#saveiws - Die Chancenlosigkeit der Studentenschaft in Düsseldorf

Michael Klems befragt Fachschaft 

Die Informationswissenschaften an der Heinrich Heine Universität werden abgewickelt. Dies meldet die Fachschaft auf Basis einer E-Mail Anfrage durch die Open Password Redaktion. Im Statement der Fachschaft stellt sich die aktuelle Situation und kommende Entwicklung in Düsseldorf wie folgt dar:

„Abwicklung: Die letzte Einschreibung für den Bachelor Infowiss war WS 15/16, diese Leute können dann bis 2020 studieren, die letzte Mastereinschreibung ist 2018 und diese Leute können dann bis 2022 studieren.“

Vier-Augen-Termin scheitert an der Rektorin

Zur Rettung der Informationswissenschaften hatten die Studierenden und Unterstützer alle Karten auf einen Termin bei der Rektorin gesetzt. Die Rektorin hatte zu diesem Termin mit der Fachschaft auf das Beisein anderer Entscheider der Uni bestanden. Die Fachschaft wünschte sich jedoch einen Vier-Augen-Termin. Um einer Absage zu entgehen, wurde die Gesprächsbereitschaft unter Teilnehmer-Auflagen wahrgenommen.

"Zweck des Gespräches war eigentlich, dass man sich unter vier Augen mit der Rektorin unterhält, aber sie selbst bestand darauf, dass noch weitere Gremienmitglieder (Studiendekan, Dekan, ..) dabei sein sollen. Warum, weiß man nicht. Da man der Gefahr aus dem Wege gehen wollte, dass die Rektorin einen zugesprochenen Termin absagt, widerspricht man ihr an der Stelle ungern." 

 

Dieser Termin wurde am 17.03.2016 unter Teilnahme von Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck, Kanzler Dr. Martin Goch, Studiendekan Prof. Dr. Helmut Brall-Tuchel, Prodekan für Studium und Lehre Prof. Dr. Stefan Süß, Dekan der philosophischen Fakultät Prof. Dr. Ulrich Rosar, den Fachschaftsräten Denise Ruhrberg und Giulia Kirstein und den Absolventen der Informationswissenschaft: Dirk Lewandowski und Isabella Peters angesetzt.

Wo kein Geld ist

Inhaltlich scheiterten die Gespräche mit der Rektorin am Killerargument fehlender finanzieller Mittel zur Fortsetzung des Studienganges. Die Rektorin stand dabei auf der Argumentationslinie des Dekans. Die Fachschaft hierzu im Interview:

„Man hat so gut wie die gleichen Infos bekommen wie in dem Gespräch mit dem Dekan. Sie scheinen sich vorher abgesprochen zu haben, da die Rektorin die gleichen Punkte aufgegriffen hat wie der Dekan in dem vorangegangen Gespräch.“

Unterstützer erfolglos

Auch der vorgetragene berufliche Erfolg der Absolventen konnte das Ruder in diesem Gespräch nicht mehr herumreißen. Sucht man nach Gründen für den Niedergang des Fachbereichs, so wurde neben den Finanzen der geringe Stellenwert des Studienganges in der Hochschule als Argument benannt.

„Außerdem wurde erwähnt, dass wir uns unter den Studiengängen schlecht vernetzt hätten.“

 

Im Nachgang zum Rektoratstermin war allen Beteiligten recht deutlich, dass die Rektoratssitzung am 31.03.2016 die Abwicklung des Studiengang Informationswissenschaften beschließen wird. Zwar gibt es Ansätze Inhalte des Studiengangs in andere Studiengänge einfließen zu lassen, jedoch eine eigenständige Informationswissenschaftliche Lehre wird es an der Heinrich Heine Universität zu Düsseldorf nicht mehr geben. Die Fachschaft äußert sich im Gespräch hierzu skeptisch:

„Es gibt Ideen, wie man die Studieninhalte von Informationswissenschaft erhalten kann, womit wir nicht wirklich einverstanden sind, da ein Nicht-Informationswissenschaftler die Inhalte nicht so gut rüberbringt, als ein Informationswissenschaftler. Genaue Pläne wurden nicht genannt.

Es gab Pläne, dass die Informationswissenschaft zusammen mit anderen Instituten zusammenarbeitet, aber diese Pläne sind gescheitert.“

Blickt man zurück auf die Entwicklungen seit dem Bekanntwerden im Januar 2016, so erscheinen die Studierenden und deren Unterstützer in diesen Gesprächen fast chancenlos, da diese laut Fachschaft zu spät informiert worden sind.

„Wir als Fachschaftsrat hätten nicht gewusst, wie wir dies vorzeitig verhindern können, da das Thema uns aktuell auf den Tisch gelegt wurde, als wir zur Fakultätsratssitzung geladen wurden.“

Die möglichen Folgen der Abwicklung sind bereits in der Fakultätsratssitzung geäußert worden und werden in spätestens zwei Jahren spürbar werden. Hierzu gehören Abwanderungen der Studentenschaft, Dozentenwechsel und Qualitätseinbußen in der Lehre. Die Stern der Informationswissenschaften aus Düsseldorf wird immer mehr an Helligkeit in der Szene verlieren.

 

Was bleibt in der Causa #saveiws ist der geschlossene Protest von Studierenden und zahlreichen Unterstützern aus der Informationswissenschaft und dem professionellen Umfeld.

„Die Unterstützung von unseren Studierende und den Absolventen war super. Ebenso fanden wir die hohe Anzahl der nationalen und internationalen Unterstützerschreiben beeindruckend.“

Open Password wird in weiteren Beiträgen und Kommentaren zum Beschluß in Düsseldorf berichten.

 


Informationswissensschaft: Die Grenzen der Mobilisierung

Nach dem Düsseldorfer Abwicklungsbeschluss

ein Blick auf die Disziplin

 

Die Grenzen der Mobilisierung

 

Was die deutschsprachige
Informationswissenschaft tun muss,

um dem institutionellen Niedergang zu entgehen

 

Von Willi Bredemeier

 

Stellt der Beschluss der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität (Düsseldorf), die Informationswissenschaft abzuwickeln, nur den vorläufigen Höhepunkt eines mittlerweile jahrzehntelangen institutionellen Niederganges der deutschsprachigen Informationswissenschaft dar? Walther Umstätter hat in Open Password dargestellt, welche informationswissenschaftlichen Bereiche Schritt für Schritt eliminiert wurden, begleitet vom teilweisen Untergang der Fachinformationszentren und einem radikalen Rückgang der Aktivitäten und Mitgliederbestände in Verbänden und weiteren freiwilligen Vereinigungen. Über die Entwicklung der Stellen, Budgets und Drittmittelprojekte an informationswissenschaftlichen Lehrstühlen liegen keine Informationen vor. Die Vermutung liegt aber nahe, dass diese vom Prozess überproportionaler Kürzungen in der Informationswissenschaft nicht ausgeschlossen ist.

 

Die Angst geht um, dass sich dieser Prozess fortsetzen wird, an dessen Ende die deutschsprachige Informationswissenschaft nicht mehr besteht. Verbleibende Restbestände wie „Suchmaschinen“ und „Soziale Medien“ und „(Diverse) Fragen der Informationsgesellschaft“ gehören nicht zwangsläufig den Informationswissenschaften an und ließen sich anderen Disziplinen zuschlagen.

 

Open Password hat an anderer Stelle dargestellt, dass der bevorstehende Abwicklungsbeschluss zu einer Mobilisierung ohnegleichen geführt hat – der deutschsprachigen Informationswissenschaft und darüber hinaus. Wir haben uns an dieser Mobilisierung beteiligt und heißen sie nach wie vor uneingeschränkt gut. Die Diskussion über diesen Erfolg wäre aber nicht vollständig und wir kämen zu keinem realistischen Gesamtbild, wenn wir nicht auch ihre Grenzen zur Kenntnis nähmen.

 

Die Mobilisierung hatte eine entscheidende intellektuelle Schwachstelle: Die gesamte Performance der deutschsprachigen Informationswissenschaft wurde nicht thematisiert.

 

Schwachstellen der Mobilisierung. Es gab auch Schwachstellen der Mobilisierung, beispielsweise taktische:

 

  • Die Mobilisierung setzte zu spät ein, nämlich als das Kind bereits in den Brunnen gefallen war.
  • Sie erfolgte punktuell und fasste die schwierige Gesamtlage der deutschsprachigen Informationswissenschaft nicht in den Blick.
  • Es gab Tendenzen, die Mobilisierung auf inneruniversitäre und inner-informationswissenschaftliche Zusammenhänge zu beschränken.
  • Insbesondere die Politik und die Ministerialverwaltungen scheinen nicht in die Mobilisierung einbezogen worden zu sein, obgleich letztlich sie es sind, die die Entscheidungen fällen.
  • Nun, da der aktuelle Anlass ausgedient hat, besteht die Gefahr, dass der Protest pro Düsseldorf zusammenklappt, obgleich die endgültige Entscheidung, ob die Düsseldorfer Informationswissenschaft abgewickelt wird, aussteht.
  • Es ist vergleichsweise leicht, einen Protest zu organisieren, wenn ein Abwicklungsbeschluss von Disziplinfremden kommt und eine dritte Seite zahlen soll. Da würde es wesentlich schwieriger, wenn sich Informationswissenschaftler untereinander über Kürzungen verständigen oder sich auf einen gemeinsamen Bezugsrahmen einigen sollten.

