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Open Password - Donnerstag, den 17. September 2020

# 824

Gerda Bredemeier - Willi Bredemeier - Antiheimatroman - Der andere Heimatroman - Elisabeth Simon - Simon Verlag für Bibliothekswissen - Partielle Modernisierung des Ruhrgebiets - Oliver Renn – Ideale wissenschaftliche Bibliothek - Informationszentrums Chemie | Biologie | Pharmazie – ETH Zürich – Katalog – Datenbanken – Software – Apps – Web Services – Scouting von Informationslösungen – Evaluierung – Vermittlung – Competitive Intelligence – ICT Skills – Vierter Ort – WordPress – Infoflow – Content Management System – User Interaction and Experience – Application Programming Interface – Awareness – User Interface Design – Coffee Lectures – Coffee Lecture User Group – Research Group Menu Card Seminars - DIPF – bildungsgeschichte.de – BBF – Sabine Reh – Open Access



Gerda und Willi Bredemeier

„Der andere Heimatroman“:

Familiensaga und partielle Modernisierung
des Ruhrgebiets

Heimatgeschichten und -romane spielen in den letzte Jahren wieder eine größere Rolle und sind meistens in einem traditionsbewussten Ton verfasst. Der „Antiheimatrom“ von Willi Bredemeier (Simon Verlag, Berlin 2014) folgt dieser Konvention nicht und nimmt in seinem Titel ausdrücklich darauf Bezug. Der Strukturwandel des Ruhrgebiet verbunden mit dem Niedergang von Kohle und Stahl wird schonungslos analysiert und die Verantwortung für die nur partielle Modernisierung der Region den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik zugewiesen. …

Das Buch erwies sich als eine fesselnde Lektüre, auch weil er zusätzlich eine Familiensaga war. Damit wurde 2020 eine überarbeitete Neuauflage möglich unter dem veränderten Titel „Der andere Heimatroman“ und mit der erweiterten Autorenschaft Gerda und Willi Bredemeier. Die Analyse der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Nordrhein-Westfalens ist erhalten geblieben, aber die Familiensaga wurde weiter ausgebaut.

Elisabeth Simon, Heimat, in: www.simon-bw.de

Die ideale wissenschaftliche Bibliothek

Scouting, Evaluierung und
Vermittlung von Informationslösungen


Von Oliver Renn


Vierter Teil
9.2. Die Dienstleistungen: Navigationshilfen bei der Suche nach Informationslösungen

Der Katalog einer wissenschaftlichen Bibliothek ist nur noch selten der Zugangsweg zu wissenschaftlicher Information, zumindest in den Naturwissenschaften. Jene, die viel Arbeit in die Katalogisierung investieren, mag das zu Recht frustrieren. Bücher und Zeitschriftenbände spielen aber schon bei Doktorierenden nur noch eine geringe Rolle und wenn sie noch gesucht und gefunden werden, dann geschieht dies über andere Wege.

Es gibt heute eine große Anzahl von anderen Formaten für wissenschaftliche Informationen, die hier als Informationslösungen bezeichnet werden sollen. Unter Informationslösungen werden in diesem Text Datenbanken, Software, Apps und Web Services verstanden, die es Studierenden, Lehrenden und Forschenden ermöglichen sollen, wissenschaftliche Informationen zu finden, zu holen, zu speichern, zu verarbeiten, zu verknüpfen, zu analysieren, zu visualisieren und zu vergleichen.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass viele der Informationslösungen – egal ob frei verfügbar oder lizenziert – unbekannt sind und unbekannt bleiben. Ob und was davon genutzt wird, ist auch in hohem Maß abhängig von der Forschungsgruppe – oft wird weiter genutzt, woran man sich vor vielen Jahren oder gar Jahrzehnten gewöhnt hat, auch wenn es mittlerweile viel Besseres gibt. Gleichermaßen wirken sich solche Vorlieben in der Lehre aus.

Wir sehen es als unsere Aufgabe an, unsere Kunden zu unterstützen und die richtige Informationslösung zu finden. Dazu beschreiten wir verschiedene Wege: Wegweisung im Web, Wegweisung durch Training und Lehre sowie Wegweisung über Publikationen. Letztere werden in einem nachfolgenden Kapitel beschrieben.

