Informationswissenschaften Düsseldorf – Willi Bredemeier – Michael Klems – Informationswissenschaften im deutschsprachigen Raum – Information Science – change.org – #saveiws – Password

Der Protest

Weitgehende Mobilisierung
der deutschsprachigen Informationswissenschaft
gegen Düsseldorfer Schließungspläne

Proteste auch aus der
angelsächsischen Information Science

Petition bei Change.org
von 514 Unterstützern unterschrieben

Der Protest gegen die Schließung der Düsseldorfer Informationswissenschaften hat sich am Freitag ausgeweitet, teilweise abgerundet und institutionalisiert. Dazu haben auch Willi Bredemeier und Michael Klems, als Partner bei „Steilvorlagen“ und für das neue „Open Password“ miteinander verbunden, beigetragen. InfoSzene Newsroom ?@infoszene sah das gestern so:

„Bereits mehr 1.000 Abrufe der offenen Briefe von Bredemeier und Klems an Uni Rektorin #saveIWS #iwhhu http://ht.ly/Xn9JC“.

Mittlerweile lässt ich von einer weitgehenden Mobilisierung der deutschsprachigen Informationswissenschaften sprechen und liest sich die Liste der Protestierenden wie ein „Who´s Who“ dieser Disziplin. Hinzu kommen sehr viele Proteste direkt und indirekt betroffener Studenten sowie viele Proteste namhafter Wissenschaftler aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland, insbesondere auch aus der angelsächsischen Information Science. Lucas Tuczykont hat bei „Change.org“ eine Möglichkeit eingerichtet, eine Petition zur „Erhaltung des Studienfaches Informationswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf“ zu unterschreiben:

https://www.change.org/p/erhaltung-des-studienfaches-informationswissenschaft-an-der-heinrich-heine-universit%C3%A4t-d%C3%BCsseldorf-saveiws

In diesem Augenblick, da ich dies schreibe, beträgt die Zahl der Unterstützer 514.

Der Hashtag für Kommentare auf Twitter lautet:

#saveiws

Beispiele aus den letzten Stunden lauten:

Silke Bromann ?@Silke_Bromann: „Informationswissenschaften in Düsseldorf vor dem Aus?“ #infobroker #iwhhu #saveiws http://www.infobroker.de/blog/informationswissenschaften-in-duesseldorf-vor-dem-aus/ …

Marie B. ?@mariebki: Suddenly im Zeitalter der Digitalisierung. „Hey! Lasst uns Informationswissenschaft abschaffen!“ Seems legit. #iwhhu #HHU #saveIWS

Ulrike Küsters ?@Ulli42: @ Düsseldorfer Informationswissenschaft: Wir bei Fraunhofer brauchen gut ausgebildete Informationswissenschaftler #SaveIWS

Mithin lässt sich einer weitgehenden Mobilisierung der relevanten Infomationswissenschaft auf allen Ebenen sprechen. Eine vergleichbare Bereitschaft zur Mobilisierung gab es allenfalls, als seinerzeit der Lehrstuhl Wersig in Berlin abgewickelt werden sollte. Aber damals war E-Mail noch nicht das selbstverständliche Kommunikationsmedium von heute und existierten die Sozialen Medien nicht.

Am Montag, rechtzeitig vor der entscheidenden Sitzung der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf am Dienstag, werden die Initiatoren des Protestes, die Düsseldorfer Absolventen und Password-Autoren Dirk Lewandowski, Isabella Peters, Jasmin Schmitz, Violeta Trkulja und Katrin Weller die Proteste, soweit sie ihnen zugänglich sind, bündeln und sowohl der Philosophischen Fakultät als auch dem Rektorat noch einmal verfügbar machen – dies auch für den Fall, dass die inneruniversitäre Verteilung von Briefen aus der Schneckenpost zeitlich verzögert funktioniert. Über die Beteiligung der Praxis an dem Protest gegen die Schließung der Düsseldorfer Informationswissenschaften berichten wir in Kürze.

