Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED: Eine erste Bilanz (1)

Was wir mit der Mobilisierung pro ZB MED erreichen sollten

Über den Senatsbeschluss der Leibniz Gemeinschaft
gibt es ausschließlich negative Stimmen

(W.B.) Die Mobilisierung der Bibliotheken, der Informationswissenschaften und der Informationsbranche gegen die Abwicklung der ZB MED hat sich in einem zuvor nicht gesehenen Maße entfaltet – unter anderem mit mehr als 3.000 Unterschriften unter einer Petition. Open Password hat darüber mehrere Male zeitnah berichtet. Ist es an der Zeit, zwischenzeitlich Atem zu holen und sich des Standes der Diskussion zu vergewissern?

Als Form für eine erste Bilanzierung der Diskussion zur ZB MED habe ich zwei Beiträge gewählt. Erstens die Wiedergabe eines Beitrages von Rudolf Mumenthaler (HTW Chur) auf seinem eigenen Blog.http://ruedimumenthaler.ch/2016/03/18/abwicklung-der-zbmed-beschlossen. Mumenthaler kommt nicht nur das Verdienst zu, mit seiner Petition auf change.org dem Protest gegen den Abwicklungsbeschluss gegen die ZB MED eine Struktur gegeben zu haben. Vielmehr hat er zu einer frühen Stunde klare Worte gefunden. Sein Blog-Beitrag geht in mehreren Punkten über den Petitions-Aufruf hinaus.

Zweitens versuche ich, Implikationen der Ausführungen Mumenthalers herauszuarbeiten und den einen oder anderen Gedanken hinzuzufügen. Ganz ohne Einschränkung halte ich den Beitrag Mumenthalers für wichtig und richtig. Bei meinen Überlegungen greife ich auch auf den Podcast mit einem Interview mit Mumenthaler, geführt von Michael Klems, zurück. http://www.infobroker.de/podcast/2016/03/24/zb-med-was-nun-was-tun-herr-mumenthaler/

Ein Ergebnis der Diskussionen über den Abwicklungsbeschluss gegen die ZB MED sollte bereits hier genannt werden: Zum Senatsbeschluss der Leibniz Gemeinschaft gibt es in der Öffentlichkeit ausschließlich negative Stimmen.

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (2)

Vorgaben der Evaluierung von 2012
konnten von vornherein nicht erfüllt werden

Wie weit darf sich eine Bewertungskommission
fälschlich instrumentalisieren lassen?

Von Rudolf Mumenthaler

Auf der Website der Leibniz-Gemeinschaft heißt es: “Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen”. Meine vielleicht etwas naive Frage: kann man diese GWK noch umstimmen? Formal scheint das möglich. Dann schlage ich vor, dass wir gemeinsam die Stimme erheben und gegen den unsinnigen Entscheid protestieren. Ich bin schon mal sicher, dass der Vertreter von NRW auch gegen die Empfehlung ist. Immerhin hat man eigens ein Gesetz verabschiedet, um die Stiftungsgründung von ZB MED zu ermöglichen. Wie schätzt ihr das ein? …

Ich war in verschiedenen Funktionen in die Arbeiten nach der Evaluierung 2012 involviert. Als Mitglied eines Expertengremiums begleitete ich den umfassenden Neuorganisations- und Strategieentwicklungsprozess. Und wie die Evaluatoren von 2015 war und bin ich beeindruckt von den erreichten Veränderungen. Eine Vorgabe des Senats konnte aber klar nicht erfüllt werden: die Ausrichtung auf Forschung, die Entwicklung einer Forschungsstrategie, die enge Zusammenarbeit mit Forschenden sowie die Mitwirkung bei studentischen wissenschaftlichen Arbeiten. ZB MED hat sich weiterhin als Bibliothek verstanden, die sich als überregionale Forschungsinfrastruktureinrichtung zu positionieren begann.

