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Open Password - Donnerstag, den 27. August 2020

# 812


grenzenlos-digital org – you-we-digital.com – Informationswissenschaft – Praxisimpulse – Migranten – Mitarbeiter in KMUs – Violet a Trkulja – Juliane Stiller – Digitale Spaltung – Corona-Pandemie – Virtualisierung - Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft - Humboldt-Universität zu Berlin – Digitale Kompetenzen – Start-up - Marga-Faulstich-Programm – Coaching-Programm Berlin – Deutsch für Flüchtlinge – Beratung für Jobsuche – Internet als Informationsquelle – Bosnien – Google – iLab - OCLC/ALISE Research Grant – Komplexere Suchen – Deutscher Arbeitsmarkt – Curricula – lokalwerk.net – Smartphone – E-Mail-Kommunikation – Webseiten – DESI-Report – EU – Wirtschaftsstandort Deutschland – Digitale Transformation – Digitales Mind-Set – Home-Office - Pub Engine – Norbert Weitkämper – Dorsch-Portal – Hogrefe eLibrary – Moodle – Pub Engine eLibrary – Alice Keller – Autorenakquisition – Open Access



grenzenlos-digital.org
you-we-digital.com


Informationswissenschaftliche Kenntnisse
in Praxisimpulse umsetzen


Von Migrant*innen bis Mitarbeiter*innen
in KMUs: Lernen, sich selbstständig
im Internet zu bewegen


Von Violeta Trkulja und Juliane Stiller

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Violeta Trkulja

Die Digitale Spaltung unserer Gesellschaft ist durch die Corona-Pandemie offen zu Tage getreten: Auf der einen Seite sehen wir Menschen, die weitgehend problemlos an der eher erzwungenen Digitalisierung von Schule und Arbeit teilnehmen, und auf der anderen Seite Menschen, die davon ausgeschlossen sind. Viele Angebote, die vor der Corona-Krise in persönlichen Treffen stattfanden, wie Beratungsgespräche, Coachings, Workshops, Lehre und Unterricht, müssen nun digital abgehalten werden und es gibt wenig Hilfestellung, wie man das insbesondere mit kleinem Budget bewerkstelligen kann. Für eine erfolgreiche Umsetzung von digitalen Treffen, Workshops oder Unterricht mangelt es Teilnehmer*innen und Veranstalter*innen nicht nur an den Fähigkeiten, Endgeräte und Anwendungen bedienen und deren Funktionsweise verstehen zu können, sondern auch an Erfahrung und Methoden, wie man im digitalen Raum Lernerlebnisse und -erfolge und auch zwischenmenschliche Kommunikation umsetzen kann.

Als wir uns vor fünf Jahren am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin das erste Mal getroffen hatten, wussten wir noch nicht, dass das Thema “Digitale Kompetenzen” uns nicht nur wissenschaftlich zu einem Team machen, sondern uns auch auf unsere gemeinsame Reise in die Selbstständigkeit schicken würde. Auf dieser Reise mussten wir viele unserer Glaubenssätze über Bord werfen. Aber wir wurden auch von großartigen Menschen auf dem Weg begleitet und unterstützt. Mit unserer Gründungsidee wurden wir für das Marga-Faulstich-Programm an der Humboldt-Universität zu Berlin ausgewählt und erhielten Coaching und Mentoring durch Führungsexpertinnen aus der Wirtschaft. Über ein Coaching-Programm des Landes Berlin erhielten wir weitere Stunden mit erfahrenen Coaches, die uns dabei unterstützten, unsere oft problemorientierte wissenschaftliche Sichtweise lösungsorientiert zu kommunizieren.

