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Open Password - Mittwoch, den 3. März 2021

# 894
Open Science Conference – Open Science – Corona-Krise – Corona-Ausbruch – Meet-the-Speaker-Sessions – Chat-Funktion – David Patrician – Klaus Tochtermann – ZBW – The New Normal – Ana Perisic – UNESCO – Internationale Standards – Stakeholder – Empfehlungen – Vanessa Proudman – SPARC Europe – Infrastruktur – Danielle Cooper – Ithaka S+R – Bottom-Up-Gemeinschaften – Data Communities – Verfügbarkeit von Studienergebnissen – Celine Heinl – Verfügbarkeit von Studienergebnissen – Bundesanstalt für Risikobewertung – Tierversuche – Registrierung – Transparenz – Forschungsanreize – Forschungsevaluation – Hilary Hanahoe – Research Data Alliance – Best-Practice-Initiativen – Preprints – Peer-Review-Verfahren – Klimakrise – Zwei-Klassen-Wissenschaft – Zenodo



Open Science Conference

Open Science is here to stay

Die 8. Open Science Conference (OSC) fand online mit mehr als 380 Teilnehmenden aus über 30 Ländern statt. Wie viele Konferenzen derzeit beschäftigte sich auch diese mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, hier mit dem Fokus, wie Open-Science-Praktiken bei der Überwindung dieser und anderer Krise helfen können.

Von Jasmin Schmitz, schmitz [minus] jasmin [AT] web [PUNKT] de
Im März letzten Jahres fand die Konferenz noch als eine der letzten als Vor-Ort-Veranstaltung statt. Dabei musste der zweite Konferenztag abgesagt werden, weil das Land Berlin noch am Abend des ersten Tages beschlossen hatte, dass mit sofortiger Wirkung Veranstaltungen dieser Art nicht mehr durchgeführt werden dürfen. In diesem Jahr wurde die Tagung frühzeitig direkt als Online-Veranstaltung geplant und fand vom 17.-19. Februar statt.

Bestandteil des Programms [1] waren in diesem Jahr Vorträge von Open-Science-Expertinnen und -Experten aus Governance und Praxis sowie eine virtuelle Postersession. Um für möglichst viel Interaktion zu sorgen und um den Verlust der informellen Gespräche während der Pausen zu kompensieren, gab es die Möglichkeit zum Austausch mit den Referentinnen und Referenten im Rahmen von virtuellen „Meet-the-Speaker-Sessions“. Davon wurde viel Gebrauch gemacht. Während der Vorträge konnten über eine Art Chat-Funktion Fragen gestellt werden, wobei sich diese durch die Konferenzteilnehmenden priorisieren ließen. Auch diese Möglichkeit wurde rege genutzt. Souverän moderiert wurde die Konferenz durchgängig vom Wissenschaftsjournalisten David Patrician, der für eine entspannte und enthusiastische Atmosphäre sorgte und nicht müde wurde, allen Referentinnen und Referenten gebührenden digitalen Applaus zu spenden.

In seiner Eröffnungsrede betonte Klaus Tochtermann (ZBW), dass es nun darum ginge, Open Science als „the new normal“ zu etablieren. Es sei eine Besonderheit, mit welcher Geschwindigkeit – im Vergleich zu anderen Entwicklungen bei den wissenschaftlichen Rahmenbedingungen – sich Open Science durchsetzen konnte.

