#saveiws - Die Chancenlosigkeit der Studentenschaft in Düsseldorf

Michael Klems befragt Fachschaft 

Die Informationswissenschaften an der Heinrich Heine Universität werden abgewickelt. Dies meldet die Fachschaft auf Basis einer E-Mail Anfrage durch die Open Password Redaktion. Im Statement der Fachschaft stellt sich die aktuelle Situation und kommende Entwicklung in Düsseldorf wie folgt dar:

„Abwicklung: Die letzte Einschreibung für den Bachelor Infowiss war WS 15/16, diese Leute können dann bis 2020 studieren, die letzte Mastereinschreibung ist 2018 und diese Leute können dann bis 2022 studieren.“

Vier-Augen-Termin scheitert an der Rektorin

Zur Rettung der Informationswissenschaften hatten die Studierenden und Unterstützer alle Karten auf einen Termin bei der Rektorin gesetzt. Die Rektorin hatte zu diesem Termin mit der Fachschaft auf das Beisein anderer Entscheider der Uni bestanden. Die Fachschaft wünschte sich jedoch einen Vier-Augen-Termin. Um einer Absage zu entgehen, wurde die Gesprächsbereitschaft unter Teilnehmer-Auflagen wahrgenommen.

"Zweck des Gespräches war eigentlich, dass man sich unter vier Augen mit der Rektorin unterhält, aber sie selbst bestand darauf, dass noch weitere Gremienmitglieder (Studiendekan, Dekan, ..) dabei sein sollen. Warum, weiß man nicht. Da man der Gefahr aus dem Wege gehen wollte, dass die Rektorin einen zugesprochenen Termin absagt, widerspricht man ihr an der Stelle ungern." 

 

Dieser Termin wurde am 17.03.2016 unter Teilnahme von Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck, Kanzler Dr. Martin Goch, Studiendekan Prof. Dr. Helmut Brall-Tuchel, Prodekan für Studium und Lehre Prof. Dr. Stefan Süß, Dekan der philosophischen Fakultät Prof. Dr. Ulrich Rosar, den Fachschaftsräten Denise Ruhrberg und Giulia Kirstein und den Absolventen der Informationswissenschaft: Dirk Lewandowski und Isabella Peters angesetzt.

Wo kein Geld ist

Inhaltlich scheiterten die Gespräche mit der Rektorin am Killerargument fehlender finanzieller Mittel zur Fortsetzung des Studienganges. Die Rektorin stand dabei auf der Argumentationslinie des Dekans. Die Fachschaft hierzu im Interview:

„Man hat so gut wie die gleichen Infos bekommen wie in dem Gespräch mit dem Dekan. Sie scheinen sich vorher abgesprochen zu haben, da die Rektorin die gleichen Punkte aufgegriffen hat wie der Dekan in dem vorangegangen Gespräch.“

Unterstützer erfolglos

Auch der vorgetragene berufliche Erfolg der Absolventen konnte das Ruder in diesem Gespräch nicht mehr herumreißen. Sucht man nach Gründen für den Niedergang des Fachbereichs, so wurde neben den Finanzen der geringe Stellenwert des Studienganges in der Hochschule als Argument benannt.

„Außerdem wurde erwähnt, dass wir uns unter den Studiengängen schlecht vernetzt hätten.“

 

Im Nachgang zum Rektoratstermin war allen Beteiligten recht deutlich, dass die Rektoratssitzung am 31.03.2016 die Abwicklung des Studiengang Informationswissenschaften beschließen wird. Zwar gibt es Ansätze Inhalte des Studiengangs in andere Studiengänge einfließen zu lassen, jedoch eine eigenständige Informationswissenschaftliche Lehre wird es an der Heinrich Heine Universität zu Düsseldorf nicht mehr geben. Die Fachschaft äußert sich im Gespräch hierzu skeptisch:

„Es gibt Ideen, wie man die Studieninhalte von Informationswissenschaft erhalten kann, womit wir nicht wirklich einverstanden sind, da ein Nicht-Informationswissenschaftler die Inhalte nicht so gut rüberbringt, als ein Informationswissenschaftler. Genaue Pläne wurden nicht genannt.

Es gab Pläne, dass die Informationswissenschaft zusammen mit anderen Instituten zusammenarbeitet, aber diese Pläne sind gescheitert.“

Blickt man zurück auf die Entwicklungen seit dem Bekanntwerden im Januar 2016, so erscheinen die Studierenden und deren Unterstützer in diesen Gesprächen fast chancenlos, da diese laut Fachschaft zu spät informiert worden sind.

„Wir als Fachschaftsrat hätten nicht gewusst, wie wir dies vorzeitig verhindern können, da das Thema uns aktuell auf den Tisch gelegt wurde, als wir zur Fakultätsratssitzung geladen wurden.“

Die möglichen Folgen der Abwicklung sind bereits in der Fakultätsratssitzung geäußert worden und werden in spätestens zwei Jahren spürbar werden. Hierzu gehören Abwanderungen der Studentenschaft, Dozentenwechsel und Qualitätseinbußen in der Lehre. Die Stern der Informationswissenschaften aus Düsseldorf wird immer mehr an Helligkeit in der Szene verlieren.

