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den 2. Oktober
2020

# 833


Citizen Science – Wissenschaftliche Bibliotheken – Martin Munke – Jens Bemme – SLUB – Andreas Wagner – Wikisource – Wikimedia Deutschland – Peter Finke – Bürger schaffen Wissen – Transparenz – Forschung – Offene Wissenschaft – openGLAM – Open Citizen Science – Helene Hahn – Wikidata – Wikimedia Commons – Wikibase – Deutsche Nationalbibliothek – GND – Saxonia – Landeskundliche Forschung – Landesbibliotheken – Familienforscher – Dresdner Verein für Genealogie – Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten – Sächsisches Landeskuratorium Ländlicher Raum – Verein für sächsische Landesgeschichte – Landespreis für Heimatforschung - DGI – Praxistage - Information Professional – Informationsrecht - Elgin Jakisch - Barbara Reißland - Stefan Zillich








Citizen Science

Chancen und Herausforderungen für wissenschaftliche Bibliotheken

Bürgerwissenschaftler auf Augenhöhe
mit der etablierten Wissenschaft


Von Martin Munke und Jens Bemme
SLUB
Martin Munke

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Grundlagen: BürgerInnen, die forschen - und ihre Bibliotheken
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„Eine Bestätigung für unsere Arbeit finde ich in der sehr fruchtbaren Zusammenarbeit mit der SLUB, der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Auf der dortigen Homepage werden wir Wikisourcler als Citizen-Scientists bezeichnet, als Bürgerwissenschaftler. Das ist für mich der Ritterschlag.“[i] (Andreas Wagner)

Der Dresdner Ingenieur Andreas Wagner arbeitet seit September 2019 in seiner Freizeit jeden Sonnabend am Wikisource-Informationsstand in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) an Transkriptionen im deutschsprachigen Portal von Wikisource – und er berät dort NutzerInnen zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit, die er seit einigen Jahren ausführt.[ii] Sie besteht in der Hauptsache in der Pflege von Kulturdaten: historische und zeitgenössische Texte – darunter viele Saxonica – unter anderem aus den gemeinfreien Katalogen der Jahresausstellungen der Kurfürstlich- bzw. Königlich-Sächsischen Akademie der Künste. Er koordiniert und administriert Wikisource in Deutschland mit, und er hält für die deutschsprachige Wikisource-Community Kontakt zum Verein Wikimedia Deutschland e. V.

Das Eingangszitat aus einem Interview, das Nicolas Rück aus der Ideenwerkstatt von Wikimedia Deutschland mit Andreas Wagner geführt hat, veranschaulicht das Bemühen von MitarbeiterInnen der SLUB seit etwa Mitte 2017, Aktivitäten im Bereich der ehrenamtlichen Forschung programmatisch unter dem Begriff „Citizen Science“ zu bündeln und die beteiligten AkteurInnen entsprechend zu adressieren.[iii] Noch ist Citizen Science nicht nur für wissenschaftliche Bibliotheken in Deutschland ein weitgehend unbestimmter Begriff.[iv] Idealtypisch lassen sich mit Peter Finke zwei Ausprägungen unterscheiden: „eine, die Citizen Science als eine nichtselbstständige Form von Wissenschaft auffasst, bei der die Beiträge der Laien letztlich einer Auswertung und Kontrolle durch die Experten bedürfen (meist auch bereits einer Planung durch diese), und eine andere, die sie als eine selbständige, solcher Kontrolle nicht bedürftigen Form breit in der Gesellschaft verankerter Wissensbeschaffung versteht.“[v] Jenseits dieser Gegenüberstellung, zwischen deren beiden Polen viele Abstufungen existieren, erscheint es für wissenschaftliche Bibliotheken sinnvoll, einem möglichst breiten Ansatz zu folgen. So kann es gelingen, viele AkteurInnen anzusprechen – je nach deren eigenen Wünschen an einer Beteiligung an bestehenden Projekten oder der Verfolgung eigener Forschungsinteressen. Ein aktueller Beitrag in einer österreichischen Fachzeitschrift definiert wie folgt: „Citizen science is a developing method for enhancing the scientific endeavour increasing scientific literacy, supporting education, and better addressing societal needs through scientific evidence.“[vi] Die genannten Pole werden dabei nicht aufgegriffen, stattdessen verschiedene Aspekte von Wissenschaftlichkeit betont. So formulieren es die AutorInnen des „Grünbuchs Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland“ von der Online-Plattform „Bürger schaffen Wissen“: „Citizen Science beschreibt die Beteiligung von Personen an wissenschaftlichen Prozessen, die nicht in diesem Wissenschaftsbereich institutionell angebunden sind. [...] Wichtig ist [...] die Einhaltung wissenschaftlicher Standards, wozu vor allem Transparenz im Hinblick auf die Methode der Datenerhebung und die öffentliche Diskussion der Ergebnisse gehören.“[vii]