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Internationale Konsensbildung
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Ana Persic (UNESCO) stellte in ihrem Vortrag „Building a Global Consensus on Open Science – the future UNESCO Recommendation on Open Science” die Empfehlungen der UN-Organisation vor. Diese sollen sicherstellen, dass Wissenschaft mit Open Science in einer transparenten, inklusiven und demokratischen Weise transformiert wird, so dass alle Mitgliedsstaaten davon profitieren. Ziel sei es, ein gemeinsames Verständnis von Open Science zu entwickeln, Zusammenarbeit zu fördern und zu klären, wie in Infrastruktur und Kompetenzbildung investiert werden kann, um den Kulturwandel zu ermöglichen, und welche Anreizstruktur es hierzu bedarf. Angesichts einer starken Fragmentierung von Open Science – sowohl disziplinär als auch den Grad der Umsetzung der einzelnen Komponenten betreffend – brauche es der Setzung internationaler Standards und eine Institution, die die Stakeholder zusammenbringen könne. Die Empfehlungen der UNESCO stellen ein Instrument dar, die Legislative in den Mitgliedsländern zu beeinflussen. Nach einer globalen Konsultation flossen die Vorschläge aus den Mitgliedsstaaten in einen ersten Entwurf, der erneut kommentiert werden konnte [2]. Ende März 2021 wird es eine zweite Version geben, in der die weiteren Kommentare der Mitgliedsstaaten einfließen werden.
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Infrastruktur als zentrales Element
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Der Vortrag von Vanessa Proudman (SPARC Europe) mit dem Titel „In a locked-down-world: how can we continue to support Open Science to ensure immediate digital access to research to those who need it?“ stellte das Thema “Infrastruktur” in den Vordergrund und wie der Betrieb von einmal aufgebauten und etablierten Open-Science-Diensten nachhaltig sichergestellt werden kann. Ziel sollte sein, dass diese Dienste von der Wissenschaftsgemeinschaft getragen, vernetzt und zukunftsfähig angeboten werden. Das Papier „Scoping the Open Science Infrastructure Landscape in Europe“ [3] von SPARC Europe zeichnet die aktuelle Infrastrukturlandschaft auf und stellt mehrere Modelle vor, wie ein nachhaltiger Betrieb sicherzustellen ist. Fördergeber und weitere Stakeholder werden ermuntert, weiter in den Aufbau und die Erhaltung relevanter Infrastrukturen zu investieren.

Der Vortrag von Danielle Cooper von der Ithaka S+R zum Thema „Data Communities: Data Sharing from the Ground Up“ stellte als Ergebnis mehrerer Studien dar, dass der Austausch von Forschungsdaten ein sozialer Prozess ist und sich nicht nur innerhalb einer Disziplin oder zwischen bestimmten Institutionen ereignet. Vielmehr bilden sich fächerübergreifende Bottom-up-Gemeinschaften heraus, innerhalb derer bestimmte Typen von Daten ausgetauscht werden und die die Rahmenbedingungen für das Teilen von Daten für sich definieren. Um diesen Austausch zu fördern und effizient zu gestalten, brauche es gleichfalls eine spezifische Infrastruktur, die auf die Bedarfe der jeweiligen „Data Community“ zugeschnitten ist und technische Barrieren verringert.

Ein zentraler Themenkomplex bei der Diskussion um Open Science ist das Thema „Verfügbarkeit von Studienergebnissen“. Céline Heinl vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte in ihrem Beitrag „Preregistration - How to bring transparency into animal research“ das Register animalstudyregistry.org [4] vor. Dort werden Studien registriert, die mit Versuchstieren arbeiten. Untersuchungen belegen, dass – je nach Art der Erhebung – zu lediglich 50-68% der Studien, die mit Versuchstieren arbeiten, Ergebnisse publiziert werden. Diese Zurückhaltung bei der Veröffentlichung von Ergebnissen widerspricht dem ethischen Prinzip, dass Tierversuche nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn ein maßgeblicher Erkenntnisgewinn zu erwarten ist. Eine Registrierung trägt mindestens insoweit zur Transparenz bei, als die Durchführung entsprechender Forschungen dokumentiert und eventuelle Doppelforschung vermieden wird. Im Idealfall führt diese Registrierung auch zur Publikation von Ergebnissen, weil Forschende sich verpflichtet fühlen, ein Projekt entsprechend abzuschließen. Zudem sorgt eine Vorabregistrierung dafür, dass Forschung reproduzierbarer wird, weil nachträgliche Änderungen am Studiendesign dokumentiert werden müssen und die Auswahl von Daten, die zu der zu prüfenden Hypothese passen, oder eine nachträgliche Anpassung von Hypothesen an die gewonnenen Daten erschwert werden.
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Schaffung von Anreizen und Forschungsevaluation
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Ein weiterer wesentlicher Faktor bei der Durchsetzung von Open-Science-Prinzipien ist die Schaffung von Anreizen für Forschende und für ihre Einrichtungen. Zudem wurde deutlich, dass die bisherigen Instrumente der Forschungsevaluation wenig geeignet sind, Open Science zu messen. Hierzu stellte Clifford Tatum von der Universität Leiden in seinem Vortrag „Opportunities and obstacles on the way to full Open Scholarship“ das Instrument „Openness Profile“ vor, mit der sich offene Wissenschaft auf individueller Ebene dokumentieren und messbar machen lässt [5].