 

Was bleibt in der Causa #saveiws ist der geschlossene Protest von Studierenden und zahlreichen Unterstützern aus der Informationswissenschaft und dem professionellen Umfeld.

„Die Unterstützung von unseren Studierende und den Absolventen war super. Ebenso fanden wir die hohe Anzahl der nationalen und internationalen Unterstützerschreiben beeindruckend.“

Open Password wird in weiteren Beiträgen und Kommentaren zum Beschluß in Düsseldorf berichten.

 


Wie die Informationswissenschaft sich selbst kannibalisiert

Anmerkungen zur Lage der Informationswissenschaft

Lieber Herr Bredemeier,

ich verfolge nun schon lange, auch Dank password-online, das ausgebrochene Entsetzen und Wehklagen der deutschen Informationswissenschaftler über die Schließung von informationswissenschaftlichen Lehrstühlen und bibliothekarischen Einrichtungen. Als selbst seit über zehn Jahren in einem Studiengang Informationswissenschaft tätiger Hochschullehrer (Darmstadt) kann ich mir über die Entwicklungen in der Informationswissenschaft vielleicht doch ein Urteil erlauben.

 

In Ihrer password-online-Ausgabe vom 23. März lassen Sie Rainer Kuhlen zu Wort kommen, der als einer der Koryphäen der deutschen Informationswissenschaft schon wieder den Vorschlag machen muss, über die Zukunft der Informationswissenschaft zu sprechen, möglichst gleich auf einer „Sondertagung“. Das macht die informationswissenschaftliche Community nun schon seit Jahren, ob bei DGI-Tagungen oder Workshops in Hildesheim, Düsseldorf, Berlin oder gar in Darmstadt. Sie sucht ihre Akzeptanz in der Scientific Community und Praxis und erntet nun die Früchte ihrer wissenschaftlichen Bedeutungslosigkeit und vor allem ihrer zum Teil fatalen realitätsfernen Wahrnehmung und Selbstüberschätzung. Eine bedauernswerte Entwicklung, die aber größtenteils selbst verschuldet wurde. Lassen Sie mich das später anhand des Darmstädter Beispiels demonstrieren.

 

Hilflose Dauerdiskussion in Halbjahresabständen zur Zukunft der Informationswissenschaft, noch ein von der Öffentlichkeit ignoriertes Symposium und wieder eine Flut von unterschiedlichen Auffassungen über die disziplinäre Ausrichtung der Informationswissenschaft, gepaart mit dem naiven Stolz, die heterogenste Wissenschaftsdisziplin oder gar die „wichtigste Wissenschaft“ (Umstätter/Schwarm) zu sein. Mit dem Darmstädter-DGI-Symposium möchte man sogar jedes Jahr über ein „ständiges Update einer Roadmap für die Informationswissenschaft“ diskutieren. Einfach nur Irrsinn. Alles das hat dieser Informationswissenschaft eher geschadet und sie in der Wissenschaftslandschaft und Praxis zu einer fast lächerlich-tragischen Figur verkommen lassen. Man scheint völlig in einer realitätsfernen Parallelwelt zu leben und wundert sich, dass die Menschen außerhalb der Informationswissenschaft die Dinge ganz anders sehen. Welche Hilflosigkeit spricht nur aus solch’ einer Einstellung und Entwicklung einer geschlossenen Gesellschaft, die auf „offen“ tut und eine nie geklärte „Informationskompetenz“ beansprucht. Ihre nun erkannte Randstellung ist leider absolut mitverschuldet und die Selbst-Kannibalisierung erfolgt auch noch dummerweise gezielt und aktiv betrieben.

 

Im oben genannten password-online vom 23.März plädiert Rainer Kuhlen für mehr „öffentliche Präsenz“ und lobt insbesondere die gute Arbeit des Kollegen Dirk Lewandowski, dessen herausvorragende wissenschaftlich fundierte und praxisbezogene Öffentlichkeitsarbeit für die Domäne „Suchmaschinen“ ich sehr schätze. Kuhlen spricht sogar von einer Verpflichtung, die Informationswissenschaft für eine breite Öffentlichkeit und Akzeptanz präsenter zu machen.

 

Wie gesagt, mit einer unendlich langweiligen Dauerdiskussion zur halbjährlichen Zukunft der Informationswissenschaft wird dies bestimmt nicht erreicht. Vor allem nicht wieder im „geschlossenen Kreis“ der Betroffenen.

 

Die von Kuhlen gewünschte vermehrte „Öffentlichkeitsarbeit“ für die Informationswissenschaft in Wissenschaft und Praxis kann z.B. nur durch eine langjährige erfolgreiche Kärrnerarbeit bezüglich der Ausbildungsqualität von Absolventen der Bachelor- und Masterstudiengänge in Informationswissenschaft und deren Qualifikation mit wettbewerbsrelevanten Alleinstellungsmerkmalen erreicht werden.