Begonnen hat unsere gemeinsame Arbeit im Herbst 2015. Bewegt von dem Schicksal vieler Menschen, die damals aus Syrien zu uns kamen, engagierten wir uns ehrenamtlich und unterrichteten Deutsch für geflüchtete Menschen bei der Volkssolidarität in Berlin. Im Deutschunterricht begannen wir zunehmend auch Unterstützung zu geben, sich auf dem Arbeitsmarkt zurechtzufinden, und Beratungen für Bewerbung und Jobsuche anzubieten. Dabei stießen wir immer wieder auf das gleiche Problem: Es fehlte vielen Neuankömmlingen an Techniken und Erfahrungen, das Internet als Informationsquelle zu nutzen. So blieb ihre Suchen nach Arbeitsplätzen und Qualifizierungsmöglichkeiten häufig erfolglos. Darüber gerieten wir beide immer mehr in Diskussionen und Violeta, angetrieben von der Forschung in ihrer Doktorarbeit über die digitale Spaltung in dem Nachkriegsland Bosnien-Herzegowina, sah eine sich vergrößernde Spaltung zwischen den Menschen mit und ohne digitale Kompetenzen. Juliane, die sich zu dieser Zeit mit Information Retrieval und digitalisiertem kulturellen Erbe auseinandersetzte, war überrascht von den Auswirkungen mangelnder Digitalkompetenz bei den Suchen in Google. Sie hatte vor ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit drei Jahre beim Unternehmen Google gearbeitet.
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Juliane Stiller

Als Informationswissenschaftlerinnen sahen wir uns gefordert und wir suchten nach Möglichkeiten, wie wir das Informationsverhalten unserer Schüler*innen, die im Internet nach Jobs suchten, erforschen konnten: Welche Barrieren behinderten sie bei der Informationssuche und wie könnte man sie besser unterstützen? Diese Fragen brannten uns unter den Nägeln, so dass wir im Sommer 2017 im iLab am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft eine wissenschaftliche Untersuchung zu diesen Fragestellungen durchführten.

Ziel dieser ersten Studie war es, die Hindernisse bei der Online-Suche zu ermitteln und die Herangehensweise an Suchprozesse besser zu verstehen: Wir wollten wissen, wo wir ansetzen müssen, um Kurse zu entwickeln, die nicht nur zielgerichtete Fähigkeiten vermitteln, sondern auch zur Weiterentwicklung digitaler Fähigkeiten beitragen und somit Menschen ermöglichen, die Vorteile des Internets für sich zu nutzen. Durch eine Förderung über den OCLC/ALISE Research Grant 2018 konnten wir eine zweite Studie durchführen. Dabei trat zutage, was wir in unserer ehrenamtlichen Arbeit immer wieder beobachtet hatten. So ist der große Teil der Studienteilnehmer*innen täglich im Internet unterwegs, um Informationen zu recherchieren, Kontakt mit der Familie zu halten oder um sich mit Videos oder Musik zu unterhalten. Desto komplexer die Informationsrecherche war, die die Teilnehmer*innen durchführen sollten, desto mehr Probleme bekamen sie jedoch: Eine Faktensuche beispielsweise nach der Adresse einer Einrichtung oder dem Mindestlohn in Deutschland führten viele erfolgreich durch. Komplexere Aufgaben, die sich nicht mit einer Suchanfrage beantworten ließen, sondern mehrerer umfangreicherer Suchen bedurften, bereiteten große Probleme. Zusätzlich zu den Aufgaben, die gelöst werden sollten, führten wir mit einigen Teilnehmer*innen Interviews durch. Viele Teilnehmer*innen gaben an, dass sie bei der Jobsuche die Unterstützung von Jobcentern oder persönlichen Kontakten wünschten und auch benötigten. Auf sich allein gestellt, fällt vielen sehr schwer, sich auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland zu orientieren, und ein Gefühl der Ohnmacht wächst angesichts der vielen Regeln und Möglichkeiten, die den deutschen Arbeitsmarkt, die Qualifizierung für diesen und den stark formalisierten Bewerbungsprozess kennzeichnen.

Mit den Erkenntnissen aus unseren Studien konnten wir ein passgenaues Curriculum erstellen, um Geflüchtete, die einen Arbeits-, Studien- oder Praktikumsplatz suchen, mit den für diesen Findungsprozess erforderlichen digitalen Fähigkeiten auszustatten. Gemeinsam mit unserem Partner, der Geflüchtete coached und begleitet, bieten wir nun im zweiten Jahr eine Lernwerkstatt für Digital Skills an (https://www.lokalwerk.net/digicomwork/). Diese Erfahrungen haben uns weitere wichtige Erkenntnisse geliefert, wo die größten Hürden liegen, das Internet und seine Vorteile positiv für sich zu nutzen:

  • Viele Teilnehmer*innen sind nahezu ausschließlich mit dem Smartphone sozialisiert. Der Umgang mit dem Laptop muss teilweise mühevoll erlernt werden, ist aber unausweichlich, wenn es darum geht, Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen und mit Arbeitgeber*innen zu kommunizieren.
  • E-Mail-Kommunikation ist für viele Teilnehmer*innen sehr schwer. Formale Konventionen wie Anrede und Abschiedsgruß, aber auch die Struktur einer E-Mail müssen erlernt werden. Das gilt auch für Gepflogenheiten, wann man sich beispielsweise in einer E-Mail vorstellt und wann man das nicht braucht.
  • Die Orientierung auf deutschsprachigen Webseiten macht Recherchen zeitaufwendig und führt häufig zu frustrierenden Erlebnissen, vor allem da es an Erfahrungen fehlt. Woher soll man auch wissen, wo auf einer Unternehmenswebseite die Stellenausschreibungen stehen? Wenn man das noch nie gemacht hat, klickt man sich mühevoll von Menüpunkt zu Menüpunkt.
Der Mangel an Digitalen Kompetenzen ist nicht nur ein Problem von Menschen mit Fluchthintergrund, sondern betrifft auch einen großen Teil der Erwachsenen in Deutschland und der Europäischen Union. Der aktuelle DESI-Report bescheinigt, wie bereits 2018, dass es 43% der Erwachsenen in der Europäischen Union an einfachsten digitalen Kompetenzen mangelt[1]. Dies stellt ein gravierendes Problem dar, da ein solcher Mangel nicht nur zum Verlust des Arbeitsplatzes führen kann, sondern Menschen mehr und mehr vom sozialen Leben und gesellschaftlichen Prozessen ausschließt.

Um digitale Kompetenzen in der Gesellschaft zu fördern, haben wir den gemeinnützigen Verein Grenzenlos Digital e.V. (www.grenzenlos-digital.org) gegründet. Mit ihm verfolgen wir das Ziel der sich immer größer werdenden digitalen Kluft zwischen Menschen mit niedrigen und Menschen mit hohen digitalen Kompetenzen etwas entgegenzusetzen. Wir möchten allen Menschen ein Recht auf digitale Teilhabe ermöglichen, den Prozess des digitalen Wandels auch unter Gesichtspunkten der Gleichberechtigung und Diversität vollziehen sowie Erkenntnisse aus der Informationswissenschaft als Impulse für die Praxis einsetzen.

Das Fehlen digitaler Kompetenzen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, dessen Folgen auch den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden. Unternehmen, die Prozesse wie Buchführung oder Kundenmanagement noch analog durchführen oder sich nicht mit digitalen Wertschöpfungsketten beschäftigen, verlieren den Anschluss und werden mittelfristig vom Markt verdrängt.

Deswegen haben wir vor einem Jahr You, We & Digital (www.you-we-digital.com) gegründet, um auch Organisationen und Unternehmen zu unterstützen, ihre Mitarbeiter*innen auf die Veränderungen der digitalen Transformation vorzubereiten und dieser mit Neugierde statt mit Angst und Unmut zu begegnen. Gerade der Mangel an niedrigschwelligen digitalen Kompetenzen hindert kleine und mittlere Unternehmen daran, die Digitalisierung umzusetzen und sich mit digitalen Technologien auseinanderzusetzen. Wir gehen in unserer Arbeit auf fehlende Motivation, auf bestehende Ängste sowie auf mangelndes Verständnis für digitale Konzepte ein und entwickeln Strategien, wie man diesen begegnen kann. Unser Ziel ist es immer, die Vorteile der Digitalisierung nachzuweisen und die positiven Aspekte für jeden einzelnen Menschen hervorzuheben.