 

Kommen wir zu den Inhalten. Soweit ich die Stellungnahmen pro Düsseldorf gelesen habe, wurde das Verhalten der Befürworter des Abwicklungsbeschlusses politökonomisch erklärt: So soll bei anstehenden Kürzungsrunden vor allem die Informationswissenschaft abgewickelt werden, weil sie nur über eine kleine Zahl an Truppen verfügt (in Düsseldorf nur ein Hochschullehrer – Professor, der bald vor seiner Pensionierung steht – kaum Befürworter, die einen selbst in Schwierigkeiten bringen könnten). Die Annahme eines opportunistischen Kalküls liegt in der Tat nahe, da Argumente für den Dekan und die Kollegen an der Philosophischen Fakultät keine Rolle spielten. In ähnlich gelagerten Fällen – man denke an die seinerzeitigen Entwicklungen an der FH Potsdam – war das ähnlich.

 

Anders als die Befürworter verfügten die Gegner des Abwicklungsbeschlusses über Argumente. Diese folgten zwei Linien: Die besonderen Verdienste der Düsseldorfer Informationswissenschaft wurden hervorgehoben – unter anderem von Open Password. Bedeutung und Notwendigkeit der Informationswissenschaft wurden mit den Bereichen begründet, die diese Disziplin abdeckt oder abdecken soll, beispielsweise die „Digitalisierung“.

 

Damit wird die intellektuelle Schwachstelle der Argumentationen pro Düsseldorf deutlich: Die der deutschsprachigen Informationswissenschaften übertragenen „Aufträge“ oder die von ihnen beanspruchten Untersuchungsbereiche wurden mit ihrer „Auftragserfüllung“ (Ausnahme: die Düsseldorfer Informationswissenschaft) in eins gesetzt.

 

Wer weiß, vielleicht wären auch die Fakultätskollegen von Prof. Stock mit einer differenzierteren Sicht in die entscheidende Abstimmung gegangen, wenn die deutschsprachige Informationswissenschaft seit längerem nachgewiesen hätte, dass sie nicht nur interessante Themenfelder besetzt hält, sondern in diesen Bereichen auch über eindeutige Vorteile im Vergleich zu Nachbardisziplinen verfügt und darüber hinaus Exzellentes leistet.

 

Drei Anregungen, um den institutionellen Niedergang aufzuhalten

 

Ich glaube, dass sich der institutionelle Niedergang der Informationswissenschaften nur aufhalten lässt,

 

  • wenn sich andere Disziplinen, die politischen Stakeholder und die breite Öffentlichkeit überhaupt ein Bild von der Informationswissenschaft machen können (derzeit gibt es ein solches Bild in der Öffentlichkeit nicht);
  • wenn sich die Informationswissenschaftler dauerhaft um eine positive Außenwirkung bemühen (nicht als PR-Büro, sondern in einem aufeinander bezogenen kritischen Diskurs, der auch für andere Disziplinen und für Nicht-Wissenschaftler relevant und verständlich ist) und
  • wenn sich als Voraussetzung dafür die Performance der deutschsprachigen Informationswissenschaft verbessert.

 

Auch wenn diese Anforderungen erfüllt würden, bliebe der Weg, den die deutschsprachige Informationswissenschaft in den kommenden Jahren zurückzulegen hat, steinig genug: Das politökonomische Entscheidungsmodell oder Entscheidungen nach dem St.-Florians-Prinzip haben sich weitgehend in der Hochschulpolitik durchgesetzt. Die Wissenschaftsverwaltungen stark haushaltsbelasteter Landesregierungen (wie die von Nordrhein-Westfalen) dürften ihren Sparkurs fortsetzen und zu neuen Abwicklungen auffordern. Währenddessen würden die „Truppen der Informationswissenschaft“ nur allmählich und begrenzt zunehmen.

 

Andererseits sehe ich zu den genannten Anforderungen keine Alternative, wenn die deutschsprachige Informationswissenschaft auf Dauer überleben will.

 

Was tun? Dazu drei Anregungen verbunden mit der Einladung, in eine Erörterung zu der bisherigen Performance der deutschsprachigen Informationswissenschaft einzutreten, die nach dem Selbstbild der Wissenschaftsgemeinschaft ohnehin vorgesehen ist:

 

  1. Eine vergleichsweise positive Bilanz für die deutschsprachige Informationswissenschaft (und benachbarter Studiengänge) lässt sich im Bereich           der Lehre ziehen. Darauf ließe sich bei Verbesserungen aufbauen.

 

Zwar liegen nur wenige Verbleibsstudien und zusätzlich weitere anekdotische meistens lehrstuhlbezogene Materialien vor. Es scheint aber so, als ob alle Absolventen unterkämen. Auch scheinen diese angesichts der Vielfalt der ihnen zugewiesenen Aufgabenbereiche ziemlich universal einsetzbar zu sein. Es liegen Beispiele einiger Professoren vor, die sich aktiv um den künftigen Verbleib ihrer Studierenden kümmern, beispielsweise über die Vermittlung von Praktika oder indem sie kontinuierlich Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern über ihre Anforderungen an Absolventen führen – ohne dass darüber die notwendige Distanz zwischen Wissenschaftlern und Unternehmen und die notwendige Spannung zwischen den Inhalten von Studiengängen und den Anforderungen der Arbeitgeber verloren gehen muss.

 

Wenn man eine Orientierung informationswissenschaftlicher Studiengänge an die Anforderungen der Arbeitgeber (nicht ihre Befolgung) für notwendig hält, sollte man sich nicht allein auf die individuellen Präferenzen der Hochschullehrer verlassen. Hier wäre ein höherer Verbindlichkeitsgrad wünschenswert. Rundum positive Ergebnisse in den Verbleibsstudien sind die beste Begründung, um die Notwendigkeit informationswissenschaftlicher Studiengänge vor Stakeholdern und in der breiten Öffentlichkeit nachzuweisen. Zudem können Verbleibsstudien wertvolle Anregungen für die Weiterentwicklung von Studiengängen geben.

 

  1. Die Informationswissenschaft sollte sich auf einen gemeinsamen Bezugsrahmen verständigen. Ein geeigneter Bezugsrahmen lässt sich entwickeln, wenn man von            dem Grundbegriff der „Praxisrelevanz“ ausgeht.

 

Derzeit verfügt die Informationswissenschaft über keine Theorie und noch nicht einmal über einen Bezugsrahmen, die eine zwingende Ableitung von Forschungsthemen und wissenschaftlichen Fortschritt im Sinne aufeinander aufbauender Forschungsergebnisse erlaubten. Unter dem Grundbegriff der Information wird zudem alles und jedes verstanden.

 

Wohl wählten sich die Informationswissenschaftler teilweise ähnliche Untersuchungsbereiche aus. Diese sind historisch, aus einer systematischen Sicht eher zufällig gewachsen. Das machte zum Zeitpunkt ihrer Entstehung Sinn, weil diese Forschungsbereiche einen Beitrag leisteten, die beruflichen Chancen der Studierenden zu verbessern. Allerdings blieb der Disziplin eine große Heterogenität eigen, was zu einem geringen inneren Zusammenhalt geführt hat. Das wird an dem geringen Grad wechselseitiger Zitationen, am geringen Niveau gemeinsamer Aktivitäten und an Schwächen der Qualitätskontrolle sichtbar.

 

Ich habe die Proceedings dreier ISI-Tagungen gelesen und in der Mehrzahl der Beiträge aller Tagungen bedeutende Schwächen festgestellt. Als ich diese Ergebnisse veröffentlichte, gab es keine Widerrede, wohl aber einige positive Stimmen. Wie mehrere Teilnehmer der ISI-Tagung in Zadar 2015 mitteilten, war es um die durchschnittliche Qualität der Beiträge dieser Tagung nicht besser bestellt. Anscheinend hatte niemand geglaubt, jemand würde die Tagungsbände wirklich lesen. Noch war jemals daran gedacht, die einzige gemeinsame „Leistungsschau“ der deutschsprachigen Informationswissenschaft für die Außenwerbung zu verwenden. Noch hatten sich die meisten entscheidenden Multiplikatoren der Disziplin persönlich dieser „Leistungsschau“ gestellt.

 

Die in einem bedeutenden Maße bestehende Beliebigkeit und Irrelevanz der deutschsprachigen Informationswissenschaft ließe sich eliminieren, wenn sie sich um den Begriff der „Praxisrelevanz“ scharte. Um hier auf einen Einwand einzugehen, der mir gegenüber mehrfach in persönlichen Gesprächen erhoben worden ist: „Praxisrelevanz“ bedeutet nicht, Wissenschaftlichkeit aufzugeben und Unternehmen und weiteren Interessenten nach dem Mund zu reden. Man kann beides haben, sauberes wissenschaftliches Arbeiten und die Orientierung an die Herausforderungen für Praxisgruppen. Man muss nur die durchschnittliche Qualität des Outputs der Disziplin anheben.

