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Open Password - Montag, den 19. Oktober 2020

#840

Transformation der Informationsmärkte – Nutzungsfreiheit – Rainer Kuhlen – De Gruyter – Article Processing Charges - Urheberrecht - GBI-Genios – Steilvorlagen 2020 - elasticsearch - TILASTO – Sage Publications – Merklisten-Verwaltung - wiso
Dun & Bradstreet – BIIA – Germany – BIIA – Experian - Bonnier Affarsinformation AB - SEC
Neu erschienen

Transformation der Informationsmärkte
in Richtung Nutzungsfreiheit

Rainer Kuhlen, Die Transformation der Informationsmärkte in Richtung Nutzungsfreiheit: Alternativen zur Als-ob-Regulierung im Wissenschaftsurheberrecht (in der Reihe: Age of Access? – Grundfragen der Informationsgesellschaft, Band 12) (Deutsch) Gebundene Ausgabe, 109,95 € – auch als Open Access Gold erschienen (Article Processing Charges verlangt) - https://www.degruyter.com/view/title/575927.

Der Umgang mit Wissen und Informationen durch das Urheberrecht ist seit etwa dreißig Jahren in eine Akzeptanzkrise geraten. Die politischen Regulierungsinstanzen verteidigen weiterhin die Fundamente des Urheberrechts und die exklusiven Schutzansprüche der individuellen Urheber, obwohl diese nicht mehr der Realität entsprechen. Nicht zuletzt aus der Wissenschaft selbst entwickelt sich der Widerstand gegen die fortschreitende Kommodifizierung des überwiegend mit öffentlichen Mitteln produzierten Wissens. Das Buch geht den Fragen nach, ob Finanzierungsmodelle, die Nutzungsfreiheit in die kommerzielle Verwertungs- und Publikationswirtschaft integrieren, nachhaltig sind und ob sich nicht in Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Förder- und Vermittlungsorganisationen wie Bibliotheken, aber auch von Verlagen neue offene Informationsprodukte und -dienstleistungen entwickeln können. Der Autor schlägt das Konzept der ‚Nutzungsrechte und Nutzungsfreiheit für Wissen und Information‘ vor, das an Stelle des individualistischen Urheberrechts treten soll.
Steilvorlagen 2020:
GBI-Genios

Neuheiten bei GBI-Genios

Neuheiten bei GBI-Genios, vorgestellt auf den Steilvorlagen 2020.

Neue Suche & Neues Monitoring. Mit der Umstellung der Kunden-und GENIOS-eBib-Solutions wurden nun alle Rechercheprodukte erfolgreich auf die neue Suchmaschine elasticsearch umgestellt. Neben der Recherche erfolgt nun auch die Generierung der Monitoring-Trefferlisten überall durch die neue Suchmaschine. Für die Monitorings kann seit der Umstellung außerdem zwischen zwei Layouts gewählt werden:
  • Newsletter-Layout: Größere Thumbnails und längere Textanläufe für eine bessere Einschätzung der Inhalte.
    ●Listen-Layout: Komprimierte Ansicht im Stil der Trefferlistefür einen schnellen Überblick.3
Der Statistikscout. Wir haben unser Statistikportal TILASTO umfangreich überarbeitet. Neben einem neuen und ansprechenden Design wurden neue Funktionen implementiert, die sowohl die zielgerichtete Suche als auch das Stöbern in den Statistiken verbessern. Ob Bevölkerung & Gesundheit, Bildung & Wissenschaft, Energie & Umwelt, Handel oder Wirtschaft – in TILASTO finden Sie über 3,7 Millionen Daten und Fakten zu fast jedem Thema und Land der Welt. Premium-Funktionen:
  • Auswahl zwischen verschieden Diagrammtypen
    ●Export der Diagramme und Daten
    ●Druckfunktion
    ●Informationen zu zugrundeliegenden Datenquellen4
Neue Inhalte im Überblick (seit der letzten Buchmesse)
  • 21 neue Pressedatenbanken (Deutschland & international)
    ●Rund 180 neue Fachzeitschriften und –portale
    ●neuer Typ Firmeninformationen
    ●neue Marktdatenbanken mit hochwertigen Branchen-& Länderberichten
    ●neue Lieferanten für Videos und Webinare
    ●Über 2.000 neue eBooksoder eBooks in Neuauflage
Neue Inhalte: Hochwertige Fachjournale von Sage Publications Ltd.4
Insgesamt 150 englischsprachige Fachjournale im Schwerpunkt aus den Bereichen Soziologie, Politik, Psychologie, Kommunikation.
Die neuen Lern-und Erklärvideosvon explainityund studyflixzu wichtigen Themen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und verschiedenen Wissenschaftsbereichen. vermitteln komplexes Wissen auf eine Weise, die jeder versteht. Sie sind kurzweilig, informativ und verständlich.

