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Open Password - Freitag, den 22. Januar 2021

# 875
Helga Schwarz – Impfpflicht – Impfbereitschaft – Lockerungen – Corona – Bundesregierung – AFD – Verschwörungsanhänger – Demokratie – Nebenwirkungen - Geimpfte - Bibliotheken – Fake News – Stabilisierung der Demokratie – Mission – Elisabeth Simon – Dorothee Bär – Jutta Almendinger – DIE ZEIT – Bremen -Digitalisierung – Zivilgesellschaft – Wissenschaft – Alltagsprobleme – Museum für Naturkunde – Citizen Science – TU Berlin – Willi Bredemeier – Informationswissenschaft – Bibliothekswissenschaft – Stephan Büttner – Stefan Hauff-Hartig – Johannes Elias Panskus – Relativierung des Wahrheitsbegriffs – Seriöse Medien – Überprüfung von Nachrichten – Soziale Medien – Populismus – Donald Trump – AfD – Wissenserwerb – Bildungsauftrag – E-Books – EBSCO – Verleger – Aleksandra Horvart – Daniela Zivkovic – Libreas – Netzwerkbildung – Pandemie – Bibliotheksschließungen - Neustart - Jimmy Wales – Larry Sanger – Wikipedia – Freie Online-Enzyclopädie – ARD-Mediathek – ARTE – Wikimedia Deutschland - #Wikipedia20 – Fellow Programm Freies Wissen – Ina Blümel – Lambert Heller – TIB – Matti Stöhr – Michael Hohlfeld – ZBW – International Fair Convergence – Doreen Siegfried
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Helga Schwarz

Über den Tellerrand (6):
Helga Schwarz


Die Impfbereitschaft wird steigen,
sobald ersichtlich ist, dass es
keine üblen Nebenwirkungen gibt


Zu: Nur mit Impfpflicht werden wir der Pandemie Herr, in: Open Password, 15. Januar

Lieber Herr Bredemeier!

Auf den Beitrag am 15. Januar zum Impfzwang habe ich mich bisher nicht gemeldet. Aber nun möchte ich doch noch gegen einen Impfzwang argumentieren. Ich verkenne nicht die vielen Gründe, die dafür sprechen. Insbesondere erschüttern mich die vielen Toten, die bisher und besonders in diesen Tagen gemeldet werden. Mir kommen immer die Tränen, wenn ich daran denke, wie viele Angehörige jetzt trauern, für sie wird Weihnachten und das Leben überhaupt nie mehr so sein wie früher. Es sind wohl die "Weihnachts"toten, als Folge der Lockerungen über die Feiertage, in denen es offenbar viele Infizierungen gegeben haben muss. Dennoch glaube ich, dass eine Pflicht nicht das Mittel der Wahl sein kann:
  1. Die Bundesregierung wird wortbrüchig und völlig unglaubwürdig, da sie immer versichert hat, dass es keine Impfpflicht geben wird. Das verzeiht kein Wähler, die Wahlmüdigkeit oder die Stimmen für rechte Gruppierungen würden steigen.
  2. Eine Impfpflicht wäre Wasser auf die Mühlen der AFD und aller Verschwörungsanhänger, Querdenker usw., die das über ihre Kommunikationskanäle weidlich breittreten würden. Der Schaden für die Demokratie wäre immens.
  3. Die Impfbereitschaft wird wachsen. Nach den neuesten Zahlen wollen sich bereits 60% der Bürger impfen lassen. Die Zahl wird steigen, wenn ersichtlich ist, dass es keine üblen Nebenwirkungen gibt und die Geimpften munter herumlaufen. Schon jetzt ist ja die Nummer der Terminvergabe überlastet und viele Impflinge und Impfzentren in Bereitschaft warten händeringend auf weitere Impfstofflieferungen.
Wichtig wäre nur, dass die Geimpften nicht übermütig werden und keine Vorrechte verlangen, sondern weiter brav Maske tragen, bis die Frage einer möglichen Weitergabe des Virus geklärt ist, was hoffentlich bald geschieht.

Ich selbst bin dazu bereit. Ich erhalte am 26. Januar bereits die zweite Impfung in der Arena. Ich habe mich einfach vorgedrängelt, da doppelt gefährdet wegen Alter und schlecht funktionierender Lunge. Meine Prognose im Fall einer Covid-19-Erkrankung war der sichere Tod. Nun ist die Gefahr bald gebannt.