 

Brief von Password

Blick eine Kooperationspartners
auf eine relevante
und praxisoffene Informationswissenschaft

Nordrhein-Westfalen täte gut daran,
seine viel versprechenden Potenziale
zu pflegen

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Steinbeck,
sehr geehrter Herr Professor Dr. Rosar,

seit dreißig Jahren gebe ich die Fachzeitschrift „Password“ für kommerzielle und freie Internet-Dienste für den deutschen Sprachraum heraus und erreiche damit die Information Professionals in der Industrie, im Dienstleistungssektor und in öffentlichen Einrichtungen, die Informationsanbieter und die Informationswissenschaften.

In diesen dreißig Jahren hat sich eine besonders enge Zusammenarbeit mit den Informationswissenschaften in Düsseldorf ergeben. Seit einer Reihe von Jahren sind die Autoren meiner Zeitschrift, die dort regelmäßig veröffentlichen, mehrheitlich im informationswissenschaftlichen Studiengang der Heinrich-Heine-Universität ausgebildet worden. Heute sind sie führende, wenn nicht die führenden Experten beispielsweise in den Bereichen Suchmaschinen, Social Web, Wissenschaftliches Publizieren und Linked Data. Der gegenwärtige Lehrstuhlinhaber in Düsseldorf, Prof. Stock, betreute über ein Jahrzehnt eine bedeutende Rubrik in Password, in der er die wichtigsten elektronischen Produkte für die Informationsversorgung von Wirtschaft und Wissenschaft auf dem deutschen Markt auf Qualität der Inhalte, Funktionalität und Preis-Leistungs-Verhältnis testete. Sein Vorgänger, Prof. Henrichs, gilt als einer der großen Pioniere der deutschsprachigen Informationswissenschaft, der die Anfänge dieser Disziplin mitgeprägt hat.

Ich habe die Düsseldorfer Informationswissenschaften immer als besonders relevant, offen für neue Entwicklungen, offen für die Probleme der Praxis und kooperationsfähig kennen gelernt. (Es gibt auch eine Reihe grundlagenorientierter Schriften, um die ich mich mit Password weniger gekümmert habe.) Die Düsseldorfer Informationswissenschaften haben sich aus meiner Sicht um die Entwicklung ihres Faches besonders verdient gemacht. Dies gilt auch für die Beziehungen zur Praxis (für die zum Beispiel Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Informationsanbietern und den wissenschaftlichen Bibliotheken entwickelt wurden). Nach allen mir vorliegenden Indizien besteht eine bedeutende Nachfrage nach Absolventen der Düsseldorfer Informationswissenschaften, die zu einem guten Teil an zentralen Positionen unserer Informations- und Wissensgesellschaft unterkommen.

Aus meiner Sicht stellen die Informationswissenschaften, so wie sie in Düsseldorf betrieben werden, mit ihrer Begleitung des Digitalisierungsprozesses unter besonderer Berücksichtigung von Inhalten und gemeinsamer Schnittstellen zu den Medien einen positiven Standortfaktor dar. Nordrhein-Westfalen, das in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich hinter dem Süden der Republik zurückgefallen ist, ist in den Bereichen Informationswirtschaft sowie Informations- und Wissensgesellschaft nicht besonders stark aufgestellt, obgleich gerade in diesen Bereichen Arbeitsplätze geschaffen und unsere Zukunft gestaltet wird. Das Land täte gut daran, die viel verprechenden Potenziale, über die sie in diesen Bereichen bereits verfügt, zu pflegen.

Ich appelliere an Sie, meine Argumente für Ihre Entscheidung über die Zukunft der Düsseldorfer Informationswissenschaften mit zu berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Willi Bredemeier
Chefredakteur und Verleger von Password

Jetzt für den kostenfreien Push-Dienst registrieren