Verbesserte Merklisten-Verwaltung. Nutzer mit vielen Merklisten werden sich darüber freuen, dass man die Funktionen zum Leeren oder Löschen von Merklisten nun auch auf eine Auswahl mehrerer Listenanwenden kann. Markieren Sie dazu in der Merklisten-Verwaltung mittels der vorangestellten Checkboxen einfach jene Listen, welche sie leeren oder löschen wollen und wählen Sie dann die entsprechende Funktion.

wiso: Neue Fachrichtung und neue Ergänzungsmodule 2021.
  • Neue Fachrichtung „Pflege“ mit 30 relevanten Fachzeitschriften. 500 eBooks und 360 Lern- und Erklärvideos des Anbieters Vincentz Networks
  • Neues Ergänzungsmodul „wiso Packt Softwareprogrammierung & IT“ mit über 1.670 englischsprachige eBooks des Verlags Packt Publishing.
  • Neue Ergänzungsmodule des eBook-Verlags Versicherungswirtschaft VVW zum Thema Versicherungsrecht und Versicherungswirtschaft
Dun & Bradstreet Acquires Bisnode

Changing the Competitive Landscape

Germany will be the Battle Ground

By BIIA, Internationale Partner von Open Password

Dun & Bradstreet’s re-entry into Central Europe comes at an interesting time, in essence at the heels of Experian’s entry into this market. The Experian entry was met with some consternation amongst local competitors and may have triggered Bisnode’s shareholders to consider an exit, rather than fighting it out in the trenches.

Another factor came into play: The agreement with D&B was expiring and during the renewal negotiations a divestiture was considered. Bisnode was never able to breakout from lower single digits growth rates, notwithstanding the relationship with D&B. This leads to the question whether D&B will be able, from its long-distance base, to raise Bisnode’s fortunes.

Another question came from analyst whether D&B was buying backits franchisees. Germany with its export intensive economy will be the battle ground. Ability to serve domestic and cross border risk management needs will be crucial for success. Speed of transferring new know-how and analytical capabilities will also be a critical factor in lifting revenue growth. D&B paid US$818mil for US$430milin Bisnode’s revenue, a 2x revenue multiple. Given that D&B bought only 75% of the company raised some eyebrows and the question whether D&B paid too much. D&B is classified as a data and analytics business. Its current revenue multiple is 8,7x. Data or information businesses like Bisnode usually have a revenue multiple of 1x.

Dun & Bradstreet and Bisnode have peen partners for 17 years. At least they are not strangers and as such should ease the task of integration. During the 2003/4 period D&B sold its subsidiaries in Scandinavia and Central Europe to Bisnode in two transactions: First, Bisnode acquired the D&B subsidiaries in Scandinaviaon October 9, 2003, including operations in Sweden, Denmark, Norway, and Finland (“Nordic operations”) to Bonnier Affarsinformation AB. (renamed later Bisnode). On December 1, 2003, the transaction closed and D&B received proceeds of $42.7 million, consisting of cash of $35.5 million, notes receivable of $5.9 million and another receivable of $1.3 million (Source: SEC filing).The second transaction was announced on March 18, 2004 with D&B to sell its operations in Germany, Austria, Switzerland, Poland,Hungary and the Czech Republic to Bonnier Affarsinformation Holding AB (Bonnier Business Information) for proceeds of approximately $24 million
(Source: SEC filing).
Lars Jaeger

Scheitert eine erweiterte Risikoethik
für Kernenergie und Klima
wandel
an ihren Stakeholdern?

