationswissenschaft ähnlich wie die Bibliothekswissenschaft, Museologie und Sprachwissenschaft rasch marginalisiert werden, obwohl sie alle einmal Avantgarde gewesen sind und sich ihre Forschungsfragen als die genau richtigen herausstellten. „Heute läuft der Großteil der Entwicklung hinter verschlossenen Türen, die üblichen wissenschaftlichen Plattformen wie Zeitschriften, Kongresse und Universitäten sind nicht mehr die primären Orte des informationswissenschaftlichen Austausches“ (Seite 65). Somit kann sich die Informationswissenschaft an vielen Fragestellungen und in vielen Themenbereichen kaum mehr qualifiziert beteiligen.

Haben die Universitäten angesichts der sprunghaften Fortschritte in der außeruniversitären Forschung überhaupt noch Bedeutung? Ja, in der Verfügbarmachung einer Grundausbildung der Informatiker, Informationswissenschaftler und Wirtschaftsinformatiker (Seite 65). Ja, in einer Zuwendung ihrer Forschung zu den „ungewollten, langfristigen und indirekten Folgen der Informationsgesellschaft“ (Information Assessment). Ja, wenn sie ihren Bildungsauftrag sehr weit begreifen und diesen nicht auf die Universitäten beschränken (Informationskompetenz) (Seite 66).
Zum Information Assessment: Hochschulwissenschaftler sahen den Gebrauch ihrer Werkzeuge als Dienstleistungen an der Gesellschaft und Mittel der Demokratisierung an. Dieser Glaube wurde allerdings „in dem Maße unterlaufen, in dem sich Information als Ware etablieren konnte, mit der sich viel (wie wir heute wissen: sehr viel) Geld verdienen lässt. Datenbanken, Suchmaschinen, Soziale Netzwerke wurden ein Milliardengeschäft.“ Zudem führte der Wille, Datenbankgriffe kostenfrei für jedermann zu ermöglichen, zu Folgeproblemen: „Diese Auffassung hat allerdings rasch zu einem Konsum- und Anspruchsdenken geführt, das im akademischen Bereich auch seine Schattenseiten hat. Das Selbstbild des Studenten als Konsumenten, der sich zurücklehnt und darauf wartet, „gebildet“ zu werden, ist bei Studierenden und Lehrenden leider weit verbreitet“ (Seite 67).

Zur Informationskompetenz: Die Autoren plädieren im Zeitalter von Fake News dafür, Beiträge zu leisten, die den Bürger befähigen, „mit seinen Daten sicherheitsbewusst umzugehen, kurz: für seine informationelle Selbstbestimmung zu sorgen.“ Sie schließen ihre Erörterungen dazu mit einem Zitat von Mechtild und Wolfgang G. Stock aus dem Jahre 2012: „Mit einem Schulfach Informationswissenschaft (oder auch nur Informationskompetenz) dürfte der breiten Wahrnehmung dieses Faches – als „Leitfach“ der am Horizont erscheinenden Multimediakultur? – in Zukunft nichts mehr im Wege stehen“ (Seite 68). Sieben Jahre später mutet dieser Optimismus trotz der an sich richtigen Forderung wie ein Pfeifen im Walde an.

Allerdings steht die Informationswissenschaft an Hochschulen vor einer noch größeren Gefährdung als seinerzeit vor den F&E-Abteilungen der Internet-Konzerne: Waren die 70er und noch die 80er Jahre durch Datenknappheit gekennzeichnet, so liegen heute „unvorstellbar große Datenbestände an numerischen und nichtnumerischen Daten … in allen Disziplinen vor.“ Wurden früher Zusammenhänge „zuerst als Theorien oder Modelle formuliert, dann über Stichprobe auf Widerlegbarkeit hin untersucht“, so erkennt man heute „Zusammenhänge direkt in der Grundgesamtheit der Daten und reagiert entsprechend darauf - vielfach ohne den Umweg über Theorien und Modelle zu gehen. Die Frage von Korrelation und Kausalität wird neu gestellt. Dieses Phänomen betrifft alle wissenschaftlichen Disziplinen und wird pauschal als „Data Science“ bezeichnet – obwohl diese Bezeichnung möglicherweise ein Euphemismus für „Entwissenschaftlichung“ sein könnte“ (Seite 66).

Ferner gilt: „Waren die Forschungsfelder der Informationswissenschaft jahrzehntelang überwiegend mit geschriebener Sprache verknüpft, ist mittlerweile über selbstlernende Systeme, neuronale Netze und viele ähnliche Ansätze der Künstlichen Intelligenz die geschriebene menschliche Sprache in den Hintergrund getreten. … Die Informationswissenschaft hat begonnen, die Grenzen der traditionellen Wissenschaft zu sprengen und ist in einen Bereich vorgestoßen, der die Wissenschaft im herkömmlichen Sinne revolutionieren (oder zerstören) kann. Zumindest ist die Rolle des Menschen im wissenschaftlichen Geschehen neu zu definieren, wenn Erkenntnisse mit maschineller Unterstützung gewonnen werden, die für einen einzelnen Menschen in seiner Lebenszeit nicht mehr nachprüfbar sind“ (Seite 66).

