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Open Password - Montag,
den 3. August
2020

# 798

„Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!“ – ZB MED – Open Password – Dietrich Rebholz-Schuhmann – Nationaler Knotenpunkt – National Library of Medicine – Aufgaben-Erfolgs-Bilanz – Willi Bredemeier - Anne Christensen – Miriam Albers – Positionierung – Bielefeld Institute für Bioinformatics Infrastructure – Deutscher Bibliotheksverband – Open Access – Living Handbooks – Publisso – Informationsversorgung der Fachgemeinschaften – Langzeitarchivierung – Informationsinfrastrukturen – Informationskompetenz – Datengetriebene Forschung – Forscher – Informationswissenschaftler – UBs – Lernende und Studierende – Praxis - Corona-Kommunikation – Bundesregierung Deutschland – Universität Hohenheim – clavis – Landesregierungen – Frank Brettschneider – Hohenheimer Verständlichkeitsindex – Finanzministerium – Auswärtiges Amt – Bundesregierung Österreich – Krisenkommunikation – Ulrich Müller – Kerstin Keller – Schachtelsätze – FAQs - Fachsprachen

„Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?“!
- Eine Veranstaltung der ZB MED und von Open Password


Dietrich Rebholz-Schuhmann

Nationaler Knotenpunkt für Informationen
und Daten in den Lebenswissenschaften

Elf Aufgabenbereiche nach Forderungen des DBV und Vorbildfunktionen der NLM

In sieben Aufgabenbereichen erfolgreich,
vier weitere in Angriff genommen

Von Willi Bredemeier
DEU, Köln, 20.05.19: ZB MED
Dietrich Rebholz-Schuhmann

Ist die ZB MED ein Forschungsinstitut oder eine wissenschaftliche Bibliothek mit klassischen Aufgaben (wie die Universitätsbibliotheken)? Sie ist beides. Solches wurde seitens der Leibniz-Gemeinschaft vor mehreren Jahren in einer „stillen Revolution“ durchgesetzt. Dies rief einige Kritik hervor, schon weil dieser radikale Kurswechsel kaum publiziert und debattiert wurde und im Zuge des Transformationsprozesses die ZB MED und weitere Einrichtungen in schwere Fahrwasser gerieten. Aber ist es denn so, dass angewandte Forschung und die Erfüllung klassischer bibliothekarischer Aufgaben fruchtbare Synergien entfalten (können), und wenn ja, inwieweit und in welchen Bereichen geschieht das und was mögen die besten Rahmenbedingungen sein, um diese Wünsche zu erfüllen? Das ist eine entscheidende Frage, unter anderem für die ZB MED, die zuletzt wieder Tritt gefasst hat.

Es mochte daher naheliegen, dass der wissenschaftliche Direktor der ZB MED, Prof. Dr. Dietrich Rebholz-Schuhmann, den Titel seines Referates und sein Fazit zum Schluss beinahe in die gleichen Worte fasste – Titel: „Das forschende Informationszentrum und seine lebenswissenschaftliche Bibliothek auf Augenhöhe“ – Schlussfazit: „Zentrale Fachbibliothek und forschendes Informationszentrum sind ein Dreamteam. Zentrale Fachbibliothek und Forschungsinstitut für Datenwissenschaften arbeiten Hand in Hand und auf Augenhöhe.“

Im vorangegangenen Referat hatte Anne Christensen dafür plädiert, die „Deformation professionelle“ in Bibliotheken möglichst nicht auf neue Mitarbeiter mit nicht-bibliothekarischen Kompetenzen auszuweiten. Mit Rebholz-Schuhmann, der mittlerweile seit knapp zwei Jahren in einem bibliothekarischen Umfeld arbeitet, versprach Moderatorin Miriam Albers nunmehr einen Referenten, der noch nicht „einbibliothekariert“ sei und als Bioinformatiker und Datenanalytiker neue Sichtweisen verspreche. Er sei auch Arzt, korrigierte Rebholz-Schuhmann leicht und habe insoweit sehr wohl zu Beginn einen Bezug zur ZB MED gehabt. In den letzten zwei Jahren sei es mit vielen neuen Mitarbeitern und dem Aufbau der Forschung bei der ZB MED zur Zusammenlegung vieler Kompetenzen gekommen, was naturgemäß nicht ganz ohne Reibungsverluste möglich gewesen sei. Mittlerweile sei es aber möglich, grundsätzliche Fragen zur Positionierung und Zukunft der ZB MED zu stellen und vorläufig zu beantworten: „Welche Aufgaben und Rollen übernimmt ZB MED künftig in der nationalen Informationsversorgung in Deutschland?“ „Welche Ziele erfüllt die gemeinsame Strategie zwischen ZB MED und dem Bielefeld Institute for Bioninformatics Infrastructure“ in der sich gegenwärtig im Aufbau befindenden Allianz? „Wie richten sich ZB MED / BIBI auf die Forschenden aus?“
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Positionierung der ZB MED in der nationalen Informationsversorgung
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Grundlage der Positionierung der ZB MED ist das Strategie-Papier „Wissenschaftliche Bibliotheken 2025“ des Deutschen Bibliotheksverbandes, in dem dieser darstellt, wie sich die überregionale Informationsversorgung darstellen sollte. Hinzu kommt als Benchmark-Einrichtung für die ZB MED die National Library of Medicine (USA).

