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Open Password - Freitag,
den 12. Juni
2020

# 769


„Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!“ – Open Access – Bibliotheken – Elisabeth Simon – Helga Schwarz – APE – Dietrich Nelle – DFG – Großverlage – Herausgeber – Monopolisierung in der Wissenschaftskommunikation – Impact Factor – Wissenschaftlicher Nachwuchs – DEAL – Gegenmacht – Closed Shops – Faire Wissenschaftskommunikation – Herausgeber - Joachim C. Bartels – BIIA – Business Information Intelligence – Forschungsdatenmanagement – Universität Hildesheim – Coffee Lecture - Annette Strauch – Deloitte – Künstliche Intelligenz – Deutsche Unternehmen – Machine Learning – Deep Learning – Natural Language Processing – Computer Vision – AI as a Service – Data Scientists – AI Researcher – Projektmanager – Change Management – Amortisierung – Milan Sallaba – Mittelständische Unternehmen – Arbeitsplatzrisiko – Algorithmic Bias
„Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!“

Die Schattenseiten von Open Access

Die Bibliotheken sollten sich fragen,
welche Wissenschaftskommunikation
sie haben wollen,
und sich aktiv an ihrer Gestaltung beteiligen

Zu: Bibliotheken als Treiber der Aufklärung und Gestalter der Zukunft – Die bibliothekarische Funktion wird bleiben, aber in welcher institutionellen Lösung ist ungewiss, in: Open Password, 4. Juni

Elisabeth Simon auf der Buchmesse Buchg
Elisabeth Simon auf der Leipziger Buchmesse

Lieber Willi,

wieder herzlichen Dank für Password vom 4. Juni. Helga Schwarz (eine Password-Autorin, Red.) war gerade bei mir und du hättest zwei eifrige Password-Leserinnen gefunden, wobei ich ihr erklären musste, warum ich die Überschrift „Bibliotheken als Treiber der Aufklärung ...“ besonders gut fand.

Dabei kam mir zugute, dass Du mich immer als Berichterstatterin zu den APE-Konferenzen geschickt hast und ich den ganzen Kampf in der sogenannten Zeitschriftenkrise miterleben durfte und auch dabei war, als eine große Unruhe ausbrach, als der Referent der DFG vorrechnete, dass ein Wechsel der Bezuschussung von den Verlagen direkt zu den Wissenschaftsgesellschaften preiswerter sei. Auch dabei ging es wie jetzt in dem Vortrag von Nelle um die großen Wissenschaftsverlage und die in erster Linie naturwissenschaftlichen Zeitschriften), die ihre Preise in den letzten Jahren so anhoben, dass die Bibliotheken sie nicht mehr bezahlen konnten. Damit wurden die Großverlage aus finanzieller Sicht zu den großen Gewinnern eines Publikationsprozesses, in dem die Wissensproduktion von Bund und Ländern und der Wissenskonsum von den Bibliotheken finanziert wurde (so sie noch konnten). Hiergegen erhob sich letztlich Widerstand und entstand die Open-Access-Bewegung und wurde in Niedersachsen sogar ein Erwerbungsverbot dieser Zeitschriften ausgesprochen.

Es wäre nun zum Verwundern, wenn Open Access nicht auch seine Schattenseite hätte oder bekommen könnte. Als die finanzielle Herrschaft der Großverlage noch nicht angeprangert wurde, gab es einen zweiten großen Gewinner, nicht in finanzieller Sicht, wohl aber innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft, nämlich die Herausgeber, die sich die Großverlage für ihre einzelnen Zeitschriften zulegten. Diese hatten die entscheidenden Positionen inne, wo zumindest indirekt (zum Beispiel über die Auswahl von Gutachtern) entschieden wurde, ob ein eingereichter wissenschaftlicher Beitrag angenommen oder abgelehnt wurde. Da es für manche wissenschaftliche Themen nur eine Zeitschrift gab, die für eine Veröffentlichung infrage kam, oder zumindest ein eindeutiges Ranking der Zeitschriften innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft bestand, lagen Monopolisierungstendenzen nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch in der Wissenschaftskommunikation nahe. Diese Tendenzen wurden durch die Orientierung der Wissenschaftspolitik an den Impact Factor verstärkt, der zumindest die angelsächsischen Autoren privilegierte bzw. eigentlich fremdsprachige Autoren dazu zwang, in der englischen Sprache zu publizieren, wenn sie im internationalen Wissenschaftsbetrieb eine Chance haben wollten. Schon damals wurde nicht ohne Grund von jungen Wissenschaftlern beklagt, dass sie kaum eine Chance hatten, im Wissenschaftsbetrieb nach oben zu kommen, schon gar nicht, wenn sie mit innovativen Ansätzen den Altherrenriegen in den Editorial Boards widersprachen. Zum Impact Factor und zumindest seine Ergänzungsbedürftigkeit ist mittlerweile ausreichend Kritisches gesagt worden.