Ein Kollege aus der Schweiz meinte, dass ZB MED die Entwicklung verschlafen habe und er den Entscheid des Senats nachvollziehen könne.

Ich sehe das etwas anders: die Vorgaben waren in der kurzen Zeit nicht zu erfüllen, und die Ausrichtung auf Forschung ist eigentlich Unsinn. Die fehlende Forschungsstrategie war denn auch das Hauptargument. Die Experten haben dringenden Nachholbedarf gesehen, haben aber die Weiterführung unterstützt. Mit diesen Argumenten könnte man wohl fast alle überregional ausgerichteten Bibliotheken abwickeln.

Es war unbestritten, dass Änderungen nötig sind, und sie wurden angegangen. Aber aus einem Traktor (mir fällt gerade kein passenderes Bild ein) macht man nicht so schnell ein Rennauto. Das hätte man dem neuen Direktor ins Pflichtenheft schreiben können, wie es die Evaluatoren gefordert haben. Was man seit der letzten Evaluation an Ressourcen aus heutiger Sicht sinnlos verbraten hat (nicht nur intern, sondern auch in NRW bei der Stiftungsgründung inkl. neuem Gesetz und an der Uni bei der Ausschreibung und Beinahe-Besetzung der Professur) geht auf keine Kuhhaut. Und ich unterstelle, dass die Meinungen schon lange gemacht waren. Das hätte man auch vor vier Jahren schon sagen können.

Ich sehe auch die Rolle der Expertengruppe sehr kritisch, welche die Evaluierung vorgenommen hat. Ihre Empfehlung wurde sehr einseitig zu Lasten von ZB MED ausgelegt. Ihre Aussagen dienen nun praktisch als Rechtfertigung für den Entscheid des Senats, was ich an ihrer Stelle höchst peinlich finden würde. Diesen Schuh würde ich mir als Mitglied einer Fachcommunity also nicht anziehen wollen.

Als Beirat von ZB MED bin ich empört! Und als Mitwirkender in Projekten von ZB MED versichere ich allen Mitarbeitenden mein Mitgefühl. Wenn ich etwas für euch tun kann, lasst es mich wissen!

 

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (3)

Wie brauchen eine Mobilisierung
wie in Düsseldorf
und müssen diese länger aufrechterhalten

Einrichtungen der Informationsinfrastruktur
aus der Leibniz Gemeinschaft herauslösen!

„Die von der Leibniz Gemeinschaft verlangte
Ausrichtung auf Forschung ist Unsinn.“

Von Willi Bredemeier

Zum Stand der Diskussion um den Abwicklungsbeschluss gegen die ZB MED hier mehrere Thesen:  

(1)       Viele Unterschriften und ein paar Tweets und Beiträge reichen nicht. Wir            brauchen eine Mobilisierung, die über ihren Vorgänger „Düsseldorf“                           hinausgeht.

Die Community hat ihre Stimme in bislang ungeahnter Weise erhoben. Das war bei dem in anderen Zusammenhängen ähnlich gelagerten Fall der Abwicklung von FIZ CHEMIE Berlin anders, auch weil die Sozialen Medien noch nicht so stark waren. Allerdings gab es für die laufende Mobilisierung einen aktuellen Vorläufer, nämlich die Mobilisierung der Informationswissenschaft und teilweise der Informationsbranche gegen den drohenden Beschluss zur Abwicklung der Informationswissenschaft an der Universität Düsseldorf. Die Düsseldorfer Mobilisierung war zum guten Teil auch inhaltlich stark, weil mit Argumenten gearbeitet wurde und viele, die ihre Stimme erhoben, sahen, dass es nicht reichte, den Studierenden und Mitarbeitern das eigene Mitgefühl zu versichern.