Neben den ausdrücklich als Citizen Science benannten Aktivitäten ist auch die Forschung aus den deutschen Bibliotheken heraus sehr überschaubar – obwohl das Engagement gerade vieler Landesbibliotheken in Feldern wie der Heimat- oder der Familienforschung, die in diesem Kontext gesehen werden können, eine lange Tradition aufweist.[viii] Vor diesem Hintergrund wollen wir als Beschäftigte im Arbeitsbereich Landeskunde der SLUB „Citizen Science“ als ein Themenfeld entwickeln, in dem sich verschiedene AkteurInnen auf Augenhöhe begegnen: Forschende BürgerInnen treffen in Bibliotheken bestenfalls auf BibliotheksmitarbeiterInnen, die sich selbst als Bürgerwissenschaftler verstehen. Diese forschen selbst und/oder zählen bürgerforschungsnahe Dienste wie Beratung, Vernetzung, Recherche und Schulung nach ihrem persönlichen Selbstverständnis zum eigenen beruflichen Aufgabenspektrum, das sie auch im Privaten betreiben. Citizen Science ist so – im Idealfall – mit Peter Finke ein „Modell einer ausschließlich auf Sachinteressen und Fähigkeiten gegründeten Form von Wissenschaft“[ix] und kann zugleich eine Brücke zwischen landes- und universitätsbibliothekarischen Aufgaben einer kombinierten wissenschaftlichen Bibliothek wie der SLUB schlagen. Zugleich kann Citizen Science ein programmatischer Ansatz sein, zwei zentrale Bezugspunkte bibliothekarischen Arbeitens – die NutzerInnen und der Bestand – im Sinne einer „offenen Wissenschaft“ weiterzuentwickeln.[x] Dazu im Folgenden einige Beispiele aus der Arbeit der SLUB, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