Das DEAL-Projekt, das die Monopole der Großverlage durch den Aufbau von Gegenmacht ein Stück weit zu relativieren verspricht, und parallel dazu die Möglichkeiten des Open Access sind wunderschön und ich bin sicher, dass viele Wissenschaftler sehr froh sind, ohne viel Administration an die Ergebnisse zu kommen, die sie lesen und nutzen wollen. Aber sind die Gefahren, dass sich die Wissenschaftsgemeinschaften zu Closed Shops entwickeln, behoben? Sie sind mindestens gleich geblieben wenn nicht größer geworden, wenn man daran denkt, dass die Finanzierung von Forschungsprojekten und die Finanzierung der erzielten Ergebnisse in den Händen der gleichen Zirkel, im Grenzfall sogar bei denselben Wissenschaftlern liegt. Wurde die Wissenschaftskommunikation mit Open Access fairer gestaltet? Sind die Chancen wissenschaftlicher Kreativität und die des wissenschaftlichen Nachwuchses mit Open Access größer geworden? Wie ist es um die weltweite Verteilung von Chancen in der Wissenschaftskommunikation bestellt? Müssen die chinesischen Wissenschaftler erst an uns vorbeiziehen, bis die internationale Scientific Community sie zur Kenntnis nimmt?

Die wissenschaftlichen Bibliotheken, die zuvörderst die wissenschaftlichen Zeitschriften kaufen, erhalten ihre Fonds nicht, um zu abonnieren und ansonsten zu schweigen und vielleicht noch einen komfortablen Zugang zu gewähren. Vielmehr sollten sie sich fragen, welche Wissenschaftskommunikation sie haben wollen und aktiv an der Gestaltung der Wissenschaftskommunikation partizipieren, beispielsweise zur Sicherstellung einer fairen Verteilung von Publikationschancen und einer Offenheit für Kreativität und Innovation. Die Bibliotheken verfügen durchaus über Marktmacht, wenn sie sich nur zusammenschließen würden, was ja, wie das Projekt DEAL gezeigt hat, möglich ist. Sie müssten sie nur auch in anderer Hinsicht nutzen wollen.

Herzliche Grüße Elisabeth Simon, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin

15 Jahre BIIA


11,000 Articles in the Database
New Hallmark „Business Information Intelligence“

Joachim C. Bartels, mehrfacher Interviewpartner von Open Password und Gründer und Geschäftsführer der BIIA (Business Information Industry Association), dem internationalen Partner von Open Password, nachdem ihm Open Password zum 15-jährigen Bestehen der BIIA gratuliert hatte:

Time flies. Some wise man in the industry gave me five years with BIIA. Now BIIA is 15 years old and still going strong. We have over 11,000 articles on our database. One of our member said our new hallmark was business information intelligence.



3. Coffee Lecture Uni Hildesheim

Wo publizieren, wenn kein Repositorium da ist?

Lieber Herr Bredemeier,

die 3. Coffee Lecture war gestern mit 65 Personen auch wieder erfolgreich.