 

Hier setzt die erfolgreiche „Öffentlichkeitsarbeit“ der Verantwortlichen an. So wie Kollege Lewandowski in Hamburg oder Kollege Griesbaum in Hildesheim erfolgreich im Bereich der Suchmaschinen und des Online Marketing, so haben meine Lehrbeauftragten und ich im Studiengang Informationswissenschaft der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Darmstadt seit über zehn Jahren den Studierenden durch die informationswissenschaftliche Schwerpunktqualifikation im Suchmaschinen- bzw- Online Marketing-Segment nicht nur frühzeitig die Informationswissenschaft schmackhaft gemacht, sie mit absolut wichtigen und antizipativ berufsmarktrelevanten Qualifikationsalleinstellungsmerkmalen ausgestattet, firmenkooperative Weiterbildungen in diesem Bereich realisiert und die jungen Absolventen zu „Cracks“ und erfolgreichen Startup-GründerInnen in der Internetwirtschaft werden lassen. Wir besitzen mit dieser informationswissenschaftlich ausgerichteten Qualifikation eine absolut hochanerkannte und in den Unternehmen sehr geschätzte und nachgefragte Qualifikationsqualität, die den jungen Bachelor- und MasterabsolventInnen mit einer Vermittlungsquote von 98% alle Türen und alle Branchen öffnet. Schon 2005 erhielten Darmstädter Studierende der neuetablierten Fachrichtung Online Marketing (Teil des Schwerpunktes Wirtschaftsinformation) auf dem Newcomer-Forum den Genius Award. Durch die langjährige Mitarbeit in den wissenschaftlichen Beiräten von Interessenverbänden wie dem Informations- und Kommunikationsring der Finanzdienstleister (IK-Kreis, Frankfurt), dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) oder dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW, Düsseldorf) weiß man sehr genau, die Wertschätzung dieser Absolventen mit informationswissenschaftlichem Background zu verorten.

 

Zudem finden die meisten Studierenden der Informationswissenschaft, die am Anfang noch orientierungslos sind, in diesem Qualifikationsbereich ihre Interessensheimat. In den letzten zehn Jahren haben gut 60% bis 75% und mehr der Bachelor- und Masterstudierenden der Darmstädter Informationswissenschaft diesen Schwerpunkt mit Freude, Engagement und Perspektiven gewählt und sind stolz darauf, in diesem aufstrebenden Wirtschaftsbereich eine solch’ hohe externe Anerkennung und Nachfrage ihrer Qualifikation zu erhalten. Der informationswissenschaftliche Schwerpunkt des modernen Online Marketing Engineering hat also massiv zur Akzeptanz dieser informationswissenschaftlichen Ausbildung in der Öffentlichkeit beitragen. Also genau das erreicht, was Kollege Kuhlen fordert. Und vor allem wurden den jungen informationswissenschaftlichen Absolventen ein Sinn und eine Zukunft mit ihrer Ausbildung gegeben. Dutzenden von Absolventenmannschaften mit diesem informationswissenschaftlichen Schwerpunkt haben die Darmstädter Hochschule verlassen und sind sehr zufriedene, die Informationswissenschaft gut vertretende AbsolventInnen.

 

Eigentlich ein Grund zur Freude

 

Nein, sagt die Mehrheit der Dozentinnen und Dozenten des Studiengang Informationswissenschaft an der Hochschule Darmstadt. Das wollen wir nicht mehr und auch nicht in Zukunft. Diese erfolgreichste Schwerpunktrichtung der Darmstädter Informationswissenschaft „raubt“ uns die Studierenden für unsere eigenen informationswissenschaftlichen Lehrangebote. Wir wollen keine Profilierung der Qualifikationsausrichtung durch die „Online Marketing-Ausrichtung“ im Studiengang Informationswissenschaft, sondern wir wollen die jungen Studierenden zwingen, die „Breite“ des informationswissenschaftlichen Studiums, was das auch immer bedeutet, belegen zu müssen. Wenn sie dies nicht wollen, dann, Originalton, „können sie ja woanders hingehen“. Schließlich haben wir die Deutungshoheit über die Ausrichtung der Informationswissenschaft. Wir können es einfach nicht ertragen, wenn die Informationswissenschaft mit solchen Öffentlichkeitserfolgen höhere Reputation und Akzeptanz erfährt.

 

Wie erreicht man so etwas? Man wählt den diesen Schwerpunkt vertretenden Hochschullehrer als Studienkoordinator ab, man versucht ihn aus dem Studiengang Informationswissenschaft zu drängen, man kürzt die Mittel für Lehrbeauftragte, man besetzt freiwerdende Stellen eben nicht mit Dozenten aus dem am meisten nachgefragten und beliebtesten Schwerpunktgebiet und man offeriert den Bachelor- und Masterstudierenden der Darmstädter Informationswissenschaft eben ein absolut abgespecktes Lehrangebot. Wie gesagt, wenn man dies nicht akzeptiert, dann kann man ja gehen.

 

Wie man sieht: die Informationswissenschaft kannibalisiert sich selbst. Der persönlich-professorale Egoismus ist wichtiger als die Bitte von Rainer Kuhlen, mehr für die öffentliche Akzeptanz und das Erscheinungsbild der Informationswissenschaft zu tun.

 

Die Studierenden erleben also zurzeit den Wahnsinn, dass eine Schwerpunktrichtung "Online Marketing“, die informationswissenschaftlich ausgerichtet ist, ihnen Freude bereitet, die sie interessiert, die ihnen Anerkennung in Beruf und Wissenschaft bringt, die Alleinstellungsmerkmale hervorbringt und vor allem extern hoch geschätzt wird, am primitiven Neid, an der Missgunst und dem Egoismus von HochschullehrerInnen der Informationswissenschaft scheitert und weiter scheitern soll. Und diese veranstalten dann auch noch Symposien zur „Zukunft der Informationswissenschaft“ nach dem Motto: „Unser Wissen macht Zukunft“.