[i] Nicolas Rück: Digitalisierte Geschichte: Zurück zur Quelle mit Wikisource, Teil 1. In: Wikimedia Deutschland Blog, 24. September 2018, URL: https://blog.wikimedia.de/2018/09/24/digitalisierte-geschichte-zurueck-zur-quelle-mit-wikisource-teil-1/. Alle angegebenen Internetadressen wurden zuletzt am 28. März 2020 besucht.
[ii] Vgl. die Infoseiten von Wikisource Deutschland, URL: https://de.wikisource.org/wiki/Wikisource:Wikisource-Informationsstand_SLUB und SLUB Dresden, URL: https://www.slub-dresden.de/open-science/citizen-science/wikisource-beratung/.
[iii] Vgl. zuletzt Martin Munke/Jens Bemme: Bürgerwissenschaften in wissenschaftlichen Bibliotheken. Strategie- und kooperative Projektarbeit, Investitionen in offene Kulturdaten und in Anwenderwissen. In: o-bib. das offene Bibliotheksjournal 6 (2019), Heft 4, Seiten 178-203, DOI: 10.5282/o-bib/2019H4S178-203. Einen ersten Überblick zu den laufenden Aktivitäten liefern auch die Beiträge in der Kategorie „Citizen Science“ im SLUBlog, URL: https://blog.slub-dresden.de/kategorie/citizen-science/, und in Saxorum. Blog für interdisziplinäre Landeskunde in Sachsen, URL: https://saxorum.hypotheses.org/category/citizen-science.
[iv] Vgl. zu Definitionsfragen Munke/Bemme: Bürgerwissenschaften in wissenschaftlichen Bibliotheken, Seiten 180-183; Martin Munke: Citizen Science/Bürgerwissenschaft. Projekte, Probleme, Perspektiven am Beispiel Sachsen. In: Jens Klingner/Merve Lühr (Hrsg.): Forschungsdesign 4.0. Datengenerierung und Wissenstransfer in interdisziplinärer Perspektive. Dresden 2019, Seiten 107-124, DOI: 10.25366/2019.11, hier: Seiten 108-111.
[v] Peter Finke: Citizen Science. Das unterschätzte Wissen der Laien. Mit einem Nachwort von Ervin Laszlo, München 2014, Seite 42.
[vi] Tiberius Ignat/Darlene Cavalier/Caroline Nickerson: Citizen Science and Libraries: Waltzing towards a collaboration. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 72 (2019), Heft 2, Seiten 328-336, DOI: 10.31263/voebm.v72i2.3047, hier: Seite 329.
[vii] Aletta Bonn/Anett Richter/Kathrin Vohland u. a.: Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland. Berlin 2016, URN: urn:nbn:de:101:1-20160621985, Seite 13.
[viii] Vgl. als aktuellere Studien für die wissenschaftlichen Bibliotheken Eva Bunge: Citizen Science in der Bibliotheksarbeit. Möglichkeiten und Chancen. Wiesbaden 2017; für die öffentlichen Bibliotheken jetzt Bunge: Wie viel Naturwissenschaft braucht die Bibliothek? Scientific Literacy und Citizen Science in Öffentlichen Bibliotheken. In: Petra Hauke (Hrsg.): Öffentliche Bibliothek 2030. Herausforderungen – Konzepte – Visionen. Bad Honnef 2019, Seiten 241-250, DOI: 10.18452/20190.
[ix] Peter Finke (Hrsg.): Freie Bürger, freie Forschung. Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm, München 2015, Seite 18.
[x] Vgl. dazu Jens Bemme/Martin Munke: Open Citizen Science. Leitbild für kuratorische Praktiken in wissenschaftlichen Bibliotheken. In: Klaus Ulrich Werner (Hrsg.): Bibliotheken als Orte kuratorischer Praxis. Berlin 2020 (im Erscheinen).


Jens Bemme 1
Jens Bemme

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Beispiele: openGLAM und Open Citizen Science[i]
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Das Prinzip der „Offenheit“[ii] ist Ausgangspunkt für den ersten von zwei Bereichen, in denen das Konzept Citizen Science für uns zentral ist: die Arbeit mit offenen Kulturdaten, verstanden mit Helene Hahn[iii] als digitalisierte Publikationen und Objekte aus sog. GLAM-Institutionen („Galleries, Libraries, Archives, Museums“) und deren offen erschlossene Objekte, Inhalte und Metadaten sowie ihre offene Kuratierung, Bereitstellung und Bearbeitung im Sinn von Linked Open Data – also mit persistenten Identifiern versehene, maschinenlesbare, frei verfüg- und nutzbare Daten.[iv] Der bürgerwissenschaftliche Umgang mit diesen offenen Kulturdaten wird von uns als „Open Citizen Science“[v] bezeichnet, sofern die Ergebnisse offen präsentiert und damit zur Nachnutzung und weiteren Bearbeitung bereitgestellt werden.