Damit ist ein Problem angesprochen, das nicht nur die Informationswissenschaft und weitere Disziplinen, sondern die gesamte Gesellschaft unmittelbar und angesichts der Rapidität der Entwicklungen mit hoher Dringlichkeit betrifft und damit nach einer breiten gesellschaftlichen Debatte verlangt. Von den Internet-Konzernen, die an diesen Entwicklungen verdienen und sie mit ihrem uneingeschränkten Optimismus fördern, sind ausgewogene Beiträge nicht zu erwarten. Eine neue Chance für die Informationswissenschaft, sich an einer wichtigen Debatte zu beteiligen und dabei eine sichtbarere Rolle als heute zu spielen?



5 goldene SEO-Regeln

Mit einfachen Tricks
die Sichtbarkeit von Websites erhöhen

Von Mike Würmeling, Würmeling Consulting

1. Datensicherheit gewährleisten. Nicht nur Nutzer, sondern auch Suchmaschinen bevorzugen Websites, die als „sicher“ gekennzeichnet sind. Deshalb sollte jeder Betreiber einer Website eine SSL-Verschlüsselung nutzen − erkennbar am Kürzel „https“ in der Adresszeile. Das SSL-Zertifikat lässt sich schon für weniger als einen Euro im Monat erwerben.

2. Nutzerorientierter Content. Dient der Content auf der Homepage lediglich der Selbstdarstellung des Unternehmens oder bietet er potenziellen Kunden einen tatsächlichen Mehrwert? Wer Content erstellt, der Nutzern wirklich weiterhilft, wird auch von den Suchmaschinen belohnt“, erklärt Mike Warmeling.

3. Keine doppelten Inhalte. Suchmaschinen bevorzugen Unique Content und strafen die mehrfache Verwendung identischer Inhalte ab.

4. Keywords platzieren. Websites müssen Keywords enthalten, nach denen die Zielgruppe des Angebots sucht. Um von den Suchmaschinen hoch gerankt zu werden, sollten diese Begriffe an verschiedenen Stellen vorkommen. Dazu gehören zum Beispiel die URLs der Unterseiten, Überschriften, Texte, Namen von Fotodateien oder Grafiken sowie Textanrisse, die die Suchmaschinen anzeigen.

5. Ladezeit optimieren. Ladezeiten von Websites verringern sich, wenn Fotodateien und Grafiken in der kleinstmöglichen Größe eingesetzt werden. Dadurch sinkt das Risiko, dass sich Besucher der nächsten Seite zuwenden, weil ihnen das Laden zu lange dauert. Auch die Bots der Suchmaschinenbetreiber haben nicht viel Zeit: Bei zu hohen Ladezeiten indizieren sie die Website nicht komplett und verringern so die Sichtbarkeit

Informationskompetenz und Demokratie:

Abschlusstagung mit Fokus auf Bildung

Die Abschlusstagung des Projekts »Informationskompetenz und Demokratie« findet am 19. und 20. Juni 2020 im Forum am Hauptcampus der Universität Hildesheim statt.

Das Tagungsprogramm in diesem Jahr wird sich aus Vorträgen sowie Workshops zusammensetzen. Durch Beiträge von Experten aus den USA, der Türkei, Schweden und Bosnien und Herzegowina wird die internationale Perspektive miteinbezogen. Thematisch liegt der Fokus auf der Beziehung zwischen Informationskompetenz, Demokratie und Bildung.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Eine Erstattung von Reisekosten ist nicht möglich. Melden Sie sich an, indem Sie eine E-Mail an infodem (at) uni-hildesheim.de mit folgenden Angaben schreiben: Tagungsteilnahme: 19. Juni 2020 und/oder 20. Juni 2020 - Teilnahme am gemeinsamen Abendessen (Selbstzahler) am 19. Juni 2020
Twitter

Fakes erkennen und orangerot kennzeichnen

„Twitter testet mehrere Möglichkeiten, Tweets mit offensichtlichen Falschbehauptungen besser im Nachrichten-Stream hervorzuheben. Der Social-Media-Dienst schreitet bisher nicht nennenswert bei Nachrichten ein, die Lügen verbreiten, was besonders im politischen Umfeld problematisch sein kann. In Zukunft sollen Tweets, die Unwahrheiten enthalten und irreführend sind, farblich gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnung erscheint direkt unter dem Tweet und ist in einem Orangerot gehalten, so dass sie gut auffällt. …

Die Hinweise werden eingeblendet, sobald von der Plattform verifizierte Faktenchecker und Journalisten zu der Ansicht kommen, dass im Tweet Falschbehauptungen aufgestellt werden. Twitter soll auch an einem System arbeiten, bei dem alle Nutzer in einer Art Community-System Hinweise auf Lügen sammeln können. Dann könnten Nutzer Punkte und Abzeichen erhalten, wenn sie zuverlässig Falschbehauptungen melden. … Ein Kennzeichnungssystem für Unwahrheiten ist insbesondere mit Blick auf die US-amerikanische Präsidentschaftswahl 2020 interessant. In der Vergangenheit haben zahlreiche Politiker in den USA Twitter für die Verbreitung von Lügen über politische Gegner genutzt und blieben bisher unbehelligt.“

Quelle: www.golem.de

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