Kleine und mittelständische Unternehmen profitieren davon, wenn ihre Mitarbeiter*innen

  • der Digitalisierung offen gegenüberstehen und sich von Veränderungen nicht in ihrer Kompetenz und Arbeitsweise bedroht fühlen,
  • Arbeitsprozesse effizient mitgestalten,
  • selbst Neuerungen anstoßen und diesen positiv gegenüberstehen,
  • Digitalisierung als Gewinn und nicht als Begrenzung erleben,
  • und die selbstbestimmt und selbstorganisiert lernen.
Hier setzen wir mit unserem Konzept an, möchten die Mitarbeiter*innen mitnehmen und Neugierde und Offenheit gegenüber der Digitalisierung wecken, digitale Kompetenz und Medien- und Informationskompetenz fördern, die sowohl auf den Bedarf des Unternehmens als auch auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen im Unternehmen angepasst ist und ein digitales Mind-Set aufbauen.

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass viele Unternehmen auf Home-Office und auf digitale Prozesse umstellen mussten. Jedoch sind die ad hoc eingeführten Lösungen oft nur eine Digitalisierung analoger Konzepte, ohne die Zusammenarbeit im virtuellen Raum wirklich neu zu denken. So kennt beispielsweise jeder zähe Videokonferenzen, die persönlichen Treffen ersetzen und oft unproduktiv und langweilig sind.

Mit viel Herzblut und Motivation arbeiten wir daran, digitale Kompetenz als eine Schlüsselkompetenz in Gesellschaft, Wirtschaft und nach wie vor auch Wissenschaft zu verankern, um als Gesellschaft die Herausforderung des digitalen Wandels zu meistern, den Alltag und die Arbeitsaufgaben in unserer heutigen Informationsgesellschaft zu bewältigen sowie selbständige Teilhabe an gesellschaftlichen und demokratischen Prozessen zu fördern.

Wir freuen uns über weitere Unterstützungen unserer Arbeit, sind für eine Zusammenarbeit mit neuen Partner*innen offen und gespannt auf weitere Impulse und Anregungen.

[1] DESI Report (2020): Digital Economy and Society Index (DESI) 2020. Thematic Chapters Seite 52. Online: https://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=67086.
PubEngine

Integration mit Moodle und Hogrefe eLibrary

Sehr geehrter Herr Dr. Bredemeier,

das neue Dorsch-Portal bietet das gesamte Wissen der Psychologie mit einer vollständig neu geschaffenen Usability, hervorgegangen aus einem intensiven Human-centered Design Prozess. Die "Digital-Symbiose" zwischen Dorsch Portal und der Hogrefe PubEngine eLibrary bietet ein neues Recherche-Erlebnis und echten Mehrwert für den Nutzer.

"Digital-Symbiose": - Unter jedem Stichwort im Dorsch Portal finden sich Verlinkungen zu ergänzenden eBooks der Hogrefe eLibrary, die automatisch von der PubEngine zugeordnet werden. Beispiel Arbeitsbelastung: https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/arbeitsbelastung zeigt zum Stichwort passende eBooks aus der eLibrary mit Hilfe der PubEngine Recommendation Engine. - Die eBooks der Hogrefe eLibrary enthalten Verlinkungen zu den Dorsch-Stichwörtern, die automatisch von der PubEngine im PDF-Dokument gesetzt werden.

Über Dorsch. Der Dorsch bietet rund 13.500 Stichwörter von über 600 Fachautor*innen aus allen Bereichen der Psychologie. Das Online-Lexikon dorsch.hogrefe.com wird kontinuierlich aktualisiert und erweitert; es ist über viele Disziplinen hinweg anerkannt und kann in allen wissenschaftlichen Zusammenhängen zitiert werden.

PubEngine Moodle Integration. Moodle ist ein freies Kurslernsystem und laut eigener Aussage weltweit die beliebteste Lernplattform und bei über 100.000 Bildungseinrichtungen im Einsatz. Zahlreiche Hochschulen auch in Deutschland setzen Moodle für die Online-Lehre ein. Die PubEngine eLibrary kann einfach und effizient in Moodle integriert werden, damit Dozenten eBooks und Artikel der PubEngine direkt in Moodle Kurse einbauen können.