Viele liebe Grüße Helga Schwarz, Berlin

Bibliotheken gegen Fake News

Unterschiedliche Wissensbestände
und Wissensformen zusammenführen

Beiträge zum Zurückdrängen von Fake News
und zur Stabilisierung der Demokratie

Abseits von technizistischen Fragestellungen und den Empfehlungen der Interessenten haben die Bibliotheken gerade jetzt Erörterungen über ihre Mission anzustellen.

Von Elisabeth Simon
Elisabeth Simon I
Ein Meisterkoch benötigt zur Herstellung seiner die Speisekarten beherrschenden Gerichte Kochgeräte, also Töpfe und Pfannen. Für die Einführung oder Beherrschung der digitalen Welt benötigt man Geräte, einen Laptop oder Ähnliches. Die Verteilung von Laptops aber zum Zeichen einer digitalisierten Welt zu machen, wie es die Digitalministerin Dorothee Bär wiederholt in ihrem Interview mit Jutta Almendinger in DIE ZEIT vom 17. Dezember machte, ähnelt dem Verfahren, einen Menschen mit allen Kochgeräten auszustatten, der vom Kochen keine Ahnung hat. Auch der Jubel über das Land Bremen, das eine vollständige technische Ausrüstung aller Schulen erreicht haben soll, ist verfrüht, wenn man erfährt, dass in einer seiner unteren Klassen die römische und griechische Geschichte unter dem Begriff „Antike“ subsumiert wurde. Ein verhängnisvoller Einstieg in die Unterrichtung der künftigen Europäer in die Geschichte ihres Kontinents.

Wiederholt weist Jutta Almendinger auf die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung und die dringend nötige Auseinandersetzung mit ihren Folgen hin, die noch gravierender als alle Nöte der gegenwärtigen Panepidemie ausfallen könnten. Weckt den schlafenden Riesen - In unsicheren Zeiten muss sich die Wissenschaft für die Zivilgesellschaft öffnen. Das ist die Überschrift dieses Artikel im Stellenmarkt der ZEIT. Almendinger verlangt der Wissenschaft ein Denken in Wissenslandschaften ab, die Fähigkeit, unterschiedliche Wissensformen und Wissensbestände zusammenzuführen. Die Zivilgesellschaft muss in die Kooperation mit der Wissenschaft einbezogen werden. Um hier erfolgreich zu wirken, sollte behutsam vorgegangen und ein stabiles Vertrauen aufgebaut werden, das sich nicht ohne Weiteres erschüttern lässt. Hilfreich kann dabei die gemeinsame Arbeit an der Lösung von Alltagsproblemen sein, wie sie jetzt während der Pandemie an einzelnen Stellen unternommen wird.

Hervorragende Arbeit in diese Richtung leistet das Museum für Naturkunde (Berlin), wie an seinem Magazin 3/2020 zu sehen ist. Die Natur schaut uns an. In Zeiten des Artensterbens müssen wir umdenken und Verantwortung übernehmen. So lautet die Überschrift dieses Artikels. Es werden konkrete Projekte der Zusammenarbeit vorgestellt, an denen Herr und Frau Jedermann sich beteiligen können. Dafür wird man hervorragend informiert sowie für eine Teilhabe und die Übernahme von Verantwortung motiviert.

Was machen nun in diesem Kontext die Bibliotheken? Inwieweit sind sie zu einer umfassenden Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und nicht zuletzt der Zivilgesellschaft imstande? Anders gefragt: Sollen die Bibliotheken Dienstleister wie jeder andere sein oder haben sie einen Bildungsauftrag zu erfüllen und eine besondere gesellschaftspolitische Verantwortung und Mission?