Allerdings wurde in der Kampagne pro Düsseldorf aus meiner Sicht der Fehler begangen, den Protest nach getroffenem Abwicklungsbeschluss (zunächst der Abteilung, nicht des Rektorates) zusammenbrechen zu lassen. Zumindest öffentlich wurde keine Alternative zur Rettung der Informationswissenschaft außerhalb der Philosophischen Fakultät aufgezeigt. Eine solche Alternative hätte womöglich in einer Anbindung der Informationswissenschaft an die Innovations-Initiative der Düsseldorfer Rektorin bestanden.

Daraus folgere ich, dass im Falle der ZB MED die erreichte Mobilisierung für einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden sollte. Das müsste idealerweise solange dauern, bis die Existenz der ZB MED oder die Erfüllung ihrer Leistungen in welcher Organisationsform auch immer auf Dauer gesichert wäre. Wer meinen sollte, man müsste zwischenzeitlich aus taktischen Gründen seinen Protest unterbrechen oder ihn abbrechen, beispielsweise weil irgendwo Verhandlungen im Gange sind, der sollte sich die Praxis der Protest Professionals in unserer Gesellschaft, der Gewerkschaften, ansehen. Die Arbeiterbewegung wäre nie so weit gekommen, wenn die Gewerkschaften einen Streik unterbrochen hätten, weil Otto von Bismarck ihre Anführer zum Frühstück einlud.

Und wir sollten in engem Austausch mit der ZB MED überlegen, welche Ziele realistischerweise gemeinsam erreicht werden sollten.

(2) Wie lässt sich eine Mobilisierung über längere Zeit aufrechterhalten (I)? Das Gutachten pro ZB MED und den Senatsbeschluss contra ZB MED en detail diskutieren. 

Bewegungen können darunter leiden, dass es nicht immer Ereignisse gibt, über die man sich spontan empören kann. Auch mag den Protagonisten des Protestes – womöglich ungeachtet der Dringlichkeit des Problems, das sie lösen möchten – mit der Zeit die Lust an der Mobilisierung ausgehen. Im Falle der ZB MED kommt erschwerend hinzu, dass der Protest darin besteht, Argumente auf Twitter und über andere Medien vorzubringen. Was machen wir, wenn alle Argumente ausgetauscht sind?

Ich sehe diese Gefahr vorerst als nicht gegeben, da noch viele Themen im Zusammenhang mit der ZB MED zu bearbeiten sind. Zwar wurde in der Community wohl der Konsens hergestellt, dass der Senat der Leibniz Gemeinschaft mit seiner Abwicklungsempfehlung den Empfehlungen seiner eigenen Gutachter widersprochen hat. Ich habe das an den einzelnen Programmbereichen der ZB MED nachgewiesen. Aber dieser Nachweis muss mit weiteren konkreten Einzelheiten unterfüttert werden und sei dies nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Senat der Leibniz Gemeinschaft seine Entscheidung  in einem weiteren Papier oder sogar in der Öffentlichkeit zu verteidigen sucht.

Unabhängig davon, ob der Senat mit seinen eigenen Gutachtern über Kreuz liegt oder nicht, wird die Begründung seiner Entscheidung nicht den Standards gerecht, die man von Hochschullehrern und weiteren Wissenschaftlern nach den Maßstäben ihrer Community erwarten darf. Noch steht irgendwo geschrieben, dass diese zugunsten opportunistischer Kalküle geopfert werden dürfen, wenn es um hochschulpolitische oder wissenschaftspolitische Entscheidungen geht. Wohl wahr, opportunistische Kalküle herrschen auch woanders vor und Papier ist geduldig, wenn knappe Ressourcen verteilt werden müssen. Aber wir zollen den Wissenschaftlern eine hohe Reputation, da sie bei Fragen von „Wahr“ und „Falsch“ mit einem hohen Anspruch antreten. Dann dürfen wir auch empfindsam reagieren, wenn gerade sie vom Pfade der diskursiven Tugend abgewichen sind.

