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Open Password - Donnerstag, den 25. Februar 2021

# 891
DSGVO – Eva Wolfangel – Datenschutz als Exportschlager – riffreporter – Freiheit des Internet – Datenschutzpolitik EU – Grindr – USA – Cloud-Act – Indien – Great Firewall – Balkanisierung – Techno-Nationalismus – Huawei – Tiktok – Europäische Datensouveränität – Gaia-X – Europäischer Such-Index - ISI 2021 – Information Behavior – Information Literacy – Gerhard Lustig Award - Information Infrastructure – Programmkommittee – Classification & Evaluation – Hochschulverband Informationswissenschaft – Digital Humanities – Information Retrieval – Information Needs & Search – Knowledge Representation – Emerging Technologies – Express your Research – vfm Frühjahrstagung – Quarantäne – Agile Mediendokumentation – Mario Müller

Über den Tellerrand (18)

Balkanisierung und Renationalisierung des Contents durch die DSGVO rückgängig machen?

Eva Wolfangel, Datenschutz als Exportschlager, in: riffreporter.de, 1/2021. Von der großen universalen Freiheit des Internet ist wenig übriggeblieben. Die deutsche DSGVO und die Datenschutzpolitik der EU haben dazu beigetragen. So sind viele amerikanische Quellen in Europa nicht mehr erreichbar, weil sich deren Inhaber nicht den europäischen Datenschutzregeln beugen wollten. Wenn die App Grindr zehn Millionen Strafe bezahlen muss, weil sie europäische Nutzerdaten verkauft hat, kann sich die EU des Beifalls der europäischen Öffentlichkeit sicher zu sein. Ein Fokus auf Sanktionen ist aber kein Schritt zu einer Renaissance des freien Internets.

Für die Regierung der USA war der Ausschluss aus dem Internet Teil ihrer Sanktionspolitik gegen den Iran. Aktuell geht sie gegen chinesische Apps vor. US-Anbieter sind nach dem „Cloud-Act“ verpflichtet, Daten an Geheimdienste weiterzugeben. Wenn es Demonstrationen irgendwo in Indien gibt, schaltet die Regierung dort das Internet ab. Laut BBC ist Indien die Demokratie mit den meisten Internet-Shutdowns. China hat mit seinem „Great Firewall“ „eine erstaunlich effiziente Internet-Filter- und Zensurmaschine (geschaffen), die in den frühen Zeiten des Netzes niemand für möglich gehalten hätte“. Eva Wolfangel folgert: „Das Internet zerfällt in tausend Teile.“ Es ist von einer „Balkanisierung“ des Internets und von „Techno-Nationalismus“ zu sprechen. Sollte der Streit zwischen den USA und China eskalieren, müssen die EU-Mitgliedsländer womöglich zwischen ihnen wählen und Entscheidungen etwa zu Huawei und Tiktok treffen.

Wenn die Renationalisierung der Inhalte im Internet im vollen Gange ist, müssen sich die Deutschen und Europäer vielleicht darauf beschränken, sich vor den Zumutungen nationaler Schwergewichte im Internet zu schützen (also selbst Renationalisierung betreiben?). Die Vision dazu wird unter dem Begriff „europäische Datensouveränität“ gehandelt und soll unter anderem durch das Projekt Gaia-X verwirklicht werden, in dem sich Spitzenunternehmen der deutschen Wirtschaft versammelt haben. Diese wollen eine Cloud-Infrastruktur schaffen, die die deutsche Wirtschaft von amerikanischen Cloud-Anbietern unabhängig macht. Vieles an dem Projekt ist noch unklar und es werden in der öffentlichen Diskussion weitere Anforderungen am Gaia-X gerichtet. Aber „nicht die Größe solle im Vordergrund stehen, sondern die europäischen Standards wie Datenschutz, Transparenz und Wahlfreiheit“. Ein weiterer zentraler Teil einer europäischen Infrastruktur müsste ein europäischer Such-Index zusätzlich zu Google, Bing, Baidu und Yandex sein.

