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Open Password - Freitag,
den 19. Juni
2020

# 773


„Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!“ – ZB MED – Open Password – Marvin Lanczek ZBIW – Konrad Förstner – Grundverständnis – Zertifikationskurs – Lebenslange Weiterbildung – Willi Bredemeier – Wissenschaftliche Bibliotheken – Neue Handlungsfelder – Paradigmenwechsel – Qualifikationsanforderungen – Data Science – Data Librarian – TH Köln – Blended Learning – Corona – Moodle – Flipped Classroom – GitHub – Informatik – Library Carpentry - LexisNexis - Korruptionsbekämpfung – ISO 37001 – Jean-Pierre Mean – Compliance – KYC – Massenlistenprüfung - Tony's Chocolonely - Antonio Guterres – Corona – Weltweiter Waffenstillstand – Checkliste Datenintegration



„Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!“
- Eine Veranstaltung der ZB MED und von Open Password


Marvin Lanczek (ZBIW) und Konrad Förstner (ZB MED)

Grundkompetenzen für
neue bibliothekarische Aufgaben

Zertifikationskurs als erster Schritt
im selbstbestimmten Prozess
einer lebenslangen Weiterbildung

Von Willi Bredemeier

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Konrad Förstner

Wissenschaftliche Bibliotheken stehen vor neuen Herausforderungen und dringen in neue Handlungsfelder wie Big Data, Open Science, Open Access, Open Educational Resources, Forschungsdaten und Forschungsdatenmanagement vor. Sie befinden sich mitten in einem Paradigmenwechsel und müssen sich in ihm bewähren.
In dieser Situation sind an die Mitarbeiterteams veränderte Qualifikationsanforderungen zu stellen. Folgende Unterscheidung zwischen zwei bibliothekarischen Gruppen mit Qualifizierungsbedarf erscheint plausibel:
  • Erstens geht es um die Rekrutierung von Mitarbeitern, die weitgehend neue Fähigkeiten mitbringen.
  • Zweitens sollten die seit längerem in der Bibliothek tätigen Mitarbeiter angesprochen werden, die mindesten ein Grundverständnis für die neuen Handlungsbereiche erwerben sollten, schon um mit den neuen Mitarbeitern effektiv zusammenarbeiten zu können. Als Beispiel für die zweite Gruppe wurde auf der Fachtagung „Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken?!“ in Trägerschaft von ZB MED und Open Password der Verwalter von Software genannt, der Hintergründe und Zusammenhänge besser verstünde, wenn er selbst schon einmal ein paar Zeilen Code geschrieben hätte.
Viele Hochschulen haben mittlerweile nach etlichem Zögern auf die neuen Bibliotheksbedarfe für die an erster Stelle genannte Gruppe reagiert und neue Studiengänge in Data Science oder zum Data Librarian entwickelt. Auch die TH Köln macht mittlerweile erste Angebote hierzu.

Was ist mit der zweiten Gruppe? Klar ist, dass sich die zu vermittelnden Inhalte zum Teil überlappen, aber Programme für beide Gruppen müssen sich in der Tiefe, in der Herangehensweise und im zeitlichen Aufwand unterscheiden. eranHMarvin Lanczek vom ZBIW und Konrad Förstner von der ZB MED stellten dazu auf der Fachtagung den Zertifikationskurs Data Librarian für die zweite Gruppe vor. Während Lanczek als Bibliothekar für die Weiterbildungsprogramme des ZBIW zuständig ist, ist der Bioinformatiker und Leiter der Informationsdienste an der ZB MED, Prof. Konrad Förstner, zugleich in der informationswissenschaftlichen Lehre an der TH Köln tätig und besetzt somit eine Schnittstelle zwischen Bibliothek und Forschung. Der von Lanczek und Förstner entwickelte Zertifikationskurs soll ein Set an Fertigkeiten vermitteln, das auf den aktuellen Bedarf wissenschaftlicher Bibliotheken abgestimmt ist und möglichst auch in fünf Jahren noch gilt. Ziel des Kurses ist, Beschäftigte in wissenschaftlichen Bibliotheken ein Stück weit datenkompetent zu machen. Es soll ein Grundverständnis für die erforderlichen Fähigkeiten vermittelt werden sowie „die Fähigkeit, selbstständig Themen zu vertiefen.“

Zielgruppe des Zertifikationskurses sind also nicht die neuen Mitarbeiter der Bibliotheken, die neue Kompetenzen in die Bibliotheken tragen und die über die neuen Studiengänge an den Hochschulen angesprochen werden. Zielgruppe sind vielmehr jene Bibliotheksmitarbeiter, die ein Grundverständnis für die neuen bibliothekarischen Handlungsbereiche erwerben und sich vielleicht später dort etablieren möchten. Lanczek und Förstner grenzten diese wie folgt ab: „Der Kurs richtet sich an Beschäftigte aus wissenschaftlichen Bibliotheken, die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung in Bibliotheken nutzen bzw. umsetzen wollen und in der Lage sein möchten, den Herausforderungen entgegen zu steuern. Die Zulassung erfordert eine einschlägige Berufsausbildung bzw. einen Hochschulabschluss sowie mindestens ein Jahr Berufsausbildung. Es werden keine speziellen Vorkenntnisse vorausgesetzt.“ Wer sich anmelde, solle seine Motivation darlegen, warum er den Zertifikationskurs zum Data Librarian besuchen wolle. Dieses Schreiben sei ein weiteres Kriterium für die Auswahl der Teilnehmer. Damit unterbreiten die beiden Weiterbildungsanbieter ein niedrigschwelliges Angebot.