Mit besten Grüßen Ihr Norbert Weitkämper, Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH),
Geschäftsführer Pub Engine



Alice Keller, Password-Frau
des Jahres 2012


Warum die Akquisition von Autoren
immer schwieriger wird

Dr. Alice Keller, Direktorin der Universitätsbibliothek Basel und Password-Frau des Jahres 2012, hat das Informationsverhalten von Bibliothekaren und Informationswissenschaftlern untersucht. Ihre Schlussfolgerungen lauten:

„Es sind keine vergleichbaren Studien zum Publikationsverhalten von deutschsprachigen Bibliothekaren oder Informationswissenschaftlern bekannt. Insofern kann vorliegende Studie für den deutschen Sprachraum als wegweisend betrachtet werden. Sie zeigt, dass sich deutschsprachige Fachpersonen der Bibliotheks- und Informationswissenschaften in Bezug auf ihr Publikationsverhalten sehr ähnlich verhalten wie im internationalen Vergleich. Dies betrifft vor allem die Motivationsfaktoren sowie Barrieren gegenüber der Schreibtätigkeit und die Beurteilung der Wichtigkeit von Open Access.
Der Ausgangspunkt dieser Studie war die Beobachtung langjähriger Herausgeber, dass es zunehmend schwierig ist, Artikel für subskriptionsbasierte Zeitschriften der Bibliotheks- und Informationswissenschaften zu akquirieren. Bestätigt diese Studie nun diese Beobachtung oder bietet sie gar einen Lösungsansatz für das Problem?

Tatsache ist, dass die Zahl der Fachzeitschriften stark gestiegen ist, so dass eine Konkurrenzsituation auf der Hand liegt: Die Zeitschriften graben sich gegenseitig das Wasser ab, was die Autorenakquise angeht. Gleichzeitig wird der Open-Access-Verfügbarkeit viel Wichtigkeit beigemessen, so dass frei zugängliche Zeitschriften sicher einen Konkurrenzvorteil haben. Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass der grüne Weg für die große Mehrheit der Autoren akzeptabel ist.

In anderen Ländern wird der „Autorenflaute“ durch die Gründung von Schreibzirkeln oder Mentoringprogrammen entgegengewirkt. Dieser Ansatz ist sicher sinnvoll und dient dem Aufbau von Selbstvertrauen, was allerdings gemäß vorliegender Studie nicht ein Hauptproblem deutschsprachiger Autoren darstellt. Schreibzirkel oder Mentoring können auch zu einer Verschiebung der Prioritäten führen, allerdings überwinden sie nicht grundsätzlich das hier erkannte Hauptproblem des Zeitmangels.

Inwiefern die wissenschaftliche Schreibtätigkeit als Teil der bezahlten Arbeit gilt oder in der Freizeit stattfinden muss, wirkt sich sicherlich auf den Output und die Bereitschaft der Schreibenden aus. Die Studie zeigt, dass das Publizieren bei zirka der Hälfte der „regelmäßig“ Schreibenden zum Arbeitsauftrag gehört (was aber nicht heißen muss, dass das Schreiben immer als bezahlte Arbeitszeit angerechnet werden darf). Bei den „gelegentlich oder selten“ Schreibenden gehört das Publizieren nur bei 20 % zum Arbeitsauftrag. Bei den „Nicht-Schreibenden“ bezeichnen etwa 50 % der Befragten den fehlenden Arbeitsauftrag und die Nichtzurverfügungstellung entsprechender Ressourcen als Barriere zum Schreiben.

Angesichts dieser abgebildeten Realität darf es nicht verwundern, dass die Autorenakquise schwierig ist und bleibt, denn ein großer Teil der Schreibtätigkeit erfolgt freiwillig und in der Freizeit. Die Schreibtätigkeit von Bibliotheken basiert entsprechend stark auf der Selbstmotivation, auf der beruflichen Leidenschaft, oder wie es Hauke ausdrückt, auf der Befriedigung, die aus der vertiefenden Beschäftigung stammt und zur fachlichen Bereicherung und zur Perspektivenerweiterung führt. „Lust ja, aber keine Zeit!“, so lautet der Titel und letztlich auch die Schlussfolgerung.

In: Alice Keller, „Lust ja, aber keine Zeit!“: Publikationsverhalten von Bibliothekaren und Informationswissenschaftlern - “We Enjoy Writing, but Don’t Have Any Time”: Publishing Behaviour of Library and Information Professionals, in: Bibliothek Forschung und Praxis

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