 

  1. Praxisrelevanz, was bedeutet das für eine wenig theoriegeleitete Disziplin? Eine wichtige Möglichkeit unter anderen bestünde darin, sich der aktuellen und      künftigen Herausforderungen für Information Professionals anzunehmen.

 

Es gibt sicherlich Fragestellungen und viel versprechende Zielgruppen für Informationswissenschaftler, die nicht die Information Professionals betreffen. Aber eine wichtige Zielgruppe sollten sie schon sein:

 

  • Es bestehen bereits wichtige Zusammenhänge zwischen Informationswissenschaft und Information Professionals – insbesondere über den Arbeitsmarkt. Informationswissenschaftlicher haben immer wieder Beiträge geschrieben, die für Information Professionals wichtig sind. Es bestehen mannigfache persönliche Kontakte, so dass sich auf Bestehendem aufbauen ließe.

 

  • Bei den Information Professionals handelt es sich, wenn es um ihre zentralen Sorgen geht, um eine weitgehend von der Informationswissenschaft und auch von anderen Disziplinen unversorgten Gruppe.

 

  • Eine Beschäftigung mit den Herausforderungen für Information Professionals führt zu frühen Erkenntnissen allgemeiner Trends und zur Entdeckung von Zusammenhängen in Informationswirtschaft und Informationsgesellschaft, auf die die anderen Disziplinen weniger leicht kommen. Damit verbunden entstehen Chancen, neue viel versprechende Forschungsbereiche als erste zu entdecken und sich dort vor anderen zu positionieren.

 

Dass die Informationswissenschaft die Herausforderungen für Information Professionals nahezu systematisch vernachlässigt hat, lässt sich auch an einer „Shortlist“ viel versprechender Forschungsfragestellungen erkennen:

 

  • Wandel der Anforderungsprofile und Konsequenzen für Aus- und Weiterbildung
  • Survival Strategies und Erfolgsfaktoren für innerbetriebliche Informationszentren
  • Kernkompetenzen und Expansionmöglichkeiten in benachbarte Geschäftsbereiche
  • Chancen und Erfordernisse eines innerbetrieblichen und Branchenmarketing
  • Optimierung des Spannungsfeldes zwischen Informationsanbietern und Informationsnutzern
  • Die Märkte für Informationsvermittlung und -analysen.

 

Selbstverständlich käme es auch bei diesen Fragestellungen auf die Qualität der Beiträge an. Hier müsste die Informationswissenschaft, wenn sie über die Praxis schreibt, ihre aus Fachinformationszeiten überkommene Tradition aufgeben, lediglich die „Stimme der Herrschenden und Zuwendungsempfänger“ zu sein und ein ergänzendes kritisches Potenzial aufbauen und nutzen.

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Über den Autor

Dr. Willi Bredemeier, Autor Fiction und Non-Fiction, ist seit dreißig Jahren Redakteur von Password. Derzeit stellt er Password, die Fachzeitschrift für die Informationsbranche im deutschsprachigen Raum, gemeinsam mit Partnern auf „Open Password“ – alles elektronisch und alles kostenfrei – um, um die Information Professionals mit einer umfassenden Plattform für Information und Kommunikation zu versorgen.


Nachrichten - Donnerstag, den 11. Februar 2016

Password-Kommentar – Mittwoch, 10. Februar 2016

Informationswissenschaft – Informationswissenschaft Düsseldorf

Die Informationswissenschaft
nach dem Abwicklungsbeschluss in Düsseldorf:

Trauen sich die Deutschen keine
Wettbewerbsfähigkeit mehr
an den Forschungsfronten zu?

Von Amanda Schwarm

Sollten wir die Weisheit und Weitsicht des Fakultätsrates der Philosophischen Fakultät in Düsseldorf nicht bewundern und loben? Die unbegründete Schließung der Informationswissenschaft mit eindeutiger Mehrheit für den Bereich, aus dem am wenigsten Widerstand entstehen konnte, hatte den großen Vorteil, dass sie schon eine einfache informationskompetente Recherche vermied. Diese hätte gezeigt, dass es im Informationszeitalter kaum eine wichtigere Wissenschaft als die Informationswissenschaft geben kann.

Ansonsten weiß die Wissenschaftsforschung seit einem halben Jahrhundert (Derek J. De Solla Price: Little Science, Big Science 1963), dass sich die Zahl der Wissenschaftler in der Welt seit Jahrhunderten etwa alle zwanzig Jahre verdoppelt. Daraus lässt sich leicht extrapolieren, dass die Hochschulen diese Wachstumsrate in absehbarer Zeit mitmachen müssen. Natürlich wollen das viele nicht wahrhaben, die von geistiger Elite schwärmen, das ändert aber nichts an den Fakten. Nun ist ein solches Wachstum mit veralteten Lehrmethoden selbstverständlich nicht bezahlbar. Insofern hat die New York Times schon 2012 zum Jahr der Massive Open Online Courses (MOOCs) ausgerufen, so dass Studierende sozusagen weltweit in Harvard, MIT, Stanford oder Yale studieren können. Da ist es nur weitsichtig, wenn eine kleine Universität mit gesunder Selbsteinschätzung im wissenschaftlichen Wettbewerb die Segel rechtzeitig streicht und wirkliche Wissenschaft den Global Playern überlässt. In Deutschland haben ja schon mehrere Hochschulen vor dem internationalen Wissenschaftswettbewerb und insbesondere in der Informationswissenschaft kapituliert. Die Alternative wäre, die Ärmel hoch zu krempeln und Informationswissenschaft von der Pike auf bis zur modernen Knowlede Organization hart zu erarbeiten. Aber wenn man das in Deutschland gar nicht erst darf, dann erinnert das an die alte DDR. Dort mussten viele Bürger Schlange stehen, weil eine arbeitende Bevölkerung zeitweise teurer war als das Nichtstun.

Etwas fatalistisch gedacht könnte man sagen, der Beschluss in Düsseldorf ist bedeutungslos, da die Digitalisierung seit einem halben Jahrhundert voranschreitet und immer mehr Wissenschaftler in immer mehr Disziplinen über informationswissenschaftliche Themen auch dann aktiv mitreden, wenn sie gar nicht wissen, dass es um Informationswissenschaft und Informationskompetenz geht. Ein bekanntes Beispiel ist der Psychologe Prof. Dr. Dr. M. Spitzer, der mit seinem Bestseller „Digitale Demenz“ deutlich gemacht hat, wie groß die allgemeine Angst in unserer Gesellschaft vor der Digitalisierung und ihren Konsequenzen ist. Dass diese Angst weitgehend einer allgemeinen Ahnungslosigkeit über die Folgen der Digitalisierung und einem Mangel an Informationskompetenz entspringt, ist offensichtlich.

Aus dieser Ahnungslosigkeit erwächst seit etlichen Jahrzehnten der Glaube vieler Laien, seit sie das Internet für sich entdeckt haben, man brauche keine Bibliothekare mehr. Wie viel Know how gerade im Internet aus informationswissenschaftlichen Arbeiten erwachsen sind und weiter entstehen, ist meist unbekannt. So ist beispielsweise Google einst aus dem Digital Library Project in den USA hervorgegangen. Es ist also richtig, wir brauchen immer weniger deutsche Bibliothekare, wenn die entscheidenden Impulse in absehbarer Zukunft aus den USA und anderen wissenschaftlich aufstrebenden Ländern kommen.

Als sich die Informationstheorie von Shannon und Weaver nach dem zweiten Weltkrieg explosionsartig über alle wissenschaftlichen Disziplinen ausbreitete, geschah das gleiche, was E. Chargaff für die Molekularbiologie beobachtet hatte („Molecular biology is essentially the practice of biochemistry without a license.“): Immer mehr Menschen interessieren sich für ein Fachgebiet, dass sie nicht studiert haben und dessen fachliche Voraussetzungen sie sich (noch) nicht erarbeitet haben. Trotzdem arbeiteten sie sich ein und einige von ihnen mit Erfolg. Die meisten von ihnen haben aber bis heute nicht verstanden, warum uns die USA mit vielen Internetideen und insbesondere Google so weit voraus sind. Und anstatt diesen Vorsprung und die damit verbundene Abhängigkeit von den USA möglichst rasch zu beseitigen, wird ein Institut der Informationswissenschaft nach dem anderen gestrichen, und eine Zusammenarbeit deutscher Informationswissenschaftler weiter erschwert. Diese Art von Sparsamkeit ist volkswirtschaftlich sehr teuer, wie schon A. v. Harnack (1921) erkannte, als er Bibliothekswissenschaft als „Nationalökonomie des Geistes“ bezeichnete.