 

Und die DGI tagt gerne wieder in Darmstadt und nimmt hiervon wiederum keine Kenntnis.

 

Ich sehe darin eine Bankrotterklärung der Informationswissenschaft, insbesondere Darmstädter Prägung. Ein Hohn, gerade in Bezug auf die aktuelle Angst der deutschen Informationswissenschaft vor weiteren Schließungen.

 

Ist das die Antwort und Reaktion auf die bekannte und zunehmende Isolation der Informationswissenschaft? Damit geht die Informationswissenschaft schnurstracks ihren vorbezeichneten Weg ins akademische Pflegeheim.

 

Und zudem unverantwortlich gegenüber den Zukunftschancen junger informationswissenschaftlich geprägter Studierender. Die deutsche Informationswissenschaft verliert also die wichtigsten Vertreter für Ihre Öffentlichkeitsoffensive: die jungen, motivierten Studierenden.

 

Kein Wunder, dass sie dieser Informationswissenschaft enttäuscht den Rücken kehren. Sie werden als Multiplikatoren nicht gut über diese Informationswissenschaft reden. Und wie gesagt, es ist die absolute Mehrheit der Darmstädter Studierenden. Ich rede nicht von einer Minderheit.

 

Noch eine Anmerkung zum Kannibalismus. Ein weiterer Beleg für das hässliche Erscheinungsbild und die Zerrüttung der deutschen akademischen (angewandten) Informationswissenschaft ist die bevorstehende „feindliche Übernahme“ der bisherigen Weiterbildung zum wissenschaftlichen Dokumentar der FH Potsdam (Institut für Information und Dokumentation) durch die Hochschule Darmstadt. Der Stil der feindlichen Übernahme dokumentiert nachhaltig, wie hier Kollegialität und Abstimmung in der deutschen Informationswissenschaft gelebt werden. Einfach abstoßend. Man muss sich schämen, wie hier KollegInnen anderer Fakultäten und Hochschulen skrupellos aus ihren über Jahrzehnte lang aufgebauten Institutionen abserviert werden.

 

Das Erschreckendste dabei ist in allen Fällen, dass was Elie Wiesel schon immer betont hat: die Gleichgültigkeit.


Kuhlen: Ein Programm zur Rettung der Informationswissenschaft

Informationswissenschaft als
kritische Aufklärung 

 

Funktion eines gesellschaftspolitischen Watchdogs
auf gesicherter wissenschaftlicher Basis 

 

Warum nicht eine Sondertagung
zur Zukunft der Informationswissenschaft organisieren

- und das gleich?

Nicht nur Sie, sondern wohl alle Informationswissenschaftler waren immer schon, aber sind derzeit besonders besorgt um die Zukunft der Disziplin. Von "Scherbenhaufen" zu sprechen, nutzt wenig. Gefragt ist jetzt offensive Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Bedarf nach Informationswissenschaft plausibel zu machen. Das sollte zentrales Engagement des Hochschulverbandes Informationswissenschaft (HI) werden. 

 

Wenig hilfreich scheint mir dafür Ihre seit vielen Jahren gebetsmühlenartig vorgetragene Empfehlung zu sein, die Informationswissenchaft auf die Shannon/Weaver-Informationstheorie zu gründen und dass nur so die wissenschaftliche Zukunft der Informationswissenschaft gesichert werden könnte. Die Fachwelt hatte sich oft genug mit der Informationstheorie auseinandergesetzt und mit guten Gründen Anforderungen, wie Sie sie vertreten, zurückgewiesen.

 

Richtig ist natürlich, dass in der Informationswissenschaft empirische und konstruktiv-experimentelle Arbeit großen Anteil haben muss - so wie es z.B. Rainer Hammwöhner in Konstanz und Regensburg exemplarisch unternommen hat. Und wie auch sonst in Regensburg, Hildesheim, Düsseldorf, Berlin und an einigen Fachhochschulen geforscht wird. Da wird man den Informationswissenschaftlern in Deutschland wenig vorwerfen können. Das reicht nicht aus. Es muss in einen größeren Kontext gestellt werden.

Informationswissenschaft ist methodisch eine Mischung aus Geistes-, Sozial-/Kommunikations-, Wirtschaftswissenschaft und Informatik etc. (von mir aus auch von Informationstheorie). Keine andere Disziplin hat solche Heterogenität. Das ist das Problem, aber auch die Chance der Informationswissenschaft - nicht zuletzt auch als Brückenfach zwischen Disziplinen, in denen oft mit Blick auf Information isoliert und verkürzt gearbeitet wird. Die Chance auch, um Unheil oder unnötige Kosten in Informationssystemen und -diensten zu vermeiden, die in der Realisierung einen verkürzte, z.B. nur ökonomischen oder nur technischen Blick auf Information bzw. informationsbezogene Vorgänge hatten und nun Akzeptanzprobleme haben oder, was schlimmer ist, tatsächlichen Schaden anrichten - bis zu den Privatheitsverletzungen in den meisten Diensten des Internet.