Die biotechnologische Herausforderung
verlangt eine Antwort auf die Frage:
„Was soll der Mensch sein?“

Liebe zur Wissenschaft als neue Form der Spiritualität

Lars Jaeger, Mehr Zukunft wagen! – Wie wir alle vom Fortschritt profitieren, München 2019.

Von Willi Bredemeier
Zweiter Teil
Lars Jaeger II
Jahrhunderte technologischen Fortschritts haben die Katastrophentheorien widerlegt, die von der Endlichkeit der Ressourcen ausgingen und die Möglichkeiten menschlicher Kreativität und neuer Technologien unberücksichtigt ließen. Heute befinden wir uns in einer Situation, die von unseren Vorfahren wahrscheinlich als „Paradies“ angesehen worden wäre (zwischenzeitliche Krisen, die aus einer säkularen Sicht kurzfristige sind, ausgenommen). Aktuell scheinen die technologischen Chancen, dem „Paradies“ auch nach unseren eigenen Einschätzungen ein gutes Stück näherzukommen, größer denn je. Allerdings können sich die damit verbundenen Risiken als unbeherrschbar erweisen. Zudem lassen sich die neuen Möglichkeiten der Biotechnologie nur dann aus ethischer Sicht vertretbar (und mit begrenztem Risiko) nutzen, wenn wir Wege aus unserer spirituellen Krise finden.

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Kernenergie und Klimawandel als Beispiele, dass wir eine erweiterte Risikoethik benötigen.
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Die Einführung neuer Technologien war immer mit Risiken verbunden und führte teilweise zu gewaltigen „Kollateralschäden“. Man denke nur an den Einsatz fortgeschrittener Rüstungstechniken in den beiden Weltkriegen. Insgesamt überwog jedoch in einer globalen Nachhinein-Betrachtung der Nutzen neuer Technologien die von ihnen verursachten Schäden. Die Opfer der diversen technologischen Schübe und ihrer militärischen, politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, auf die Lars Jaeger weniger eingeht, sähen dies anders.

Die positive Nutzen-Kosten-Bilanz der Technologienoptimisten war in einigen Fällen schon immer zweifelhaft. Dieses Konzept lässt sich aktuell kaum mehr anwenden, nachdem die Verfügung der Menschen über die Natur nahezu grenzenlos erscheint und die damit verbundenen Risiken nicht mehr tragfähig sind, weil im Katastrophenfall die Menschheit oder der Planet gefährdet wäre und es am Ende nur Verlierer geben würde. Das gilt auch dann, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der Katastrophenfall eintritt, als sehr gering einzuschätzen ist.

Diskussionen, die in diese Richtung gingen, wurden ein erstes Mal geführt, als es der Menschheit mit dem Aufbau eines Atomwaffenarsenals möglich wurde, sich selbst auszulöschen, und beim Betrieb von Kernkraftanlagen für die Stromerzeugung ein Super-GAU mit womöglich Zigtausenden an Toten nicht völlig auszuschließen war. Wie sich im Nachhinein herausstellte, wurden die bestehenden Risiken zudem systematisch unterschätzt. Zu einem atomaren Krieg aus Versehen kam es nur deshalb nicht, weil sich ein russischer Armeeangehöriger nicht an seine schriftlichen Anweisungen hielt. Wer die Sicherheit von Kernkraftanlagen erörtern will, kommt nicht umhin, an Tschernobyl, Fukushima und Hunderte von Störfällen weltweit zu denken.

Eine ähnlich große Herausforderung stellt der Klimawandel mit seinen voraussichtlich sehr negativen Folgen für das Leben sehr vieler Menschen und anderer Spezies dar, wenn es uns nicht gelingt, den weltweiten Temperaturanstieg durch eine Verringerung unserer CO2-Emissionen auf zwei Grad zu begrenzen. Damit solches gelingt, müsste die Menschheit als globale Einheit agieren. Davon sind wir derzeit weit entfernt, auch wenn ein weltweites Problembewusstsein entstanden ist: „(Wir handeln) auf individueller und kollektiver Ebene hartnäckig wider besseres Wissen, obwohl wir durchaus zu der intellektuellen Einsicht in die Folgen unserer Handlungen fähig sind“ (212).