Mögliche Infrastrukturen dafür sind die Systeme der Wikimedia-Welt: Wikipedia, Wikisource, Wikidata und Wikimedia Commons, die die offene Wissensarbeit im Internet seit zwanzig bzw. knapp zehn Jahren prägen. Bibliotheken beginnen inzwischen, die Daten aus Wikidata für ihre Kataloge zu nutzen[vi] – zum Beispiel für die Herstellung von Normdatenkonkordanzen, für die Visualisierung raumbezogener Informationen und um mit BürgerwissenschaftlerInnen neue Software-Anwendungen zu entwickeln. Ein Beispiel aus dem Bereich der sächsischen Landeskunde ist die Verknüpfung bisher getrennter Ortsdatenbestände aus dem Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen und der Gemeinsamen Normdatei GND via Wikidata.[vii] Nimmt man den gegenwärtigen Stellenwert von Wikipedia für den Erwerb und die Vermittlung von Wissen als Maßstab, dann steht das jüngere Wikidata erst am Anfang einer dynamischen Entwicklung. Wikidata und die zugrundeliegende Softwaresammlung Wikibase sind grundlegende Technologien, die die Arbeit in Bibliotheken allgemein, aber besonders die Arbeit mit Metadaten und die Kooperation mit Citizen-Science-Projekten verändert haben und künftig noch stärker beeinflussen werden – siehe das Evaluierungsprojekt der Deutschen Nationalbibliothek und Wikimedia Deutschland zur möglichen Nutzung von Wikibase für die Öffnung des Arbeitens in der GND[viii].

Offen lizenzierte Daten zum Beispiel von Texten, Dokumenten, Bildern und Klängen in den Portalen von Wikimedia – die oft aus den großen Retrodigitalisierungsprojekten der Bibliotheken stammen[ix] – werden zunehmend durch strukturierte Datenobjekte in Wikidata beschrieben: Wikipedia-AutorInnen schaffen enzyklopädische Texte samt ergänzender Medienelemente, Wikisource-MitarbeiterInnen transkribieren historische Werke und erschließen diese mit Unterstützung von BibliotheksmitarbeiterInnen in Wikidata formal und inhaltlich, um die Daten mit Wikidata-Abfragen (Queries) auswerten, verarbeiten und visualisieren zu können. Für den Saxonica-Bereich relevant ist zum Beispiel ein auf SLUB-Digitalisaten basierendes Projekt zur sächsischen Industriegeschichte in Wikisource und Wikidata: die Transkription und Erschließung des „Albums der sächsischen Industrie“[x] und des Werkes „Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild“[xi]. 2020 findet es zum sächsischen „Jahr der Industriekultur“ den Weg zurück in die Bibliothek[xii] und wird im Rahmen unserer Ausstellung „,Dem Ingenieur ist nichts zu schwer‘. Industrialisierung und technische Bildung in Sachsen“ digital präsentiert. Auch die Arbeit an der Sächsischen Bibliografie als zentraler landesbibliothekarischer Aufgabe der SLUB profitiert vom Wissen kundiger WikipedianerInnen, die unter anderem für ihre Artikel auf die in der Bibliografie erfasste Literatur zurückgreifen, in Wikipedia darauf verlinken und durch ihre Hinweise zur Qualitätsverbesserung von Normdaten beitragen.[xiii]