Im Sommer 2019 nahm ich an einer Veranstaltung der TU Berlin teil, auf der das von Willi Bredemeier herausgegebene und von mir verlegte Buch Zukunft der Informationswissenschaft - Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft? vorgestellt wurde. Ich verließ die Veranstaltung hoffnungsfroh, weil ich glaubte, die so sehr notwendige Zusammenarbeit zwischen Informationswissenschaft und Bibliothekswissenschaft und zwischen Bibliotheken und Informationswissenschaft sei endlich in Gang gekommen und die aktuelle Mission der Bibliotheken lasse sich in einer handlungsrelevanten Weise konkretisieren. Nicht zuletzt hatten dazu Stephan Büttner mit Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses, Stefan Hauff-Hartig mit Fehl-, Falsch- und Desinformation als informationswissenschaftliche Herausforderung und Johannes Elia Panskus mit Metadaten zur Identifizierung von Falschmeldungen im digitalen Raum – Eine praktische Annäherung vorbereitende Arbeiten geleistet und eine mögliche aktuelle Mission der Bibliotheken hinreichend konkretisiert. Büttner ist Herausgeber des Buches zur digitalen Transformation, die Beiträge von Hauff-Hartig und Panskus finden sich in Zukunft der Informationswissenschaft.

Von welcher aktuellen Mission der Bibliotheken sollen wir heute reden? Darüber kann man sehr wohl unterschiedlicher Meinung sein, aber darüber sollte, statt immer nur das gerade anstehende technische Tool in den Vordergrund zu stellen, zumindest gesprochen werden.

Jedenfalls ist es keine Frage mehr, dass die massenweise Verbreitung von Fake News und die damit einhergehende grundsätzliche Relativierung des Wahrheitsbegriffs Politik, Gesellschaft und ihre Institutionen vor immer massivere Probleme stellt. Die etablierten Zeitungen und Zeitschriften, die auf eine in Jahrhunderten bewährte Praxis der Überprüfung von Nachrichten bauen, werden der massenweisen Abwanderung ihrer Leser zu den Fake-News-anfälligen Sozialen Medien nicht Herr und würden sie in noch so vielen Faktenchecks Fake News als Lügen entlarven. Die politisch-institutionelle Variante der Fake News, der Populismus, ist in allen westlichen Ländern zu einem ernstzunehmenden Faktor geworden und hat die Institutionen der ältesten modernen Demokratie der Welt erschüttert. Die Wissenschaft, deren Grundpfeiler der Zweifel an den eigenen Ergebnissen ist, weiß nicht recht mit den Vertretern des Populismus von Donald Trump bis zur AfD umzugehen, die Behauptungen aufstellen, die weit hinter dem Stand seriöser Erörterungen zurückbleiben, sich aber an Schrillheit nicht überbieten lassen.

Um hier gegenzusteuern, wird die langfristige Förderung von Medienkompetenz und Kompetenz zum Erwerb von Wissen und zwar für alle Altersgruppen empfohlen. Wer käme für diese Mission besser infrage als die Bibliotheken, die von Beginn an mit einer Vielzahl sehr verschiedener Inhalte umzugehen hatten und sich zumindest in Deutschland schon immer in Erfüllung eines Bildungsauftrages sahen? Wie dieser Auftrag im geschichtlichen Verlauf erfüllt wurde, darüber sind an anderer Stelle kritische Anmerkungen zu machen. Heute ist jedenfalls klar, dass die Erfüllung eines Bildungsauftrages und eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Bibliotheken und ihren Nutzern und zwischen Bibliotheken und Wissenschaft einander nicht ausschließen.

Andererseits können Bibliotheken ihren Bildungsauftrag nur erfüllen, wenn sie wissen und sich dazu bekennen, dass es spätestens jetzt nicht immer nur primär um den Zugang zu Informationen und den Umgang mit Datenbanken, Repositorien und ähnlichen Werkzeugen gehen kann, da aus gesellschaftspolitischer Sicht „die Hütte brennt“. Schon gar nicht kann es darum gehen, Empfehlungen an die Bibliotheken zu befolgen, die nur gemacht wurden, um die Interessen Dritter durchzusetzen. Beispielsweise werden immer wieder optimistische Berichte über die Entwicklung der E-Books veröffentlicht. Dem stehen nicht nur meine empirischen Erfahrungen entgegen. Der von Willi Bredemeier verfasste Anti-Heimatroman brachte es durch den Vertrieb von EBSCO auf immerhin zwei verkaufte Exemplare, während der Verkauf der Printversion eine Neuauflage notwendig machte. Das liegt an einer restriktiven Gesetzgebung, die die Verleger durchsetzten, weil sie auf jeden Fall ihre Eigentumsrechte behalten wollten, was es den Bibliotheken schwer macht, E-Books zu erwerben, und den Lesern ähnlich schwer, E-Books zu kaufen. Siehe dazu Aleksandra Horvart und Daniela Zivkovic, Zwischen Öffentlich und Privat – Bibliotheken in der Zeit der e-books.