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Wozu braucht man für einen Abwicklungsbeschluss eine Begründung, wenn man nach dem St.-Florians-Prinzip entscheiden kann?

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In diesem Zusammenhang fragt man sich ernstlich, wozu eine Rektorin einen Vorschlag von einem hochrangig besetzten Fakultätsrat braucht, wenn dieser sich außerstande sieht, seinen Beschluss zu begründen. Statt dessen wird nach dem St.-Florians-Prinzip (www.password-online.de/?s=florian) derjenige Bereich ausgewählt, der sich beim Mehrheitsbeschluss mit zehn Stimmen (Schließung) gegen drei (dagegen) und zwei (Enthaltungen) am wenigsten wehren kann. Alle Professoren außer dem Betroffenen stimmten für die Schließung! Lebt diese Fakultät ihren Studierenden das wissenschaftliche Denken und Arbeiten auf diese Weise vor? Welchen Sinn haben da noch die Richtlinien der DFG zu guter wissenschaftlicher Praxis? Natürlich hört sich die Ablehnung einer guten Begründung aus Zeitmangel logisch an. Ist es aber nicht. Denn man hätte ja wirklich nur eine Recherche gebraucht, um zu sehen, dass hier ein dringend wachsender Bedarf auch bei Lehrern mit Informationskompetenz in den Schule besteht. Die Philosophen haben vor Jahren ihre Position an den Universitäten verbessern können, indem sie den Ersatz des Religionsunterrichts durch den Ethikunterricht forcierten.

Abgesehen davon, dass W. G. Stock mit seinen Mitstreiter(inne)n zum Thema „Informationskompetenz in der Schule“ ein Buch heraus gebracht hat, dass die „Informationskompetenz in Schulen“ auf dem Deutschen Bildungsserver begleitet wird, die DGI seit über zehn Jahren um diese Integration kämpft und  dies für den Bildungsplan 2016 in Baden-Württemberg nun auch gelungen ist, fragt man sich, ob diese Recherche in weiser Voraussicht absichtlich unterblieb, um keine böse Überraschung bei der Fakultätsratssitzung zu erleben. Oder es wurde hier absichtlich ein Fach zur Streichung in der Hoffnung angeboten, dass schon die Rektorin dieses Streichungsangebot ablehnen muss. Der Trick als solcher – „Zur Strafe geh ich raus und friere“ – wäre ja nicht neu.

Informationswissenschaft beschäftigt sich nicht nur mit den Grundlagen zu Information, Redundanz und Rauschen oder mit der Informationskompetenz je nach Alter, Interesse oder Funktion, sie zeigt auch die verschiedenen Ebenen von Information, Semiotik und Wissen, bis hin zur Wissenschaftsforschung auf (s. Umstätter, W.: www.b-u-b.de/pdfarchiv/Heft-BuB_10_2009.pdf#page=1&view=fit&toolbar=0&pagemode=bookmarks).

Es gibt seit einigen Jahren eine Diskussion über „Deutsch als Wissenschaftssprache“ (siehe auch E. Simon, www.passwordonline.de/cms/news/15.-januar-2016.html), bei der man sich daran erinnern sollte, welchen Aufschwung das Volk der „Dichter und Denker“ nahm, als sich Goethe, Schiller und die weiteren Klassiker vom Französischen abwandten. Das hat in der heutigen Globalisierung nichts mit Nationalismus zu tun, im Gegensatz, es würde den internationalen wissenschaftlichen Wettbewerb beflügeln – aber das gilt natürlich nicht, wenn sich Deutschland den Wettbewerb in den Search Fronts (im Sinne E. Garfields), wie der Informationswissenschaft nicht mehr zutraut. Es gibt genug Nischen, in denen man noch konkurrenzlos forschen kann, weil es ohnehin niemanden wirklich interessiert. Die hätte man aus volkswirtschaftlicher Sicht natürlich auch streichen können.

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#saveIWS: Das große Theater der Informationswissenschaften in Düsseldorf

Informationswissenschaften Düsseldorf
nur mit realer Überlebenschance
bei Fortsetzung des Protestes
und Einbindung von Politik und Medien

Nach Abwicklungsbeschluss der Medien muss die Rektorin entscheiden

Von Michael Klems

Da sitzt sie nun, die kleine Maus. Sie starrt auf die rasselnde Schlange und hofft, wenn sie nur keine Bewegung macht, nicht zur Mahlzeit des Reptils zu werden. Diesen Eindruck mag der außenstehende Wirtschaftler von der Entwicklung in Düsseldorf haben, die zu einer Entscheidung führte, die der Informationsbranche überhaupt nicht schmeckt: Die geplante Einstellung des Studiengangs „Informationswissenschaft“ an der Heinrich-Heine-Universität ereignete sich nicht so plötzlich, wie sie nach Außen erscheinen mag. Ein Professor geht nicht ungeplant in Rente und ein Dekan fällt eine Entscheidung nicht über Nacht. Kürzungspolitik, Mittel- und Projektlaufzeiten sind weitreichend bekannt wie der jährliche Heilig-Abend-Termin. Es folgt der Versuch einer Darstellung der Rollenverteilung in diesem Drama mit mehreren Akten, von denen wir nur die beiden finalen Akte sehen werden. Wenn dann der Vorgang fällt, wird dieses Stück in das Archiv der Mythen verschwinden.

 

Als Betrachter von #saveIWS entwickelt man über die Beiträge und Tweets, aber auch über weitere Gespräche ein Bild. Meine erste Reaktion nach dem Bekanntwerden einer möglichen Schließung des Fachbereichs Informationswissenschaft war ein Telefonat mit Willi Bredemeier. Für mich war es wichtig zu erfahren, welche Relevanz die Informationswissenschaft für die Branche hat. Ich bin hier ehrlich: Was bringt Informationswissenschaft den Information Professionals? Diese Message hatte mich bislang nicht erreicht. Die Webseiten der Ausbildungsgänge im Bereich Dokumentation und Informationswissenschaften hatte ich unter der Vorbereitung für die „Steilvorlagen Veranstalltungen“ ab und an eingesehen. Das wird sich jedoch ändern.

 

Jeder Person und Gruppierung kommt im Fall #saveIWS eine Rolle zu. Das Bild hierzu habe ich mir über die öffentliche Darstellung und Gespräche beispielsweise mit der Fachschaft (Podcast Interview)  gebildet. Eine Übersicht bietet Ihnen das Storyfi Board zu #saveIWS. Es ist eine subjektive Sichtweise. Nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion für Ihre Meinung und Sichtweise. Sie haben durch ihre Informationen einen anderen Blick auf die Dingen. Es wäre interessant, diese zu erfahren.

 

„Mit den Studenten wird Roulette gespielt“

Die meisten Studenten haben vom Sachverhalt sehr wahrscheinlich genauso spät erfahren, wie die Medien und Köpfe außerhalb des Campus. Wir kennen dies aus Unternehmensgeschichten, bei denen die Mitarbeiter erst über die Presse erfuhren, dass man die Firma dicht machen wird. Wie immer handelt es bei diesen Ereignissen um eine Vielzahl von Einzelschicksalen. Selbst bei den Studenten muss differenziert werden. Diejenigen Studis, die kurz vor dem Abschluß stehen oder diesen in greifbarer Nähe haben, wird sich nicht viel tun. Vielleicht ist es nun ein kleiner Push (Tritt in den…), die Sache schnellstmöglich zu Ende zu bringen. Weitaus dramatischer stellt sich die Situation für die Einsteiger in den ersten beiden Semestern dar. Es steht ein Niedergang der Ausbildungsqualität durch schwindendes Personal und enormer Druck bevor. Der Druck resultiert aus der Notwendigkeit, in einer festgelegten Zeit das Studium beenden zu müssen, bevor die Lichter in der Düsseldorfer Informationswissenschaft ausgehen.

Die Studentenschaft hat durch das Auftreten bei der Fakultätsratssitzung eine Präsenz gezeigt. Wieviele Studenten sind im Fachbereich? Wie viele waren auf der Abstimmungsveranstaltung? Da ist noch Luft nach oben – auch bei der Nutzung der sozialen Medien. Immerhin lernen dies die Studenten laut Vorlesungsplan. Eine wirklich liebe Truppe und im Sinne von Gunther Dueck zu lieb. Wer mag, darf sich mein Pinterest-Board zu lieben Information Professionals anschauen.

 

Hilflos in Düsseldorf – die Fachschaft strampelt sich ab

Krisenkommunikation und Krisenmanagement sind Aufgaben, die ein Fachschaftsrat sicherlich kaum als Kernaufgabe ins Auge fasst, wenn er sein Amt an der Hochschule antritt. Wir kennen diese Rolle aus anderen Ereignissen im betrieblichen Umfeld. Hier sind es die Betriebsräte, die gemeinsam mit den Gewerkschaften versuchen müssen, zu retten was vielleicht nicht zu retten ist. Diese haben jedoch ein gesetzlich verbrieftes Recht der Mitwirkung. Bei der Fachschaft bleibt es bei der Anhörung. Gemeinsam mit allen Akteuren wird es eine Kernaufgabe der Fachschaft sein, die Aktivitäten zu bündeln und zu koordinieren. Die Kunst der Fachschaft muss es zusätzlich sein, den Laden zusammen zu halten. Mir will das Bild der Musiker auf der sinkenden Titanic nicht aus dem Kopf.