Der zweite Bereich greift ältere Traditionslinien bürgerwissenschaftlicher Aktivitäten auf, die von den neuen Möglichkeiten durch die Digitalisierung profitieren. Es handelt sich um die entweder individuell durchgeführte oder im Verein organisierte klassische Heimat- und landeskundliche Forschung, die von Landesbibliotheken schon immer unterstützt wurde und die nun auf offen zur Verfügung gestellte digitalisierte Quellen zurückgreifen kann, zum Beispiel ältere Sekundärliteratur und serielle Publikationen wie Adressbücher und statistische Jahrbücher.[xiv] Genutzt werden solche Angebote unter anderem von Familienforschern – eine Gruppe der BürgerwissenschaftlerInnen, für die der Anspruch der Begegnung auf Augenhöhe in der SLUB bereits weitgehend realisiert wurde. Mitglieder des Dresdner Vereins für Genealogie[xv] etwa sind in vielfacher Hinsicht in der Bibliothek präsent, gemeinsam mit Bibliothekarinnen aus der Abteilung Benutzung und Information: als Ansprechpartner im Rahmen der Wissensbar-Beratung, als Organisatoren und Referenten von öffentlichen Einführungsvorträgen zur Familienforschung, als Aussteller auf dem jährlichen Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten und schließlich – neben WissenschaftlerInnen und Studierenden – auch als Beteiligte an bibliotheksinternen Workshops zur Ideenfindung für den Relaunch des Internetauftritts der SLUB.

Der ebenfalls durch einen Verein getragene jährliche Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten als „Veranstaltung, bei der ehrenamtliche Historiker die Ergebnisse ihrer Erforschung von Heimatgeschichte vorstellen“ ist eine der sichtbarsten Veranstaltungen in Dresden im Bereich Citizen Science.[xvi] Seit 2018 wird er in der SLUB durchgeführt, zuvor war der Markt neunmal in der Fakultät Informatik der TU Dresden zu Gast. Beide Veranstaltungsorte ergaben sich zunächst durch persönliches Engagement der mitveranstaltenden Vereinsmitglieder. Für die SLUB ist der Geschichtsmarkt darüber hinaus als Treffpunkt des landesbibliothekarischen Publikums von strategischem Interesse, so dass er 2020 zum dritten Mal als Kooperationsveranstaltung stattfindet und die Bibliothek räumliche und personelle Ressourcen bereitstellt.

Als weiteres Beispiel ist die Schulungs- und Vernetzungsarbeit im Bereich der Landeskunde zu nennen, zum Beispiel über die institutionelle Beteiligung der SLUB am Projekt „Unterstützung des freiwilligen Engagements in der Heimatforschung im ländlichen Raum Sachsens“. Koordiniert wird es vom als Verein organisierten Sächsischen Landeskuratorium Ländlicher Raum[xvii]. Gemeinsam mit weiteren regionalen Akteuren wie dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV)[xviii] und dem Sächsischen Staatsarchiv[xix] werden regelmäßig gemeinsame Schulungsveranstaltungen durchgeführt, in denen LaienforscherInnen in relevante Quellenbestände und in das wissenschaftliche Arbeiten eingeführt werden – zuletzt im Juni 2019 in Dresden, zuvor zum Beispiel im August 2018 in Chemnitz. Als zusätzliche Klammer wirkt hier der Verein für sächsische Landesgeschichte[xx], in dem Vertreter der genannten Einrichtungen – darunter einer der Autoren dieses Beitrags – zusätzlich zu ihrer beruflichen Tätigkeit in diesem Feld ehrenamtlich engagiert sind. Auch bei den zur Unterstützung der ehrenamtlichen Forschung in Sachsen existierenden Auszeichnungen – wie dem vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz[xxi] als zentralem zivilgesellschaftlichen Akteur in den Bereichen Naturschutz, Denkmalschutz und Heimatpflege koordinierten Landespreis für Heimatforschung – engagieren sich Bibliotheksmitarbeiter wie einer der Autoren als Jurymitglieder. Deutlich wird so auch: Citizen Science ist ein Arbeitsfeld, das nur kooperativ sinnvoll entwickelt werden kann – um Doppelarbeiten zu vermeiden, um möglichst weite Kreise zu erreichen, und auch um fehlende eigene Ressourcen in bestimmten Bereichen auszugleichen.