Der erste Durchgang, bestehend aus sechs Modulen mit einer Gesamtzeit von 210 Stunden im Rahmen eines Blendend-Learning-Angebots, wurde im November 2019 begonnen und geht bis in den Juni. Das von vornherein so gewählte Blended-Learning-Format erwies sich in Pandemie-Zeiten als ausgesprochen nützlich, da die E-Learning-Unterlagen gleich zu Beginn ausgehändigt worden waren und zu Hause online und offline einfach weitergelernt werden konnte und sollte.

Der Zertifikationskurs sollte maximal 14 Teilnehmer umfassen. Tatsächlich meldeten sich zum ersten Kurs an die vierzig Bibliothekare an, was für ein größeres Interesse am Zertifikationskurs spricht. Die Kommunikation mit den Teilnehmern sollte im Moodle-Kursraum des ZBIW stattfinden. Die Teilnehmer hatten ihren eigenen Laptop vorinstalliert mitzubringen. Diese im Kursraum durch Kursmaterialien, Links und Einrichtungsinstruktionen zu den weiteren Lernumgebungen aufgestockte Lernumgebung wurde dann auch zu Hause benötigt. Der Kurs endet mit dem Erwerb eines ECTS-Zertifikats. Alternativ soll eine ausführliche Teilnahmebescheinigung ausgefertigt werden.

Die Präsenzveranstaltungen des Blended-Learning-Angebots sollten zu Beginn und zum Abschluss des Zertifikationskurses stattfinden. Das erste Modul („Hands on“) fand dreitägig statt. Die Abschlussveranstaltung soll eintägig sein und aus den Projektpräsentationen der Teilnehmer bestehen. Für die Module 2 bis 5 wurde nach dem Prinzip des „Flipped Classroom“ verfahren, das heißt, es wurden in einem ersten Schritt Lehrvideos und weitere Materialien bereitgestellt sowie Aufgaben erteilt. Zum Abschluss soll eine Präsenzveranstaltung mit Austausch und Diskussionen stattfinden. Es war vorgesehen, dass die Teilnehmer Peergroups bilden und beispielsweise gemeinsam auf GitHub arbeiten.

Auch wenn klassische bibliothekarische Themen wie „Daten strukturieren – beschreiben – wiederauffinden“ behandelt wurden, wurde großer Wert daraufgelegt, diese frisch aufzubereiten. Der Stand des Vorwissens der Teilnehmer wurde berücksichtigt. Auf besondere Wünsche der Teilnehmer wurde eingegangen, beispielsweise bei der Auswahl des Themas der Abschlussarbeit. Die Teilnehmer wurden im teilweisen Gegensatz zur bibliothekarischen Praxis ermuntert, auch mal drauflos zu experimentieren, Hemmschwellen etwa vor der Informatik abzubauen und keine Angst davor haben, Fehler zu machen. Letztlich sollten die Teilnehmer fähig gemacht und ermuntert werden, den Zertifikationskurs als einen ersten Schritt anzusehen, die eigene Weiterbildung in die eigenen Hände zu nehmen und sich selbstbestimmt in einem kontinuierlichen Prozess durch ein lebenslanges Lernen zu steuern. Dabei sei klar, dass Konzepte ein längeres Leben haben als Anwendungen und Tools.
Im Folgenden die Titel und Themen der einzelnen Module:
Marvin Lanczek
Marvin Lanczek

Modul 1: Hacken und Experimentieren mit Daten
  • Einstieg Library Carpentry (Live-Coding, Hands-on)
  • Konzepte und Praxis für Daten- und Informationssstrukturen
Modul 2: Daten strukturieren – beschreiben – wiederauffinden
  • Datenbanksysteme und Metadaten
  • Automatische Erschließung
  • Suchmaschinentechnologie, Retrieval und weitere Services
Modul 3: Daten analysieren und darstellen
  • Statistik
  • Datenvisualisierung
  • Machine Learning / Künstliche Intelligenz
Modul 4: Forschungs(daten)prozess verstehen und unterstützen
  • Forschungsdaten / Forschungskreislauf
  • Publizieren
  • Bibliometrie
Modul 5: Nachhaltig und verantwortlich handeln im Umgang mit Daten
  • Lizenzen (Open Access, Open Data, Open Source)
  • Ethische Aspekte
  • Langzeitarchivierung
Modul 6: Projektmodul / Abschlussarbeit / Projektpräsentation

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