 

Prof. Dr. Stock: Der Lotse geht von Bord

Jahrelang hat der Professor für seine Studenten und Mitarbeiter die Geschicke des Bereichs Informationswissenschaft gelenkt. Lotsen werden an Bord geholt, um die Navigation in nicht bekannten Gewässern mit dem Kapitän des Schiffs zu managen. So wissen diese frühzeitig, wann Untiefen folgen und was hinter der nächsten Flussbiegung folgt. Aus journalistischer Sicht hätte ich drängende Fragen an den Professor: Seit wann waren Ihnen die Planungen zu Einsparungen in Ihrem Fachbereich bekannt? Hätte man aus dem Niedergang in Potsdam nicht Schlüsse ziehen müssen? Wie engagiert gehen Sie persönlich gegen die Abschaltung der Informationswissenschaft vor? War es taktisch nicht unklug, erst auf  öffentlichen Widerstand und Protest zu setzen, als die Entscheidung zur Abwicklung der Informationswissenschaft fast unmittelbar bevorstand? Wäre es vielleicht besser gewesen, über die Informationswissenschaften hinaus stärker auf eine Mobilisierung der Medien und der Politik zu setzen, zumal es Buzzwords wie „Digitalisierung“ und „Wissenschaftsgesellschaft“ gibt, die die Sache der Informationswissenschaft stützen und in den Ohren von Politik und Medien gut klingen?

 

Trotz aller Leistungen der Vorjahre bleibt der fade Beigeschmack, die Informationswissenschaft nicht lebenserhaltend betrieben zu haben. Das Finanzamt spricht bei selbständigen Tätigkeiten, die mehr Kosten als Nutzen verursachen, von Liebhaberei. Sicherlich ist es bei der Informationswissenschaft weitaus anders. Doch diese Information hat die Öffentlichkeit und wichtige Gremien nicht erreicht. Ohne eine stützende Hand, eine Schippe Sand unter dem Kiel wird die Durchfahrt nichts. Professor Stock: Seine Aufgabe ist es, auch diese Unterstützungen frühzeitig mit zu organisieren und taktisch bei künftigen Schritten vielleicht ein wenig gewiefter zu sein.

 

Dekan Prof. Dr. Rosar: Hardliner aus Überlebensgründen 

Auch der Dekan stand unter Druck und hatte nach eigenen Worten „beschissene“ Entscheidungen zu fällen. Die landesweiten Folgen dürften ihn kaum interessieren, denn er muss Kennzahlen und Vorgaben seiner Hochschule umsetzen. Ein großer Posten ist der Finanzetat, den sein Haus erhält. Diesen hat er aufzuteilen und nutzbringend zu investieren. Reine Mathematik für einen Professor der Philosophie, der die Digitalisierung als SmartPhone oder am PC-Arbeitsplatz nutzt. Diese wird auch ohne den Fachbereich Informationswissenschaft weitergehen. Er muss Prioritäten setzen und effizient sein.

Zwar hatte Rosar im Vorfeld Gesprächsbereitschaft signalisiert. So sagte er zumindest. Wie der Verlauf der Fakultätssitzung am letzten Dienstag allerdings nahe legt, bedeutete Gesprächsbereitschaft für ihn nicht, Argumente, die seine vorab getroffene Entscheidung hätten infrage stellen können, in einer ernsthaften Weise zur Kenntnis zu nehmen. Als Hochschulpolitiker muss die Versuchung für ihn, die ihm vom Rektorat vorgegebenen Kürzungen um zwei W3-Stellen dort vorzunehmen, wo dies am geräuschlosesten zu bewirken, groß gewesen sein. Und aus diesem Kalkül lag die Eliminierung der Informationswissenschaft am ehesten nahe, da Prof. Stock in drei Jahren in Rente geht und es keine weiteren Professoren in Düsseldorf gibt, die die Informationswissenschaft als eigenes Fach hätten verteidigen können. Hätte er versucht, in einem anderen Bereich zu kürzen, hätten die dortigen Professoren wahrscheinlich eine Phalanx gegen ihn gebildet. Aber so brachte er seine Fakultätsmitglieder in der Abstimmung mit zehn Ja-Stimmen geschlossen hinter sich, die nach dem St.-Florians-Prinzip lieber für eine Eliminierung der Informationswissenschaften stimmten als Kürzungen im eigenen Bereich hinzunehmen. (Die drei Gegenstimmungen und zwei Enthaltungen kamen ausschließlich aus dem studentischen und außerwissenschaftlichen Bereich.)

 

Rektorin Prof. Dr. Steinbeck: Mutti wird es richten

Alles blickt auf die Grand Dame der Hochschule der Landeshauptstadt in Nordrhein Westfalen. Dabei war sie es, die den Prozess in Bewegung setzte, der letztlich zum Fakultätsbeschluss führte, die Düsseldorfer Informationswissenschaften abzuwickeln. Die Rektorin richtet, um den Ruhm ihrer Hochschule zu mehren, einen Innovationsfonds ein. Dieser soll finanziert werden, indem querbeet durch die Fachbereiche der Hochschule Einsparungen vorgenommen werden.

Allerdings sollen diese Einsparungen in Verhandlungen zwischen Rektorat und den Fachbereichen vorgenommen werden. Wenn Prof. Rosar also einen Fakultätsbeschluss durchdrückt, nach dem die Informationswissenschaften abzuwickeln sind, und auch einer Bitte des Rektors nicht nachkommt, diesen Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, so handelt er nicht im Konsens mit dem Rektorat. Aber reicht diese Verstimmung für den Rektor aus, sich auf die Seite der Informationswissenschaften zu stellen? Sicher nicht, auch wenn die eleganteste Lösung des Konfliktes darin bestünde, die Informationswissenschaften aus den Philosophentürmen herauszunehmen und in den Innovationsfonds der Rektorin zu stellen.

 

Die Rektorin kann auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen. Sie muss das große Ganze im Blick haben. Laut ihrem Profil kommt Frau Steinbeck aus dem gewerblichen Rechtsschutz. Sie wird also genau wissen, wie wichtig Informationen für die Forschung und Entwicklung, aber auch für den Fortbestand eines Unternehmens sind. Einerseits wird sie unnötigen Ärger mit ihren Fachbereichen zu vermeiden suchen und also gleichfalls in Versuchung geraten, in der Zustimmung zu dem Beschluss der Fakultät den geräuschlosesten Weg und damit die Lösung zu sehen. Andererseits ist die Rektorin anders als der Dekan und seine Fakultätsmitglieder nicht nur für inneruniversitäre und innerwissenschaftliche Einflussnahmen offen. Die vielen Proteste aus Wissenschaft und Praxis dürften sie daher stärker beeindruckt haben als den Dekan. Diese Prognose darf daher gewagt werden: Wenn die Informationswissenschaften in Düsseldorf eine reale Überlebenschance haben sollen, wird es ohne eine Fortsetzung des Protestes und ohne eine Einbeziehung der Medien, der Ministerialverwaltungen und der Politik nicht gehen.

 

Die Ehemaligen: Retter aus Überzeugung

 Wären die ehemaligen Absolventen nicht mit einer Meldung an die Öffentlichkeit getreten und hätte Willi Bredemeier und sein Netzwerk (zu dem ich auch zählen darf) mobilisiert, so wäre die gesamte Angelegenheit nicht derart ins Rollen gekommen. Redlich versuchen Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Prof. Dr. Isabella Peters, Dr. Jasmin Schmitz, Dr. Violeta Trkulja und Dr. Katrin Weller zu retten, was kaum noch zu retten erscheint. Getrieben werden diese durch die Erkenntnis, dass Belege für die Wichtigkeit der Informationswissenschaft gefragt sind. Redlich versuchen sie zu flankieren, zu mobilisieren und zu motivieren und scheitern dennoch, da Krisenmanagement und PR nicht auf dem Lehrplan stand.

