Informationswissenschaft Düsseldorf - Informationswissenschaft Deutschland - 
Walther Umstätter - AStA Universität Düsseldorf - Isabella Peters - 
Europäische Kommission - Altmetrics

Informationswissenschaft

Schließung der Informationswissenschaft
schreitet seit Jahrzehnten voran

Wenn die Informationswissenschaft
nicht fundamental aufgebaut wird,
macht der Letzte hier bald wirklich das Licht aus

Mittlerweile haben praktisch alle regelmäßigen Autoren von Password gegen die beabsichtigte und von der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf durchgewunkene Schließung der Düsseldorfer Informationswissenschaft Stellung bezogen. Password-Autor Walther Umstätter setzt den Vorfall in die allgemeinere Entwicklung des jahrzehntelangen Niederganges der Informationswissenschaft nach Stellen und Finanzierung und fürchtet um die Existenz der gesamten Disziplin. Wir übernehmen seinen Beitrag aus „Internet in Bibliotheken“.

 „Für diejenigen Informationsspezialisten, die es inzwischen vergessen haben sollten: Die Schließung der Informationswissenschaft schreitet in Deutschland seit Jahrzehnten voran. Nachdem die Nachfolge von Wersig an der FU Berlin, die von R. Kuhlen in Konstanz, die von H. Zimmermann in Saarbrücken, oder auch die von P. Kaegbein in Köln gestrichen war, ist nun die von W. Stock in Düsseldorf virulent. Auch die Streichung der Dokumentation in Potsdam ist nicht zu vergessen.

Siehe auch. die Schule für Medizinische Dokumentation in Ulm.

Ich entsinne mich noch gut daran, dass P. Kaegbein nach dem Mauerfall noch viel Kraft in den Neuaufbau des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der HU-Berlin gesteckt hatte, und dass ich, nachdem ich bei diesem Neuanfang zufälligerweise die erste berufene Professor an der HU inne hatte, den Dekan der Philosophischen Fakultät. I 1994 besuchte, um mir bereits anzuhören, dass nun wieder Stellenstreichungen im Gange waren. Was lag für die Fakultät näher, als ein Institut zu streichen, das noch gar nicht vollständig besetzt war. Danach waren wir, bis zu meiner Emeritierung 2006 vorwiegend damit beschäftigt, alles zu tun, um dieses Institut zu retten. Als gäbe es nichts Wichtigeres in der Informationswissenschaft zu tun. Es gab damals viele, die uns halfen, so wie auch Prof. E. Mittler, der die Neubesetzung durch Prof. M. Seadle sehr professionell erreichte. Danach kamen noch Prof. P. Schirmbacher und Prof. V. Petras hinzu. Trotzdem kann man sich nicht sicher sein, ob dieses Institut auf längere Sicht in trockenen Tüchern ist.

Es gehört mit zu der aktuellen Diskussion „Sind Universitäten unregierbar?“, dass der Ausbau von Hochschulen, oder auch die Streichung von Instituten keine Frage der inhaltlichen Diskussion sind, sondern fast ausschließlich aus taktischen Erwägungen entspringen. Was lässt sich mit dem geringsten Widerstand streichen? Ab wann sind Studentenunruhen zu erwarten? Es ist auch gleichgültig, wie viele iatrogene Schäden die Medizin und die Pharmazie jährlich erzeugt, ihre Lobby sorgt für ungebremstes Wachstum bei den Versicherungen.

Ich entsinne mich, dass sich unser Dekan, bei seinen Streichungsüberlegungen vehement dagegen verwahrte, dass sich Außenstehende in seine Entscheidungsfindung einmischen wollten. Dazu pickte er sich auch gern Argumente von Briefschreibern heraus, die er anhand ihres mangelhaften Insiderwissens lächerlich machen konnte, um damit auch unsere Bemühungen wenn möglich ins Lächerliche zu ziehen. Ich vermute, dass die Entscheidungsträger in Düsseldorf auch auf ihre „Informationswissenschaft und Sprachtechnologie“ verweisen werden.