Wir sollten die Argumentationsfehler der Gutachter und vor allem des Senates sichtbar machen, um die erreichte Mobilisierung aufrechtzuerhalten und um gewappnet zu sein, sollten wir mit weiteren zweifelhaften Papieren wie den Beschluss des Leibniz-Senates geflutet werden.

 

(2)       Wie lässt sich eine Mobilisierung über längere Zeit aufrechterhalten (I)? Das    Gutachten pro ZB MED und den Senatsbeschluss contra ZB MED en detail            diskutieren?

Bewegungen können darunter leiden, dass es nicht immer Ereignisse gibt, über die man sich spontan empören kann. Auch mag den Protagonisten des Protestes – womöglich ungeachtet der Dringlichkeit des Problems, das sie lösen möchten – mit der Zeit die Lust an der Mobilisierung ausgehen. Im Falle der ZB MED kommt erschwerend hinzu, dass der Protest darin besteht, Argumente auf Twitter und über andere Medien vorzubringen. Was machen wir, wenn alle Argumente ausgetauscht sind?

Ich sehe diese Gefahr vorerst als nicht gegeben, da noch viele Themen im Zusammenhang mit der ZB MED zu bearbeiten sind. Zwar wurde in der Community wohl der Konsens hergestellt, dass der Senat der Leibniz Gemeinschaft mit seiner Abwicklungsempfehlung den Empfehlungen seiner eigenen Gutachter widersprochen hat. Ich habe das an den einzelnen Programmbereichen der ZB MED nachgewiesen. Aber dieser Nachweis muss mit weiteren konkreten Einzelheiten unterfüttert werden und sei dies nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Senat der Leibniz Gemeinschaft seine Entscheidung  in einem weiteren Papier oder sogar in der Öffentlichkeit zu verteidigen sucht.

Unabhängig davon, ob der Senat mit seinen eigenen Gutachtern über Kreuz liegt oder nicht, wird die Begründung seiner Entscheidung nicht den Standards gerecht, die man von Hochschullehrern und weiteren Wissenschaftlern nach den Maßstäben ihrer Community erwarten darf. Noch steht irgendwo geschrieben, dass diese zugunsten opportunistischer Kalküle geopfert werden dürfen, wenn es um hochschulpolitische oder wissenschaftspolitische Entscheidungen geht. Wohl wahr, opportunistische Kalküle herrschen auch woanders vor und Papier ist geduldig, wenn knappe Ressourcen verteilt werden müssen. Aber wir zollen den Wissenschaftlern eine hohe Reputation, da sie bei Fragen von „Wahr“ und „Falsch“ mit einem hohen Anspruch antreten. Dann dürfen wir auch empfindsam reagieren, wenn gerade sie vom Pfade der diskursiven Tugend abgewichen sind.

Wir sollten die Argumentationsfehler der Gutachter und vor allem des Senates sichtbar machen, um die erreichte Mobilisierung aufrechtzuerhalten und um gewappnet zu sein, sollten wir mit weiteren zweifelhaften Papieren wie den Beschluss des Leibniz-Senates geflutet werden.

(3)       Wie lässt sich eine Mobilisierung über längere Zeit aufrechterhalten? (II)         Indem wir weitere relevante Fragen behandeln, die sich nicht unmittelbar aus der Textinterpretation ergeben.

Hier verhilft uns der Blick auf Mumenthaler zu drei wichtigen Fragen:

• Stand die Abwicklung der ZB MED bereits im Jahr 2012 fest und musste die ZB MED in den Jahren danach einen sinnlosen Aufwand treiben?

• Können wir sie endlich jetzt führen, die Debatte, wozu wissenschaftliche Bibliotheken  eigentlich da sind?

• Müssten die Evaluatoren nicht, da ihre Bewertungen durch den Senat der Leibniz Gemeinschaft fehl interpretiert wurden, an die Öffentlichkeit gehen?