 

Informationsarbeit ist aktive Aufklärung - Informationswissenschaft kann so etwas wie ein Watchdog sein und kann damit für die Öffentlichkeit und die Politik wichtige Beiträge leisten - nicht zuletzt - aktuell - mit Blick auf Suchmaschinen, die sozialen Medien und die durch BigData/TDM und das Internet der Dinge entstehenden Probleme. Dazu gibt es in den informationswissenschaftlichen Einrichtungen Vorleistungen. Sie müssen breiter bekannt werden - auch in den Publikationsmedien. Solche Aufklärungs-/Transparenzleistung reduziert Informationswissenschaften nicht auf eine Dienstleistungsdisziplin - die "Watchdog"-Funktion ist nur akzeptabel, wenn sie durch entsprechende wissenschaftliche Arbeit begründet ist.

 

Die Informationswissenschaft sollte bei diesen Fragen öffentlich präsent und oft auch Meinungsführer sein. Dass dies, zugegeben in einem Teilbereich, möglich ist, zeigt meine eigene auch informationsethisch begründete, urheberrechtliche wissenschaftliche und politische Tätigkeit. Auch die Anstrengungen und Erfolge von Dirk Lewandowski in Hamburg, die Problematik und Potenziale von Suchmaschinen auch in die breitere, auch politische Öffentlichkeit zu bringen, zeigen in diese Richtung. Das ist nicht Klappern, sondern Verpflichtung.

 

Die Ursache für die institutionelle Krise der Informationswissenschaft in Deutschland (ist) die zu geringe wissenschaftliche Sichtbarkeit der deutschsprachigen Informationswissenschaft (sichtbar für benachbarte Fächer, Gutachter, Förderorganisationen, Politiker, Universitätsgremien, Medien, ...) - man kann auch sagen: die zu geringe Produktivität, Qualität und Internationalität der WissenschaftlerInnen insgesamt (nicht unbedingt einzelner Personen). Das hat viele Ursachen, aber (ist) wohl entscheidend bedingt durch die viel zu dünne Personaldecke in allen informationswissenschaftliche Personaldecke in allen informationswissenschaftlichen Einrichtungen bei unverhältnismäßig großen Studierendenzahlen. Große Forschung ist bei so weniger ProfesssorInnen und so wenig personell gut ausgestatteten Forschungseinheiten kaum möglich. Mit der Lehre allein ist leider wenig zu gewinnen - nicht in Deutschland.

 

Aber Klagen helfen nicht weiter. In der Tat müssen sich die jetzt in der Informationswissenschaft Aktiven und Verantwortlichen zusammensetzen und versuchen, eine Strategie zu entwerfen (eventuell sich auch professionell beraten zu lassen) - inhaltlich wissenschaftlich und für eine große Offensive in Politik, Medien und Öffentlichkeit. Warum nicht eine große Sondertagung zur Zukunft der Informationswissenschaft organisieren? Nicht auf die nächste IS, die informationswissenschaftliche Fachtagung warten!..."

 

Hinweis: Dieser Beitrag erschien am 23.03.2016 im Open Password Pushdienst

 


#saveIWS: Das große Theater der Informationswissenschaften in Düsseldorf

Informationswissenschaften Düsseldorf
nur mit realer Überlebenschance
bei Fortsetzung des Protestes
und Einbindung von Politik und Medien

Nach Abwicklungsbeschluss der Medien muss die Rektorin entscheiden

Von Michael Klems

Da sitzt sie nun, die kleine Maus. Sie starrt auf die rasselnde Schlange und hofft, wenn sie nur keine Bewegung macht, nicht zur Mahlzeit des Reptils zu werden. Diesen Eindruck mag der außenstehende Wirtschaftler von der Entwicklung in Düsseldorf haben, die zu einer Entscheidung führte, die der Informationsbranche überhaupt nicht schmeckt: Die geplante Einstellung des Studiengangs „Informationswissenschaft“ an der Heinrich-Heine-Universität ereignete sich nicht so plötzlich, wie sie nach Außen erscheinen mag. Ein Professor geht nicht ungeplant in Rente und ein Dekan fällt eine Entscheidung nicht über Nacht. Kürzungspolitik, Mittel- und Projektlaufzeiten sind weitreichend bekannt wie der jährliche Heilig-Abend-Termin. Es folgt der Versuch einer Darstellung der Rollenverteilung in diesem Drama mit mehreren Akten, von denen wir nur die beiden finalen Akte sehen werden. Wenn dann der Vorgang fällt, wird dieses Stück in das Archiv der Mythen verschwinden.

 

Als Betrachter von #saveIWS entwickelt man über die Beiträge und Tweets, aber auch über weitere Gespräche ein Bild. Meine erste Reaktion nach dem Bekanntwerden einer möglichen Schließung des Fachbereichs Informationswissenschaft war ein Telefonat mit Willi Bredemeier. Für mich war es wichtig zu erfahren, welche Relevanz die Informationswissenschaft für die Branche hat. Ich bin hier ehrlich: Was bringt Informationswissenschaft den Information Professionals? Diese Message hatte mich bislang nicht erreicht. Die Webseiten der Ausbildungsgänge im Bereich Dokumentation und Informationswissenschaften hatte ich unter der Vorbereitung für die „Steilvorlagen Veranstalltungen“ ab und an eingesehen. Das wird sich jedoch ändern.

