Wie sieht die Zukunft des „Information Professionals“ aus? Findet sich der Mitarbeiter einer Research-Abteilung bald neben Märbelpickern (Kalksteinklopfer), Ameislern (Ameisenpuppensammler) und Rohrpostbeamtinnen (überwacht Rohrpostverkehr) in der kuriosen Liste vergessener Berufe, die Spiegel Online1 im Jahr 2014 auf herrliche Weise bebilderte? Muss der einst von den Unternehmen so nachgefragte, weil für strategische Entscheidungen wichtige Beruf, schon bald noch härter ums Überleben kämpfen?

Von Michael Krake, Geschäftsführer LexisNexis GmbH (Düsseldorf)

Wer beherrscht die Datenflut?

Sie denken, dass gerade im zunehmend digitalisierten Informationszeitalter und der entsprechenden Wertschöpfungskette mit Global Media und Big Data der Beruf des Researchers so richtig boomen müsste? Das wäre schön. Schließlich ist die Qualität von Recherchen angesichts der immer größer werdenden Massen verfügbarer Daten(quellen) von wesentlicher Bedeutung für strategische Entscheidungen in Unternehmen. Wer, wenn nicht der Researcher, könnte besser die wirklich relevanten von den weniger wichtigen Quellen unterscheiden, auswählen und damit die Datenflut in die richtigen Bahnen lenken?

Doch leider gilt der Prophet im eigenen Lande wenig und so hat es auch der Rechercheur im eigenen Unternehmen zunehmend schwer. Die Wertschätzung gegenüber seiner Arbeit nimmt kontinuierlich ab, Stellen in Research-Abteilungen stehen weit oben, wenn es um Einsparmaßnahmen geht.

Wie passt das alles zusammen? Warum verliert dieser Beruf an Ansehen?

Die Antwort ist lapidar, aber folgeschwer: Weil heute jeder, der etwas recherchieren will, „schnell mal ins Internet geht“ und sich die – vermeintlich richtigen und wichtigen – Informationen selbst besorgt, anstatt gefühlt lange auf validierte Ergebnisse der Rechercheabteilung zu warten, sofern es eine solche im Unternehmen (noch) gibt oder diese intern überhaupt bekannt ist. Das mag in einigen Fällen zu schnellen und vielleicht sogar zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Als Grundlage für wichtige Unternehmensentscheidungen ist diese Art der Recherche jedoch sicher nicht geeignet. Denn das frei zugängliche Internet beinhaltet nur einen Teil der gesamten verfügbaren Informationen und die Ergebnisse der Suchmaschinen werden nach kommerziellen Kriterien gelistet.

„Umfassend informiert zu sein ist aber eine wichtige Grundlage für strategische Entscheidungen“, betont Prof. Ragna Seidler-de Alwis vom Institut für Informationswissenschaft an der Fachhochschule Köln in unserer Studie2 über die Entwicklung des Information Managements. Voraussetzung dafür ist der Zugang zu einer großen Bandbreite an Quellen mit erheblicher Informationstiefe, die über frei verfügbare Suchmaschinen nicht gegeben ist.

Wirtschaftlich denken, offensiv kommunizieren, Zusatzqualifikationen erwerben.

Das leuchtet jedem ein. Dennoch wird die schleichende Veränderung in der Art der Recherche wie auch im Berufsbild des Information Professionals von vielen Unternehmen nicht richtig wahrgenommen. Ebenso wenig die Auswirkungen auf die Qualität der Recherchen und wiederum deren Auswirkungen auf die Qualität von Entscheidungen.

Um die abnehmende Bedeutung und das Ansehen wieder zu steigern, sollten Information Professionals gegen diesen Trend ankämpfen. Ihre besten Argumente gegen die Self-Research-Mentalität sind dabei neben dem Expertenwissen auch Aufklärungsarbeit, Zuverlässigkeit und Service. Weitere Maßnahmen gegen den Bedeutungsverlust können sein:

  • Die kontinuierliche Demonstration wirtschaftlicher Denkweisen, die das Unternehmensmanagement davon überzeugt, dass Informationsdienstleistungen optimal dazu beitragen, die Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen.
  • Offensive Kommunikation: Information Professionals müssen der Geschäftsführung gegenüber „sichtbar sein“3.
  • Koordination bei allen informatorischen Prozessen: Auswahl, Empfehlung, Einführung und Begleitung von elektronischen Lösungen aufgrund von Expertenwissen und damit Abgrenzung gegenüber der reinen Verwendung von Technik.
  • Zusatzqualifikationen: Wenn nicht ohnehin vorhanden, Weiterbildung in Bereichen wie Betriebswirtschaftslehre, IT oder Sprachen4.

Literaturnachweise

1    http://www.spiegel.de/fotostrecke/ausgestorbene-berufe-einer-musste-den-job-ja-machen-fotostrecke-105576.html 

2    http://www.lexisnexis.de/informationsmanagement/interview-seidler-de-alwis

3    Vgl. Bredemeier „Die ultimativen Herausforderungen für InfoPros: Antworten, Lösungen, direktes Mitwirken am Unternehmenserfolg.“ In: Password, Ausgabe 12/15, S. 6.

4    Vgl. dazu auch die Ausführungen in der Masterarbeit von Anna Lamparter „Kompetenzprofil von Information Professionals in Unternehmen“.

Über den Autor

Michael Krake ist seit 1998 im Reed Elsevier Konzern tätig. Nach mehreren Positionen für LexisNexis im Ausland ist der ausgewiesene Informationsexperte seit 2010 Geschäftsführer der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität Bonn Nordamerikanische Regionalwissenschaften sowie in Köln Informationswissenschaften. Er ist Mitglied im American + British Chamber of Commerce.