Da A-bis-Z-Listen von Datenbanken oder Software meist nur Listen mit Abkürzungen oder Kunstwörtern sind, die in der Regel nicht verraten, was sich dahinter verbirgt, haben wir uns schon 2013 von der klassischen A-bis-Z-Liste verabschiedet und ein dynamisches Modul sowohl für „Datenbanken“ als auch „Tools“ entwickelt. Diese Module (realisiert in unserem Web-Content-Managementsystem Typo3), sollen helfen, die richtigen Informationslösungen zu finden. Unter „Tools“ verstehen wir Software, Apps und Webservices. Aus heutiger Sicht würden wir diese Unterscheidung in „Datenbanken“ und „Tools“ vielleicht nicht mehr treffen, allerdings hilft uns diese Aufteilung, die Filterungsmöglichkeiten spezifischer zu machen und den Weg zur passenden Informationslösung zu verkürzen.

Die passende Informationslösung, hier am Beispiel des Moduls „Datenbank“, kann über mehrere Wege gefunden werden:

1. Die Stichwortsuche. Hier haben wir auch die Möglichkeit, Stichworte, die gar nicht im Beschreibungstext vorkommen, zu hinterlegen.

2. Die Suche über das Fachgebiet und anschließend über die Untergebiete eines jeweiligen Fachgebietes

3. Die Suche über die Anwendungsgebiete/Fragestellungen. Diese sind abhängig vom ausgewählten Fachgebiet.

4. Filterung über den Typ der Datenbank

Alle vier Suchansätze können auch kombiniert werden. Zusätzlich können wir wichtige Datenbanken taggen, so dass diese zuerst in der ansonsten alphabetischen Liste angezeigt werden.
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Abbildung 3. Website des Informationszentrums Chemie | Biologie | Pharmazie der ETH Zürich (www.infozentrum.ethz.ch)



9.3. Das Scouting von Informationslösungen – Die wissenschaftliche Bibliothek als Vierter
Ort


Das Scouting von Informationslösungen, die anschließende kritische und praxisnahe Evaluierung und gegebenenfalls Vermittlung ist für wissenschaftliche Bibliotheken heute eine Kernaufgabe und nach Meinung des Verfassers die wichtigste. Alle anderen Dienstleistungen der Bibliotheken sind abhängig von der Qualität dieser Arbeit.

Gleichermaßen ist dies auch die spannendste Aufgabe. Dauernd kommen neue Informationslösungen auf den Markt, alte verändern sich – und viele davon sind frei verfügbar. Es gilt, diese Entwicklungen zu beobachten. Es braucht also erfahrene Scouts, die den Markt beobachten und Lösungen identifizieren können, die für ihre Nutzergruppe wertvoll sind. Solche Scouts müssen Informationslösungen aus fachlicher, technischer und Anwendersicht beurteilen können. In Informationseinrichtungen von Unternehmen ist diese Aufgabe besonders wichtig und wird deshalb oft als Competitive Intelligence bezeichnet. Findet ein Unternehmen vor anderen eine neue Datenquelle oder Software bzw. setzt diese frühzeitig ein, kann der Wettbewerbsvorteil in einem kompetitiven Umfeld entscheidend sein. Universitäten sind nicht unbedingt weniger kompetitiv, aber die Auswirkungen einer Lösung sind hier manchmal weniger sichtbar. Nichtsdestotrotz sollte eine führende technische Hochschule den Anspruch haben, die heutigen Möglichkeiten des Daten- und Informationsmanagements zu nutzen, und dazu gehört auch das Scouting neuer Ressourcen und Technologien, eben von Informationslösungen. Dies verlangt Mitarbeitende mit den eingangs erwähnten fachlichen Qualifikationen.

Das Scouting, die Evaluierung und die nachfolgende Vermittlung von digitalen Kompetenzen, im Englischen als ICT Skills bezeichnet, also die Fähigkeit, mit Information Communications Technology umzugehen, muss an einem neutralen, unabhängigen und qualifizierten Ort geschehen. Die wissenschaftliche Bibliothek ist der ideale Ort dafür.

Wird dies erfolgreich umgesetzt, hat die wissenschaftliche Bibliothek eine wichtige neue Rolle. Nicht als Dritter Ort, sondern als Vierter Ort: der Ort, an dem der digitalen Wissensgesellschaft die notwendigen Kompetenzen und Methoden vermittelt werden.