 

Jeder Person und Gruppierung kommt im Fall #saveIWS eine Rolle zu. Das Bild hierzu habe ich mir über die öffentliche Darstellung und Gespräche beispielsweise mit der Fachschaft (Podcast Interview)  gebildet. Eine Übersicht bietet Ihnen das Storyfi Board zu #saveIWS. Es ist eine subjektive Sichtweise. Nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion für Ihre Meinung und Sichtweise. Sie haben durch ihre Informationen einen anderen Blick auf die Dingen. Es wäre interessant, diese zu erfahren.

 

„Mit den Studenten wird Roulette gespielt“

Die meisten Studenten haben vom Sachverhalt sehr wahrscheinlich genauso spät erfahren, wie die Medien und Köpfe außerhalb des Campus. Wir kennen dies aus Unternehmensgeschichten, bei denen die Mitarbeiter erst über die Presse erfuhren, dass man die Firma dicht machen wird. Wie immer handelt es bei diesen Ereignissen um eine Vielzahl von Einzelschicksalen. Selbst bei den Studenten muss differenziert werden. Diejenigen Studis, die kurz vor dem Abschluß stehen oder diesen in greifbarer Nähe haben, wird sich nicht viel tun. Vielleicht ist es nun ein kleiner Push (Tritt in den…), die Sache schnellstmöglich zu Ende zu bringen. Weitaus dramatischer stellt sich die Situation für die Einsteiger in den ersten beiden Semestern dar. Es steht ein Niedergang der Ausbildungsqualität durch schwindendes Personal und enormer Druck bevor. Der Druck resultiert aus der Notwendigkeit, in einer festgelegten Zeit das Studium beenden zu müssen, bevor die Lichter in der Düsseldorfer Informationswissenschaft ausgehen.

Die Studentenschaft hat durch das Auftreten bei der Fakultätsratssitzung eine Präsenz gezeigt. Wieviele Studenten sind im Fachbereich? Wie viele waren auf der Abstimmungsveranstaltung? Da ist noch Luft nach oben – auch bei der Nutzung der sozialen Medien. Immerhin lernen dies die Studenten laut Vorlesungsplan. Eine wirklich liebe Truppe und im Sinne von Gunther Dueck zu lieb. Wer mag, darf sich mein Pinterest-Board zu lieben Information Professionals anschauen.

 

Hilflos in Düsseldorf – die Fachschaft strampelt sich ab

Krisenkommunikation und Krisenmanagement sind Aufgaben, die ein Fachschaftsrat sicherlich kaum als Kernaufgabe ins Auge fasst, wenn er sein Amt an der Hochschule antritt. Wir kennen diese Rolle aus anderen Ereignissen im betrieblichen Umfeld. Hier sind es die Betriebsräte, die gemeinsam mit den Gewerkschaften versuchen müssen, zu retten was vielleicht nicht zu retten ist. Diese haben jedoch ein gesetzlich verbrieftes Recht der Mitwirkung. Bei der Fachschaft bleibt es bei der Anhörung. Gemeinsam mit allen Akteuren wird es eine Kernaufgabe der Fachschaft sein, die Aktivitäten zu bündeln und zu koordinieren. Die Kunst der Fachschaft muss es zusätzlich sein, den Laden zusammen zu halten. Mir will das Bild der Musiker auf der sinkenden Titanic nicht aus dem Kopf.

 

Prof. Dr. Stock: Der Lotse geht von Bord

Jahrelang hat der Professor für seine Studenten und Mitarbeiter die Geschicke des Bereichs Informationswissenschaft gelenkt. Lotsen werden an Bord geholt, um die Navigation in nicht bekannten Gewässern mit dem Kapitän des Schiffs zu managen. So wissen diese frühzeitig, wann Untiefen folgen und was hinter der nächsten Flussbiegung folgt. Aus journalistischer Sicht hätte ich drängende Fragen an den Professor: Seit wann waren Ihnen die Planungen zu Einsparungen in Ihrem Fachbereich bekannt? Hätte man aus dem Niedergang in Potsdam nicht Schlüsse ziehen müssen? Wie engagiert gehen Sie persönlich gegen die Abschaltung der Informationswissenschaft vor? War es taktisch nicht unklug, erst auf  öffentlichen Widerstand und Protest zu setzen, als die Entscheidung zur Abwicklung der Informationswissenschaft fast unmittelbar bevorstand? Wäre es vielleicht besser gewesen, über die Informationswissenschaften hinaus stärker auf eine Mobilisierung der Medien und der Politik zu setzen, zumal es Buzzwords wie „Digitalisierung“ und „Wissenschaftsgesellschaft“ gibt, die die Sache der Informationswissenschaft stützen und in den Ohren von Politik und Medien gut klingen?

 

Trotz aller Leistungen der Vorjahre bleibt der fade Beigeschmack, die Informationswissenschaft nicht lebenserhaltend betrieben zu haben. Das Finanzamt spricht bei selbständigen Tätigkeiten, die mehr Kosten als Nutzen verursachen, von Liebhaberei. Sicherlich ist es bei der Informationswissenschaft weitaus anders. Doch diese Information hat die Öffentlichkeit und wichtige Gremien nicht erreicht. Ohne eine stützende Hand, eine Schippe Sand unter dem Kiel wird die Durchfahrt nichts. Professor Stock: Seine Aufgabe ist es, auch diese Unterstützungen frühzeitig mit zu organisieren und taktisch bei künftigen Schritten vielleicht ein wenig gewiefter zu sein.