„Ich sehe die einzige Rettung nur durch Hilfe von Institutionen aus dem Nicht-Wissenschaftlichen-Umfeld. Dies haben einzelne Akteure noch nicht erkannt“ – Michael Klems

 

DGI: „Wir sind nicht der ADAC der Branche“

Es tut mir leid, aber dieses Zitat, welches mir in einer Debatte mit einem damaligen Vorstandsmitglied der DGI vorgehalten wurde, sitzt tief und zeigt, welche Chance dieser Verein in dieser Situation abermals nicht genutzt hat. Mit seiner Organisation „Junge DGI“ hätte er die Studentenschaft unterstützen sollen. Dabei darf es nicht nur bei einem Schreiben bleiben, das erst auf Nachfrage per Twitter veröffentlicht wird. Das Schreiben des Vorstands ist das Mindeste, was dieser Verein leisten kann. Das Abschaffen eines Studiengangs der Mitglieder muss Chefthema und Nummer 1 auf der Agenda der weiteren DGI-Tätigkeiten sein. Die „Junge DGI“ wird ihrer Berufung auch hier nicht gerecht und ist ein weiterer Punkt des DGI-Leistungsprofils ohne besonderen Nachweis. Der Verein, der für sich selbst Branchenrelevanz auf die Fahnen schreibt, sollte in umfassender Transparenz alle Aktivitäten in einem solchen Fall im Tagebuch-Format darstellen. Digital nennt sich ein solches Tagebuch Blog. Die zahlenden Mitglieder, insbesondere die Studenten, haben diesen Tätigkeitsnachweis im Krisenfall mehr als verdient und sollten dies in einer Mitgliederversammlung unter dem Punkt „Verschiedenes“ einfordern. Dabei geht es in der aktuellen Situation nicht um eine Autopanne, sondern hier steht ein Haus im vollen Brand.

 

„Ja ich habe es wieder getan und nutzen Sie bitte Ihre Energie für den Einsatz der Studentenschaft in Düsseldorf.“ – Michael Klems

 

Bredemeier, Hochschulradio und Umstätter – Gnadenlose Analysten

Das Hochschulradio versucht, eine objektive Sichtweise auf die Ereignisse zu geben, während Bredemeier und Umstätter schonungslos den Niedergang der Informationsbranche nicht nur, aber auch als Folgen rückläufiger Finanzierung dokumentieren.

Fachliche Argumente spielen auch bundesweit kaum eine Rolle, wenn es um die Finanzen geht. Die Geschichten von Niedergängen in der Informationsbranche werden nicht abreißen.

 

Die aktuellen Ereignisse in Düsseldorf sollten allen Beobachtern zu denken geben. Sind Studiengänge passend in der Hochschule eingebunden? Wie ist die Wahrnehmung eines informationswissenschaftlichen Fachbereiches an der Universität, international und national in der eigenen Disziplin sowie in Wirtschaft, Politik und in den Medien? Aber auch der Markt der Information Professionals muß sich viele Fragen gefallen lassen. Sind wir präsent? Sind wir wahrnehmbar und werden wir überhaupt nach Außen vertreten?

 

Die Informationsbranche ist auf dem besten Wege, die Hoheit über den Begriff „Information“ zu verlieren und diesen an andere Branchen abzugeben. Diese Anderen sind die Digitals mit den Schwerpunkten Content, Internet der Dinge und Industrie 4.0. Information ist ohnehin da und kommt aus der Suchmaschine. Qualitätsinformation und Tiefgang muß spektakulär verpackt werden. Die Marktteilnehmer, die es schaffen, dies zu besetzen und auch zu verkaufen werden als Profiteure hervorgehen.

 

Persönlich möchte ich allen Akteuren für ihren Einsatz danken und zu mehr Geschlossenheit aufrufen. Die Branche ist da, jedoch zu leise und zu still. Lassen Sie uns das ändern.

 

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Über den Autor
Michael Klems ist seit 1991 als selbständiger Information Professional tätig. Bereits 1994 hat er mit dem Buch „Informations-Broking“ die Tätigkeit eines Information Professionals lange vor dem Internet Hype beschrieben. Er ist Autor zahlreicher Fachbeiträge im Online-Bereich und als Trainer für die elektronische Recherche in Europa tätig. Klems ist der Kopf hinter dem Online-Dienst infobroker.de. Seit 2011 ist der Kölner in seiner Wahlheimat in Sonthofen im Allgäu tätig.


Open Password - Donnerstag, den 28. Januar 2016

Open Password – Arnoud de Kemp – APE – Visualisierung – Anna Knoll – Awards – Informationswissenschaft Düsseldorf –  Dirk Lewandowski  – Isabella Peters – Jasmin Schmitz – Violeta Trkulja – Katrin Weller  
Open Password (1)

Passwords neuer Auftritt
mit wunderbarem Partner

Die nächste APE
am 17. und 18. Januar 2017

Lieber Willi,

.ich weiß nicht, ob das alles schon lange angedacht bzw. in der Planung war,  aber über den neuen Auftritt von Password freue ich mich sehr und Du hast natürlich einen wunderbaren Partner gefunden….

Glückwunsch!

Viele Grüße aus Berlin Arnoud (de Kemp, Berlin)

Gestärkt durch ein großes Votum, weiter zu machen: APE 2017 findet am 17.-18. Januar 2017 statt. Wieder in Berlin, wieder in der Berlin-Brandenburgischen  Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt.

Open Password (2)

Visuell Anteil nehmen
am aktuellen Geschehen der Branche

Open Password entwickelt sich von Tag zu Tag weiter. In der Pipeline für die nächsten Tage befindet sich das Konzept von Open Password für Förderer, Sponsoren und weiteren Kooperationspartner. www.password-online.de

Kontinuierlich nimmt auch die Zahl der Registrierungen für diesen Pushdienst zu. Für die neue Seite kommt von mehreren Seiten Anerkennung für das professionelle Design. Die vielleicht wichtigste Neuerung: Das aktuelle Geschehen in der Branche wird in Bildern dargestellt.

Nehmen Sie visuellen Anteil an die Berliner Konferenz „Academic Publishing in Europe“ und an der Fakultätssitzung, auf der die Abwicklung der Düsseldorfer Informationswissenschaften mit einem Stimmenverhältnis von 10:3:2 beschlossen wurde.

Awards

Informationswissenschaftlicher Preis
an Password-Autorin
und Steilvorlagen-Referentin

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Am 25.01.2016 hat die Vergabekommission des Vereins zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI) entschieden, in diesem Jahr einen mit 300 Euro dotierten Anerkennungspreis für folgende Arbeit zu vergeben:

Anna Knoll (Anna Lamparter): Kompetenzprofil von Information Professionals in Unternehmen. Masterarbeit, Hochschule Hannover, 2015.

Diese Arbeit beinhaltet eine fundierte Untersuchung mit einem interessanten Methoden-Mix, die für Ausbildungsfragen relevant und hilfreich ist.

Der Preis wurde damit zum zehnten und letzten Mal vergeben.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Otto Oberhauser (Schriftführer). Verein zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI), http://www.vfi-online.org

Informationswissenschaft Düsseldorf

Dank für die vereinigte Unterstützung
der Informationswissenschaften

Der Fakultätsrat hatte sich wohl vorher
für die Abwicklung entschieden

Wendet sich die Rektorin
gegen Beschluss der Fakultät?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir möchten uns nochmals herzlich für Ihre Unterstützung für den Erhalt der Düsseldorfer Informationswissenschaft bedanken.

Leider war das Ergebnis der gestrigen Fakultätsratssitzung, dass die Abteilung Informationswissenschaft geschlossen werden soll. Das Abstimmungsergebnis war 10 für die Schließung, 2 dagegen, 3 Enthaltungen. Zwar gab es eine mehr als zweistündige, teils hitzige Diskussion (nachzuverfolgen bei Twitter: https://twitter.com/hashtag/saveiws), allerdings dürfte am Ende ausschlaggebend gewesen sein, dass der Dekan mehrfach betont hatte, dass Einsparungen notwendig seien, und diese eben andere Abteilungen treffen würden, würde man die Informationswissenschaft erhalten.

Das Ganze ist natürlich extrem schade und enttäuschend. Es sieht so aus, dass sowohl der Dekan als auch der Fakultätsrat schon vor der Sitzung entschieden waren, die Informationswissenschaft aufzulösen. Daher haben auch weder die Argumente aus den mehr als 60 Protestbriefen noch die von der Fachschaft initiierte Petition (unter https://www.change.org/p/petition-zur-erhaltung-des-studienfaches-informationswissenschaft-an-der-heinrich-heine-universität-düsseldorf-saveiws) mit mehr als 1.500 Unterstützern, noch die Anwesenheit von mehr als 80 Studierenden oder die von Professor Stock vorgebrachten Argumente geholfen.

Allerdings besteht noch eine Chance, die Düsseldorfer Informationswissenschaft zu retten. Letztlich muss die Entscheidung vom Rektorat getroffen werden, und wir hoffen, dass die Rektorin sich gegen die gestrige Entscheidung wendet und eine andere Lösung findet. Wir gehen davon aus, dass sie den vorgebrachten Argumenten und den Protestbriefen offener gegenüberstehen wird.

Wir halten Sie gerne auf dem Laufenden und melden uns wieder, sobald wir weitere Informationen haben.

Nochmals vielen Dank für Ihre Unterstützung durch die vielen persönlichen Briefe! Und natürlich auch dafür, dass Sie die Nachricht über alle möglichen Kanäle verbreitet haben, dass Sie die Petition unterzeichnet haben, und vieles mehr. Mit so einer überwältigenden Resonanz auf unseren Aufruf hatten wir nicht gerechnet, und wir sehen es als ein sehr positives Zeichen an, dass die informationswissenschaftliche Community in schweren Zeiten zusammenhält.