Hier verlangt Jaeger eine „erweiterte Risikoethik, (die) das Augenmerk auf die Möglichkeit katastrophaler oder gar apokalyptischer Entwicklung (setzt), auch wenn deren Eintreffwahrscheinlichkeiten heute noch als gering eingeschätzt werden“ (247).

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Die begrenzte Handlungsfähigkeit der Stakeholder, mit den neuen Herausforderungen im Sinne des Gemeinwohls zurechtzukommen.
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Allerdings sind Jaeger nicht ohne Weiteres überzeugende Instrumente eingefallen, wie die Menschheit es schaffen sollte, eine solche Risikoethik verbindlich einzuführen und sicherzustellen, dass nach ihr gehandelt wird. Vielmehr wird auch Jaeger zum Skeptiker, wenn er den Wiederaufstieg kurzfristig orientierten, emotionalen und intuitiven Denkens selbst bei Fragen von grundsätzlicher Bedeutung beschreibt sowie die erfolgreiche Instrumentalisierung dieser Neigungen durch populistische Bewegungen. Die Skepsis des Autoren vertieft sich, sobald Jaeger die Eignung diverser infrage kommender Stakeholdergruppen behandelt, einen Beitrag zur Rettung der Menschheit oder des Planeten zu leisten, also zum Beispiel einzelne Wissenschaftler, die Wissenschaftsgemeinschaft, die Politik, die Wirtschaft, die Kirchen und die Medien, und in allen diesen Fällen zu negativen Einschätzungen kommt.

So haben die Journalisten wissenschaftliche Revolutionen, also Ereignisse, die die Welt nachhaltig verändern, regelmäßig überhaupt nicht bzw. erst nach großen zeitlichen Verzögerungen zur Kenntnis genommen (womöglich erst dann, wenn ein Wissenschaftler, der dazu geforscht hat, einen Nobelpreis erhielt). „Es ist erstaunlich, wie wenig von Physik, Chemie oder Biologie die Rede ist, wenn uns Journalisten die Weltzusammenhänge erklären wollen… Die meinungsbildenden Berufe erweisen sich den Herausforderungen des technologischen Fortschritts gegenüber als erstaunlich hilflos“ (150). Auch stellen Journalisten wie die anderen erörterten Gruppen kaum eine Plattform zur Verfügung, auf der die Chancen und Risiken neuer Technologiebereiche zusammenhängend und kontinuierlich erörtert werden und der Diskurs als gemeinsamer Lernprozess aufgefasst wird.

Jaeger folgert: „Es führt kein Weg an einer Allianz aller gesellschaftlichen Kräfte vorbei. … Wir brauchen eine Besinnung auf eine gemeinsame demokratische Kultur“ (160). Allerdings erörtert der Autor nicht, wie die verschiedenen Stakeholder es schaffen, ihre Defizite wechselseitig auszugleichen. Vielmehr liegt die Möglichkeit nahe, dass ein solcher Dialog scheitert oder erst gar nicht zustande kommt. Immerhin hat der Autor noch einen weiteren vielversprechenden Faktor im Köcher, nämlich das Engagement der Bürger, wie er sich beispielsweise in Demonstrationen äußert. Hier nennt er als konkrete Beispiele den weltweiten Hype um das Kind Greta Thunberg und die erfolgreiche Bürgerinitiative in Bayern zur Rettung der Bienen. Das hört sich wie ein Pfeifen im Walde an.
Fragen wir über das Buch von Lars Jaeger hinaus: Wie lassen sich die Effizienz des gesellschaftlichen Dialoges und die Einrichtungen der parlamentarischen Institutionen nachhaltig verbessern, ohne dass man mit dieser Frage in die Ecke eines Anti-Demokraten gestellt wird? Warum hat sich der von Jaeger so sehr präferierte rationale Diskurs nicht allgemein bei der Behandlung grundsätzlicher Fragen durchgesetzt, sondern lediglich partikular bei (natur-)wissenschaftlichen Projekten, nicht aber im Wissenschaftssystem insgesamt? Warum dient der Diskurs in Politik, Wirtschaft und Kultur vielfach lediglich als Argumentationsform, die herangezogen wird, um zu vorher festgelegten Ergebnissen zu kommen? Kurz mit Jaeger gefragt: Wie werden wir unserem Erbe aus der Aufklärung besser gerecht? Oder: Wann lernen wir, auf Argumente um der Argumente willen zu hören?