Ein Argument, unser Institut zu schließen, war damals auch, dass der hohe Praxisbezug eine Aufgabe der Fachhochschule in Potsdam sei. Insofern sollten Informationswissenschaftler, die den hohen Praxisbezug betonen, der ja unzweifelhaft besteht, vorsichtig sein, wenn sie dabei das informationstheoretische Fundament der Informationswissenschaft vernachlässigen.www.welt.de/print-welt/article332009/Information-ist-neben-Materie-und-Energie-die-oft-vergessene-dritte-Saeule-der-Physik.html

Es würde mich zwar freuen, aber auch wundern, wenn sich an den bevorstehenden Beschlüssen in Düsseldorf argumentativ noch so rasch etwas ändern ließe und ob genug Studierende dafür auf die Straße gehen, ist fraglich.

Auch die Resonanz hier in Inetbib lässt noch nicht erhoffen, dass es einen Aufschrei der Empörung geben wird. … Schon kurz nach dem IuD-Programm hatte die Bundesrepublik Deutschland aufgegeben, der dokumentarischen Vormachtstellung der USA Paroli zu bieten. Während man hierzulande diskutierte, ob es Digitale oder Hybride Bibliothek heißen sollte, hat man im Digital Library Programm der USA Google aus der Taufe gehoben. Schon am Beginn des Internets erkannte das US-Amerikanische Militär welches Potential im Internet (Arpanet) steckte, während man hier Jahrzehnte danach über die Enthüllungen von E. Snowden Erstaunen demonstrierte.

Alle beklagen die Monopolstellung von Google, und der Kollege D. Lewandowski versucht ja auch mit einem konstruktiven Vorschlag zu seinem freien Web-Index Abhilfe zu schaffen, aber wenn die Informationswissenschaft ab- und nicht fundamental aufgebaut wird, macht der Letzte hier bald wirklich das Licht aus.

MfG Walther Umstätter“

#saveIWS 

Studierende und AStA nicht oder zu spät
von Düsseldorfer Schließungsplänen informiert

Hätten die Studenten der Informationswissenschaft bereits vor zwei Monaten von
den Schließungsplänen zu den Informationswissenschaften in Düsseldorf wissen können? Glaubt man dem Kommentar auf dem Hochschulradio unter so liegt es am
Desinteresse der Studierenden, die AStA-Veranstaltungen zu besuchen.

Kommentar Hochschulradio: http://hochschulradio.de/politur-am-donnerstag-28-januar/

Die AStA stellt den Kommentar der unter den Studierenden für sehr viel Ärger
sorgte auf Facebook klar: „An dieser Stelle, möchten wir auch betonen, dass wir nicht eher über die Schließung der Informationswissenschaften Bescheid wussten. Wir wussten nur
von den unkonkreten Plänen, die aber schon seit Jahren bestanden haben.“
https://www.facebook.com/AStAHHU/posts/10153433527890292

Isabella Peters

Empfehlungen für ein Bewertungssystem
jenseits des Impact Factors

Password-Autorin Isabella Peters wurde von der Europäischen Kommission als Mitglied der High Level Expert Group „Expert Group on Altmetrics“ berufen (Generaldirektion Forschung und Innovation).

Die sechs Mitglieder der EU-Expertenkommission sollen Vorschläge für ein alternatives Bewertungssystem wissenschaftlicher Arbeit jenseits des quantitativen zitationsbasierten Impact Faktors erarbeiten. Isabella Peters ist Wissenschaftlerin am ZBW und Professorin für Web Science an der Uni Kiel.

Herausgeber:
Password Redaktionsbüro
Dr. Willi Bredemeier
Erzbergerstraße 9-11
45527 HattingenTel: (02324) 67009
E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
Web: www.password-online.de

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