Hatte die ZB MED bereits im Jahr 2012 keine Überlebenschance mehr? Hatte die ZB MED bereits im Jahr 2012 keine Überlebenschance mehr? Mumenthaler führt eine wichtige Beurteilungsgröße in die Erörterungen ein, die von der Evaluierungsgruppe überhaupt nicht genannt und von dem Senat der Leibniz Gemeinschaft in der Begründung seiner Entscheidung nur als „Schutzbehauptung“ der ZB MED erwähnt wird, nämlich den Zeitfaktor. Mumenthaler schreibt: „Die Vorgaben waren in der kurzen Zeit nicht zu erfüllen.“

Wer je im Öffentlichen Bereich tätig gewesen ist und an einem Berufungsverfahren an einer Hochschule teilgenommen hat, der weiß, wie lange es dauert, eine komplizierte organisationsstrukturelle Reform hinzubekommen und ein Erfolg versprechendes Berufungsverfahren in die Wege zu leiten und wird die Einschätzung Mumenthalers teilen (zumal im Falle der ZB MED sogar ein Gesetz geändert werden musste). Aber erst dann, wenn die Organisationsreform und das Berufungsverfahren abgeschlossen gewesen wären, hätte es Sinn gemacht, eine Forschungsstrategie zu entwerfen.

Und das sollen ausgerechnet die Hochschullehrer im Senat der Leibniz Gemeinschaft nicht gewusst haben? Oder stand die Abwicklung der ZB MED schon im Jahre 2012 fest und wurde in den Jahren danach seitens der ZB MED ein Aufwand getrieben, der von vornherein von den Insidern als sinnlos gesehen werden musste?

Mumenthaler schreibt: „Was man seit der letzten Evaluation an Ressourcen aus heutiger Sicht sinnlos verbraten hat (nicht nur intern, sondern auch in NRW bei der Stiftungsgründung inkl. neuem Gesetz und an der Uni bei der Ausschreibung und Beinahe-Besetzung der Professur), geht auf keine Kuhhaut. Und ich unterstelle, dass die Meinungen schon lange gemacht waren. Das hätte man auch vor vier Jahren schon sagen können.“

Wie kann man verlangen, dass wissenschaftliche Bibliotheken Forschungsinstitute sind? Der vielleicht wichtigste Satz von Mumenthaler lautet: „Die (von der Leibniz Gemeinschaft verlangte) Ausrichtung auf Forschung ist eigentlich Unsinn.“

Hier kehren wir endlich zur These zurück, wie sie seinerzeit (wenn auch nicht ganz in dieser Schärfe) von Password vertreten wurde. Die Erörterungen dazu wurden von Password entnervt abgebrochen, weil sich außer in persönlichen semi-privaten Gesprächen keine Diskussion, allenfalls ein bleiernes Schweigen der Zuwendungsempfänger ergaben. Ich halte meine seinerzeitige Kapitulation davor im Nachhinein für einen schwerwiegenden Fehler.

Können wir sie endlich jetzt führen, die Debatte, wozu wissenschaftliche Bibliotheken eigentlich da sind?

Ist eine Kritik nicht nur den Senat, sondern auch an die Gutachter der Leibniz Gemeinschaft nötig?  Zwar hat sich die Bewertungsgruppe wie verklausuliert auch immer letztlich für die Weiterförderung der ZB MED ausgesprochen. Mumenthaler nimmt sie freilich nicht von einer Kritik aus: „Ich sehe auch die Rolle der Expertengruppe sehr kritisch, welche die Evaluierung vorgenommen hat. Ihre Empfehlung wurde sehr einseitig zu Lasten von ZB MED ausgelegt. Ihre Aussagen dienen nun praktisch als Rechtfertigung für den Entscheid des Senats, was ich an ihrer Stelle höchst peinlich finden würde. Diesen Schuh würde ich mir als Mitglied einer Fachcommunity also nicht anziehen wollen.“

In der Tat: Musste die Bewertungskommission der Leibniz Gemeinschaft nicht von vornherein wissen, dass sie für die gar nicht so geheimen Zwecke des Senates anders als von ihr gemeint instrumentalisiert würde? Müsste sie nicht jetzt, da ihre Bewertungen von dem Senat der Leibniz Gemeinschaft fehl interpretiert worden sind, und sei es zum Zwecke der Wahrung der eigenen Reputation an die Öffentlichkeit gehen?

