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Open Password - Freitag, den 15. Januar 2021

# 872

Impfpflicht – Jens Spahn - Wolfgang Henn – Deutscher Ethikrat – Inforadio (Radio Berlin-Brandenburg) – Ärzte – Pflegepersonal - Nikolaus Blome – DER SPIEGEL – Rüdiger Suchsland – TELEPOLIS – Open Password – Pandemie – Bund und Länder - Regulierungen – Risiken – Impfstoff – Masern – Bundesverwaltungsgericht – Willi Bredemeier - Anton Bollen – eLearning – Home Office – TechSmith – Selbstgesteuertes Lernen – Learning Experience Platforms – Lockdown – Performance Support – Anwendungen auf Mobilgeräte – Teach the Teacher – FIZ Karlsruhe – zbMath Open – Open-Access-Plattform – Hans-Christoph Hobohm – LIS Potsdam

Über den Tellerrand (III):
Impfpflicht


Jens Spahn (1)

In dieser Pandemie wird es
keine Impfpflicht geben

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, am 13. Januar im Deutschlandradio: „Ich habe im Bundestag mein Wort gegeben: In dieser Pandemie wird es keine Impfpflicht geben. Wir setzen auf Aufklärung und Information.“
Jens Spahn
Jens Spahn



Wolfgang Henn (2)

Es ruckelt noch in den Köpfen

Nicht mit der Brechstange
ans Impfen herangehen

Wolfgang Henn, Humangenetiker und Mitglied des Deutschen Ethikrates, in: Inforadio (Redio Berlin Brandenburg): "Ich erinnere daran, dass wir bei Masern ja eine Impfpflicht für Kita-Personal beispielsweise schon haben. Aber generell, da spreche ich jetzt als Ethiker, sollten Verpflichtungen immer erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die Leute nicht auf der freiwilligen Ebene motiviert werden können. Das heißt, wir führen jetzt eine Diskussion, die eigentlich erst später konkret werden sollte…

Wir können jetzt nicht in dieser fragilen Personalsituation (...) mit der Brechstange an die Dinge rangehen. Wir sollten positiv motivieren, und ich setze da sehr auf das gute Beispiel: Bei den Ärztinnen und Ärzten ist die Impfakzeptanz nach allem, was wir bisher wissen, höher als bei den Pflegekräften. Und wenn die Ärztin nicht nach der Impfung zusammengeklappt ist, und das wird sie nicht tun, dann wird das auch für die Pflegekräfte motivierend sein. Also ich bin da durchaus zuversichtlich. Es ruckelt nicht nur in der Impfstofflieferung, sondern auch in den Köpfen noch ein wenig, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das auf der freiwilligen Ebene hinkriegen werden."


Nikolaus Blome (3)


Impfen muss zur Pflicht werden,
weil wir nur so der Pandemie Herr werden

Nikolaus Blome, Impfpflicht! Was denn sonst?, in: DER SPIEGEL, 7. Dezember. Nikolaus Blume beobachtet, dass Bund und Länder in der Corona-Pandemie „mit Ge- und Verboten, mit dringenden „Empfehlungen“ oder dem banngleichen Ächten von „inakzeptablem“ Kontaktverhalten“ nicht zimperlich sind und die große Mehrheit der Bürger tapfer alles mitmachen. Nur bei der Impfpflicht lehnen alle Parteien eine Regulierung ab. Dabei ist unbestritten: „Wenn geimpft sind, die es gesundheitlich vertragen, sind Lockdowns und hohe Infektionszahlen Geschichte.“

Blome vertritt daher eine eindeutige Position: „So ist die Pflicht, sich impfen zu lassen, … eine moralische mit Blick auf die Gesundheit der Mitmenschen, die Vereinsamung großer Gruppen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt. Es ist eine Pflicht wie jene, Mitmenschen in Bedrängnis zu helfen oder Zivilcourage zu zeigen, wenn es gegen Schwache oder Fremde geht. Außerdem ist das Impfen eine ökonomische Pflicht angesichts von Arbeitslosigkeit, Verschuldung und der Gefährdung zahlloser Existenzen infolge fortgesetzten Lockdowns.“