Der Vortrag von Hilary Hanahoe von der Research Data Alliance stellte ein „Open Science Rewards and Incentives Registry“ vor [6], in der Best-Practice-Initiativen unter anderem auf institutioneller Ebene gesammelt werden, die konventionelle Anreizstrukturen aufbrechen und durch neue Anreize ersetzen, welche die Openness in den Mittelpunkt stellen.
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Paneldiskussion zum Thema “Open Science in a Time of Global Crises”
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In der Paneldiskussion zum Abschluss der Konferenz wurde den Fragen der Konferenzteilnehmenden viel Raum gegeben. Wiederum wurde gefragt, wie sich mit Hilfe von Open Science gegenwärtige Krisen überwinden lassen. Zentrale Ergebnisse lauten:

  • In der wissenschaftlichen Kommunikation haben sich Preprints als eine Möglichkeit etabliert, Forschungsergebnisse schnell zu teilen. Hierbei zeigt sich allerdings, dass die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft verbesserungsbedürftig ist. Insbesondere müssen Preprints deutlich als nicht- begutachtete Literatur gekennzeichnet werden, um in Medien und breiter Öffentlichkeit keine übertriebenen Erwartungen zu wecken. In der Wissenschaft sollte sich eine neue Kultur im Umgang mit Preprints herausbilden – neu insoweit, als es für viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ungewohnt ist, Gutachten öffentlich zu machen bzw. Ergebnisse öffentlich zu kommentieren. Denn die bislang dominierenden Peer-Review-Verfahren finden weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
  • Die Panelteilnehmenden waren sich einig, dass die Zeiten für die Durchsetzung von Open Science nie besser gewesen sind. Denn mittlerweile verstehen auch die Skeptiker, welche Vorteile diese Öffnung hat und dass sich Krisen wie diese auch nur interdisziplinär, international und unter Beteiligung einer breiten Öffentlichkeit lösen lassen. Ziel muss sein, bereits etablierte Open-Science-Praktiken zu verstetigen und auszubauen. Dabei müssen die Herausforderungen klar benannt, einzelne Aspekte nicht isoliert voneinander betrachtet sowie anerkannt werden, dass es fachliche und communityspezifische Diversitäten gibt. Auch kosten Open-Science-Praktiken Mühe und Zeit – Kosten, die nicht verschwiegen werden dürfen. Insgesamt befindet sich die Wissenschaft mit Blick auf Open Science in einem Lernprozess, in dem sie herausfindet, welche Praxis zu welcher Disziplin am besten passt. Auch dieser Prozess benötigt eine längere Zeit. Insgesamt hat Open Science aber das Potenzial, zu einem Dialog und Konsens stiftenden Element zwischen den Disziplinen und zwischen Wissenschaft und Praxis zu werden.
  • Eine weitere Erkenntnis ist in der Pandemie deutlich zu Tage getreten: Wissenschaft ist nicht statisch, sondern ein Prozess, und kann nicht allein am Output gemessen werden.
  • Es ist unerlässlich, die Herausforderungen der Pandemie und der Klimakrise global anzugehen. Ziel muss sein, die Kluft zwischen Ländern zu verkleinern und Unterschiede im Blick zu behalten. Open Science darf nicht zu einer Zwei-Klassen-Wissenschaft führen, bei der diejenigen erneut im Vorteil sind, die über die meisten Ressourcen verfügen.
Auch für das kommende Jahr ist eine Open Science Conference geplant. Klaus Tochtermann stellte als Möglichkeit eine hybride Veranstaltung, die die Vorteile von Vor-Ort- und einer Online-Veranstaltungen vereint, in Aussicht. Entsprechende Konzepte werden in den kommenden Monaten erarbeitet.
Folien zu den Vorträgen und Poster werden auf Zenodo abgelegt [7].
Links:
[1] https://osc2021.cventevents.com/event/edaaff56-a01b-4d78-8041-ac2b1aab00be/websitePage:645d57e4-75eb-4769-b2c0-f201a0bfc6ce?environment=production-eu
[2] https://en.unesco.org/science-sustainable-future/open-science/recommendation
[3] http://doi.org/10.5281/zenodo.4159838
[4] https://www.animalstudyregistry.org/asr_web/index.action
[5] https://www.knowledge-exchange.info/event/openness-profile
[6] https://openscienceregistry.org/
[7] https://zenodo.org/communities/osc2021?page=1&size=20


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