Wolfangel ist der Ansicht, dass „sich die Datenschutz-Grundverordnung gewissermaßen als Exportschlager erwiesen (habe), ganz entgegen der Erwartung vieler Schwarzmaler.“ In Gesprächen am Rande von Konferenzen sagten Unternehmensvertreter: „Na wenn wir die Europäischen Regeln nur in Europa umsetzen, ist das die doppelte Arbeit – wenn, dann setzen wir sie gleich global um.“ Die Autorin zieht als Fazit: „Die Europäische Datenschutzgrundverordnung wird von vielen als Vorbild für die Regulation des Datenschutzes gesehen. Wenn mehr Länder sich verpflichten würden, dessen Prinzipien verbindlich einzuhalten, könnte damit ein Schritt in Richtung Wiedervereinigung des Internets gemacht werden.“

Anmerkungen der Redaktion: Frau Wolfangel geht wohl richtig auf die Balkanisierung des Internets durch die Regierungen der Nationalstaaten ein, die ihren einstigen Kontrollverlust rückgängig zu machen suchen. Sie zählt aus europäischer Sicht viel Wünschenswertes auf. Es für realisierbar zu halten, bedarf einer gehörigen Portion an Blauäugigkeit. Gaia-X ist derzeit wenig mehr als eine Ankündigung und kann angesichts des zu leistenden gewaltigen Koordinationsaufwandes leicht scheitern, zumal die öffentliche Hand, deren finanzielle Förderung gefragt sein wird, mitmischen dürfte. Wenn die Europäische Datenschutzgrundverordnung als internationales Vorbild dargestellt wird, so ist dies empirisch kaum mehr belegt als durch beiläufiges Reden auf Konferenzen. Noch sehe ich, dass sich die großen politischen Player im Internet von den Europäern sagen lassen, was sie datenschutzrechtlich zu tun haben. Eine andere Frage ist die, ob ein Export der DSGVO wünschenswert ist, da diese weniger den Tech-Giganten Grenzen setzt als die Aktivitäten der Zivilgesellschaften behindert.

International Symposium on Information Science
(ISI 2021)


Territorien halten, Alleinstellungsmerkmale gewinnen, Relevanz nachweisen

Hochschulverband und Informationswissenschaft geben Visitenkarte des Jahres ab

8. März (9 Uhr) – 10. März (19 Uhr), International Symposium on Information Science (ISI 2021) – Virtual Event. Free of Charge. http//isi2021.net. Von der Home Page aus wird man direkt zur Registrierung geleitet.

(WB) Der Hochschulverband Informationswissenschaft und mit ihm die deutschsprachige Informationswissenschaft geben mit der ISI 2021 die Visitenkarte des Jahres ab. Nach einer heftigen Kritik an der Arbeit des HI unter anderem auf einer Tagung von Open Password und dem Berliner Arbeitskreis Information an der Arbeit des HI Ende 2019, die in dem Vorwurf der Untätigkeit gipfelte, ist den Programmmachern nicht nur eine ISI 2021, sondern auch ein reichhaltiges Programm, das in einem Fall zu Parallelsessions geführt hat, sowie eine klare Strukturierung und ein Satellite Event („Express your Research) gelungen. Wenn auf dieser Tagung einzelne Referenten bis zu dreimal auftreten, so scheint mir das zu bedeuten, dass innerhalb der Informationswissenschaft funktionsfähige Netzwerke existieren, aber bei der Mobilisierung von Kooperationspotenzialen noch Luft nach oben ist. Dem weitgehenden Setzen auf die englische Sprache stehe ich ambivalent gegenüber. Dem möglicherweise besseren Anschluss an die dominierende angelsächsische Bibliotheks- und Informationswissenschaft steht bei Referenten und Zuhörern, die keine Native Speaker sind, ein Verlust an Differenzierungsvermögen entgegen.

Mit den Schwerpunkten „Digital Humanities“, „Information Retrieval“, „Knowledge Representation“, „Emerging Technologies“ und insbesondere „Information Infrastructure“ sucht die Informationswissenschaft Territorien zu behaupten, in denen sie seit langem tätig ist wenn nicht Alleinstellungsmerkmale zu gewinnen (was beispielsweise in dem Sub-Bereich „Scientific Information Infrastructure“ möglich sein müsste). Dass man gleich zwei Sessions unter „Gerhard Lustig Award“ laufen lässt, obgleich das nichts über die subsumierten sechs Referate aussagt, erschließt sich mir nicht. Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt wurde dem Thema „Information Behavior & Information Literacy“ zugeordnet. Diese Entscheidung ist insoweit berechtigt, als ein aktuelles politisches Thema mitangesprochen wird und die Informationswissenschaft hier ihre gesellschaftspolitische Relevanz und ihre Bedeutung für eine breitere Öffentlichkeit nachweisen kann. Wünschenswert wäre künftig bei ähnlichen Schwerpunkten, auch andere Disziplinen und die Praxis einzubeziehen. Zu einer solchen Öffnung würde auch eine attraktivere Gestaltung der Website für Außenstehende und eine öffentliche Verfügbarmachung der Veranstaltungsvideos gehören.