Der SPIEGEL-Autor hofft, dass der Markt hier Besserung bringt: „Jedermann darf seine Wohnung allen versperren, Kneipenbesitzer, Kinobetreiber oder Kreuzfahrtveranstalter werden ebenfalls als Hausherren Impf- oder Immunitätsnachweise an ihren Pforten verlangen dürfen. … Das treibt den Preis für das Nichtimpfen nach oben“.


Rüdiger Suchsland (4)


Allgemeine Impfpflicht als praktizierter Gemeinsinn und Zeigen von Solidarität

Rüdiger Suchsland, Warum eine allgemeine Impfpflicht sein muss, in TELEPOLIS, 18. Dezember. Ähnlich hält Rüdiger Suchsland eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ im Sommer für wahrscheinlich, zumal die „Zweifel am Impfstoff nicht berechtigt sind“. Der neuentwickelte Impfstoff ist an vielen Probanden untersucht worden, mit guten Ergebnissen in Bezug auf das Erwerben von Immunität und auf seine Verträglichkeit“ (auch wenn das Risiko langfristiger Folgen der Verimpfungen getragen werden muss). Worüber man noch nichts weiß, sind die langfristigen Folgen der Verimpfungen, aber dieses Risiko angesichts der nachgewiesenen Vorteile der zugelassenen Impfstoffe hinzunehmen.

Besser wäre jedoch eine allgemeine Impfpflicht. „Das wäre mehr praktizierter Gemeinsinn und mehr Solidarität als alle wohlfeilen unverbindlichen Floskeln a la „Jedes Leben zählt“ und „Wir müssen die Alten schützen.“
Markus Söder
Markus Söder

Open Password

Statt leerer Versprechen und
taktischen Herumeierns klare Ansage,
dass eine Impfpflicht notwendig ist!

Open Password, Willi Bredemeier, Trend des Jahres: COVID 19 – Leben in der Semi-Quarantäne, in: Open Password, 18. Dezember. Open Password hatet sich gleichfalls am 18. Dezember für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. Die Freiheit des Einzelnen findet dort seine Grenze, wo er anderen Schaden zufügt. Das gilt im Fall Corona besonders, weil hier fast Jedermann zum Superspreader werden kann. Auch erschließen sich die Unterschiede zwischen Corona und Masern nicht, wo es bereits eine Impfpflicht gibt. Dazu Blome: „Auch hat sich das Bundesverwaltungsgericht bereits vor sechs Jahrzehnten mit der Impfpflicht an sich befasst und urteilte, dass sie bei besonders ansteckenden Krankheiten zulässig sei, die Leben und Gesundheit anderer Menschen schwer gefährden.“

Als ich einen ersten Entwurf für diesen Kurzbeitrag anfertigte, schrieb ich, dass „sich der gesamte politische Bereich vor einer ehrlichen Diskussion drückt.“ Diese Beschreibung lässt sich nicht mehr aufrechterhalten, seit der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in dieser Angelegenheit dazugelernt hat, mit einer leichten Veränderung der Formulierung aber doch: „Wenn sich fast der gesamte politische Bereich vor einer ehrlichen Diskussion drückt, so gefährdet er alle Bürger, sollten sich Blome und Suchsland irren und der Markt richtet es doch nicht im Sommer.“ Dann könnte sich erweisen, dass das Versprechen unseres Bundesgesundheitsministers leer geworden sind und müssten wir ihm mehr als eigentlich notwendig verzeihen.