Thema war das Data Sharing und damit verbunden die Repositorienfrage für Forschungsdaten.
In der abschließenden Diskussion nach der 20-minütigen Präsentation ging es um Empfehlungen zur Publikation, d.h. wenn noch nichts da ist, d.h. ein fachliches Repositorium oder ein eigenes an der Institution. Die Frage nach "Good-practice"-Beispielen für interdisziplinäre Forschungen und deren Datenveröffentlichung tauchte auf sowie Fragen zum Dataverse-Repositorium, bei dem generische Daten publizieren, für die es kein Fachrepositorium gibt. Verschiedene Metadatenstandards können erfüllt werden (-> FAIR, eher als insitutseigenes das auf closed-Bedürfnisse ausgerichtet ist).

Das neue Forschungsdaten-Repositorium in Hildesheim in Kooperation mit der GWDG in Göttingen basiert auf dem Open-Source-Programm Dataverse (Harvard University). Die Software ist seit Mitte Mai 2020 an der Stiftung Universität Hildesheim für das institutionelle Forschungsdaten-Repositorium im Einsatz. Mit Inkrafttreten des DFG-Kodex “Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis” zum 1. August 2019 müssen alle Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen die 19 Leitlinien rechtsverbindlich umsetzen, um Fördermittel durch die DFG erhalten zu können.

“Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlich zugänglich gemacht werden, werden die zugrunde liegenden Forschungsdaten (in der Regel Rohdaten) – abhängig vom jeweiligen Fachgebiet – in der Regel für einen Zeitraum von zehn Jahren zugänglich und nachvollziehbar in der Einrichtung, wo sie entstanden sind, oder in standortübergreifenden Repositorien aufbewahrt (Leitlinie 17).

Herzliche Grüße aus der Universitätsbibliothek Hildesheim, Annette Strauch

State of AI in the Enterprise

Künstliche Intelligenz wird Mainstream
in Deutschland

Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, kurz AI) ist keine Zukunftstechnologie mehr. Vor allem für deutsche Unternehmen ist AI zum Gegenwartsthema geworden. Das zeigen die Ergebnisse der mittlerweile dritten Deloitte-Umfrage unter rund 2700 AI-Experten aus insgesamt neun Ländern (Australien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Niederlande, USA), darunter 200 Experten aus deutschen Unternehmen. Hierzulande gaben 79 Prozent der Befragten an, Künstliche Intelligenz sei schon heute ein wesentlicher Faktor für einen nachhaltigen Geschäftserfolg.

AI ist im Mainstream angekommen. Engagieren sich große Unternehmen im Bereich künstlicher Intelligenz, werden meist auch alle vier Kernbereiche von AI-Technologie – Machine Learning, Deep Learning, Natural Language Processing und Computer Vision – genutzt. Sowohl in Deutschland als auch in den internationalen Vergleichsmärkten gaben über 90 Prozent der Befragten an, dass in ihren Unternehmen die vier Bereiche entweder bereits zur Anwendung kommen oder eine Nutzung in den kommenden Monaten fest geplant sei. Das zeigt, dass künstliche Intelligenz im Mainstream angekommen ist, bedeutet aber auch, dass sich Unternehmen mit AI gegenüber großen Wettbewerbern kaum noch einen Vorteil verschaffen können.

Deutsche Unternehmen engagieren sich mit AI stark im Finanzbereich. Die Anwendungsbereiche von AI sind vielfältiger geworden und gehen längst über den IT-Bereich hinaus. Hier gibt es allerdings länderspezifische Besonderheiten. So sind in Deutschland AI-Projekte im Finanzbereich deutlich verbreiteter als im Rest der Welt. 15 Prozent der deutschen AI-Experten gaben an, dass ihre Unternehmen hier aktiv sind, im Ausland sind es nur 7 Prozent. Dagegen besteht hierzulande Rückstand in den Bereichen Cyber Security und in Operations, und auch der klassische IT-Bereich wird in Deutschland seltener als Top-Anwendungsfeld genannt.

