Die Überlebenskrise der Bibliotheken
verlangt konkretere Antworten

Von Willi Bredemeier

Soweit so gut. Aber was bedeutet die Bibliothek als Informations- und Kommunikationszentrum konkret?

Die Reaktionen in Deutschland sind kaum weniger heftiger als die in der Schweiz ausgefallen. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Schweizer auch in den Sozialen Medien und Chatlisten hierzulande aktiv sind und ihre deutschen Kollegen beeinflussen. Eine der heftigeren Reaktionen kam denn auch von Christian Gutknecht in InetBib:

Guten Tag,

Hier ein weiterer total unqualifizierter Kommentar von Ball:http://www.researchinformation.info/news/news_story.php?news_id=2077Es ist einfach nur peinlich realitätsfremd und dem Amt als ETH-Bibliotheksdirektor unwürdig, die heutige Situation als „established, reliable and sustainable“ zu bezeichnen und sich gleichzeitig als „begnadeter Vordenker“ (https://dl.dropboxusercontent.com/u/13689512/begnadeter%20Vordenker.pdf) zu ernennen. Liebe Regensburger, kann man euch irgendwie ein Angebot machen, dass ihr den Ball wieder zurücknehmt? Ich bin gerne bereit eine Crowdfunding-Kampagne zu starten. 

freundliche Grüsse Christian Gutknecht 

Zum anderen befinden sich die deutschen Bibliotheken im Überlebenskampf und geht insbesondere die Zahl der kleinen Bibliotheken von Jahr zu Jahr dramatisch zurück. Da muss vielen das Statement ihres Ex-Regensburger-Kollegen als total unsolidarisch und als Dienstleistung für die Politiker, die Bibliotheksetats kürzen, vorkommen. Umgekehrt könnte Ball antworten, dass eine vorwiegend defensive Diskussion den Bibliothekaren wenig gebracht hat.

Auch wenn Ball recht hat, offensichtlich besteht ein innerbibliothekarischer Diskussions- und mit Blick auf die breite Öffentlichkeit weitgehender Vermittlungsbedarf. (Information Professionals können allerdings von dem Image der Bibliotheken, das als Hort der Kultur tief im Bewusstsein der Bürger eingeprägt ist, nur träumen.) Was tun? ·

– „Informations- und Kommunikationszentrum“ ist ein viel zu allgemeiner Begriff, als sich daraus geeignete Konsequenzen ableiten ließen. Wie brauchen einen geeigneteren Bezugsrahmen, um viel versprechende Wege aufzuzeigen, wie Bibliotheken überleben können. ·

– Es gibt ja die bibliothekarischen Leuchttürme, die täglich ihre Success Stories schreiben. Diese müssen wir unter den Bibliothekaren und vor allem in der breiten Öffentlichkeit verbreiten, statt den Bedürfnissen der Medien nach einer weitgehenden Entdifferenzierung entgegenzukommen. ·

– Teil eines geeigneten Bezugsrahmens für die Überlebensdiskussion könnte auch die folgende These sein: Es gibt nicht die eine Lösung für die Bibliothekskrise. Bibliotheken müssen so heterogen werden, wie es ihre Kundengruppen sind. Soweit in diesen Communities eine zumindest potenzielle Nachfrage nach personalisierten Dienstleistungen besteht und Bibliotheken diese liefern können, müssen sie um ihre Zukunft nicht fürchten.

„Open Password“ will im Rahmen dieser Ansätze einen Beitrag leisten. Auch Ihre Meinung ist willkommen. Schreiben Sie uns!

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Über den Autor

Dr. Willi Bredemeier, Autor Fiction und Non-Fiction, ist seit dreißig Jahren Redakteur von Password. Derzeit stellt er Password, die Fachzeitschrift für die Informationsbranche im deutschsprachigen Raum, gemeinsam mit Partnern auf „Open Password“ – alles elektronisch und alles kostenfrei – um, um die Information Professionals mit einer umfassenden Plattform für Information und Kommunikation zu versorgen.