Soweit ich die Referenten persönlich kenne oder mit ihnen zusammengearbeitet habe, erwarte ich Qualität.

Das Programm:

Montag, 8. März
11 Uhr – 12.30 Uhr, Information Behvior & Information Literacy 1
What is Information literacy and how to improve it? (Joachim Griesbaum, Daphne Cetta, Thomas Mandl, Elke G. Montanari
#wenigerHashtagswirkenwissenschaftlicher (Athanasios Mazarakis, Isabella Peters, Jasmin Schmitz)
The Influence of Multilingalism and Mutual Intelligibility on Wikipedia Reading Behavior (Florian Meier)
From Information Literacy to Data Literacy Education (Sharon Alt, Vera Hisfeldt)
13.30 – 15 Uhr, Gerhard Lustig Award/GLA
Detection and Identification of Fake News: Binary Content Classification with Pre-Trained Language Models (Mina Schütz)
Design and Development of an Emoji Sentiment Lexicon (Fabian Haak)
Reflektive vs. intuitive Ästhetikwahrnehmung von Homepages (Neele Lange)
15.30 – 17 Uhr, Panel 1
The expanded potential of linking different types of information and data in the digital humanities – How do innovative approches derived from information science and data science contribute to a knowledge gain across disciplines? (Sharon Alt, Vera Husfeldt)

Dienstag, 9. März
9 – 10.30 Uhr, Digital Humanities
SentText: A Tool for Lexicon Based Sentiment Analysis in Digital Humanities (Thomas Schmidt, Johanna Dangel, Christian Wolff)umanities (Hu
Same same, but different? On the Relation of Information Science and the Digital Humanities: A Scientometric Comparison of Academic Journals Using LDA and Hierachical
Clustering (Manuel Burghardt, Jan Luhmann)
Grundlagenermittlung für die digitale Werkbank qualitativ-hermeneutisch arbeitender GeisteswissenschaftlerInnen (Michael Achmann, Florin Schwappach)
9 – 10.30 Uhr, Information Retrieval
(Un)bekannte Akteure auf der Suchergebnisseite (Sebastian Schultheiß, Dirk Lewandowski/DL)
Kollaboratives Informationssuchverhalten von Personen unterschiedlicher Generationszugehörigkeit (Carolin Schulz, Stefanie Elbeshusen, Christa Wormser-Hacker)
Den Einfluss der Suchmaschinenoptimierung messbar machen (Sebastian Sünkler/SS, DL)
Ist die Website suchmaschinenoptimiert? (SS, DL)
13.30 – 15 Uhr, GLA II
Towards the identification of information needs in conversational search dialogues (Alexander Frommet)
Information Behavior von unbegleiteten, minderjährigen Geflüchteten unter Berücksichtigung der Rolle und Nutzung von Smartphones (Leyla Dewitz)
Der Einfluss des Verständnisses von Suchmaschinenwerbung auf das Rechercheverhalten am PC und am mobilen Endgerät: eine Nutzerstudie (Sebastian Schultheiß)
15.30 – 17 Uhr, Knowledge Representation
The Benefits of RDF and External Ontologies for Heterogenous Data (Senan Kiryakos, Magnus Pfeffer)
Information Organization and Access in Digital Humanities (Luise Borek, Canan Hastik, Vera Khramova, Klaus Illmayer, onathan D. Geiger)
Vom Datenkatalog zum Wissensgraph – Forschungsdaten im konzeptuellen Modell von FRBR (Ingo Frank)
15.30 – 17 Uhr, Emerging Technologies
A Living Lab Architecture for Reproducible Shared Task Experimentation (Timo Breuer, Philip Schaer)
procd: A privacy-preserving robust implementation to discover contacts in social networks (Fabian Deifuß, Cornelius Ihle, Moritz Schubotz, Bela Gipp)