Lesen Sie in der abschließenden Folge: Herausforderungen: Ressourcen und Strategien – Kommunikation: Soziale Medien und „Linked Open Storytelling“ – Perspektiven: Evaluation und Zielorientierung




[i] Die folgenden Abschnitte basieren auf den entsprechenden Passagen von Jens Bemme/Martin Munke: Offene Daten und die Zukunft der Bürgerforschung in Wissenschaftlichen Bibliotheken. In: Thomas Bartoschek/Daniel Nüst/Mario Pesch (Hrsg.): Forum Citizen Science 2019. Die Zukunft der Bürgerforschung. 26. und 27. September 2019, WWU Münster. Münster 2019, Seiten 27-39, DOI: 10.17605/OSF.IO/QHRC4; Bemme/Munke: Open Citizen Science; Munke/Bemme: Bürgerwissenschaften in wissenschaftlichen Bibliotheken.
[ii] Vgl. z. B. Ulrich Herb (Hrsg.): Open Initiatives. Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft. Saarbrücken 2012 (Saarbrücker Schriften zur Informationswissenschaft), URN: urn:nbn:de:bsz:291-universaar-873; Andreas Degkwitz: Open Science. Kooperation zwischen Bibliothek und Wissenschaft. In: Achim Bonte/Juliane Rehnolt (Hrsg.): Kooperative Informationsinfrastrukturen als Chance und Herausforderung. Festschrift für Thomas Bürger zum 65. Geburtstag. Berlin/Boston 2018, Seiten 438-446, DOI: 10.1515/9783110587524-044.
[iii] Vgl. Helene Hahn: Kooperativ in die digitale Zeit – wie öffentliche Kulturinstitutionen Cultural Commons fördern. Eine Einführung in offene Kulturdaten. Berlin 2016, URN: urn:nbn:de:0297-zib-59131, besonders Seiten 2 und 3 sowie 9 und 10.
[iv] Vgl. im Bibliothekskontext Adrian Pohl/Patrick Danowski: Linked Open Data in der Bibliothekswelt – Überblick und Herausforderungen ­ In: Rolf Griebel/Hildegard Schäffler/Konstanze Söllner (Hrsg.): Praxishandbuch Bibliotheksmanagement. Berlin/Boston 2014, Seiten 392-409, DOI: 10.1515/9783110303261.392; Joachim Neubert: Linked Open Data und die Bibliothekspraxis. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 61 (2014), Heft 2, Seiten 59-67, DOI: 10.3196/186429501461217.
[v] Vgl. Bemme/Munke: Open Citizen Science; zuvor bereits Katrin Vohland/Claudia Göbel: Open Science und Citizen Science als symbiotische Beziehung? Eine Gegenüberstellung von Konzepten. In: TATuP. Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis 26 (2017), Hefte 1/2, Seiten 18-24, DOI: 10.14512/tatup.26.1-2.18.
[vi] Vgl. z. B. Stacy Allison-Cassin/Dan Scott: Wikidata: a platform for your library’s linked open data, in: Code4Lib Journal (2018), Heft 40, URL: https://journal.code4lib.org/articles/13424; Joachim Neubert: Wikidata as a linking hub for knowledge organization systems? Integrating an authority mapping into Wikidata and learning lessons for KOS mappings, in: Philipp Mayr u. a. (Hrsg.): Proceedings of the 17th European Networked Knowledge Organization Systems Workshop (NKOS 2017), Thessaloniki, Greece, September 21st, 2017, Seiten 14-25, URL: http://ceur-ws.org/Vol-1937/paper2.pdf.
[vii] Martin Munke: Historische Orte mit offenen Daten: HOV + Wikidata. In: Saxorum. Blog für interdisziplinäre Landeskunde in Sachsen, 16. August 2019, URL: https://saxorum.hypotheses.org/2775; Christian Erlinger: Sächsische Ortsdaten in der Linked Open Data Cloud: Teilautomatisierte Anreicherung und Analyse der HOV-ID in Wikidata. In: Ebenda, 5. Oktober 2019, URL: https://saxorum.hypotheses.org/2917.