Im Übrigen haben wahrscheinlich weder Blome noch Suchsland etwas dagegen einzuwenden, es zunächst mit Information und Aufklärung zu versuchen. Aber was ist, wenn das nicht funktioniert, nachdem der Bundesgesundheitsminister und andere Politiker die querdenkenden Gegner einer Impfpflicht erst stark gemacht haben. Auch sehe ich es nicht als Aufgabe des Deutschen Ethikrates an, den Politikern taktische Empfehlungen für ihre Öffentlichkeitsarbeit zu geben. Vor allem erwarte ich vom Ethikrat ein eindeutiges „Ja“ zur Notwendigkeit einer allgemeinen Impfpflicht (oder auch ein „Nein“, wenn es ernstzunehmende Argumente dafür gäbe). Auch ist Henn nicht das einzige Mitglied im Deutschen Ethikrat, das taktisch so herumeiert.

Ich bin schockiert über die vielen Pflegekräfte, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen, und halte ihre eventuelle Verweigerung fast für ein Verbrechen. Denn sie, deren berufliche Aufgabe die Schaffung von „möglichst viel Gesundheit“ für die Senioren ist, nehmen in Kauf, dass sie die ihnen anvertrauten Schutzbefohlenen tödlich gefährden können. Ich bin ferner schockiert über das geringe Wissen vieler Pflegekräfte in Sachen „Corona“, das hinter dem Wissen informierter Zeitungsleser zurückbleibt. Das dürfte auch mit der rigiden Arbeitsteilung zwischen Ärzten und Pflegern zu tun haben, wo die Pfleger von jeder medizinischen Entscheidung ausgeschlossen werden, obgleich sie es manchmal besser wissen.

Willi Bredemeier

Anton Bollen

Learning in Schule, Büro und Home Office:

Die Trends für 2021


Anton Bollen, Experte für eLearning-Konzepte und Video-Schulungen bei TechSmith (Okemos/Michigan) zu den eLearning-Trend für 2021:
  1. Langfristige Planung und gestiegene Ansprüche. Zu Beginn der Coronakrise wurden zahlreiche Arbeitsprozesse, allen voran die Kommunikation und Zusammenarbeit, mehr oder weniger zwangsdigitalisiert. Die anfangs noch reaktiv motivierte Anpassung von Unternehmen und Institutionen an die gegebenen Umstände ist inzwischen einem vergleichsweise souveränen Umgang mit entsprechenden Technologien gewichen: Viele Investitionen haben sich bewährt und Unternehmen sind nun eher bereit, in vielversprechende Tools zu investieren – das gilt auch und gerade für das Thema eLearning. Dabei sind die Ansprüche gestiegen, Mitarbeiter sind immer mehr daran gewöhnt, digitale Angebote zu nutzen, und die Maßnahmen werden mit Weitsicht geplant.
  2. Individuell und persönlich: Selbstgesteuertes Lernen. Individualisiertes Lernen ist ein Trend, der uns seit einigen Jahren begleitet. Die Pandemie beschleunigt das Entstehen von immer umfangreicheren, speziell auf die Anwender zugeschnittenen Learning Experience Platforms (LXP), die die klassischen Learning Management Systeme (LMS) mehr und mehr ablösen. Im Fokus steht die umfassende, individuell auf den Nutzer zugeschnittene Lernerfahrung, die dem Lernenden ein hohes Maß an Freiheit und Eigenverantwortung über den Lernprozess zugesteht. Zur Orientierung und für Rückfragen stehen dabei in der Regel digitale Lernbegleiter zur Verfügung.
  3. Ende der Einbahnstraße: Performance Support wird interaktiver. Der Trend in Richtung Performance Support – also die bedarfsbezogene, unkomplizierte Bereitstellung von Arbeitshilfen, Anleitungen und Tools für Mitarbeiter während des Arbeitsprozesses – ist durch die anhaltende Remote-Arbeit deutlich gestiegen: Im Homeoffice sind schnelle Absprachen und Fragen an die Kollegen nur begrenzt möglich, gefragt ist ein hohes Maß an Eigenständigkeit. Gleichzeitig entsteht durch die Isolation ein zunehmendes Bedürfnis nach Austausch und Interaktion. Viel stärker als vorher geht es um Zusammenarbeit und trotz Distanz das gemeinsame Erreichen von Zielen. Für Performance Support bedeutet das, dass Mitarbeiter nicht nur Informationen abrufen und „konsumieren“, sondern ihr eigenes Fachwissen in remote-tauglicher Weise mit Kollegen teilen – beispielsweise durch eigene Kurzvideos, Aufzeichnungen und Anleitungen, die mit entsprechenden Tools schnell erstellt und über eine standardisierte Plattform geteilt werden können.
  4. Mehr Flexibilität: Mobile First! Bis vor nicht allzu langer Zeit wurden eLearning-Inhalte in erster Linie für die Verwendung an Desktop-PCs konzipiert und wurden nach Bedarf für mobile Endgeräte angepasst. Dieses Muster hat sich zwischenzeitlich stark verschoben: eLearning-Inhalte werden direkt für die Anwendung auf Mobilgeräten entwickelt und optimiert, Desktop-PCs spielen eine zunehmend untergeordnete Rolle. In einer aktuellen britischen Studie gab mehr als die Hälfte der Befragten an, auch nach dem Lockdown dauerhaft im Homeoffice arbeiten zu wollen. Daraus lässt sich ableiten, dass flexible Arbeitsformen unsere Arbeitswelt sehr nachdrücklich prägen werden, sodass ein hochwertiges mobiles Erlebnis auch und vor allem beim Lernen in Zukunft entscheidend ist.
  5. „Teach the Teacher“ als Grundlage für erfolgreiche Onlinekurse. Gerade im schulischen Bereich haben die Defizite der vergangenen Monate gezeigt, dass nicht jeder Bildungsbeauftragte automatisch über die technischen Kenntnisse und das notwendige Gespür für die besonderen Herausforderungen beim Distanzunterricht verfügt. Selbst die beste technische Infrastruktur ist noch kein Garant für guten Distanzunterricht, wenn es letztlich an der Digitalkompetenz der Lehrenden mangelt. Der Bedarf an speziellen Programmen und Kursen, die sich an Angestellte im Bildungswesen richten und sie in der Nutzung digitaler Medien für den Unterricht schulen, wird in den nächsten Monaten stark zunehmen."
FIZ Karlsruhe

zbMath Open gestartet


In einem aufwändigen Arbeitsprozess wurde der Informationsservice zbMATH in eine Open-Access-Plattform überführt. Damit lassen sich viele dieser Daten für Forschungszwecke und zur Verknüpfung mit anderen nicht-kommerziellen Diensten frei nutzen.

zbMATH - früher Zentralblatt für Mathematik - bietet lückenlos bis zurück in das Jahr 1886 umfangreiche, wissenschaftlich tief erschlossene Informationen über mathematische Publikationen, Autorinnen und Autoren, Referenzen und Software. Die Nachnutzbarkeit dieses Wissensschatzes sowie die Vernetzung der damit verbundenen Daten waren jedoch durch das bisherige Lizenzmodell stark eingeschränkt. Nun ermöglicht die neue Plattform zbMATH Open über offene Schnittstellen die Einbindung anderer Dienste und noch besserer Suchfunktionen, z. B. für Volltexte aus freien digitalen Bibliotheken wie arXiv und EuDML. Eine weitere Dimension neuer Anwendungen bietet die Verknüpfung mit mathematischen Forschungsdaten, die bisher noch weitgehend isoliert und wenig erschlossen sind.

Corrigenda. Das Zitat aus Hans-Christoph Hobohms Beitrag „Was ist eigentlich das Digitale?“ wurde nicht „netbib“ sondern "LIS in Potsdam" entnommen (Open Password, 13. Januar)

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