Vielmehr muss es darum gehen, abseits von einer Beschränkung auf technizistische Fragestellungen und dem Kniefall vor Interessenten zielgruppenspezifische attraktive Angebote für die Nutzerschaft in Kooperation mit der Wissenschaft zu entwickeln, die geeignet sind, einen Beitrag zur Zurückdrängung von Fake News und zur Stabilisierung der Demokratie zu leisten.

Es ist daher unbedingt notwendig, dass die Bibliotheken ihre Kompetenz und ihr Können auch als selbstständige Einheiten in ihre Informations- und Wissenslandschaften einbringen. Die Aufgabe, diese Projekte publizistisch zu begleiten, werden von Libreas und anderen Zeitschriften gut wahrgenommen. Aber auch sie sollten angesichts der Fokussierung auf eine bestimmte Klientele nicht davon ablassen, über den Tellerrand ihrer Kernleserschaft zu blicken und eine Netzwerkbildung auch mit jenen Gruppen zu erwägen, die ihnen (scheinbar) noch fernstehen.

Somit stellt es für die Bibliotheken keine wünschenswerte Option dar, angesichts der wütenden Pandemie und der dadurch bewirkten Schließungen, weinend in der Ecke sitzen zu bleiben. Die Vorbereitungen für einen Neustart sollten jetzt beginnen, und die Zeit drängt.

Die freie Online-Enzyclopädie
20 Jahre Wikipedia

„Vor 20 Jahren hat Jimmy Wales zusammen mit Larry Sanger die Wikipedia aus der Taufe gehoben. Die freie Online-Enzyklopädie und größte digitale Wissenssammlung der Welt hat diesen runden Geburtstag am und rund um den 15. Januar 2021 ausgiebig gefeiert und sich (zu Recht) feiern lassen.

Medial wurde der 20. Geburtstag auch hierzulande sehr breit aufgegriffen. Insbesondere Funk und Fernsehen haben sich in vielen Beiträgen mit den Hintergründen der Entstehung der Wikipedia und dem Thema freies Wissen auseinandergesetzt und aufgezeigt, wie die – sehr erfolgreiche, aber tatsächlich nicht unumstrittene – Plattform funktioniert. Empfehlen wollen wir an dieser Stelle die WDR-Dokumentation „Das Wikipedia Versprechen“ in der ARD-Mediathek, welche in einer etwas längeren Fassung auch ARTE im Programm hat. Nicht zuletzt kritische Stimmen kommen hier nicht zu kurz. Weitere Beiträge sind zum Beispiel auf der offiziellen Geburtstagsseite der Wikimedia Deutschland verlinkt. Auf dieser Seite finden sich aber nicht nur Medienberichte, sondern z.B. auch eine visualisierte Zeitreise, persönliche Geschichten und viele Informationen, wie man bei der Wikipedia mitmachen kann.

Auch in den sozialen Netzwerken wurde und wird das Jubiläum unter dem Hashtag #Wikipedia20 ausgiebig thematisiert. Auf Twitter und Instagram haben wir uns am letzten Freitag sehr gerne den Gratulanten angeschlossen, da uns als Bibliothek und Forschungseinrichtung doch viel mit der Wikipedia verbindet. Lambert Heller, Leiter unseres Open Science Labs, hat dazu in einem kurzen Gratulationsvideo die Wikipedia aus TIB-Sicht gewürdigt. Er benennt beispielhaft Aktivitäten und Projekte aus der TIB in Nutzung und in Zusammenarbeit mit der Wikipedia, der Wikimedia Deutschland und diverser Schwesterprojekte. Unter anderem kommt die Mentor*innen-Beteiligung am Fellow-Programm Freies Wissen mit Ina Blümel zur Sprache.“

In: Matti Stöhr und Michael Hohlfeld, 20 Jahre Wikipedia, 19. Januar, www.blogs.tib.eu



ZBW

International Fair Convergence
auf Video


Sehr geehrter Herr Dr. Bredemeier,

sämtliche Beiträge des “International FAIR Convergence Symposiums“ sind mitgeschnitten und können hier nachgeschaut werden:

https://vimeo.com/user/91439529/folder/2924631

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