Um neue Informationslösungen zu scouten, wertet das Informationszentrum Chemie | Biologie | Pharmazie eine Vielzahl von Newslettern, Blogs, Periodika usw. aus. Anders als bei Kollegen in der Pharmaindustrie, die mittels verschiedenster technologischer Methoden das Web durchkämmen, um als erster ein spannendes Start-up oder die Ausgründung einer Universität mit einer für das Unternehmen relevanten Technologie zu finden, ist dies bei uns weitgehend ein manueller Prozess.

Alle „positiven“ Treffer werden in einem geschlossenen WordPress-Blog verwaltet. Dieses technische System dient als Verwaltungsapparat für das Scouting. WordPress wurde gewählt, weil jeder Mitarbeitende der ETH Zürich bis zu fünf vorkonfigurierte Blogs anlegen kann. Ein Blog oder eine Website lässt sich in wenigen Minuten anlegen.

Dieser Blog, Infoflow genannt, erlaubt nicht nur die Speicherung der gefundenen News, die darüber hinaus nach Themen und Aufgaben gefiltert werden können, sondern ist zusätzlich eine Art Content-Management-System für die Publikationen des Infozentrums, Infozine und Infocus, die weiter unten beschrieben werden.

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Abbildung 4. Screenshot von Infoflow, im Februar 2020 relauncht.

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Abbildung 5. Schema des Scoutings, der Evaluierung und Vermittlung von Informationslösungen. Ein ähnlicher Prozess ist für „Forschungsinfrastruktur“ etabliert.



9.4. Die Evaluierung von Informationslösungen

Datenbanken, Software, Apps und Web Services, aber auch Konzepte (z.B. neue Ansätze in der Wissenschaftskommunikation), die positiv gescoutet wurden und deshalb Eingang in Infloflow gefunden haben, werden anschließend evaluiert. Es wird geprüft, ob die Anwendung hält, was sie verspricht, ob die Daten und Informationen korrekt sind und ob die Benutzerführung gut ist. Es gibt immer wieder Beispiele für Datenbanken, die zwar einzigartige Inhalte haben, deren Benutzerführung aber so schlecht ist, dass die Ressource dann doch nicht benutzt wird. Leider sparen viele Unternehmen, insbesondere der öffentlichen Hand, an den Kosten für UIX – der User Interaction and Experience. Genauso gibt es natürlich auch Beispiele, wo zwar das Design gut ist, der Inhalt aber mangelhaft. Das wichtigste Kriterium ist jedoch die Frage, ob die gefundene neue Informationslösung Möglichkeiten eröffnet, die es vorher nicht gab, oder zumindest zu zeitlichen Ersparnissen führt.

Für eine erfolgreiche Evaluierung ist noch mehr als beim Scouting entsprechendes Fachwissen unabdingbar. Eine neue Suchmaschine kann jeder testen, ein elektronisches Laborjournal nur jemand, der selbst – vor nicht allzu langer Zeit – im Labor gearbeitet hat. Auch ein API (Application Programming Interface) zu einer Chemiedatenbank kann nur jemand testen, der entsprechendes chemisches und technisches Wissen hat.

Ist eine Informationslösung positiv evaluiert, wird die Nutzung über verschiedenste Awareness & Training-Formate den jeweiligen Zielgruppen vermittelt.



9.5. Die Vermittlung von Informationslösungen

Für die Vermittlung von Informationsressourcen werden in Bibliotheken traditionell Kurse und Schulungen eingesetzt. Diese dauern oft sehr lange, da sie den Anspruch haben, umfassend über alles, insbesondere über Nachteile und Einschränkungen, zu informieren. Dies schreckt die Kunden der Bibliothek ab, da diese in der Regel ein knappes Zeitbudget haben. Darüber hinaus sind sie es aus dem Privatleben gewöhnt, dass z.B. Apps ohne Schulung funktionieren. Welche Bank käme auf die Idee, zweistündige Kurse für e-Banking anbieten?

Die Nutzung einer neuen Informationsressource sollte also intuitiv sein. Der Schwerpunkt bei der Vermittlung liegt damit eher bei der „Awareness“ als beim eigentlichen Training. Damit diese Benutzerfreundlichkeit gegeben ist und das User Interface Design (UI bzw. UXD) stimmt, investiert das Informationszentrum Chemie | Biologie | Pharmazie auch gerne Zeit und Knowhow in Entwicklungspartnerschaften und Beiratstätigkeiten.

Für die Vermittlung von Informationslösungen hat das ICBP verschiedene Formate entwickelt, auf die hier näher eingegangen wird.