Mittwoch, 10. März
9 – 10.30 Uhr, Information Infrastructure
Educational Open Government Data in Germany (Cornelia Veja, Julian Hocker, Christoph Schindler, Marc Rittberger)
Forschungsdatenmanagement in Brandenburg (FDM-BB) (Heike Neuroth, Niklas Hartmann, Janine Strake, Ina Radtke, Ulrike Wuttke)
Potenziale von Open Educational Resources in der Informationswissenschaft? (Sylvia Kullmann, Johannes Hiebl, Tamara Heck, Marc Rittberger)
11 – 12.30 Uhr, Information Behavior & Information Literacy 2
Ommission of Information: Identifying political slant via an analysis of co-occuring entities (Jonas Erhardt, Timo Spinde, Ali Vardabi, Felix Hamborg)
Does the General Public Share Research on Twitter? (Stefan Lemke, Paula Bräuer, Isabella Peters)
Open practices of early career researchers (Tamara Heck, Ina Blümel)
Information Behavior towards False Information and „Fake News“ on Facebook (Thomas Schmidt, Elisabeth Salomon, David Elsweiler, Christian Wolff)
13.30 Ihr – 15 Uhr, Panel 2
Schwerpunkt Ausbildungsfragen im Bereich Informations- und Bibliothekswissenschaft (Stefan Schmunk)

Donnerstag, 11. März, 9 – 15.45 Express your Research
9 Uhr, Einführung und Begrüßung
9.15 Uhr, Input Transfer & Storytelling
9.45 Uhr, Session 1 – Forschung neu entdecken
10.40 Uhr. Session 2: Neue Transferoptionen
12.40 Uhr, Input Designbasierte Methoden
13 Uhr, Session 3: Blaupause
13.30 Uhr, Session 4: Prototypen
14.45 Uhr, Pitch-Präsentation
14.45 Uhr, Feedbackrunde
vfm Frühjahrstagung

Große Freiheit oder Quarantäne

Agile Mediendokumentation in Zeiten von Corona


Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen,

die nächste Frühjahrstagung des vfm – Verein für Medieninformation und Mediendokumentation e.V. – steht vor der Tür. Und diesmal ist vieles anders! Nachdem die Frühjahrstagung 2020 aufgrund der Corona Pandemie ausfallen musste, wollen wir in diesem Jahr die Frühjahrstagung virtuell durchführen.

Termin: vfm Frühjahrstagung 26. – 28. April. Das Motto lautet: Große Freiheit oder Quarantäne - Agile Mediendokumentation in Zeiten von Corona

Die Tagung findet an drei Vormittagen, jeweils in der Zeit zwischen 9:30 bis 13:00 Uhr, mit dem Videokonferenz-Tool Zoom statt. Hiermit laden wir alle, die neugierig, interessiert und offen für die aktuellen mediendokumentarischen Themen sind, herzlich ein!

Zum Programm: Die Tagung eröffnet Prof. Karin Bjerregaard Schlüter (Universität der Künste Berlin) mit dem Thema „Der digitale Wandel und sein Einfluss auf die Bedeutung, die Aufgaben und die Arbeit von Medienhäusern“. Direkt im Anschluss und über die Mittagspause hinweg folgt die erste Session mit "Agile Organisation und Entwicklung", einem der Tagungsschwerpunkte. Am Dienstag geht es nach der Verleihung des Marianne-Englert-Preises und dem Thema "Technische Innovationen" weiter. Am Mittwoch werden Ausblicke auf „Musik und Dokumentation“ und „Neue Rollen und neue Workflows“ die diesjährige Frühjahrstagung abrunden.

Wie immer erwartet Sie nicht nur ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm, es gibt auch immer Gelegenheit, sich mit Kolleg:innen auszutauschen. Wir bedauern sehr, dass wir Ihnen in diesem Jahr keine analogen Führungen und keine Treffen mit Kaffee und Kuchen anbieten können, freuen uns aber, Sie zu einem virtuellen Gesellschaftsabend einzuladen. Lassen Sie sich überraschen!
W i c h t i g: Die Tagungsanmeldung muss wie immer online erfolgen. Bei Fragen zur Anmeldung wenden Sie sich bitte an Hiltrud Lehmkühler (buero@vfm-online.de). Die Anmeldung inklusive Bestätigung zum Ausdrucken finden Sie ab sofort unter
vfm-online.de/tagungen/2021

Vor der Tagung bieten wir Unterstützung an, den Onlinezugang zu testen. Weitere Informationen rund um die Tagung, Hinweise zur Technik und natürlich das Tagungs A-Z finden Sie nach erfolgreichem Login auf unserer Homepage.

Ein großer Dank geht an das Programmkomitee für die Themenfindung und Gewinnung der zahlreichen Referent:innen.

Der Vorstand des vfm und ich freuen sich darauf, Sie wiederzusehen und natürlich auch auf die Teilnehmer:innen, die zum ersten Mal dabei sein werden.

Herzliche Grüße Mario Müller, Vorsitzender des vfm

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