Nur 8 Prozent der deutschen Unternehmen entwickeln AI komplett selbst. Ein Trend, der sich bereits in der vorhergehenden Umfrage gezeigt hat, setzt sich weiter fort: Der Zukauf von externen AI-Kompetenzen und -Technologien ist für die Unternehmen von enormer Bedeutung. In Deutschland ist dieser Trend besonders ausgeprägt. Hierzulande geben 55 Prozent der Befragten an, AI überwiegend oder sogar vollständig extern zu kaufen. Nur 8 Prozent der Unternehmen entwickeln sie vollständig selbst. Die Zahlen bestätigen auch den globalen Trend zu „AI as a Service“ und die wichtige Rolle der externen Anbieter bei AI-Anwendungen.

Data Scientist, AI Researcher und Projektmanager dringend gesucht. Ein Grund dafür ist der Fachkräftemangel im Bereich AI. Für 27 Prozent der deutschen Experten ist die schwierige Suche nach ausreichend qualifizierten Fachkräften eine wesentliche Herausforderung beim Thema künstliche Intelligenz. Zwar fehlt es auch im Ausland an AI-Spezialisten, jedoch stehen für die Unternehmen dort andere Problemthemen wie beispielsweise Kosten stärker im Vordergrund. „Die Nachfrage nach AI-Fachkräften bleibt in Deutschland ungebrochen hoch“, erklärt Milan Sallaba, Partner und Leiter des Technology-Sektors bei Deloitte. „Schauen wir uns die gesuchten Jobprofile genauer an, zeigt sich, dass Data Scientists, AI Researcher und erfahrene Projektmanager noch genauso dringend gesucht werden wie im Vorjahr. Lediglich im Bereich Change Management ist der Bedarf um sieben Prozentpunkte zurückgegangen.“

Kurze Amortisationszeiträume: AI-Investitionen lohnen sich. Nach Einschätzung der befragten Experten amortisiert sich der überwiegende Teil der AI-Projekte in weniger als zwei Jahren. Deutsche Unternehmen gehen im globalen Vergleich sogar von einer kürzeren Amortisationsdauer aus. Die Zeitspanne, innerhalb der sich AI-Projekte bezahlt machen, hängt auch vom digitalen Reifegrad ab. Während Unternehmen, die gerade erste Erfahrungen mit AI sammeln, vielfach noch nach dem Prinzip „Trial & Error“ agieren, rechnen 42 Prozent der Befragten aus deutschen Unternehmen, in denen bereits umfassende AI-Kompetenzen vorhanden sind, sogar von Amortisationszeiträumen von weniger als einem Jahr. „Zu dieser Gruppe gehören nicht nur die großen Unternehmen, sondern auch der zukunftsorientierte Mittelstand“, sagt Milan Sallaba. „Im internationalen Vergleich ist der deutsche Mittelstand hier besonders gut aufgestellt und weiß meist genau, wie AI im Unternehmen gezielt Mehrwert bringen kann.“

Sorge um Arbeitsplatzverluste durch AI in Deutschland besonders ausgeprägt. Trotz ihrer technologischen und ökonomischen Bedeutung birgt Künstliche Intelligenz auch Risiken, die in ihren unterschiedlichen Ausprägungen immer wieder Gegenstand der öffentlichen Diskussion sind. Während in den acht Vergleichsmärkten Sicherheitsbedenken beim Einsatz von AI als größtes Risiko wahrgenommen werden (24 Prozent), sorgen sich deutsche Experten vergleichsweise stark um mangelnde Transparenz (23 Prozent), den Verlust von Arbeitsplätzen (22 Prozent) und den „Algorithmic Bias“, also eine systematische, unfaire Verzerrung durch die Anwendung von Algorithmen (16 Prozent).

Nachholbedarf beim Umgang mit den Risiken von AI. Bei der Frage nach konkreten Trainingsmaßnahmen zu Ethik oder dem Auditieren und Testieren von AI-Systemen liegen deutsche Unternehmen in sechs von sieben Kategorien zum Teil erheblich hinter dem internationalen Durchschnitt.

Keine Spur von „abgehängt“ und trotzdem gibt es Handlungsbedarf
Insgesamt belegen die Ergebnisse, dass Deutschland beim Thema AI im internationalen Vergleich gut dasteht. 70 Prozent der befragten Spezialisten gehen davon aus, dass künstliche Intelligenz das eigene Unternehmen und die zugehörige Branche weiter verändern wird.

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