9.5.1. Coffee Lectures. Das bekannteste Format für die Vermittlung neuer Informationslösungen und Konzepte, welches vom Autor entwickelt wurde, sind die Coffee Lectures. Coffee Lectures sind kurze, idealerweise maximal zehn Minuten dauernde Vorstellungen von Datenbanken, Software, Web Services, aber auch von Konzepten. Diese wurden mittlerweile an fast hundert Bibliotheken durchgeführt und an den meisten haben sie sich etabliert. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Publikationen zu diesem Thema, so dass hier nicht weiter darauf eingegangen werden soll. Eine aktuelle Literaturübersicht findet sich auf der Website der Coffee Lecture User Group [7].

9.5.2. Research Group Menu Card Seminars. Die „Research Group Menu Card Seminars“ sind ein weiteres Format der Vermittlung für Forschungsgruppen. In diesen Seminaren werden Informationslösungen vorgestellt, die für die Forschungsfragen der jeweiligen Forschungsgruppen relevant sind. Eine Softwarelösung oder Datenbank wird live anhand konkreter Beispiele aus der Forschungsgruppe vorgestellt.

Warum Menu Card Seminar? Wir sind davon ausgegangen, dass eine lange Liste von möglichen Schulungsthemen Doktorierende und ihre Vorgesetzten abschreckt. Wird dies aber in Form einer Speisekarte präsentiert, ist zu erwarten, dass allein die Form mehr Lust auf ein solches Seminar macht. Aus diesem Grund ist das Angebot in Form einer Speisekarte gestaltet, mit Vorspeisen, Hauptgerichten, Specials und natürlich Desserts, aus denen die Arbeitsgruppen sich ihr „Menü“ zusammenstellen können. Bei den „Köchen“ eines solchen Menüs ist mehr denn je wichtig, dass ein tiefes Verständnis für die Forschung vorhanden ist. Auch hier sei für weitere Informationen auf eine Publikation [8] und die Webseite des Informationszentrums verwiesen [9].

Lesen Sie in der abschließenden Folge: Information Consulting, Outreach,
Bereitstellung von Forschungsinfrastruktur


DIPF

Die neue Website „bildungsgeschichte.de“:
Digitale Wissensressourcen auf einen Blick

(DIPF) Ob digitalisierte Quellenbestände, Forschungsdaten oder Web-Archive: Die neue Website „bildungsgeschichte.de“ beschreibt fachkundig, was sie beinhalten und wo sie zu finden sind. Wissenschaftler, die historisch zu Bildung und Erziehung forschen, können sich so einen differenzierten Einblick in verfügbare digitale Wissensressourcen verschaffen oder über eigene Angebote dieser Art publizieren. Anbieter von bildungsgeschichte.de ist die BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.

„Unsere Website bildungsgeschichte.de soll die zentrale Plattform für digitale Wissensressourcen zur Bildungsgeschichte im Netz werden“, sagt Professorin Dr. Sabine Reh, wissenschaftliche Direktorin der BBF und Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des DIPF. Das Angebot richtet sich vor allem an die mit den Methoden der digitalen Geisteswissenschaften (Digital Humanities) arbeitende Forschungscommunity. „Die Forschenden werden darin unterstützt, digitale Quellen und Forschungsdaten zu finden, zu verwenden und für andere zur Nachnutzung bereitzustellen“, so Reh.
Beiträge für bildungsgeschichte.de können Bildungshistoriker einreichen, die Angebote für die Forschung beschreiben möchten. Solche Angebote wären etwa Datenbanken zu einzelnen Themenbereichen (zum Beispiel zur historischen Kindersachliteratur), Quellensammlungen aus Forschungsprojekten oder Volltextdatenbestände, die sich über Computerschnittstellen automatisch auswerten lassen.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die sich durch wissenschaftliche Qualität und Relevanz auszeichnen. Das für die Plattform verantwortliche BBF-Team begutachtet alle Einreichungen aus bildungshistorischer und informationswissenschaftlicher Perspektive. Alle veröffentlichten Texte stehen frei zugänglich (Open Access) unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 4.0 International“ (CC BY 4.0) zur Verfügung. Die Lizenz bietet alle Möglichkeiten, das Material zu teilen und zu bearbeiten, und verlangt nur, Angaben zu den Urheber und zu den Rechten zu machen. Jeder Beitrag erhält zudem einen dauerhaften digitalen Identifikator (DOI), worüber die Texte leichter aufzufinden und zu zitieren sind.

Die neue Website: www.bildungsgeschichte.de

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