Der DBV verlangt mit Blick auf die überregionale Informationsversorgung für Fachgemeinschaften für das Jahr 2025:
  • eine Kooperation von Fachinformationsdiensten mit den drei zentralen Fachbibliotheken ZB MED, TIB und ZBW sowie weiteren nationalen und internationalen Fachinformationsanbietern;
  • Informations- und Medien-Hubs für zahlreiche Fachgemeinschaften;
  • digitale und gedruckte Medien mit hohem Spezialisierungsgrad sowie
  • Mehrwertdienste im nationalen und internationalen Kontext.
Die ZB MED hat daraus für sich acht Aufgabenbereiche abgeleitet:
  • Open Access/Lizenzen;
  • Publikationsdienstleistung;
  • Forschungsdaten;
  • Info-Versorgung Fachcommunities;
  • Langzeitarchivierung;
  • Digitalisierung
  • Scholarly Makerspaces sowie
  • Informationskompetenz.
Diese Aufgabenbereiche hat die ZB MED nach dem Vorbild der National Library of Medicine um drei weitere Aufgabenbereiche ergänzt:
  • datengetriebene Forschung;
  • enhanced dissemination sowie
  • Data Literacy – Weiterentwicklung des Data Librarian.
Wie weit ist die ZB MED mittlerweile mit Blick auf diese Anforderungen gekommen? Rebholz-Schuhmann listete elf Aufgabenbereiche auf und sprach in sieben Fällen bei den Forderungen des DBV und in einem Fall bei den Vorbildern der NLM von einer gelungenen Ausrichtung:
Forderungen des Bibliotheksverbandes
  • Open-Access-Angebote und Publikationsplattform („Living Handbooks“) sind verfügbar und werden weiter ausgebaut.
  • Die Publikationsplattform „Publisso“ ist verfügbar.
  • Informationsversorgung der Fachgemeinschaften – Hier läuft auch das Projekt „Versorgung einer Informationsinfrastruktur für Lebenswissenschaften, Onkologie“
  • Langzeitarchivierungsangebote werden erweitert – Aktive Mitarbeit und Bereitstellung von eigenen nachhaltigen Infrastrukturen in internationalen Netzwerken.
  • Digitalisierungsangebote werden ausgebaut – Verbreitung der hohen Standards und des Angebots an OCR-indexierten Digitalisaten.
  • Förderung der Informationskompetenz – Library and Data Carpentry Wokshops.
Vorbildaufgaben der NLM:
  • Datengetriebene Forschung
Hingegen gehören die folgenden vier Aufgabenbereiche zwar zur Strategie der ZB MED, sie wurden aber erst in Angriff genommen und man kann noch nicht von einer gelungenen Ausrichtung sprechen:

Forderungen des Bibliotheksverbandes:
  • Forschungsdaten, ein Treiber der Initiative „Nationale Forschungsdateninfrastruktur“;
  • Scholarly Makerspaces – Lesesaalanalysen, Nutzeranalysen und Zusammenarbeit mit Fachgesellschaften:
Vorbildaufgaben der NLM:
  • Data Literacy.
Welche Zielgruppen will die ZB MED mit ihren Diensten ansprechen und wie sollten diese im Einzelnen zielgruppenadäquat bedient werden? Das sind im Einzelnen:
  • Forschende: schneller Zugang zu den Literatur- und Datenquellen – sowohl lizenzierte Inhalte als auch Open Access – kombinierte Angebote von Literatur- und Forschungsdaten (PUBLISSO);
  • Multiplikatoren, zum Beispiel Informationswissenschaftler in den Fachpublikationen, die zum Teil in enger Abstimmung zum Beispiel mit den Hochschulbibliotheken bedient werden: Abstimmung von lizenzierten und lizenzfreien Zugängen zu Literatur- und Forschungsdatenquellen – Nutzung von programmatischen Lösungen von ZB MED – Training im Verbund, Open Educational Resources;
  • Lehrende und Studierende: Zugriffe auf Standardwerke, elektronische Zugriffe – Austausch mit den Forschenden bei ZB MED im Co-Working Space – Zusammenarbeit in Forschungsprojekten um die Informationsversorgung;
  • Anwender aus der Praxis: spezifische Angebote, zum Beispiel direkte Abstimmung der Angebote für Onkologie, Immunologie, Kardiologie und Ernährung.
Ein erstes Fazit von Rebholz-Schuhmann lautete: „ZB MED ist ein Information Hub für Daten und Datenanalysen in der Cloud: Wir sind der nationale Knotenpunkt für Informationen und Daten in den Lebenswissenschaften.“

Lesen Sie in der abschließenden Folge: Strategische Leitlinien der ZB MED – Die Allianz mit dem Bielefeld Institute for Information Infrastructure – Warum überhaupt und gegebenenfalls welche Forschung? – Was der Rechenschaftsbericht von Rebholz-Schuhmann leistet

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