Wahrscheinlich wird es im Umgang mit den anstehenden technologischen Herausforderungen auch zu unternehmerischen Entscheidungen kommen, die irreversibel sind und hohe Kollateralschäden nach sich ziehen. Die Politik wird weiterhin zu spät reagieren, es kann zu einem Zickzackkurs kommen, und die Ergebnisse der Politik werden, versucht man sie zu beurteilen, sehr weit streuen, so dass die sich letztlich ergebenden Entwicklungen insgesamt gesehen teilweise Zufallsprodukte sind. Es kann zu vielen kleineren Katastrophen kommen, bis am Ende im bestmöglichen Fall eine angemessene oder lediglich eine bessere Lösung herbeigeführt wird, nachdem die große Katastrophe ausgeblieben ist. Stephen Hawking hat der Menschheit vorsichtshalber die Auswanderung zu anderen Planeten empfohlen, um das existenzielle Risiko für unsere Spezies zu streuen.
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Kann die biotechnische Verwandlung des Menschen vom Menschen gesteuert werden?
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Soweit die Erörterung immer größer gewordener Risiken. Vor einer völlig neuen Herausforderung wird die Menschheit hingegen mit den neuen Möglichkeiten der Biotechnologie gestellt. Mit ihnen wird der Mensch „zum ersten Mal in der Geschichte selbst zum Gegenstand technologischer Entwicklungen“ (69).

Damit verbunden stellt sich eine Vielzahl von Fragen, die dringend zu beantworten sind, zum Beispiel: „Ist ein Mensch noch ein Individuum, wenn er nicht mehr zwischen echten und heruntergeladenen Erinnerungen unterscheiden kann? … Wollen wir durch Manipulationen unserer Neurotransmitter dauerhafte Glückseligkeit erreichen oder vielleicht sogar vollständig und dauerhaft in eine virtuelle Realität eintauchen, in der es zu „leben“ viel angenehmer erscheint?“ (71).

Hier scheinen die Gesellschaften der Notwendigkeit, einen umfassenden und differenzierten Diskurs zu führen, noch weniger als bei anderen technologischen Herausforderungen nachgekommen zu sein: „Während der Klimawandel das Bewusstsein der Menschen erreicht hat, ist sich beim Thema „Veränderung des Menschen durch Technologie“ kaum jemand der Gefahr bewusst. Dies ändert sich gerade erst … (mit der weltweiten Diskussion) nach den ersten CRISPR-Babys chinesischer Herkunft“ (213). „Die Diskussion (zum Gen-Editing) ist noch lange nicht abgeschlossen, hat aber die schlimmsten Auswüchse bislang verhindern können… Wir müssen uns aber auch fragen, ob es ethisch vertretbar ist, die gentechnologischen Möglichkeiten zur Verhinderung schwerer Erbkrankheiten nicht anzuwenden“ (244).

Darüber hinaus ist die „Sinnfrage“ zu beantworten: „Was ist der Mensch?“ Und wichtiger noch: „Was soll er zukünftig sein?“ (75). Wie die Geschichte der Religionen zeigt, gibt es ein existenzielles Bedürfnis, Sinnfragen wie diese beantwortet zu bekommen, sonst entsteht eine „existenzielle Unsicherheit“ (76). Die Spiritualität steckt aber selbst in einer Krise, da die Religionen zumindest in ihren dogmatischen Formen und als Widerpart der Aufklärung aus Jaegers Sicht abgewirtschaftet haben: „Unsere Spiritualität ist uns abhandengekommen. Wir müssen eine neue Form der Spiritualität entwickeln“ (77)dies auch, um im Falle der Biotechnologie umgehend zu einer Entscheidung zu finden, was im Rahmen des technologisch Möglichen ethisch erlaubt werden darf und „einen Konsens darüber (herstellen), welche ungewünschten Entwicklungen gestoppt werden sollen“ (74). Sonst werden wir irreversibel durch zufällige Entwicklungen und die Fait Accomplis einzelner Unternehmen auf eine Weise verwandelt, die wir nie gewollt haben.