 

Dekan Prof. Dr. Rosar: Hardliner aus Überlebensgründen 

Auch der Dekan stand unter Druck und hatte nach eigenen Worten „beschissene“ Entscheidungen zu fällen. Die landesweiten Folgen dürften ihn kaum interessieren, denn er muss Kennzahlen und Vorgaben seiner Hochschule umsetzen. Ein großer Posten ist der Finanzetat, den sein Haus erhält. Diesen hat er aufzuteilen und nutzbringend zu investieren. Reine Mathematik für einen Professor der Philosophie, der die Digitalisierung als SmartPhone oder am PC-Arbeitsplatz nutzt. Diese wird auch ohne den Fachbereich Informationswissenschaft weitergehen. Er muss Prioritäten setzen und effizient sein.

Zwar hatte Rosar im Vorfeld Gesprächsbereitschaft signalisiert. So sagte er zumindest. Wie der Verlauf der Fakultätssitzung am letzten Dienstag allerdings nahe legt, bedeutete Gesprächsbereitschaft für ihn nicht, Argumente, die seine vorab getroffene Entscheidung hätten infrage stellen können, in einer ernsthaften Weise zur Kenntnis zu nehmen. Als Hochschulpolitiker muss die Versuchung für ihn, die ihm vom Rektorat vorgegebenen Kürzungen um zwei W3-Stellen dort vorzunehmen, wo dies am geräuschlosesten zu bewirken, groß gewesen sein. Und aus diesem Kalkül lag die Eliminierung der Informationswissenschaft am ehesten nahe, da Prof. Stock in drei Jahren in Rente geht und es keine weiteren Professoren in Düsseldorf gibt, die die Informationswissenschaft als eigenes Fach hätten verteidigen können. Hätte er versucht, in einem anderen Bereich zu kürzen, hätten die dortigen Professoren wahrscheinlich eine Phalanx gegen ihn gebildet. Aber so brachte er seine Fakultätsmitglieder in der Abstimmung mit zehn Ja-Stimmen geschlossen hinter sich, die nach dem St.-Florians-Prinzip lieber für eine Eliminierung der Informationswissenschaften stimmten als Kürzungen im eigenen Bereich hinzunehmen. (Die drei Gegenstimmungen und zwei Enthaltungen kamen ausschließlich aus dem studentischen und außerwissenschaftlichen Bereich.)

 

Rektorin Prof. Dr. Steinbeck: Mutti wird es richten

Alles blickt auf die Grand Dame der Hochschule der Landeshauptstadt in Nordrhein Westfalen. Dabei war sie es, die den Prozess in Bewegung setzte, der letztlich zum Fakultätsbeschluss führte, die Düsseldorfer Informationswissenschaften abzuwickeln. Die Rektorin richtet, um den Ruhm ihrer Hochschule zu mehren, einen Innovationsfonds ein. Dieser soll finanziert werden, indem querbeet durch die Fachbereiche der Hochschule Einsparungen vorgenommen werden.

Allerdings sollen diese Einsparungen in Verhandlungen zwischen Rektorat und den Fachbereichen vorgenommen werden. Wenn Prof. Rosar also einen Fakultätsbeschluss durchdrückt, nach dem die Informationswissenschaften abzuwickeln sind, und auch einer Bitte des Rektors nicht nachkommt, diesen Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, so handelt er nicht im Konsens mit dem Rektorat. Aber reicht diese Verstimmung für den Rektor aus, sich auf die Seite der Informationswissenschaften zu stellen? Sicher nicht, auch wenn die eleganteste Lösung des Konfliktes darin bestünde, die Informationswissenschaften aus den Philosophentürmen herauszunehmen und in den Innovationsfonds der Rektorin zu stellen.

 

Die Rektorin kann auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen. Sie muss das große Ganze im Blick haben. Laut ihrem Profil kommt Frau Steinbeck aus dem gewerblichen Rechtsschutz. Sie wird also genau wissen, wie wichtig Informationen für die Forschung und Entwicklung, aber auch für den Fortbestand eines Unternehmens sind. Einerseits wird sie unnötigen Ärger mit ihren Fachbereichen zu vermeiden suchen und also gleichfalls in Versuchung geraten, in der Zustimmung zu dem Beschluss der Fakultät den geräuschlosesten Weg und damit die Lösung zu sehen. Andererseits ist die Rektorin anders als der Dekan und seine Fakultätsmitglieder nicht nur für inneruniversitäre und innerwissenschaftliche Einflussnahmen offen. Die vielen Proteste aus Wissenschaft und Praxis dürften sie daher stärker beeindruckt haben als den Dekan. Diese Prognose darf daher gewagt werden: Wenn die Informationswissenschaften in Düsseldorf eine reale Überlebenschance haben sollen, wird es ohne eine Fortsetzung des Protestes und ohne eine Einbeziehung der Medien, der Ministerialverwaltungen und der Politik nicht gehen.