[viii] Vgl. Barbara K. Fischer/Jens Ohlig: „GND meets Wikibase“ – Eine Kooperation. In: GND Wiki, 8. Mai 2019, URL: https://wiki.dnb.de/pages/viewpage.action?pageId=147754828; Fischer/Ohlig, Report „GND meets Wikibase“. In: Ebenda, 7. März 2020, URL: https://wiki.dnb.de/pages/viewpage.action?pageId=167019461.
[ix] Für Sachsen das von der SLUB koordinierte Landesdigitalisierungsprogramm; vgl. Achim Bonte: Aus Sachsen in die Welt – das sächsische Landesdigitalisierungsprogramm. In: Andreas Degkwitz (Hrsg.): Bibliothek der Zukunft – Zukunft der Bibliothek. Festschrift für Elmar Mittler. Berlin/Boston 2016, Seiten 10-23, DOI: 10.1515/9783110464016-003.
[x] Louis Oeser (Hrsg.): Album der sächsischen Industrie. Oder: Sachsens grösste und ausgezeichnetste Fabriken, Manufakturen, Maschinen- und andere wichtige gewerbliche Etablissements ­ in vorzüglichen naturgetreuen Abbildungen mit statistisch-topographischem, historischem­ und gewerblichem Texte. 2 Bände. Neusalza 1856. URN: urn:nbn:de:bsz:14-db-id2520699786; Transkription in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/Album_der_Sächsischen_Industrie.
[xi] Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild. Eine Ehrengabe für Se. Majestät König Albert von Sachsen, gewidmet von den dankbaren Groß-Industriellen. 2 Bände. Leipzig 1892/93. URN: urn:nbn:de:bsz:14-db-id2542597234; Transkription in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/Die_Groß-Industrie_des_Königreichs_Sachsen_in_Wort_und_Bild.
[xii] Vgl. programmatisch Data Roundtripping. A new frontier for GLAM-Wiki collaborations, in: Wikimedia Space, 13. Dezember 2019, URL: https://space.wmflabs.org/2019/12/13/data-roundtripping-a-new-frontier-for-glam-wiki-collaborations/.
[xiii] Vgl. ausführlich Martin Munke: Landesbibliographie und Citizen Science. Kooperationsmöglichkeiten für Bibliotheken und Wiki-Communities am Beispiel der Sächsischen Bibliografie. In: Ulrich Hagenah/Lars Jendral/Maria Elisabeth Müller (Hrsg.): Regionalbibliographien: Forschungsdaten und Quellen des kulturellen Gedächtnisses. Liber amicorum für Ludger Syré, Hildesheim/Zürich/New York 2019, Seiten 195-207, hier: Seiten 200-202, 206/207; ders., Gemeinsam Wissen schaffen. Vernetzte Beiträge von wissenschaftlichen Bibliotheken und Wiki-Communites für eine digitale Landeskunde. In: Bonte/Rehnolt (Hrsg.): Kooperative Informationsinfrastrukturen, Seiten 302-316, DOI: 10.1515/9783110587524-033, besonders Seiten 309-311.
[xiv] Für die entsprechenden Angebote der SLUB vgl. einführend Julia Meyer/Martin Munke: Digitale Landeskunde für Sachsen. Programme und Projekte an der SLUB Dresden. In: Bibliotheksdienst 52 (2018), Heft 2, Seiten 106-119, DOI: 10.1515/bd-2018-0015; zu bürgerwissenschaftlichen Aspekten dabei Munke: Citizen Science/Bürgerwissenschaft, Seiten 111-118.
[xv] URL: https://www.dresdner-verein-fuer-genealogie.de.
[xvi] URL: https://www.geschichtsmarkt-dresden.de.
[xvii] URL: https://www.slk-miltitz.de.
[xviii] URL: https://www.isgv.de.
[xix] URL: https://archiv.sachsen.de.
[xx] URL: http://www.saechsische-landesgeschichte.de.
[xxi] URL: https://www.saechsischer-heimatschutz.de.
DGI

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