(4) Wie lässt sich eine Mobilisierung über längere Zeit aufrechterhalten? (III) Indem wir den richtigen Bezugsrahmen wählen, er uns eine Vielzahl relevanter Themen im Zusammenhang mit der ZB MED erschließt. Aus meiner Sicht muss es dabei um alle Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur in Trägerschaft der Leibniz Gemeinschaft gehen. 

Ich teile die Ansicht eines Tweets von Micky Lindlar, dass die Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur bei der Leibniz Gemeinschaft schlecht aufgehoben sind:

mlindlar@MickyLindlar: @feuerlit @ZB_MED das Ergebnis unterstreicht die Vermutung, dass Informationsinfrastruktureinrichtungen bei der WGL falsch aufgehoben sind

In der Tat: Verhielt sich die Leibniz Gemeinschaft nicht auch in anderen Fällen – von der FIZ CHEMIE Berlin bis zu anderen Einrichtungen, denen eine zweifelhafte Forschungspolitik aufgezwungen wurde – wie die Stiefmutter im Märchen, die nur ihre eigenen Kinder, die Forschungsinstitute, liebt, während ihr die Stiefkinder, die Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur, im Prestigewettbewerb mit den Max-Planck-Gesellschaften und den Fraunhofer-Gesellschaften nichts einbringen?

Hat sich die Gefahr, von der Rudolf Mumenthaler in seinem Podcast spricht, bereits realisiert, dass sich Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur nach dem forschungsimperialistichen Diktum der Leibniz Gemeinschaft entweder in ein schlechtes Forschungsinstitut verwandeln oder aber ihrem Kerngeschäft nicht mehr optimal nachkommen können?

Wahrscheinlich müssen wir nicht nur der ZB MED, sondern auch den weiteren Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur und damit dem Forschungsstandort Deutschland zu helfen versuchen. Wir haben das zu erörtern.

(5) Was kann realistischerweise mit der laufenden Mobilisierung für die ZB MED erreicht werden und wie gehen wir vor?

Sollten wir nicht den Kampf um ein positives Votum der Leibniz Gemeinschaft und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), als von vornherein aussichtslos ausgeben, da die GWK die Empfehlungen der Leibniz Gemeinschaft praktisch immer nur abnickt? Sollen wir uns stattdessen darum bemühen, dass die ZB MED eine Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen wird? Oder wir fahren eine Doppelstrategie und wenden uns sowohl an die GWK (in dem das Land Nordrhein-Westfalen gleichfalls vertreten ist) als auch an das Land NRW Allerdings: Eine von drei Länder- und eine von 30 Mitgliederstimmen im Senatsausschuss „Evaluierung“ der Leibniz Gemeinschaft hält NRW. Das kam im Votum des Senates jedoch nicht zum Ausdruck.

Wie auch immer, dieses Bundesland ist für die ZB MED anders als die Leibniz Gemeinschaft und womöglich die GWK kein feindliches Umfeld, vielmehr zunächst einmal ZB-MED-freundlich gestimmt und für Gespräche aufgeschlossen.

Um von der GWK und dem Land Nordrhein-Westfalen mit unseren Argumenten gehört zu werden, reichen allerdings Tweets und Unterschriften unter Petitionen nicht aus. Besonders die Multiplikatoren der Informationswissenschaft und der Informationsbranche und die Kunden von ZB MED sollten sich mit Briefen an das Sekretariat der GWK und dem Wissenschaftsministerium NW wenden und erläutern, was ihnen mit der ZB MED verloren geht.