 

Die Ehemaligen: Retter aus Überzeugung

 Wären die ehemaligen Absolventen nicht mit einer Meldung an die Öffentlichkeit getreten und hätte Willi Bredemeier und sein Netzwerk (zu dem ich auch zählen darf) mobilisiert, so wäre die gesamte Angelegenheit nicht derart ins Rollen gekommen. Redlich versuchen Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Prof. Dr. Isabella Peters, Dr. Jasmin Schmitz, Dr. Violeta Trkulja und Dr. Katrin Weller zu retten, was kaum noch zu retten erscheint. Getrieben werden diese durch die Erkenntnis, dass Belege für die Wichtigkeit der Informationswissenschaft gefragt sind. Redlich versuchen sie zu flankieren, zu mobilisieren und zu motivieren und scheitern dennoch, da Krisenmanagement und PR nicht auf dem Lehrplan stand.

„Ich sehe die einzige Rettung nur durch Hilfe von Institutionen aus dem Nicht-Wissenschaftlichen-Umfeld. Dies haben einzelne Akteure noch nicht erkannt“ – Michael Klems

 

DGI: „Wir sind nicht der ADAC der Branche“

Es tut mir leid, aber dieses Zitat, welches mir in einer Debatte mit einem damaligen Vorstandsmitglied der DGI vorgehalten wurde, sitzt tief und zeigt, welche Chance dieser Verein in dieser Situation abermals nicht genutzt hat. Mit seiner Organisation „Junge DGI“ hätte er die Studentenschaft unterstützen sollen. Dabei darf es nicht nur bei einem Schreiben bleiben, das erst auf Nachfrage per Twitter veröffentlicht wird. Das Schreiben des Vorstands ist das Mindeste, was dieser Verein leisten kann. Das Abschaffen eines Studiengangs der Mitglieder muss Chefthema und Nummer 1 auf der Agenda der weiteren DGI-Tätigkeiten sein. Die „Junge DGI“ wird ihrer Berufung auch hier nicht gerecht und ist ein weiterer Punkt des DGI-Leistungsprofils ohne besonderen Nachweis. Der Verein, der für sich selbst Branchenrelevanz auf die Fahnen schreibt, sollte in umfassender Transparenz alle Aktivitäten in einem solchen Fall im Tagebuch-Format darstellen. Digital nennt sich ein solches Tagebuch Blog. Die zahlenden Mitglieder, insbesondere die Studenten, haben diesen Tätigkeitsnachweis im Krisenfall mehr als verdient und sollten dies in einer Mitgliederversammlung unter dem Punkt „Verschiedenes“ einfordern. Dabei geht es in der aktuellen Situation nicht um eine Autopanne, sondern hier steht ein Haus im vollen Brand.

 

„Ja ich habe es wieder getan und nutzen Sie bitte Ihre Energie für den Einsatz der Studentenschaft in Düsseldorf.“ – Michael Klems

 

Bredemeier, Hochschulradio und Umstätter – Gnadenlose Analysten

Das Hochschulradio versucht, eine objektive Sichtweise auf die Ereignisse zu geben, während Bredemeier und Umstätter schonungslos den Niedergang der Informationsbranche nicht nur, aber auch als Folgen rückläufiger Finanzierung dokumentieren.

Fachliche Argumente spielen auch bundesweit kaum eine Rolle, wenn es um die Finanzen geht. Die Geschichten von Niedergängen in der Informationsbranche werden nicht abreißen.

 

Die aktuellen Ereignisse in Düsseldorf sollten allen Beobachtern zu denken geben. Sind Studiengänge passend in der Hochschule eingebunden? Wie ist die Wahrnehmung eines informationswissenschaftlichen Fachbereiches an der Universität, international und national in der eigenen Disziplin sowie in Wirtschaft, Politik und in den Medien? Aber auch der Markt der Information Professionals muß sich viele Fragen gefallen lassen. Sind wir präsent? Sind wir wahrnehmbar und werden wir überhaupt nach Außen vertreten?

 

Die Informationsbranche ist auf dem besten Wege, die Hoheit über den Begriff „Information“ zu verlieren und diesen an andere Branchen abzugeben. Diese Anderen sind die Digitals mit den Schwerpunkten Content, Internet der Dinge und Industrie 4.0. Information ist ohnehin da und kommt aus der Suchmaschine. Qualitätsinformation und Tiefgang muß spektakulär verpackt werden. Die Marktteilnehmer, die es schaffen, dies zu besetzen und auch zu verkaufen werden als Profiteure hervorgehen.

 

Persönlich möchte ich allen Akteuren für ihren Einsatz danken und zu mehr Geschlossenheit aufrufen. Die Branche ist da, jedoch zu leise und zu still. Lassen Sie uns das ändern.

 

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Über den Autor
Michael Klems ist seit 1991 als selbständiger Information Professional tätig. Bereits 1994 hat er mit dem Buch „Informations-Broking“ die Tätigkeit eines Information Professionals lange vor dem Internet Hype beschrieben. Er ist Autor zahlreicher Fachbeiträge im Online-Bereich und als Trainer für die elektronische Recherche in Europa tätig. Klems ist der Kopf hinter dem Online-Dienst infobroker.de. Seit 2011 ist der Kölner in seiner Wahlheimat in Sonthofen im Allgäu tätig.