Viele Grüße
Prof. Dr. Dirk Lewandowski (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Prof. Dr. Isabella Peters (ZBW Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft & Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
Dr. Jasmin Schmitz (ZB MED –  Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften)
Dr. Violeta Trkulja (Humboldt-Universität zu Berlin)
Dr. Katrin Weller (GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften)
Herausgeber:
Password Redaktionsbüro
Dr. Willi Bredemeier
Erzbergerstraße 9-11
45527 Hattingen

Tel: (02324) 67009
E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
Web: www.password-online.de

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Breaking News - Open Password, 26. Januar 2016 (II)

Informationswissenschaften Düsseldorf
Das Ergebnis:

10:2:3 für Schließung

Wurde nur nach
dem St. Florians-Prinzip abgestimmt?

hochschulradio 97.1 ‏@hochschulradio: Das Ergebnis ist da: 10 sind für die Schließung, 2 dagegen, 3 Enthaltung. Das könnte das Ende für Info-Wiss @HHU_de gewesen sein. #saveiws

hochschulradio 97.1 ‏@hochschulradio: Der Rat beendet die Studiengänge noch nicht gänzlich, sondern gibt mit dem Votum eine Empfehlung ans Rektorat #saveiws

Silke ‏@SilkeKramer: Dekan Rosar ist verstockt. Jetzt kommt es auf die Einsicht der Fakratmitg. an. Jeder hat Angst, dass woanders gespart wird. #saveIWS

sabelle ‏@bezwitschernd: Wir sollten jedoch bedenken, am Ende entscheidet immer noch die Rektorin #weiteremedienaktivieren #SaveIWS

Der Verlauf der Sitzung:

Der Dekan spricht –
hatte er Argumente?

hochschulradio 97.1 ‏@hochschulradio: Rosar: Verlässliche Daten zu besorgen ist zu langwierig/zu teuer. Evaluation von Studiengängen soll langfristig verbessert werden #saveiws

Kaffeekautz ‏@Kaffeekautz: „Leider kann ich nicht nur an die Studierenden denken“ Prof Ulrich Rosar #saveIWS

hochschulradio 97.1 ‏@hochschulradio: Rosar: Was die Lehre angeht, ist es das kleine Problem, einen Studiengang zu schließen, der strukturell problematisch ist. #saveiws

michaelklems ‏@michaelklems: Kann er nicht gehen? RT @hochschulradio: Rosar: Ich muss zwei W3 Profs einsparen #saveiws

hochschulradio 97.1 ‏@hochschulradio: 1/2Rosar: Struktuelle Beweggründe spielen auch eine Rolle. Fak. soll zukunftsfest gemacht werden. Kooperation mit anderen Fakultäten #saveiws

Der Verlauf der Sitzung:
Wolf Stock spricht

hochschulradio 97.1 ‏@hochschulradio: Prof Stock: Die Rektorin möchte Leuchttürme an der @HHU_de haben und wir sind ein Leuchtturm in Sachen Forschungsprojekten! #saveiws

Erster Kurzkommentar
von Password

Entscheidung wie zu erwarten

Aber auch leidenschaftliche Mitwirkung
betroffener Studenten
und Sozialer Medien

Jedes dritte Fakultätsmitglied
nicht für Abschaffung
der Informationswissenschaften

Das war zu erwarten, dass der Dekan der Philosophischen Fakultät sein Ding durchziehen würde. Denn hätte er nicht zuvor den Antrag auf 14 Tage Vertagung gleichfalls abschmettern lassen, so hätte ihn das angesichts des gegenwärtigen Standes der Mobilisierung in eine noch größere Bedrängnis gebracht. Dennoch kann man zu Recht mit Karen Maluszak erbost sein, die twitterte:

Karen Maluszak ‏@KMaluszak: @hochschulradio Noch bedauerlicher ist es eine Sitzung abzuhalten, deren Entschluss bereits vorab abgeschlossen zu sein schien. #saveiws

Was mich persönlich erbost, ist, dass wie seinerzeit bei der Cause Poetzsch in Potsdam seitens des Dekans und seiner Anhänger nur so getan wurde, als ob diskutiert wurde. Nehmen wir einmal hin, dass die Philosophische Fakultät die Stellen von zwei W3-Professuren einstellen muss, hätte da nicht zuvörderst begründet werden müssen, warum diese Stellen und nicht die anderen? Dazu – soweit die Tweets den Verlauf der Sitzung korrekt wiedergeben – kein Wort, allenfalls Leerformeln wie „strukturelle Beweggründe“. Müsste das Argument nicht die Kernkompetenz der Hochschullehrer sein und sie sich selbst zu schade, auf den Level von Als-Ob-Argumentationen zu sinken?

Es gibt aber auch positive Ergebnisse. Die durch die Sozialen und weiteren Medien erreichte Mobilisierung war so hoch, dass sich scheinbar die gesamte Informationswissenschaft und beachtliche Teile der Informationsbranche zu Wort meldeten. Der Verlauf der Düsseldorfer Sitzung konnte per hochschulradio 97.1 und per Twitter von der gesamten Informationsszene in Echtzeit mitverfolgt werden. Dies trug dazu bei, dass viele der betroffenen informationswissenschaftlichen Studierenden während der Sitzung leidenschaftlich mitdiskutierten. Den Hochschulen mit ihren intransparenten und abgeschotteten Strukturen können mehr Demokratie und auch ein wenig Populismus nur gut tun.

Und wer weiß, vielleicht veränderte der Einfluss der Medien sogar das Abstimmungsverhalten. Auch wenn jetzt der Fachbereich Informationswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität abgeschafft werden soll und alle verbleibenden Hoffnungen auf die Entscheidung der Rektorin liegen, immerhin jedes dritte Mitglied der Fakultät beugte sich mit seiner Stimme nicht dem Willen des Dekans.

Wili Bredemeier

Der Protest

Die Informationsanbieter
stimmen mit ein

Change.org jetzt mit 1.537 Unterschriften. Auch die Informationsanbieter stimmen in den Protest mit ein:

FirmenWissen ‏@FirmenWissen: Hoffentlich ist es noch nicht zu spät! Retten Sie die Informationswissenschaft an der HHU in Düsseldorf: https://www.change.org/p/petition-zur-erhaltung-des-studienfaches-informationswissenschaft-an-der-heinrich-heine-universit%C3%A4t-d%C3%BCsseldorf-saveiws/c … #saveIWS

WTI Frankfurt ‏@WTI_FfM:  Das Team von WTI-Frankfurt drückt die Daumen. #saveIWS
Herausgeber:
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Dr. Willi Bredemeier
Erzbergerstraße 9-11
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E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
Web: www.password-online.de

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#saveIWS - die Fakultätsratssitzung in Tweets und Bildern

Spannender hätte es kaum sein können. Der für die Fakultätsratssitzung angesetzte Termin in der Heinrich Heine Universität zu Düsseldorf hatten einen Brennpunkt auf der Agenda. Die geplante Schließung der Informationswissenschaft. Die Kampagne #saveIWS hatte es geschaft jede Menge Studierende zu mobilisieren. Wir beleuchten diese wichtigen Minuten des Fachbereichs über die Tweets die versendet wurden.

Das absolut Wichtigtse, nämlich das Ergebnis zu diesem Termin geben wir in einem Tweet des Hochschulradios wieder.

Noch mehr Tweets zu Thema

Unter #saveIWS und #iwhhu ist viel vor, während und auch danach getwittert worden. Aber es gab auch offene Briefe und Beiträge in den Medien. Eine recht umfangreiche Zusammenstellung finden Sie im Storyboard von infobroker.de.

Ihre Meinung ist gefragt?

Was meinen Sie? Wie stehen Sie zum Sachverhalt und letztendlich zum Ergebnis? Welche Folgen sehen Sie für die Informationswissenschaft? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion hier im Beitrag.


Open Password - Montag, den 25. Januar 2016

Open Password – Montag, den 25. Januar 2016

Open Password – Michael Klems – Willi Bredemeier – Informationswissenschaften Düsseldorf – change.org – Deutscher Erfinderverband – Arbeitskreis Informationsvermittlung
Open Password

Der Start

Das neue Password, „Open Password“, ist am Wochenende früher als angekündigt und mehr als pünktlich gestartet. Alles elektronisch. Alles kostenfrei zum Ansehen, zum Downloaden, zur Nachnutzung, was auch immer. Mit Reservierungsbutton, damit jeder, der will, die neu angehenden Nachrichten per E-Mail zugesandt bekommt. Seitdem gehen fortlaufend Anmeldungen ein.

Das geschieht alles im Geiste von „Open Access“. Unsere Branche braucht eine Plattform, wo sie sich zusammenfindet – wie beim gegenwärtig laufenden Düsseldorfer Protest. Schauen Sie rein: www.password-online.de

Wir finden, das sieht schon mal sehr gut aus. Sie meinen, das sieht aus wie eine Baustelle? Ja, das auch, aber jeden Tag gibt es ein paar Türmchen und Söller und Erker und vieles andere mehr.