Wie könnte eine neue Spiritualität inhaltlich beschaffen sein? Hier greift Jaeger auf das Erbe der Aufklärung zurück und sieht als Vorbilder Kants kategorischen Imperativ, Jonas „Fernstenliebe“ und seine Aufforderung, Verantwortung für die kommenden Generationen zu übernehmen, sowie die „buddhistische Ethik, Leiden zu minimieren“ (222). Dabei sieht Jaeger den von ihm empfohlenen Buddhismus vor allem als ethischen Kodex: „Vertreter des säkularen Buddhismus übersetzen und interpretieren alte buddhistische Originaltexte neu und extrahieren aus diesen zeitgemäße humanistische und ethische Werte wie Empathie, Achtsamkeit, Verbundenheit mit und Achtung vor allen Lebewesen sowie soziale und ökologische Verantwortung. Zugleich predigen sie eine skeptische und oft auch naturalistische Weltsicht“ (218). Auch gibt Jaeger den Begriff der „Transzendenz“ nicht auf, sondern deutet ihn säkular um als etwas „jenseits unserer unmittelbaren Erfahrung Liegendes, … (das) aber immer noch ursprünglich auf den Menschen und seine Erfahrungen bezogen ist“ (208).

Wie gelangt man zu einer solchen Spiritualität, sollte Einsicht nicht ausreichen? Hier empfiehlt Jaeger die Meditation „in ihrer heute bekanntesten Form, … der Achtsamkeits- und Einsichtsmeditation der buddhistischen Vipassana-Tradition“ (214). Ohne sie sind wir „kaum Herr über unsere eigenen Gedanken und Gefühle, von einer geistigen Autonomie sind wir weit entfernt. Meditation hilft uns, ihr näherzukommen, indem sie unser Wahrnehmen und Denken diszipliniert“ (215). Der Verfasser bezieht sich auf den Philosophen Thomas Metzinger, nach dem Meditation „die Bedingungen der Möglichkeit von Rationalität“ begünstigt (216). „Meditierende haben eine höhere Lebenserwartung, sind innerlich ausgeglichener, haben weniger psychische Krankheiten und Stoffwechselprobleme, vor allem aber entwickelten sie ein gesünderes Verhältnis zu den eigenen Gedanken und Überzeugungen“ (216). Nach Buddha zeigten sich die Fortschritte in der Meditation „immer auch in Form einer höheren ethischen Integration, d.h. einer in sich stimmigen, kohärenten Lebensweise“, die zudem zu mehr Mitgefühl für andere Lebewesen führt (217).

Und was könnte die emotionale Basis einer säkularen Spiritualität sein? Für Jäger ist es, salopp ausgedrückt, die Liebe zur Wissenschaft oder die Existenz offener Fragestellungen, derer sich die Wissenschaft annimmt. Jaeger zitiert an dieser Stelle Albert Einstein: „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.“ Jaeger fügt hinzu: „Das Sich-Wundern ist nichts anderes als das Staunen über das Geheimnisvolle. Es führt uns zu einer Anmutung von Größe und Erhabenheit, die in so mancher spirituellen Tradition als das „Heilige“ bezeichnet wird“ (203).

Wie auch immer man das gegenwärtige Wissenschaftssystem beurteilen mag, die offenen Fragestellungen werden ihm in absehbarer Zeit nicht ausgehen. Es zu lieben, würde allerdings bedeuten, über die Konventionen und vielleicht auch die Kraft westlicher und islamischer Gemeinschaften hinauszugehen.

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