Einen ganz großen Dank an Michael Klems, der zuletzt am Wochenende wie ein Verrückter gearbeitet hat, um das neue Password technisch fertigzustellen.

Nicht zu vergessen die Inhalte. Auch Sie sind gefordert. Konfrontieren Sie uns mit Ihren Erwartungen. Erlauben Sie uns, dass auch wir Erwartungen an Sie richten. Wir brauchen Sie – mit Ihren Kommentaren, Beiträgen, Hinweisen und Informationen. Machen Sie mit und melden Sie sich.

Willi Bredemeier
Der Protest

Fast universaler Protest
der deutschsprachigen Infowissenschaftler

Alle ständigen Autoren von Password
haben zur beabsichtigten Schließung
der Düsseldorfer Informationswissenschaften
Stellung genommen

change.org mit 1.049 Unterschriften,
Protestbriefe von Klems und Bredemeier
mit 2.489 und 2.269 Abrufen

Der Protest gegen die beabsichtigte Schließung der Düsseldorfer Informationswissenschaften hält an. Rainer Kuhlen hat in Inetbib die Ansicht von Password bestätigt, dass nahezu alle Multiplikatoren der Informationswissenschaften auf die Barrikaden gegangen sind. Mittlerweile haben sich alle ständigen Autoren von Password zu Wort gemeldet und gegen die beabsichtigte Schließung Stellung genommen. Die Unterschriften unter die Petition gegen die Schließung der Düsseldorfer Informationswissenschaften auf change.org hat sich über das Wochenende mehr als verdoppelt und umfasst nunmehr 1.049 Unterschriften. Immer mehr meldet sich auch die Informationspraxis zu Wort. Der Arbeitskreis Informationsvermittlung, der in enger Partnerschaft mit der Frankfurter Buchmesse die Veranstaltung „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg“ ausrichtet,  hat ein Protestschreiben an die Düsseldorfer Entscheider gerichtet, desgleichen der Deutsche Erfinderverband:

InfoSzene Newsroom ‏@infoszene: Offenes Schreiben des Deutscher Erfinderverband e.V. an die #hhu_de Rektorin #saveIWS http://ht.ly/XswTf

Die Protestbriefe von Michael Klems und Willi Bredemeier wurden allein von infobroker.de 2.489.mal und 2.269-mal abgerufen.

Das ist alles noch nicht vorbei, da die entscheidende Sitzung der Philosophischen Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität erst am Dienstag stattfindet:

Katrin Weller ‏@kwelle: Katrin Weller hat Stefanie Haustein retweetet – It’s still time to help us save the information science department at University of Düsseldorf (@HHU_de) #saveiws

Selbst wenn eine Vertagung der Entscheidung nicht erreicht werden sollte, die letzte Entscheidung liegt bei der Rektorin. Hier, so wird überlegt, gibt es immer noch Chancen, zumal die Rektorin, da in Fragen des gewerblichen Rechtsschutzes zu Hause, nicht ganz branchenfremd ist.

Die aktuelle Stimmung im Fachschaftsrat wird in einem Podcast von Michael Klems beschrieben:

michaelklems ‏@michaelklems : Angespannte Stimmung in der Informationswissenschaft – aktueller #podcast mit dem Fachschaftsrat #saveIWS http://ht.ly/XpPDS

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg

Auch Arbeitskreis Informationsvermittlung
protestiert gegen mögliche Schließung
der Düsseldorfer Informationswissenschaften

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Steinbeck,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rosar,

wir vom „Arbeitskreis Informationsvermittlung“ führen in enger Partnerschaft mit der Frankfurter Buchmesse die jährliche Veranstaltung „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg“ für die Information Professionals in der Industrie und in privaten Dienstleistungsbereichen mit Success Stories und Best-Practice-Beispielen durch. Diese mittlerweile zum dritten Mal durchgeführte Veranstaltung hat sich vom Start weg als eine der erfolgreichsten Branchenveranstaltungen durchgesetzt. Sie ist universal in der Branche bekannt und sehr weitgehend anerkannt. Über sie wird ausführlich in der gesamten Fachpresse berichtet.

Die Nachricht, dass die Düsseldorfer Informationswissenschaften vielleicht vor der Schließung stehen, erfüllt uns mit großer Sorge. Dies gilt umso mehr, als zwischen den Düsseldorfer Informationswissenschaften und unserem Arbeitskreis und seinen Mitgliedern enge Bindungen bestehen. Unter den Teilnehmern der Branche befanden sich immer zahlreiche Studierende aus den Düsseldorfer Informationswissenschaften, um „Praxisluft“ zu schnuppern und Kontakte zu den führenden Informationszentren im deutschen Sprachraum zu knüpfen. Prof. Stock und mehrere seiner ehemaligen Mitarbeiter hatten und haben bedeutende Teile der Berichterstattung in „Password“, der Zeitschrift für die deutsche Informationsbranche, übernommen und so die Branchenöffentlichkeit über neue technologische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Trends in Kenntnis gesetzt. (Der Chefredakteur und Inhaber von Password, Dr. Willi Bredemeier, ist Mitglied unseres Arbeitskreises und einer der Initiatoren der „Steilvorlagen“-Veranstaltung.)

Wir bitten Sie, die folgenden Tatbestände und Zusammenhänge bei Ihrer Entscheidung mit zu bedenken:

•    Es besteht eine bedeutende Nachfrage in den Informationszentren der Industrie und des privaten Dienstleistungsleistungssektors nach Absolventen mit einer qualitativ hochwertigen systematischen und gleichwohl praxisorientierten Ausbildung, die zudem mit neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgestattet sind, die in den Informationszentren dringend benötigt werden.
•    Die Qualität der informationswissenschaftlichen Ausbildung in Düsseldorf zeigt sich auch daran, dass eine ganze Reihe von Absolventen an zentralen Positionen in Wissenschaft, Praxis und den Schnittstellen von Wissenschaft und Praxis (beispielsweise in den wissenschaftlichen Bibliotheken) untergekommen ist. Mehrere von ihnen sind in ihren Spezialisierungsbereichen zu führenden, wenn nicht zu den führenden Experten in Deutschland geworden. Das trifft beispielsweise für die Bereiche „Suchmaschinen“ zu (nachweisbar an internationalen Veröffentlichungen und Positionen) und  „Social Web“ (nachweisbar an der inhaltlich mit erfolgreichsten Tagung zu Sozialen Medien im deutschsprachigen Raum in Düsseldorf).
•    Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Absolvent von Düsseldorf und Professor an der HAW Hamburg, hat die Abteilung für Informationswissenschaft als „eines der forschungsstärksten informationswissenschaftlichen Institute in Europa“ bezeichnet, „was sich unter anderem durch 20-30 referierte wissenschaftliche Publikationen pro Jahr zeigt“.
•    Die Meinung, die wir hier vertreten, ist nicht eine unter vielen anderen. Vielmehr herrscht dazu in der deutschsprachigen Informationswissenschaft und in der Informationsbranche Konsens. Davon zeugen die vielen Stellungnahmen, die per Schneckenpost oder E-Mail versendet wurden oder auf Twitter, Facebook und Xing veröffentlicht worden und zum Teil auch bei Ihnen eingegangen sind. Diese lesen sich unter anderem wie ein Who´s Who der deutschsprachigen Informationswissenschaften. Nicht zu vergessen die internationalen Stellungnahmen, nicht zuletzt von führenden Wissenschaftlern der angelsächsischen Information Science. Dazu kommen viele Stellungnahmen aus der Informationspraxis.
•    Arbeitsplätze und Wachstum werden in Mitteleuropa vor allem in der Informationswirtschaft geschaffen. Auch wird unsere zur Informations- und Wissensgesellschaft gewordene Gesellschaft fortlaufend und radikal durch diese neuen Technologien verändert. Um hier mithalten und die laufenden Entwicklungen verstehen zu können, bedarf es der Forschung und Lehre. Die Informationswissenschaften haben hier mit ihrem eher an Inhalten orientierten Ansatz eine zentrale Position neben der mehr technologieorientierten Informations- und Kommunikationstechnik inne.
•    Bundesregierung, Landesregierung Nordrhein-Westfalen, Wissenschaftsministerium NW und Hochschulen der Region sind sich der besonderen Bedeutung der digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft und der notwendigen Qualifizierung für sie und ihrer geistigen Durchdringung bewusst. Das sollte aus unserer Sicht auch in Ihrer Entscheidung über die Informationswissenschaften in Düsseldorf deutlich werden.

Mit freundlichen Grüßen
Arbeitskreis Informationsvermittlung

Für den Arbeitskreis

Susanne Funk
Eveline Pipp
Dr. Willi Bredemeier
Michael Klems
Stephan Holländer

Herausgeber:
Password Redaktionsbüro
Dr. Willi Bredemeier
Erzbergerstraße 9-11
45527 Hattingen

Tel: (02324) 67009
E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
Web: www.password-online.de

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